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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- * t f X zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei 5)Cr5luO^r

Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. 7

für den Kreis Hersfeld

/^ ; «« ,i Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im

MreiSOinil amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 26 Pfg. Bei Wieder-

holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittag».

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschluh Nr. 8

Nr. 303.

Sonutag, den 30. August

1014.

Amtliche

Hersfeld, den 27. August.

Musterung und Aushebung der unausgebildeten Landsturm- pflichtigen.

Zufolge Anordnung des stellvertretenden General­kommandos in Kassel sind sämtliche den Jahresktassen 1876 bis einschließlich 1804 angehörende»» »»»uns gebildeten Landstur,»»Pflichtigen zu mustern bezw. aus- zuheben.

für den Kreis Rersfeld sind hierzu folgende Ter- mine bestimmt worden:

am Mittwoch, den 2. September ds. Is.

Alusterung und Aushebung der Landsturmpflichtigen aus der Stadt ßerefeld sowie derjenigen aus sämtlichen Gemeinden des Amtsgerichtsbezirhs Schenhlengsfeld mit Ausnahme derjenigen aus den Gemeinden Philippsthal und Schenhlengsfeld, welche sich am Freitag den 4. September zu stellen haben.

Am Donnerstag den 3. September ds. Is.

Musterung und Aushebu»»g der Landstur,.^Pflichtiger» aus sämtlichen Gemeinden der Amtsgerichtsbezirhe frie- dcwald und pitederaula.

Am Freitag den 4. September ds. Is.

Musterung und Aushebung der Landsturmpflichtigen aus sämtlichen Land-Gemeinden des Amtsgerichtsbezirhs hersfeld sowie derjenigen aus den Gemeinden Philippsthal und Schenhlengsfeld.

Die Landsturmmusterung findet zu ßersfeld in der neuen Curnballe (Auguft-Gottlieb-Strasse) statt, und zwar jedesmal von morgens 7 Uhr ab.

Zu derselben haben zu erscheinen: Alle militärisch nicht ansgebildeten Landfturmpflichtigen des 1. Auf­gebots, das find:

a. Diejenigen, welche bei den Ersatzgeschäften dem Landsturm überwiesen roorben sind, soweit sie in der Zeit vom 1. Januar 1876 bis einschließlich 31. Dezember 1894 geboren sind, sowie

b. Diejenigen ehemaligen Ersatzreservisten, welche mit Vollendung des 32. Lebensjahres zum Landsturm ersten Aufgebots übergetreten sind, soweit sie vom 31. März 1914 das 39. Lebensjahr noch nicht vollendet hatten.

Etwaige Papiere über die von den Ersatzbehörden erhaltenen Entscheidungen bezw. etwaige Militärpapiere sind mitzubringen, soweit solche nicht bereits eingereicht worden sind.

Die Militärpflichtig cn und die noch nicht militärpflichtigen Mannschaften find ausgenommen. Ebenso haben auch diejenigen Mannschaften zu der Landfturmmufterung n i ch t zu erscheinen, welche bei der vor Kurzem ftattgebdbten Kriegsaushebung dem Landsturm überwiesen worden find.

Die Herren Ortsvorsteher des Kreises werden hier­mit angewiesen, Vorstehendes alsbald und wiederholt auf ortsübliche Weise zur Kenntnis der Beteiligten zu bringen und dafür zu sorgen, daß sämtliche Gestellungs­pflichtige pünktlich zu den bestimmten Terminen er­scheinen. Etwa fehlende Personen sind mir sofort namhaft zu machen.

Sie selbst haben zu den Terminen zu erscheinen und so lange zur Stelle zu sein, bis sämtliche Mannschaften ihrer Gemeinde gemustert sind. Im Falle einer Ver­hinderung ist für die Anwesenheit eines Stellvertreters Sorge zu tragen.

Ich bemerhe noch, dass es sich zunächst nur um eine Feststellung der Cauglichheit der Landsturm* Pflichtigen handelt.

M. No. 2858. Der Landrat.

I. A.:

Funke, Kreissekretär.

Weitere amtl. Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

Bus der Heimat«

* (Zur Warnun g.) Wie verlautet, sollen Güterhändler an der Arbeit sein, solche ländliche Be- fi^ungen für geringen Preis an sich au bringen, die infolge Einberufung der Ehemänner oder Söhne der Obhut von vielfach ratlosen Frauen überlassen werden mußten. Es rvird amtlicherseits empfohlen, derartigem Treiben entgegenzuarbeiten.

* (Züchtet Schweine!) Da die Heeresleitung mit der Zeit voraussichtlich großen Bedarf an Schlacht­vieh haben rvird, wird von amtlicher Seite empfohlen, daß auch die kleineren Leute, die Platz und Futter haben, sich der Schweinezucht widmen möchten, damit sie nicht später gezwungen sind, für teure# Geld Fleisch zu kaufen oder den Fleischgenuß ganz einzu- schränken.

* (Unsere Voräte an Morphium und Verbandmitte ln.j Von der chemischen Großin­dustrie wird wegen der Maßnahmen des Ministers des,Jnnern!gegen den drohenden Mangel an Morphium und anderen unentbehrlichen Arzneimitteln Einspruch erhoben, und gegenüber den von anderer Seite ge­machten Erfahrungen erklärt, daß ein solcher Mangel nicht bestehe, vielmehr sei der Bedarf für absehbare Zeit reichlich gedeckt, jedenfalls aber eine Zuhilfenahme ausländischer Bezugsquellen nicht erforderlich. Diese Nachricht ist natürlich höchst erfreulich, es bleibt aber die Tatsache bestehen, daß nach den bei hiesigen Groß- firmen sowie in Abnehmerkreisen gemachten Fest­stellungen nach dem Eintritt der Mobilmachung und bis in die letzten Tage hin ein svlcherManael bestand, daß die Lieferung größerer Posten von Morphium usw. abgefeimt wurde und kleinere Mengen desselben nur zu wesentlich erhöhten Preisen zu erhalten waren. Wenn jetzt auf die indenFabriken undGroßhandlungen lagernden bedeutenden Vorräte hingewiesen wird, so beweist das nur, daß die Vorräte dem Handel ent­zogen waren, und daß sie erst jetzt in den Verkehr gelangen, wohl nicht zuletzt infolge Vorgehens des Ministers des Innern. Der Zweck seines Vorgehens ist damit erreicht, und es liegt für die Inanspruch­nahme ausländischer Bezugsquellenzunächst kein Anlaß »nehr vor. Das gleichzeitige Vorgehen des Ministers des Innern gegen die seit der Mobilmachung auf dein Verbandstoffmarkt eingetretene Verteuerung aller Verbandmittel hat durch das Entgegenkommen der beteiligten Fabriken zu einem vorläufigen Ergebnis geführt, der bis dahin erhobene Preisaufschlag ist von 30 auf 20° 0 herabgesetzt.

* Bei der Auszahlung der Gelder für ausgehobene Pferde, Kraftfahrzeuge usw. hat sich herausgestellt, daß die Besitzer in vielen Fällen zum Heeresdienst eingezogen waren und vorher ihren Ehefrauen oder anderen Angehörigen keine Vollmacht zur Empfangnahme der Gelder ausgestellt hatten. Daraus habe»» sich Schwierigkeiten bei der Auszahlung ergeben. Um den Schäden abznhelfen, welche die Be­troffenen durch eine Verzögerung der Auszahlung erleiden können, hat der Bundesrat am 24. August 1914 eine Verordnung erlassen, durch welche eine Rechtsvermutung aufgestellt wird, daß die Inhaber der über die Taxsummen ausgestellten Anerkenntnisse von dem darin genannten Berechtigten zur Empfang­nahme der Zahlung bevollmächtigt sind. Die Aus­zahlung kann nunmehr ohne ausdrückliche Vollmacht der abwesender» Besitzer gegen Vorlegung des Aner­kenntnisses erfolgen.

(Die Viehseuchen in Hessen -Nassau.) Die Statistik vom 15. August zeigt, daß im Regierungs­bezirk Gaffel die Maul- und Klauenseuche in 14 Ge­höften herrscht, die sich auf drei Kreise in drei Ge­meinden verteilen. Was den Regierungsbezirk Wiesbaden anbelangt, so wurde hier die Maul- und Klauenseuche in 2 Gehöften in einer Gemeinde nnd die Schweinseuche in 17 Gehöften, die sich auf 13 Ge­meinden in 3 Streifen verteilen, festgestellt.

* (Verlustlisten.) DerReichsanzeiger" ver­öffentlicht die vom Ministerium des Innern ge­troffenen Maßnahmen zur schnellen und zuverlässigen Bekanntgabe der Heeresverluste während des gegen­wärtigen Krieges: 1. Die Verlustlisten erscheinen als Anlagen des Deutschen Rerchs- und Königl»ch Preußische»» Staatsanzeigers, und jede Stelle, die das Armeeverordnungsblatt erhält, bekommt eine Exeinplar der Verlustliste. 2. Die Landräte erhalten Exemplare der Verlustliste, um sie an verschiedenen Stellen ihres Bezirks öffentlich auszulegen. Ebenso erhalten in Stadtkreisen Magistrat und königliche Polizeiver­waltung Verlustlisten zürn gleichen Zweck. 3. Für alle Stabt* und Landkreise werden die in Betracht kommenden Namen der Toten und Verwundeten aus­gezogen und diese Auszüge werden ebenfalls öffentlich ausgelegt und den Kreisblättern und anderen dort erscheinenden Tageszeitungen zur Veröffentlichung

mitgeteilt. 4. Dann ist die Einrichtung eines Post- abonnement auf die Verlustliste»» beabsichtigt, »vorüber näheres noch bekannt gemacht wird. In unserer Geschäftsstelle sind alle Verlustliste»» alsbald nach Er­scheine»» käuflich au haben.

8 Hersfeld, 29. August. Die Zuführung der Post- feubungen an die im Felde stehender» Truppen wird dadurch erheblich erschwert und verzögert, daß aus der Aufschrift nicht genau ersichtlich ist, ob der Em­pfänger in einem Linien-, Reserve- ober Landwehr- Regiment dient. Es ist von größter Wichtigkeit, daß gerade bei Bezeichnung des Regiments diese Angabe nicht fehlt. Bei Sendungen an Ersatztruppen muß ersichtlich sein, ob der Empfänger einem Brigade-Ersatz Bataillon ober einem Ersatz-Bataillon eines Regiments zugeteilt ist.

):( Hersfeld, 29. August. Gestern bat Herr Land­rat von Gru »» eli»» s unsere Stadt verlassen und sich du feinem Truppenteil begeben, um am Feldzug teilzunehmen. Mit seiner Vertretung würbe Herr»» Negierungsassessor von Hedemann beauftragt.

Melsnngen, 27. August. Heute abend wird unser Landrat Freiherr v. Gagern uns verlassen und ins Feld rücken. Mit seiner Stellvertretung würbe der Kreistagsdeputierte Herr Bürgermeister Glein» be­auftragt.

Frankenberg, 26. August. Mit Pferd und Wage»» durchgegangen ist am Montag Nachmittag, laut Frankenb. Zeitung", der Milchkutscher des Herr»» Chr. Schultze in Schreufa, nachdem er am Vormittag noch die hiesige Kundschaft beliefert hatte. Wie der Besitzer alsbald feststellen konnte, hatte der ungetreue Knecht, der 18jährige Konrad Werner aus Hörde, mit dem Fuhrwerk die Richtung nach Wildnngen einge- schlagen. Nach telephonischer Benachrichtigung der verschiedenen Polizeibehörden gelang es, den Durch­gänger in Friular festzunehmen und dem mit dem Fahrrad nachgefahrenen Herrn Schultze sein Eigentum wieder zurückzustellen. Der verhaftete Knecht hatte nach seinem Geständnis die Absicht, das Fuhrwerk in Cassel zu versilbern.

Cassel, 28. August. Beim Ueberlaufen des Fahr- dammes würbe gestern nachmittag der 8jährige Schüler Sch. in der Schlachthofstraße durch den Wagen eines Metzgers überfahren und an beiden Beinen verletzt. Der Metzgergeselle kam aur Anzeige.

Cassel, 28. August. (Die Köchin als Diebin.) Die Köchin eines Wirtes aus der Wolfsangerstraße, die großes Vertraue,» genoß, hat dieses dadurch mißbraucht, daß sie ein Pult ihres Dienstherr»» erbrach und da­raus 70 Mk. entwendete. Die Diebin würbe verhaftet und sieht nun einer strengen Bestrafung entgegen.

Münden, 26. August. Wie leicht falsche Gerüchte entstehen, sonnte man heute wieder feststellen, als es hieß, ein französisches Ponton sei die Fulda herunter gefahren. In Wahrheit handelt es sich um ein Ponton unseres Ersatz-Pionier-Bataillons; bte geschäftige Fama machte daraus schleunigst ein französisches Ponton, was sich natürlich viel interessanter anhört.

Jena, 28. August. Gin junger Serbe, der hier zwangsweise in Haft gehalter» wurde, hat sich ver­gangene Nacht aus Verzweiflung aus dem Fenster gestürzt. Er blieb schwerverletzt liegen.

Naumburg, 28. August. Eine hiesige Dame, die in einem Nachbarstädtchen den Haushalt ihres Bruders leitete, weil dieser in den Krieg gezogen ist, wurde dort das Opfer einer Pilzvergiftung und ist daran gestorben.

Frankfurt, 27. August.' In Frankfurt (Main) hat die Polizei ein Lager mit vielen Tausend Zentnern Kartoffeln des Großgrundbesitzers Schultheiß wegen wucherischer Preisforderungen geschlossen.

Höchst a. M., 24. August. Für Haarschneiden nahm ein hiesiger Barbier einem Soldaten 1 Mark ab. Die städtische Behörde brächte diese Ueberforderung zur öffentlichen Kenntnis und stellte dadurch bett patriotischen" Haarkräusler vollständig kalt.

Eingesandt.

Der Vorstand des Ottobades hat bekanntlich be­schlossen, seinen Mitglieder»» in einer Generalversamm­lung den Vorschlag zu unterbreiten, den größten Teil seines Barbestandes dem Roten Kreuz zu stiften. Zu diesem schönen Vorschlag des Vorstandes erlaubt sich eines der ältesten Mitglieder ben Antrag zu stellen, von der Summe wenigstens 500 M1 Mk. zu Liebes­gaben für unsere im Felde liegenden Helden zu stiften. Vor allen Dingen sollte man den braven Soldaten möglichst baldeinegroßeSendungCigarrc übermitteln. Wer gern eine Cigarre raucht, der wc was der entbehrt, dem diese fehlen. Im Fahre 1' sind sogar Hersfelder Herren ins Feld gereift, um Soldaten Liebesgaben zu bringen. r