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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^»D^ für den Kreis Hersfeld Weiher Sreishlott

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag öon Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 193. Mittwoch, den 19. August 1914.

Bus der Heimat«

* (Verteilung von Denkschriften über Schutzpockenimpfungen.) In einer Anzahl Kreisen des Regierungsbezirks Cassel soll in den nächsten Tagen den Bürgermeistern der einzelnen Ge­meinden eine DenkschriftStatistisches zur Wirkung des Reichs-Jmpfgesetzes vom 8. April 1874" übersandt werden. Die Bürgermeister sind durch die Landräte aufgefordert, bei jeder darbietenden Gelegenheit in aufklärendem Sinne auf die Bevölkerung einzuwirken.

§ Hersfeld, 18. August. Der Herr Minister für Handel und Gewerbe hat ermächtigt, wegen des Krieges Befreiung vom Unterricht der ge- werblichenFortbildungsschuleeintreten zu lassen und wenn es nötig sein sollte, auch die Schulen zu schließen.

§ Hersfeld, 18. August. (Einjährigen-Prüfung.) Da es unter den durch den Krieg geschaffenen Ver­hältnissen jetzt nicht möglich ist, die nach der Deutschen Wehrordnung vorgesehenen Prüfungen für den ein­jährig-freiwilligen Dienst durch die dafür eingesetzten Kommissionen abhalten zu lassen, bestimme ich im Einverständnis mit dem Herrn Kriegsminister und dem Herrn Minister des Innern, daß junge Leute, die auf anderen Schulen als den öffentlichen höheren Lehranstalten (auf Mittelschulen, Privatschulen usw.) oder durch Privatunterricht vorbereitet sind, zu einer Prüfung an sechs- oder neunstufigen höheren Lehr­anstalten behufs Nachweises der wissenschaftlichen Be­fähigung für den einjährig-freiwilligen Dienst zuzu- lassen sind. Bei dieser Prüfung sind im allgemeinen die Forderungen der Prüfungsordnung zum einjährig- freiwilligen Dienst zugrunde zu legen. Die Prüfung ist möglichst abzukürzen und für jede Gruppe in längstens 2 Tagen zu erledigen. Den Geprüften ist ein kurzer Ausweis über das Bestehen der auf Grund dieses Erlasses abgehaltenen Prüfung für den ein­jährig-freiwilligen Dienst'sofort auszuhändigen. Es ist ihnen mitzuteilen, daß sie auf Grund dieses Aus­weises und nach Erfüllung der übrigen vorgeschriebenen Bedingungen nach der Demobilisierung den Be­rechtigungsschein für den einjährig-freiwilligen Dienst beantragen können. Voraussetzung für die Zulassung zur Prüfung ist, daß die Bewerber die Zustimmung ihrer Eltern oder deren Stellvertreter zum Eintritt in das Heer, sowie ein ärztliches Zeugnis über ihre Militärtauglichkeit vorlegen. Alle höheren Lehr­anstalten sind zu ermächtigen. Meldungen zu diesen Prüfungen anzunehmen und die Prüfungen sofort abzuhalten.

):( Hersfeld, 18. August. In der heute nachmittag 5 Uhr im Rathaussaale abgehaltenen Sitzung der Stadtverordneten-Bersammlung waren 16 Stadtverordnete anwesend. Vom Magistrat waren erschienen die Herren Beigeordneten Schimmel- p f e n g, Stadtrat S e e l i g und Stadtrat Hirsch- b e r g e r. Herr Stadtverordneten-Vorsteher Becker eröffnete um 5 Uhr die Sitzung. In warmen Worten der Anerkennung gedachte er des dazwischen aus dem Leben geschiedenen langjährigen früheren Stadtver­ordneten und späteren Magistratsmitgliedes Herrn Maurermeister Julius Roll und forderte die Ver­sammlung auf, zu Ehren des Verstorbenen sich von den Sitzen zu erheben, was geschah. Darauf wurde in die Tagesordnung eingetreten. Der Magistrat hat unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Stadt- verordneten-Versammlung zu Kriegsunterstützungen für bedürftige Familien der infolge der Mobilmachung zu den Fahnen eingezogenen Militärpersonen hiesiger Stadt einen Betrag von vorläufig 10 000 Mark zur Verfügung gestellt. Die Bewilligung dieser Kriegs­unterstützungen soll durch die Armenkommission er­folgen, weil diese die betreffenden Verhältnisse am besten zu beurteilen vermag. Diesem Beschlusse er­teilte die Stadtverordneten-Bersammlung nach warmer Empfehlung durch den Herrn Stadtverordneten- Vorsteher einstimmig und ohne Debatte ihre Zustim­mung. Herr Stadtverordneter Färbmeister 'Wolfs hielt es im Anschluß hieran für wünschenswert, daß seitens der Stadt auch für diejenigen Familien etwas geschieht, deren Ernährer in Folge der Kriegsunruhen durch Einstellung von Fübrikbetrieb arbeitslos ge­worden und in Not geraten sind. Herr Stadt­verordneter Arthur R e hn ist der Ansicht, daß diesen Leuten, wenn eine Geldunterstützung nicht beliebt werden sollte, durch Einrichtung von Notstandsarbeiten (Wegebauten etc.) lohnende Beschäftigung gegeben werden könne. Die Versammlung beschloß, diese Angelegenheit dem Magistrat zur Beschlußfassung zu unterbreiten. Durch das Ableben des Herrn Stadt­rats Julius N o l l ist eine Ergänzungswahl für den Magistrat erforderlich geworden. Bei dieser Wahl wurden 16 zusammengefaltete Stimmzettel abgegeben. Davon lauteten 11 auf Herrn Leder­

fabrikant Jean R e ch b e r g, 4 auf Herrn Tuchfabrikant Alex Rehn nud 1 auf Herrn Färbereibesitzer Daniel Stern. Herr Lederfabrikant ^eau Rechberg ist somit zum Mitglied des Magistrats gewählt worden. An Stelle des verstorbenen Herrn Julius N o l l wurde Herr Metzgermeister Ernst H e r d a zum Mit­glied des Vorstandes der gewerblichen Fortbildungs­schule gewählt. Zur Vorprüfung der Jahresrechnung der Gaswerkskasse für das Rechnungsjahr 1912/18 wurde ein Ausschuß gewählt, der aus den Herren Kaufmann Lorenz M o h r, Gerichtsvollzieher Heinrich Becker und Rentner Arthur Rehn besteht. Ein vom Magistrat entworfenes neues Statut für die städtische Sparkasse wurde von der Versammlung angenommen mit einer kleinen Abänderung, wonach eine Mitwirkung der Stadtverordneten-Bersammlung bei der Abänderung des Zinsfußes der Sparkasse vorgesehen wird. Für Vornahme notwendiger bau­licher Herstellungen im Dachgeschoß der Schlachthof- anlage hat der Magistrat 400 Mk. Kosten bewilligt. Die Stadtverordneten erklärten sich hiermit ein­verstanden. Für Unterbringung der landwirtschaft­lichen Winterschule im Winterhalbjahr 1914/15 hat der Magistrat einen Geldbeitrag von 300 Mk. zur Verfügung gestellt unter dem Vorbehalt, daß diese Bewilligung zurück gezogen wird, sobald geeignete Räume zur Aufnahme der landwirtschaftlichen Winterschule in einem städtischen Gebäude abgegeben werden können. Diesem Beschluß stimmten die Stadtverordneten zu unter der Voraussetzung, daß die landwirtschaftliche Winterschule überhaupt im Winterhalbjahr 1914'15 in Tätigkeit tritt. Für Verlängerung des Hauptrohr­strangs der Gasleitung in der Schlippentalstraße und Aufstellung einer neuen Gaslaterne daselbst hat der Magistrat die entstehenden Kosten mit der Maßgabe bewilligt, daß die Arbeiten aLsourd ausgeführt und die Kosten in dem nächsten Etat eingestellt werden. Die Stadtverordneten genehmigten dies. Ebenso bewilligten die Stadtverordneten einen weiteren Kosten­betrag von 1500 Mk. für Ausführung elektrischer Haus­anschlüsse, da der für diesen Zweck bewilligte etatmäßige Verlag vergriffen ist. Auf höhere Anordnung soll bei dem Einwickeln des Fleisches auf der städtischen Freibank im Schlachthof aus hygieuischen Gründen eine besondere Art von Papier zur Verwendung kommen. Durch Beschaffung dieses Papiers entstehen etwa 50 Mk. Kosten jährlich. Der Magistrat hat be­schlossen, die erforderlichen Mittel durch Erhöhung der Freibankgebühr um 50 Pfg. für ein Stück Groß­vieh und um 25 Pfg. für die anderen Tiergattungen aufzubringen und die Stadtverordneten erklärten sich hiermit einverstanden. Nachdem noch von Herrn Stadtverordneten H e r d a die Annahme von Hilfs- feldhütern zur Wahrnehmung des Feldschutzes in Anregung gebracht worden war, schloß der Vorsitzende die öffentliche Sitzung und die Versammlung trat in eine vertrauliche Beratung und Beschlußfassung ein.

Cassel, 17. August. Todessturz vom Oktogon. Ein erschütternder Unfall hat sich gestern nachmittag gegen 5 Uhr am Herkules zugetragen. Ein etwa 10- jähriger Schuljunge namens Heinrich Müller, dessen Eltern am Pferdemarkt wohnen, war mit mehreren Schulgenossen im Innern des Oktogon herumgeklettert. Dabei ist derJungewahrscheinlichvoneinemSchwindel- anfall ergriffen worden. Er stürzte in die Tiefe und blieb tot liegen. Sein etwa 12 Jahre alter Bruder wollte ihn halten, konnte aber den Sturz nicht ver­hindern. Die Leiche des verunglückten Knaben wurde durch Mitglieder der Kriegersanitätskolonne vom Roten Kreuz nach Cassel gebracht.

Wildnngen, 15. Aug. Herr Carl Zeiß hierselbst hat sein ErholungsheimEbersberg" als Etappenlazarett u. Genesungsheim sür Offiziere zur Verfügung gestellt.

Sontra, 17. August. Am Sonnabend wurden die sterblichen Ueberreste des Veterans Carl Kraft von hier zur letzten Ruhe getragen. Kraft hatte als Musketier der 7. Komp. des Infanterie-Regiments Nr. 83 den Feldzug gegen Frankreich mitgemacht und an einer ganzen Anzahl Schlachten und Gefechten teilgenommen. Im Jahre 1887 trat er in den Dienst der Stadt als Feldhüter und wurde im Jahre 1909 pensioniert. Bis zur Todesstunde zeigte Kraft ein reges Interesse an unserer jetzigen Kriegslage. Die beiden hiesigen Kriegervereine gaben ihrem Kameraden das letzte Geleit. Ueber den Grabhügel wurde die übliche Ehrensalve abgegeben.

Friedrichroda, 14. August. In der Nähe des Waldhauses" stürzte die beim hiesigen Postamt angestellte 20jährige Telephonistin Helene Lephtien aus Sondershausen so unglücklich vom Rade, daß sie schwerverletzt aufgehoben wurde und nach kurzer Zeit an den Folgen eines Schädelbruches starb. Die Leiche wurde in die Heimat der Verstorbenen übergeführt.

»urt a. M., 12. August. In zahlreichen en hiesige Hausbesitzer Frauen und Kinder von im Felde stehenden Mietern gewaltsam aus der

Wohnung gewiesen, weil diese mit der Miete im Rückstand geblieben sind. Das Garnisonkommando wendet sich aus diesem Anlaß an die Stadt und ersucht diese um Beseitigung dieser schreienden Hartherzigkeit seitens dieser Hausbesitzer. Es droht, falls die Re­pressalien gegen die armen Leute trotzdem nicht unterbleiben, die Namen dieser Hauspaschas rücksichts­los an den Pranger der Oeffentlichkett zu stellen.

Gersfeld (Rhön), 15. August. Durch das Aus­schlagen eines Pferdes wurde der24jährige, verheiratete Reservist S. so schwer verletzt, daß er alsbald im La­zarett verstarb.

Kastei, 16. August. Die Witwe des von Kastel stammenden amerikanischenBierbrauerkönigs" Adolf Busch, die in Langenschwalbach in Kur weilt, hat für dasRote Kreuz" die Summe von 12,000 Mark ge­stiftet. Ihre Söhne, die sich noch in Deutschland auf­halten, haben gleichfalls größere Summen für den­selben Zweck gestiftet.

Die Ernte.

Es wogen und warten die Aehren Und harren des Schnitters Hand. Da blasen die Trompeten Durchs deutsche Vaterland.

Schlagt eure blinkenden Sensen Getrost an der Haustür hinein, Mäht weiter an Deutschlands Grenzen! W t r holen die Ernte schon ein!

Viel Säbel und Lanzen blitzen Wie Aehren im Morgenrot.

Es reitet an der Spitzen Der große Schnitter Tod.

Ihr sonnenbraunen Brüder Es kann nicht anders sein, Nun holt der Heimat Hiiter, Die blutige Ernte ein!

Sie haben auf deutsche Erde

Uns Drachengift gesät, Nun sei's mit deutschem Schwerte Gerodet und gemäht.

Bald wächst auf deutschem Boden Der Weizen wieder rein. Die Schnitter aber, die Toten, Gehn zur ewigen Ern te ein.

David Koch.

Kein Geld mehr für die Heilsarmee.

Trotz des über uns hereingebrochenen Krieges entfaltet, wie wir aus eigener Anschauung mehrfach feststellen konnten, die Heilsarmee nach wie vor eine rege Tätigkeit im Sammeln von Geldern. Es wird den meisten unserer Leser bekannt sein, daß der Sitz der Heilsarmee sich in England befindet, wohin auch ein großer Teil der eingesammelten Gelder avgeführt wird, und daß es für die Folge Pflicht eines jeden Deutschen sein wird, rundweg jede Aufforderung von Boten der Heilsarmee zu Beiträgen abzulehnen. Einzig und allein den wohltätigen Anstalten unseres Reiches lasse man heute Unterstützungen zukommen.

Für den Baterlandifchen Frauenverein sind bei L. Pfeiffer, Depositenkasse Hersfeld ferner eingegangen:

von Herrn Carl Schimmelpfeng . . . . M. 300. Kirchspiel Kirchheim....... 150.

Herrn Heinrich Schade, Betriebsleiter 50. Frau Rechtsanwalt Brethauer . . . 50. Herrn Lehrer a. D. Müller . . . . 25. Herrn Elias Stern....... 20. Herrn Pfarrer Wittekind..... io. Herrn Heizer Jacob Kühn . . . . 1. den Arbeiterinnen am Lullusbrunnen io. Herrn Brunnenmeister Nehm . . . io. Ungenannt........... io. Frau Pfarrer MinnaGonnermann Wwe.,, 10. Käte Gonnermann 10. Herrn Friedrich Lorenz Wolff . . . 20. --9^-37 Bestand 1646.22 heutiger Bestand M. 2322.22

von

Für das Rote Kreuz:

Ungenannt...........M.

Kirchspiel Kirchheim.......

Herrn Zollinspektor Fernau . . . .

Bestand

Heutiger Bestand E

10.

150.

100.

260.

150.

4107: