Ueber 30000 Soffen in LstMMN zchiigeu.
Der Erfolg -er Oesterreicher. Der Kampf in der Nordsee. Die Opfer vom Kreuzer „Magdeburg".
Wie im Westen, so ist nunmehr auch im Osten die erste große Schlacht geschlagen worden. Der Unterschied liegt darin, daß sich die Russen in der Offensivstellung befanden, während wir den Ansturm abzuwehren hatten. Aus der Richtung von Riemen, wie von der Narew Her, ö. h. aus Süden und aus Osten waren erhebliche russische Sireitkräfte im Anmärsche, die zwischen Jnsterburg und Grauöenz in deutsches Gebiet einzubrechen versuchten. Ihr Zweck war offenbar, die deutsche Defensive zu durchbrechen, ehe die siegreich vordringenden Oesterreicher Verbindung mit uns erlangt haben. Die Absicht ist an der Wachsamkeit unserer Heeresleitung und der Tapferkeit unserer Truppen gescheitert. Die russische Armee, an Zahl fast der bei Metz geschlagenen französischen Armee gleich, ist über die Grenze zurückgewichen und wird von unseren Truppen verfolgt. Durch diesen Sieg ist die Durchführung des gemeinschaftlichen Vormarsches unserer und der österreichischen Truppen gegen die Weichsel erleichtert worden. Es geht auf WarscAru los!
Die Meldung über den Sieg lautet kurz und knapp:
WTB. Berlin, 29. August. Unsere Truppen in
Preußen unter Führung des Generalobersten Hinden- burg haben die von Narew vorgegangene russische Armee in Stärke von 5 Armeekorps und 3 Kavalleriebivisionen
in dreitägiger Schlacht bei Gilgenbnrg-Ortelsvnrg ge
schlagen nnd verfolgen sie jetzt über die Grenze.
Generalquartiermeister von Stein.
Die am Sonnabend verbreitete Meldung von dem großen deutschen Siege über die Russen in Ostpreußen wird durch folgende neue erfreuliche Nachricht ergänzt:
WTB. Berlin, 31. August. Bei den großen
Kämpfen, in denen die russische Armee bei Tannen- berg, Hohenstein und Ortelsburg geworfen wurden, sind nach vorläufiger Schätzung über 30000 Russen mit vielen hohen Offizieren in Gefangenschaft geraten.
Eine erfreuliche Ergänzung zu der amtlichen Meldung über das Ergebnis der Schlacht bilden die folgenden Mitteilungen, die aus amtlichen Quellen Ostpreußens stammen:
Der vom Geueralquartiermeister in seiner Ber- ösfentlichnng vom 25. August als bevorstehend angekttn- digte Entscheidungskampf hat begonnen. Als Einleitung erfolgte die Besetzung der Grenzstadt Netdenburg durch starke russische Kräfte. Die Russen plünderten die Stadt gründlich nnd bombardierten sie dann von den benachbarten Höhen. Den meisten Bürgern Neidenburgs, das etwa 6000 Einwohner hat, war es gelungen, über Hohenstein nach Allenstein zn fliehen. Das 20. Armeekorps griff energisch in den Kampf gegen den russischen Gegner ein. Die „Allensteiner Zeitung" kann mit amtlicher Genehmigung darüber melden: Unser tapferes 20. Armeekorps steht seit 24 Stunden im Feuer mit einem an Kräften weit überlegenen Gegner. Dank der Tapferkeit unserer Truppen und Führer ist es den Russen trotz ihrer gewaltigen Uebermacht nicht gelungen, unsere Stellungen zu nehmen. Der Kampf hat sich dann zu einer Riesenschlacht ans der Linie Gilgenbnrg- Neidenburg-Ortelsburg entwickelt mit etwa 50 Kilometer Frontlänge. Hierüber teilt Landrat Hagemann in Marienbnrg der „Marienbnrger Zeitung" mit, daß zwei russische Armeekorps aufgerieben worden seien.
Kriegsbriese.
Wie ich verwundet wurde.
Von einem Mitkämpfer bei Lüttich.
. . . Mitten in dieses Dorfgefecht (Sturm auf Ft. Flöron) waren wir hineingerissen. Es blitzte aus allen Häusern, unablässig rollt der Donner der Geschütze, unablässig geht der Eisenregen nieder. Stockdunkel . . . Wie sehnlich wünschen wir den Morgen Heran. — Kein Gegner zusehen — und doch sinkt Mann neben Mann. Aus den Mauern der Häuser sind nur winzige Steine gelöst — ein Flintenlauf ragt durch: in den Fensterladen ein kleines Loch — der Lauf einer Jagdbüchse sprüht Flammen heraus — aus den Kellerfenstern, von den Boden zuckt und flammt und pfeift es . . . Wie rm Hexenkessel . . . Und wir dürfen nicht schießen, um bte Kameraden, die rechts und links vor uns im Gefecht liegen, nicht zu gefährden . . . Einer neben dem anderen sinkt — Aechzen und Stöhnen überall. Hinweg über einen Haufen zuckender Leiber, vorsichtig — um keinem wehe zu tun — und um uns blitzt uno kracht's. Aus einem Eckhaus prasselt uns ein Hagel entgegen. — Zwanzig, fünfzig Laufe heben sich —, da brülle ich: „Keinen Schutz, Kerls! Wer kommt mit? Beil her!" Ein kleiner Musketier reicht mir eine Picke . . . Zehn braune Kerls drängen hinter mir nach. — Dann ein paar Hiebe mit Beil und Kolben — die Tür kracht ein — von der Decke her zucken Geschosse nieder . . . „Keiner die Bodentreppe hinauf! Hierbleiben! Streichhölzer her! Und schon habe ich ein paar Strohballen vorge- Een, — fünf Minuten später züngeln die Flammen aus allen Fenstern. „So, Jungs, nun vorwärts!" — Hinein wieder, in die Dorfgasse ... Da treffe ich mei- nen Kompagnieführer. „Hierher!" schreit er. „Ueber die Mauer, mir nach!"
Zwei Kerle heben mich hoch, im Nu haben wir eine r^-^Eauer überstiegen, und stürmten weiter, einer Abteilung in den Rücken zu fallen. Manns- Hecken, mit Stacheldraht durchzogen — vier, fünf ^"^*' Kerls" rufe ich, „gebt mir die srfsfefi^^ 8?^ wuchtige Jungens treten den ^nj n^ durch und _ gehe
SSÄ^ - iL knipse« Dadurch und gehe voran - meine Hose hängt in Fetzen runter. Die Hecken werden genommen — auf einmal kracht es
uns her — nur wenige Sekunden, dann saust eine Haubitze in den verruchten Giebel — Steine spritzen Mcher — das Gemäuer sinkt donnernd zusammen. Feuer von links! — Da sind die Unsern sie swieüen aus uns - sie erkennen uns noch immer nicht Wir brü^!t ihnen die Losung zu: „Der Kaiser! Der Kaiser!" — Sie hören uns nicht in dem Höllenlärm tsiornikt" rufe ich, „blasen Sie Signal!" Der brave Junge - er war von den vierten Jägern, nimmt das Horn und schmettert: Das Ganze! — Das Ganze! — Da kommt's von drüben zurück. Wir erkennen uns - es sind die 27er - ich drücke dem Hauptmann, den ich seit Jahren kenne, bte Hand. —
Heller Morgen, X7 Uhr (am 6. August).
Vor uns liegt ein Kohlenbergwerk. Zwei Kohlenhalden sind einige Meter hoch im Winkel zu einander flUfaefc&Ät — oa stürmen wir hinauf: Ein Jäger-
Siegreiches Vordringen der Oesterreicher.
WTB. Wien, 30. August. Der Korrespondent des Neuen Wiener Tagebl. im Hauptquartier meldet: Die große Schlacht ist heute, am vierten Tage, in vollem Gange und steht gut für uns. Die linke Flügelgruppe rückt gegen Lnblin und Zamocs langsam aber sicher vor, stößt aber immer wieder auf den nenverschanzten Gegner und anstelle von Frontalangriffen sind zeitraubende Um- gehnngen nötig. Drei Zügen des Infanterieregiments Nr. 72 gelang ein rascher Frontalangriff, bei dem zwei russische Hauptleute, sechs Subalternoffiziere und 470 Mann gefangen genommen wurden. Die Kräftegruppe zwischen Bug und Wieprz griff eine russische Division von drei Seiten mit Erfolg an, sodaß sie nur unter dem Schutze der Nacht entkamen. Generalstabshauptmann Notzmann stürzte mit seinem Flugzeug ab und wurde getötet. Das Armeeverordnnngsblatt veröffentlicht gerade heute eine Auszeichnung Roßmanns für hervorragend tapferes Verhalten vor dem Feinde.
WTB. Wien, 30. August. (Richt amtlich.) Soweit sich bis gestern mittag überblicken ließ, ist das große Ringen unserer Armee mit den Hauptkräften des russischen Heeres noch nicht znr Entscheidung herangereift. Nur die Erfolge der vom General der Kavallerie Viktor Dankt in der Schlacht bei Krasnik siegreich geführten Armee sind bereits einigermaßen zu übersetzen. In einer zweiten Schlacht am 27. August, die durch die heldenmütige Erstürmung einer stark befestigten Stellung auf den Höhen von Niedrzwiosdnca gekrönt war, gelang es, die bei Krasnik zurückgeworsenen russischen Kräfte und herangefuhrten Verstärkungen, im ganzen etwa zehn Divisionen, durch sechs verschiedene Korps neuerlich zu schlagen. Eines unserer Korps nahm in dieser zweiten Schlacht einen General, einen Oberst, drei sonstige Stabspersonen, vierzig Offiziere und zirka 2000 Mann gefangen und erbentete wieder sehr viel Kriegsmaterial.
WTB. Wien, 31. August. Die Schlachten auf dem östlichen Kriegsschanplatz dauern mit nngeminderter Heftigkeit fort. Oestlich nnserer trotz mehrfacher befestigter Stellungen des Feindes unaufhaltsam gegen Lubtin vordringende Armee Dank! haben unsere zwischen Bug nnd Wieprz vorgeführten Kräfte am 26. August den Angriff auf die auf dem Raume bei Cholm stehenden starken russischen Kräfte begonnen. Hierbei entwickelten sich wie bei Krasnik wieder harte, für unsere angriffsfrendigen Truppen siegreich verlaufende Kämpfe bei Zamoid sowie nördlich und östlich bei Tomaszow. In diesen Kämpfen wurden ebenso wie in den Schlachten bei Krasnik tansende von Gefangenen gemacht. In Ostgalizien behaupten sich unsere Truppen mit heldenmütiger Bravonr nnd Zähigkeit gegen sehr starke uns überlegene feindliche Kräfte. Auf dem südlichen Kriegsschauplatz haben in letzter Zeit neue Kämpfe statt- gefunden.
Der Kampf in der Nordsee.
Der lange erwartete Zusammenstoß unserer Flotte mit der englischen ist erfolgt. Die Nordsee bei Helgoland war der Kampfplatz, wo der Seekrieg heftig tobte. Der Kampf erfolgte bei unsichtigem Wetter und er zog sich nach Westen, also nach der englischen Küste zu hin. Mehrere kleine Kreuzer unserer Flotte stießen todesmutig vor und gerieten dabei in einen Kampf mit einer überlegen starken englischen Flotte. Unsere Schiffe mußten der Uebermacht weichen, haben den Engländern aber, wie ein englischer Bericht eingesteht, schwere Beschädigungen beigebracht. Nach dem, was man sonst von
e an die Backe. Ich lasse
leutnant, ein Kompagniekamerad von mir, Sch., dann ein riesiger Adjutant von den 27ern, A., ein tapferer Junge, der nicht mit der Wimper zuckte — am Wege unten bleibt H. zurück, der furchtlose Regimentsadjunkt vom Regiment Louis Ferdinand, und mit ungefähr 10 Mann nimmt der Hauptmann v. B. die Häuser in unserm Rücken unter Feuer, er selbst hat den Degen abgelegt und führt das Gewehr . . .
Oben von meiner Kohlenhalde sehe ich ein Gehöft und zum ersten Male belgische Infanterie — sonst waren die Kerle gelaufen, als sei der Deibel hinter ihnen. — Jetzt heben sie die Büchsi " 7 ' ~ ' 7 das Feuer aufnehmen und beobachte durch das Glas die Wirkung . . . „Ruhig zielen, Kerls, ihr schietzt zu weit" . . . Zwei schwarze Mäntel sehe ich sich im Sande wälzen.
"Hol's der Deibel!" Sie schießen von rechts her — von der anderen Halde ... Da steht noch auf unserem Flügel der lange A. Seine Schärpe flattert, die Quasten sind schwarz von Kohlenstaub, er schießt auf die Bande rechts — jetzt knallt's auch von hintenher aus den Häusern . . .
Ich setze das Glas ab und sehe mich um. Da links ant Flügel liegt mein Kamerad Sch., hat einem Verwundeten das Gewehr abgenommen und schießt nach dem Gehöft . . . Rechts von mir — ja, was ist denn das? Einer nach dem andern „klappt ab" . . . Der läßt den Kopf vornüber, der rollt den Abhang hinunter, der schreit . . . Sie schießen wie besessen auf uns. Nun liegt nur noch einer rechts von mir, eben fängt auch der an, sich hin und her zu wälzen, Blut quillt aus dem Rock hervor, ich werde ihm sein Gewehr abnehmen: ich richte mich auf . . . Donnerwetter, ich fühle einen Schlag vor der linken Brust: „Kinder, jetzt hat's mich auch." . . .
Ich rutsche den Abhang hinab, das Blut kommt mir aus dem Munde . . . hinter einem Steinhaufen finde ich Deckung vor dem mörderischen Feuer. Ich bitte einen Soldaten: „Mach' mir mal die Feldflasche ab — fo — — und den Tornister." Einen langen Schluck. Der gute Kerl öffnet mir den Waffenrock. Ich lehne mich gegen den Steinhaufen. Ganz warm quillt das Blut hervor: wie lange kann's dauern, dann ist's vorbei. Aus dem Rocktäschchen ziehe ich das Verbandszeug, öffne es hastig und drücke es auf die Wunde. Dann warte ich ab, minutenlang: auf dem Wege vor mir stehen die braven Kerle und feuern: da ist auch A. noch mit den schwarzen Quasten. „Kinder, schickt mir doch einen Arzt." Mir fängt's an, vor den Augen zu flimmern. Da kommt das Soldatengefühl: du mußt Dich wehren, darfst nicht dich bumpf in dein Schicksal ergeben. Die Schlacht geht weiter: hier findet dich keiner . . .
Mit Schmerzen richte ich mich empor — stülpe mir den Helm auf den Kopf — die Feldbinde, die Pistole — das Glas schenke ich einem Soldaten, er braucht's jetzt nötiger als ich, und dann meinen Degen — den lasse ich nicht, er braucht sich meiner nicht zu schämen — so schleppe ich mich an den Weg. Was geht mich das Pfeifen an, ich habe meinen Teil. Noch immer stehen die wackeren Kerle und feuern vom Wege gegen die Kohlenhalde — einen winke ich heran. - . „Um Gotteswillen, Herr Leutnant!" . . . „Bringe mich zum Verbandsplatz, mein Junge." ... Er gibt mir seinen Arm . . . „Mußt
der englischen Kriegsberichterstattung gewöhnt ist, darf man ruhig annehmen, daß auch die englischen Schiffe zum mindesten kampfurUähig geworden sind. Leider brächte der Kampf den Verlust einiger unserer Schiffe, aber ohne Kampf kein Sieg. Die Helden der Nordsee leben bei uns in treuem Augedenken und als leuchtendes Beispiel deutscher Seemannstreue fort.
Unsere Schiffe haben, wie Staatssekretär Tirpitz sagte, die Aufgabe, die deutsche Küste zu schützen, und diese Aufgabe haben sie bisher glänzend gelöst. Kein englisches Schiff hat sich bis jetzt den deutschen Gestaden nähern dürfen, und auch ferner werden unsere blauen Jungen so scharf auf der Wacht stehen, daß die Engländer sich allemal blutige Köpfe holen, wenn sie kommen.
WTB. Berlin, 29. August. Im Laufe des gestrigen Vormittags sind bei teilweise unsichtigem Wetter mehrere moderne englische kleine Kreuzer und zwei englische Zerstörerflottillen (ca. 40 Zerstörer) in der deutschen Bucht -er Nordsee unweit Helgoland ausgetreten. Es kam zu hartnäckigen Einzelgefechten zwischen ihnen und unsern leichten Streitkräften. Die deutschen kleinen Kreuzer drängten lebhaft nach Westen nach und gerieten dabei infolge der beschränkten Sichtweite ins Gefecht mit mehreren starken englischen Panzerkreuzern. S. M. S. „Ariadne" (Kleiner Kreuzer mit 2650 Tonnen Wasserverdrängung) sank, von zwei Schlachtschiffkreuzern der Lion-Klasse auf kurze Entfernung mit schwerer Artillerie beschossen, nach ehrenvollem Kampfe. Der weitaus größte Teil der Besatzung, voranssichtlich 250 Köpfe, konnte gerettet werden.
Auch das Torpedoboot V 187 ging, von einem kleinen Kreuzer und den Zerstörern anfs heftigste beschossen, bis zuletzt feuernd, in die Tiefe. Flottillenchef und Kommandant sind gefallen. Ein beträchtlicher Teil der Besatzung wurde gerettet. Die kleinen Krenzer Cöln nnd Mainz werden vermißt. Sie sind nach einer heutigen Reutermeldung aus London gleichfalls im Kampfe mit überlegenen Gegnern gesunken. Ein Teil der Besatzung, 2 Offiziere nnd 81 Mann (?) scheinen durch englische Schiffe gerettet zu sein. Nach der gleichen Quelle haben die englischen Schiffe schwere Beschädigungen erlitten.
Heldenmut unserer blauen Jungen.
Ueber die heldenmütige Energie, mit der Torpedoboot V 187 sich bis zum letzten Augenblick gegen feindliche Uebermacht wehrte, gibt der Bericht eines Augenzeugen Kunde, dem wir folgendes entnehmen:
V 187 sah sich bei dichtem Wetter ganz unerwartet zunächst vom Norden, dann allerseits von Massen englischer Torpedobootszerstörer und Unterseebooten angegriffen. V 187 wehrte sich unverzüglich mit alle» Kräften, da setzten zahllose Geschosse, aus nächster Nähe abgegeben, die Bewegungsfähigkeit herab. Da keine Mög- lichkett vorhand'n war, sich dem feindlichen Feuer Hu entziehen, drehte V 187 auf die Feinde zu, um ein Passier- gefecht zu gewinnen und bis zum Enoe durchzukämpfen. Als unter dem Geschoßhagel die Bewegungsfähigkeit verloren gegangen war, wurde schnell im Innern eine Sprengung vorgenommen, um das Boot nicht in Fein- deshand fallen zu lassen. Jetzt sank es schnell und während es sank, stand die Mannschaft bis zum letzten Augenblick an den noch brauchbaren Geschützen und feuerte. Der Flottillenchef. Korvettenkapitän Wallis, und der Kommandant, Kapitänleutnant Zechter fanden den Heldentod. Anzuerkennen ist, daß der Gegner ungeachtet der eigenen Gefahr Beiboote zur Rettung der Unsrigen aussetzte. Als sich deutsche Streitkräfte näherten, mußte er sich von den Beibooten zur, kziehen, aus denen sie dann die geretteten Deutschen anfnahmen.
Wie die „Ariadne" unterging.
Vom Untergang S. M. Schiff „Ariaöne" gibt der gleiche Augenzeuge folgendes Bild.
Vom Kanonendonner gerufen, der ein Gefecht der Vorposten mit Streitkräften anzeigt, eilt S. M. Schiff „Ariaöne" zu Hilfe. An der Vorpostenkette entdeckt sie,
aber langsam mit mir gehen, kann nicht mehr wie vorhin."
Um uns pfeift's und donnert's. Der gute P. stütz! mich. Wie sagt unser Bismarck? „Kein deutscher Offizier läßt seinen Soldaten im Stich — kein deutscher Soldat seinen Offizier." . . . Nein, weiß Gott, nicht! — Auf dem Wege stehen zwei belgische Bauern — sie lauern auf uns. Wehren kann ich mich jetzt nicht. „Komm, da in die Hecke hab' ich vorhin ein Loch qetretev — da durch." Ich humple voran — P., das Gewehr schußbereit, hinteröcin.
Auf der Dorfstratze . . . Die Truppen drängen nach vorn, uns entgegen — sie weichen mir alle aus, die Braven . . . Donnerwetter, könnt' ich noch mit! — „Kinder, haut sie in die Pfanne!" (Konnt's nur leise sagen, aber sie verstehen's.) „Wenn wir sie nur erst haben, Herr Leutnant!"
Der belgische Verbandsplatz liegt dort. — „Den mag ich nicht, komm' bring' mich weiter, wir wollen zuw deutschen Lazarett."
So schleppe ich mich weiter — die Straße hinunter wo der Tod so gräßliche Ernte gehalten. Wie Heger sie doch dicht, so starr, so stumm . . . Unter 100 Deutscher ein Belgier . . . O, diese feige Bande! . . .
Es greift doch an, dieses Humpeln. — „Seht ihr denr den Verbandsplatz noch nicht, Jungens?" — „Er muf gleich da sein." Tapps — tapps. „Langsam, Kinder, sonst tut mir's weh" — ich hänge mich fester an den guten P. . . .
Da steht der General. Er sieht mich, kommt einen Schritt auf mich zu: „Na, Herr Leutnant, hoffentlich wird's wieder!"
Antworten kann ich nicht — aber, so schwach ich bitt, ich lasse den Arm meines Soldaten frei und lege die Hand an den Helm. —
Das Rote Kreuz! Gottlob — Ich danke dem guten P. und drücke ihm die Hand . . . Sie schneiden mir das Hemd runter, der unermüdliche Stabsarzt verklebt mir die Wunde.
Der Verbandsplatz ist nur ein kleiner Raun: — drin liegen sechs, sieben Schwerverwundete und stöhnen und schreien... So bleibe ich draußen und lehne mich sitzend an das Haus . . . Wie viele liegen hier. — Drüben G., der tapfere Leutnant der Raüfahrerkoncpagnie — Schuß in den Leib . . . Er streckt sich — fein Lau des Schmerzes kommt über seine Lippen — sein Gesicht ist ganz gelb.
Neben mir sitzt ein belgischer Offizier — er hat s im Arm und im Bein. — Immer kommen neue. -- Dort sitzt Kurt W., mein Regimentskamerad — Schuß ins linke Bein — aus einem Kellerfenster raus . . • • ■ Da bringen sie unseren D. — mit dem ich so manche Stunde gebechert, gejubelt.---Bis an die Grenze des Forts Fl^ron hat er seine Kompagnie geführt. Drauf los wie ein Held — der Tapfersten einer — — nun mitten in die Brust. . . „Gestern noch auf stolzen Rosse» . . ."
Mich friert. Es ist ein trüber, kalter Morgen, der Regen träufelt nieder... ich habe aber kein Heun mehr, nur noch einen Aermel. Sie decken mir meinen Waffenrock über, der Belgier läßt mir seinen Mantel l umhängen .. .