Hers seid er Tageblatt
für den Kreis Hersfeld
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- e <*. zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei 5)Cl5l tlOv l Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage”
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
—»i.^———————»—————————»——————»— ii-«'—-——-——--—>—-——-»-——»»—-*—»*——-»——»»''»»»»-—»—»»'''—>»—*—»'»»»
Nr. 201. Freitag, den 28, August 1914.
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.
Beiteilungen
auf das
Bersfelder Tageblatt
werden für den
Monat September
von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Bus der Heimat.
* (VomBartholomäustag.) Gestern hatten mir den Bartholomäustag, der gleichzeitig den Hundstagen ein Ziel setzen und der Ernte ein Ende bereiten soll. Beides stimmt diesmal nicht- denn es herrscht gegenwärtig noch eine rechte Hundstagshitze, und die Ernte ist noch flott im Gange. Auf den Feldern draußen sind die Landleute im glühenden Sonnenbrände hauptsächlich damit beschäftigt, die Haferfelder zu säubern. Besonders sind es ältere Männer sowie Frauen und Kinder, die hier eifrig tätig sind. Die Burschen und jüngeren Männer fehlen diesmal bei der Erntearbeit: sie säubern das Feld vom Feinde, der im Begriff steht, das deutsche Land zu zertreten.
* (FürVereins Mitglieder.) Allenthalben hört man, daß große Prozentsätze sich beim Militär oder dem roten Kreuze freiwillig Meldender infolge Ueberzähligkeit oder Untauglichkeit abgewiesen werden müssen. Im allgemeinen sind diejenigen dann geneigt anzunehmen, es gäbe nun keine Möglichkeit mehr, sich nützlich zu machen, da das Stiften größerer Geldbeträge in der Hauptsache nur dem wohlhabenden Teile unserer Bevölkerung möglich ist. Zweck dieser Zeilen ist, darauf hinzuweisen, daß es jetzt beinahe für jeden irgendeine Art der Betätigung im Interesse des Vaterlandes gibt. Es sei nur erwähnt, daß die meisten Bürger oft Mitglied mehrerer Vereine sind. Diese Vereine können Sammlungen der verschiedensten Art vornehmen, zu welchen sie der Unterstützung und tatkräftigen Hilfe ihrer Mitglieder bedürfen. Im eigenen Haushalte, im Freundes-, Verwandten- oder Bekanntenkreise wird sich mancher entbehrliche Gegenstand auftreiben lassen, welcher sich irgendwie nützlich verwerten läßt. Jeder Verein sollte es sich deshalb zur Ehrenpflicht machen, etwas zu unternehmen, zu veranstalten oder zu sammeln. Es ist zu bedenken, daß unter Umständen die Not der zu Hause Zurückgebliebenen Familienmitglieder, da diese nicht so sehr an die Oeffentlichkeit gelangt, größer ist als man ahnt und dringender Fürsorge bedarf.
* (Für 120 Million e n Mar k D a rl ehn s - kassenscheine im Um lauf.) Man schreibt: Der Mangel an Zahlungsmitteln in kleinen Beträgen ist durch die Ausgabe der Darlehnskassenscheine im Werte von 5 Mk. erheblich vermindert worden. Gegen- wärtig hat die Reichsbank für rund 120 Millionen Mark Darlehnskassenscheine ausgegeben. Dieser Betrag wird in nächster Zeit noch eine erhebliche Steigerung erfahren, nachdem inzwischen die ersten Schwierigkeiten,, die sich der Tätigkeit der Darlehns- kassen entgegenstellten, überwunden sind. Inzwischen ist auch der Mangel an Silbergeld, besonders in den Großstädten etwas zurückgegangen. Es hat dies vor allem seinen Grund in der andauernden Ausprägung von Silbermünzen in allen deutschen Münzstätten. Gegenwärtig werden nur Einmarkstücke und Halb- markstücke geprägt, um der besonders starken Nachfrage nach kleinen Zahlungsmitteln zu genügen. Beim Ausbruch des Krieges verfügte die Reichsbank über Zahlungsmittel, und zwar Noten und Hartgeld zu- lammen, im Betrage von 7 Milliarden Mark. Dieser außergewöhnliche hohe Betrag hätte unzweifelhaft ausgereicht, um jeden Bedarf an Umlaufsmitteln zu decken, wenn nicht die zwecklose Ansammlung von Vartgeld in weit höherem Umfang stattgefunden hätte, als man anzunehmen berechtigt war.
* (So ist es recht.) Der Bahnhofkommandant von Halle a. S. gibt folgendes bekannt: „Die hier durchkommenden gefangenen Offiziere erhalten in einer Mannschaftsbaracke als Verpflegung die gewöhn- lrche Mannschaftskost, kräftig und schmackhaft zubereitet. Dazu gibt es Leitungswasser. Die Kost wird
nur durch Männer verabfolgt. Streng verboten ist es, an die Gefangenen Liebesgaben irgendwelcher Art zu verabfolgen. Gegen ein würdeloses Verhalten einzelner Personen gegenüber den Gefangenen, sei es wer es sei, wird rücksichtslos und energisch eingeschritten und ein solches Benehmeu streng geahndet!"
):( Hersfeld, 27. August. iHandlungsgehi lfen - recht im Kriege.) Obgleich wiederholt darauf in den Tageszeitungen hingewiesen wurde, daß der Krieg nicht das geringste an den Bestimmungen des Handelsgesetzbuches über das Dienstrecht der kaufmännischen Angestellten ändert, mehren sich die Klagen der Handlungsgehilfen über fristlose Entlassung ohne Fortzahlung des Gehaltes. Es hat sich gezeigt, daß derartige Entlassungen ohne zwingende Not auch von solchen Prinzipalen vorgenommen wurden, die ihren Betrieb fortführen. Der Deutschnationale Handlungs- gehilfen-Verband bittet uns, im öffentlichen Interesse darauf hinzuweisen, daß eine Betriebseinschränkung an sich kein wichtiger Grund zur fristlosen Entlassung ist. Der Handlungsgehilfe hat Anspruch auf June- haltung der gesetzlichen oder vertraglich vereinbarten Kündigungsfrist. Die Handlungsgehilfen tun daher gut, sich auf jeden Fall ihre Rechtsansprüche vorzu- behalten und diese, wenn keine Einigung erzielt werden kann, vor Gericht geltend zu machen. Die Rechtsschutzabteilung des genannten Verbandes steht jedem Handlungsgehilfen ohne Rücksicht auf seine Verbandszugehörigkeit gern mit Rat zur Seite.
8 Hersfeld, 27. August. sAuch ein Zeichen patriotischer Gesinnung.) Der Beamten- verein bewilligte in einer am Mittwoch abend abgehaltenen Vorstandssitzung aus der Vereinskasse 100 Mk. für bedürftige Familien, deren Ernährer für den Ruhm und die Ehre Deutschlands kämpfen. Zur Nachahmung empfohlen.
):( Hersfeld, 27. August. sN a m u r gefallen, Longwy genommen und starke Streitkräfte zurückgeschlagen.) Diese neue Siegesbotschaft konnten wir gestern Abend durch Extrablatt mitteilen. Gegen 8»a Uhr empfingen wir die Nachricht vom Wolff-Büro und schon vorher wartete eine große Menschenanzahl vor unseren Geschäftsräumen ungeduldig auf eine Nachricht von den Kriegsschauplätzen. Nachdem wir ihnen die eingetroffene Botschaft zunächst kurz mündlich mitteilen konnten, brach die Menge in einen Freudenjubel aus, der sich kaum beschreiben läßt. Hurras auf den Kaiser und das tapfere Heer wechselten ab und Vaterlandslieder wurden gesungen. — Unser Geschäftszimmer wurde wegen Aushändigung von Extrablättern förmlich gestürmt, bis wir endlich die Volksmenge durch die, auch aus den Fenstern der Druckerei verabreichten Extrablätter befriedigt hatten. Die Menge zog dann unter weiteren Absingen von Vaterlandsliedern ab nach dem Marktplatz. Dorten fanden sich unter dem festlichen Geläute der hiesigen Kirchenglocken Tausende zusammen. Begeisterte Ansprachen wurden gehalten, Kaiser und Heer gefeiert und neben anderen patriotischen Gesängen auch das Lied „Eine feste Burg ist unser Gott" angestimmt. Vom Marktplatz zog die von Siegesjubel durchdrungene Menge nach dem Kriegerdenkmal, woselbst nach Absingen der Nationalhymne zwei kurze Ansprachen gehalten wurden. Danach fand mit Fackelbegleitung ein Durchzug der Mengen durch die Straßen statt, woran sich auch die hier im Quartier liegenden Landsturmmannschaften in einer großen Anzahl und mit großer Begeisterung beteiligten. Erst zu Mitternacht trat Ruhe ein und der Freudenjubel verstummte. — Die große Freude an solchen glücklichen Siegesnachrichten ist begreiflich, und es kann das in diesem aufgedrungenen Kriege so einmütige deutsche Volk auf die treue Heeresführung und das tapfere Heer stolz sein nnü auch für deren Segnungen Gott dem Allmächtigen nicht genug danken. — Von allen wichtigen Ereignissen auf den Kriegsschauplätzen werden wir bemüht sein auch in Zukunft sofort durch Extrablätter Kenntnis zu geben, wir müssen aber Nichtabonnenten unseres Blattes bitten, für jedes Extrablatt 10 Pfg. zu zahlen, welchen Betrag wir zur Verwendung für bedürftige Angehörige der ins Feld gezogenen Krieger hiesiger Stadt bestimmt haben.
):( Hersfeld, 27. August. Dem heutigen Vieh- markt waren nur 29 Stück Rindvieh und 128 Stück Schweine zugetrieben. Der Handel war wie bei dem letzten Markt infolge des Krieges sehr flau. Der nächste Markt findet am 9. September statt.
-n- Scheuklengsfeld, 25. August. Am Sonntag, den 23. d. M. wurde in der hiesigen Gemeinde mit der Hauskollekte für das „Rote Kreuz" begonnen, deren Ergebnis bis jetzt recht befriedigend ist. Die in der israelitischen Gemeinde bestehenden Wohltätigkeitsvereine haben außerdem einen namhaften Betrag zu gleichem Zwecke gespendet. Es wurde dem
„Roten Kreuz" bereits übergeben: a. von dem israel. Männerverein Gemiluth-Chasodim 100 Mk., b. von dem Männerverein Chewrath Bachurim 100 Mk., c. von dem israel. Frauenverein 100 Mk. Für bedürftige hiesige Familien ohne Unterschied der Konfession, deren Ernährer in den Krieg gezogen sind, bewilligte der Männerverein Chewrath Bachurim außerdem noch 200 Mk., die dem Gemeinderat zur Verfügung gestellt werden.
§ Meckbach, 27. August. Aus hiesiger Gemeinde sind 291 Mk. für das rote Krenz und zur Verpflegung von Verwundeten und Unterstützung von deren Angehörigen gespendet worden. Der Gesangverein spendete 50 Mk., der Arbeiterverein 60 Mk.
Niederhone, 26. August. Durch Bahnhof Niederhone fuhr heute mittag ein Wagen mit zwei eroberten französischen Geschützen. Das ist wohl die erste Siegesbeute, die von der Westgrenze den Weg ins Innere genommen hat. Herr Hofphotograph Tellgmann in Eschwege hat sie auf die Platte gebannt.
Arbeitet!
Man muß es immer wieder sagen, zu jedem der uns fragt, was er tun soll: Gehe hin und arbeite! Nichts ist uns eben so nötig als jede Art von Arbeit. Die Millionen kräftige Arme und denkende Köpfe, die unserer Volkswirtschaft eben entzogen sind, können gewiß nicht ersetzt werden. Der Ausfall ihrer Arbeit ist ein Schaden den unsere Volkswirtschaft als notwendiges Kriegsübel hinnehmen muß. Aber nun macht den Schaden nicht noch größer, als er zu sein braucht. Tue jeder an seinem Teil, soviel als er nur kann, um die große Lücke in unserer nationalen Arbeit wenigstens zu verringern.
Unser Volk war schon immer fleißig. Trotzdem wenn Not an Mann geht, ist wohl kaum einer, der nicht auch noch etwas mehr arbeiten könnte, als er dies im Frieden tat. Nehme jeder zu seiner bisherigen Arbeitslast noch ein Stückchen andere Arbeit hinzu. Wo es irgend möglich ist, müßte die fleißige Maschinerie unserer gesamten Volkswirtschaft im Gang erhalten werden.
Merken wir es uns alle: Müßiggang ist schon immer eine Sünde gewesen,- ist es aber jetzt in der Not doppelt und dreifach. Glaube niemand, daß irgend eine Berufstätigkeit jetzt weniger wert wäre, weil sie vielleicht nicht direkt mit dem Kriege znsammenhängt. Jede tüchtige Arbeit kommt auch unserer Kriegsleitung so oder so zu gute. Denn jede Arbeit bedeutet Kraft, hilft uns aushalten und betrügt die Feinde, die da hoffen uns lahm zu legen sowie auszuhungern. Es darf kein Feld unbestellt bleiben in diesen ernsten Monaten,- es darf aber auch keine Werkstatt leer stehen und keine Maschine einrosten, wenn nur irgend eine Möglichkeit besteht, sie in Gang zu halten. Wo einer auch unter den erschwerten Umständen jetzt seine alltägliche Arbeit treulich fortsetzt, da hilft er das Blut im Volkskörper in Zirkulation zu erhalten,- da hilft er die Nation widerstandsfähiger machen gegenüber allen Angriffen und tückischen Berechnungen unser Feinde.
Dr. Strecker, Bad Nauheim.
Verzeichnis
der bei bet L. Pfeiffer, Depositenkasse Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nachstehend dankend quittiert wird:
Für den Vaterländischen Frauenverein:
von Ungenannt...........M. 10.—
„ Herrn Gg. Sauer, Färbereibesitzer hier „ 20.—
Bestand „ 3644.98 heutiger Bestand M. 3674.98
Für das Rote Kreuz: von Ungenannt...........M 10 — „' 20.— „ 612.85 „ 856.50 „ 142.50 „ 100— „ 91— „ 8— „ 20— „ 20— „10— 917735(7 8 5
„ Gemeinde Schenklengsfeld.....
„ „ Malkomes.......
„ „ Wehrhausen......
„ „ Landershausen.....
„ „ Conrode .......
„ „ Lampertsfeld......
„ Herrn Gg. Sauer, Färbereibesitzer hier „ „ Walter Braun.......
„ „ Georg Mohr.......
Bestand „ 3851.35 heutiger Bestand M. 5241.70