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Hit HmMN zmorse«. Hie Russen gefangen.

Zehn französische Armeekorps weichen zurück. Der Kaiser inmitten der Truppen. Die Russen von den Oesterreichern geschlagen. Verzweiflung in Paris.

Qroei Siegesnachrichten übermittelt öer Draht noch am späten Abend des Sedantages Eine starke fran­zösische Armee ist zwischen Reims, urrö Verdun von den Unseligen geworfen worden. Dre Oesterreicher haben die Russen östlich der Weichsel aufs Haupt geschlagen. Die amtlichen Meldungen darüber lauten:

Großes Hauptquartier, den 2. September. Die mitt­lere Heeresgruppe der Franzosen, etwa 10 Armeekorps, wurde gestern zwischen Reims und Verdun von unseren Truppen zurückgeworfen. Die Verfolgung wird heute fortgesetzt. Französische Vorstöße aus Verdun wurden abgewieseu.

Se. Majestät befand sich während des Gefechtes bei der Armee des Kronprinzen und verblieb die Nacht in­mitten der Trnppen.

Generalquartiermeister von Stein.

Berlin, 3. September. (Privattelegramm). Der Berl. Lokal-Anz." sagt zu dem neuen glänzenden Stege in Frankreich: Der oberste Kriegsherr der Deutschen, der vor kurzem sein Hauptquartier in Coblenz aufge­schlagen hatte, ist auf feindlichem Boden. Diese Tat­sache ist ein deutliches Zeichen. Sie zeigt, daß wir sicher sein dürfen, das, was wir errungen, nicht mehr zu ver­lieren. Mögen auch Rückschläge kommen, die nicht ganz zu vermeiden sind, nie und nimmer hätte sich der Kaiser nach Frankreich begeben, wenn an irgend einer Stelle Bedenken dagegen gehegt würden. Daß der Kaiser zu seinem Heer in Feindesland zieht, wird seinen Eindruck rm Ausland so wenig verfehlen wie im Inland. Unsere tapferen Truppen aber, die von Anfang an mit der er­folgreichsten Waffe, das ist mit der Todesverachtung, für das Vaterland gekämpft haben, werden einen weiteren Ansporn zur Einsetzung aller Kräfte darin erblicken, daß der Kaiser in ihrer Mitte weilt. Ein neues Zeichen ist aufgerichtet, ein neues Band umschlingt heute Kaiser, Fürst und Volk.

Die Russen geschlagen.

WTB. Wien, 2. September, 9 Uhr vorm. Die ein- wöchige erbitterte Schlacht im Raume Zamose-Tys- zowce führte gestern zum völligen Siege der Armee Anffenberg. Scharen von Gefangenen und bisher 160 Geschütze wurden erbeutet. Die Russen befinde» sich im Rückzüge über den Bug. Auch bei der Armee Dank!« welche nun Lublin angreift, sind ununterbrochene Er- olge zn verzeichnen. In Ostgalizien ist Lemberg noch n unserem Besitz, gleichwohl ist dort die Lage gegenüber >em starken und überlegenen russischen Vorstoß sehr chwierig.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: Höfel, Generalmajor.

Wieder ein Zeppelin über Antwerpen.

Berlin, 3. September. (Privattelegramm.) Ueber Rotterdam bezw. Kopenhagen wird demBerl. Lok.- Anz." von neuen Bombenwürfen eines Zeppelin über der belgischen Hauptfestung berichtet. Ein Zeppelin er­schien gestern früh 3 Uhr über der Stadt Antwerpen und eröffnete ein heftiges Bombardement, das großen Schaden anrichtete. Es gab viel Tote. Das Luftschiff wurde mit Gewehren und Kanonen beschossen.

Gleichzeitig wird von mehreren Kriegsberichterstat- tern gemeldet: Die Armee von Bülow hat in der für sie siegreichen Schlacht bei St. Onentin gegen vier srauzö- sische Armeekorps nnd drei Reservedivisionen gekämpft. Die Schlacht war heiß und hatte fast zwei Tage gedauert.

Zur Belagerung von Antwerpen.

Berlin, 3. September. Nach einer Meldung des Genfer Journal aus Ostenöe bereitet sich Antwerpen auf eine mögliche Belagerung vor. Das Blatt erwähnt, daß die Stadt bereits einmal eine Belagerung von 13 Monaten durchgemacht habe. Die Bevölkerung sei über­zeugt, daß sich die Stadt diesmal viel länger halten werde, da sie über reichliche Lebensmittel verfüge. Die Stadt steht unter dem Oberbefehl des Generals Dufour, der großes Ansehen genießt. Die Forts sind vollkommen modernisiert. Sie sind nach den Plänen des Generals Brialmont gebildet worden, jenes Generals, dessen Ent­würfe ein so ausgezeichnetes Resultat in Lüttich erzielt haben. Der französische und der russische Gesandte wohnen jetzt im Hotel Antoine in der Nähe des Place Werte. Das Volk hat es inEntente-Hotel" umgetauft. In Antwerpen befinden sich noch 1500 Deutsche, die sich alle drei Stunden melden müssen.

Liu Meisterwerk.

Roman von Paul Beye.

30) (Nachdruck verboten.)

Concetta, die begriff, daß nichts weiter aus der Alten herauszubekommen war, zog sie jetzt wegen der Lottonummer zu Rat. Die Chiavanna zerschlug nun unter allerhand Hokuspokus zwei Eier in ein halb mit Wasser gefülltes Glas, betrachtete lange das Gerinsel, welches sich in demselben bildete und gab alsdann ihren Weisheitsspruch ab. Er lautete dahin, daß sie die beiden Zahlen, die sie besetzen sollte, vermöge wieder­holten Subtrahierens, Dividierens und Addierens der Daten ihres Hochzeitstages und des Tages, an dem ihr Gatte sie verlassen, herauszurechnen hätte.

_ Zum Schluß wollte Concetta der Pythia noch das Erlebnis des vergangenen Abends und die Geschichte ihrer Beziehungen zu Bozzart erzählen, aber jene ließ sich auf nichts ein.Ich darf nichts darüber hören," behauptete sie, die Hände schwörend gegen die junge §1 »^'.^m^Schweigen Sie, Signora, wenn Ihnen Ihr Gatte lieb ist."

Dieser Hinweis auf ihren gelieben Anselmo genügte, um Concetta den Mund zu schließen. Sie nahm fünf Lire aus ihrer Börse und reichte sie unter lebhaften Aeußerungen ihres Dankes der Chiavanna, die sie würde­voll entgegennahm. Fünf Lire war eine hohe Suunnc für sie in ihren augenblicklichen schlechten Ve^ umständen, aber das Herz von seligen Hosfuunaeu erfüllt, mochte sie dennoch weniger nicht geben Vergleich zu dem, was sie dagegen eingetauscht schien das Opfer ihr mehr als gering.

Als sie sich entfernen wollte, stieß ihr Fuß an etwas hartes, das unter ihrem Stuhl lag. Als sie nachsah, was SS war, bemerkte sie eine riesige Schildkröte, die, den Lmrf WMSltreckt, am Sojen hexumschnupperte.

Bombenwürfe über Paris.

WTB. Paris, 3. September. Agence Havas meldet:

An vier verschiedenen Stellen sind von einem deutschen Flugzeug Bomben niedergeworfen worden.

Man kann es den Parisern nachfühlen, wenn sie diese Ausflüge deutscher Flieger nur mit dem stärksten Unbehagen über sich ergehen lassen. Es ist auch so ganz anders gekommen, als man es sich in Frankreich gedacht hat. Vor vier Wochen noch träumte man von einer Ueber- flutung Berlins mit französischen Flugzeugen und statt dessen mag man jetzt an der Seine täglich mit Besorgnis am Himmel nach den unerwünschten deutschen Luftgästen Umschau halten. Um so mehr, als die französische Re­gierung notgedrungen beginnt, die Wahrheit auch sonst, wenn auch langsam und widerstrebend anzudeuten. Es kann ja freilich nicht mehr lange dauern. und das jäm­merliche Lügengewebe, mit dem man das französische Volk zu umgarnen sucht, wird durch die brutalen Tat­sachen jäh und rücksichtslos zerrissen werden.

Schrecken und Verzweiflung in Paris.

Nach einer römischen Meldung desB. T." stellt der Corriere ö'Jtalia" fest, daß Paris von dem übrigen Frankreich isoliert ist. Seit gestern ist auch der Tele­graphenverkehr Paris-Mailand unterbrochen. Alles Leben in Frankreich stockt. Ueberall herrscht grenzen­loser Schrecken, Verzweiflung, Not und allgemeine Arbeitslosigkeit. Nur die Hoffnung auf die Ankunft der englischen Verstärkungen hält den französischen Mut einigermaßen aufrecht.

Nach einem Telegramm desBerl. Tagebl." aus Kopenhagen scheint man sich über diese Verstärkungen recht kühnen Erwartungen hinzugeben. Mau geht da­von aus, daß Kitchener gelobt habe, 30 englische Divi­sionen in der Zeit von sechs Monaten nach Frankreich zu schicken. Die erste englische Expeditionsarmee war 165 000 Mann stark. Nach Kiicheners Zusage sollen im ganzen 700 000 Engländer nach Frankreich übergesetzt werden. Man glaubt in Paris, daß in dies Versprechen, das in so feierlicher Form gegeben wurde, keinerlei Zweifel gesetzt werden dürfen. Wenn sich die Pariser hierüber nur nicht täuschen!

Der Wert der Pariser Forts.

Ein italienischer Generalstabshauptmann erklärte, nach guten italienischen Informationen hätten die Pariser Forts nur geringen Wert, da sie alle vor dem Jahre 1886 gebaut und unmodern seien. Es seien nur Werke aus Erde und Backsteinen. Es sei überhaupt nach Erfindung der 42-Zentimeter-Geschütze zweifelhaft, ob künftig Festungen noch als wirksamer Schutz anzu- sehen seien.

Verlegung der französischen Regierung?

Die TurinerGazetta del Popolo" meldet aus Mar­seille, nach zuverlässigen Pariser Meldungen werde die französische Regierung nächster Tage ihren Sitz nach auswärts, wahrscheinlich nach Lyon, verlegen.

Paris bereitet sich zur Verteidigung vor.

Berlin, 3. September. (Privattelegramm.) Aus Zürich wird demB. T." ein Befehl des Militär- gonvernenrs von Paris übermittelt, in dem es heißt:

In vier Tagen vom 30. August ab müssen die Hans­besitzer, Pächter und Mieter ihre Häuser im Festnngs- rayon sämtlich demoliert haben. Widrigenfalls werde» die Häuser vom Militär gesprengt.

Ueber russische Greueltaten

gegen deutsche Landsleute wird demLok.-Anz." von einem der Betroffenen berichtet: Ich führte in Dom- browa seit 1911 eine Wirtschaft. Am 11. Jnli begannen größere Truppenznsammenziehnngen. Als ich zur Bank kam und mein Guthaben von 14 000 ^ abheben wollte, wurde ich mit den Worten abgewiesen, daß an deutsche Schweinehunde nichts mehr ausbezahlt würde. Am 18. Juli kam der Ausweisungsbefehl. Noch während meines Aufenthaltes in Dombrowa wurden meine Schwägerin und die beiden Brüder meiner Frau von Kosaken er­schlagen, meine Frau von Kosaken mißbraucht. Zwei Kosaken zwangen mich, dem zuzusehen, indem sie mir einen Säbel auf die Brust und einen in den Rücken setzten. DerLok.-Anz." meint: Wem fällt dabei nicht das Wort Friedrichs des Großen ein:Mit solchem Ge­sinde! müssen wir uns herumschlagen^

Mein Liebling, meine Vianchetta!" sagte die Chia­vanna, indem sie sich niederbeugte und die hornige Schale des Tieres streichelte.Sie ist das schönste und größte von meinen Pferdchen," fügte sie grinsend hinzu.

So haben Sie noch mehrere Schildkröten?" er­kundigte sich die junge Frau.

Noch acht Kinder, wollte sagen Pferdchen," entgeg- nete die Alte stolz und wies mit der Hand unter die Möbel, wo Concetta denn auch wirklich noch einige der Schalentiere gewahrte, die aber regungslos wie Stein- gebilde dalagen. Warum mochte sie dieselben aber ihre Pferdchen" nennen? Und welch wunderliche Idee, sich gerade Schildkröten als Stubentiere zu erwählen!

Die Chiavanna aber, die ihr Staunen erriet, er­zählte triumphierend:O, sie sind klug, meine Pferdchen! Die Signora vermag sichs nicht vorzustellen, wie klug! Und munter und zärtlich dazu! Wenn ich abends schlafen gehe, kriegen sie alle unter mein Bett. So lieben sie ihre Mammina."

Concetta bedankte sich nochmals für die erhaltene Auskunft und ging dann, geführt von dem lahmen Mädchen die steile Treppe .hinunter, aus dem Hause.

Wer war die Dame, die bei der Chiavanna war, als ich kam?" erkundigte sie sich bei dem Kinde.

Die Tochter des Advokaten Bondi," entgegnete dieses gleichgültig. Gleich darauf aber erschrak es doch über die gegebene Antwort und bat ängstlich, die Signora dürfe es aber niemand verraten, auch der Tante nicht, sonst würde diese böse sein.

Sei unbesorgt, ich denke nicht daran," beruhigte sie Concetta.

Wie anders erschien der jungen Frau die Welt, als sie wieder auf der Straße stand! Die Sonne schien wieder, in den öffentlichen Anlagen blühten und dufteten die Blumen wie schön war das allzs und wie schön beuchte sie das Leben!

| Der Glanz des Sieges von Tannenberg.

Die bisher bekannt gewordenen Ergebnisse der Schlacht von Tannenberg scheinen immer noch n cht ab­

Schlacht von Tannenberg scheinen immer noch schließend zu sein. Es steht zu erwarten, daß der Gefangenen sich noch weiter erhöht. Jmm

schließend zu sein. Es steht zu erwarten, daß ö e Zahl der Gefangenen sich noch weiter erhöht. Immerhin be­deuten die vorliegenden Resultate einen kolossalen Ge­winn, wenn man berechnet, daß ein russisches Armee­korps aus zwei Infanterie-Divisionen zu zwei Infan­terie-Brigaden besteht und jeder Infanterie-Division eine Artillerie-Brigade zugeteilt ist. Die Brigade be-

Saus zwei Abteilungen und entspricht etwa dem schen Artillerieregiment. Eine Abteilung hat drei Batterien. Die Geschützstärke der Gefechtsbatterie be- trägt acht Geschütze, so daß die russische Artilleriebrigade über 48, das Korps über 96 Geschütze verfügt. Da die bei Tannenberg mit vollständigem Verlust der Artillerie geschlagene russische Armee fünf Armeekorps zählte, und da die Berechnung der Artillerie die normale ist, wird die russische Truppenmacht 480 Geschütze verloren haben. Der geschlagenen Armee waren jedoch drei Kavallerie- divisionen beigegeben worden, und da jede Kavallerie- division über eine reitende Artillerieabteilung zu zwei Batterien oder 12 Geschützen verfügt, so belauft sich dem­nach der Gesamtverlust der Russen anf 516 Geschütze.

Nach dem Kampf in der Nordsee.

Daily Graphit (London) berichtet: Die englische Flotte ist vom Helgoländer Gefecht zurückgekehrt. Ein Schiff, dessen Name ungenannt bleibt, trug schwere Spuren des Kampfes. Es hatte 14 mit Holzstücken ge­stopfte Löcher, auch die Brücken waren verbogen. Das Schiff hatte Tote und Verwundete an Bord. Der erste deutsche Schutz hatte die Dynamomaschine getroffen, nnd das Schiff war in Dunkel gehüllt. Spätere Schüsse fegten die Schornsteine weg, zerstörten Geschütze nnd drangen in die Offiziersmesse ein.

Deutsche und Oesterreicher in Südpolen.

Während sich die Kämpfe der Russen gegen Deutsch­land und Oesterreich auf zwei weitgetrennten Kriegs­theatern abgespielt haben, sind in der Mitte deutsch-öster­reichische Truppen im Vormarsch, die also gewissermaßen die Verbindung dazwischen herstellen. Es liegt darüber folgendes Telegramm aus Mailand vor:

Nach offizielle» Mitteilungen aus Petersburg gibt die russische Regierung zn. daß in Südpolen außer Pe- trikow, Konak, Radom und Opatow auch die wichtige Fabrikstadt Lodz von den -entsch-österreichischen Truppen besetzt ist.

Damit hätten sich diese Truppen schon bedeutend an Warschau genähert und ständen im Halbkreis vor dieser Stadt. Da bisher gar keine Gefechte stattgefunden haben, muß man annehmen, daß das Land westlich der Weichsel von den Russen vollkommen geräumt ist.

Die Blockade von Kiantschou.

Nach der Franks. Ztg. hat der japanische Botschafter in London angekündigt, daß die Blockade der Küste von Kiantschou am 27. August, 9 Uhr morgens, begonnen hat.

Belgien unter deutscher Verwaltung.

Wie aus Antwerpen gemeldet wird, berichteten dort eingetroffene Flüchtlinge, daß in Brüssel ein deutsch- belgisches Finanzministerium gebildet worden ist, das die Kriegssteuer einzieht. Dann wurden alle Uhren Belgiens eine Stunde zurückgestellt, so daß sie jetzt deutsche Zeit haben. Als die Bürger protestierten, er­widerte Generalgouverneur Freiherr von der Goltz, daß Dentschland einheitliche Zeit haben müsse. Die Bürger Brüssels geben zu, daß im deutschen Heere glänzende Manneszucht herrsche. Alle Zahlungen erfolgen in Gold oder Anweisungen auf die deutsche Reichsbank^

Des Zaren Dank an Rennenkampf.

Petersburg, 3. September. (Privattelegramm). Der Kaiser verlieh dem General Rennenkampf für seine Tätigkeit den St. Wladimir-Orden mit Schwertern.

Rennenkampf ist der Befehlshaber der gegen die Oesterreicher operierenden Armee.

Worüber die Engländer staunen.

Das Londoner BlattTimes" enthält einen aus Amiens datierten Bericht über die Kämpfe an der fran­zösisch-belgischen Grenze. Der Korrespondent meint, der französische Generalstab habe die deutsche Truppen- macht unterschtttzt. Der deutsche Erfolg wird der Ueber- macht, dem Erkennungsdienst durch die Zeppeline und der außerordentlichen Beweglichkeit zugeschrieben. Der Times"-Korrespondent in Ostende berichtet, die großen Erfolge auf dem französischen Kriegsschauplatz hätten die deutschen Soldaten zu Heldentaten angefeuert. Kaiser Wilhelm erließ an die Truppen eine Proklamation, wo­rin es heißt, die deutschen Soldaten müßten Paris ein» nehmen oder lieber sterben. Aus London hierher ge- flüchtete Belgier berichten, daß die größte Ueberraschung des jetzigen Krieges in militärtechnischer Hinsicht dre Anwendung des neuen deutschen Belagernngsgeschiitzes gewesen sei. Niemand außerhalb des Generalstabes habe eine Ahnung von der Existenz des 42-Ztm.-Ge-

Als sie sich zu einem ihr bekannten Lottobttro begab, fiel ihr von neuem ein, daß sie einmal von dem lahmen Mädchen, welches sie bei der Chiavanna gesehen, etwas hatte erzählen hören. Aber was nur? Sie sann ange­strengt nach und richtig, jetzt wußte sie es. Ihr Gatte selbst hatte ihr davn gesprochen. Das Kind war die Schwester des Pietro Tozzi, der für ihr väterliches Ge­schäft Figuren und Reliefs bemalt hatte. Die Mutter des Pietro und der Kleinen, die irgendwo in der Umgebung auf dem Lande lebte, war gestorben und das Kind, das von der Gemeinde fremden Leuten übergeben worden, die es hungern ließen und es schlugen, war, um sich der schlechten Behandlung zu entziehen, davon gelaufen, nach Neapel zu seinem Bruder. Dieser aber befand sich zur Zeit in bitterster Not und wußte nicht, was er mit ihm anfangen sollte. Er ließ es bei sich wohnen und teilte seine spärlichen Bissen mit ihm, als er aber ein paar Tage später ausgegangen war, hatte seine Wirtin das Mädchen aus dem Hause gejagt. Der Pietro schuldete ihr ohnehin die Miete für seine Schlafstelle und da wollte sie nicht außerdem noch das zerlumpte Geschöpf, von dem sie behauptete, daß sie es bestahl, beherbergen. Tage­lang war die kleine Netta obdachlos und bettelnd in der Stadt umhergeirrt, entkräftet vor Hunger war sie auf offener Straße zusammengebrochen, gerade vor den Rädern eines dahersausenden Wagens, der über einen ihrer Füße hinwegrollte. Unter der Menschenmenge, die sich infolge des Unglücksfalles angesammelt, befand sich auch Gargiulo. Er zog das Kind unter den Rädern des Wagens hervor, brächte es nach einem Krankenhaus und bezahlte aus seiner Tasche Kost und Pflege für dasselbe. Als sich dann später Pietro, der längst nach seiner Schwester gesucht, einstellte, nahm sich Gargiulo auch seiner an. Er beschäftigte den Burschen in seinem Ge­schäft und gab ihm ausreichende Bezahlung, um für das Mädchen sorgen zu können.

.(Fortsetzung folgt.).