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Kett Blätter ein, behaupten aber, daß sich die Nieder- i nur auf zwei Armeekorps beschränke.

Trotzdem wirbt Rußland mit aller Macht um Un­terstützung. So veröffentlicht, derMorgenpost" zufolge, dieTimes" einen Aufruf des Oberkommandterende« Großfürsten Nikolai an die Polen, in der die Bildung von polnischen Freikorps und die Verteilung von Mu­nition eine ungültige Handlung genannt wird. Die rus­sische großmütige Anbietung gegenüber den Polen würde nur Geltung haben, wenn diese ein loyales russisches Heer würden. Freischärler sollen als Nichtkombattamen behandelt und von den schwersten Strafen betroffen wer­den. Der Herr Oberkommandierende, der ja aus einer ganz guten Familie stammen soll, sollte zunächst einmal für Zucht und Ordnung in der eigenen Truppe sorgen und dafür, daß feine Soldaten nicht bansen wie die Frei­schärler. Daß das geschieht, beweist eine Stelle aus einem Briefe, den dieTägl. Rundschau" veröffentlicht:

Möchte uns Gott nur vor diesem rohen Gesinde! (den russischen Soldaten) bewahren. Denn was die Flüchtlinge erzählen, die es selbst miterlebt haben, nein, das ist ein zu schreckliches Elend. Die Schwester von Frau R. ist auch von ihnen mit ihren fünf Kindern bei Insterburg ermordet worden. Die Kinder wurden alle als Leichen an den Bäumen auf der Chaussee aufgestellt. So hört man hier Hunderte und aberhunderte von Fällen."

Ein Italiener über den Eindruck der deutschen Siege in Frankreich.

Eine Pariser Depesche derStampa" sagt:Die Stimmung in Frankreich ist so, daß die ganze Bevölke­rung aus dem Häuschen ist. Mit einem Franzosen zu diskutieren, ist ganz unmöglich geworden. Mein Ein­druck ist der, daß ich die deutsche Aktion mit einem raffen tödlichen Degenstöße vergleichen möchte, der auf das Herz des Gegners zielt. Der Degen berührt beinahe schon das Herz, denn er ist durch die Maschen der Rüstung hinburchgedrungen, die Frankreich angelegt hat: gewiß, der Degen ist bereits durchgedrungen, doch ohne den Körper der großen Nation zu Tode zu treffen." In der Depesche wird dann die in Frankreich rasch und allgemein verbreitete Ueberzeugung festgestellt, daß die Genialität des deutschen Großen Generalstabs dem französischen weitans überlegen sei, auch wenn diese deutsche Genialität mit furchtbarer Brutalität gepaart sei. Jeder weitere Widerstand erscheine nutzlos. Dies leuchte zumal den englischen Offizieren ein, die in dem allgemeinen Chaos die Kaltblütigkeit und das Kriterium bewahrt haben und im GMNsatz zu den Franzosen den deutschen Feind ohne Mißachtung betrachten. Die Abenteuer der kleinen Armee des Generals French hät­ten den Engländern die Augen geöffnet über die un­mittelbare Gefahr, die ihre Küsten bedroht, und die viel­leicht Churchill bewegen könne, die englischen Truppen vom Kontinent heimzurufen! Nun bieten die Franzosen in letzter Stunde alles auf, um neue Befestigungen zu improvisieren: aber was helfe dies alles gegen die ar­tilleristischen Mittel, welche den deutschen Siegeszug be­gleiten?

Russische Franktireurs.

Nach Erzählungen österreichischer Offiziere verpul­vern die Russen Unmengen von Munition, was eben­falls auf eine lang vorbereitete Aufstapelung von Kriegs­material in den Grenzgebieten deutet. Im Gegensatz zu der tatkräftigen Initiative der österreichischen Sol­daten hält sich die russische Infanterie möglichst ständig in Deckung. Auch die Kosaken, die anfangs plündernd «nd sengend in die wehrlosen Grenzstriche einfielen, zeigen sich auffallend wenig. Während auf der öster­reichischen Seite Flieger der Aufklärung wichtige Dienste leisten, sieht man russische Flieger nur spärlich. Die Russen arbeiten lieber mit allerhand Listen. Außer mit den schon erwähnten Spionagemitteln signalisieren die einheimischen Russophilen auch mit roten Flaggen und Häuseranzünden. Mehrfach kamen auch heimtückische Angriffe von Ortsbewohnern auf die Nachhut durch­ziehender österreichischer Truppen vor. Die erbitterten Soldaten stürmten die Häuser «nd vollzogen das ver­diente Strafgericht an den Mördern ihrer Kameraden.

JapanischeTruppentransportenachEuropa.

Rotterdam, 5. September. (Privattelegramm). Dem Journal d'Australia wird aus London gemeldet, daß ja­panische Truppentransporte nach Europa begonnen haben. (Die Meldung wird durch das Wolsf'sche Bureau verbreitet, verdient also Beachtung. D. Red.)

Die Engländer in Angst.

Malmö, 5. September. (Privattelegramm). Blätter melden ans Nstadt: In den englischen Häfen herrsche große Furcht vor der deutschen Flotte nnd den Minen. Anßerhalb des Tyne seien an einem Tage fünf Fahr­zeuge in die Luft geflogen. Die Anwerbung der Trnppen gehe in England nur langsam vor sich. In einer Stadt von 70 000 Einwohner« seien nur 100 Leute gewonnen, größtenteils Strolche. In England herrsche strenge Zensur.

Ein Angstschauer bei den Engländern.

_ In einem Bericht desDaily Mail" entwirft, der »Boff. Ztg." zufolge, ein englischer Verwundeter. der in das Hospital von Rouen eingeliefert war, folgende Schilderung von dem Kampfe bei Roubaix: Wir rückten unter Deckung des Artilleriefeuers voraus: aber gleich- zeitig begann auch die deutsche Artillerie zu feuern, so daß wir hinter Verschanzungen Deckung suchen mußten. Die deutschen Kanonen waren bald auf einer zwei bis drei Meilen langen Front aufgestellt und schleuderten ihre Schrappnells um uns her. Das war unsere Fewer- tanfe, aber anfänglich begriff ich nichts davon. Die ersten Granaten explodierten hinter unseren Linien ohne Schaden anzunchten. Aber bald schlugen sie auch in unsere Reihen ein und richteten große Verheerungen an. Wir hofften, daß das Feuer bet Eintritt der Dunkel­heit eingestellt werden wurde; aber darin hatten wir uns getauscht. Die Granaten regneten weiter um uns her wie am Helle« Tage. Den ganzen Tag lang flogen Flugmaschine« über unseren Trnppen her, um festzu- nellen, wo die Granaten einschlugen. Ein Flieger kam ganz dicht an unsere Linie. Plötzlich wurde er durch unsere Kanonen getroffen. Einen Augenblick drehte er sich in der Luft und fiel dann wie ein Stein nieder. In der Nacht arbeiteten die Deutschen mit Scheinwer­fern. Wir konnten sehen, wie sie elnen besttzimUen Dunkt suchten. Es war ei« gespensterhafter Anblick, nüe die scharfen Lichtstreifen umherkreisten, bis sie ihr Zl-l gefunden hatten. Dann hörten wir das Sausen 6-1 Schrappnells. Wenn der starke Lichtschem auf unsere Reihen fiel, so daß wir einander ins Gesicht ieben konnten, kam ein Angstschauer über mich, gerade w damals, als ich noch ein kleiner Junge war.

Japan nnd England.

Das StockholmerAttonbladet" meldet wie Me .Voll. Zig." erfährt - aus London: Die öffentliche Meinung, die sich immer mehr gegen Großbritanniens Zusammengehen mit Japan im Osten wendet, stellt teAr energisch die Forderung auf, daß Großbritannien sich beeilen <oD, Japan bet der Besitznahme der deutschen

daß Japan zwar erklärt habe, seine Aktion auf Ost­asiatische Fahrwässer einzuschränken: aber dieser Aus­druck sei ein viel zu dehnbarer Begriff.

Die englischen Berlnste bei Helgoland.

Nach schwedischen Blättern wird wie dieVoss. §tg." meldet amtlich aus Londou mitgeteilt, daß die erluste der Engläuder in dem Seegefecht bei Helgo­land 29 Tote und 38 Verwundete betragen. Das britische Preßbureau meldet, daß der leichte KreuzerAmethyst" und der TorpedobootszerstörerLaertes" bei dem Ge­fecht bei Helgoland beschädigt seien. Die anderen Schiffe hätten keine bedeutenden Beschädigungen erlatten. Ein Kreuzer habe 97 Gefangene, unter denen sich 9 Offiziere befanden, eingebracht. Nach einer anderen Meldung ha­ben die Engländer etwa 200 deutsche Matrosen von dem KreuzerMainz" gerettet, 12 von ihnen starken auf der Fahrt.

Eine englische Verlustliste.

WTB. London, 5. September. Das Presseburan gibt eine weitere, vom britischen Hauptquartier übermittelte Verlustliste bekannt, in der 18 Offiziere, 62 Unteroffi­ziere und Mannschaften als tot, 78 Offiziere, 312 Unter­offiziere und Mannschaften als verwandet und 86 Offi­ziere, 4672 Unteroffiziere und Mannschaften als ver­mißt aufgeführt werden, 2882 wahrscheinlich in ver­schiedenen Lazaretten.

Englische Minen in der Nordsee.

WTB. Amsterdam, 5. September. Nach englischen Blättern sind verschiedene Schiffe in der Nordsee auf Minen gelaufen und gesunken, und zwar in der Nähe der Mündung des Tyne.

Der Tyne fließt bei Newcastle in die Nordsee.

Die Wahrheit über Loewen.

WTB. Berlin, 5. September. Belgien verbreitet wiederholt eine falsche Darstellung der Vorgänge in der Stadt Löwen. Deutsche Truppen seien bei einem Aus­fall aus Antwerpen zurückgeschlagen und von der deut­schen Besatzung in Löwen irrtümlich befeuert worden. Die Ereignisse beweisen einwandfrei, daß die Deutschen den belgischen Ausfall zurückgeschlagen haben. Während des Kampfes vor Antwerpen erfolgte in Löwen an vielen Stellen ein zweifellos organisierter Ueberfall auf Deutsche. Der Ueberfall traf hauptsächlich ein Land­sturmbataillon, ferner Teile eines Generalkommandos und Kolonnen. Die Deutschen hatten zahlreiche Ver­wundete und Tote, gewannen aber die Ueberhand durch neue mit der Bahn eintreffende Truppen, die auf der

und von der deut-

wen irrtümlich befeuert worden.

gahrt und auf dem Bahnhofsplatz beschossen wurden, as Rathaus ist vor der Zerstörung gerettet. Weitere Versuche zu löschen, sind nicht gelungen.

Ein kaiserliches Lob für ein württembergisches Landwehrregiment.

Stuttgart, 4. September. Einem Württembergischen Landwehr-Inf.-Regt., das im Oberelsatz mitgefochten hat, ist vom Kaiser ein Telegramm zugegangen, wo­rin der Kaiser seine Anerkennung ausspricht für die Leistungen im Gefecht vom 19. August gegen die vier­fache Uebermacht. Gleichzeitig ist das Gefecht als ein großer strategischer Erfolg bezeichnet, der verhindert hat, daß die französische Armee im Oberelsatz zu der Armee bei Metz stietz.

An die ostpreußischen Flüchtlinge.

WTB. Berlin, 5. September. Unter den ostpreu­ßischen Flüchtlingen macht sich in diesen Tagen ein star­kes Drängen zur Rückkehr nach ihrer Heimat bemerkbar. Demgegenüber muß davor gewarnt werden, die Rück­reise ohne jede Erkundigung an unterrichteter Stelle an- zutreten, denn es gibt noch Teile der Provinz, in denen eine geregelte berufliche Tätigkeit wegen der Kriegsope­rationen zurzeit noch nicht möglich ist.

Pariser Phrasen.

Nach dem Pariser Temps sehen die Pariser dem Er­eignis, daß eines schönen Tages vor den Mauern von Paris deutsche Truppen erscheinen könnten, sehr gefaßt entgegen und scheinen die Hoffnung auf einen glücklichen Ausgang nicht verloren zu haben. An Optimismus mangelt es nicht: alle, die direkt oder indirekt vom Kriegsschauplatz etwas gesehen oder gehört haben, hätten volles Vertrauen, das selbst von den ankommenden Flüchtlingen geteilt werde, die einstimmig erklärt hät­ten, daß alle Anstrengungen der Deutschen, die einfach blindlings darauf losgingen, ohne Sorge um das ein­fachste Prinzip jeder Taktik, nicht zu dem gewünschten Ziele führen könnten. . ....

Und trotzdem weichen die Franzosen einmütig zu­rück und die Deutschen nähern sich Paris. Die Fran­zosen trösten sich eben mit faulen Ausreden.

Schükri Paschas Ernennung.

Die Südslawische Korresporidenz meldet aus Kon­stantinopel: Nach Mitteilungen aus Regierungskreisen steht die Ernennung Schükri Paschas, des Verteidigers von Adrianopel, zum Kommandanten der Truppen an der russischen Grenze bevor.

Der Gouverneur von Deutsch-Samoa.

Der Gouverneur von Deutsch-Samoa, Dr. Schön, wurde nach einer Meldung aus London als Gefangener nach den Fidschi-Inseln übergeführt. An Berliner amt­lichen Stellen konnte die Richtigkeit dieser Meldung noch nicht bestätigt werden.

Fabelhafte Zahle«.

Wie derKöln. Ztg." von vertrauenswürdiger Seite mitgeteilt wird, wurden allein im Elsenbahn- direktionsbezirk Cöln während 19 Mobilmachungstagen und über fünf Rheinbrücken in weltlicher Richturig über 26 000 Militärzüge befördert. Diese Züge schafften über zwei Millionen Kämpfer und die zu ihnen gehörigen Geschütze, Pferdematerial, Munition, Proviant uiw. nach der Grenze.

Schreckensregiment in Nifch.

Nach den Erzählungen serbischer Flüchtlinge herrscht in Nisch geradezu ein Schreckensregiment der serbischen Militärpartei. Offiziere hätten zwei Mitglieder der Skupschtiua erfchossen, weil diese das Vorgehen der Kriegsleitung besprachen. König Peter lasse ,ich tage­lang überhaupt nicht sehen.

Die österreichischen Motorbatterien.

WTB. Wien, 5. September. Die von dem Deut­schen Großen Generalstab veröffentlichten Nachrichten über die ausgezeichnete Wirkung der von Oesterreich-

nU@inUfranSS versuchten Verrats

Wie wir derVoss. Ztg.", entnehmen, erhalten holländische Blätter von den belauchen Behörden die zensierte Meldung, daß der französische General Persin vo« seinen eigenen Truppen wegen versuchten Verrats füsiliert wurde. Er soll drei Tage zu spät mit 200 000 Mann HilfStruppen vor Namur erschienen sein.

Bönig Albert von Belgien verwnndet.

DaS Bombardement von Mecheln hat, wie dem BerlinerL-A." aus Kopenhagen geneidet wird, großen Eckl^M angsichtet. König Albert wurde an einer

Hand durch einen Granatsplitter verwundet. Er leitete persönlich den Rückzug seiner Truppen. Die Granate schlug in seiner unmittelbaren Nähe ein, die Hinter- räder seines Autos wurden von ihr zertrümmert.

Manuel ruft zu den Fahnen.

Nach Londoner Meldungen, die dem ,,L.-A." über Frankfurt a. M. zugehen, schrieb der frühere König Manuel vo« Portugal an den Führer der portngiesi- schen Royalisten, er fordere alle seine ehemaligen Uu- tertanen, insbesondere seine Anhänger, auf, für den Dreiverband, England, Rußland, Frankreich, zn käm- pfen. Er selbst habe seine Dienste dem König von Eng- land angeboten.

Rußlands Liebeswerven um Galizien.

WTB. Lemberg, 5. Septbr. Im Besitze vieler ge­fangenen russischen Soldaten wurde eine Proklamation gefunden, die sich an die russischen Brüder in Galizien wendet und ihnen Befreiung vom fremden Joche und Vereinigung mit Rußland verheißt.

Das Rathaus von Loewe« erhalten.

Ein aus Koewen znrückgekehrter Korrespondent des Nienwe Rotterdamsche Conrant" berichtet, daß das weltberühmte Rathaus inmitten der Trümmerhaufen wie ein zierliches Kleinod erhalten geblieben sei. Ebenso ist die herrliche Kathedrale nur »um Tet verwüstet, doch wiederherstellbar. Die reichen Kunstschätze der Kirche sind gerettet, so u. a. das bekannte GemäldeDas Abendmahl" von Dirk Bvuts.

Zur Papstwahl.

WTB. Rom, 5. September. Der Papst hat den Kar­dinal Ferrata zum Staatssekretär ernannt.

Ein Sorsgesecht in Russisch-Polen-

Aus einem Feldpostbrief.

Königsthal, 15. 8. 1914.

Liebe Eltern und Geschwister I

Schnell einen Bericht über das gestrige Gefecht. In der Nacht vom Freitag zum Samstag erhielt ich den Befehl, mit meiner Abteunng von Schiast abzurücken und in Dlottowen (Dentsches Grenzdorf in Richtung Johannisburg-Kolnow) mich mit der Kompagnie zu vereinigen. Ich traf dort nach dreistündigem Marsche um 5 Uhr 40 Min. morgens (Samstag) ein. Die Kom­pagnie hatte den Auftrag, festzustellen, wo russische In­fanterie verblieben und bet einer Bewegung vor Kolnow die Infanterie zurückzuwerfen. Es wurden drei Züge zu je 90 Mann eingeteilt. Ich hatte den ersten Zug und ging mit diesem gedeckt zu beiden Seiten der Chaussee Johannisburg-Kolnow (Rußland) über die Grenze, während die beiden anderen Züge das seitliche Gelände in je 500 Meter Entfernung zum Vormarsch benutzten. Der Hauptmann war beim zweiten Zuge, da dort das Gelände sehr unübersichtlich war.

Das erste russische Dorf, das wir passierten, war leer. 400 Meter vor mir befand sich eine 20 Mann starke Rad- fahrerpatrouttte. Wir mochten noch etwa eine Stunde marschiert sein, als wir von einer Höhe aus das Dorf Escherwonne zu Gesicht bekamen. Unsere Radfahrer- patronille war auf 200 Meter an das Dorf heran, als sie plötzlich von dort befeuert wurde. Sie warfen die Räder in den Chausseegraben, nahmen Stellung und er­widerten das- Feuer. Ich ließ meinen Zug sofort aus- schwärmen und Deckung nehmen. Durch das Glas stellte ich fest, daß das Dorf zur Verteidigung eingerichtet und stark besetzt war. Ich schätzte eine Kompagnie. Da die auf die Radfahrer abgegebenen Schüsse sämtlich zu hoch gingen und uns, die wir 400 Meter dahinter lagen, stark gefährdeten, sah ich mich genötigt, die Deckung mit meinem Zuge zu verlassen und auf die freie Ebene vorzuspringen. Als die Russen unserer ansichtig wurden, machten sie ein rasenden Feuer auf uns. Ich ließ die Zwischenräume erweitern und ging sprungweise im Marsch-Marsch bis in die Höhe der Radfahrer vor. Von dort ans gab ich mit meinem Zuge ununterbrochen Schnellfeuer auf das Dorf ab. Wir mochten wohl eine Stunde dort im Feuer gelegen haben, als ich links aus einem Walde hinter mir Schlisse hörte. Ich stellte fest, daß es die Unseren waren. Mein Hauptmann eilte mit dem zwei­ten Zuge zur Unterstützung heran und griff das Dorf von der linken Flanke an. Plötzlich erschienen am rech­ten Dorfrand Maschinengewehre. Sie kamen aber erst gar nicht dazu, in Stellung zu gehen: der dritte Zug, der nunmehr auch rechts von mir über den Höhenzug kam, feuerte wohlgezielte Salven auf die Maschinen- gewehre ab, sodaß sie, ohne in Tätigkeit zu treten, den Rückzug antraten.

Nun waren wir gerettet. Mit Hilfe des zweiten Zuges deckten wir das Dorf mit Feuer zu. Wir pfeffer­ten rein, was wir an Munition hatten. Das feindliche Feuer ließ nach. Der Gegner war erschüttert.Seiten­gewehr pflanzt auf!" wurde geblasen.Sprung, auf marsch-marsch fällt das Gewehr! Hurra!" Der Sturm war angetreten. Unaufhaltsam, trotz des dichten Kugelregens, ging es vorwärts, bis in das Dorf hinein. Dort entspann sich ein regelrechtes Handgemenge. Was nicht weichen wollte, wurde mit der blanken Waffe niedergemacht. Aus allen Häusern, Kellern, von allen Dächern, aus allen Bäumen wurden wir befeuert. Doch wir wichen nicht zurück. Wir schössen in die Buden hinein, daß die Scheiben klirrten und keiner mehr wagte, seinen Lauf hinauszuhalten. Was nicht durch die Flucht entkam, wurde niedergemacht. Wir erbeuteten viele Gewehre. Wie durch ein Gotteswunder bin ich unver­letzt geblieben. Gott der Allmächtige scheint die gerechte Sache zu schützen, denn wir hatten nur geringe Verluste. Die Russen schössen schweinemäßig. Wenn wir in dieser Stellung gewesen wären und der Russe wäre über die freie Ebene gegen uns angelaufen, nicht ein Schwanz wäre von diesen Hunden lebend davongekommmen. Wenn die Kerls nicht so feige wären und besser zielen könnten, dann hätten sie uns bei dem ebenen Gelände zusammenschießen müssen bis auf den letzten Mann. Wir hatten erreicht, was wir wollten. Die Infanterie war znrückgewvrfen und zum Teil vernichtet. Eine weitere Verfolgung nahmen wir nicht mehr aus, da wir befürchten mußten, daß wir in Kolnow (größere ruf» s'sche Stadt) auf stärkere russische Abteilungen mit Ar­tillerie stoßen mußten. Wir sammelten uns nun auf der Straße, nahmen den Helm ab, dankten Gott und sprachen für unsere Toten ein Vaterunser. Dann traten wir unter Mitnahme der Verwundeten den Rückmarsch nach Königsthal (deutsches Gebiet) an. Hier werden wir noch längere Zeit a(K Grenzschutz bleiben.

mftlir das erste dürften wir nun Ruhe haben. Die Brüder haben sich anständig die Nase verbrannt. Vom Regiment ist die 10. Kompagnie wegen ihres todesmutt- gen Verhaltens besonders gelobt worden. Es soll eine Eingabe gemacht werden, daß, wenn auch nicht alle, so doch viele mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wer* den. Den anderen Kompagnien ist gesagt worden, sich in ähnlichen Fällen auch so zu benehmen, wie wir e4 getan. Ran an die Feiglinge, koste es, was es wolle!

Gott dem Allmächtigen fei Dank, daß er mit feinem Schutze bei uns gewesen, uns zu dem Wollen das Ge­lingen gegeben hat.

Eusr Bisestürmer vyn Eschsrwonn«.