hersselder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld
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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 302
Sonnabend, den 39. August
1914.
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.
Beitellungen
auf das
Bersfelder Tageblatt
werben für den
Monat September
von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Die amtlichen Verlustlisten sind von Nr. 1 ab von heute an regelmäßig sofort nach Erscheinen in der Geschäftsstelle unseres Blattes zu haben.
Bus der Heimat»
* (Lebensversicherungspolicen nachsehen!) Den Frauen und sonstigen Angehörigen der Kriegsteilnehmer empfehlen wir dringend, die Lebensversicherungspolicen daraufhin nachzusehen, ob die Kriegsgefahr mit eingeschlossen ist. Bei verschiedenen Gesellschaften ist diese mit einbegriffen. Wo dies nicht der Fall ist, wolle man die Kriegsversicherung gegen eine verhältnismäßig geringe Nach- prämie schleunigst beantragen, damit die versicherte Summe auf jeden Fall bestehen bleibt. Wo die Kriegsversicherung nicht mit übernommen ist, wird vorkommenden Falls nur ein kleiner Betrag ausgezahlt.
* (Merkblatt für die Presse.) Die allgemeine Begeisterung und Einmütigkeit des deutschen Volkes bringt es mit sich, daß überall mit lebhaftem Interesse die Kriegsereignisse verfolgt werden. Der Wunsch des großen Publikums nach brauchbaren Karten ist daher begreiflich. Trotzdem liegt es im Interesse unserer Heeresverwaltung, wenn Karten im Maßstabe bis zu 1: 500 000 nicht dem Vertriebe übergeben werden und daß nur solche Karten in den Maßstäben von 1: 500 000 bis 1: 1000 000 vertrieben werden, welche keine die Interessen der Landesverteidigung des deutschen bezw. österreichisch-ungarischen Reiches beeinträchtigenden Angaben enthalten, wie z. B. Befestigungsanlagen, Luftschiffhallen, stark hervortretende Eisenbahnlinien. Diejenigen Patrioten, welche sich bereits im Besitz von vorstehend erwähnten und ähnlichen Karten befinden, werden gebeten, dieses Material recht sorgfältig vor Diebstahl durch Spione zu schützen. Karten noch kleinerer Maßstäbe z. B. 1: 1 250 000 und 1: 2000 000 können ohne Bedenken überlassen werden. Sollten bei einigen Firmen Zweifel entstehen über die Zulässigkeit des Vertriebes einer Karte, so wird gebeten, ein Probeexemplar an die Kartographische Abteilung des stellvertretenden Großen Generalstabes in Berlin, Moltkestraße 8, zur Prüfung einzusenden. Auch muß im Interesse des Vaterlandes vor der gleichzeitigen Abgabe einer größeren Menge von Karten an eine einzelne Person gewarnt werden.
* Beim Pionierbataillon Nr. 11 in Hann.- Münden können Kriegsfreiwillige sofort eintreten. Anmeldungen, am besten vormittags, werden in der Pionierkaserne entgegengenommen, wo auch die ärztliche Untersuchung auf Brauchbarkeit erfolgt.
§ Hersfeld, 28. Juli. (Stiftung.) Der Vorstand der Allgemeinen Ortskrankenkasse für die Landgemeinden des Kreises Hersfeld hat in seiner Sitzung vom 27. ö. Mts. für die im Feld stehenden Krieger 500 Mark bewilligt und den Betrag dem Roten Kreuz zur Verfügung gestellt. Eine von dem Vorsitzenden unter den Vorstandsmitgliedern angeregte Sammlung für das Rote Kreuz ergab den Betrag von 20,40 Mark.
):( Hersfeld, 28. August. (Rotes Kreu z.) Um irrtümliche Auffassungen zu beseitigen, wird hiermit
ausdrücklich erklärt, daß der Vaterländische Frauen- verein zu Hersfeld, und der Männer Verein vom Roten Kreuz zu Hersfeld sich als Zweigverein der einen großen Organisation vom Roten Kreuz in Deutschland vom Beginn der Mobilmachung an zur Erfüllung der gemeinsamen Aufgaben zusammengeschloffen haben und während des Krieges den Namen: Zweigverein vom Roten Kreuz zu Hersfeld führen. Alle Zuwendungen, Geldspenden wie Liebesgaben bitten wir zu bestimmen für den: Zweigverein vorn Roten Kreuz zu Hersfeld.
):( Hersfeld, 28. August. Auf die im amtlichen Teilder heutigen Nummer abgedruckte Bekanntmachung betr. Mu ste r ung und Aus Hebung der u n = ausgebildeten Land stürm Pflichtigen sei noch ganz besonders aufmerksam gemacht.
§ Hersfeld, 28. August. Eine besondere Ueber- raschung wurde heute hier einigen Familien dadurch zuteil, daß ihnen vom westlichen Kriegsschauplatze mittels Extrapost ein Lebenszeichen vom Ehegatten oder Sohn überbracht wurde. Bei zwei in Lüttich wohnhaften belgischen Damen kamen einige Hersfelder Krieger in Quartier und fanden zu ihrer Freude ein deutsches Mädchen aus Berlin als Dienstmädchen vor. Bei Abreise des Mädchens nach ihrer Heimat benutzten die Hersfelder diese Gelegenheit und Übergaben ihr an die Angehörigen adressierte Briefe, welche das Mädchen heute, nachdem es zu diesem Zweck ihre schon seit Sonnabend dauernde Fahrt unterbrochen, prompt erledigt hat.
§ Hersfeld, 28. August. Bekanntmachung. Alle Anerbietungen von Vereinen wie einzelnen Privaten, betreffend die Bereitstellung von Vereinslazaretten, Privatpflegestätten, Genesungsheimen usw. bitte ich unter Angabe der etwa beanspruchten Vergütungen für Einrichtung, Unterhaltung, Betrieb usw. an den zuständigen Territorialdelegierten der freiwilligen Krankenpflege — in Preußen die Oberpräst- denten, für Berlin der Polizeipräsident — zu richten. Nur diese Stellen, die in unmittelbarer Verbindung mit den stellvertretenden Generalkommandos stehen, sind in der Lage, zuverlässige Auskunft über den jeweiligen Bedarf an Lazaretten, Vergütungen usw. zu geben. Es ist nicht ratsam, die Errichtung von Privat- lazaretten usw. in Angriff zu nehmen, bevor diese unumgänglich notwendigen Feststellungen und Vereinbarungen getroffen sind. Berlin. Stellvertretender Kommissar und Militär-Inspekteur der freiwilligen Krankenpflege, gez. Fürst von Hatzfeldt, Herzog zu Trachenberg.
Mecklar, 27. August. (Eingesand t.) Sehr notwendig erscheint eine bessere Aufsicht über das Obst an den Landstraßen. Nicht nur Schulkinder klettern auf die Bäume und schütteln das unreife Obst herab, auch Burschen und Männer schämen sich dessen uicht. Jm Interesse des Obstbaues überhaupt wäre eine strenge Aufsicht, besonders am Sonntag und strenge Bestrafung der Schuldigen nötig. Das Obst an den Straßen wird, so lange es noch nicht verkauft, ist als völlig herrenloses Gut angesehen. Und nicht nur an den Straßen wird das Obst gestohlen. Der Obstbau wird im Kreise Hersfeld nur dann vorwärts kommen, wenn von Kreis- und Gemeindebehörden dem Obstdiebstahl eine ganz andere Betrachtung geschenkt, wird als bisher. Wie nötig würde das Obst im kommenden Winter sein. Das Obst an den Straßen ist völlig wertlos weil es von den Käufern in völlig unreifenen Zustande geerntet werden muß, wenn sie überhaupt etwas ernten wollen. Darum: bessere Aufsicht für die Landstraße und strenge Strafen den Obstdieben. In jeden Sommer müßten durch die Zeitungen und Ortsbehörden hohe Strafen augedroht und jedermann zur Mitaufsicht aufgefordert werden.
Gaffel, 26. August. In der unteren Königsstraße hatte gestern abend ein Lehrling das Unglück, auf dem Bordsteine des Bürgersteiges auszurutschen und so unglücklich zu fallen, daß die Brille zerbrach und er sich Glassplitter oberhalb des Auges in den Kopf stieß. Hilfsbereite Personen nahmen sich des Verletzten an.
Cassel, 27. August. (Folgen der Unvorsichtigkeit.) Eine ältere Frau in der Obervellmarer Straße hatte versucht, das Küchenherdfeuer mit Petroleum anzu- fachen. Die Flamme schlug aber zurück und erfaßte die Kleider der Frau, welche schwere Brandwunden davontrug. — Ein schamloser Diebstahl'. In einer hiesigen Konditorei wurde dieser Tage eine Sammelbüchse zu Zwecken des Roten Kreuzes von ruchloser Hand entwendet.
Niederzwehren, 25. August. Die hiesige Gemeindevertretung hat beschlossen, alle im Heere befindlichen Unteroffiziere und Mannschaften die mit einem Einkommen von nicht mehr als 3000 Mark veranlagt sind, bis zu ihrer Rückkehr in die Heimat von der Ge- meinöeeinkommensteuer zu befreien. Ferner fand der
Antrag des Gemeindevorstandes, auf Bereitstellung von Mitteln zur Unterstützung von Familien der in den Dienst eingetretenen Mannschaften eine außerordentlich günstige Beurteilung. Es soll dieser Frage eine hervorragende Aufmerksam keitzugewendet werden. Ziffermäßig soll die erforderliche Summe später sest- gelegt werden, sobald der Umfang des Bedürfnisses ermittelt worden ist.
Eiershausen, 28. August. Die Familie Ludwig Baum, der Mann ist Schafhirt, wurde vom Schicksal arg heimgesucht. Von den zwei Söhnen steht der ältere vor dem Feinde in Frankreich und der einige Jahre jüngere wurde gestern auf dem Felde bei den Schafen vom Blitz erschlagen. — Das Gewitter, das über unsere Gegend zog, war ein sehr schweres und hat außer obigem Falle vielfach Schaden angerichtet.
Glattbach, 26. August. Beim Kirschenpflücken stürzte der Landwirt Wilhelm Kirchner vom Baume und zog sich einen Arm- und Beinbruch zu. Da dies binnen kurzer Zeit der zweite Unfall in hiesiger Gegend ist, muß dringend zur Vorsicht beim Ostpflücken gemahnt werden.
Coburg, 25. August. Im benachbarten Waldsachsen wurden beim Stöckervden durch eine emporschuellende Spannstange der 69 jährigen Landwirt Joh. Mechtold getroffen. Er erlitt dabei so schwere Verletzungen, daß er bald darauf starb.
Roßla, 25. August. Sonntag verunglückte ein junges Mädchen aus dem hiesigen Bahnhof. Sie kam mit dem Zuge von Halle und hatte die Wagentür vorzeitig geöffnet, um schnell aussteigen zu können. Dabei fiel sie aus der offenen Wagentür und geriet mit den Beinen unter die Räder. Nachdem sie in das Krankenhaus Marienstift gebracht war, verstarb sie.
Barchfeld Kreis Schmalkalden, 25. August. Im benachbarten Bad Ltebenstetn sind 20 Königsberger Familien eingetroffen, um die Entwickelung der Dinge dort abzuwarten.
Frankfurt, 24. August. Ein Opfer des Krieges wurde der 19jährige Goldarbeiter Loch von Oberstetn. Er war in Paris beschäftigt und wurde dort ausgewiesen. Zu den müysehligen Strapazen wurde er noch an der Grenze mißhandelt. Der Mann traf in sehr bedenklichem Zustande hier ein und ist jetzt seinen Verletzungen erlegen.
Ein Brief von der „Goeben"
den ein Magdeburger nach Hause schrieb, gibt ein Bild der trefflichen Stimmung, die die Besatzung beseelt. In dem Brief heißt es: „Die innigsten Grüße vorn kriegsmäßigen Kohlen sendet Euer treuer Hans. Gestern früh 4 Uhr haben wir einen Streich geliefert. Wir haben eine französische Stadt in Brand geschossen. Das war ein Hauptspaß. Denen mag das Kaffeetrinken auch vergangen sein. Als wir danach wieder zurückpirschten, verfolgten uns zwei große englische Linienschiffskreuzer. Aber die konnten ja nicht mit uns mit. Wir haben denen telegraphiert, ob wir sie ins Schlepptau nehmen sollen, ste kämen ja sonst nicht vorwärts. . . Nun haben wir drei Großmächte auf dem Halse, aber, so Gott will, schlagen wir sie alle aufs Hanpt. Hier an Bord gibt es jetzt keinen Unterschied mehr, alle, ob Offiziere, Unteroffiziere oder Matrosen, arbeiten wir fieberhaft. Freilich strengt das furchtbar an, wenn man schon vier Nächte nicht geschlafen hat und immer wie ein Stier gearbeitet, aber es gilt ja Deutschlands Ruhm und Ehre und unser Leben ... So Gott will, sehen wir uns gesund und munter wieder." — Solange es der Besatzung der „Goeben" nicht an Humor fehlt, sich mit den sie verfolgenden Engländern solche Scherze au erlauben, wird sie auch frisch und fröhlich weiter ihren Mann stehen. Und sie wird es sicher nicht an sich fehlen lassen.
38r dar Bote Kreuz:
Bei der Kreiskommunalkasse hier gingen ferner ein für das „Rote Kreuz":
von der Gemeinde Dünkelrode.....M. 15.25
„ Adam und Johannes Schade in Heencs „ 10.— „ Rentner Carl Bürger in Hersfeld . . „ 10.— „ Kreisassistent Hermann Wolff in Hersfeld „ 10.— „ der Gemeinde Reilos.......„ 363.—
„ den Beamten, Arbeitern und dem gesamten
Dienstpersonal im Gutsbezirk Eichhof „ 30.-
Wetteranssrchten für Sonnabend den 29. Augnst.
Wolkig, bis heiter, trocken, tags wärmer, nördliche Winde.