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schützeS gehabt. Alle glaubten, daß der 21-Zkm.-MSrser das schwerste Belagerungsgeschütz sei. Deutschland be­sitze zirka fünfzig dieser 42-Ztm.-Kanonen, jeder Schutz koste 38 000 Mark. Die Wirkung sei furchtbar, was durch die schnelle Zerstörung der Namurforts bewiesen wurde. Das neue Geschütz sei niemals bei Manövern erprobt worden. Selbst die Artillerieoffiziere hatten keine Kenntnis von ihm gehabt. Bei Lüttich und Namur sei das Geschütz ausschließlich von Krupps Ingenieuren bedient worden. Der Ruhm Krupps werde durch dieses neue große Werk jetzt in alle Welt getragen.

Revolutionsgefahr in Rußland.

DieKöln. Zta." meldet: Ein vor 14 Tagen aus Rußland ausgewiesener Deutscher erklärte, aus dem Innern des Landes lägen Mitteilungen vor, die darauf schließen lassen, daß in manchen Kreisen der Bauern­schaft dem Rufe der Fahne nur widerwillig gefolgt wurde. Da der Einfluß der Großfürsten, in denen man mit Recht die Führer der sogen. Kriegspartei erblickte, auf die breiten Massen des Volkes verhältnismäßig eng begrenzt ist und die industriellen Arbeitermassen außer­ordentlich unzufrieden sind, so ist der Ausbrnch einer Revolution fast mit Sicherheit zu erwarten, falls es ge­lingt, der russischen Armee eine entscheidende Niederlage beiznbringen. Es ist dies um so mehr vorauszusehen, als der Ansfall der russischen Gesamternte unter normal sein wird und daher Schwierigkeiten in der Ernährnng der Bevölkerung und der Armee zu erwarten sind.

Kriegsallerlei.

Prinz Ernst von Sachsen-Meiningen verwundet und kriegsgefangen.

Ein in italienischen Blättern wiedergegebenes offi­zielles Communiquä der französischen Regierung vom 27. August teilt mit, daß bei einem Gefecht der Prinz Ernst von Sachsen-Meiningen schwer verwundet und nach dem Hospital in der französischen Festung Mau- beuge gebracht worden sei. Prinz Ernst ist der zweite Sohn des jüngst im Felde gefallenen Prinzen Friedrich, der der einzige Bruder des regierenden Herzogs Bern- ' ' -' "..... ' " ^-^" "" *" Hannover

hard gewesen ist. Er war im Jahre 1895 in Ha geboren und stand als Leutnant im 6. Thüringisch, fanterieregiment Nr. 95.

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Die ausgewiesene Prinzessin Lnise von Koburg.

Prinzessin Luise von Koburg, die ans Oesterreich ausgemiesen wurde, ist mit ihrem langjährigen Lieb­haber Geza Mattachich nach München abgereist. In München dürfte ihr Bleiben nicht lange sein.

Petrograd statt Petersburg.

Auf kaiserlichen Befehl wird Petersburg künftig Petrograd" genannt werden. Dieser Ukas wird tn ganz Deutschland schallende Heiterkeit erregen. Der Name Petersburg" ist freilich bisher immer ein Symbol für das alles gewesen, was das russische Reich der von dem großen Zaren herbeigerufenen deutschen Kultur zu ver­danken hat. Es ist begreiflich, daß die Erinnerung da­ran den Geschlagenen von Tannenberg heute unange­nehm ist.

Die alte Geschichte.

Ein kriegsgefangener französischer Offizier hat den Truppenübungsplatz Lager Lechfeld trotz seines gege­benen Ehrenwortes verlassen und zu fliehen versucht. Es gelang, ihn bald wieder festzunehmen. Er wurde nach dem Lager zurückgebracht, wo er seiner Bestrafung entgegensieht. Das ist die alte Geschichte von 1870/71. Es ist die erste Meldung dieser Art, die uns erreicht. Aber es werden ihr ohne Zweifel weitere folgen.

Eine Kriegssteuer für Charleroi.

Wie schwedischen Blättern aus London gemeldet wird, haben die Deutschen der Stadt Charleroi eine Kriegssteuer von 10 Millionen Francs anferlegt.

Leutnant von Hidbessen,

scher Flieger über Paris erschienen kühnsten deutschen Offtziersfliegern. dadurch, daß er als erster Offizier ^ ------------ 'ür den

anöver

der als erster beut1 ist, gehört zu den Bekannt wurde er vuvmhv, wd die Verwendungsmöglichkeit von Flugzeugen für den Heeresdienst nachweisen konnte. Bei einem Manöver im Jahre 1911 verwendete man zum ersten Male Flieger zum Aufklärungsdienst, und Leutnant von Hibdessen war imstande, damals so glänzende Meldungen zu machen, daß man bald darauf an den weiteren Ausbau des militärischen Flugwesens ging. Späterhin wurde von Hiddes en nach Döberitz kommandiert und machte von hier r esige Ueberlandflüge. Wiederholt hatte er schwere Stürze und Maschmendefekte zu überwinden, aber er blieb infolge seiner ungewöhnlich großen Geistes- tets Herr der Lage.

gegenwart

Sie Schreckensnacht in töwen.

Wir lesen in derKöln. Ztg.": Nach der mit Jubel vernommenen Nachricht, daß Brüssel vondeutschen Truppen besetzt sei, beschloß ich, mich so schnell wie möglich dorthin zu begebcn und Frau und Kind zu holen, die ich dort hatte zurücklassen müssen. Ich erbiet auch die Erlaubnis der Militärbehörde zur Reise nach Brüssel. Nach zweitätigem Warten in Aachen ging es im machrig anziehenden Kraftwagen nach Belgien hinein. Kurz vor Tongres mußten wir wegen eines Defektes an der Ma­schine anhalten; ein Wachtposten m der Nahe erzählte uns, daß in der Nähe ein deutscher Unteroffizier meuch­lings von einer 17jährigen Belgierin erstochen worden sei. Wir besuchten sein Grab. Die Fahrt bis Löwen verlief dann ohne Zwischenfall; gegen VA Uhr nach­mittags kamen wir dort an. Löwen bot ein eigenartiges, aber vollkommen ruhiges Bild. Die Bürger standen an den Titren, Straßenecken oder saßen E den Gast­häusern. Teilnahmslos schienen ihre Blicke über die unendlichen Truppenbewegungen aller Waffengattungen zu gleiten, die durch die Straßen zogen. Da ich als froß man von einem Herannahen oer Engländer sprach. Diesem Gerede legte ich aber keine Bedeutung bei) denn ich hatte gesehen, welche Prachtkerle da durch Löwen ge­zogen waren. 2) An der Jnfanteriekaserne bat ich öen Posten um eine Auskunft. In einigen Schritten Ent- wrmmg standen zwei junge Belgier, die eine Armbinde des Roten Kreuzes trugen und aus dem gegenüber­liegenden Lazarett kamen. Plötzlich, näherte sich den beiden ein junger Mensch, uud da er mich deutsch ^ hörte, verumtete er wohl, daß ich kein Französisch ver­stände. Er rief dann schnell den beiden Leuten zu. Arrachez de futfe vos brassards et retournez tmmediate- ment 4^ vouS." (Entfernt sogleich eure Armbinden und kehrt sofort nach Hause zurück.) Eigentümlich wurde ich von dem Tonfall und dem Inhalt der Mitteilung l^- mrt und fragte mich. was wohl das Abreitzen der Binde mit dem sofortigen Nachhauftgehen zu tun haben möge.

Da in der Infanterie-Kaserne kein Platz für mich ßwria war, ging ich nach dem Hotel Metropole, wo, wie NMhBB Wcte, auch &r Stab wghnte. Zunächst wies

man mich ab) denn, obwohl ich mich gewaschen hatte, sah ich nach der langen Fahrt Nickt sehr vertrauener­weckend aus, zumal ich meine beiden Handtaschen im "-----'ssen. Durch die liebenswürdige Mit-

Offiziers, der meine Papiere prüfte,

Auto hatte liegen lassen. Durch die liebenswürdige Mit­hilfe eines höheren Offiziers, der meine Papiere prüfte, bekam ich aber ein schönes Zimmer. Nun ging ich zum Auto-Park und holte meine Handkoffer. Sie waren ziemlich schwer und der Weg lang, so daß es fast 8 Uhr war, als ich in die Straße einbog, wo das Metropolhotel liegt.

Plötzlich hörte ich aus dem Norden heftiges Schießen. Ach, sagte ich mir, das mögen wohl Vorpostengefechte sein, geh ruhig schlafen. Ich trat ins Hotel ein und sprach ein paar Worte mit den beunruhigten Damen des Ho­tels, die das Schießen herausgelockt hatte.

Keine Minute befinde ich mich im Hotel, da ertönt rechts vom Markt, der ganz voll Bagagewägen steht, ein fürchterliches Schießen. Aus allen Häufen knallen die Schüsse. Unsere Truppen erwidern sie. Die Frauen stürzen entsetzt ins Haus. Ich stürme gleichfalls die Treppen hinauf. Der alte etwas angetrunkene Haus­diener schreit fortwährend auf flämisch:Die Engländer sind da!" Ich sage ihm auf französisth:Unglücklicher, verstecken Sie sich nicht) dann sind Sie verloren; bleiben Sie bei mir!" Hat mich der Kerl nicht verstanden? Kurz und gut, er verschwindet. Da stürmen mir auch schon deutsche Soldaten entgegen:Schießt den Lumpen über den Haufen, den Zivilisten." Ich schäme mich nicht, etn- zugestehen, daß mir der Angstschweiß ausbrach. Mit lauter Stimme, meinen Passierschein zeigend, rufe ich: Ihr wullt doch keine Kölsche Jung dutschcetze?"

Ihr sit ne Kölsche!" sagt einer aus der vordersten

e; andere rufen:Was «rächt der Kerl hier, schießt ihn tot." Da kommt gottlob ein Offizier, durch den Lärm angelockt, und fragt nach dem Zwecke meines Auf­enthalts und nach Ausweispapieren. Alles ist in Ord­nung. Ich werde auch nach Waffen untersucht ««d darf nun auf der Treppe stehe« bleiben, ein Begleitmann bleibt bei mir) denn die fortwährend neu hinzukommen- den Soldaten fangen stets dasselbe Kreuzverhör mit m r an. Schließlich läßt man mich in Ruhe, und erschöpft setze ich mich auf die Treppe, den weiter« Dingen in t fatalistischer Ruhe zuschauend. Schon bringt man tue ersten Schwerverwnndeten und Toten ins Haus. Nun werden auch schon die gegenüberliegenden Häuser ange­zündet. Es kommt der Befehl, unser Hotel abzusuchen) denn auch aus ihm seien Schüsse gefallen. Bald wird der alte Hausdiener herbeigeschasst und mit dem Kolben erschlagen. Hat sich der Alte wirklich vergangen, so traf ihn die gerechte Strafe.

Ich bat einen Offizier um die Erlaubnis, die drei Damen mitzunehmen und den kleinen Groom. Es wurde mir gestattet) mit militärischer Begleitung ging es zum Markte, wo schon zwei Häuserreihen brannte«. Hier standen auch schon die aus den brennenden Häusern geflohenen Männer und Frauen, von Soldaten bewacht. Meine drei Damen zitterten vor Angst, daß sie mit in den Haufen müßten, aber die Soldaten gestatteten uns, bei der Truppe zu bleiben und nach der Bahn zu ziehen. Hier fanden die Damen bei einem befreundeten Wirt Zuflucht) eine war schon lange ohnmächtig, und wir trugen sie dahin. Ich durfte endgültig bei der . .. Kom­pagnie bleiben, und der Oberleutnant empfahl allen Soldaten, mich unbehelligt zu lassen und mich genau anzusehen, damit man mich nicht irrtümlich über den Haufen schösse. Plötzlich ertönte von neuem das un­heimlichste Gewehrfeuer. Die Soldaten selbst rufen sich schon zu:Das sind die Engländer." Es entsteht eine Bewegung, die Pferde werden scheu, und ich weiß noch nicht, wie ich aus dem Gedränge heil herausgekommen bin. Das vermeintliche Gewehrfeuer war aber nur durch das Explodiere« von Munition entstanden, die sich in den brennenden Häusern befand. Gottlob finde ich den Zugführer wieder, der mich nun bittet, ihm den Arm zu geben und die Nacht über neben ihm liegen zu

bleiben.

Das Schauspiel war entsetzlich. Die Stadt brannte an allen Ecken. Dann wurden vor unseren Augen fort­während waffentragende Einwohner standrechtlich er­schossen. Zwischendurch krachten die Gewehrschüsse. In den Gasthäusern explodierten die Spiritussässer, es war ein Getöse, so fürchterlich, daß ich heute noch davon halb taub bin. Der kommende Tag bot entsetzliche Bilder. Da lagen die standrechtlich erschossenen, da wurden neue Sünder herbeigebracht. Da kamen weinende und flehende Frauen und Kinder. Trotz aller Wnt über den tückischen Ueberfall, der systematisch Punkt 8 Uhr los­gegangen war, konnte sich kein deutsches Herz des Mit­gefühls entziehen für diese schuldlosen Opfer. Oh, diese verblödeten Narren, die das Unglück über ihre schöne Vaterstadt brachten.

An eine Wetterfahrt nach Brüssel war nicht zu denken, und ich mußte mit dem nächsten Militärzug nach Aachen. Wir haben mitgenommen, was sich von den Bewohnern ausweisen konnte. Ich hatte auf meinen Knien einen kleinen Knaben und ein Mädchen, welches den gleichen Namen trug, wie mein Töchterchen in Brüssel. Die Frau bot ein Bild namenlosen Jammers, denn ihr Mann war, wie sie behauptete, irrtümlich an- geschossen worden) er sei im Besitz einer Bescheinigung freien Geleites gewesen. In einer anderen Ecke sitzen Mann, Frau und Kind. Die Grotzeltern fehlen, und kein Mensch weiß zu sagen, ob sie in den Flammen um- gekommen sind oder wo sie sich befinden. Doch so weh einem im Einzelfall dieses Elend sein darf vergessen wir nicht, daß viele unserer braven Offiziere und Sol­daten in diesem mörderischen Stratzenkampse teils ge­fallen, teils verwundet sind! Und wie hat man uns bei Kriegsausbruch behandelt! Euch wackern Leuten der ... Kompagnie, die ihr mich so ritterlich in Schutz nahmt, heißen Dank, und möge Gott euch bewahren, nochmals zu solchem Strafgericht schreiten zu müssen.

Vermischtes*

Ein Radfahrerstückchen. Was unsere militärischen Feldzuge leisten, wird in folgendem Brief childert: Wir haben eine Radfahrerkom-

Radfahrer im Feldzuge leisten, wird in folgendem Brief anschaulich geschildert: Wir haben eine Radtahrerkom- pagnie gebildet, welche zuerst am Feinde fein soll. Wir sind der Kavallerie zugeteilt. Jeden Tag gehen von uns Patrouillen ab. Am Sonntag bin ich mit noch zwei anderen auf Patrouille in Arlon (Belgien) gewesen. Wir sind mit Zivilisten zusammengestoßen und mit knapper Not wieder über die Grenze gekommen. Es waren mindestens 300 Zivilisten unter zwei belgischen Offizieren hinter uns her. Wir sind zu dreien tn Arlon über die Garten- und Wetöenzaune mit den Rädern ge­setzt. Die Verfolger tonten nicht auf uns schießen, weil die Hecken zu hoch und so dicht waren. Einen der unse- ? gen, welcher am Schluß fuhr, hatten sie vom Rad heruntergertssen. Derselbe hatte sich dann aber mit dem Seitengewehr und dem Karabiner den Weg freigemacht und ist noch sechs Munden vor uns wieder im Quar­tier gewesen. Wir drei andern wurden, da wir das Land nicht kannten, immer tiefer hineingetrieben. Wenn eine alle Frau uns den Weg nicht gezeigt hatte, wären wir überhaupt nicht mehr herausgekommen. Wir sind 40 Kilometer weiter über die Grenze zurückgekommen als

alle Frau uns den 3 überhaupt nicht meh 5kilometer weiter übe

Bürger Land waren, sind wir vok Müdigkeit Mf einest Haufen Holz gesunken und die Leute haben uns Essen und Trinken gebracht. In der Kompagnie glaubten sie schon, wir seien gefallen. Wir waren um 1 Uhr mittags ortgefahren und sind andern Morgens um 5 Uhr zurück­gekommen. Wir hatten die ganze Zeit entweder Lauf­schritt gemacht über Hecken und durch bie Felder mit den Rädern, ober auf dem Stäbe gesessen. Dies war die weiteste Patrouille, welche wir gemacht haben.

Herr Schebeko an der Schweizer Grenze. Der rus­sische Botschafter am österreichischen Hofe, Herr Schebeko, begab sich nach dein Ausbruch des Krieges nach der Schweiz. Die österreichische Staatsbahnd rektion hatte dem Botschafter einen mit aller Bequem! chkeit ausge- slatteten Svitderzug zur Verfügung gestellt unb ihm freie Fahrt gewährt. Das hörte jedoch auf, als der Botschaf­ter, der am 16. v. M. durch Innsbruck fuhr, an die Schweizer Grenze kam. 3« Buchs erklärte nämlich der Schweizer Beamte, bett österreichischen Zug nicht durch- lassen zu können und die Fahrt des Herrn Schebeko durch die Schweiz nur gegen Barzahlung zu gestatten. Großes Erstaunen beim Russen Und seinem ^etretär! Doch es sollte noch anders kommen, unb der russische Bot­schafter sollte noch andere Neuigkeiten erfahren. Es ent­spann sich nämlich, wie Wiener Blätter berichten, zwi­schen dem Sekretär unb dem Bahnbeamten folgender Dialog:Können Sie uns Zeitungen beschaffen?" Bitte, da droben das Mädle hat welche. Es ist noch Zeit zu kaufe."So sagen Sie mir wenigstens kurz die neuesten Nachrichten!"Lüttich isch halt gefalle!"Lttt- tich, nicht möglich!"Kaun scho fein, aber 's isch halt Tatsache!"Und sonst?"Ja, richtig, tausend Kosake sein bei Miecho zurttckg'schlagen warn von galizischen Jungschutztruppenl"Kosaken zuriickgeschlaaen? Nein, das gibt's nicht, ein Kosak weicht nie zurück!" Darauf der Schweizer bieder:'s isch möglich, aber 's fein halt vierhundert tot liege bliebe." Dem Sekretär verging die Lust, weitere Fragen zu stellen.

Las Schiachtseid von Tannenberg.

3m Südwesten Ostpreußens liegt das Schlachtfeld von Tannenberg. Weit ausgedehnt. Hügel wechseln ab mit Seen, Wälder mit Sümpfe«. Sümpfe sind allerdittgs diese weithin ausgedehnten Wiesen eigentlich nicht zu nennen. Seen sind es, die im Laufe vieler Jahre be­wachsen sind. Sckwattkerlder Boderr, feucht itnd moosig, aber auch dicht mit frischem, fettem Gras bewachsen, das nach der ersten Heuernte wieder euiporgeschossen ist. Nur in der Mitte ein kleiner schwarzer Spiegel, umrahmt von Seerosen lind Schilf. Dichte Nadelwälder, durch die hinauf und herab, kreuz und quer der Weg hindurch« geht, unterbrochen von den geraden Linien der Land­straße«. Klare Seen liegen dazwischen eingebettet in Waldschlnckten, dicht von Binsen und Rohr umrahmt. Weite Felder, das Korn ist genräht und geborgen, und langgestreckte Seen ziehe« sich ins Land. Ihre klaren Fluten spiegeln das Plan des Hintnrels wieder, ihre Wellen formen der Wolken mannigfache Gestalten um. Steil und tief fallen die Ufer hinab.

So sieht das Land aus zwischen Tannenberg. Hohen- stein, Allenstein, Wartenburg, Passenheim, Neidenburg unb Solöau, das Schlachtfeld des großen Sieges! Die Russen haben es kennen lernen müssen, nicht mit seinen lieblichen Reizen, sondern in seiner furchtbaren Grau­samkeit. Die Seen grinsten den Feinden entgegen, die flüchtend von freu hohen, steilen Ufern hinabstürzten und in den Wassern versanken. Die tückischen Sümpfe lockten die fliehenden feindlichen Scharen: sie glitten hinab in ihr ewig düsteres, stilles Reich. Der Wald führte die Friedensstörer irre, lieferte sie den Heilnat- lichen Kämpfern aus und gab vielen in moosigem Grund ein weiches, letztes Ruhebett.

Der Schlachtendonner ist verhallt. Die Fluten der Seen, die schwarzen Moore, die dunklen moofiqen Wäl­der deckten die Toten. Und warnend und dräuend stehen sie fest, die übermächtigen Gewalten, die die Zerstörungs­wut der russischen Hunnenschar überdauert haben.

Ein Brief aus Ostpreußen

gt es, ihm und tick. Die Zeit, die

Ein Leser stellt freit. N. N." freit eben einge- troffenen Brief von vstpreutzischell Verwandten zur Ver- fügimg, die in der Gegend von Trakehnen begütert sind, und zwar gerade in dem Gebiet, auf welchem sich die Gefangennehmurig der Russen kürzlich vollzogen hat. Mit Weglassung der persönlichen Angelegenheiten und einigen erläuterden Einschaltungen lautet der auf der Flucht geschriebene Brief folgendermaßen:

Wir sind seit Dienstag (17. August) früh von P. fort. Wir haben alles Vieh und Pferde und alle Leute bis hinter Gumbinnen gebracht. Es war gestern in der Nähe von K. krttifch. Jetzt sind die Russen von dort bis Gumbinnen zurückgeschlagen. Nun sollen neue Massell kommen. Herr R. (Inspektor) hat heute ein Versuch gemacht und will bis P. vordringen. Bis Gumbinnen ist er gekommen. Hoffentlich gelingt es, ihm und hoffentlich können wir auch bald zurück. Die Zeit, die man erlebt, ist aufregend durch Tatarennachrichten und eigene Sorge.--

Mein Mann ist gegängelt, eventuell sein Vieh zu verkaufen. Die Milchkühe stehen mit Leutevieh und anderem Vieh in P. Die Milchkühe werden gemolken und die Milch nehmen Soldaten unb Leute. Hier haben sich alle Landwirte der gefährdeten Strecke zusanrnten- gefunden. Es ist iniponierend, wie manche Frauen sich durchgeschlagen haben, heute nachmittag kam Frau M. her, die mit sechs Leiterwagen mit ihren Leuten und dem Milchvieh hierher gekommen ist. Unterwegs ist ein Kind geboren unb getauft worden und eins ist gestorben. Daneben hörten sie die furchtbaren Gerüchte und sahen den Feuerschein ringsum. In all bem Wirrwarr hat sie den Kopf klar behalten und uns allen riesig impo­niert. In D. sind die Russen schon auf bem Hof.

. . . Es sind aufregende Stimmungen, die wir er­leben. Alles Hofft und glaubt fest an den Sieg unserer Sache, wenn auch Japan sich entgegenstellt. Wir haben seit Sonntag keine Post, die ruht in Jnsterburg im Postkeller, bis ruhige Zeiten tommen.

Ich habe noch gar nicht geschrieben, weshalb wir so Hals über Kopf weg mußten. Eitle russische Ueber- mackt hatte unsere Truppen zurückgedrängt und war durchgebrochen. Unsere Truppen zogen sich zurück und das Land war bis Gumbinnen freigegeben. Da wurde gesagt, daß P. in der Gefechtszone liegen würde. Was nun geworben ist, ist noch nicht recht klar. Jedenfalls sind öte durchgebrochenen russischen Truppen vernichtet tbpröen. 3n P. sind die jungen Pferde geblieben, die Stalle offen."

Hierzu eine Nachschrift:Steg! Man sagt 8000 Rüsten sind im Paklabimmer Moor (gehört zu dem Gut P. der Briefichreiber) umzingelt."

Aus anderen ostpreußischen Briefen ist zu ent­nehmen, daß dort ebenfalls volles Vertrauen in unsere Heeresleitung trotz aller zugemuteten Opfer herrscht und daß man annimmt, ein Teil Ostpreußens müsse muh dem Plan der Armeeleitung wohl für die Schlachten- führung geopfert werden, denn hinter die Grenze muh Rußland könne man unsere Truppen fürs erste nicht