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Hersfelder Tageblatt

für den Kreis Hersfeld

WlOtt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be-

zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei j)ll5luufl

Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen: Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernfprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 309.

Sonntag, den 6. September

1914.

Amtliche Verlustliste«!

Die amtlichen Verlustlisten sind von Nr. 1 ab regelmäßig sofort nach Er­scheinen in der Geschäftsstelle unseres Blattes zu haben.

Bus der Heimat«

* Einen praktischen Vorschlag macht ein Leser desWiesb. Tagebl." Er schreibt: Alle die­jenigen, deren Angehörige im Felde stehen, wissen, wie sehnsüchtig Lebenszeichen unserer Lieben erwartet werden. Wer schnell Antwort haben will, dem em­pfehle ich folgendes Mittel: Legt allen euren Briefen einen oder mehrere Briefumschläge mit Adresse, mit Tinte klar geschrieben, und einen oder mehrere Brief­bogen zur Antwort bei. Die portofreie Gewichts­grenze für Feldpostbriefe ist so weit gezogen, daß das ohne Uebergewicht möglich ist. Die Besorgung von Briefbogen und Tinte macht den Soldaten sehr oft die größten Schwierigkeiten. Beherzigt man meinen Borschlag, so wird mancher Brief eher, als es sonst geschieht, die Ungewißheit beseitigen, die einen quält, wenn man tagelang ohne Nachricht geblieben ist.

* (Tod esanze igen von gefallenen Kriegern.) Das stellvertretende Generalkommando des Großen Generalstabes der Armee gibt bekannt: Der weitere Gang der Kriegsereignisse gestattet es, die Maßregel nach der in Todesanzeigen über fallene Heeresangehörige der Truppenteil nicht genannt werden darf, nunmehr aufzuheben. Jedoch darf auch in Zukunft nicht der Ort bezeichnet werden, an dem der Betreffende gefallen ist.

* (Handeln, nicht trauern!) Das schöne Wort des Kronprinzen Rupprecht, das er beim Tode seines Sohnes niederschrieb, ist echt deutsch, wie das andere des preußischen Friedrich:Lerne leiden, ohne zu klagen." Eine ähnliche Empfindung beseelte einst Gotthold Ephraim Lessing, der nach dem Tode seines Bruders Gottfried am 9. Februar 1764 von Breslau an den Vater schrieb:Die einzige wahre Pflicht, die mir der Tod meines Bruders auflegen kann, ist diese, daß ich meine übrigen Geschwister desto inniger liebe und die Zuneigung, die ich gegen den Toten nicht mehr zeigen kann, auf die Lebendigen Überträge . . . Ich will im Leben lieben, was mir die Natur zu lieben befiehlt, und nach dem Tode so wenig als möglich zu betrauern suchen." Daß Lessing diese Liebe durch die Tat bewiesen hat, ist allgemein bekannt.

§ Hersfeld, 5. Sept. Der jetzige Geschäftsgang in zahlreichen industriellen und gewerblichen Unter­nehmungen hat Betriebseinschränkungen und Ein- legung von Feierschichten zur Folge gehabt, die es den Arbeitern vielfach unmöglich machen, die Arbeiterkarten in -er bisherigen Weise zu benutzen. Um dieser Sachlage Rechnung zu tragen, sind folgende Erleichte­rungen angeordnet worden: 1. Anstelle von Arbeiter- Wochen karten, die nur an 6 aufeinander folgenden Arbeitstagen zwischen Wohnort und Arbeitsstelle gelten, können auf Wunsch für die Dauer von Betriebs­einschränkungen usw. Arbeiterrückfahrkarten verabfolgt werden. Für die Ausgabe dieser Karten ist die Bescheinigung des Arbeitgebers erforderlich, daß die Arbeit an bestimmt zu bezeichnenden Tagen der Woche ruht. 2. Für Arbeiterrückfahrkarten, die bestimmungsgemäß nur: a) am Tage nach einem Sonn- oder Festtage zur Fahrt vom Wohnort nach der Arbeitsstelle oder b) am Tage vor einem Sonn- oder Festtage zur Fahrt von der Arbeitsstelle nach dem Wohnort gelöst werden dürfen, kann die Lösung und Benutzung auch an a n d e r e n als den vorge­nannten Tagen gestattet werden. Auch hier ist die Bescheinigung des Arbeitgebers nötig, an welchen Tagen der Woche die Arbeit ruht. Anträge auf Zu­lassung der Lösung und Benutzung von Arbeiterkarten sind an das zuständige Verkehrsamt (Frankfurt, Gießen, Limburg, Fulda) zu richten.

):( Hersfeld, 5. September. Wie aus den kirchlichen Nachrichten ersichtlich, findet morgen früh V2IO Uhr in der Stiftsruine Feldgotttesdienst statt.

§ Hersfeld, 5. September. Ueber die Verwendung der an das Rote Kreuz Hersfeld freundlichst ge- heferten Liebesgaben gibt der Vorstand des Zwerg­vereins vom Roten Kreuz folgendes bekannt: Die

gelieferte Bettwäsche wird den hiesigen Lazaretten zugewiesen. Strümpfe, Leibbinden, Stauchen er werden, sobald von der Militärverwaltung Sammel- und Verteilungsstellen eingerichtet sind, dorthin abgeführt. Ein Teil der gelieferten Strümpfe ist bereits hier auf dem Bahnhof an durchfahrende Krieger verteilt worden. Die bisher zur Verfügung gestellten Lebens­mittel sind auf dem Bahnhof Hersfeld den durch­fahrenden Truppen und den Verwundeten zu Gute gekommen, die noch eintreffenden werden in den hiesigen Lazaretten für die Verwundeten verwendet.

§ Hersfeld, 5. Sept. Bei der hiesigen städtischen Sparkasse wird eine Annahmestelle für die Hessische Kriegsversicherung für den Krieg 1914 errichtet. Der Anteilschein kostet 10 M. Es können für einen Kriegsteilnehmer bis zu 20 Anteilscheine gelöst werden. Falls die Verluste nicht größer sein werden, wie im Kriege 1870 71 werden auf jeden Anteilschein mindestens 250M.verteilt werden können. SinddieVerlustegeringer, dann erhöht sich dieser Betrag, sind sie größer, erniedrigt sich derselbe. Jedenfalls wird alsbald nach Feststellung eines Todesfalls eine Abschlagszahlung von 100 M. geleistet. Die Bedingungen können bei der Sparkasse eingesehen werden.

Heringen (Werra), 2. September. Von einem schweren Erntewagen wurde gestern hier eine Fran überfahren und erlitt am Kopf und an beiden Armen Verletzungen. Einer älteren Frau, die fremdes Vieh von ihrer hinter dem Hause gelegenen Wiese treiben wollte, rannte ein Tier die Hörner in die Seite. Neben zwei Rippenbrüchen trug die Bedauerns­werte auch noch innere Verletzungen davon.

Bebra, 4. Septemb. Hier wird ein Uebernachtuugs- Lazarett eingerichtet, das dazu dienen soll, denjenigen verwundeten Kriegern, die einen weiten Transport nicht ertragen können, für einen oder mehrere Tage Unterkunft zu gewähren. Der Besitzer des Deutschen Hauses hat zu diesem Zweck seinen Saal zur Ver­fügung gestellt.

Caffel, 4. Sept. (Blutvergiftung.) Ein junges Mädchen hatte sich im Hause der Eltern beim Aufputzen einen rostigen Nagel in die linke Hand gestoßen. Es hatte der unscheinbaren Verletzung keine Beachtung beigemessen, erst jetzt, als der Arm stark anschwoll, zog es einen Arzt zu Rate, welcher Blutvergiftung feststellte. (Unfall.) Der 14jährige Schüler S. von hier, der Sohn eines Chauffeurs, suchte die Kurbel-, welle eines Automobilmotors anzudrehen. Hierbei schlug die Welle zurück und traf den rechten Arm des Schülers derart, daß er brach.

Caffel, 4. September. Generaloberst von Heringen Ehrenbürger von Cassel. Die Stadtverordneten be­schlossen gestern abend, den Generalobersten von Heringen, der einer alten knrhessischen Adelsfamilie entstammt in Cassel geboren, seine Jugend in Cassel verlebt und vom Jahre 1903 bis 1906 als Kommandeur der 22. Division in Cassel mit der Bevölkerung Cassels in enger Fühlung stand, das Ehrenbürgerrecht der Stadt Cassel zu verleihen. Zur Unterstützung der in Not geratenen Ostpreußen bewilligten die Stadt­verordneten einen Betrag von 20 000 Mk.

Weimar, 3. September. Um den vielen in Umlauf befindlichen Gerüchten vorzubeugen, die besagen, Prinz Ernst von Sachsen-Meiningen sei verwundet und gefangen oder vermißt, ist die Weimarische Zeitung ermächtigt, folgendes Telegramm des Prinzen Georg von Sachsen-Meiningen an I. K. H. die Frau Groß- herzogin zu veröffentlichen: Ernst wurde auf Feld­wache nördlich Maubeuge Pferd erschossen, er anscheinend unverletzt in Händen der Franzosen in Festung Maubeuge. gez. Georg.

Sondershansen, 2. September. In der Nähe der Eisenbahnschienen bei Großfurra scheute gestern nach­mittag ein Pferd. Ein polnischer Arbeiter versuchte, das Tier aufzuhalten, wurde jedoch von ihm fort­geschleudert und zwar so unglücklich gegen die Puffer einer vorbeifahrenden Lokomotive, daß der Tod des Mannes auf der Stelle eintrat.

Mühlhausen, 4. Sept. Die Oeffnung des Ebeleber Tunnels ist in greifbare Nähe gerückt und dürfte in einigen Wochen erfolgen. Zur Zeit wird der Tunnel selbst ausgebessert. Außerdem soll noch die geplante Verbindung nach Görmar hin zur Abkürzung des Weges zwischen Mühlhausen und diesem Dorfe her­gestellt werden. _

Jena, 4. September. Der ordentliche Professor der Chemie an der Universität Jena, Geheimer Hof­rat Pros. Ludwig Knorr, hat sein Gehalt für die Dauer des Krieges dem Roten Kreuz für die Familien der Krieger zur Verfügung gestellt.

Fulda, 4. Sept. Zum gestrigen Viehmarkte, dem ersten, der nach dem Erlöschen der Maul- und Klauen­seuche im Kreise Fulda wieder stattfand, war mehr Vieh angebracht, als nach den obwaltenden Umständen

erwartet werden konnte. Es wurden gezählt 2 Bullen 189 Ochsen, 22 Stiere, 271 Kühe, 80 Rinder, 28 Kälber und 4 Pferde, insgesamt 592 Tiere. Es kosteten Ochsen 1200-1400 Mk., Stiere (jüngere) 400-000 Mk. das Paar, Kühe das Stück 250500 Mk. Rinder (jüngere) 200300 Mk. Der nächste Viehmarkt findet am 8. Oktober statt.

Durch die Lupe.

(Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.)

Nun mag dem Feind die Wange bleichen, das Knie sich beugen in den Sand, es eilt auf stolzen Siegeswegen das deutsche Heer durchs Feindesland. Es wehen ruhmvoll Deutschlands Fahnen auf mancher heiß erkämpften Stadt, und Russen, Briten und Franzosen, sie haben längst den Krempel satt. Und konnten sie vor kurzen Wochenkaum bändigen die Nachetriebe, heut' sind sie scholl zu Kreuz ge­krochen und kennen echte deutsche Hiebe. Heut, gleichen sie dem braven Tiere, von dem man aus dem Sprichwort weiß, es geht, wenn's ihm zu wohl geworden^ aus purer Unvernumft aufs Eis! Wie haben sie sich Mut gefaselt, umnach Berlin" zn kommen endlich, heut' sind sie alle hingekommen, doch als Gefang'ne selbstverständlich, und werden sie nicht baldigst klug, wir haben ja noch Platz ge­nug! Nur eines wäre zu erwägen (es müßte gar zu herrlich sein!), warum sperrt man von allen Sorten nicht stets ein paar zusammen ein? Sie, die sich gegen uns verbündet, den Tod uns schwuren bei den Sternen, sie sollten wenigstens einander jetzt einmal gründlich sengen lernen, sie sollen Zeit und Muße finden, die Frage, die ihr Herz bewegt, gemeinsam jetzt sich vorzulegen, wer eigentlich die Schuld d'ran trägt? Und wenn sie einst nach- hause kehren, dann wird ein jeder sicherlich die Frucht von solchem Räuberbündnis erfahren haben auch an sich. Sie werden wissen, daß dem Deutschen vor keinem Feind der Erde bangt, und werden sich die Lehre merken die Herren von der Krüppe­lentente !*) Walter-Walter.

) Der Dreibund Frankreich-England-Rußland fUhrt den offiziellen NamenTripleenteute".

der bei L. Pfeiffer, Depositenkasse Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nachstehend dankend quittiert wird:

Für das Rote Kreuz, Sektion Hersseld

von Kriegerverein Heimbolsdhausen einer Kränzchenkasse hier. . . Herrn Conrad Diebel hier . . Gemeinde Rockensüß bei Sontra Herrn Emil Wirth Eitra. . . Herrn Conrad Vockroth, hier .

M.

// /' // // // // // // // //

" //

Ungenannt

l

Gemeinde Oberlengsfeld 2. Rate. .

Frauen und Mädchen aus Frielinger Frau Emilie Jost hier......

Frauen und Mädchen aus Gersdorf . Heddersdorf

Allendorf

Herrn Paul König hier..... Schule Wüstfeld........

//

Herrn Jakob Müller Kathus . Evangelischer Mütterverein hier Radfahrerverein Friedlos . . Gemeinde Friedlos 3. Sammlung

50

18

20

100

100

10

3. 135.50 103.25

20 51 28 75.75

10

28

10

50 50 75

//

//

/,

//

M 937^0

Bestand 14332,50 heutiger Bestand M. 15270

Bei der Kreiskommunalkasse hier als Sammel- stelle des Zweigvereins vom Roten Kreuz gingen ferner ein:

von der Gemeinde Sorga.......M. 289.20

als Erlös aus dem Verkaufe vaterlän­

discher Abzeichen durch Herrn Stein­gießer in Hersfeld....... 10

als Rote Kreuz-Sammlung im Caffee Wenzel........... 44.25

der Gemeinde Schenksolz..... 100

den Beamten, Beamtinnen und Meistern der Firma August Gottlieb, mechan.

Seilerwarenfabrik, Aktiengesellschaft in Hersfeld......... 50

(Ein von diesen Beamten ?c. weiter gespendeter Betrag mit ebensalls 50 M. ist zur Unterstützung von durch den Krieg notleidenden Familien in Hersfeld bestimmt und am 4. Sept. an die Stadt Hersfeld abgeliefert worden.)

Wetteraussichten für Sonntag den 6. September.

Ziemlich heiter, trocken, tags warm, nachts kühl, nordöstliche Winde.