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wie plötzlich unser I. und 8. Bataillon neben uns stand. Wir hatten die ganzen Tage nichts von einander ge- sehen.

Lustig war die 7. Kompagnie: die hat die meisten „Viecher". Die haben das Dorf bis zum Aufbruch mit bayerischen Fahnen beflaggt. Woher die waren? Sehr einfach. Wir haben das Rot von der Trikolore abge­schnitten. Dann requirierten wir eine alte Drehorgel und vertrieben uns so die Zeit.

Auf dem Vormarsch kamen wir durch einige Dörfer, aus denen wir die Feinde trieben. Dabei hatten wir die ersten Toten. Besonders ein Ort zeichnete sich durch die Gehässigkeit seiner Bewohner aus. Das Dorf war durch Jäger besetzt gewesen, die lebendig nicht mehr hinaus gekommen wären. Sie haben ihre Uniformen abgelegt und sind unbewaffnet wie friedliche Bauern aus dem Ort zurückgegangen. Auf sie schössen wir natürlich nicht.

Als wir aber in das Dorf kamen, wurden wir mit Gewehrschüssen aus den Häusern empfangen. Zuerst schoß man auf eine Wasserpatrouille. Das konnten wir uns nicht gefallen lassen und als immer wieder auf uns geschossen wurde, steckten wir die Häuser in Brand, darunter das Cafee, eine Bäckerei und zwei Krämer­läden. Die Brauerei schonten wir und ließen uns von den Arbeitern französisches Bier bringen. Es hat uns nicht schlecht geschmeckt.

Daß die Zivilbevölkerung auf uns geschossen hat, ist einwandfrei nachgewiesen. Drei Verwundete hatten Schrotschüsse und in den brennenden Häusern gab es heftige Munitionsexplosionen. Zu essen hatten wir hier genügend. Jede Kompagnie bekam einen Ochsen und ein Schwein. Auch zu trinken gab es genügend. In dem Keller eines abgebrannten Hauses fanden wir einen großen Weinvorrat. So war unser Mittagessen, zwar unter Kanonendonner, doch sehr vorzüglich. Bezahlt haben wir alles.

Am Abend kamen wir von neuem ins Gefecht. Ein Regiment hatte gegen einen überlegenen Feind eine wichtige Stellung erobert: es war aber zunächst zweifel­haft, ob sie gehalten werden konnte.

Wir erhielten deshalb Befehl, nachts gegen 10 Uhr unsere Stellung mit der unseres Bruderregiments zu tauschen. Unsere Kompagnie bezog Vorpostenstellung und da für den nächsten Morgen mit einem feindlichen Angriff gerechnet werden mußte, sollten unsere Truppen sich eingraben. Die Reservisten taten es: die aktive Mannschaft war nur schwer zu bewegen, sich einzu- graben. „Denen da drüben besorgen wir's so!" Schließ­lich fingen aber auch sie an, zu graben.

Aber am nächsten Morgen erwarteten wir vergebens einen Angriff. Eine Patrouille meldete, daß das Dorf verlassen sei. Nur aus den letzten Häusern waren sie beschossen worden. Eine zweite Patrouille ging vor und kam mit der Meldung zurück, daß an der Landstraße Schützengräben aufgeworfen seien. Den Arbeiten sah sie ungestört zu. Eine andere Patrouille war vom Feind bemerkt worden und bekam Feuer. Ein Einjähriger fiel, ein zweiter wurde schwer verwundet, der dritte, ein Sonneberger, rettete sich hinter einen Baum.

Früh 5 Uhr begann die Artillerie ihre Tätigkeit, ^er erste Schutz satz im Zentrum des Dorfes, der dritte auf den Zentimeter genau im Schützengraben des Fein­des. Bum! Und rechtsum marsch! marsch! jagten die „Tapferen" davon. Wir, drei Kompagnien hintendrein.

?m Sturm ging's auf das Dorf. Erst beim Bahn- ekamen wir mörderisches Feuer, als wir über freies Feld mußten. Mir flog auf einmal etwas gegen die Brust. Ich drehte mich und war wohl einen Moment bewußtlos. Dann rief ich zwei Leute zu mir, die mir sagten: „Brustschutz!" Das Verbandpäckchen tat mir gute Dienste. Dann kroch ich — neben mir schlugen immer Schrapnells ein — auf allen Vieren den Abhang hinauf, dem Verbandsplatz zu. Dort waren wir, trotzdem die Flagge mit dem „Roten Kreuz" ständig geschwungen wurde, vor dem feindlichen Feuer nicht sicher. Die Ku­gel war mir, wie sich dann herausstellte, auf das Brust­bein geflogen, war abgeprellt und quer durch die Brust hindurch gegangen.

Unsere Stimmung ist prachtvoll und je mehr die Kugeln pfiffen, desto schneidiger gingen wir vor. Und das müssen wir auch noch sagen — ein Infanterist tut das zwar nicht gerne —, aber unsere Artillerie, die schießt, das ist eine wahre Freude. Beim dritten Schuß ist der Kirchturm weg. Die Franzosen dagegen! Schade um ihre schöne Munition! Die Franzosen sind über­haupt immer davon wie der Teufel! Ihre Munitions­kolonnen haben wir gestürmt. Die Pferde hatten sie an die Bäume gebunden. Und eine Fahne haben wir auch schon erobert. Wir, die Münchener!"

Kleine nadiridifen.

Glückliche Flucht eines Fremdenlegionärs. Der Ar­beiter Max Schulze aus Fürstenwalde ist nach Absol- vterung seiner Militärzeit in Deutschland französischen Werbern der Fremdenlegion in die Hände gefallen. Er diente vier Jahre in der Fremdenlegion, und als er von dem Ausbruch des großen Krieges erfuhr, unter­nahm er einen verwegenen Fluchtversuch, um als Va­terlandsverteidiger gegen die Franzosen zu kämpfen. Seinen in Fürstenwalde lebenden Angehörigen teilte er mit, daß er auf deutschem Gebiet sei und sich als Kämpfer zur Verfügung gestellt habe.

Familientragödie wegen Nahrnngssorgen. In der Diedenhosenerstraße zu Berlin erschoß der bei der A. E. G. angestellte Arbeiter Bruckebaum seine 19jahrige Frau mit Mevolverschüssen und richtete darauf die Waffe gegen sich selbst. Nachbarn, die durch die Schüsse alar­miert wurden, riefen die Polizei herbei, die die Woh­nung erbrach und für die Ueberführung des am Kopse Schwerverletzten sorgte. Die Leiche der Frau wurde in ein Schauhaus überführt. Der Grund der Tat soll in Nahrungssorgen zu suchen sein.

Verzweiflungstat einer Mutter. Sich und ihre drei Kinder zu vergiften versuchte die 35 Jahre alte Witwe Emma Kamrowski aus der Schönhauser Allee zu Ber­lin. Während sie selbst und ihr jüngstes Kind, das fünf­jährige Töchterchen Charlotte den Tod fanden, gelang es noch, die beiden anderen sieben und acht Jahre alten Töchter Margarete und Franziska wieder ins Leben zurückzurufen. Nahrungssorgen und Furcht vor Krank­heit brachten die Schwergeprüfte zu ihrer Tat.

Der älteste Sohn des früheren Londoner Botschaf­ters, Freiherr vo« Marschall, Wilhelm Frhr. Marschall v. Bieberstein, der als Leutnant bet den Dragonern steht, wurde bei der Besetzung eines französischen Ortes durch einen Schutz in den Unterleib verletzt: die Ver­wundung ist nicht gefährlich.

Vermischtes.

Felbhumor unseres Kaisers. Der Humor, mit dem unsere prachtvollen Truppen ins Feld ziehen, hat für jeden Deutschen etwas Erquickendes und Kostbares. Unsere Soldaten haben allerdings in ihrem obersten Kriegsherrn ein schönes Vorbild. Manche Scherzworte des Kaisers aus den letzten KrieaStagen wurden bereits

Aber auch aus dem Manöver, wo die Gefahr

»rpar nicht vorhanden, die Strapazen ab^ nicht vttl ge-

Ester sind, lassen sich manche hübschen Scherzworte un­seres Kaisers erzählen, aus denen hcrvorgeht, datz der Kaiser genau wie der gemeine Mann alle Anstrengun­gen und Entbehrungen mit bester Laune auf sich nimmt. Bei dem letzten Kaisermanöver in Posen ereignete sich folgender hübsche Vorfall: Die Soldaten waren durch die Anstrengungen und die große Hitze ermattet. Der Kaiser saß auch etwas müde und durstig inmitten seiner Offiziere auf einem Baumstamme, als eine Kolonne be­staubt daher zog. Wie die Soldaten den Kaiser begeistert grüßten, fragte er sie lachend: „Habt Ihr Durst Leute?" „Jawohl, Majestät!" „Ich auch! Aber wir haben alle nichts zu trinken. Aber tröstet Euch, es wird bald — regnen!" Die gesamte Mannschaft lachte aus voller Kehle und zog freudig bewegt weiter. Der Kaiser kontrolliert die Manöverleistungen im großen wie im kleinen. Er verschmäht es sogar nicht, wenn die Leute schußbereit im Grase liegen, sich selbst auch hinzulegen und nachzusehen, ob sie gutes Schußfeld und die Visiere richtig eingestellt haben. Keinerlei Bequemlichkeit gönnt er sich und lebt in allem und jedem wie der gemeine Soldat. Was das Essen betrifft, so ist er völlig an­spruchslos. Man hat schon erlebt, wie er mit der größ­ten Anspannung der geistigen und körperlichen Kräfte den ganzen Vormittag und halben Nachmittag die Ma­növer verfolgte, ohne Überhaupt den Wunsch nach Speise und Trank auszusprechen. Findet sich aber Gelegenheit, eine Minute dem Essen zu widmen, dann ist er mit jeder Kleinigkeit zufrieden, und wenn gerade nichts anderes bei der Hand ist, tut es auch eine Butterstulle aus dem nächsten Bauernhause. So ließ er sich in einem Manö­ver kurz entschlossen aus der zunächst liegenden Wirt­schaft zwei Bockwürste, ein Butterbrot und ein Glas Bier bringen, und hatte nicht anders als die Soldaten seine Freude an diesem Frühstück.

Eine beherzigenswerte und zeitgemäße Mahnung an Deutschlands Frauen richtet Oberschwester Anna Wolter in der „Deutschen Tageszeitung": Es ist einer deutschen Frau nicht würdig, mit den feindlichen Ge­fangenen zu liebäugeln, ihnen Lebensmittel, Zigarren, Obst, Süßigkeiten und andere Aufmerksamkeiten zntetl werden zu lassen. Wir sahen, wie unsere deutschen Land- wehrmänner als Transporteure der Gefangenen das mit ansehen mußten, ohne daß man ihrer gedachte. Eine echt deutsche Frau vergibt sich nicht so viel. Eine deutsche Frau soll und muß das Schild ihrer deutschen Ehre rein halten. Kriegsgefangene werden im Deutschen Reiche menschenwürdig behandelt, bekommen reichlich und gut zu essen, wie es auch sein muß: denn sie taten für ihr Vaterland dasselbe, was unsere Brüder und Söhne für uns tun, aber es sind bestimmt Feinde. Als Kriegsge­fangene haben sie keine Liebesgaben zu bekommen, laßt die für unsere Brüder, ebenso die Verwundeten, erst unsere Kinder. Unsere deutschen Brüder und Söhne werden nicht so gut behandelt als Gefangene. Man lese die Berichte von den Greueltaten aus Ost und West: wie mancher unserer Landsleute wird sein Leben lassen unter den Händen der rohen Horden. Wie mancher wird verschwinden, ohne daß jemand davon etwas erfährt, wo er blieb. Rußland schickt sogar einen Teil -«von, vielleicht auf Nimmerwiedersehen, nach Sibirien. Frank­reich und Belgien läßt durch Verstümmelungen seine ohnmächtige Wut an ihnen aus. Haben wir doch in den letzten Tagen so überaus traurige Berichte darüber ge­lesen. Do sollte eine deutsche Frau vielleicht die Hände küssen, durch die unsere Kinder verstümmelt und hinter­listigerweise, nicht im offenen, ehrlichen Kampfe geltet wurden. Deutsche Frau, sei der Ehre deines Vater­landes treu und deiner Würde bewußt.

Warum sind „les Maus" der Schrecken Frankreichs? Diese Frage wird in der „Rheinisch-Westfälischen Zei­tung" folgendermaßen beantwortet: Weshalb gerade die Ulanen mit ihrer auf tatarischen Ursprung zurückgehen­den Bewaffnung und Benennung zu diesem fdjltmmen Tataren-Rufe gekommen sind? Zunächst mag als Grund gelten daß diese Waffe, die die Polen von ihren Feinden, den Tataren, und andere europäische Heere von den Polen sogar einschließlich ihrer Uniform und der eigentümlichen polnischen Mütze, der Czapka, übernah­men, daß diese Truppe in Frankreich ganz neu und un­bekannt war: weiter mögen das unheimlich plötzliche Auftauchen und Verschwinden von Ulanen-Patrouillen auf flinken Pferden und die Furcht vor der weithin­reichenden Lanze als Gründe gelten. Dem Säbelhieb eines Reiters kann man ausweichen, man braucht sich nur auf die Erde zu werfen, die Lanze aber sticht zu, wenn der Feind in ihrem Bereich ist. Selbstverständ­lich erzählt man sich von den Ulanen seit 1870 die greu­lichsten Greueltaten, von deren Kern man unzählige Vorspiegelungen der lebhaften französischen Phantasie abschälen muß. Was dann bleibt, ist das richtige Ver­halten gegenüber einem Volk, das im Kriege listig und verschlagen ist, und in vielen Fällen seine Ehre darin gesucht hat und suchen wird, Großmut und Ritterlichkeit durch heimtückischen Ueberfall zu lohnen. Im Interesse der deutschen Sache möchten wir nicht, daß die Ulanen ihren Ruf bei den Franzosen verbessern, im Gegenteil hoffen wir, daß der diesen 1870 eingeflößte Schrecken sich dreifach vertiefen möge. Die Aussichten dazu sind vor­handen, denn auch unsere Kürassiere, Husaren und Dra­goner werden heute mit Lanzen in die Feinde blitzen und sie in ihren Schlupfwinkeln aufstochern.

Kriegsregeln für die Zuhausebleibenden veröffent­licht Liz. Traub: Nicht nur das Schlachtfeld, auch deine vier Wände wollen Helden sehen. — Zahle deine Rech-

vier Wände wollen Helden sehen. — Zahle deine Rech­nungen. — Erhalte dich und die Deinen gesund, da­mit ihr niemandem zur Last fallt. — Gib Gelegenheit zum Verdienen, wo du kannst. — Halte das Deine in Ordnung, damit du jederzeit Opfer bringen kannst. — Ueberlege dir, was du kannst, und verlaß dich nicht auf andere. — Rechne nicht mit lauter Siegen und setze deinen Kopf doppelt steif in den Nacken, wenn einmal eine Schlappe kommen sollte. — Jeder kann jeden Tag etwas besonders Gutes tun, und wäre es nur ein freundlicher Händedruck. — Kopflosigkeit im Inland ist schlimmer als eine verlorene Schlacht im Feld. — Laß deine Kinder diese hohen Stunden miterleben und führe keinen Hauskrieg. — Sei stolz auf diese unvergleich­liche Schicksalsstunde deines Volkes. Wir haben groß begonnen. Aber die Probe kommt erst: sie darf keinen Kleinen unter uns finden. Dann werden wir der Uns- rigen im Felde wert. Ein Volk, ein Schicksal!

Wie die Engländer Krieg führen. Ein Münchener Kunstmaler erzählt in den „Münchener Neuesten Nach­richten", daß im Gespräch über einen möglichen Krieg zwischen Deutschland und England ein Engländer mit der Faust auf den Tisch schlug und erregt rief: „Unser Parlament würde kämpfen bis zum letzten Penny." Der Deutsche antwortete: „Und unser Volk bis zum letzten Blutstropfen." •

Das Bombardement der algerischen Küsten.

Ueber das Bombardement der algerischen Küsten durch die deutschen Kreuzer „Breslau'^ und „Goeben" erfährt man aus dem „Corriere della Sera" vom 6. Au- eein paar interessante Einzelheiten. Unter dem 5.

ult schreibt man dem Mailänder Watt aus Meikina;

„Heute früh um 7 Uyr fuhr am .Kap Peloro bei deutsche Kreuzer „Breslau", der nach hierher gelangten Berichten gestern früh die algerischen Küsten bei Bona bombardiert haben soll, in die Straße (von Messina) ein. All Bord des Schiffes, wohin ich mich mit einigen Kollegen begab, herrscht eine fieberhafte Tätigkeit: Of­fiziere und Matrosen arbeiten gemeinsam, um Taue und Metallnetze in Ordnung zu bringen. Der Kreuzer ist heute imd)t mit Volldampf gefahren, und seine Schornsteine tragen die Zeichen der hohen Temperatur, zu der die Kessel gelangt sind.

Kurz darauf kam der Kreuzer „Goeben": neben ihn legte sich der deutsche Dampfer „General", der vor­gestern herangezogen worden war, um die Kreuzer mit Kohlen zu versorgen. An Bord des Kreuzers „Goeben" bat ein Journalist einen Offizier um Nachrichten über die Beschießung von Bonn. Ich gebe die kurze Unter­haltung wieder.

Der Offizier erklärte vor allem, daß auch Philippe- ville beschossen worden sei. „Gestern bei Tagesanbruch," sagte er, „war von unserem Konteradmiral verfügt wor­den, daß der Kreuzer „Breslau" Bona und der Kreuzer „Goeben" Philippeville zerstören solle. Um 4 Uhr begann die Beschießung der beiden Hafenplätze. Philippeville wurde nach einstündiger Beschießung fast vollständig zerstört: unser Feuer wurde nicht erwidert, und wir entfernten uns, während die Stadt an mehreren Gtel- len brannte. Der Kreuzer „Breslau" beschoß zur selben Zeit ein paar Schiffe, die sich im Hafen von Bona be­fanden: er bohrte sie in den Grund und entfernte sich, nachdem er noch einige Schlisse auf die Stadt abgegeben und das Kastel und ein paar Häuser zerstört hatte. Das Feuer wurde auch in Bona nicht erwidert.

Die beiden Schiffe nahmen unmittelbar darauf die Richtung nach Nordwesten. Auf hoher See wurden wir von einigen englischen Kriegsschiffen gesichtet: sie ge­hörten unzweifelhaft zu der englischen Mittelmeerflotte, die gegenwärtig vor Stalin konzentriert ist. Es wurde sofort Befehl gegeben, daß die Maschinen mit Volldampf fahren sollten, und wir nahmen die Richtung nach Ihrer Stadt. Die englischen Schiffe suchten uns zu verfolgen, aber unsere Geschwindigkeit war größer, und wir ent­fernten uns immer mehr von den englischen Schiffen. Als dann die Nacht kam, sahen wir die Schiffe nicht mehr und wir konnten unsere Fahrt nach Messing ruhig fortsetzen."

Der Journalist fragte: „Haben die englischen Schiffe keinen Schuß abgefeuert?" — „Nein, keinen, denn wir waren außer Schußweite und fuhren mit außerordentlicher Schnelligkeit.

Am Nachmittag manövrierten die deutschen Schiffe innerhalb der Straße. Inzwischen haben die Sema- phore in der Nähe von Kap Spartivento eine Division englischer Schiffe gesichtet: diese Schiffe wollen den Feind offenbar außerhalb der italienischen Gewässer erwarten. Es heißt, daß auch auf der anderen Seite der Meerenge englische Schiffe den deutschen Schiffen den Weg versperren. (Nach den neuesten amtlichen Be­richten ist der Durchbruch der deutschen Schiffe trotzdem gelungen. Die Red.)

Auch bei dieser Gelegenheit zeigt sich wieder, wie gegenwärtig in Paris nach allen Regeln der Kunst ge­logen wird. Französische Zeitungen verbreiteten näm­lich ein offenbar in Paris selbst fabriziertes Telegramm aus Algier, nach dem die beiden Kreuzer von der fran­zösischen Flotte gekapert und samt dem Kanonenboot „Panther", das den Herren Franzosen seit Agadir be­sonders verhaßt ist, in den Grund gebohrt worden seien. „Wie man sieht," bemerkt dazu lakonisch der Corriere della Sera", der den Franzosen im allgemeinen recht hold ist, „ist diese Nachricht durchaus unbegründet."

wie der russische Mob die deutsche

Votschast stürmte.

Zur Ermordung des greisen Dolmetschers Kattner.

Ein aus Petersburg nach Stettin zurückgekehrter Deutscher, der dort als Fabrikleiter tätig war, berichtet in der Ostseezeitung u. a. über die Zerstörung der deut­schen Botschaft:

Schon am Vormittag jenes verhängnisvollen Diens­tags waren „echt-russische Leute" auf den Jsaakplatz ge­kommen, wo ein Denkmal Nikolaus' I. steht, und von wo die deutsche Botschaft nicht wett ab liegt. Sie hatten sich vor dem Denkmal betend niedergeworfen und dann mit wutverzerrten Gesichtern und geballten Fäusten nach der deutschen Botschaft hinübergedroht. Alles blieb den Tag über noch ruhig. Am Spätabend aber sammelte sich eine gewaltige Menge, zog über den Newskiprospekt und riß zunächst das Schild der deutschen „Petersburger Zeitung' und sodann dasjenige einer im selben Hause befcnvlichen deutschen Buchhandlung herunter.

In der deutschen Botschaft war der Haupteingang mit schweren bronzenen Türen verschlossen. Diese ga­ben dem Druck nicht nach. Der wütende Volkshaufe erbrach den Seiteneingang, stürmte in das Botschafts- palats und warf alles, was nicht niet- und nagelfest war, auf die Straße, wo rührige Hände es zu einem Scheiterhaufen zufammenschichteten. Bilder und Seiden- tapeten wurden kreuz und quer durchschnitten. Zwei zurückgebliebene Beamte der Botschaft retteten sich da. durch, daß sie sich unter einem Bett verbargen. Ein drit­ter retirterte über das Dach in die italienische Botschaft. Der greife Botschafts - Dolmetscher Kattner wollte sich ebenfalls dorthin retten. Die Menge drängte ihm nach, und ein Mann ermordete ihn mit zwei Dolchstichen.

Man fand den Leichnam sorglich in Papier gewickelt. Die Zeitungen schreiben, die Leiche habe schon zwei Tage gelegen. Auf das Dach stieg dann ein Mann mit der rupischen Fahne und hielt eine Hetzrede an das Volk. Der deutsche Adler wurde von der Fahnenstange herun­tergerissen und Feuer wurde angelegt. Schließlich warf man unter Schmährufen das Bild des deutschen Kaisers in die Flammen.

. Der Haufe tobte wohl gut drei Stunden vor und in der Botschaft. Keine Polizei war zu sehen. Lange schon loderten die Flammen empor- als 80 berittene Polizisten v^l en mit der größten Ruhe vor dem ^Fotschaft geenüberliegenden Hotel und rtrhrten kein Glied. Endlich löschte die Feuerwehr den Brand. Ein höherer Polizeibeamter beruhigte dann die Menge, die hatte ^sich ausgEbt^ ^' ^ aufgehetzte Volkssaufe

** neuestes vom Gage.

Ein deutsches Unterseeboot vermißt. <

WTB. Berlin, 18. August. Von einer Fahrt mehr "rer Unterseeboote nach der englischen Küste ist das Boot U 15 bisher nicht zurückgekehrt. Englischen Zet, tungsmeldunge« zufolge soll U 15 im Kampfe mit eng- lischen Streitkraften vernichtet worden sein. Ob und welche Verluste diese hierbei erlitten haben, ist nicht z«