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Avf Mttich folgt Brüssel.

Deutsche Truppen in -er belgischen Hauptstadt. Lüttich unter deutscher Verwaltung. Innere serbische Schwierigkeiten.

Nachdem Belgien das deutsche Anerbieten zurück­gewiesen hat, haben die Kriegsereignisse ihren Lauf ge­nommen. Die Deutschen sind von Lüttich weiter vor­gerückt und am Donnerstag in die belgische Hauptstadt einmarschiert. Die Nachrichten von den Kämpfen bei ferwez, wo unsere Kavallerie die französische fünfte avalleriedivision zurückgeschlagen hatte. und die Mel­dung von der deutschen Stegesbeute bei Tirlemont an der Strecke Lüttich-Brüssel ließen erkennen, daß der deutsche Vormarsch in Belgien immer weiter ging. Nun ist die belgische Hauptstadt im Besitze unserer Truppen. Die Deutschen stehen im Herzen Belgiens. Kühn, mutig, erfolgreich sind unsere Truppen vorwärts gegangen. Wie ganz anders ists gekommen, als es sich unsere Feinde gedacht haben! Der belgische König weilt in Ant­werpen,' er hatte die Hauptstadt verlassen, als die Deut­schen Lüttich nahmen. Wie mag ihm die Kunde von der Besetzung Brüssels durch die Deutschen in die Ohren klingen! König Albert hat nicht anders gewollt. Die Meinung über Brüssel lautete kurz:

WTB. Berlin, 21. August, 12,30 morgens. Deutsche Truppen rückten gestern in Brüssel ein.

WTB. Berlin, 21. August. Zu der Besetzung Brüs­sels durch die deutschen Truppen sagt der Lokal-An­zeiger: Da hat nun die belgische Regierung den Lohn für ihre Starrköpfigkeit, den Lohn dafür, daß sie auf Englands Befehl einem friedlichen UebereiMommen mit Deutschland ein furchtbares Blutvergießen vorzog, bei dM-HW-Uyasi^^- Bundesgenosse England keinen Fin­ger rührt, um das Unvermeidliche zu verhindern. Die Belgier haben ihren Lohn. John Bull hat den seinen zu erwarten. Eins erscheint uns sicher: Wir können uns den Luxus nicht erlauben, Lüttich in einem künftigen Kriege noch einmal mit Strömen kostbaren Blutes zu stürmen. Lüttich muß deutsch bleiben. Das wird der Wille aller Deutschen sein. In der Boss. Ztg. wird die Einnahme von Brüssel als ein Erfolg bezeichnet, der auch hochgespannte Hoffnungen übertrifft. Der mora­lische Erfolg der Einnahme von Brüssel sei gewiß nicht geringer einzuschätzen, als der kühne Handstreich, der die Festung Lüttich in unsern Besitz brächte.

Deutsch-Lüttich.

Das AmsterdamerHandelsblaöet" meldet aus Lüttich, daß dort das deutsche Militär mit großer Energie die Verwaltung in die Hände nimmt. Die Holländer werden mit besonderer Freundlichkeit behandelt, zum Beispiel von Einquartierungen befreit. Das Eisenwerk Smulders und andere Fabriken beginnen wieder zu arbeiten: die Cockerill-Werke sind in deutschen Händen und zwar unter der Leitung von Oberst Keppel, dem deutschen Kommissar der Lütticher Weltausstellung 1905. Eine Proklamation, die an den Fabriken angeschlagen ist, besagt, daß die Arbeiter während des Krieges 50 Prozent Lohnerhöhung erhalten sollen.

Innere Schwierigkeiten in Serbien?

Ein Sonderberichterstatter derMünchen-Augs- burger Abendzeitung" sendet dem Blatt ein Telegramm aus Saloniki vom 3. August, das von der italienischen Grenze aus brieflich weiterbefördert wurde. In diesem S es: Mein Versuch, am 1. August zu Pferde in der

ung Pirot-Zaribrod die serbisch-bulgarische Grenze zu überschreiten, scheiterte an den energischen Maß­nahmen des serbischen Kommandanten von Pirm, der in Erwartung eines bulgarischen Angriffs den Bahn­verkehr auf dieser Strecke eingestellt und durch Ueber- läufer Mitteilungen über die unhaltbar gewordenen Zu­stände in Serbien befürchtet hat. Das Betreten Pirots wurde mir streng verboten. In Nisch hat sich infolge Typhus-Epidemie, Verpflegungs- und Wohnungsman­gels, schwerer Ausschreitungen russischer Offiziere und neuer Konflikte zwischen Heeresleitung und Regierung die Lage äußerst kritisch zugespitzt. Der Bahnverkehr auch an der rumänisch-serbischen Grenze ist eingestellt. Auf meiner Rückkehr nach Saloniki fand ich das Bahn­geleise in der Nähe von Köprülü zerstört: Ursache schwere Kämpfe zwischen Mazedoniern und Serben, welch letztere eine Niederlage erlitten, da sie die Süd- grenze gegen Griechenland zwischen Jstip und Monastir ausgegeben und sich zurückgezogen haben. Die Zufuhr aus Griechenland ist ausgeblieben. Zu meiner höchsten Ueberraschung fand ich in Saloniki einen Stimmungs- umschwung gegen Serbien, wohl die Folge des Kriegs­ausbruchs zwischen Deutschland und Rußland. Die Sympathien der Griechen stehen auf Seiten der Deutschen.

Keine Schonung den Bestien!

DieDeutsche Tageszeitung" entnimmt einer Feld- postkarte folgendes:. . . Einer von den belgischen Ge­

Lin Uteiftetwetf.

Roman von Paul Beye.

20) (Nachdruck verboten.)

7. Kapitel.

Im Albergo del Plebiscito hatte die Vorstellung bereits begonnen, als Frank Robinson am Abend das Restaurant betrat. Es war eines der besuchtesten, wenn auch nicht gerade vornehmsten Restaurants Neapels, an der Piazza del Plebiscito gelegen, nicht allzuweit von dem königlichen Residenzschloß entfernt. Die Truppe des Maestro Cafsarelli spielte in einer großen Glashalle, von der aus man eine herrliche Aussicht genoß. Stolz ragten

Säulenreihen des von Fontana erbauten Palastes, sich scharf abhebend von dem bestirnten Himmel, ernpor und seulich davon bildeten die massiven düstern Mauern der Kaserne der Marinesoldaten und des Arsenals den Hmtergrund für eine Anlage von Pinien und Blumen- ravauen, an die sich der kleine, nur für das Arsenal be- schloß. Bei Tag erschien das Bild einiger- Abend jedoch, bei dem Schein der langen Festons in der Glashalle Festem Lichter auf das leichtbewegte Wasser E stimmungsvoll. Man konnte sich Rahmen für die Gruppen ^ chren farbenleuchtenden Kostümen denken, als diesen.

noch einen guten Eckplatz, ziemlich nach vorn. Er bestellte sich bei einem der Kellner Mineral­wasser mit Zitronensaft und Eisstückchen - zünöew

Ä*. TÄT» Ä Strümpfen und Schnallenschuhen und k^

fangenen hatte die ganze Feldflasche voll abgeschnittener Finger, von denen die Ringe nicht heruntergingen. So­wie unsere Truppen einen Schuß hörten, sind sie fast zügellos und gehen drauf los. Wir tun alle unsere Pflicht. Keiner kann entwischen. . " Aus einer Feld­postkarte eines Müncheners veröffentlichen Münchener Blätter folgende Zeilen:Die Franzosen Hausen in un­serer Gegend furchtbar. Ein tapferer Oberst wurde von einer Bäuerin hinterrücks erschossen, ein Hauptmann wurde ebenfalls von einem Weibe mit einer Mistgabel erstochen, und, es ist kein Märchen, den Verwundeten werden die Köpfe abgeschnitten! Ein Pfarrer, der auf unsere Truppen gefeuert hatte, wurde festgenommen und erschossen."

Ein schwedisches Urteil über Japans Ultimatum.

Die schwedische ZeitungDagens Nyheter", die aus- landspolitisch gewöhnlich sehr unparteiisch ist, aber frü­her bisweilen als der Tripleentente freundlich gesinnt galt, nennt das Ultimatum Japans das Schamloseste, was die Weltgeschichte gesehen hat.Solch ein unver- hüllter Zynismus ist etwas Unerhörtes und erinnert an den Schakal und den Aasgeier. Wir gestatten uns die Frage, ob Großbritannien auf einen solchen Wassern bruder stolz sein kann."

Herunter holt sie niemand."

ImCorriere della Sera" (Mailand) liest man, daß, als der deutsche KriegskreuzerGoeben" im Hafen von Messina angesichts der draußen auf ihn lauernden feind­lichen Seeflotte ausfuhr, vom Admiral Souchon das Kommando gegeben wurde, die Fahne oben am Mast festznnageln!Herunter holt sie niemand," hieß es, und die zu Tausenden auf den Hafendämmen harrenden ita­lienischen Zuschauer blickten staunend auf dies helden­hafte Schauspiel, das sich vor ihren Augen abspielte. Der deutschfeindlicheCorriere della Sera", der doch selbst die handgreiflichsten englisch-französischen Schwindelöe- peschen anstandslos abdruckte, würdigte den Hergang mit den Worten:Nie sah man ein großartigeres und rührenderes Schauspiel!"

Auf unsere Flotte können wir uns verlassen!

Admiral z. D. v. Knorr, der an Jahren unö Dienst­alter älteste Seeoffizier unserer Marine, der schon in dem Kriege 1870/71 unsere Flotte durch den Sieg bei Havanna zu Ehren brächte, schreibt derTgl. Rösch.":

Es gilt in diesen Tagen, vor den entscheidenden Zu­sammenstößen unserer Heere mit dem Feinde an der Westgrenze, die drückende Ungeduld in eigener Brust mit würdiger Ruhe und festem Vertrauen auf den end­lichen Sieg unserer gerechten Sache zu dämpfen. Wie für die Unternehmungen zu Lande, so auch für die auf den Meeren! Die englische Flotte wird, wenn die eng­lische sogenannte Expeditionsarmee unter ihrem Schutze aus französischem Boden gelandet worden ist, wohl nicht lange zögern, an der deutschen Nordfeeküste zu erschei­nen. Damit ist erst der Beginn für die Unternehmungen auf dem Wasser gegeben. Das deutsche Volk mag sich aber dessen versichert halten, daß deutsche Tatkraft und Opferfreudigkeit Herz und Seele unserer Schiffsbe­satzungen erfüllen, daß sie, auch erdrückender Uebermacht gegenüber, immer und überall ihre Schuldigkeit tun, zu sterben wissen werden: Darum: Aufgeschaut und Gott vertraut!

v. K n o r r, Admiral z. D.

Eine Warnung an die Luxemburger.

WTB. Luxemburg, 21. August. Der Bischof von Luxemburg und der luxemburgische Staatsminister richten laut B. T. Aufrufe an die Geistlichkeit und die Behörden des Grotzherzogtums, in denen sie diese auf- foröern, die luxemburgischen Einwohner vor heimtücki­schen Anschlägen gegen deutsche Soldaten zu warnen.

Französische Lügen.

WTB. Berlin, 21. August. In französischen Blät­tern wird behauptet, daß Angehörige der mit Deutschland im Krieg befindlichen Staaten in Deutschland unmensch- liche Behandlung, Verfolgung und Beraubung zu er­dulden hätten. Der mit dem Schutze der französischen, russischen und belgischen Staatsangehörigen betraute hiesige spanische Botschafter hat das Auswärtige Amt er­mächtigt, diesen falschen Meldungen aufs Energischste zu widersprechen. Es sei natürlich, daß die militärischen Notwendigkeiten Maßnahmen veranlaßten, unter denen die Fremden vorübergehend zu leiden hätten. Aber in allen Fällen seien die ergriffenen Maßnahmen sofort ein­gestellt worden, sobald sich herausgestellt hatte, daß sie nicht mehr erforderlich waren. Allerdings bestätigt der Botschafter, daß die Staatsangehörigen der feindlichen Länder infolge der militärischen Anordnungen noch

Seidenröcken, mit gestickten Schärpen und roten bas- kischen Mützen auf den schwarzen Locken drehten sich in dem leidenschaftlichen Tempo der Tarantella, wobei sie einander umschlangen, sich wieder losließen und, immer neue Figuren bildend, sich gegenseitig umkreisten. Auf einer niedrigen Estrade saßen vorn die Musiker, die ähn­lich wie die Tänzer, nur weniger kostbar gekleidet waren.

Frank hatte bald seine kleine Freundin Nina ent­deckt. War sie ihm schon am Tage reizend erschienen, so entzückte sie ihn jetzt am Abend in ihrem malerischen Putz doppelt. Die Tarantellatänzerinnen waren eigent­lich alle hübsch, aber der Preis der Schönheit gebührte, wenigstens seiner Meinung nach, dem zarten, blonden Kind mit dem unschulösvollen Gesichtchen und den etwas scheuen, aber doch so ausdrucksvollen Augen. Und mit welch feurigem Temperament sie tanzte! Er hätte ihr das wahrhaftig nicht zugetraut.

Als die Nummer zu Ende war, ertönte lebhafter Applaus und während die Paare sich mit graziöser Würde verneigten, warf das Publikum den Mädchen Blumen und Orangen zu. Auch Frank ließ sich vom Kellner einen Teller voll Früchte bringen, die er Nina zuwarf. Jetzt erst bemerkte ihn die Kleine, ihr feines Gesicht errötete und ein freudiges Lächeln huschte um ihre Lippen. Da der junge Amerikaner sah, daß ver­schiedene der anwesenden Herren sich von ihren Stühlen erhoben, um mit den Tänzerinnen zu plaudern, trat auch er auf Nina zu und reichte ihr, sie begrüßend, die Hand.

Sie sind eine Künstlerin, Signorina," sagte er. Daß Sie nur eine Anfängerin sind, merkt man wahrlich nicht."

Das Mädchen schlug verlegen die Augen nieder. Sie sind sehr freundlich, Signor," meinte sie leise, aber das glauben Sie ja doch nicht."

Ja, warum denn nicht?" fragte er erstaunt.

Weil der Maestro immer sagt, ich wäre noch un- geschickt. Aber ich tanze ja auch erst so kurze Zeit mrd

immer nicht über die Grenze gelassen werden. Härten sind aber in Kriegszeiten leider nicht zu vermeiden.

Ausländische Falschmeldungen.

WTB. Berlin. 21. August. Ausländische Zeitungen haben berichtet, daß die Generale von Emmich, von Deimling und von der Marwitz verwundet, gefangen oder gefallen seien. Die Nachrichten sind unwahr.

Was die Feldpostbriefe erzählen.

Aus dem Elsaß.

Ein Teilnehmer an dem Kampfe bei Mülhausen schildert in dem nachstehenden Brief, der derMagde- burger Zeitung" zur Verfügung gestellt worden ist, die Ereignisse aus der Nähe:

......... 14. 8. 14.

Meine liebe Frau!

Meine Karte, die ich vorhin, ohne sie mit 11 zu numerieren, in der Stadt in den Kasten geworfen habe, wird Dir gesagt haben, daß ich im Augenblick wieder am alten Platze stehe und auf Befehl der Division warte. Alsdann bestimmt Abreise zur Feldarmee,' wohin, weiß ich schon, darf Dir aber nicht offen schreiben. Jedenfalls wo anders hin wie gestern. Nach großen Schwiertg- keiten in pechöunkler Nacht durch enge MarMstraßen, oder durch Marschkreuzungen, kamen wir um 1,15 Uhr wieder in . ......an. 2° lag ich bereits auf meinem alten Bett, ohne mich auszukleiden und schlief bis 1-6 o wie ein Toter. In dem Orte, wo ich nüd) gestern abend zum Befehlsempfang bet der Division meldete, wurde plötzlich aus einem Hause geschossen. Die Situation war ungemütlich, da bis auf eine Kom­pagnie die ganze Besatzung abgerückt war. Sofort war dort das Haus umstellt, die Bewohner, und als Geisel der Bürgermeister, verhaftet und das Gehöft zur Strafe angezündet. Wenn man nicht eine eiserne Faust zeigt, kommt man hier im Kriege nicht durch. Abends such­ten die Scheinwerfer Belforts den Horizont ab. Wir verhielten uns aber still, denn es lag uns weniger daran, mit den schweren Geschützen der Festung Fühlung zu nehmen. Augenzeugen der Schlacht am 9. sagten, unsere Infanterie sei höchster Bewunderung wert. In einem todesmutigen Ansturm hat sie die mächtige Stellung genommen, soöatz der Feind entsetzt die Ge­wehre fortwarf und, mit erhobenen Armen Gnade heischend, aus den Schützengräben aufsprang. Die Flucht des Feindes, soll einer Panik geglichen haben, ähnlich wie vor ein paar Tagen bei Lagarde. Tausende feindliche Infanterie-Patronen mit ihrem spitzen KW- sergeschotz lagen umher. Blutlachen, Zeugfetzen, Epau­lettes, Gewehre usw. bezeichneten die feindliche Stellung. Die uralten Nutzbäume, zwischen denen die ... .Jäger aus Basan<>on gelegen hatten, waren in Kniehohe ein­fach übersät mit Jnf.-Geschossen. Blutige Ganmlchen und Käppis mit Geschotzlöchern lagen auf öetrrmt ge: löschtem Kalk begossenen Gräbern, die ein aus Knüppeln errichtetes Holzkreuz tragen, an dessen Fuß ein Zettel mit der Anzahl der darunter ruhenden armen Kerle durch einen Stein beschwert ist. Mehrfach sieht man Kirchenruinen über die Höhen ragen. In den Dorf- stratzen mächtige Sprengtrichter und an den Häusern Riesenlöcher unserer Granaten, die das Haus vom Dach bis zum Keller zertrümmerten und in vielen Fällen das ganze Gehöft in Flammen auflodern ließ.

Aus dem Briefe eines anderen jungen Mitkämpfers aus dem Elsaß:

Liebe Eltern! Gestern haben wir in wahnsinnig blutigem Kampfe die Franzosen bei. . . geschlagen. Ich bin wunderbarer Werfe unverletzt. Mein Harrptmann fiel gleich bei Beginn der Schlacht, eine Granate hatte ihm beide Beine weggerissen. Von fünf Offizieren der Kompagnie haben wir drei tot oder verwundet. Mein lieber Mitfähnrich in der Kompagnie ist auch schwer ver­letzt. Ich brächte ihn über das Schlachtfeld weg zur Roten Kreuz-Station. Zurücklaufen konnte ich nicht mehr, warf meinen Tornister auf die Feldküche, setzte mich auf das Pferd meines toten Hauptmannes und ritt zurück über das Schlachtfeld. In Massen lagen noch die armen Kerle herum. Ich half noch einem französischen Offizier mit etwas Wasser. Gegessen hatte ich selbst etwa 36 Stunden lang nichts. Zu allem mußte man sich noch vor den Franzofen in acht nehmen, denn auch die Ver­wundeten schössen noch. In einer Hand die Pistole, in der anderen Zügel und Karte, traf ich auf eine Schwadron reitender Jäger, die sich verirrt hatte und ritt als ihr Führer weiter mit. In der Nacht kam ich bei der Maschinengewehrkompagnte an und ritt mit ihr zu meinem Bataillon. Bei dem letzten Sturmangriff die Franzosen warfen alles weg und flohen wie wild - kamen wir halbtot vor Anstrengung an einen sumpfigen Bach. Ich frans, halb verdurstet, und stand gerade auf, da hieß es, das Wasser ist vergiftet. In der Tat bekam ich Leibschmerzen, die aber nach einer halben Stunde wieder vergingen. Die Dosis war zu schwach gewesen. Die Eindrücke haben sich zu sehr überhastet, ich hm des- halb nicht imstande, noch etwas zu schreiben, hoffentlich werde es schon besser lernen." Sie blinzelte unter den gesenkten Lidern verstohlen zu ihm auf und da sie ge­wahrte, wie sein Blick mit unverhohlener Bewunderung auf ihr ruhte, erwachte plötzlich die Eitelkeit der Evas­tochter in ihr.Der Maestro meint" kam es _ nm kindlichem Triumph von den rosigen Lippendaß ich einmal eben so gut tanzen werde, wie die Filomena Cirenzi."

Die Filomena Cirenzi?" erkundigte sich Frank. Welche ist denn das?"

Ninas Blick wies auf ein großes schlankes Mädchen mit regelmäßig schönen Zügen, das gerade mit einem jungen Engländer plauderte. Frank hatte bereits zuvor bemerkt, daß die beiden einander Zeichen gegeben. Ueberhaupt schien die Filomena Cirenzi allgemeine Aufmerksamkeit und Bewunderung unter den Herren zu erregen.

Die ist wohl der Star Eurer Gesellschaft?" fragte Frank.

Doch Nina wußte nicht, was das WortStar" bedeu­tete.Sie ist sehr schön," sagte sie,nicht wahr, Signor?

Gewiß, aber ich weiß eine, die mir noch besser fällt. Können Sie sich wohl vorstellen, Signorina, rvcr das ist?"

Nina hätte kein Weib sein müssen, um ihn nicht zu verstehen. Das Erröten, welches wieder ihr Antlitz überflog, kleidete sie so reizend, daß Frank sich vvrnabm, es noch öfter auf ihre Züge zu zaubern. In die Be­trachtung des jungen holden Geschöpfes versunken, hatte er völlig den Zweck seiner Anwesenheit an diesem vergessen, doch nachgerade erinnerte er sich wieder seiner.

Darf ich Ihnen ein Glas Marsala anbleten, ^^ norina?" fragte er.

(Fortsetzung folgt.)