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' MechÄ« SSlS «affer gesetzt. -

Deutsche Flieger über Gent.

WTB. London, 7. September. Aus Ostende wird gemeldet: Ein Teil des Landes, insbesondere Mecheln, wurde von belgischen Genietruppen unter Wasser gesetzt. Termonde wurde geräumt. Reisende erzählen, das Land sei mit einer Kriegskontribution von 200 Millionen be­legt morgen. In Lüttich beginne stch Mangel an Nahrungsmitteln fühlbar zu machen. Gestern wurde aus einer Taube eine Bombe herabgeworfen, die keinen Schaden anrichtete. Heute früh flog eine Taube in gro- fccr Höhe über die Stadt Gent. Aus dem Flugzeug wurden 2 Bomben geworfen. Die erste fiel aus das Dach einer Schlosserwerkstadt, die zweite in eine Haupt- stratze. Es wurde nur Materialschaden angerichtet.

Der Kronprinz General-Leutnant.

Als der Krieg ausbrach, war der deutsche Kronprinz Wilhelm als Oberst a la suite des 1. Leib-Hnsaren-Re- atments Nr. 1, das er vorher befehligt hatte, dem Großen Generalstab zugeteilt. Der militärische Rang, den der Kronprinz jetzt bekleidet, ist der eines Generalleutnants. Der Kronprinz hat also nur die Generalmajors-Stufe übersprungen, und alle preußischen Thronerben vor ihm haben in seinem jetzigen Alter denselben oder höheren

Rang eingenommen.

Die Verluste der Engländer.

WTB. Frankfurt a. M., 6. September. Die »Frkf. itn" meldet aus Amsterdam, die Engländer, die be­haupteten, daß ihre Verlnste 4000 Mann fragen, [eben jetzt offiziell zu, daß sie 10 000 Mann Verluste

neben jetzt vssizreu zu, o«y ne wwu mumi vm*H*v I)attClt Nach deutschem Muster.

General Joffre erließ einen Tagesbefehl über die Fehler der bisherigen Kampfesweise der Franzosen. Der Grund der starken französischen Verluste sei ihr Vor- aehen in zu dichter Ordnung ohne genügende Artillerie­vorbereitung. Sofort nach Eroberung eines Stützpunktes muß dieser befestigt und durch Artillerie besetzt Auch muß die Reiterei beim Vorgehen durch J

t werden.

Auch muß die Reiterei beim Vorgehen durch Infanterie geschützt werden, wie dies bei den Deutschen geschieht, welche die Infanterie auf Automobilen der Reiterei vor-

ÖU SAmeben lehnt die englischen Zumutungen ab.

Mis Stockholm wird derFranks. Ztg. gemeldet. Wie ich aus zuverlässiger Quelle erfahre, hat die eng­lische Regierung, abermals und in bestimmter Form an die nordischen Länder das Ansinnen gestellt, ö:e Lebens. mittelznfuhr nach Deutschland einznstellen. Schweden hat in ebenso bestimmter Form die von England ge­wünschte Verletzung des Völkerrechts abgelehnt.

Ein neuer englischer Gewaltstreich.

Nach verbürgter Meldung aus Kairo forderte am Montag der dortige englische Militärkommandant den beim Khedive akkreditierten deutschen und den ^.öster­reichisch-ungarischen diplomatischen Vertreter auf, binnen 24 Stunden Aegypten zu verlassen. Sämtliche postalische und telegraphische Verbindungen wurden den beiden divlomatischen Missionen abgeschnitten. Sie wandten sich an den derzeitigen Regenten des Landes, da der Khedive abwesend ist. Der Regent erklärte ihnen, daß der englische Militärkommandant ohne seine Zustim­mung und ohne sein Wissen vorgegangen sei.

Warnung vor dem Zuzug nach Lüttich.

WTB. Berlin, 6. September. (Amtlich). Das Gou­vernement Lüttich warnt dringend vor dem Zuzug von Arbeitern nach Lüttich, da infolge starker Arbeitslosigkeit und Stillstand der Betriebe Arbeitsmöglichkeit gänzlich ausgeschlossen ist.

Siegesfreude in der Türkei.

WTB. Konstantinopel, 6. September. Die öster­reichische und die deutsche Kolonie sowie, das türkische Publikum nahm die Nachricht von dem Stege der öster­reichischen Waffen mit großer Freude auf.

Der Jkdam schreibt: Es scheint außer Zweifel, die Siege der beiden Reiche werden auf die allgemeine euro­päische Politik großen Einfluß ausüben. Der osma­nische L l o y d sagt: Der österreichische Ä?ieg gefährdet den linken russischen Flügel. Es sei wahrscheinlich, daß der angeblich russische Sieg sich sehr bald in eine für Rußland furchtbare Katastrophe verwandeln werde.

8lie«sallerlei.

Eine Auszeichnung des Generalobersten von Hansen.

König Friedrich August hat seinem Generaladju- tanten Generaloberst Freiherrn von Hausen das Ritter- kreuz des Militär-St.-Heinrich-Ordens verliehen.

Ehrvergessene Krankenpflegerinnen.

Wegen des unwürdigen Verhaltens eines Teiles der Krankenpflegerinnen auf dem Truppenübuttgsplatz bei Darmstaüt gegenüber den französischen Gefangenen, hat der Kommandant des Truppenübungsplatzes ange- . ordnet, daß kein weibliches Personal mehr den Truppen­übungsplatz betreten darf.

Die Geistlichkeit und die Kämpfe im Elsaß.

Der Kommandierende General v. Deimling hat an den Bischof von Straßburg folgendes Schreiben ge­richtet: Euer Eminenz beehre ich mich, auf das gefl. Schreiben vom 17. August ergebenst zu erwidern, daß Fälle, wonach Geistliche während der Kampfe des 15. Armeekorps im Elsaß sich einer Unkorrektheit schuldig gemacht hätten, mir nicht bekannt geworden sind.

250 russische Offiziere für Serbien.

Nach einer Meldung der »KöM. Zig " aus Sofia sind 250 russische Offiziere der serbischen Armee zugeteckt worden, in der sich Offiziermangel fühlbar mache.

Ein General bei einer Trnppenbesichtigung verstorben.

General von Schmidt-Pauli aus Altona besichtigte am Freitag die Truppenin Ludwigslust. Bei einem Oa- lovv seines Pferdes wahrend der Uebungen janr er plötzlich tot vom Sattel. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht.

Ein deutscher Flieger über Belfort.

Nach einer in RE eingetroffenen Meldung ist letzte MÄÄ ÄS Kfi & Schaden angerichtet wurde, ist in dem Telegramm nicht gesagt.

Angemessene Behandlung.

^psssikben Erlaß hat der Landrat des Kreises Waldenburg er0c6at lotsen. ?"ÄLdeM-S: »W Im S'Äsi^

rufen sind und daher die ^.°Hyill*u^==26^^ L'VS^ unü Opferwilliakeit in der Bevölkerung wachzchalten

prüft und die NachsucheMen, wohl meistens Frauen, in einem den jetzigen Verhältnissen ««gepaßten ruhigen Ton behandelt werden, ihnen auch bei Wohnungs- und Mietstreitigkeiten in weitgehendstem Maße mit Rat und Tat zur Seite gestanden und geholfen wird."

Ein englischer Aufruf an die Bräute.

Kriegsminister Lord Kttchener verfaßt täglich neue Aufrufe an die Arbeiter, sich zu den Fahnen zu melden,' das Vaterland brauche jeden Mann, heißt es darin, nie­mand dürfe sich zurückhalten. Die Blätter fordern pa­triotische -Stäbchen auf, sie sollten von ihren Bräutigams verlangen, daß diese sich ins Heer einreihen lassen. Die angeblich so glänzend verlaufene zweite Truppenans- Hebung hatte also wohl nicht den gewünschten Erfolg. Der Londoner Korrespondent des Amsterdamer Han­delsblattes erzählt: In London suchen die Prinzipale die Rekrutierung Freiwilliger dadurch zu fördern, daß sie ihren Angestellten die Wahl lassen zwischen Entlassung oder Dienst beim Heer, wofür Wieöermistellung nach dem Ende des Krieges versprochen wird.

Beraubung deutscher verwundete durch französische Solo len

Aus dem Hilfslazarett im Hotel Sommer in Baden­weiler werden derFrkft. Ztg." zwei Protokolle zur Verfügung gestellt, die dort durch den als Lazarettinspek­tor amtierenden Professor Dr. Jessen von der Universität Straßburg im Beisein des Diektors Gustav Krautinger (Genua und Buenos Aires) mit deutschen Verwunde­ten ausgenommen worden sind. Wir bringen beide Protokolle, deren Inhalt für sich selbst spricht, nachstehend zum Abdruck:

Reserve -Infanterist Gottfried Bosch aus Gutach wurde am 28. August aus dem französischen Feldlazarett in Altkirch durch die dahin voraedrungene hiesige Sani­tätskolonne, nach Abzug der Franzosen, per Auto in das hiesige Lazarett überführt.

Verwundung: Artilleriegeschoß, rechtes Bem.

Ort und Zeit der Verwundung: Im Wald bei Tagsdorf in der Nähe von Altkirch am 19. August zwi­schen 2 und 3 Uhr nachmittags.

Der Verwundete sagt aus: Meine Kameraden muß­ten mich liegen lassen, und ich blieb 24 Stunden an der­selben Stelle liegen, an welcher ich verwundet wurde. Gegen 5 Uhr abends fanden mich etwa acht bis zehn französische Soldaten des 153. Infanterieregiments, be­drohten mich mit blanker Waffe und beraubten mich meiner Barschaft von zirka zehn Mark und meiner sil­bernen Uhr. 24 Stunden nach meiner Verwundung fan­den mich sodann französische Sanitätler, welche mich nach Altkirch brachten, wo ich am 21. August durch einen fran­zösischen Arzt amputiert worden bin. Die Behandlung durch die französischen Sanitätler und Aerzte war den Umständen entsprechend gut und Human. Die Verpfle­gung war indessen ungenügend, weil nichts vorhanden war, denn auch die französischen Verwundeten konnten nicht besser verpflegt werden, als die Deutschen.

Für die wahrheitsgetreue Aufnahme obiger Aus­sage leisten Gewähr: Professor Dr. Jessen und Gustav

Landwehrmann Adam Fath aus Oberflockenbach bei Weinheim wurde am 28. August durch die hiesige Sani­tätskolonne per Auto aus Altkirch hierhergebracht.

Verwundet: 1. durch Artilleriegeschoß am rechten Arm. 2. Gewehrgeschoß am Mund.

Ort und Zeit der Verwundung: Tagsdorf bei Alt­kirch zwischen 2 und 3 Uhr nachmittags des 19. August 1914.

Der Verwundete sagt: Meine zurückgehenden Ka­meraden mußten mich zurücklassen, versuchten zwar später, mich zurückzuholen, aber erfolglos. Kurz darauf kam eine Anzahl französischer Infanteristen, welche mich in eine nahe Scheune schleppten, woselbst sie mir die Uniform herunterrissen und die Unterkleider mit Mes­sern auf schnitten. Sodann beraubten sie mich meines Brustgelöbeutels (Inhalt 20 Mark) und meines Taschen- geldbeutels (Inhalt 3 Mark). Eine Uhr hatte ich nicht bet mir. In dieselbe Scheune schleppten dieselben und andere dazu gekommene französische Infanteristen eine große Anzahl deutscher Verwundeter, während der gan­zen Nacht, und alle diese Verwundeten würben ebenso wie ich ausgeplündert und bedroht. Borgegangene deutsche Rote-Kreuz-Träger wurden von den Franzozen gefangen genommen und verhindert, uns zu verbinden. Erst am nächsten Tage 10 Uhr fanden uns fränkische Krankenträger, welche uns mit Wasser erfrischten und nach Altkirch brachten, wo ich erst abends 7 Uhr ver­bunden resp, amputiert worden bin. Die Behandlung durch die französischen Sanitätler und Aerzte war human und gut.Die Verpflegung aber schlecht resp, un­genügend. Sie bestand aus Wasser und etwas Brot. Die Franzosen hatten auch für ihre eigenen Leute nichts anderes ^ wahrheitsgetreue Aufnahme der Angaben haften:, Professor Dr. Jessen, Direktor Gustav Kmu- ""^Diesen Protokollen ist wenig hinzuzufügen. Es handelt sich danach um aktive franzö,rsche Soldaten, die anscheinend planmäßig hilflose deutsche Verwundete aus- plündern.

3n einer Zesiung an der russischen Grenze.

Bon einem Kriegsteilnehmer.

Felsenfestes Vertrauen auf unser Militär bekommt ieder der Gelegenheit hat, an einem sur den Krieg midttiaen Punkte die militärischen Maßnahmen und Rüstunaen zu beobachten. In unserer Festungsstadt an der russischen Grenze sieht man die Soldaten straßauf, straßab ziehen, Regimenter, Truppenformationen, Re- servisterltruvvs in Zivilkleidern marschieren in langen önsnmten au den Kasernen, schwerbeladene Militar- waaen mit M^ Uniformen aller Art »aMeren die Brücken. An allen Ecken und Enden der Stadt an Toben und Brücken, vor Gebäuden und an steten Plätzen gehen Soldaten feldmarschmäßig ausge- E* Einen "seltsamen Gegensatz dazu bildet die Zivil- bevökeruna die sich im Laufe der letzten zehn Tage

& Leben in der Stadt schon gewöhnt bat Sie Sen Sage waren sie wie verstörte Schäslein llerumaeirrt- im Geist hatten sie die wilden Horden b« Basen über ihre ausblübende Stadt hereinströmen sebenimGeist hatten sie ihre gesamte Existenz dem tn&ma vreisgegeben gesehen. Nach den ersten Ge- Än B der Grenze aber hatten sie erkannt, daß der deutsche Soldat noch immer Meister ist, daß jedes Ge- mit Verlusten auf russischer ^ette endete, wahrend 6k Sraitoen fast immer mit ganz unerWMen S«. siUten dammkamen. Daß Russen mehr als dutzendmal MeSlS ergriffen, während die Deutschen ihr Heil niemals in der Flücht suchten: daß sie die Gefechte immer weiter hinein nach Rußland verlegten und daß

Zusammentreffen, und wenn es für die Russen scheinbar von Vorteil war, planmatzla vora-c-^-«r Vierzig Jahre hat man in D"""ch^n^? _. .....

jar, planmäßig vorgesehen war. in Deutschland das Lied auf die

deutsche Armee gesungen, hat gepriesen, daß DeutfW land jede Stunde kriegsbereit sei, daß jede Truppen- Verschiebung inib jeder Truppentransport auch zu Friedenszeiten aufs genaueste vorgezeichnet sei. Nun hat sich dieses stramme, und mit eisernem Fleiß, sowie mit unermüdlicher Energie durchzuführende System aufs glänzendste bewährt. Kein Wltnöer, daß sich die Bewohner unserer Stadt heute in Sicherheit wiegen und daß ihr Stolz auf unser Vaterland keine Grenzen ^"'Gemeinschaftlich mit einem Trupp von Reservisten bin ich hierher gekommen. Als wir vor der Luftschiff- halle landeten, trafen wir einen scheinbaren Wirrwarr an, der uns erschreckte, Truppenteile jeder Art lagen hier herum,- auf dem Rasen, in den Werkstätten, in den Zugängen, in der Halle, auf allen zugehörigen Plätzen arbeiteten Zimmerlente, Schlosser, Tischler, Erdarbeiter usw. Hier sah man einen Unteroffizier einen Trupp von Soldaten in Litewka Befehle erteilen, dort tuschelten Offiziere miteinander, hier standen Kom­pagnien marschbereit, mit geladenem Gewehr und schwerem Tornister, dort wurden ergraute Männer in der Arbeit unterwiesen, Luftschiffer, Infanteristen, Artilleristen, Husaren, Dragoner, Eisenbahner wim­melten hier herum: ein modernes Wallensteinlager in verdichteter Buntheit. Stach wenigen Tagen aber schon wird es den hier Stationierten klar, daß die Truppen hier nicht uom Schicksal zusammengewürfelt wurden, daß sie vielmehr von einem unendlich verzwickten, dem Schöpfer aber n mfo klareren Plan hierher beordert wurden. Kein Mensch liegt hier umsonst. Die Militär- verwaltimg kann jede Sorte von Handwerkern ge­brauchen. Auch für die Akademiker ist Verwendung hier; in den Bureaux, in der Feldpost, in den Geschäfts­räumen arbeiten die Schriftgewandten.

In manneshohen Kesseln wird das Essen bereitet. In einem Napf, bett jeder selbst zu stellen hat, wirb ihm um die Mittagszeit Nudel-, Graupen-, Kartvffelsnpve geschöpft lind in diesen Suppenbrei bekommt jeder ein Stückchen Fleisch. Ferner erhält man täglich ein um­fangreiches Kommißbrot und zweimal Kaffee in großen Mengen, allerdings ohne Milch und Zucker. Mit Heiß­hunger stürzt sich alles auf die Kessel und jedermann ist voll des Lobes über die Kost. Die Stimmung ist aus­gezeichnet. Zwischen den Soldaten und den Unteroffi­zieren herrscht ein gemütlicher Ton, und auch die Offi­ziere sprechen rückhaltlos mit der Mannschaft.

Man lacht, scherzt und singt und freut sich über die schöuen Sommertage, aber man denkt dabei doch fast stets an die Heiinat und ist froh, wenn man den Zurück­gebliebenen eine Freude machen kann. Beobachtet man die langenKetten der Güterzüge, die Proviant, Muni­tion und Bekleidungsstücke für das Militär bringen, dann wirb man es verstehen, daß die Post von uns nach Mitteldeutschland manchmal mehrere Tage lang läuft. Der Tag beginnt um 5 Uhr. Urlaub, Souutagsruhe, Stuudeupause gibt es nicht. Man ißt sein Mittagsbror und dann wieder an die Arbeit. Am Abend ist man todmüde und hat keine Lust, sich in der Stadt umzutun. Ein Teil der Leute ist in Zelten untergebracht. Mit besonderem Vergnügen bauten die jungen Soldaten die Leinwaudzelte, als sie hörten, daß das gesamte Material dazu im 70er Kriege den Franzosen abgenommen wurde. Man legt sich aufs Strohlager, nimmt eine Wolldecke als Bettuch und schläft ununterbrochen und

Wer vor

traunrlos bis zum Weckeu.

Wer vor dem Schlafengehen noch ein Weilchen vor den Zelten die Abendruhe genießen will, dem bietet sich eine schöne Stunde. Auf dem hügeligen, weiten, schein­bar unendlichen, weißglänzenden Sandfeld heben sich die Zelte gespenstisch ab. Davor die Schäften der Soldaten, still und ruhig. Hin und wieder unterbricht ein Sol­datenlied, auf der Mundharmonika gespielt, die Stille.

Matt leuchtet das Firmament.

Martin Feuchtwanger in der Mtt. N. N.

Vermischtes.

Was ein Volk an Kriegsentschädigung leisten kann.

Wenn es auch jetzt noch zu früh ist, sich näher mit den Kriegsentschädiguttgen unserer perfiden Gegner zu be­schäftigen, über die wir hoffentlich den Sieg erringen werden, wird doch schon vielfach der Ansicht Ausdruck gegeben, daß unsere Feinde auf dem Festlande diesmal bei einem für uns siegreichen Friedensschluß nicht so billig davoukommen dürfen wie das reiche Frankreich int Jahre 1870. Unser Volk hat ganz andere Opfer bringen müssen! Dies geht aus einer genauen Berech­nung der Kosten hervor, die dem preußtzchen Staate und seinem Volke nach Jena und Auerstädt auferlegt würben. Durch den Tilsiter Frieden wurde Preußen von 750 Quadratmeilen mit 9% Millionen Einwohner auf etwa 280 Quadratmeilen mit 4^ Millionen Einwoh­ner heruntergedrückt. Trotzdem mußte von diesen: auf die Hälfte verkleiuerten Preußen die volle Schuldenlast des früheren Besitzstandes übernommen werde«. Durch das Pariser Traktat vom 8. September 1808 hatten die 4% Millionen Preußen volle 1129 Millionen Mark auf- zubringen. In den drei folgenden Jahren wurden ver- tragswidM Lieferungen und Leistungen im Betrage von 10% Millionen abgepretzt. Der Durchzug der großen Armee gegen Rußland kostete 136 Millionen Taler. Der Gesamtschaden, den dieser Durchzug verursachte, betrug 309 Millionen Taler. Das Land war derartig verarmt, daß eine zu allen vorhergegangenen Steuern erst 1812 neu ausgeschriebene starke Vermögens- und Ein­kommensteuer fast gar keinen Nutzen für den Staat hatte. Die Provinz Alt - Preußen brächte statt der veran­schlagten 25 Millionen Taler nur 4% Millionen. Als Napoleon geschlagen aus Rußland zurückkehrte und Preußens Volk sich zur Befreiung erhob, hatte die Hauptstaatskasse nur 6000 Taler baren Geldes. Trotz­dem gelang es im Laufe weniger Monate, das nur 40 000 Mann starke Heer auf 271 000 Mann zu ver­mehren, obgleich man allgemein nur annahm, daß Preußen nicht mehr als 80 000 Mann auf die Beine zu bringen imstande sei. Diese Lasten und Leistungen mußten von 4% Millionen Preußen getragen werden (auf den Kopf der Bevölkerung verrechnet kosteten die sieben Jahre französischer Herrschaft 458 Mark für jeden Einwohner Preußens!). Trotzdem blühte das arme Preußen wieder auf, woraus hervorgeht, daß wir unsere Ansprüche an Kriegselltschädigungen auf ein recht hohes Maß heraufschrauben können.

w Reueites vom Tage.

Feierliche Krönung des Papstes.

Rom, 7. September. In der Sixtinischen Kapelle fand gestern vormittag die feierliche Krönung des Papstes statt. Das beim Heiligen Stuhl beglaubigte diplomatische Korps, viele Vertreter des Maltheser- ordens und des Ordens vom Heiligen Grabe, des römi­schen Patriziats, Delegationen der Diözesen Genua, Pegli und Bologha sowie die Brüder und Schwestern des Papstes wohnten der Feier bei.