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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Dersfelber

für den Kreis Hersfeld

Wiest

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen: .Illustriertes Sonntagsblott" und Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nr. 314.

Sonnabend, den 13. September

1914.

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

Verlustlisten!

Nr. 1 -21 zu haben in der Geschäfts­stelle des Tageblattes.

Bus der Heimat.

* (Eine vaterländische Anregung für Ver- e i n e.) Dem Zentralkomitee vom Roten Kreuz ging jünst aus Aschersleben folgende Anregung zu: Schätzungsweise bestehen in Deutschland minde­stens 60 000 Vereine geselliger, wirtschaftlicher, wissen­schaftlicher und vergnüglicher Art. Kegelschieben, Tennisspielen, allgemeine Verschönerung, Theater, Symphoniekonzerte,wissenschaftliche Bestrebungen jeder Art alles das, was nicht unbedingt das nationale Wohl fördert, muß zurücktreten, solange der Feind die Grenzen bedroht. Wenn jeder dieser 60 000 Vereine, von denen sehr viele über ein erhebliches Vermögen verfügen, im Durchschnitt nur 50 Mk. spendet, so sind wiederum fürs Rote Kreuz 3 Millionen zusammen­gebracht. Am guten Willen fehlt's heute ebenso wenig wie an Mitteln. Es bedarf nur einer wirksamen, planmäßigen Anregung. Bürgermeister und Amts- ?.?^lteber! Nehmt die Sache in die Hand und weist sämtliche Vereine Eures Amtsbezirks mit freundlicher Bltte auf diese Anregung hin! Veranlaßt, das der Schatzmeisterkasse des Zentralkomitees vom Roten Kreuz, Berlin, Königliche Seehandlung, Markgrafenstr. 68, die Summen gugehen, damit es nicht nur seine unmittelbarsten großen Aufgaben zu erfüllen imstande lst, sondern auch diejenigen Zweigvereine wirkungs­voll unterstützen kann, die es am meisten bedürfen." Der außerordentlich gesunde Grundgedanke dieser An­regung ist auch in den Vereinen selbst bereits lebhaft erwogen und in erfreuliche Wirklichkeit umgesetzt worden, wie die verschiedentlichsten Vereinsspenden für vaterländische Zwecke beweisen. Für alle die- lenrgen Vereine und Gesellschaften, die weder über erue reich gefüllte Kasse verfügen noch besondere Sammlungen veranstalten wollen, dürfte der Vor- jchtag eines Rathenower Fabrikanten mustergültig sein, wonach während der Kriegszeit keinerlei Klub- ^nund ähnliche Veranstaltungen stattfinden, sondern die hierfür bestimmten Gelber vaterländischen Zwecken uberwiesen werden sollen. In Verwirklichung dieses Kükens hat jener Fabrikant mit Zustimmung jemer freunde bereits eine zu einem Klubessen an­gesammelte Kegel-Kasse seines Vereins dem Roten Kreuz abgeliefert. Möge das dankenswerte Beispiel recht segensreiche Nachahmung finden!

^u-^e i ne Fe l - po st te l eg r a m me.) Es wird öfters versucht, an Familienmitglieder im Felde Telegramme zu senden in dem Glauben, daß tele- strapische Nachrichten die Angehörigen der mobilen Truppen eher und sicher erreichen wie gewöhnliche Feldpostbriefe und Karten. Demzufolge gibt das Reichspostamt, um allen Zweifeln zu begegnen, noch- wals erneut bekannt, daß Telegramme an Angehörige des mobilen Feldheeres nicht zulässig sind. An Ange­hörige des stabilen Feldheeres, also an Truppenteile w festen Standorten, z. B. Besatzungstruppen auf Festungen, können nach wie vor Telegramme zum üblichen Gebührensätze aufgegeben werden.

* (Mehr Zigarren!)Erzbereit" sind unsere Truppen ins Feld gezogen: vom Chef des General- stabs und vom Kriegsminister bis zum Proviant- und Futtermeister haben alle bis aufs Kleinste vorgesorgt. Und doch vermissen unsere Braven im Quartier in Feindesland eines: die Zigarre. In den Ländern, in denen jetzt auf blutiger Walstatt gestritten wird, ist 16 die Zigarre so gut wie unbekannt. Die Zigarette und die Pfeife sind dort, die Wege, auf denen sich der Raucher den Tabak schmecken läßt. Der französische Soldat erhält täglich seine Ration Tabak, aus denen er sich dann seine Zigarette selbst dreht. Aber vielen deutschen Soldaten ist die Zigarre nun einmal lieb geworden. Wer darum an unseren Feldgrauen ein gutes Werk tun wollte und wer möchte das nicht der kaufe Zigarren.

m * sEine interessante Rechtsfrage.) Der Grundstücksvermittler Martin E.von Cassel hatte vor

längerer Zeit ein Grundstück verkauft, das stark mit Hypotheken belastet war. Die Auflassung auf den Namen des neuen Käufers, der zuletzt einer der Hypothekengläubiger war, konnte jedoch noch nicht er­folgen. Inzwischen kam E. in Vermögensverfall und wurde auf Antrag eines Gläubigers zum Offen­barungseid geladen. Hierbei gab E. nicht an, daß er dem Namen nach noch Besitzer des verkauften Grund­stückes sei. Der Gläubiger, der nach dem geleisteten Offenbarungseid davon erfuhr, erstattete gegen E. Anzeige wegen Meineides. Dieser Anzeige wurde zwar nicht stattgegeben, doch gegen E. das Verfahren wegen fahrlässigen Falscheides eingeleitet, da E. als erfahrener Grundstücksvermittler wissen mußte, daß ihm ein von ihm verkauftes Haus noch so lange ge­höre, bis es auf den Käufer durch den Auflassungsakt rechtlich übergegangen sei. Wegen fahrlässigen Falsch­eides verurteilte die Strafkammer den E. zu drei Monaten Gefängnis.

§ HerSfeld, 11. Septbr. Hessische Kriegs­versicherung. Die Einrichtung der Kriegs­versicherung findet in allen Bevölkerungskreisen allgemeine Anerkennung und das Verständnis für ihr wohltätiges Wirken wächst erfreulicherweise immer mehr. Wie gering sind die Aufwendungen gegenüber dem großen Vorteil, den die Versicherung bietet! Fällt der Versicherte, so steht den Hinterbliebenen ein die Einzahlung vielfach übersteigender Betrag zur Verfügung, kehrt er zurück, so wird der kleine geopferte Betrag, der allen seinen versicherten Mit­kämpfern zugute kommt, leicht verschmerzt. Die Versicherungsabschlüsse mehren sich denn auch von Tag zu Tag. Dankenswerterweise haben Fabriken und sonstige zahlreiches Personal beschäftigende Anstalten bereits Gesamtversicherungen für alle ihre ins Feld ziehenden Arbetter und sonstigen Angestellten in erheblicher Zahl abgeschlossen. Aber Eile ist not! Schwere Kämpfe stehen auch unseren hessischen Truppen noch bevor und fordern täglich Opfer. Namentlich alle diejenigen, deren Ernährer im Felde steht, sollten von der Versicherung Gebrauch machen und ihm so einen Teil der Sorge um seine Zurückgebliebenen nehmen. Zur Beseitigung von noch hervorgetretenen Unklarheiten seien folgende wesentliche Grundsätze nochmals hervorgehoben: 1. Wer kann versichert werden? Jede zur Kriegsdienstleistung beim Heer eingetretene oder in einem Amts- oder Dienstverhältnis oder zum Zwecke freiwilliger Hilfeleistung (z. B. Sanitätsmannschaften, Aerzte, Schwestern) beim Heer befindliche Person, die im Regierungsbezirk Cassel oder im Fürstentum Waldeck wohnt, oder in einem dieser Gebiete zum Kriegsdienst eingezogen ist. Nicht mehr versichert werden kann ein schon gefallener oder verwundeter Kriegsteilnehmer, wenn diese Tatsache bekannt ist. jAusnahme bei sogenannten Kollektiv­versicherungen, siehe § 8 der Bedingungen). Die bis iUm Ablauf der ersten Woche nach Errichtung der Kriegsversicherung gefallenen Kriegsteilnehmer gelten aber in gewissem Umfange ohne weiteres als mit- versichert. 2. Wie und wo wird die Versicherung bewirkt? Durch Lösung von Anteilscheinen bei einer der zahlreichen durch Anschlag bekannt gegebenen Annahmestellen. Der Schein kostet 10 Mk. Für jeden zu Versichernden können bis zu 20 Anteil cheine gelöst werden. 8. Wer kann die Anteil,cheme lösen? Jede Person, die den Betreffenden zu versichern wünscht, Vater, Mutter, Frau, sonstige Verwandte, Freunde, Wohltäter usw. 4. Wem kommt.dre Ver- sickeruna Austute? Wenn die den Anteilschein lösende Person nichts anderes bestimmt den Hinterbliebenen des Versicherten (je nachdem Frau, Kinder, Eltern, Geschwister usw). Wenn die Versicherung zu Gunsten einer bestimmten Person,eingegangen ist die auf dem Anteilschein vermerkt wird, dieser Person. o. Für welche Fälle wirkt die Versicherung? Für diejenigen Todesfälle unter den Versicherten, dre wahrend des Krieges oder infolge einer im Kriege erlittenen Verletzung oder erwbrbenen Krankheit bis spätestens 8 Monate nach Beendigung des Krieges ein treten, und für Vermißte, die bis dahin nicht ermittelt sind. 6. Was leistet die Versicherung? Wenn die Verluste nicht größer sind als 1870 werden aus jeden Anteil­schein etwa 250 Mk. gezahlt werden können. Die Festsetzung des Betrages kann erst 3 Monate nach Beendigung des Krieges erfolgen. Auf Wunsch wird aber schon alsbald nach Feststellung des Todes auf jeden Anteilschein eine Abschlagszahlung von 100 Mk. geleistet.

w Hersfeld, 11. September. Nachstehend veröffent­lichen wir ein Verzeichnis der in den Verlustlisten aufgeführten Feldzugteilnehmer aus dem Kreis Hersfeld: Gefr. Bätz aus Hersfeld I. verw. Musk. Karl L e i b r e ch t aus Kirchheim schw. verw. Musk. Joh. Höcker aus Hersfeld verw. Musk. Konr. H e u p e l aus HedderSdorf l. verw. Ulan Peter K r a u ß aus Hersfeld tot. Musk. K. Schulz aus Rohrbach verw. Unteroff. d. R. Wilh. L o h m a n n aus

Hersfeld verm. Musk. Wilh. Barth aus Kathus tot. Gefr. Georg Katzmann aus Wölfershausen tot. Einj.-Freiw. Georg Stein bach aus Friede- wald tot. Musk. Ernst Rohrbach aus Stärklos tot. Musk. Peter Sauer rv ein aus Hersfeld schw. verw. Einj.-Unteroff. August Otterbein aus Hersfeld verw. Musk. Ernst K ü ch aus Meck- bach tot. Musk. Johannes Spörer aus Kleinenscc tot. Gefr. d. R. Karl R a a ck e aus Friedewald l. verw.

Zeichnet die Kriegsanleihen!

. Wir stehen allein gegen eine Welt in Waffen. Vom neutralen Ausland ist nennenswerte finanzielle Hilfe nicht zu erwarten, auch für die Geldbeschaffung sind wir auf die eigene Kraft angewiesen. Diese Kraft ist vorhanden und wird sich betätigen, wie draußen vor dem Feinde, so in den Grenzen des deutschen Vaterlandes jetzt, wo es gilt, ihm die Mittel zu schaffen, deren es für den Kampf um seine Existenz und seine Weltgeltung bedarf.

Die Siege, die unser herrliches Heer schon jetzt in West und Ost errungen, berechtigen zu der Hoffnung, daß auch diesmal wie einst nach 1870 71 die Kosten und Lasten des Krieges schließlich auf diejenigen fallen werden, die des Deutschen Reiches Frieden gestört

haben.

Vorerst aber müssen wir uns selbst helfen.

Großes steht auf dem Spiele. Noch erwartet der Feind von unsrer vermeintlichen finanziellen Schwäche sein Heil. Der Erfolg der Anleihe muß diese Hoffnung zerstören.

Deutsche Kapitalisten! Zeigt, daß Ihr vom gleichen Geiste beseelt seid wie unsere Helden, die in der Schlacht ihr Herzblut verspritzen! Deutsche Sparer! Zeigt, daß Ihr nicht nur für Euch, sondern auch für das Vaterland gespart habt! Deutsche Korporationen, Anstalten, Sparkassen, Institute, Gesellschaften, die Ihr unter dem mächtigen Schutze des Reichs erblüht und gewachsen seid! Erstattet dem Reiche Euer» Dank in dieser schicksalsschweren Stunde! Deutsche Banken und Bankiers! Zeigt, was Eure glänzende Organisation, Euer Einfluß auf die Kundschaft zu leisten vermag!

Nicht einmal ein Opfer ist es, was von Euch ver­langt wird! Man bietet Euch zu billigem Kurse Wertpapiere von hervorragender Sicherheit mit aus­gezeichneter Verzinsung!

Sage Keiner,Gaß ihm die flüssigen Mittel fehlen! Durch die Kriegsdarlehnskassen ist im weite' fang dafür gesorgt, daß die nötiger

sten Um­fang dafür gesorgt, daß die nötigen Gelder flüssig ge­macht werden können. Eine vorübergehende kleine

Zinseinbuße bei der Flüssigmachung muß heute jeder vaterländisch gesinnte Deutsche ohne Zaudern auf sich nehmen. Die deutschen Sparkassen werden den Ein­legern gegenüber, die ihre Sparguthaben für diesen Zweck verwenden wollen, nach Möglichkeit in weit­herziger Weise auf die Einhaltung der Kündigungs­fristen verzichten.

Näheres über die Anleihen ergibt die Bekannt­machung unseres Reichsbank-Direktoriums, die heute an anderer Stelle dieses Blattes erscheint.

Verzeichnis

der bei L. Pfeiffer, Depositenkasse Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nachstehend dankend quittiert wird:

Für das Kote Krem. Sektion hersfeld

von

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ff

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Gemeinde Asbach........M. 277.68

Ungenannt.......... 2.

Frl. Eisenberg hier....... 10.

Gemeinde Wippershain..... 169.40

Eitra........ 74.50 Steglos....... 100.70 gefunden bei Ausbach...... 10. Frau Oblt. Reimann z. Zt. Hersfeld 10. Frau Gusti Hupp-Funke z. Zt. . 10. Hellmut Reimann a. seiner Sparbüchse 3. Frl. Katharina Haßenpflug, Rohrbach 5. Sammlung der Betriebsbeamten der Station des Bahnhofs Hersfeld. 72. Herrn V. Mannschott hier . . . . 25.- - HerrnBürgernnStuckhardt,Kohlhausen 20. Hch. Otto Wwe. Linggplatz hier . . 10. Fritz Otto . . 10. Gesangverein Kathus....... 50.-

HerrnKommerzienr.Fr.Rechberg2.Rate 1000. Paul Bieber, Breitenbach a.Hcrzb.,, 19.45 M. 1878.68 Bestand 17112.13 heutiger Bestand M. 18990.81

Wetteranssichten für Sonnabend den 12. September. Winde^^ *Ee und regnerisch, kühl, südwestliche