Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^A^ für den Kreis Hersfeld Melier Sreisölott
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 199. Mittwoch, den 2«. August " 1914.
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.
us der Heimat.
* (VerbotderPreistreibereien.) Gegen die unwürdigen Preistreibereien im Handel mit Lebensmitteln hat der Minister für Handel und Gewerbe eine Bekanntmachung erlassen, die im Interesse der ruhigen Stetigkeit unsrer Volksernährung ebenso dankenswert wie notwendig ist. Dieser Erlaß lautet: Vielfach wird darüber geklagt, daß die Preise für Lebensmittel auch im Großhandel unangemessen erhöht worden seien. Solche Preistreibereien waren schon verwerflich, als sie in der ersten Bestürzung über die unvermeidlichen Verkehrsbeschränkungen erfolgten, sie nötigen zu scharfen Gegenmaßregeln, falls sie jetzt angesichts der Verkehrserleichterungen und des Standes der Ernte fortgesetzt werden. Um den Kleinhandel und die Verbraucher vor Ueberteuerung zu schützen, werden da, wo es nötig sein sollte, Höchstpreise für den Großhandel festgesetzt werden. Nach dem Gesetze kann alsdann die Behörde die Vorräte übernehmen und zu den festgesetzten Höchstpreisen auf Rechnung und Kosten des Besitzers verkaufen, wenn dieser sich weigert, zu den Höchstpreisen zu verkaufen. Bei der Festsetzung von Höchstpreisen wird die normale Marktlage maßgebend sein und auf vorangegangene Preistreibereien keine Rücksicht genommen werden.
* (Die Zukunft der Angestellten und Arbeiter.) Ueber die WeiteEeschäftigung von Angestellten und Arbeitern nach der Mobilmachung hat der Minister für Handel und Gewerbe einen besonderen Erlaß herausgegeben. In diesem weist er darauf hin, daß manche Gewerbezweige, insbesondere solche, welche von Ein- und Ausfuhr abhängig sind, unter allen Umständen durch einen Krieg nach kürzerer oder längerer Zeit mehr oder weniger stillgelegt werden. Trotzdem der richtigen Verteilung der Arbeitskräfte seitens aller beteiligten Behörden die größte Aufmerksamkeit zugewendet wird, wird es zunächst nur in beschränktem Maße möglich sein, solche gewerblichen Arbeitskräfte, die an einem Orte arbeitslos werden, in offenen Arbeitsplätzen anderswo unterzubringen. Daher erfordert es das nationale Interesse in besonderem Maße, daß Entlassungen von Arbeitern und Angestellten in den ersten Wochen nach der Mobilmachung nach Möglichkeit vermieden werden. Der Minister hebt hervor, daß er das feste Vertrauen zu der bewährten Vaterlandsliebe von Handel, Gewerbe und Industrie hegt, daß die beteiligten Arbeitgeber alles, was in ihren Kräften steht, tun werden, die Weiterbeschäftigung ihrer Angestellten und Arbeiter zu ermöglichen. Die Handesvertretungen werden ersucht, mit allen 'ihnen zu Gebote stehenden Mitteln dahin zu wirken, daß das bezeichnete Ziel erreicht wird.
* JnJägerkreisen bestehen vielfach Zweifel, wie es in den heutigen Kriegszeiten mit der Ausübung der Jagd zu halten sei. Dazu ist zu sagen, daß der Ausübung der Jägerei auch jetzt nichts im Wege steht. Im Gegenteil, es kann nur erwünscht sein, wenn auch die Jagd dazu beiträgt, die sonstigen Nahrungsmittel zu ergänzen. Je mehr Wild der Jagdsport jetzt auf den Markt bringt, um so besser ist es, unmittel- oder mittelbar für die Volkser- nährung.
* (Gericht! icheTerminenicht versäumen.) Für zu den Fahnen einberufene Personen, welche Ladungen zu gerichtlichen Terminen zugestellt sind, empfiehlt es sich, nicht einfach zu den Terminen nicht zu erscheinen, sondern die Gerichte den Grund ihres Nichtkommens wissen zu lassen. Amtlich ist den Gerichten von den Einberufungen nichts bekannt. Fehlt jemand unentschuldigt, so hat er die Rechtsfolgen zu tragen, und wenn auch im allgemeinen später auf Antrag diese wob! aufgehoben werden, so erwachsen den Beteiligten doch aus den Urteilen Scherereien, die sie sich ersparen können.
* (Achtung vor japanischen Spionen!) Es gibt in der ganzen Welt kein gerisseneren Spion, als den Japaner. Die Hallunken, die sich als Studenten in deutschen Landen nie mehr blicken lassen dürfen, haben die Vertrauensseligkeit ihrer deutschen Wohltäter in schamlosester Weise mißbraucht und sich hier als Freunde Deutschlands ausgegeben, während sie von der Absicht des schändlichen Beutezeuges ihrer Regierung schon wußten. Die gelben Teufel haben sich heimlich weggestohlen und in Sicherheit gebracht. Die Personen aber, mit denen sie in Berlin und anderen deutschen Universitätsstädten intim verkehrten, müßen jetzt noch aufs schärfste bewacht werden.
* (Bewahrt Feldpo st briefe auf!) Alle Angehörigen unserer im Felde stehenden Krieger
werden aufmerksam gemacht, Briefe und Postkarten sorgfältigst aufzubewahren, da sie für später einen kostbaren Beleg zur Erinnerung an die ruhmreichen Tage bilden. Ihr Verlust wäre im hohen Grade beklagenswert.
8 Hersfeld,25. August. (Freiwillige gesucht.) Bei dem Ersatzbataillon des Referve-Jnfanterie- Regiments Nr. 80 können bis auf weiteres dauernd Kriegsfreiwillige eingestellt werden. Meldungen sind täglich 7 Uhr vormittags auf Stube Nr. 29 des Kasernements, Blücherschule-Wiesbaden, unter Vorzeigung des Passes oder Meldescheines anzubringen. Marschgebühren werden vergütet.
§ Hersfeld, 25. August. Mit Gültigkeit vom 22, August 1914 tritt aus Anlaß des Kriegsausbruchs zur gleichmäßigeren Versorgung Deutschlands mit Brotgetreide und Kartoffeln ein Ausnahmetarif a) für Roggen und Weizen, b) für Kartoffeln, frisch, gedörrt oder getrocknet, zunächst für die Strecken der preußisch-hessischen badischen, bayerischen, mecklenburgischen, oldenburgischen, sächsischen und württem- bergischen Staatsbahnen, der Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen (einschließlich der Wilhelm-Luxem burg-Eisenbahn), der Militäreisenbahn sowie der Cronberger, Farge-Vegesacker-Eisenbahn, der Kerkerbachbahn und Kreis Oldenburger Eisenbahn inkraft. Er ermäßigt die Fracht für das Brotgetreide auf Entfernungen über 400 Klm. für Kartoffeln auf Entfernungen über 150 Klm. indem an den normalen Satz für jedes Tonnenkilometer der Mehrentfernung 1 Pf. angestoßen ist. Nähere Auskuft erteilen die Güterabfertigungen unseres Bezirks.
):( Hersfeld, 25. August. Am vergangenen Sonntag feierte Herr Rentner Carl Zickendraht und Frau Gemahlin hier das seltene Fest der goldenen Hochzeit.
Hofgeismar, 23. August. Laut und mächtig ertönen die Glocken der Altstadt. „Was ist?" so hört man auch in der Neustadt die auf die Straße eilenden Menschen fragen. „Sieg! Sieg!, ein großer Steg!" ruft eine Stimme. Warum verkünden ihn unsere Glocken, die Glocken der Neustädter Kirche, nicht auch? Atemlos kommt der Küster gelaufen. „Wir können nicht läuten, alle Läuter sind bei der Ernte draußen im Felde. Da ruft eine Frauenstimme: „Wir haben keine Männer, ihr Mädels, wer will den Sieg einläuten!" Und schon fliegts heran, junge leichte Gestalten mit freudeblitzenden Augen. Flinke Füße springen die hohen Treppen zum Kirchturm hinan und dann tönen auch die Glocken der Neustadt, von kräftigen jungen Armen geschwungen, so voll, so mächtig, so gewaltig, wie sie noch nie geklungen.
Cassel, 24. August. (Ein guter Fang.) Ein Handwerker, der vor einigen Tagen in einer Pensionsanstalt in Wilhelmshöhe verschiedene Arbeiten aus- zuführen hatte, stahl dort aus einem verschlossenen Kleiderschrank eine Geldkassette mit Sparkassenbüchern und nahezu 2000 Mark baren Geldes. Gestern gelang es der Polizei, den Dieb in der Innenstadt 311 verhaften.
Eschwege, 24. Aug. Ein Beweis treuer Kameradschaft. Die mobilen Etappen-Kommandanturen Nr. 1 und 2 des XI. Armeekorps und Nr. 1, 2 und 8 des xix Armeekorps haben für die Hinterbliebenen des am 12. d. Mts. verstorbenen und am 15. d. Mts. beerdigten Trainsoldaten (Wehrmann) Ernst Christoph Heuckeroth aus Neurode 66 Mk. gespendet. Die Spende ist beim hiesigen Landratsamte eingegangen und wird der Witwe Heuckeroth durch den Bürgermeister in Neuerode zugestellt werden. Die Gabe der im Felde stehenden Kameraden des Verstorbenen legt beredtes Zeugnis ab für die Pflege treuer Kameradschaft in unserem Heere, auch über das Grab hinaus.
Heffisch-Lichtenau, 21. August. Die 15 Jahre alte Tochter des hiesigen Gendarmerie-Wachtmeisters A. hantierte beim Zerkleinern von Holzstücken so unglücklich mit einer scharf geschliffenen Hacke, daß sie sich die Vorderglieder zweier Finger der linken Hand abhackte.
Eichenberg, 21. August. Nicht allein würdelos, wie die „Damen" in Stuttgart, nein, rein schamlos war, wie wir in der „Gött. Ztg." lesen das Verhalten, welches zwei Frauenspersonen aus Obernjesa am 18. d. M. auf dem Bahnhöfe Eichenberg gegenüber gefangenen französischen Offizieren an den Tag gelegt haben. Ungeachtet aller Verwarnungen haben es die beiden „Damen" dennoch fertiggebracht, den gefangenen Offizieren Butterbrot, Blumen und Zigaretten zu überreichen. Das Begleitkommando, 2 Offiziere und 2 Unteroffiziere unserer braven Armee ließen sie in ihrer aus Hysterische grenzenden Aufregung vollständig unbeachtet!
Wiesbaden, 24. August. Als die große Siegesnachricht hier bekannt gemacht wurde, ließen plötzlich
auch die Glocken von St. Bonifatius ihre Freuden- stimmen vernehmen. Und wie war das Geläute so schnell zustande gekommen? Auf die Bitte des Stadtpfarrers eilten die nächsten Passanten in den Turm und so läuteten zwei Geistliche, ein Leutnant mit seinem Burschen, ein evangelisches Dtenstmäden aus der Nachbarschaft und ein israelitischer Passant die große St. Josephsglocke und es entstand ein herrliches harmonisches Geläute — die Harmonie der Begeisterung und Vaterlandsliebe.
Ein glänzendes Zeugnis des ersten Napoleon für das deutsche Volk.
Dem Briesetal-Boten ging folgendes Eingesandt zu, das weiteste Verbreitung verdient:
„In Anbetracht der Greueltaten, die in Belgien sowohl als auch in Rußland neuerdings ausgeführt sind, ist es recht bezeichnend, wie der deutsche Volkscharakter in einer ähnlichen schweren Zeit wie dieser von einem großen Menschenkenner geschildert worden ist. Der Betreffende schrieb in einem Briefe: „Urteilen Sie doch selbst, was zu befürchten ist von einem so braven, so vernünftigen, so kalten, so geduldigen Volke, das von jeder Ausschreitung so weit entfernt ist, daß kein einziger Mann während des Krieges in Deutschland ermordet wurde." Dieses glänzende Zeugnis rührt nicht etwa von Freundesseite her, nein, unser großer Feind und kein Geringerer als Napoleon 1. schüttete dieses Lob auf das musterhafte Betragen des deutschen Volkes in Kriegszeiten über uns aus in einem Briefe, den er an den Marschall Davout schrieb, der wegen des Kaisers Sicherheit in deutschen Landen besorgt war." — Weiter schreibt Einsender: Es wäre ratsam, daß dieses Zitat wette Verbreitung fände und zwar bei Freund und Feind.
Knecht Ruyprecht, der Bayer.
Die bösen Franzosen, die bleckten die Zungen Und wollten verhöhnen die deutschen Jungen. Sie kletterten über den Grenzzaun frech Und wollten ganz Elsaß nehmen weg.
Aber der deutsche Schulmeister nicht faul, Schlug sie bei Mülhausen und Lagarde aufs Maul. Und auf ihren blanken Lackstiefeletten Täten sie sich nach Frankreich retten.
Und sie rüttelten wieder an Lothringens Tür. Aber da trat Knecht R u p p r e ch t Herfür, Knecht Rupprecht mit seinem großen Sack, Voller Ruten für das Franzosenpack.
Und — hast du nicht gesehn — so drosch er drauf los Mit den deutschen Rnten auf den frechen Franzos. Knecht Rupprecht, sei bedankt, daß du darau gedacht, Undhastmitden bösenBubendeutscheWeihnachtgemacht.
H. Sch.
Verzeichnis
der bei bei L. Pfeiffer, Depositenkasse Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nachstehend dankend quittiert wird:
Für den Baterlündifchen Franenverein: von Fräulein Siebert, Rohrbach . . . . M. 20.— „ Herrn Eisenbahn-Obersekretär
Weitz, Hersfeld...... . . „ 20.— „ S. Baer & Co., Hersfeld.....„ 10.— „ Kegelklub 1908 „...... 32.65 M 8^65 Bestand „ 3411.07 heutiger Bestand M. 8493.72
von
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ff
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Für das Rote Kreur:
Fraulern Siebert, Rohrbach .... M.
„ Aenne Kniese hier . . . . „ Herrn Heinrich Steinweg hier . . . „ einer Kränzchen kaffe hier .... Firma S. Baer & Co. hier . . "
Schulkinder Niederaula..... "
Ungenannt ...... "
Männerverein Genuluth Chasodim, ' " Schenklengsfeld . . .
Männerverein Chevrath Bachurim, Schenklengsfeld . . Israelitischer Frauenverein Schenklengsfeld . Kirchengemeinde Unterhaun ‘ "
„ Oberhaun . . . . „ cv Notensee.....„ Kriegerverein Unterhaun \ \
20—
10—
10—
20—
10—
7.80
5—
100—
100—
100—
207—
84—
89—
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Bestand „ 2681.80 heutiger Bestand M. 3484 10