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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

HmWn

für den Kreis Hersfeld

Kreisblatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 192.

Dienstag, den 18. August

1914.

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

Bus der Heimat«

* (Eisenbahnverkehr.) Vom 15. Mobil­machungstage, dem 16. August, ab werden bis auf Weiteres alle Militärlokalzüge zur Beförderung von Privatgut für die Militärverwaltung, Arzneimitteln, Verbandsstoffen und Rohstoffen dazu sowie von Lebens­rnitteln, wie Getreide, Mehl, Salz, Kartoffeln, Fleisch, Wurst- und Kolonialwaren, Brot, Milch, Eier, Butter, Käse, Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst usw. freigegeben. Auch Vieh darf in beschränktem Umfange mit diesen Zügen befördert werden; die Dienststellen erteilen nähere Auskunft. Die Freigabe der Militärlokalzüge für Lebensmittel und Vieh erstreckt sich zunächst nur auf Transporte innerhalb des Eisenbahndirektions­bezirks Cassel sowie nach Stationen der Strecke bis Frankfurt über Marburg, Kreuzthal, Schwerte, Brack- wede, Hannover, Magdeburg über Kreiensen und Nordhausen, Halle a. S. Vom 16. Mobilmachungstage, dem 17. August, ab wird auch der Güterverkehr auf den Strecken des Direktionsbezirkes Cassel wieder ausgenommen. Es wird auf jeder Strecke und in jeder Richtung ein Nah- und ein Durchgangsgüterzug gefahren. In erster Linie wird Privatgut für die Militärverwaltung in zweiter Linie Lebensrnittel und Vieh befördert. In beschränktem Maße werden Roh­stoffe, die zur Anfertigung von Kriegsmaterial un­erläßlich sind, Futtermittel, Oele und Druckpapier für Zeitungen angenommen. Lieferzeiten können noch nicht innegehalten werden. Da für die Beförderung nur offene Wagen (soweit vorhanden mit Schutzdecken) gestellt werden können, kann die Eisenbahnverwaltung eine Haftpflicht für etwaige Beschädigung der Güter nicht übernehmen. Die Versender werden ausdrück­lich hierauf hingewiesen. Ein Anspruch auf Be­förderung besteht nicht; sie erfolgt nur in dem Um­fange, als die Züge nicht durch militärische Transporte bereits voll belastet sind.

* (Lest die amtlichen Bekanntmachungen!) In einer so stürmischen Zeit, wie der gegenwärtigen, gilt es noch mehr als sonst schon, die Zeitungen auf­merksam zu lesen, und zwar besonders auf alle amt­lichen Ankündigungen hin, die seitens der Behörden an das Publikum gerichtet werden. In besonderem Maße gilt dies auch für die Handel- und Gewerbe­treibenden, an die sich Behörden, wie auch die Handels­kammer, in der letzten Zeit wiederholt gewandt haben.

* (M i li t ä r - M o t o r f a h r e r.) Durchaus tüchtige und zuverlässige, gesunde Motorradfahrer, die nicht dienstpflichtig sind, ein geeignetes, kriegsbrauch- bares Motorzweirad besitzen und bereit sind, in Etappendienst gegen angemessene Entschädigung auf Grund abzuschließender Privatdienstverträge ver­wendet zu werden, können sich unter Ueberreichung ihrer Papiere und eines polizeilichen Unbescholten- heitsattestes schriftlich oder mündlich bei der Inspektion des Militärluft- und -Kraftfahrwesens in Berlin- Schöneberg, Fiskalische Straße freiwillig melden.

* (Nachrichten der Soldaten aus dem Feld.) Die Angehörigen unserer Soldaten im Feld brauchen nicht besorgt zu sein, wenn in den ersten Tagen oder vielleicht auch Wochen des Feldzugs keine Lebenszeichen eintreffen. Briefe dürfen voraussichtlich überhaupt nicht geschrieben werden, sondern nur offene Postkarten, die ohne Ortsangabe durch die Feldpost befördert werden. Im Interesse der großen Sache aber scheint es ratsam, auch die Kartengrüße vorläufig einzuschränken, so daß also das Ausbleiben eines Grußes oder einer Mitteilung nicht gleich als ernstes Zeichen aufgefaßt zu werden braucht.

§ Hersfeld, 17. August. Der Ortsverband der Gemeindebeamten der Stadt Hersfeld be­willigte in seiner Sitzung am 15. ds. Mts. 200 M k. zur Unterstützung hilfsbedürftiger Angehöriger von zum Kriegsdienst eingezogenen Einwohnern hiesiger Stadt.

8 Hersfeld, 17. August. Warnung vor un­berufenen Sammlern für das RoteKreuz. In letzter Zeit hat eine Sammlerin unter dem Vor­geben, Beiträge und Gaben für das Rote Kreuz zu erheben, in hiesigen Familien Gelder eingesammelt. Da es sich um eine Täuschung handelt, so wird hiermit öffentlich vor unberufenen Sammlern nnd Sammle­rinnen gewarnt. Die hiesigen Vereine vom Roten Kreuz haben bis jetzt eine Hausfammlung noch nicht in die Wege geleitet, sondern nur gebeten, Geld­spenden für die Zwecke des Roten Kreuzes an die Sammelstellen: Depositenkasse L. Pfeiffer, Kaiserstraße und im Königlichen Lanöratsamt, sowie an Vorstands­mitglieder der Roten Kreuz-Vereine abzugeben. Falls

eine Haussammlung veranstaltet wird, so geschieht dieselbe nur durch legitimierte Sammler und nach vorhergegangener öffentlicher Bekanntmachung.

):( Hersfeld, 17. August. (Vorsicht bei Auf­bewahrung von Mehl, Gries usw.) Im Hinblick auf die großen Mengen von Mehl, Gries usw., die in der letzten Zeit in Haushaltungen eingelagert worden sind, muß darauf hingewiesen werden, daß diese Waren bei unzweckmäßiger Aufbewahrung leicht dem Verderben ausgesetzt sind. Mehl, Gries und ähnliche Produkte dürfen nicht in feuchten Räumen (Küchen oder Kellern) aufgehoben werden. Zur Er­haltung dieser Artikel ist luftige und trockene Lagerung dringend notwendig. Am besten bewahrt man sie in Söckchen aus Leinen, Zwillich oder Jute auf.

Heinebach, 13. August. Man fand den 19jährigen Arbeiter S. aus Konnefeld mit zerschmettertem Kopf am Bahndamm liegen. Wie der junge Mensch, der zwischen hier und Altmorschen den Wachdienst an der Bahn zu versehen hatte, ums Leben gekommen ist, konnte nicht genau festgestellt werden.

Caffel, 14. August. Der Verband für Bahnhofs­aufseher und Eisenbahnunterassistenten, Sitz Cassel, hat dem Roten Kreuz zur Pflege verwundeter Krieger 6000 Mark überwiesen.

Marburg, 14. August. Infolge eines unglücklichen Zufalls wurde bei der sog. Mainmühle bei Batziesdorf der 12jährige Sohn des Mühlenbesitzers von einem Wachtposten aus Ginseldorf erschossen.

Langensalza, 14. August. Von einem Erntewagen überfahren wurde auf der Mühlhäuser Chaussee ein 10jähriger Junge. Er wurde so schwer verletzt, daß bald darauf der Tod etnirat.

Vom Eichsfelde, 14. August. Vorgestern abend zog ein schweres Gewitter über die hiesige Gegend. In Neuendorf traf ein Blitzstrahl das Gehöft des Landwirts Chr. Müller und zündete. Dies sowie drei andere Gebäude, wurden total in Asche gelegt. Der Schaden ist bedeutend, aber durch Versicherung gedeckt.

Erfurt, 13. August. Der Verband Thüringer Metallindustrieller in Erfurt hat beschlossen sein ge­samtes Vermögen zur Unterstützung der zurückge­bliebenen Kriegsteilnehmer zu verwenden und zu diesem Zweck eine Rate von 50 000 Mark zur Ver­fügung gestellt.

Brilon, 13. August. Die vereinigten Metzger des Kreises Brrlon stellten dem Roten Kreuz 10 000 Pfund Speck unentgeltlich zur Verfügung.

Coburg, 14. August. Von der an Pilzvergiftung erkrankten Familie des Malermeisters Fischer ist heute auch der 12jährige Sohu gestorben. Von der vierköpfigen Familie ist nur noch der Vater am Leben.

Apolda, 14. August. Im benachbarten Flurstedt scheuten die Pferde des Landwirts Hugo Feldrappe. Dabei geriet der 64jährige Mann unter sein Geschirr. Er wurde so schwer verletzt, daß der Tod sofort ein- trat. Der Unglücksfall betrifft die Witwe um so schwerer, weil soeben die beiden einzigen Söhne zu den Waffen gerufen wurden.

Mühlhausen, 13. August. Einem demMühlh. Anz." zur Verfügung gestellten Briefe eines bei den Grenzschutzabteilungen im Oberelsaß stehendenOffiziers entnehmen wir folgende bemerkenswerte Stelle: Ich bin in den letzten Tagen ziemlich viel auf Patrouillie gewesen und habe mehrfach Feuer bekommen. Die Franzosen schießen sehr schlecht. Ein verwundeter französischer Unteroffizier sagte, sie wüßten nicht wohin sie zielen sollten, da die Deutschen in den grauen Uniformen nicht zu sehen wären. Die Franzosen find in blauer Uniform mit roten Hosen." Unsere Feld­uniform scheint also ihren Zweck, unsere wackeren Soldaten weniger bemerkbar zu machen, völlig zu er­füllen. Dagegen die Franzosen mit ihren leuchtenden roten Hosen!

Neustadt, 14. August. Ein Einwohner aus Mengs- berg, welcher unterhalb der Ueberführuny nach Wiera zu Bahnwache hatte, wurde von einem Eisenbahnzuge in der Dunkelheit erfaßt und am Kopfe schrecklich zugerichtet. Das Gewehr ging ebenfalls in Trümmer.

Frankfurt, 14. August. Die französischen Ge­fangenen in der Bethmannschule haben ihren Ort ge­wechselt. Sie sind heute nacht abtransportiert worden. Wenn wiederum französische Gefangene nach Frank­furt kommen, das übrigens nur kurze Durchgangs­station ist, dann werden sie an eine entlegene Stelle verbracht, wo sie der Neugier nicht allzu sehr preis- gegeben sind. Mit dieser Maßnahme muß man sich durchaus einverstanden erklären, wie überhaupt mit allem was geeignet ist, eine Wiederholung der un­passenden und unwürdigen Szenen zu verhüten, die sich beim Zug der Franzosen durch die Straßen und

vor ihrem Standort ereignet haben. Wie verlautet, beabsichtigt das Generalkommando zu veranlassen, daß alle Personen, Männer oder Frauen namentlich das weibliche Geschlecht hat sich bekanntlich bei der Begrüßung" der Franzosen unrühmlich ausgezeichnet die sich an die Gefangenen herandrängen, der Polizei vorgeführt und daß ihre Namen in den Zeitungen veröffentlicht werden. Das wird wohl helfen nnd beut groben Unfug steuern.

Gedenket allzeit des Roten Kreuzes!

Wenn eisiger Sturm über die Stoppelfelder fegt, wenn Flur und Wald mit Eis und Schnee bedeckt sind, dann ließt man an der Spitze vieler Zeitungen den Mahnruf:

Gedenket der frierenden und darbenden Vögel". Der Ernte reicher Segen, der Sonne Glanz erwärmt und nährt unsere gefiederten Schützlinge.

Unsere Söhne und Brüder aber stehen im Felde, bereit bis zum letzten Blutstropfen das von arglistigen Feinden überfallene Vaterland zu schützen. Ihnen gilt fortan unsere rastlose, unermüdliche, liebende Fürsorge. Groß und reichlich sind die Gaben, die bis­her geflossen sind, groß und übergroß aber werden die Anforderungen wachsen, die an das Rote Kreuz ge­stellt werden. Darum möge jeder, ganz gleichgültig, ob und wieviel und wie oft er bereits gegeben hat, niemals jene jugendlichen Helfer und Helferinnen mit der Sammelbüchse des Roten Kreuzes vergeblich bitten lassen.

Du aber, ehrwürdige Matrone, und Du, Großvater eines im Felde stehenden Enkels, wenn Dir in der elektrischen, Untergrund- oder Stadtbahn oder irgend einem anderen öffentlichen Verkehrsmittel hier und in der Provinz ein solcher jugendlicher Sendbote des Roten Kreuzes begegnet, so tritt ihm für einen Augen­blick Deinen Platz ab, damit er ausruht, nimm die Sammelbüchse in die Hand und, nachdem Du Deine Gabe der Liebe hinein getan, wende Dich an Deine Fahrtgenossen. Wohl niemals wird sich jemand Deiner Bitte versagen und wenn einzelne, die nicht mehr haben, Dir einen Pfennig geben, so bedeutet diese Mindestgabe einen lindernden Tropfen auf die Wunden unserer kämpfenden Brüder. Du aber, der Du Dich auch selbst der kleinsten Gabe weigerst, bedenke, ob nicht im gleichen Augenblick einer, der Deinem Herzen nahesteht, der Fürsorge des Roten Kreuzes bedürftig geworden ist.

Sie aber, verehrte Zeitungs-Redaktionen, ohne Unterschied der politischen Parteien, die Sie am Am­boß der Aufklärung das deutsche Volk in so unüber­trefflicher Weise zusammengeschmiedet haben, an Sie richte ich die herzliche Bitte, schreiben Sie fortan an die Spitze jeder Ihrer Nummer: Gedenket allzeit des Roten Kreuzes!".

Eingesandt.

Aus Cassel wird geschrieben:

Die städtischen Fortbildungsschulen bleiben, wie im Anzeigenteil mitgeteilt wird, währen­der Dauer des Krieges geschlossen. Unsere Kauf­leute und Gewerbetreibenden sind durch die Einbe­rufung zahlreicher Angestellten vielfach in schwierige Lage gekommen, indem die Aufrechterhaltung des Betriebes mit den Zurückgebliebenen oft kaum möglich ist. Unter diesen Umständen erscheint es zweckmäßig, ihnen die Arbeitskraft der noch nicht Einberufenen in möglichst weitem Maße zur Verfügung zu stellen. Durch die Ueberlassung der bisher durch den Besuch der städtischen Fortbildungsschulen in Anspruch ge­nommenen Stunden kann in vielen Fällen schon wesentlich geholfen werden.

Eine derartige Anordnung wird gewiß in diesen schweren Zeiten in den beteiligten Kreisen auf das freudigste begrüßt werden und entspricht auch voll und ganz einem wirklichen Bedürfnis. Leider liegen hier in Hersfeld die Verhältnisse anders, da von heute ab wieder sämtliche Lehrlinge die Fortbildungsschule besuchen müssen. Gerade wo jetzt die Einberufung des Landsturms abermals große Lücken reist, wird jedermann selbst auf die kleinste Arbeitskraft ange­wiesen. Ja, es gibt wohl Betriebe, in denen der Lehrling noch die einzige Hilfe ist und nur mit dieser Hilfe gelang es bisher dem betreffenden Handwerks­meister, sein Geschäft wenn auch klein, so doch aber im Betriebe zu erhalten. Es wird wohl für die die Fortbildungsschule besuchenden Jungen kein allzu großer Schaden sein, wenn sie die Schule mal eine Zeit lang entbehren. Es wäre doch dringend zu wünschen, wenn die zuständigen Stellen dafür sorgen würden, daß die Schule einstweilen noch geschlossen bleibt. Was anderwärts möglich ist, dürfte auch hier zu erreichen sein.

Wetteranssichten für Dienstag den 18. Angvst

Wechselnd bewölkt, noch einzelne Regenschauer, kühl, Winde aus nördlichen Richtungen.