nach Hamburg zurückzukehren. Er erzMt tm „Hamv. Corresp.": Schon mehrere Tage vor der englischen Kriegserklärung habe die postalische Verbindung mit Deutschland aufgehört. Nach der Kriegserklärung sei verboten worden, den Deutschen irgendwelche Hilfe zu leisten. In Alexandrien sei am 20. August durch Extrablätter verbreitet worden, daß Lüttich noch im Besitz der Belgier sei und die Belgier vier deutsche Armeekorps vernichtet hätten. Lothringen und das Elsaß wären von Franzosen besetzt. Die Russen ständen 150 Kilometer von Berlin und die Engländer hätten einen großen Sieg auf dem Viktoria-See erfochten. Einige Funken- meloungen vom Dampfer „Derfflinger", die ins Land gedrungen waren, haben unter den Arabern große Aufregung verursacht. Infolgedessen wurden die funken- telegraphischen Apparate des Dampfers abmontiert. An dem allgemeinen Lügengewebe nimmt jeder Engländer leit, da alle Araber für Deutschland seien und in sämtlichen Moscheen öffentlich für den deutschen Sieg gebetet werde.
Kriegsallerlei.
Ein bayerisches Heldenstück.
Bei einem Vorstoß bei Luneville wurden 500 Bayern von der Hauptmacht abgeschnitten und gefangen genommen. Von 800 Franzosen bewacht, sollten sie abtransportiert werden. Unterwegs bemerkten jedoch die Bayern, daß unsere Truppen näher kamen, und nun war es mit dem Gehorsam zu Ende. Sie gingen auf die 800 Mann Wache los, rissen den Franzosen die Gewehre aus den Händen und schlugen mit dem Gewehrkolben drein oder erwürgten die Feinde. Der Rest der Franzosen wurde gefangen genommen und den anrückenden Deutschen zugeführt.
Die „Ausdauer" der Engländer.
In einem Bericht des Krieaskorrespondenten des Londoner „Daily Telegraph" findet sich der beachtenswerte Satz: „Unsere Truppen kämpften ununterbrochen drei Stunden, wurden aber gezwungen, sich nach Douai zurückzuziehen." — Drei Stunden ununterbrochenen Kampfes — das ist offenbar ein „Rekord" für die Briten.
Prinz Sigismund von Preußen Seekadett.
Prinz Sigismund, der jüngste Sohn des Prinzen Heinrich von Preußen, ist als Seekadett in die Marine eingetreten. Der Prinz wurde am 27. November 1896 im Kieler Schloß geboren.
Eine Heldentat.
Nach einer Mitteilung des stellvertretenden Generalkommandos in Stuttgart hat Leutnant der Reserve Matthes mit seinem Zuge eine feindliche Batterie vernichtet. Sechs Geschütze, 18 Munttionswagen sowie viele Pferde wurden erbeutet.
Nun kann's nicht fehlen.
Die „Agence Havas" teilt mit, daß der Negerboxer Jack Johnson freiwillig in die französische Armee ein- getreten ist. („Ist der Musketier Schmidt da? — Ja!
— Dann kann die Schlacht beginnen.")
Die englischen Minen.
Der Untergang des bei Northshields auf eine Mine gestoßenen schwedischen Dampfers St. Paul hat auf die Stockholmer Reederkreise großen Eindruck gemacht, da das moderne in Gotenburg beheimatete Schiff einen Wert von 550 000 Kronen repräsentiert. Der Verlust wird zweifellos eine weitere Einschränkung des Handels zwischen Schweden und der englischen Ostküste zur Folge haben.
Jswolskis Flucht.
In Wiener diplomatischen Meisen erklärt man, Jswolski — von dem jüngst gemeldet wurde, daß er sich in ein neutrales Land begeben habe — habe sich durch Flucht der ihm in Paris drohenden Volkswut entziehen wollen. Man ist überzeugt, baß er es nicht wagen kann, in Bordeaux zu erscheinen.
Kriegssteuer in Alle.
Aus London wird gemeldet: Die Deutschen legten der von der französischen Besatzung geräumten Stadt Lille und Umgegend eine Kriegssteuer von 200 Millionen Frank auf.
Kriegseindrücke eines SrdonnanzoWers.
Von befreundeter Seite wird der „N.G.C." aus Sem Felde geschrieben: „Wir haben belgischen Boden betreten und durchziehen jetzt die romantischen und außerordentlich wilbreichen Ardennenwälder, die sich bis zur französischen Grenze erstrecken. Es ist ein von Sagen durchwobenes Land, liegt doch ganz in der Nähe St. Hubert, wo der heilige Hubertus, ein Bischof von Lüttich im achten Jahrhundert, sein wunderbares Erlebnis mit dem kapitalen Hirsch hatte, in dessen Geweih plötzlich das Kreuz erstrahlte, und nicht weit davon Resteigne, wo man Erbwalle sieht, von denen gesagt wird, sie stammten von Cäsar, der sie gegen Ambiorix errichtet hätte. Es ist eine eigentümliche Fügung der Vorsehung, daß gerade in dieser Gegend der Sieg vom 23. August vom Herzog Albrecht von Würtemberg errungen wurde.
„ Die Stimmung unseres Heeres ist von erhabener Größe, singend verließen unsere Soldaten die Heimat, singend ziehen sie in die Schlacht, singend kehren sie zurück. Überall zeigte sich derselbe Geist, dieselbe Mannszucht, derselbe Drang, an den Feind heran zu kommen. Mit mathematischer Sicherheit gehen alle Operationsbewegungen vor sich, und auch die unendlich zahlreichen und mannigfachen Trainkolonnen — sonst das Schmerzenskind aller Heere — treffen mit verblüffender Pünktlichkeit ein, wie die Schnellzüge auf deutschen Bahnen. Niemals habe ich hier Szenen von meinander- gefahrenen Wagen gesehen, wie man sie in allen früheren Kriegen sah. niemals habe ich Kutscher schreien oder schimpfen hören, obgleich doch dieses Gewerbe wegen solcher Neigungen bekannt ist. Jeder vom Oberbefehlshaber, dem von der Truppe vergötterten Herzog, bis zum letzten Mann im Gliede erfüllt ruhig und ernst seine PfliK, weil sich das von selbst versteht!
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Und doch haben eine Gelegenheit, sich hervorzutun, im modernen Kriege nur ganz wenige Offiziere und Soldaten. In erster Linie sind es die Flieger, die uns trotz feindlichen Feuers über den ganzen Aufmarsch des Feitwes bis ins einzelne unterrichtet haben. Auch kühne Patrouillenritte, wie zu Beginn des Krieges 1870/71, sind erfreulicher Weise wieder zu verzeich gewesen und legen Zeugnis ab für d e Tatsache, daß deutsche Kavallerie ihrer alten, gro;en Ueberlieferi treu geblieben ist. Ich“ Wrede, der mit 18 Reitern ganz Belgien du und positiv feststellte, daß französische Truppen Deutschen in Belgien eingerückt waren, Die nanzoffiziere erfüllen auf der festen Erde v
Ul|UUFV/ vup die Ueberlieferung
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Belgien durchstreifte : vor uns
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Bereiche der Möglichkeit liegen, nämlich die Erreichung eines besiinnnten Zieles zur Befehlsübermittlung oder MUl Nachrichtendienst 6$t jedem Wetter und in dunkler
Von einem seltenen Nervenkitzel sind solche riesigen Chausseebäume, die vom Feind gefällt und als Verhau über die Wege geworfen, dann aber von unseren braven Pionieren fortgeräumt und an die Seiten gelegt sind. Sie enthüllen uns die verbrannten Häuser, aus denen heraus seiger Meuchelmord gegen unsere Truppen verübt ward, und die zerstörten und provisorisch wieder hergestellten Brücken, aber das Dunkel der Wälder, aus denen von Zeit zu Zeit ein Schuß fällt, vermögen auch sie nicht zu durchdringen. Ist die Autofahrt beendet, so tritt der militärische Bürodienst wieder in Wirksamkeit und führt die Ordonnanzoffiziere zurück in die Maschine, von der Alle nur Teile sind und deren ruhiger Gang durch das genaue Jneinandergreifen aller Teile bedingt wird.
Eigentlich ist aber unsere Organisation nicht mit einer Maschine, sondern nach klassischem Vorbilde, mit einem lebendigen Körer zu vergleichen, dessen Kopf das Oberkommando bildet. Nur Eingeweihte wissen, welche enorme Geistesarbeit diese Herren mit den roten Streifen an den Beinkleidern zu letsteu haben. Die Schlachten sind von ihnen unter Berücksichtigung aller Möglichkeiten, für die menschliche Voraussicht sorgen kann, vorbedacht und in den größten Zügen ausgearbeitet worden, etwa so, wie ein Meister im Schachspiel handelt. Und nun hgt dieses harmonische Zusammenarbeiten zum großen Siege über den Feind geführt, der fluchtartig zurückgeht."
Vermischtes.
Eine furchtbare Greueltat der Russen meldet der „Tag" aus dem Kirchdorf Abschwangen im Kreise Preu- ßisch-Eylau. Sämtliche Dorfeinwohner wurden unter der Beschuldigung, auf ein russisches Automobil geschossen zu haben, in zwei Hälften zu beiden Selten des Dorfes aufgestellt. Dann mußten die Frauen in einer Ecke Aufstellung nehmen, während alle männlichen Bewohner über 15 Jahre sich in Reih und Glied hinstellen mußten. Den Frauen wurde nun eröffnet, daß die Männer erschossen würden und daß sie Zeugen dieser Exekution zu sein hätten. Der Amtsvorsteher, der mit seinem 15jährigen Sohne bei der ersten Hälfte der zum Tode Verurteilten war, gab eindringlich sein Ehrenwort, daß von den Dorfeinwohnern nicht geschossen worden sei, und zeigte die Bescheinigung eines höheren russischen Offiziers vor, der sich über seine frühere gute Verpflegung lobend geäußert hatte. Darauf wurde dieser ersten Hälfte Männer das Leben geschenkt. Im gleichen Augenblick krachte aber eine Salve am anderen Ende des Dorfes, wo die fürchterliche Hinrichtung an mehr als 40 Männern unter den Augen der Frauen erfolgt war. Als eine junge, seit wenigen Wochen verheiratete Frau die blutigen zuckenden Körper ihres Mannes, ihres Vaters und ihres Schwiegervaters sah, stürzte sie den Russen zu Füßen und bat, sie ebenfalls zu erschießen. Unter den Erschossenen befand sich auch ein 80iähriger Greis, der sich gleichfalls hatte aufstellen müssen.
Rotes Kreuz. Englische Blätter bringen (nach einer Reuter-Meldung) die Erzählung eines verwundeten Engländers, der nach Belfast gebracht worden war. „Ich lag," sagte er, „drei Stunden in einem Kreis von Toten und Verwundeten, bis dann zur gleichen Zeit eine englische und eine deutsche Ambulanz sich näherten. Die deutschen und die englischen Sanitätsoffiziere salutierten und begannen bann gemeinsam ihre Arbeit, die Verwundeten zu versorgen und ihnen Beistand zu leisten. Ein englischer Arzt amputierte den Fuß eines Verwundeten, während ein deutscher Arzt die Narkose aus- führte."
Sie Räumung kembergs.
Aus dem österreichischen Kriegspressequartier meldet der Kriegsberichterstatter der „Franks. Ztg." unterm 5.
September:
Die österreichisch-ungarische Hauptarmee hat Lemberg und seine Umgebung geräumt, nicht nur weil dort die militärische Verteidigung Schwierigkeiten bietet, sondern auch weil die Behauptung dieses Punktes bei der allgemeinen strategischen Lage mcht mehr.vorteilhaft erschien. Dabei spielte auch bie Rücksicht mit, daß der Stadt eine durch strategische Notwendigkeiten keineswegs gerechtfertigte Beschießung durch bte russische Artillerie erwart werden soll. Die zeitweilige Aufgabe der Stadt ist nur eine Episode nebensächlicher Art. Ich beurteile die Gesamtlage uneingeschränkt günstig und vermute, daß sich binnen kürzern große Ereignisse abspielen werden.
verfügte
Die von der österreichischen Armeeleitung . Räumung Lembergs war in der Nacht vorn 3. auf den 4. September, von ben Russen unbemerkt, beendet worden. Die Russen beschossen rrämlich die verlapenen Positionen noch am 4. September wahrend einiger Stunden. Jetzt ist wenigstens auf dem ostgaliztjchcn Kriegsschauplatz die den Grenzkämpfen folgende Phase zu einem gewissen Abschluß gelangt.
Es hat den Anschein, als wäre die russische Offensive auf Lemberg einigermaßen erlahmt, trotz der riesigen Uebermacht, die gerade dort aufgeboten wurde. Jedenfalls war die Stoßkraft der dort angreifenben russWn Arnre sichtlich der Unterstützung immer frischer, noch nicht engagierter Truppen bedürftig. Am 3 September mußte sogar die Fühlung der Russen mit den österreichischen Stellungen nach dem Kamp aufge- geben worden sein, etwa durch Zurücknahme der Gesecht- vorvosten sonst wäre zum mindesten der Abmarsch der Artillerie nich unbemerkt geblieben. Ein Nachdrangen der Russen hat bekanntlich niemals stattgefungen geschweige denn eine Verfolgung. Ich habe übrigens auch den Mitteilungen mehrerer österreichischer Offiziere, die verwundet zurückkamen, entnommen, daß die an- geordneten Rückmärsche mit geradezu bewunderuswerter Umsicht angeordnet waren und wie auf dem Exerzierplätze durchgeführt wurden.
Rekapitulieren wir: Der österreichische westliche Flügel und seine nach und nach auftretenden Verlängerungen gegen ben Bug schreitet in derselben Zeit ungefähr in demselben Maße vorwärts in welchem die österreichischen Ostarmeen weichen. Ich vermeide das
österreichischen' Ostarmeen weichen. Ich vermeide das verrufene Wort der „Rückwärtskomentrierung" obwohl es hier wirklich am Platze wäre. Der Effekt dieser sehr interessanten Operation ist die zunehmende Total- schwenkung der ganzen Riesenfront aus anfänglich südöstlich verlaufender Richtung in eine mehr nordsüdliche, bei gleichzeitiger Verkürzung. Ein aufmerksamer Blick auf die Karte ergibt die strategischen Vorteile, die sich bei der jetzt geschaffenen Sage anstreben und vielleicht auswerten ließen und manche anregende Kombination.
Ein russisches Milttärauto durchbrach heute die österreichischen Vorposten bei Lemberg. Eine Ulanenpatrouille stellte es durch Schüsse in einen rückwärts angebrachten Benzinbehälter, tötete einen im Automobil sitzenden Genieoberstleutnant und brächte die übrigen Insassen zum Oberkommando.
Die Schlacht bei Komarow spielte sich zum Teil auf einem Artillerieschießplatz der Russen ab, ein für diese günstiger Umstand.
Ein Gefecht bei Czernowitz.
Ueber ein Gefecht, das sich am 25. August bei Czer- nowitz in der Nordostecke der Bukowina abgespielt hat, werden jetzt Einzelheiten bekannt. Oesterreichisch-uuga- rische Linien- und Landwehrtruppen warfen eine russische Division, die aus Podolien hier zum Angriff vorging, zurück und zersprengten sie vollständig. 800 Gefangene, viele Waffen, Munition unb Material waren der Sieges- preis. Die Bedeutung dieses Kampfes ist die Berhin- derung eines russischen Eindringens in den Raum zwischen dem Dujestr und dem Pruth.
Die Meldung des Kriegsberichterstatters bestätigt die dauernde aussichtsreiche Lage auf dem österreichisch- ungarischen Kriegsschauplatz.
Ein Todesrill afrikanischer Zager im gberelsatz.
Aus Basel wirb der „Franks. Ztg." berichtet:
Am 20. August kam der Befehl an ein Bataillon eines Lau-wehrregimeuts, das sich schon seit Tagen mit den in den Sundgau vordringenden (es handelt sich um den zweiten Vorstoß. D. Red.) Franzosen schlug, gegen Tagsdorf vorzugehen. Während einiger Tage versuchten zwei französische Armeekorps gegen Mülhausen vorzu- dringen. Diesen starken Kräften standen nur geringe deutsche Landwehrtruppen auf der linken Rheinseite gegenüber. Diese Verteidigung mußte zudem noch auf die unglaublich lauge Front von Pftrt (am Südende des Elsaß) bis Mülhausen verteilt werden.
Das Landwehr-Bataillon marschierte mit Sicherung rasch vorwärts, stieß über Helfranskirch vor, nachdem die Deutschen dort ein kurzes Gefecht mit französischer Infanterie und angesessenen afrikanischen Jägern zu bestehen hatten. Die Franzosen mußten sich zurückziehen und in denkbar schnellster Zeit waren bte Verwundeten, Freund und Feind, gegen den Rhein abtranSportiert. Die Landwehren hatten nur Verwundete, unb zwar bedeutend weniger als die Franzosen, da deren Infanterie- feuer wenig gut diszipliniert ist; zu rasch, daher un- sicher. Langsam gingen die deutschen vor gegen Tagsdorf. Ihrem Gros " “
sandten sie vorwärts und seitwärts raus. Nach einer Stunde kam die
starke Sicherung voraus. Stach einer Stunde kam die Meldung, daß östlich Tagsdorf die Franzosen, scheinbar in großer Zahl, Stellung bezogen hatten. Das Bataillon löste sich nun in Kompagnien auf und diese in 8üge. Die Landwehren gingen in Deckung vor, jeder trauch, jede Erdwelle wurden benützt. Das französische Feuer knatterte ununterbrochen. Aber wie lang auch die deutsche Linie wurde, sie reichte nicht aus, beuu immer weiter dehnten sich die von den Franzosen angelegten Schühengräbeu. Die letzte Kompagnie der Deutschen entwickelte sich aus einem Wäldchen heraus. um die Linie zu verlängern. Das war ein kühnes taktisches Manöver der Deutschen. Doch wurde es erst unter« nommen, nachdem französische Artillerie das Wäldchen, woraus die letzten Deutschen vorgingen, unter ständiges Feuer genommen hatte. Wahrscheinlich vermuteten die Franzosen in diesem Gehölz die deutschen Reserven. Vorwärts kamen nun die Deutschen nicht mehr, jedoch machten auch die Franzosen seinen Vorstoß. So stand das Gefecht etwa eine Stunde still. Das Kleingewehr-
feuer wurde ruhiger, von den Deutschen sparsam abgegeben.
Es scheint, daß aus diesem Grunde auf der französischen Seite angenommen wurde, die deutsche Schlitzen- ltnie sei im gegnerischen Feuer wankend geworden. Denn plötzlich zeigten sich dem Zentrum der deutschen Linie gegenüber etwa 700 bis 800 Mann Kavallerie, afrikanische Jäger. Sofort wurde auf deutscher Seite die Sachlage ersannt: eine Attacke! Im Augenblick war der Befehl ausgegeben: „Ruhig schießen, sicher zielen, immer zuerst auf das Pferd, dann auf den Mann." Auch wurde jeder Abteilung ein gewisses Schußfeld zugewiesen. Die Maschinengewehre richteten sich ebenfalls ein.
Kaum waren diese Anordnungen getroffen, da dröhnte der Boden von den Pferdehufen, die Waffen der Reiter klirrten und ihr Schreien gellte. Aber die Schwadronen ritten nicht in Derselben ausgeschlossenen Formation, wie die Deutscherr eine Attacke reiten. Ihre Verbände begannen sich zu lösen und wurden getrennt, noch ehe sie auf 800 Meter an der deutschen Linie heran waren. Aber immer noch wurde das deutsche Feuer nicht eröffnet. Ruhig lagen die Landwehren hinter ihren Gewehren. Die Maschinetigewehre waren eingestellt und begannen zuerst, ziemlich langsam, aber zielsicher ein mörderisches Feuer, als die Franzosen auf 500 Meter heran waren. Das Kleingewehrfeuer setzte auf 350 bis 400 Meter ein.
Die Wirkung war fürchterlich, der Feuerkampf dauerte höchstens zwei bis drei Mittuten. Aber kein rasches, rasendes Schnellfeuer wurde gegeben, die Schüsse fielen langsam, jedoch mit immer sicher genommenem Ziel. Keine Kerntruppe hätte ein ruhigeres Feuer entwickeln können. Immer die vorderen Reihen wurden weggeschossen, die hinter den fallenden Pferden jagenden Reiter konnten öfters nicht mehr ausweichen und stürzten mit dem Pferd über das vor ihnen zusammengebrochene Tier, (tzelles Wiehern, Röcheln und dröhnendes Stöhnen der abgeschossenen Pferde, die um sich schlugen auf dem Boden l egend, wieder aufsprangen, zusammenbrachen, zuckten. Ebenso schnellte da und dort ein gestürzter Reiter in die Höhe, um gleich darauf zu fallen. Und dazwischen das exakte Feuer der deutschen Schützenlinie. Kein Retter konnte wenden, sie waren zu nahe dem feindlichen Feuer, so war aus dem schönen und starken Bild der vor zwei, drei Minuten zur Attacke beranrafenben Schwadronen eine unsäglich traurige Masse geworden, zerschmettert und zertrümmert.
Ehe die Franzosen noch weitere Angriffe unternehmen konnten, hatte ein zweites Bataillon deutscher Landwehren den französischen rechten Flügel Überfällen können. So mußten sich die Franzosen zurückziehen. Von den afrikamschen Jägern, die diese Attacke ritten, blieben unversehrt 27 Mann als Gefangene in den Händen der Deutschen, über die Hälfte war schwer verwundet, die andern tot.
*» neuestes vom Gage.
Maubeuge kapituliert.
40000 Kriegsgefangene.
WTB. Großes Hauptquartier, 8. September. Mau» beuge hat gestern kapituliert. 40 000 Kriegsgefangene, darunter 4 Generale, 400 Geschütze und zahlreiches Kriegsgerät stutz in unsere Hände gefallen.