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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- ft*w*>fAfh<ut zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei

Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

für den Kreis Hersfeld

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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 196.

Sonnabend, den ÄS. August

1914.

* (Keinen Alkohol für unsere Truppen!) Das stellvertretende Generalkommando in Münster veröffentlicht eine Bekanntmachung, in der es auf das Verbot, unseren Truppen alkoholische Getränke zu verabreichen, energisch hinweist. Man kann dem nur voll und ganz beipflichten. Es ist wohl jedem Ein­sichtsvollen ohne Weiteres klar, daß der Genuß von Alkohol die Spannkraft vermindert. Und niemand wird wohl dazu beitragen wollen, wo es jetzt darauf ankommt, daß sich jeder einzelne Mann im Vollbesitz seiner körperlichen und geistigen Kräfte befindet. Man komme auch nicht damit, daß ein einziges Glas Kognack nichts schade. Das stimmt zwar, aber man darf sich nicht verhehlen, daß mit dem Essen oder in diesem Falle mit dem Trinken der Appetit kommt und man sich vor zu vielen Alkoholgenuß am besten dadurch schützt, daß man ihn ganz meidet. Möge darum jeder dazu beitragen, unsern braven Truppen die Enthalt- samkeit leicht zu machen und nicht sein Gewissen be­schweren.

* (Keine Beleidigungsklagen mehr!) In dieser großen ernsten Zeit, in der jedes deutsche Herz höher schlägt vor Freude über die Einigkeit, die unser Vaterland beherrscht, seit dem Tage, an dem uns fanatische neidvolle Feinde das Schwert in die Hand drückten, ist es wohl angebracht, auf eine schöne Gelegenheit, diese Einmütigkeit zu bewähren, hinzu­weisen. Es schweben noch immer ungezählte Be­leidigungsklagen, durch deren Zurücknahme die Be­teiligten einen glänzenden Beweis ihrer ernsten Absicht zum Burgfrieden gehen könnten. Hoffentlich werden viele jetzt einander die Hand zur Versöhnung durch Zurücknahme der Klage bezw. der beleidigenden Aeußerungen reichen. Lasset uns immer eingedenk sein, daß es jetzt gilt den Friedensbruch, der unserem Vaterland solche Wunden schlägt, zu strafen und be­grabt alten, kleinlichen, persönlichen Zwist.

*(WiewiröiereicheErntever wenden!)

Als ein Gottesgeschenk im wahrsten und edelsten Sinne des Wortes kann die diesjährige Ernte angesprochen werden, die nach Nachrichten aus allen Teilen unseres Vaterlandes hinsichtlich jeder Art von Feld- und Gartenfrüchten gut und reichlich ausgefallen ist. Und in diesen schweren Tagen, in denen unser heißgeliebtes Vaterland den heiligen Kampf um seine politische Existenz mit kraftvoller Hand führt, möchten wir allen Hausfrauen zurufen: Seid sparsam im Verbrauch! Noch wissen wir nicht, wie lange der Krieg währen mag. Aepfel, Birnen, Beeren usw. sind eine will­kommene und gewiß auch gesunde Leckerei für die Kinder der Wohlhabenden. Den Armen jedoch können sie, namentlich in diesen Tagen das tägliche Brot er­setzen! Darum: sparsam im Verbrauch! Der schöne Geist der Einmütigkeit, mit dem unser stolzes Heer sich für unser aller Wohl einsetzt, soll auch in uns die wir zurückbleiben, ein werktätiges Echo wachrufen. Jeder teile in diesen Tagen von seinem Ueberfluß dem Minderbemittelten mit, den ihres Ernährers vorübergehend beraubten Familien, die schon deshalb unserer energischen Hilfe bedürfen, weil sie auch für uns darben und entbehren müssen.

8 Hersfeld, 21. August. (Der Feldwebel- Leutnant.) Eine militärische Charge, die vielen noch unbekannt ist, tritt zurzeit bei der Führung der einberufenen Reservisten und Landwehrleute in Er­scheinung: der Feldwebel-Leutnant. Hauptsächlich nehmen diese Charge ein die ehemaligen Einjährig- Freiwilligen, die es bis zum Vizefeldwebel gebracht haben. Ferner srühere besonders verdiente Feldwebel, die sich jetzt wieder zum Dienst gemeldet haben. Sie werden als Feldwebel-Leutnant einberufen und tun inderHauptsacheOffiziers-Dienste. Sie tragen Offiziers- rock neben Achselklappen und Goldtressen.

§ Hersfeld, 21. August. Liebesgaben für unsere Krieger. Der schöne Brauch, in Kriegs­zeiten unseren draußen im Felde zur Verteidigung und Beschirmung des Vaterlandes stehenden Truppen durch Sammlung und Uebersendung von Liebesgaben zu beweisen, daß wir in der Heimat Zurückgebliebenen ihrer mit Liebe und Stolz gedenken, dieser schöne Brauch ist glücklicherweise auch diesmal nicht nur nicht vergessen, sondern sogar weit umfassender or­ganisiert worden, als in srüheren Fällen. Ueberall sind Komitees zur Einleitung und Abgabe solcher Gaben gegründet worden und jeder von uns, auch der Aermste, beteiligt sich nach seinen Kräften gern daran. Und obwohl die Verpflegung, die unsere Truppen heeresseitig erhalten, mustergültig genannt werden muß, obwohl ihnen bei Einquartierung im Lande das Beste und Schönste vorgesetzt und im Fein­deslande genügend Nahrungsmittel requiriert werden, darf man doch nicht verkennen, daß gerade solche aus der Heimat nachgesandte Gaben besondere Freude er­

wecken und den Geist, der ohnehin in unseren deutschen , Soldaten steckt, noch weLi-vr rarfeuern. Sehen sie doch, daß man daheim ihrer nicht vergißt UtG sich, siemilbt, | ihnen einige Annehmlichkeiten zu schaffen.--Da­gegen ist die Frage, womit man sich an solchen Samm­lungen beteiligen soll, wohl einer Erörterung wert. Geld ist stets willkommen, weil damit alles Erdenk­liche beschafft werden kann. Bei Lebensrnitteln ver­meide man es, leicht verderbliche oder solche, welche den Transport schlecht vertragen, zu spenden. An Bekleidungsstücken sind vor allem Strümpfe und Unterwäsche zu nennen. Wer dem stets vorhandenen Appetit auf Tabak entgegenkommen will, beschränke sich nicht lediglich auf Zigarren und Zigaretten. Da diese beim Tragen im Tornister und in der Tasche leicht zerbrechen, werden kurze Pfeifen und Tabaks- paketchen ebenso willkommen, wenn nicht noch be­gehrter sein.

§ Hersfeld, 21. August. (Gerücht e.) Die hier sowohl wie in Frankfurt verbreiteten Gerüchte, daß Belfort gefallen sei, bestätigen sich, wie uns von amt­licher Stelle mitgeteilt wird, nicht. Man sollte doch mit der Verbreitung solcher Siegesnachrichten vor­sichtig sein schon mit Rücksicht auf den Rückschlag, der bei dem Eintreffen ungünstiger Nachrichten eintreten würde.

):( Hersfeld, 21. August. Am nächsten Sonntag früh 8 Uhr findet in der Stadtkirche für die evang. Landwehrleute des hiesigen Bataillons Mil itär- gottesdienst statt.

Vettenhansen, 21. August. (Pferdediebstahl.) Als der in der Königinhofstraße im Stadtteil Bettenhausen wohnende Milchhändler K. gestern in aller Frühe sein Pferd vor den Wagen spannen wollte, mußte er die unangenehme Entdeckung machen, daß die Stalltür erbrochen und das wertvolle Tier gestohlen worden war.

Jesberg, 19. August. Ein hiesiger Handelsmann stürzte beim Dreschen so unglücklich vorn Scheunen- boden, daß er sich den Oberschenkel aufriß und eine klaffende Wunde davontrug. Dies ist umso bedauer­licher, da er sich jetzt in Cassel stellen sollte. Die Ernte ist beendet, der Landmann ist mit dem Ertrag sehr zufrieden. Die Kartoffelernte verspricht sehr gut zu werden.

Weimar, 18. August. Auf höchsten Befehl wird infolge des Hinscheidens S. Durchlaucht des Prinzen Friedrich Wilhelm zur Lippe, gefallen an der Spitze seines Regimentes beim Sturm auf Lüttich, am Groß­herzoglichen Hofe von heute ab die Trauer auf drei Tage angelegt.

Coburg, 18.August. Vondem bekannten Botaniker, dem Superintenden Dr. Kückendal, der anfangs v. Js. an einer russischen Expedition in das Innere Turkestans teilnahm und der sich augenblicklich auf einer Forschungs­reise in Korsika befindet, ist bis jetzt noch keine Nach­richt eingetroffen. Man nimmt sicher an, daß er in Gefangenschaft geraten ist.

Hanau, 19. August. Ein Kaufmann Klotz aus Schlüchtern, der sich in Militäruniform herumgetrieben und verschiedenene Schwindeleien verübt hatte, ist heute vormittag hier verhaftet worden.

Sachse»hauseu,Kr. Ziegh., 18. August. Feuerlärm halte gestern abend gegen 10 Uhr durch unser Dörfchen. In der zur Pfarrei gehörigen Scheune war Feuer ausgebrochen und wurdedieselbeeinRauböerFlammen. Leider betrifft es mehrere kleine Leute, welche in der­selben ihren kleinen Roggenvorrat lagerten, und nicht versichert haben. Vermutlich liegt Brandstiftung vor.

Die Würdelosigkeit gegenüber Kriegsgefangenen.

Das stellvertretende Generalkommando 11. Armee­korps veröffentlicht folgenden Erlaß:

Das stellvertretende Generalkommando erfährt, daß einzelne Personen, namentlich weiblichen Ge­schlechts, sich in taktloser und würdeloser Weise an Kriegsgefangene herangedrängt haben.

Ein solches Betragen jchlagt der Ehre des deutschen Namens ins Gesicht und ist ein Hohn auf die opfer­freudige Vaterlandsbegeisterung, die unterschiedslos alle Kreise unseres Volkes durchglüht. Wohl wollen wir höflich sein gegen den Fremden und mitleidig gegen den verwundeten Feind. Unsere Fürsorge ge­bührt aber in erster Linie den eigenen Volksgenossen, unseren Kriegern, ihren in der Heimat zurückgelassenen Frauen und Kindern und all den vielen Deutschen, denen der Krieg Sorge und Not brächte.

Es müßte eigentlich überflüssig sein, auch nur ein einziges Wort darüber zu verlieren, daß es in dieser ernsten und großen Zeit jedermanns selbstverständliche Pflicht ist, Eitelkeit, Neugierde und Sinnlichkeit voll­ständig bei sich auszutilgen. Wer das vermag, wird

von selbst den richtigen Weg finden, unserem Vater­lande zu dienen.

Sollten jedoch wider Erwarten die oben erwähnten penftt^n Vorfälle sich wiederholen, so wird das stell- vertretende 'Generstkammando die Beteiligten fest­stellen lassen, um ihre hantelt UL ben Straßenecken bekannt zu machen und der öffentlichen VerachtMlß preiszugeben.

der Frauenhülfe.

-ü- Der geschäftsführende Ausschuß der Hessen- Cassel'schen Frauenhülfe unter dem Vorsitz der Gräfin von Bernstorff erläßt einen Aufruf an die Mitglieder der einzelnen Vereine sich der mannigfachen Nöte anzunehmen, die sich aus den gegenwärtigen Verhält­nissen in den einzelnen Gemeinden ergeben. Gegen­über dem Vaterländischen Frauenverein und den Organisationen, die sich der Pflege der Verwundeten auf dem Kriegsplatz und den einheimischen Lazaretten annehmen, will die Frauenhülfe, die Frauenkräfte mobil machen für die Arbeit, die sich innerhalb der einzelnen Gemeinden ergeben. Nicht vollbeschäftigte Frauen und Jungfrauen, die jetzt helfend eingreifen möchten, wo in der Gemeindehülfe not ist, werden gut tun, da vereinte Kräfte eher zum Ziele führen als einzelne, sich der örtlichen Frauenhülfe anzu- schließen oder sich schleunigst zu einer solchen zusammen zu schließen. Der geschäftsführende Ausschuß über­läßt es der Weisheit der einzelnen Vereine, die er­forderlichen Maßnahmen für die betreffenden Ge­meinden zu treffen, jedoch empfiehlt er Einrichtung von Kinderhorten einfachster Art zur Sammlung und Bewahrung vorschulpflichtiger und jüngerer Schul­pflichtiger der mütterlichen Aufsicht entbehrenden Kinder in den schulfreien Stunden des Tages, Ein­richtung von Küchen aus denen außer dem Hause arbeitende Frauen und deren Kinder unentgeltlich oder gegen mäßiges Entgeld gespeißt werden können, Unterbringung notleidender Kinder in günstiger ge­stellten Haushaltungen, Erteilung von gesundheitlichen Ratschlägen zur Vorbeugung gegen ansteckende Krank­heiten und Seuchen. Anfertigung und Ausbesserung notwendigster Bekleidungsstücke, Aufforderung an ge­eignete Personen, nach Möglichkeit die Arbeit zu über­nehmen, die bisher von der aus Anlaß des Krieges eingezogenen Gemeindediakonissen getan wurden, Auf­ruf an wohlhabende Hausbesitzer oder Inhaber von geräumigen Mietwohnungen zur Ausnahme und Pflege genesender Krieger, denen es ihre völlige Wiederherstellung an dem erforderlichen Unterkommen und an sachgemäßer Behandlung in der eigenen Familie oder an einer Heimat überhaupt fehlt.

Mitteilungen über getroffene Maßnahmen oder Anfragen beliebe man an den Schriftführer Pfarrer Armbröster-Cassel, Herkulesstr. 9 zu richten.

Verzeichnis

der bei bei L. Pfeiffer, Depositenkasse Hersfeld eingegangenen Spenden:

Für den BaterlöndWen Frauenverein:

von Wilhelm Mohr......

Bahnmeister Spohr . . . . Frl. Hannchen Peter .... Ungenannt........ Herrn Gerichtsvollzieher Becker als 1. Spende .... Gemeinde Hilmes..... Motzfeld .... Hillartshausen . . Gethsemane . . . Mecklar..... Meckbach . . . Radfahrerverein Hilmes . .

M.

10.

30.

15.

2.

30.

95.50

91.88

800.50

70.12

50.

75.

100.

870.

Bestand 2421.07 heutiger Bestand M. 3291.07

Für das Rote Kreuz: von Herrn Pfarrer Sie der t, Rohrbach . . M. 20. Gymnasial-Turnverein...... 75.

Bestand 2451.30

heutiger Bestand M. 2540.80

Wetteraussichten für Sonnabend den 22. August.

Ziemlich heiter, trocken wärmer, schwache Luftbe­wegung, Gewitterneigung.