Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-slnschlutz Nr. 8
Nr. 313.
Freitag, den 11. September
1914.
Nr. 1—20 zu haben in der Geschäftsstelle des Tageblattes.
Bus der Heimat«
* (SiegeSnachrichten fürdasLand.) Der in Zeitungen schon wiederholt gegebenen Anregung, die amtlichen Siegesnachrichten gleich den Wettertelegrammen durch die Post auch nach den Landorten des Reiches M befördern, wird auf eine Verfügung der Militärbehörde an die Post künftighin stattgegeben werden. Danach werden die amtlichen Bekanntmachungen des Generalquartiermeisters ähnlich wie die Mobilmachungsbefehle als sogenannte Kreis- (Ks) Telegramme in kürzester Zeit durch Telegraph und Telephon auch nach der entlegensten Postanstalt befördert. Damit wird einem wiederholt zum Ausdruck gebrachten Bedürfnis der Bewohner des Landes in anerkennenswerter Weise Rechnung getragen.
* iDieSchutzgebietevomVerkehr abgeschnitten.) Dem Reichskoloniaiamt gehen täglich zahlreiche Anfragen über die Möglichkeit einer Post- oder telegraphischen Verbindung mit den Schutzgebieten und nach dem Schicksal der Ansiedler zu. Wie von der Reichspostverwaltung bekannt gegeben ist, besteht zurzeit keinerlei Möglichkeit, mit einem der deutschen Schutzgebiete Afrikas oder der Südsee in Verbindung zu treten. Anfragen über das Befinden oder den Verbleib von Angehörigen in den Schutzgebieten ist daher zurzeit zwecklos.
„ * lE s dunkelt schon zeitig.) Wir müssen uns allmählich daran gewöhnen, daß die Tage früher zu Ende gehen und mancherlei Lebensgewohnheiten wieder daran' einstellen. Besonders möchten wir darauf autmcrfjam machen, daß es ratsam ist, zeitig die Haus- fiuren und Treppen zu beleuchten!
* sEin Mahnruf an die deutschenFrauen.) Ter^ Nationale Frauendienst erläßt im Auftrage von ^- vrauenvereinen nachstehenden Aufruf: Die große Zeit mahnt uns mit gewaltiger Stimme zu wahrer 'chuchter Art. Deutsche Frauen ! Kehret darum zurück zu feinfühligem bescheidenen Wesen! Weg mit Eitelkeit und Putzsucht und dem Auswuchs französischer Halbwelt. Zeigt in Eurem Benehmen jene Würde, die bei Freund und Feind Achtung gebieten muß. Laßt uns den Pulsschlag der gewaltigen Zeit sühlen und stolze Deutsche werden.
... M Hersfeld, 9. September. Der Herr Minister mr Handel und Gewerbe hat am 15. August seinen Runderlaß vom 3. August d. J., nach welchem der Unterricht an den gewerbl. Fortbildungsschulen bis au> weiteres ausgesetzt werden kann, aufgehoben und angeordnet, daß es Pflicht aller Behörde ist, unnötige Beunruhigungen von der Bevölkerung fernzuhalten und deshalb den Unterricht an den genannten Schulen überall wieder aufzunehmen.
8 Hersfeld, 10. September. Daß auch die Schul- mgenü von dem Geist, der jetzt alle Teutschen beherrscht, ergriffen ist, beweist folgender Vorfall: Spazierten da in A. 10- und 11jährige Knaben zum Bürgermeister, wo sie sich zum freiwilligen Eintritt ms Heer meldeten, zwei zu den Husaren, andere zur Artillerie und die letztenzurMaschinengewehrabteilung. ^rie taten das mit einer Beredsamkeit, die bei Jungen dieses Alters sonst selten ist. Der Bürgermeister behandelte die kleinen Vaterlandsverteidiger ganz ernsthaft und versprach ihnen, ihre Meldung weiter zu geben. Glücklich über diesen Bescheid, trollten sie nun ab und sehnen den Augenblick herbei, in welchem sie tüchtig auf die Franzosen draufhauen können.
Caffel, 9. Septbr. Der kommandierende General des 11. Armeekorps, General von Plüskow, ist vom Kaiser zum General der Infanterie ernannt worden.
GeRel, 9. September. Das Eiserne Kreuz 2. Klaffe erhielten u. a.: Generalmajor v. Hülsen, Kommandeur der 43. Jnfanteriebrigade, Hauptmann v. Dobbeler, Adjutant der 43. Jnfanteriebrigade, Leutnant Törp- feld, Feldartillerieregiment Nr. 11.
Caffel, 9. September. Im Interesse der Ausbildung von Kricas-Sanitäts-Hunden bittet die Leitung der hiesigen Meldestelle erneut um Zuwendung von Beiträgen an Herrn Rektor Henck in Caffel, Luther
straße 7, n Etage. Gemeldet sind etwa 50 Hunde und ebensoviel Führer. Sie müssen schnellstens hier in Caffel ausgebildet werden. Dazu gehört aber Geld, und nochmals Geld. Wer hilft durch Beiträge, über die öffentlich quittiert wird? Es gilt den Aermsten unserer Verwundeten!
Caffel, 9. September. Im Laden eines Fleischermeisters war infolge schadhaft gewordener Leitung Gas ausgeströmt. Ein Herr, der den Laden besuchte, zündete ein Streichholz an, wodurch eine Erplosion hervorgerusen wurde, die erheblichen Schaden an- richtete. U. a. ist das große Schaufenster zertrümmert worden. Verletzt wurde glücklicherweise niemand.
Sterzhausen, 8. September. Zwei Landwirte von hier haben an die Bahn einen Wagen Stroh gebracht, um den Verwundeten in den Eisenbahnwagen ein besseres Lager bereiten zu können. Das Stroh wurde mit bestem Tank angenommen. Sollten noch andere Landwirte Stroh übrig haben, so dürfte es sich empfehlen, sich mit der Eisenbahnbehörde erst vorher ins Einvernehmen zu setzen, wann dasselbe gebraucht wird.
Treysa, 5. Sept. Der Landwirt Justus Plug ist Veteran von 1870, und es erfüllt ihn mit begeistertem Stolz, daß es ihm vergönnt ist, nicht weniger als sieben Söhne zu den Fahnen zu schicken. Die Jungen stehen im Alter von 19 bis 30 Jahren, und haben sämtlich ihrer Militärpflicht genügt, bis auf den Jüngsten, der jetzt als Freiwilliger mit hinausgezogen ist. Bei diesem letzten Sprößling hat übrigens Kaiser Wilhelm in üblicher Weise Pate gestanden, nnd Vater Plug erzählt I mit Vorliebe von einer drolligen Verlegenheiten die die Eltern bei der Taufe des jüngsten Sohnes gerieten. In der Namenreihe der ersten sechs Kinder befand sich nämlich bereits ein „Wilhelm", als der siebente Sohn das Licht der Welt erblickte. Nun war guter Rat teuer, aber da man auf die Ehre der kaiserlichen Patenschaft natürlich nicht verzichten wollte, half sich der erfinderische Vater auf eine verblüffend origionelle Weise und nannte seinen Benjamin „Wilhelm n.", der jetzt als Kriegsfreiwilliger dient.
Coburg, 8. September. In Coburg wird folgendes lustiges Geschichtchen erzählt: Auf dem hiesigen Rathaus erschien dieser Tage ein stämmiger Landwehrmann und verlangte die Notscheidung. „Jetzt hab ich s satt mit meinem Hauskreuz, jetzt möcht ich lieber 's Eiserne Kreuz haben. Meinen Bruder, den Tös- kopp, ham Se gestern „not" getraut — wollen Sie mich, bitte, sofort „notscheiden": morgen rück ich ein, da möcht ich die Sache in Ordnung haben!"
Mühlhausen, 9. Sept. Gestern mittag passierten zwei Familien unsere Stadt, deren Ernährer seit Jahren in der Nähe von Aachen in einem Kohlenbergwerk gearbeitet hatten, nun aber infolge des Krieges arbeitslos geworden waren. Sie wollten nach ihrer Heimat Brünn in Mähren zurück. Ihr Hab und Gut hatten sie auf Handwagen untergebracht, die von den Männern und den älteren Kindern gezogen waren, während die kleineren Kinder auf den Wagen Platz gefunden hatten. So wollen sie den ganzen wetten Weg zu Fuß zurücklegen. Im hiesigen Rathaus baten sie um eine Unterstützung.
Bleicherode, 7. Sept. Ein furchtbares Unglück ereignete sich Sonntag nachmittag auf dem hiesigen Hauptbahnhof. Der Landwehrmann Bergmann H. wollte mit dem Zuge in seine Garnison Sondershausen zurückfahren und verspätete sich durch Abschiednehmen von seiner Familie. Er wollte nun auf den fahrenden Zug springen, stürzte aber dabei ab und kam unter die Räder und wurde überfahren. Ter Tod trat sofort ein. Seine Frau und fünf Kinder mußten Augenzeugen des Vorfalles sein.
Leipzig, 8. Sept. Tie Leitung der Bugra teilt mit, daß ein deutlicher Beweis, wie die französischen und englischen Zeitungen ihr Publikum belügen, eine Notiz der Londoner Times und der Pariser Patrie ist, wonach die Hallen der russischen, englischen und französischen Ausstellung aus der Bugra böswillig in Brand gesteckt seien. Die genannten Hallen sind vollkommen unversehrt, aber natürlich geschloffen. Alle übrigen Hallen sind nach wie vor geöffnet und mit ihrem reichen Inhalt dem Publikum, das sich zahlreich wieder einfindet, unverändert zugänglich.
Mainz, 9. September. Wie verlautet, verläßt der Gouverneur von Mainz, General v. Käthen, diesen Posten behufs anderer Verwendung. Sein Nachfolger ist General v. Bücking.
Bad Ems, 8. September. Eine hübsche Episode wird dem „B. L. A." aus Bad Ems berichtet: Ein junger deutscher Soldat, Herr Wilhelm Markert, Sohn des Karlsruher GarnisonverwaltungSdirektors Martert, der vor zwei Jahren als Einjahrig-Freiwilliger in der 5. Kompagnie des Leibgrenadier-Regiments
Nr. 109 gedient hat und bei Ausbruch des KriegeS als Unteroffizier einem nassauischen Regiment zu- geteilt wurde, war in einem größeren Gefecht erheblich am rechten Arm verletzt worden. Man brächte den Verwundeten nach Bad Ems, wo die Kugel durch einen guten Arzt entfernt wurde. Das geschah an jenem Sonnabend, an dem auch Kaiser Wilhelm in Bad Ems weilte und die Verwundeten besuchte. Als Wilhelm Markert aus der Narkose erwachte, stand der Kaiser plötzlich neben dem Operationstisch und zog den jungen Krieger in eine längere Unterhaltung. Den Anlaß hierzu hatte der Verletzte selbst herbel- geführt. Noch halb tn der Narkose hatte er den Kaiser hochleben lassen, den er dann, zu vollem Bewußtsein gekommen, völlig unerwartet neben sich sah. Der Kaiser streichelte ihm die Wangen und den Kopf. Ganz Ems aber spricht über diesen Vorfall.
Merkblatt.
Verstärkung der Futtervorräte.
Die Zeit für die Aussaat selbst der schnell wachsenden Stoppelsaaten, wie Senf, Buchweizen und Spörgel, dürfte für den größten Teil unseres Vaterlandes vorüber sein, wohl aber kommen folgende Maßnahmen in Betracht:
1. Haushälterisches Wirtschaften mit allen zu Futterzwecken verwendbaren Stoffen. Kein voreiliges Verkaufen von Futter- und Streumitteln.
2. Schleunigste Aussaat frühzeitig verwendbaren Frühjahrsgrünfutters:
a) Johannisroggen oder gewöhnlicher Roggen mit Zottelwicke:
bj Raps mit Futterroggen;
c) Inkarnatklee oder Schweöenklee.
3. Stehen lassen des alten Klees und Kräftigen desselben mittels angemessener leicht löslicher Kunstdünger snötigenfalls mit etwas Stickstoffdünger nachhelfen !) Eine schwache Stallmistdecke beschleunigt das Wachstum.
4. Einsäuern oder gegebenenfalls Trocknen bezw. Heuen von Gründügungspflanzen, wie Klee, Serradella, Lupinen (lediglich Einsäuerung), auch Rüben- blatt oder Kartoffelkraut.
5. Beweiden der Stoppeln, Wiesen und Weiden so lange, wie nur irgend möglich, auch mit Schweinen. Düngung der Weiden und Futterschläge.
6. Das zur menschlichen Ernährung brauchbare Getreide darf nicht verfüttert werden.
7. Verwendung des gesunden Strohes zu Futterzwecken. Als Ersatz der Einstreu kommen in Frage vornehmlich Torfstreu, ferner Waldstreu, Heidekraut, Sägespäne, zum Füttern.ungeeignetes Kartoffelkraut, Schilf, Binsen und Erde.
8. Im gegebenen Falle Verfüttern von entschälten und gerösteten Roßkastanien, Eicheln, Bucheckern, sowie Eintreiben von Schweinen in die Forst.
9. Es ist darauf hinzuwirken, daß alle vorhandenen Trocknereien, deren Zahl nach Möglichkeit noch zu vermehren ist, bis zur höchsten Leistungsfähigkeit ausgenutzt werden sLohntrocknung). Tas Trockenfutter ist auszubewahren bis alle wafferreichen Futtermittel verbraucht sind.
Es ist ernstlich zu erwägen, einen Teil derZucker- rübenernte — frisch oder getrocknet — zu verfüttern.
10. Füttere nach Leistung, d. h. bevorzuge bei der Futterzuteilung die leistungsfähigeren Tiere.
Reiterlied.
Horch, Trommel- und Trompetenschall, Wir stehn geschloffen wie ein Wall, Kampflustig stehn wir da!
Die Roste scharren mit dem Huf, Wir fitzen auf, es tönt der Ruf: „Vorwärts — Hurra! Hurra!"
Für Kaiser, Volk und Vaterland Bewaffnet hebt sich jede Hand, Erbittert fern und nah.
Mit Gott dem Herrn gehts ins Gefecht Für Freiheit und für gutes Recht - „Vorwärts — Hurra! Hurra!"
So laßt den Roffen freien Lauf, Geschwungenen Säbels dran und drauf, Eh sich s der Feind versah.
Wer will ein rechter Reiter sein, Der stampft den Feind ins Feld hinein „Vorwärts — Hurra! Hurra!"
Und wird ringsum die Erde rot, Wir fürchten nicht den bittern Tod, lind war er noch so nah.
Horch, Trommelschall, Trompetenton: Ihr Feinde, her — wir kommen schon — „Vorwärts — Hurra! Hurra!"
Richard Zoozmann.