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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^ für den Kreis Hersfeld Mh UW Kreisblutt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 308.

Sonnabend, den 5 September

1914.

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

Amtliche $trlyjtliitm!

Die amtlichen Verlustlisten sind von Nr. 1 ab regelmäßig sofort nach Er­scheinen in der Geschäftsstelle unseres Blattes zu haben.

Bus der Heimat«

* jS o m m e r f ä d e n.) Von Baum zu Baum, von Ast zu Ast spinnt jetzt der Spätsommer seine weißen Fäden. Marienfäden oder Mariengarn heißt man sie in katholischen Gegenden, weil sie zu Anfang September, um Mariä Geburt herum, aufzutauchen pflegen. Ganz allgemein ist auch die Bezeichnung Altweibersommer" gang und gäbe.--Man weiß, daß die dünnen, zarten, weißen Fäden ein Gespinnst der Erdspinne darstellen, einen Teil des Netzes, das sie im Sommer von Strauch zu Strauch zog, und das jetzt, vorn langsam einsetzenden Herbstwinde zerrissen, vor diesem herflattert. Gleichwohl wirkt das weiße Gespinnst auch bei nüchtern denkenden Menschen an­regend auf die Phantasie ein und verleitet zu aller­hand nachdenklichen Stimmungen über Werden und Vergehen. Nach unseren Dorfsagen wird deshalb auch in diesenMarienfäden" etwas anderes als ein naturgemäßer Vorgang erblickt. Ein faules, arbeits­scheues Mädchen, das lieber zu Spiel und Tanz ging, als daheim am Spinnrad saß, soll nach der Sage von ihrer Mutter auf den Mond gewünscht worden sein, um dort ewig zu spinnen. Und kaum, daß die Mutter diesen Wunsch ausgesprochen, war er bereits in Er­füllung gegangen. Und die weißen Fäden, die seitdem durch die Luft flattern, stellen das Gespinnst dar, das die ungehorsame Tochter seitdem dort oben in ruhe­loser Arbeit herstellt---

* Unser Landsturm, dem es nicht beschieden ist, in der Front stehen zu dürfen, verrichtet dafür zu Hause ein gutes Teil notwendiger Arbeit. Namentlich die Bahn- und Brückenbewachung ist wichtiger, als es den Anschein hat. Oft sind solche Posten jedoch stundenweit von der Kaserne entfernt und bei un­günstigem Wetter allen Unbilden der Temperatur ausgesetzt. Darum bitten wir: kleine Liebesgaben auch für unseren Landsturm! In wessen Wohnungs­nähe ein solcher Posten bei schlechtem Wetter stunden­lang zu stehen gezwungen ist, der scheue die kleine Mühe nicht, eine wärmende Tasse Kaffee oder dergl. hier und da herüberzusenden. Solche kleinen Auf­merksamkeiten kosten so gut wie nichts, werden aber mit großer Freude entgegengenommen, zumal gerade unsere Landsturmmänner der ehemaligen Militärzeit schon so lange entwachsen sind, daß körperliche Stra­pazen, Wetterunbilden u. dergl. nicht mehr so ein­flußlos an ihnen vorübergehen, wie an frisch ausge­bildeten und durch den Felddienst besser abgehärteten Truppen.

8 Hersfeld, 4. September. Bei dem Postamt in Metz gehen noch immer täglich Tausende von Briefsendungen für Angehörige der im Felde stehenden Truppen ein, die mit der Bestimmungs­bezeichnungin Metz, bei Metz" und dergl. versehen sind. Es wird wiederholt darauf hingewiesen, daß auf den Sendungen an Angehörige der im Felde stehenden Truppen nur die genaue Bezeichnug des Truppenteils, in dem der Empfänger dient, anzugeben ist, niemals aber ein Bestimmungsort. Nur auf Sendungen an Truppen in festen Standorten (Fest- ungsbesatzungen, Ersatz-Bataillonen, stehenden Laza­retten usw.) ist außer der Bezeichnung des Truppen­teils auch der Bestimmungsort anzugeben.

§ Hersfeld, 4. September. Beim Oeffnen der B r i e f b e u t e l mit Feldpostsendungen werden in großer Zahl lose Gegenstände vorgefunden, die Feldpostbriefen entfallen sind. Es handelt sich haupt­sächlich um Schokolade, Pfefferminz, Fruchtbonbons, Zigarren, Zigaretten u. a. Das Herausfallen der Gegenstände ist darauf zurückzuführen, daß die ver­wendeten Briefumschläge und Pappkästchen nicht halt­bar genug oder nur mit einem schwachen Metall­schließer versehen sind. Es ist dringend erforderlich,

daß zum Verpacken solcher Gegenstände nur starke, mit gutem Bindfaden verschnürte Pappkästchen ver­wendet werden.

):( Hersfeld, 4. Sept. Wie uns ein Leser unseres Blattes aus Malkomes mitteilt, steht in der dortigen Gemarkung ein Apfel baum in voller Blüte. Zu heutiger Jahreszeit gewiß eine große Seltenheit.

):( Hersfeld, 4. Sept. Dem Vernehmen nach geht in hiesiger Stadt das Gerücht, daß in einzelnen Fällen Ruhr vorgekommen sei. Nach zuverlässiger Fest­stellung hat sich diese Annahme als unzutreffend er­wiesen. In den fraglichen Fällen handelt es sich nicht um ansteckenden Magenkatarh.

8 Hersfeld, 2. Sept. Auf der Domäne Blanken- hain bei Mecklar schlug ein Wagen mit einem Fuder Hafer um. Zwei junge Mädchen, die darauf saßen, wurden herabgeschleudert. Die einige zwanzig Jahre alte Elisabeth Stuckrath brach dabei das Genick und blieb auf der Stelle tot liegen, das andere Mädchen kam mit unbedeutenden Verletzungen davon.

):( Hersfeld, 4. September. Der Feld got t es - dienst in der Stiftsruine findet am nächsten Sonntag um i/2io Uhr Vormittags statt. Ist derselbe auch'zunächst für das hiesige Landsturmbataillon ein­gerichtet, so sind doch die Gemeindeglieder freundlichst zum Besuch eingeladen. Liedertexte zn dem nieder­ländischen Dankgebet:Wir treten zum Beten" sind in den hiesigen Buchhandlungen zum Preis von 1 Pfg. für das Blatt zu haben.

-n- Cassel, 3. Sept. Der Handelskammer ist von der hiesigen Königlichen Eisenbahndirektion wegen der Beförderung von Privatgut in offenen Wagen die folgende Benachrichtigung zugegangen, die allen Beteiligten zur Beachtung empfohlen wird: Infolge der voraussichtlich während der Dauer des Kriegs anhaltenden starken Inanspruchnahme der bedeckten Wagen durch die Militärverwaltung können für Privatgut fast ausschließlich nur offene Wagen gestellt werden und zwar in der Regel ohne bahn- eigene Decken, da diese ebenfalls der Militärverwaltung überlassen werden mußten. Um die Haftung der Eisenbahnen für die bei dieser Beförderungsart durch Witterungseinflüsse leicht eintretende Beschädigung der Güter auszuschließen, ist zurzeit den Eisenbahn­dienststellen allgemein aufgegeben worden, Sendungen für den Privatverkehr auch Stückgutsendungen nur anzunehmen, wenn sich der Absender schriftlich int Frachtbrief mit der Verladung im offenen Wagen einverstanden erklärte. Da indes die jedesmalige Forderung dieser Erklärung eine unbequeme Belastung sowohl der Verkehrtreibenden als auch der Eisenbahn­dienststellen darstellt, sind mit Gültigkeit vom 1. Sept. d. Js. die betreffenden Bestimmungen (§§ 5157 der Allgemeinen Tarif-Vorschrift) dergestalt geändert worden, daß im Verkehr mit deutschen Bahnen die Sendungen auch ohne diese Erklärung angenommen werden dürfen, aber trotzdem eine Haftung für den Schaden, der den Gütern aus der Beförderung in offenen Wagen unter Umständen erwächst, eisenbahn- seitig nicht übernommen wird. Den Versendern ist daher im eigenen Interesse nur dringend zu raten, auch fernerhin eine solche Verpackung zu wählen, die eine Beschädigung der Güter durch Witterungseinflusse während der Beförderung ausschließt. Im inter­nationalen Verkehr, der mit den neutralen Staaten und mit Oesterreich-Ungarn bereits größtenteils wieder freigegeben ist, muß das Einverständnis des Ab­senders mit der offenen Beförderung durch schriftliche Abgabe der oben erwähnten Erklärung im Frachtbrief nach wie vor gefordert werden.

Cassel, 3. August. Aus Liebeskummer hat sich gestern nachmittag ein bei einem Restaurateur K. in der Oberstadt beschäftigtes Dienstmädchen zu vergiften gesucht. Das Mädchen wurde in besinnungslosem Zustand dem Landkrankenhaus zugeführt.

-n- Heringen a. d. Werra, 3. September. Der Vaterländische Frauenoerein vom Roten Kreuz zu Heringen Werra" veranstaltete durch ferne Mitglieder eine Sammlung zum Besten der verwundeten Krieger und deren Familien, wobei die nachstehend verzeich­neten Beträge eingingen:

Gemeinde Heringen 948,4o Mk.

Lengers 120,30

Bengendorf 146,00

Wölfershausen 29,90

Leimbach 55,00

Harnrode 102,90

Summa: 1402,55 Mk.

Marburg, 1. Sept. Während heute früh eine junge Mutter hier auf die Straße eilte, um die neueste Kriegsdepesche zu lesen, stürzte ihr zweijähriges Söhnchen vom Balkon des dritten Stocks aus in den Hof. Der Tod trat alsbald ein.

Marburg, 2. Sept. Unter dem Kommando des Generals a. D. von Pentz hat sich hier eine sog. Stadtwehr gebildet, der etwa 200 Herren aus allen Ständen beigetreten sind.

Wega, 31. August. In dem Frauenabort auf dem hiesigen Bahnhöfe entdeckte man die Leiche eines neugeborenen Kindes weiblichen Geschlechts. Die Leiche war in ein Tischtuch eiugeschlageu. Der Befund ergab, daß das Kind bereits seit einigen Tagen tot gewesen ist.

Baake, 2. September. Wahrscheinlich durch mit Feuer spielende Kinder ist gestern nachmittag gegen 4 Uhr der mit Stroh und Heu gefüllte Schuppen des Heizers Wilh. Laubert in der Trifstraße in Brand geraten. Das Feuer griff auch auf das massive Wohnhaus über, das teilweise ausbrannte. Ein Teil der Möbel konnte gerettet werden. Der Abgebrannte soll nicht versichert sein.

Ohrdruf, 3. Septbr. Der tiefe Groll über die von der belgischen Bevölkerung gegen unsere Truppen verübten Greueltaten machte sich hier beim Transport Gefangener nach dem Truppenübungsplatz gegen die Franktireurs Luft; besonders ein Belgier wurde vom Publikum arg zugerichtet. Die Ausreißer haben sich wieder etnaefnnben; einer davon entzog sich der ihm drohenden Erschießung dnrch Erhängen. Die gefangenen Soldaten scheinen sich mit ihrem Schicksal ruhig ab- zufinden. Mehrere 100 Turkos und Zuaven wurden gleichfalls auf den Truppenübungsplatz verlegt. Dem Vernehmen nach sollen etwa 30000 Mann in den Kasernements und einem zu errichtenden Zeltlager untergebracht werden.

Heiligenstadt, 3. Septbr. Zwischen Uder und Heiligenstadt ist vorgestern abend ein Soldat aus dem Eisenbahnzuge gestürzt. Dem Unglücklichen wurden beide Beine abgefahren. Es handelt sich um den Landwehrmann Schmied Haase aus Marxhausen bei Eichenberg, der verheiratet und Vater eines Kindes ist. Er wurde dem hiesigen Johanniterkrankenhause zugeführt, wo er nachts starb. Gestern vormittag ereignete sich auf dem hiesigen Bahnhof wieder ein schrecklicher Unglücksfall. Ein Artillerist (angeblich Schmidt aus Greußen) wollte mit Kreide etwas an den Eisenbahnwagen schreiben, als auf dem Nebengleis eine Leermaschine vorübersauste, die den Unglücklichen über den Haufen warf und ihm ein Stück vom Kopfe abriß. Der Verunglückte liegt im Johanniter- krankenhause und dürfte schwerlich mit dem Leben davonkommen.

Frankfurt, 1. Sept. Der Erste Staatsanwalt Dr. Blume wurde zur Mitwirkung in der deutschen Zivil­verwaltung in Belgien berufen. Dr. Blume, der erst vor einigen Monaten Erster Staatsanwalt wurde, ist Rheinländer.

Liebesgaben für die Verwundeten im Hand­werker-Erholungsheim zu Traben-Trarbach.

Das in der Stille von Berg und Wald so prächtig gelegene Handwerker-Erholungsheim in Traben-Trar­bach ist einer neuen Bestimmung zugeführt worden und seit dem 26. August befinden sich in demselben verwundete Krieger. Das'Heim ist mit etwa 200 Betten ausgerüstet worden, von denen fast die Hälfte int Haufe vorhanden war, während der Rest aus dem be­nachbarten Traben-Trarbach zur Verfügung gestellt wurde. Die Leitung hat ein Oberstabsarzt über­nommen, der das Lazarett als Kriegsreservelazarett im Auftrage der Militärverwaltung führt, nachdem das Rote Kreuz zu deren Gunsten zurückgetreten war. Es tritt nunmehr an uns die Aufgabe heran, unsere verwundeten Krieger auch mit solchen Gaben zu be- denken, die seitens der Militärverwaltung nicht ge­liefert werden können und wir glauben nicht, daß wireineFehlbitte tun, wenn wir unsereHandwerker hier­durch auffordern, es an Liebesgaben für die im Er­holungsheim befindlichen Krieger nicht fehlen zu lassen. Willkommen sind Erfrischungen aller Art, insbesondere aber Zigarren, Zigaretten, Tabak, Wein, ferner Wäsche, hier in erster Linie wieder Hemden. Wir würden es mit Freuden begrüßen, wenn wir durch freiwillige Gaben in die Lage versetzt würden, die kleinen Wünsche unserer Gäste soweit als irgend möglich zu erfüllen. Die Sendungen bitten wir an die Schwester Oberin des Handwerker-Erholungsheims in Traben-Trarbach

Mosel richten zu wollen. Auch Bücher und Zeit­schriften sind herzlich willkommen.

Verein Handwerker-Erholungsheim.

Wetteraussichten für Sonnabend den 5. September.

Wolkig, zeitweise Regenfälle, kühler, nordwestliche Winde.