Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld
Weiher Äreistilott
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 191.
Sonntag, den 16. August
1914.
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.
Bus der Heimat«
* (Hausbesitzer und Mieter.) In einem Aufruf des Schutzverbandes für den deutschen Grundbesitz heißt es unter anderm: „Die Häupter der Familien die in einem Hause wohnen, sind vielfach in den Krieg gezogen. Einem erheblichen Teile von ihnen ist, wie wir mit Befriedigung konstatieren müssen, dadurch die Sorge um die Ihrigen erleichtert oder abgenommen worden, daß die dem Verbände angeschlossenen Anstalten und Unternehmungen in großer Anzahl die Weiterzahlung desGehaltes vorzunehmen beabsichtigen. Hier sind also die Mieten nicht gefährdet,- denn ein gesetzliches Recht, mit der Miete im Rückstand zu bleiben, gibt es nicht. Auch der Ausbruch des Krieges ändert daran nichts, woraufmit Recht derOberpräsident der Provinz Brandenbnrg und der Magistrat von Berlin hingewiesen haben. In den Fällen aber, in denen die zurückgebliebenen Angehörigen der zu den Fahnen berufenen Mieter in Not geraten, erwarten wir, daß die Grundbesitzer in der Einforderung der Mieten Nachsicht üben werden. Zugleich erwarten wir auch, daß die Hypothekengläubiger, insbesondere die'Hypothekenbanken, Versicherungsgesellschaften und Sparkassen in solchen Fällen den Zeitverhältnissen Rechnung tragen und nicht sofort wegen unpünktlicher ZinszahlungmitZwangsmaßregeln vorgehen werden."
* (Invalidenversicherung.) Den Angehörigen der zum Kriegsdienst eingezogenen Versicherten wird dringend geraten, deren Quittungskarten für die Invalidenversicherung aufrechnen zu lassen und die Aufrechnungsbescheinigung sorgfältig aufzubewahren. Die Aufrechnung erfolgt auf den Polizeirevieren und bei der Ausgabestelle für Quittungskarten des Magistrats Berlin, Klosterstraße 65 67. Für die zum Kriegsdienst eingezogenen Versicherten sind Beitragsmarken nicht zu verwenden, auch wenn Lohn oder Gehalt weiter gezahlt werden. Die Militärzeiten werden bei der späteren Rentenfeststellung als Beitragswochen angerechnet. Für die in versicherungspflichtiger Beschäftigung verbleibenden Personen sind auch während des Krieges Beitragsmarken zu verwenden.
* (Herzliche Bitte um Bücher für die Truppen.) Der uns aufgedrungene Krieg führt Hunderttausende deutscher Brüder ins Feld. Alle im Vaterland Zurückbleibenden empfinden es als heilige Pflicht, äußeren Mangel von unseren Soldaten und ihren Angehörigen fernzuhalten. Schon sind in den letzten Tagen Beweise rührender Liebe bekannt geworden. Wer hilft nun den Zentralverein zur Gründung von Volksbibliotheken in Berlin bei der geistigen Versorgung unsrer Truppen? Es gilt die Verwundeten in den Lazaretten, die auf längere Zeit in bestimmten Plätzen liegenden Heeresteile usw. auf jede nur mögliche Art mit guter Lektüre zu versorgen. Sie soll trübe Stunden verscheuchen und in den Lesern das Gefühl wach halten, daß das Vaterland ihrer gedenkt. Dem „Zentralverein zur Gründung von Volksbibliotheken" war ^tn der Friedenszeit eine reich gesegnete Tätigkeit vergönnt. Er möchte nun auch in ernster Zeit helfen und bittet um freundliche Unterstützung aller, die dies lesen. Geeignet erscheinende Bücher und Schriften, aber auch Geldspenden wolle man freundlichst an den „Zentralverein zur Gründung von Volksbibliotheken" in Berlin sw. 68 einsenden. Er wird die Eingänge sorgfältigst verwalten. Jeder Geber erhält auf Wunsch Nachricht über die Verwendung. Geldgeschenke sind für etwa nötige Neu- Herrichtung von Büchern oder für Neuanschaffungen besonders willkommen.
* Von einemJdyll in Kriegszeiten weiß die „Neue Hamburger Zeitung" zu berichten. In Curhaven sitzt ein verzweifelter Redakteur im Redaktionszimmer seiner Zeitung. Die letzte Nachricht, die er brächte, war die Kriegserklärung Englands. Was in den beiden folgenden Tagen in der . Welt 'geschehen ist, weiß er nicht. Cuxhaven ist Festung: kein Brief, kein Telegramm, kein Depeschenbrief, keine Zeitung kommt herein. Alle Post liegt auf der Kommandantur. Der Redakteur wartet und wartet auf die Depeschen, auf seine Post, aber es kommt nichts. Und auch die Leser warten, die Zeitung muß heraus. Da greift er verzweifelt nach Schere und Leimpinsel, schneidet aus alten Zeitungen „kleines Feuilleton" heraus und gibt die ältesten Ladenhüter zum Satz. Um ihn herum brennt die Welt, die Gegenwart brüllt — er sitzt mitten drinnen in einem Ort, der jede Stunde Mittelpunkt ungeheuren Geschehens sein kann — und er hat seinen Lesern nicht anderes zu bieten als Anekdoten von großen toten Männern.
* (WarnungvorSchwindlern. Aus Frankfurt a. M. wird geschrieben: Kaum sind die Sammel- fteHen für das „Rote Kreuz" in Umlauf gesetzt, so erscheinen auch schon Leute, die angeblich für das Rote Kreuz sammeln wollen. Packt man diese Sammler aber etwas fester an und verlangt Ausweispapiere, so verduften sie gewöhnlich. Die Einwohner werden ersucht, sich von verdächtigen Sammlern stets Ausweispapiere vorzeigen zu lassen. Personen ohne Ausweis find unbedingt abzuweisen.
* (Schweigepflicht der Presse.) Es muß nochmals dringend auf die Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 31. Juli hingewiesen werden, nach der die Namen der höheren Truppenführer nicht bekannt gegeben werden dürfen. Derartigen Mitteilungen gleich zu achten sind auch die Veröffentlichungen von Bildern höherer Offiziere in illustrierten Zeitungen und Beilagen der Tagespresse. Diese sind für unsere Gegner von größtem Interesse. Zuwieder- Handlungen werden streng geahndet werden: Verbot der Zeitungen.
§ Hersfeld, 15. August. (D i e G e m ü s e e r n t e in Gefahr! In der gegenwärtigen allgemeinen Aufregung dürfte es manchem entgangen fein, daß der Schmetterling des Kohlweislings stärker denn je fliegt. Untersucht man unsere Kohlpflanzen (Weißkraut, Wirsing, Blumenkohl usw.), so findet man namentlich auf den Unterseiten der Blätter bereits zahlreiche gelbe Eierhäufchen dieses Pflanzenschädlings abgelegt. Es ist die allerhöchste Zeit, die Pflanzen nach diesen leicht sichtbaren gelben Eierhäufchen abzusuchen und diese zu zerdrücken. Schulkinder vom 8. bis 12. Lebensjahr eignen sich dazu am besten. Eile tut not, wenn unsere G> müseernte nicht zerstört werden soll.
§ Hersfeld, 15. August. Vom 17. August d. J. ab wird der Unterricht in der hiesigen gewerbl. Fortbildungsschule wieder stundenplanmäßig erteilt.
):( Hersfeld, 15. Aug. Ein 49 Jahre alter Krieger aus Hagen, der als Freiwilliger beim Ersatzbataillon 83 Cafsel eingereiht ist und zum Wachtkommando Hersfeld kommandiert war, läßt im Namen seiner Kameraden allen Hersfelder Bürgern, besonders denen, welche Soldaten im Quartier hatten für die gute Verpflegung und sonstige Aufmerksamkeiten herzlich danken und ruft allen ein ebenfalls herzliches Lebe-Wohl! Mit Gott für König und Vaterland.
Fritzlar, 13. August. Die Versuche, die Lebensmittelpreise zu steigern, sind hier gescheitert,- daß dabei eine hiesige Großhandlung in bezug auf Salz energisch eingegriffen hat, ist bereits berichtet. Es sei aber auch der patriotischen Tat des Bäckermeisters Wieprecht hier gedacht, der sich weigerte, die vorgeschlagene Steigerung des Brotpreises mitzumachen: er erklärte, fein Mehlvorrat habe nicht mehr gekostet, deshalb verlange er auch für das Brot nur den alten Preis. Eine solche Handlung sollte man auch in Zukunft nicht unbelohnt lassen und den wackeren Mann tüchtig unterstützen.
Kobnrg, 12. August. (An Pilzvergiftung gestorben.) Die vierköpfig Familie des Malermeisters Fischer ist nach dem Genuß giftiger Pilze schwer erkrankt. Frau Fifcher ist bereits grstorben.
Heldrungen, 12. August. Als der Kaufmann Reinhold Salzmann in seinem Geschäft eine Browning- pistole vorzeigte und erklärte, ging plötzlich ein Schuß los, drang ihm in den Leib und verletzte ihn schwer. Der Verunglückte starb bereits am nächsten Tage.
Fulda, 14. August. (Alle Achtung!) Ein Reisender einer Filiale der Gummiwerke Fulda schreibt wie folgt seiner Firma: „Wie Ihnen bekannt ist, war ich bis jetzt belgischer Staatsangehöriger, obwohl ich in Deutschland geboren und erzogen worden bin. In Anbetracht der Greueltaten, die sich die Belgier unseren braven Soldaten gegenüber haben zuschulden kommen lassen, will ich nnter keinen Umständen mehr auch nur im Entferntesten noch einem solchen Volke angehören und habe bereits Naturalisationsantrag gestellt und mich zur Stammrolle angemeldet. Hoffentlich ist es auch mir vergönnt, bald für unsere gute Sache zu sümpfen und das Land zu verteidigen, in welchem ich mich bisher unter gesitteten Leuten gut ernähren konnte. Sobald ich einrücken muß, teile ich es Ihnen mit."
Hanau, 14. August. (Schadenfeuer.) In Hainstadt bei Hanau wütete in den Ziegeleiwerken der Firma Holzmann & Co. ein Großfeuer, das die Maschinen-Zentrale und mehrere Fabrik-Gebäude zerstörte._________________________________________________
Eine Warnung vor der Verhätschelung der
Gefangenen, die sehr beachtenswert ist, sendet der „Dtsch. Tgsztg."
ein Leser. „Wir haben", so sagt er, „Gefangenen- transvorte zu erwarten. Die Vorgänge von 1870, daß die Gefangenen Liebesgaben empfangen, von unseren Frauen und Töchtern verhätschelt werden, während die deutschen Begleitmannschaften unbeachtet beiseite stehen mußtem müssen unter allen Umständen vermieden werden. Die Bahnhofskommandos usw. müßten höheren Orts angewiesen werden, weibliche Wesen nicht an die Züge mit Gefangenen heranzulassen. Nur Männer dürfen den Begleitmannschaften Liebesgaben überreichen. Als Beispiel, wie deutsche Gefangene seitens der Franzosen behandelt sind, diene folgendes, wofür mein Gewährsmann, der jetzige Pastor em. Sachs, Charlottenburg, Cosanderstraße 16, ist. Dieser trat 1870 als Jenenser Germane freiwillig in den Kriegsdienst. Ein Bundesbruder von ihm, wenn ich nicht irre, der frühere Gymnasialdirektor Höpfert, wird gefangen. Mit anderen Gefangenen nach Südfrankreich geschickt, hat man den Gefangenen das Essen in Schweinetröge, die hinter einem Gitter standen, geschüttet, ins Essen gespuckt und sick unter wüsten Schtmpfworten darüber gefreut, wie die von Hunger gepeinigten Deutschen sich das Essen mit der Hand aus den Schweinetrögen geschöpft haben, so daß den Gefangenen Selbstmordgedanken gekommen sind. Wir wollen zivilisierter sein, die Gefangenen nicht kränken, aber auch nun und nimmer verhätscheln. Dies sind wir unserer nationalen Ehre schuldig."
Einst gefchieht's.
Von Emanuel Geibel. (1859.)
Einst geschieht's, da wird die Schmach Seines Volks der Herr zerbrechen: Der auf Leipzigs Feldern sprach, Wird im Donner wieder sprechen.
Dann, o Deutschland, sei getrost! Dieses ist das erste Zeichen, Wenn verbündet West und Ost Wider dich die Hand sich reichen.
Wenn verbündet Ost und West
Wider dich zum Schwerte fassen,
Wisse, daß dich Gott nicht läßt, So du dich nicht selbst verlassen.
Deinen alten Bruderzwist
Wird das Wetter dann verzehren.
Taten wird zu dieser Frist,
Helden dir die Not gebären.
Bis du wieder stark, wie sonst,
Auf der Stirn der Herrschaft Zeichen,
Vor Europas Völkern tronst, Eine Fürstin sondergleichen.
Schlage, schlage denn empor, Läutrungsglut des Weltenbrandes!
Steig' als Phönix draus hervor,
Kaiseraar des deutschen Landes I
Für den Baterlündilchen Frauenoerei«
gingen bei der Sammelstelle Deposttenkasse L. Pfeisser ein:
M. 500.— vonFirmaL.Pfeiffer,DepositenkasseHersfeld, „ 20.— „ Herrn Heinemann Katzenstein, Hersfeld, „ 50.— „ Jüdische Frauen- und Männervereine, Niederaula,
„ 200.— „ Herrn Assessor Kühn, Frielingen, „ 100.— „ „ Dirk Steinhauer, Hersfeld,
„ 5.— „ Frau Marie Gerbig, „ 3— „ Gemeinde Sorga, Liebesgabe, „ 6.- „ Frau Dr. Roß,
„ 12.— „ Gemeinde Kerspenhausen,
„ 8.— „ Bahnmeister Paul, Hersfeld, „ 3.— „ Gemeinde Mengsyausen, „ 43.— „ Gemeinde Friedlos,
„ 2.— „ Gemeinde Goßmannsrode, „ 3.— „ Gemeinde Hilperhausen,
„ 2.— „ Frau Postassistent Faßhauer, Hersfeld,
„ 36.— „ Gemeinde Tann,
„ 5.— „ Herrn C. Trautvetter, Hersfeld, „ 2.— „ Frau Göpfert, Hersfeld.
„ 5.— „ Frau Bennecke, Jena, „ 4.— „ Gemeinde Schentsolz.
„ 30.— „ Frau Reinecke, Heisenstein,
„ 30.— „ Arbeiterverein Meckbach,
„ 10.— „ Herrn Albert Sauer, Glimmesmühle, „ 10.— „ Frau Gabriel, „
„ 20.— „ Gemeinde Kathus,
„ 406.22 aus Sammelbüchsen, „ 131 — von Gemeinde Ausback.
„ 1646.22
Für das Rote Kreuz arngen bei der Sammelstelle, Deposttenkasse L. Pfeiffer ein:
M. 100.— von Herrn Dr. med. Markscheffel, Friedewald, „ 50.— „ Jüdische Männer- und Frauenvereine.