Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld
WlHer Wlatt
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 197.
Sonntag, den 23. August
1914.
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.
Religiöse Betrachtung.
Psalm 118, 8. 9. Es ist gut, auf den Herrn vertraun, und nicht, sich verlassen auf Menschen. Es ist gut, auf den Herrn vertraun, und nicht, sich verlassen auf Fürsten.
Der Große Kurfürst, verraten und verlassen von allen, für die er gekämpft und sich geopfert hatte, wählte diesen Spruch zur Frieöenspredigt nach dem Friedensschluß von St. Germain; und dieselbe schmerzlich bittere Erfahrung hat unser geliebter Kaiser, hat unser deutsches Volk jetzt wieder machen müssen. Wohl spricht die Welt mit einem gewissen Hohnlächeln: In der Politik gibts keine Freundschaft. Gottlob, daß man in unserm Herrscherhause diesen Grundsatz nicht zur Richtschnur genommen hat. Denn ganz gewiß gilt es auch für den Verkehr der Völker untereinander: „Ehrlich währt am längsten", und „Gerechtigkeit erhöhet ein Volk", auch die Gerechtigkeit im diplomatischen Verkehr.
Eine berechtigte, heilige Empörung hat unser Volk ergriffen. In vielen Christenherzen ertönt gewiß die bange Frage: Herr, worauf sollen wir uns denn noch verlassen, was steht denn noch fest in der Brandung des Völkermeeres? Unser Volk hat, Gott sei Dank,
des Völkermeeres? Unser Volk hat, Gott sei Dank, den Felsen gefunden, an dem alle Wogen der Untreue und Falschheit sich brechen. „Es ist gut, auf den Herrn vertrauen." Ob auch die Feinde dräuen rund um uns her, ob ihre Macht und Zahl unermeßlich ist, Gott im Himmel ist mehr denn sie. Ihm ist es ein Geringes, durch viel oder wenig zu helfen. Und sendet er keine sichtbaren Hilfsmittel, so kann er auf das Gebet seiner Gläubigen eine unüberwindliche Kraft in ihre Herzen und Hände legen. Nicht auf die Zahl, nicht auf die Kriegstüchtigkeit und Begeisterung unserer Streiter, sondern auf den bauen wir, der unsere feste Burg sein will. Unser Volk hat gut angefangen in diesem schweren Kampfe, es hat die Herzen zu Gott erhoben. Darum hat er auch bisher das Werk unsrer Hände gefördert.
Möchten wir nur nicht müde werden, immer wieder die Kriegsrüstung des Gebets anzulegen. Nicht alle können ins Feld, um an der Rettung des Vaterlandes tätig mitzuwirken. Sei nicht verzagt! Du tust nicht weniger für dein Vaterland, wenn du es auf betendem Herzen trägst und willig die Hände öffnest zu Werken der Barmherzigkeit. Laß dich durch Gottes Geist dazu anregen, dann kannst du bezeugen: Es ist gut, auf den Herrn vertrauen und sich nicht verlassen auf Menschen.
Bus der Helmute
* (Vorsicht bei ansteckenden Krankheiten.) Der Polizeipräsident erläßt folgende Bekanntmachung: Bei der gegenwärtigen außerordentlichen Steigerung des Verkehrs, namentlich durch die Truppentransporte und die Einquartierung der Truppen, ist es erforderlich, daß beim Auftreten von ansteckenden Krankheiten mit der größten Gewissenhaftigkeit nach den bestehenden Bestimmungen verfahren wird. Insbesondere ist jede Erkrankung und jeder Todesfall an Diphtherie, Genickstarre, Ruhr, Scharlach, Typhus usw., auch jeder Verdacht einer dieserKrankheiten, unverzüglich der für denAufenthalts- ort des Erkrankten oder den Sterbeort zuständigen Polizeibehörden anzuzeigen. Zur Anzeige verpflichtet ist außer dem zugezogenen Arzte an zweiter Stelle der Haushaltungsvorstand und nächst diesem jede sonst mit der Behandlung oder Pflege des Erkrankten beschäftigte Person.
):( Hersfeld, 22. Aug: Da für das hiesige Landwehrbataillon Militärgesangbücher nicht zur Verfügung stehen, so werden die Gemeindeglieder freundlichst gebeten, den Landwehrleuten zu dem am Sonntag Morgen um 8 Uhr in der Stadtkirche stattfinden- den Militärgottesöienst Gesangbücher zu borgen.
Gaffel, 21. August. Eine exemplarische Strafe wurde in gestriger Strafkammersitzung dem Gärtner Heinrich Schmidt von hier zudiktiert, der sich der schweren Körperverletzung in zwei Fällen unter Anwendung eines Messers schuldig gemacht hatte. Der Angeklagte ist wegen der verschiedensten Rohheitsdelikte schon vielfach vorbestraft, wegen Messerstecherei schon mit einer Gefängnisstrafe von 2 Jahren, außerdem auch wegen Kuppelei. Er war am Abend des 30. September v. I. ohne jeden Anlaß über zwei Arbeiter hergefallen, welche sich vor einer Wirtschaft des Grabens mit einer ihnen bekannten Frau unterhielten. Er hatte sie mit Faustschlägen und dem Messer in überaus roher Weise verarbeitet. Beide hatten Messerstiche an Kopf und Händen erlitten.
Glücklicherweise verheilten die Verletzungen bald, ohne nachteilige Folgen zu hinterlassen. Der Herr Oberstaatsanwalt bezeichnete den Angeklagten für einen ganz gefährlichen Raufbold, bet dem scharf zugegriffen werden müsse und beantragte mit Rücksicht auf die Vorstrafen auf eine Gefängnisstrafe von 3 Jahren zu erkennen. Die Strafkammer schloß sich dieser Ansicht an und verurteilte den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung in 2 Fällen dem Anträge entsprechend.
Herfa, 20. August. Einen schönen Beweis von Opferwilligkeit brächte unser Dorf. Seine kaum 200 Einwohner steuerten zur Unterstützung der Zwecke des Roten Kreuzes den ansehnlichen Betrag von 485 Mark bei.
Sondershausen, 19. August. Die Leiche eines neugeborenen Kindes ist gestern abend im Parkteiche aufgefunden worden. Sie war schon stark in Verwesung übergegangen, so daß sie bereits drei bis vier Wochen im Wasser gelegen haben muß. Die Untersuchung ist im Gange.
Zimmersrode, 20. Aug. Gastwirt Ernst hier hat seinen großen Saal während des gegenwärtigen Krieges als Htlfslazarett zur Verfügung gestellt.
Grebenau (Kr. Melsungen), 18. August. Aus unserem 140 Einwohner zählenden Dorf sind 16 Mann in den Krieg gezogen. Hierunter befinden sich allein sechs Söhne des Landwirts Aßmann, während dieser selbst sich freiwillig zur Brückenbewachung stellte.
Niedervellmar, 20. August. Am letzten Sonntag abend ereignete sich hier in der Bahnhofswirtschaft ein Unglücksfall. Im eifrigen Gespräch stieß ein Gast an die Hängelampe, die herunter fiel und explodierte. Sogleich stand die Gaststuör"1n Flammen. Während alle Gäste mit leichten Brandwunden davon kamen, wurde der Eisenbahnarbeiter Justus Damm so schwer verletzt, daß er Dienstag im Landkrankenhaus zu Cassel starb. Damm hinterläßt eine Frau und ein Kind. Am Dienstag dieser Woche wollte er seiner Einberufung zum Kriegsdienste Folge leisten.
Treysa, 16. August. Die 23 jährige Tochter des Schriftsetzers Lipfert dahier, erbat vorige Woche von ihren Eltern wiederholt die Erlaubnis, als Krankenpflegerin freiwillig in den Krieg ziehen zu dürfen. Da ihr dieselbe verweigert wurde, verließ sie das Elternhaus. Gestern nachmittag wurde das Mädchen als Leiche in der Schwalm gefunden.
Bad Sooden-Werra, 20. August. Nachdem sich die erste Unruhe wegen des Krieges gelegt hat, kehren täglich Kurgäste hierher zurück, um die unterbrochene Kur wieder aufzunehmen. Die günstige Lage des Bades, fern von den bedrohten Grenzen, trägt nicht wenig dazu bei. Die Absicht der Badeverwaltung, das Bad bis Ende September geöffnet zu halten, findet allerseits Anklang.
Soutra, 19. Angust. Ein kürzlich in der Nähe von Berneburg verhafteter verdächtiger Russe wurde heute von dem hiesigen Schöffengericht wegen Bettelns und Landstreicherei mit 3 Wochen Haft bestraft. Er soll nach Verbüßung der Strafe der Landespollzer- behörde überliefert werden. — Gestern Morgen gegen 4 Uhr brach auf dem nahen Rittergut Datterpfeiffe Feuer aus, das die noch fast neuen Oekonomiegebäude vollständig einäscherte. Ueber die Entstehung des Brandes ist noch nichts bekannt.
Eisenach, 20. August. Der hiesige Vürgerschullehrer Tappert hatte zu Beginn der diesjährigen Lwmmer- ferien eine Reise nach Rußland angetreten, um dort wohnende Verwandte zu besuchen. Bis jetzt ist T. noch nicht nach Eisenach zurückgekehrt, auch sind kernerler Nachrichten von ihm eingetroffen, sodaß angenommen wird, daß er das Los aller Deutschen in Rußland tragen muß.
Eisenach, 19. August. Bei Bosserode wurde der 19 Jahre alte Dienstknecht Karl Klaus von einem Kameraden, der mit einem Schießgewehr hantierte, versehentlich durch einen scharfen Schuß so schwer verletzt, daß der Tod bald darauf eintrat.
Fulda, 20. August. Der langjährige Leiter der hiesigen landwirtschaftlichen Winterschule, Bernhard Schoppmann, ist gestern morgen gestorben. Er erreichte ein Alter von 53 Jahren.
Deutsche Luftfahrzeuge.
Um deutsche Luftfahrzeuge von feindlichen unterscheiden zu können, wird folgendes bekannt gemacht:
1. Heppelinschiffe sind zu erkennen an ihrer langgestreckten, röhrenförmigen Gestalt und den beiden dicht unter dem Schiffsrumpf hängenden Gondeln. Die Schiffe sind mit grauem Stoff bekleidet und tragen hinten umfangreiche Steuerflächen.
2. Schütte-Lanz-Schiffe haben schlanke fischförmige Gestalt,' sie tragen hinten eine senkrechte und eine
wagerechte Steuerfläche. Von den 5 Gondeln hängen 2 oder 8 in der Mittellinie unter dem Rumpf, je eine weitere rechts und links etwas höher.
3. Parsevalschiffe haben Zigarrenform und sind bedeutend kürzer und gedrungener als die zu 1) und 2) genannten Schiffe. Sie besitzen nur eine Gondel, zu der vom Schiffskörper aus ein dicker Schlauch herabführt. Die Steuerflächen sind quadratisch, die Farbe der Hülle ist gelb.
4. Militärluftschiffe sind daran erkennbar, daß sie unterhalb des torpedoförmigen, hinten spitz auslaufenden Körpers einen Kiel haben, in dem vorn der Führerstand, weiter hinten 2 Maschinenstände sichtbar sind. Der Kiel ist mit dem Gaskörper durch Stoffbahnen so verbunden, daß die beiden Teile völlig in einander übergehen. Die Hülle ist gelb.
Die bisher in Frankreich undRußland vorhandenen Luftschiffe sind zu weitausholenden Unternehmungen nicht befähigt,' es ist daher kaum anzunehmen, daß sich feindliche Luftschiffe im Innern unseres Landes zeigen werden.
5. Flugzeuge. Deutsche Flugzeuge sind daran erkennbar, daß sie an der oberen und unteren Seite jeder Tragfläche sowie zu beiden Seiten des Seiten- steuers mit einem über die ganze Breite der Fläche gehenden schwarzen Kreuz in Form des „eisernen Kreuzes" versehen sind. Bei Flügen werden sich die Fahrzeuge so niedrig halten, daß die vorstehend beschriebene Kennzeichnung von unten her erkannt werden kann. Bei Dunkelheit werden keine Flüge ausgeführt.
Durch die Lupe.
(Ein Stückchen Tagesgeschichte in Versen.)
Nun stieg mit mächt'gem Flügelrauschen — der deutsche Aar zur Höhe auf, — Gewaltiges hat sich ereignet — in dieser kurzen Tage Lauf. — Von Nord bis Süd, von Ost bis Westen — entfachte sich zum Riesenbrand — der Ruf aus allen deutschen Herzen: — Ein Volk, ein Herz, ein Vaterland! — Es rief der Geist gerechter Rache — Alldeutschland auf zum Kampf und Sieg, — begeistert und voll Mut und Freude — so zog ein jeder in den Krieg. — Hier Deutschlands Jugend, fast noch Knaben, — dort reife Männer, stark und stolz, — bereit zu Deutschlands Schirm und Schutze. — Fürwahr, aus kernig festem Holz — ist solcher Schutzwall uns geschaffen. — Lieb' Vaterland, magst ruhig sein, — wo solche Truppen für dich kämpfen, — da schlägt ein Donnerwetter ein! — — Und wir, die wir zurückgeblieben, — die wir so gern an Eurer Seit' — im Kampfgetümmel bet Euch weilten, — wir wollen freudig jederzeit — den letzten Nest von unsrer Habe — für Euch hingeben, froh bewegt. — Vergeht nicht, daß daheim im Lande — ein jedes Herz für Euch nur schlägt,' — daß unser Bitten, unser glehen — nur Euch und Eurem Leben gilt! — Mag ott Euch väterlich beschützen, — die Ihr für uns zum Kampf gewillt, —mag seine Hand Euch heimwärts leiten — als stolze Sieger, unversehrt, — dann wird in unsrem ganzen Leben — uns nimmer Schöneres bescheert. Walter-Walter.
Verzeichnis der bei bei L. P f e i f f e r, Depositenkasse Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nachstehend dankend quittiert wird:
Für den Vaterländischen Frauenoereia: von Frau Johanna Krach geb. Seelig hier M. 10.—
„ Frl. Hochschneider & Glas hier. . . „ 10.— „ M. G. hier........... 100.— M. 120. — Bestand „ 3291.07 heutiger Bestand M. 3411.07
Für das Rote Kreuz: von Herrn Peter Heil...... M 15 — „ Herrn Christian Schick hier ....„' io‘— „ Frl. Hochschneider & Glas hier . . „ w.— „ Herrn R. de Haeen, Oberrode . . . „ ioo.— ---5ÜT”T3^ Bestand „ 2546.30 heutiger Bestand M. 2681.30
Bei der Krerskommnnalkaffe hier gingen für das Rote Kreuz an Liebesgaben ferner ein: von der Gemeinde Friedewald.....M. 416.80 „ „ _ „ Lautenhausen . . . . „ 300.— „ „ Firma Gebrüder Schreiber hier . „ 15.— „ „ Gemeinde Herfa.......„ 485.— „ den als überzählig gebliebenen Mannschaften der 1. Kompagnie des Landsturm-Bataillons No. 44 . . . . „ 20.— „ der Gemeinde Gersdorf...... 66.—
„ „ „ Unterneuroöe . . . . „ 90.—