Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld
MÄr Äreisölatt
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Anschlutz Nr. 8
Nr. 194.
Donnerstag, den 30. August
1914.
Bus der Heimat.
»(Außergerichtliche Zahlungsfristen.) Durch Bundesratsverordnung sind die Gerichte ermächtigt, in der Regel dem eingeklagten Schuldner im Urteil eine Zahlungsfrist bis zu drei Monaten zu bewilligen, wenn die Forderung vor dem 31. Juli entstanden ist. Diese Zahlungsfrist setzt also voraus, daß der Schuldner zunächst ein gerichtliches Verfahren und Urteil über sich ergehen lassen muß, ehe er Zahlungsfrist erlangt. Das ist doppelt drückend, weil es kostspielig ist und Ansehen und Kreditfähigkeit des Schuldners schädigt. Es ist deshalb auf die Heibeiführung außergerichtlicher Zahlungsfristen besonderer Wert zu legen. Man darf erwarten, daß die Gläubiger in der Regel- dafür zu haben sein werden, nicht nur, weil sie andernfalls die Kosten riskieren und doch Frist gewähren müssen, sondern auch weil sie in den gegenwärtigen schweren Zeiten ihren Schuldner nicht ohne Not hart werden behandeln wollen. Wo diese außergerichtlichen Zahlungsfristen nicht kurzerhand unter den Beteiligten vereinbart werden können, stellt die Handwerkskammer ihre Vermittlung zur Verfügung. Für den Stadtkreis Frankfurt a. M. hat sie bei ihrer Abteilung „Handwerksamt", Zeil 66, eine Vermittlungsstelle errichtet, während für Wiesbaden und Umgebung diese Vermittlungsstelle sich bei dem „Handwerksamt" zu Wiesbaden Hermannstraße 13, befindet. Für alle übrigen Teile des Regierungsbezirks Wiesbaden befindet sich diese Vermittlungsstelle bei der Handwerkskammer selbst zu Wiesbaden, Adelheidstr. 13.
* (Feld-Postscheckverkehr.) Inhaber von Postscheckkonten können Zahlungen an Angehörige, Behörden und Dienststellen des Feldheeres auch mit Postscheck leisten, und zwar in Militärdienst-Angelegenheiten bis 800 Mk. in Privatangelegenheiten der Angehörigen des Heeres bis 100 Mk. Im Scheck ist oberhalb des Vordrucks „Adresse für die Postbeförderung" der Vermerk „Feldpost" zu schreiben. Ferner ist im Scheck genau anzugeben, zu welchem Armeekorps, welcher Division welchem Regiment, welchem Bataillon, welcher Kompagnie oder welchem sonstigen Truppenteile der Empfänger gehört sowie welchem Dienstgrad und welche Dienststellung er bekleidet.
Schwarzenborn, 16. August. Unsere Schulmädchen stricken Strümpfe und Pulswärmer für die im Felde stehenden Krieger. Die Jungen wollen ihre Sparbüchsen öffnen. Wirklich ein schönes Beispiel unserer opferfreudigen Jugend.
Friedewald, 18. Aug. (Der Brief des Rechtsanwalts.) Um sich in einer Alimentationssache Aufklärungen zu verschaffen, fabrizierte der 19jährige „Technicker" Heinrich E. von hier einen Brief an eine Hebamme in Ausbach und unterzeichnete den Brief flott mit der Unterschrift eines ihm bekannten Rechtsanwalts. Da der Brief aber von orthograpischen Fehlern strotzte, so erkannte die Empfängerin sofort, daß sie es mit einem groben Schwindel zu tun habe und veranlaßte die Ermittelung des Absenders, was denn auch bald gelang. Der Angeklagte gestand seine Schuld ein. Der Gerichtshof verurteilte ihn unter Zubilligung mildernder Umstände zu einer Gefängnisstrafe von 3 Tagen in Anbetracht dessen, daß es sich um einen außerordentlich törichten Streich gehandelt, durch den niemand geschädigt worden sei.
Niederhone, 17. August. Heute nachmittag zwischen 5 und 6 Uhr wurde durch den 30jährigen Hesse vckn Niederhone, der in der Nähe des Gemeindewasserwerks Posten stand, das 12jährige Mädchen des Arbeiters Heuckeroth aus Niederhone erschossen. Die Ursache zu der Tat ist noch nicht völlig geklärt. Hesse soll ein geistig minderwertiger Mensch sein. Er will durch mehrere Kinder, die in der Nähe des Wasserwerkes mit Aehrenlesen beschäftigt waren, geneckt worden sein und habe infolgedessen auf die Kinder geschossen, um diese zu vertreiben. Durch den Schuß wurde die kleine Heuckeroth getroffen und sofort getötet.
Fraukenberg, 17. August. Der 15jährige, aus Homburg a. d. Ohm gebürtige Lehrling eines hiesigen Friseurs versuchte sich mit einem Rasiermesser den Hals zu durchschneiden. Der schwerverletzte jugendliche Selbstmordkandidat wurde nach Anlegung eines Notverbandes mittels des Krankenautomobils in die Klinik nach Marburg befördert. Furcht vor Strafe wegen begangener Diebereien soll'den Jungen in den Tod getrieben haben.
Wolfsanger, 18. August. In das hiesige Unfallkrankenhaus wurde am Sonnabend vormittag der Zimmermann R. aus dem Dorfe Salden (Kreis Hof- geismar) eingeliefert. Er war beim Mähen von Getreide auf dem Felde auf einem abschüssigen Gelände bei einem kräftigen Anhieb plötzlich ausgerutscht, gestürzt und dabei unglücklicherweise in die Sense ge
fallen, wobei er sich alle Sehnen der linken Hand durchschnitt.
Niederzwehren, 17. August. Ecke Fürsten- und Frankfurter Straße prallten heute zwei Radfahrer zusammen. Der eine von ihnen, ein junger Mensch von 20 Iahten, Sohn der Wltwe D., wurde dabei so unglücklich anf den Fahrdamm geschleudert, daß er einen doppelten Schlüsselbeinbruch erlitt. Der andere Radfahrer fuhr rücksichtslos davon, während mehrere Ortsbewohner sich um den Verunglückten bemühten und ihn nach seiner Wohnung trugen/
Heiligenstadt, 17. August. Die Bluttat polnischer Bahnbauarbeiter in der Nacht zum 15. Juni, wobei mehrere hiesige Arbeiter durch Messer und Gummischläuche verletzt und der hinzukommende Polizeisergeant Arand durch vier Messerstiche lebensgefährlich verletzt wurde, fand am Sonnabend vor der hiesigen Strafkammer ihre Sühne. Die Hauptschuldigen Franz Eden aus Tarnowitz und Dimitriew Scuratkow aus Galizien wurden zu 3 bezw. 5 Monaten Gefängnis verurteilt.
Eichenzell bei Fulda, 18. August. Vermißt wird seit Donnerstag der 2jährige Knabe einer hiesigen Familie, deren Oberhaupt zum Kriegsdienst einberufen ist. Da die Eltern am Wasser wohnen, suchte man den ganzen Lauf ab, ohne das verschwundene Kind oder dessen Leiche zu finden. Es muß also etwas anderes Ungewöhnliches geschehen sein, eine Berirrung, eine Wegnahme u. dgl. Wer irgend auf eine Spur nach dem Knaben leiden kann, wird dringend gebeten, sich auf dem Bürgermeisteramt in Eichenzell zu melden. Der Knabe trägt ein rotes Kleidchen mit Schürze, schwarze Schuhe und Strümpfe, ist hellblond und hat kurzgeschorenes. Haar. Der Mutter würde ein großer Kummer abgenommen werden, wenn ihr der verschwundene Knabe wieder heimgebracht werden könnte.
Schlüchtern, 15, August. In dem Dorfe Gomfritz bei Schlüchtern sind durch ein Großfeuer 9 Wohnhäuser und Nebengebäude eingeäschert worden. Die meisten der Abgebrannten sind nur wenig versichert.
Hanau, 15. August. Nicht nur die Jugend ist in erhebender Weise in heller Begeisterung ergriffen, dem frevelhaften Angriff auf unser Vaterland mit abwehren zu helfen, sondern auch das Alter will nicht untätig bleiben. So hat sich gestern der 78 Jahre alte Bahnverwalter a. D. Heinrich Freund aus Kahl bei Hanau, ein noch rüstiger Herr, zum Kriegsdienst in der Front freiwillig gemeldet.
Frankfurt a. M., 16. August. In der Schlachthausgasse versuchte heute nachmittag ein ca. 40jähriger Tagelöhner seine Frau zu erschießen und brächte ihr einen Schuß in die Oberlippe bei. Darauf schoß er sich selbst in die Schläfe und brach bewußtlos zusammen. Von der Rettungswache wurde er in das Heiliggeist-Hospital gebracht, wo kurze Zeit darauf der Tod eintrat. Die Tat war durch Streitigkeiten wegen der Zahlung der Miete veranlaßt worden.
5er Landsturm.
„Der König rief, und alle, alle kamen!" Dieses Wort wird jetzt im ganzen Deutschen Reiche wieder einmal wahrgemacht. Es war selbstverständlich, daß dem Aufruf des Landsturms in unseren Grenzprovinzen der für die inneren Provinzen bald nachfolgen würde. Gehört doch der Landsturm in Deutschland unmittelbar zu der Organisation unserer Wehrkraft, die im Kriegsfalle in Tätigkeit tritt. In je größerem Umfange die aktive Armee dem Feinde entgegen geführt wird, desto dringlicher wird die Aufgabe, Vorsorge für die Ausfüllung der durch die Kämpfe notwendig entstehenden Lücken aus den Reserveformationen und zugleich für die Aufrechterhaltung des militärischen Dienstes im Innern zu sorgen. Der Aufmarsch unserer Armee an den vom Feinde bedrohten Grenzen ist so gnt wie vollzogen. Es stehen größere, mehr oder weniger entscheidende Schlachten bevor, in welchen unsere waffenfähige Jugend mit Blut und Leben für das Vaterland zu ringen haben wird/ Da ist der Zeitpunkt gekommen, daß auf Grund der bestehenden Wehrpflicht weitere Kreise herangezogen werden, um den nötigen Nachschub zu ermöglichen, die rückwärtigen Verbindungen zu sichern und, wenn Gott will, sich für die Deckung eroberten Gebiets und die Entlastung des Feldheeres in Bezug auf Gefangenen-Transport und Bewachung bereit zu halten.
Mit einer wahren Ungeduld hat man die Einberufung des Landsturmes erwartet. Wie bei unseren Truppen, die vor dem Feinde stehen, oder im Begriffe sind, nach den bedrohten Grenzen abzurücken, so lebt auch in der zum Landsturm zählenden Bevölkerung der einmütige Wunsch, dem Vaterlande in diesen Tagen der Not und Gefahr beizuspringen. Die Söhne stehen im Felde, jetzt wollen auch die Väter und die
jüngeren Brüder ihren Anteil an dem Werke der Verteidigung von Kaiser und Reich haben. Die rühmlichen Erfolge, die unser Heer und unsere Marine bereits zu verzeichnen hatten, haben ihren Ehrgeiz wachgerufen, wie die sich häufenden Nachrichten über die Mißhandlungen, die nicht nur die bisher im Ausland weilenden Deutschen, sondern auch die deutschen Verwundeten auf den Schlachtfeldern zu ertragen hatten, haben ihren Zorn geweckt. Was an ihrem Teile ist, wollen sie beitragen, damit eine Sühne dafür erlangt wird.
Zweifellos wird die Einberufung des Landsturms, auch wenn sie noch so schonend durchgeführt wird, für Unzählige neue persönliche und wirtschaftliche Opfer heischen. Bei aller Rücksichtnahme auf die Verhältnisse des Einzelnen wird es doch nicht ausbleiben, daß gar manche Existenz ins Wanken gerät und für viele Familien eine Zeit der gesteigerten Entbehrungen anbricht. Die Tatsache aber, daß diesen Opfern mit einer geradezu begeisterten Hingabe entgegeugeseben wird, läßt die Entschlossenheit des deutschen Volkes, Alles, auch das Letzte an die Verteidigung der deutschen Ehre zu setzen, erst recht im schönsten Lichte erscheinen. Wir sind auch sicher, daß die Hilfstätigkeit, die sich in diesen Tagen in allen Schichten der deutschen Bevölkerung so glänzend bewährt, auch die jetzt erweiterte Aufgabe, Tränen zu trocknen und Not zu lindern, mit Erfolg in Angriff nehmen wird. Nicht minder .sicher sind wir aber auch, daß der deutsche Landsturm, wenn es darauf ankommt, das Leben für das Vaterland einzusetzen, diese höchste der Aufgaben mit Freuden erfüllen wird. Jetzt wird Deutschland zu einem großen Heerlager uno das Wort erfüllt sich, daß das ganze deutsche Volk sich wahrhaft vor seinen Kaiser stellt. Der Feind mag sich hüten, gegen den sich die Wucht dieser Entschlossenheit kehrt!
Deutsch sein hecht: treu sein!
Aus der Zeit des deutsch-französischen Krieges ein Bild der Treue!
Im Garten eines Gutes von Orleans war nach heftigem Beschießen durch die Franzosen ein einziger Baum übrig geblieben, der als Beobachtungsposten wichtig war. 3 Mann waren schon tot oder verwundet herabgestürzt. „Geht noch einer freiwillig da hinauf?" fragte der Vorgesetzte, „Ja, Herr Leutnant, ich tu's" sagte der Soldat Stelzer vom Bayerischen 13. Regiment. Der Mann steigt hinauf, schnallt seine Säbelkoppel ab und hantiert damit oben auf dem Baum herum. „Was machen Sie denn da?" „Ich schnall mi an den Baumffest, damit i nit abi fall, wenn's mir eins aufi- schießen." Bald wurde er wirklich angeschossen und verwundet, er meldete aber ruhig weiter. Schließlich war er still, eine Kugel hatte ihm das treue Herz durchbohrt. Sein Körper aber fiel nicht herunter, sondern blieb an der Koppel im Baum hängen wie ein sichtbarer und greifbarer Beweis der Treue, der deutschen Treue bis in den Tod.
In den am 15. August veröffentlichten Spenden sind enthalten in dem Betrage Mk. 406.22 aus Sammel-
bttchsen
von Herrn Schleicher, Gerterode . . . . M.
„ „ Werner „ .....„
„ Gemeinde Kleba.........„
„ „ Mecklar........„
„ „ Petersberg.......„ „ „ Heenes........„ „ Pfarrer Kaiser.........„ „ Gemeinde Sieglos........„ „ Hegemeister Wege........„ „ Herrn R. Schimmelpfeng.....„ „ Herrn Heinr. Gesing, Spielgelder . . „ „ Herrn Buchbinder Heuckeroth . . . . „ „ Gemeinde Rohrbach......." „ Gemeinden Salzberg, Raboldshausen und Gittersdorf......„ „ Herrn Fritz Webert....... „ Frau Jenny Braun, Tischrunde . . „ „ Herrn Eduard Koch......... „ Gemeinde Biedebach....... „ „ Asbach........" „ „ Schenklengsfeld.....„
1.—
1.—
7.50
7.50
1.20
23.50
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2.— 2.75
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8.50
von der
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Für das Rote Kreuz: Gemeinde Niederaula.....M. 304.60 „ Solms....... 70.— „ Hattenbach.....„ 70.40 „ Reimboldshausen. . . „ 28.75 „ Kemmerode.....„ 25.— Schule in Willingshain .... „ 14.— M. 512.75
Bestand „ 410.— heutiger Bestand M. 922.75