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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^t^^ für den Kreis Hersfeld Wetter Äreisilitt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im anülichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 305. Mittwoch, den 3. September 1914.

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

Schickt den Kriegern das 5ersfelder Tageblatt nach!

Auch die Krieger haben das Bedürfnis, über die Vorgänge in ihrer Heimat unterrichtet zu werden.

Bei Angabe der genauen Adresse des Soldaten (Kompagnie,Bataillon,Regiment, Division, Armeekorps) und Zahlung von 70 Pfg. senden wir dasHersfelder Tageblatt" einen Monat lang nach.

Das Abonnement kann jederzeit beginnen.

Die Geschäftsstelle.

Bus der Heimat«

* (Eine deutsche Kriegsmarke.) Der Verein für das Deutschtum im Ausland läßt eine deutsche Kriegsmarke herstellen, die in allernächster Zeit ver­breitet werden soll. Franz Stassen hat dem Verein für diese Kriegsmarke einen prächtigen Entwurf von packender Kraft gewidmet. Der Erlös der Marke ist für die Hinterbliebenen unserer Krieger bestimmt. Der Verkaufspreis von 5 Pf. für das Stück wird er­hebliche Summen für diesen edlen vaterländischen Zweck ergeben.

* Zur Nachahmung empfohlen. Ein wackerer Schneidermeister in Mannheim hat folgende Ver­warnung an sein Geschäftslokal angeschlagen: Tuch­reisenden, welche sich getrauen, mir englische Waren anzubieten, ist der Zutritt untersagt. Bei Zuwider­handlungen tritt ein kräftiger deutscher Gummischlauch in Tätigkeit. Heinrich Weinreich, Schneidermeister.

»Ueber den Aufenthalt oder Verbleib einzelnerAngehöriger im Felde wird in zahlreichen an den Generalquartiermeister gerichteten Zuschriften von diesem Auskunft erbeten. Eine solche Auskunft vom Großen Haptquartier aus über jeden Einzelnen zu erteilen, liegt, so wird amtlich zur Ver­öffentlichung mitgeteilt, außerhalb jeder Möglichkeit. Die Zuschriften werden deshalb dem Zentralnach- weisungsbureau in Berlin, Dorotheenstraße, zugestellt, bei dem alle Nachrichten über Verluste beim Feldheer zu­sammenfließen. Es empfiehlt sich deshalb dringend, sowohl im Interesse der Beschleunigung wie der Ge- schäftsentlastuug, derartige Zuschriften unmittelbar an das Zentralnachweisbureau zu richten.

»(SchlechtverpackteFeldpostsendungen.) Bei den Postsammelstellen gehen jetzt täglich Hundert- tausende von Sendungen für unsere tapferen Soldaten ein. Sehr viele von diesen Briefen enthalten Liebes­gaben in Gestalt von Zigarren, Zigaretten, Schokolade usw. Leider läßt die Verpackung in vielen Fällen zu wünschen übrig. Der Verschluß ist oft mangelhaft, so daß der Inhalt herausfällt und lose in Körben und Briefsäcken der Sammelstellen vorgefunden wird. Es empfiehlt sich daher, solche Sendungen gut zu ver­packen und möglichst mit einem Faden zu umschnüren. Die vielfach verbreitete Ansicht, daß ein Brief nicht umschnürt sein dürfe, ist irrig. Bei Briesen nach Gebieten, nach denen verschlossene Sendungen unzu­lässig sind, ist die Umschnürung so anzubringen, daß sie leicht gelöst werden kann (Schleife.) Gewöhnliche Feldpostbriefe sind bis 50 Gramm portofrei, bis 250 Gramm kosten sie 20 Pfg.

§ Hersfeld, 1. September. Der Postverkehr sowie derprivate Telegraphen-und Fernsprechverkehrzwischen Deutschland einerseits und Serbien, Montenegro, Japan, Marokko anderseits sind gänzlich eingestellt. Vorliegende oder durch die Briefkasten eingelieferte Sendungen gelangen an den Absender zurück.

§ Hersfeld, 1. Septbr. Die eiserne Ration des Feldsoldaten. Der deutsche Soldat bekommt als Kriegsbrot einen Zwieback, dem 100 Gramm Mehlteig und 10 Gramm gekochter Reis und Salz beigemischt sind. In den Mehlteig werden außerdem, um den Wohlgeschmack und den Nährwert zu erhöhen, Zucker und Eier gerührt, und zwar kommen 500 Eier auf 100 Kg. Mehl. Kartoffelmehl endlich soll das Altbackenwerden verzögern, und Kümmel gibt dem Ganzen die nötige Würze. Die österreichischen Sol­daten tragen ihre eiserne Ration an Brot in Baumwollsäckchen verpackt. Es ist würfelförmig und besteht aus Getreidemehl, Kartoffelmehl, Eiern, Voll­milch, Salz, Zimmt, Gewürznelken und Hefe. In Frankreich bekommt der Soldat als eiserne Ration 10 Brote, von denen jedes 70 Millimeter lang, 65 breit und 25 Millimeter dick ist. Jedenfalls sind sie

weniger schmackhaft und nahrhaft als die österreichischen Brote, denn derpionpion" muß mit einem Brot vorlieb nehmen, das nur aus Mehl, Hefe und Wasser hergestellt ist. Das Kriegsbrot der Italiener und Rumänen ist dem französischen sehr ähnlich. Nur ist es etwas dunkler und weist eine gleichmäßig glatte Rinde auf. Der Schweizer Soldat führt sein Kriegs­brot in Pappschächtelchen mit sich. In jedem dieser kleinen Pakete befinden sich fünf Stück, die zusammen nur 250 Gramm "wiegen. Das helle Kriegsbrot der Engländer ist in verlöteten Weißblechbüchsen gut aufgehoben. Die Belgier geben ihren Soldaten ein Kriegsbrot, das aus Mehl, Zucker und Eiern her­gestellt ist und 40 Durchlöcherungen zeigt. Durchlöchert ist auch das türkische Kricgsbrot, das zu runden Scheiben von 150 Millimeter Durchmesser geformt ist und eine sehr dicke, braune Rinde besitzt.

Caffel, 31. August. Vor der Elektrischen stürzte gestern abend in der Wolfsangerstraße eine Frau, welche die Straße überqueren wollte und den Motor­wagen zu spät bemerkte. Die Frau, die infolge der drohenden Gefahr vor Schreck hinfiel, wurde verletzt. Dem Führer der Elektrischen gelang es, den Wagen noch rechtzeitig im letzten Augenblick zum Stehen zu bringen, wodurch größeres Unheil verhütet wurde.

Caffel, 31. August. Sehr realistisch gestaltete sich einKriegsspiel", das eine größere Zahl von Jungen in der Altstadt verunstaltet hatten. Einer der Spielenden, der sich durch Anziehen einer roten Hose alsFeind" markiert hatte, wurde von den anderen derart verprügelt, daß er auf der Unfallstelle der Kriegersanitätskolonne in der Fuldagasse verbunden werden mußte.

Schlitz, 25. August. Frau Magurete von Levetzow, geb. Gräfin von Schlitz genannt von Görtz, wurde am 24. d. M. von einer Tochter glücklich entbunden. Ihr Gemahl Kapitän zur See von Levetzow, befindet sich als Kommandant des PanzerkreuzersMoltke", eines unserer besten Schiffe, schon seit Beginn der Mobilmachung an Bord. Möge es ihm beschieden sein, nach dem Friedensschluß, mit reichen Kriegs­lorbeeren geschmückt, gesund zu seiner Familie heim­zukehren.

Eschwege, 31. August. Ju der Werra ertrank eine hiesige alte Witwe, die von ihrer Tochter gepflegt wurde. Sie war in den hinter dem Hause vorbei­fließenden Werraarm geraten; die Leiche fand man vor dem Rechen der Holzschleiferei.

Hanau, 28. August. Die hiesige sozialdemokratische Partei hat dem Roten Kreuz ihr Vereinshaus mit großem Saal für Lazarettzwecke zur Verfügung gestellt.

Hanau, 29. August. Ein Transport verwundeter gefangener Franzosen ist gestern früh in Hanau an= gekommen. Die Schwerverwundeten sind im Land­krankenhause und die leicht Verletzten im Garnison­lazarett untergebracht worden. Es handelt sich um französische Kolonialtruppen sogenannte Elitetruppen, die an den letzten Kämpfen in Belgien teilgenommen und offenbar auf der Flucht vor unseren Truppen sofort alles Gepäck u. a. m. weggeworfen haben. Der Eindruck, den die Bekleidung der Leute machte, war wenig günstig, offenbar haben unsere Gegner nament­lich dem Schuhzeug nicht allzuvielGewicht" beigelegt. Der Abtransport vom Bahnhof durch Mitglieder unserer Sanitätskolonne funktionierte tadellos. Auch ein verwundeter Zivilist, einFranktireur", der ein starkes Sündenregister haben soll, befand sich bei dem Transport.

Alle Frauen auf Dell!

Da steht ein stolzes Schiff auf hochgehenden Wogen.

Sie schlagen an seine Brust, sprühen Schaum, schimmern goldig und silbern und spitzenüberdeckt, wenn sie zurückfallen und verschwinden in der Wasser- Allgemeinflut. Es hat eine weithin leuchtende Flagge: Ein rotes Kreuz im weißen Feld! Woher kommt es?

Es zeigt die Heimatsfarben: Schwarz Weiß-Rot:

Wer sendet es uns? v

Ein Verein mit einem Namen, der den Respekt in sich hat: Der Vaterländische Frauen-Verein.

Und was trägt dies Schiff an Bord?

Viele, viele warme Menschenherzen, die sich auf­getan, zahlreiche Hände, die sich ausstrecken!

Helfen, lindern, sorgen! lautet das Schiffskommando, das kluge und>tveitblickende Frauen und Männer im Dienste der Menschenliebe geben. Prächtige Kapitäne und Offiziere und Maschinisten, die durch Not und Elend zu steuern wissen.

Die Besatzung, die sie gerufen, kömmt aus allen Schichten des deutschen Volkes, aus allen Gauen des Vaterlandes, um die Seeschlacht, die Nächstenliebe führt, mitzumachen.

Auch sie erfordert Hingabe, Selbstvergessenheit, Tapferkeit, wie die Schlachten, in denen unsere Brüder fochten.

Aber immer noch mehr an Hilfskräften, Zuwend­ungen, Bereitwilligkeit bedarf der Vaterlädischc Franen-Verein.

Da sind neben unseren wundgewordenen Kriegern die Bedürftigen, die auch ihr Kriegslos haben, weil ihre Erwerbsquellen versiegten; sind Flüchtlinge, sind tausend dringende Anforderungen.

Im kleinen Nachen, den er mit dem beladen, was er geben und leisten kann, rudere sich jeder an das Rote-Kreuz-Schiff heran, daß es von einer unzu- zählenden Flottille von Hilfsbereiten umgeben ist. Und dann steige er empor, komme an Bord, bleibe auf Deck,- sei ein Teil der Flotte, die kriegsbereit ist unter der herrlichsten Flagge, auf die die Sonne blickt, die der Tau netzt, der Regen, aber die immer leuchtet, immer Trost winket und bringt!

Alle Frauen an Bord!

Seht, purpurn färbt sich das Meer zur Abend­stunde. Denkt an die Ströme von Blut, die unsere Brüder gaben, und daß sie nur die weitgehendste Opferwilligkett hemmen, abwaschen kann!

Denkt an die Tränen, die unsere Schwestern weinen, und die nur zartes Mitgefühl und Hilfsbe­reitschaft lindern können. So viele weinen auch jetzt nach innen getroffen, aber stolz.

Denkt an die Morgenröte, die kommen muß! An die Siegessonne, die leuchten muß! Wer sich dgnn in ihr wärmt, dem qnillt's im Herzen: Auch ich habe an Bord des Hilfsschiffes gestanden! Auch ich habe geleistet!

Alle Frauen auf Deck!____________E. Bely.

Gebet vor der Schlacht.

(Singweise: Lobe den Herrn!)

1. Mächtiger Führer und Füger im Himmel dort, oben, Vater der Menschen, den dankbar wir preisen und loben: Steh Du uns bei, Mach von den Feinden uns frei, Die sich rings um uns erhoben!

2. Herrlich gewaltet hast Du und gekrönt unser Streben, Hast' einst nach mühvollem Ringen unS Frieden gegeben; Krone und Reich

Gabst Du und Einheit zugleich, Ruhmvolles Wirken und Leben!

3. Finster nun ballt sich im Osten und Westen ein Wetter, Drohend erdröhnet der KriegesdrommetenGeschmetter; Halte die Hand

Schützend ob Kaiser und Land, Set Du uns Rater und Retter!

4. Vater, Du weißt es, wir haben den Zwist nicht begonnen-, Mißgunst und Bosheit hat tückisch ein Netz uns gesponnen. Zieh« wir das Schwert, Gilt es bem heimischen Herd, Nicht sind auf Raub wir gesonnen.

5. Vater im Himmel, drum hör' unser brünstiges Flehen, Laß im erzwungenen Kampfe uns siegreich bestehen: Laß im Gefecht Nicht unterliegen das Recht, Laß es zur Seite uns gehen!

Richard Zoozmann.

Verzeichnis

der bei bei L. Pfeiffer, Depositenkasse Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nach­stehend dankend quittiert wird:

Nach Uebereinkunft mit dem Vaterländischen Frauenverein sollen die für denselben bis jetzt ein­gegangenen Beträge dem Roten-Kreuz-Veretn, Sektion Hersseld, zur Verwendung in Hersfeld zugewiesen werden.

Es gingen bis jetzt für den Vaterländischen Frauenverein lt. in der Zeitung gegebener Quittung ein M. 4574.79 und für das Rote Kreuz 6378.81

10953.60

Hierzu kommen neue Spenden von Frau Medieinal-Rat Dr. Ewers, hier M. 100. Gesangverein Rotensee..... 25. Herrn Wilhelm Gies hier . . . . 100. Gemeinde Ransbach....... 800. Frau Georg Pforr hier..... 20. Frau Pfarrer Klaus hier . . . . 20. Frl. Gretel und Anna Pieper hier . 8.50 Herrn Franz Otto, Breitenstraße hier 10.50 Herrn Fritz Otto Breitcnstraße hier 10. Ungenannt.......... 83. Skatgeld........... 3__ Herrn Karl Diebel hier..... 30. Frl. Hanni Graf hier...... 5. Herrn Professor K. hier..... 87. Frau Eduard Braun, pro Monat bis Ende ds. Js....... 500.

Herrn Ludwig Braun, pro Monat

bis Ende ds. Js..... . 300.

heutiger Bestand M. 12.555.10