schlimmsten Vandalismus verübt haben. In erfreulichem Gegensatz dazu steht die Behandlung französischer Kriegsgefangener durch die deutschen Truppen und die Bevölkerung. Ein in Straß-burg eingetroffener größerer Trupp von Gefangenen wurde gastlich bewirtet. Die Offiziere ebneten den Gefangenen den Durchzug, indem sie riefen: „Laßt die Gefangenen passieren." Die Ausrüstung der Franzosen war völlig mangelhaft. Meistens fehlten sogar die Patronentäschcheu.
Hunderteinuudzwanzigeinhalb Millionen freiwilliger Beiträge für Kriegsfürsorge.
WTB. Berlin, 14. August. Die seit acht Tagen begonnene Sammlung für die Krankenpflege im Kriege und für andere Zwecke der Kriegsfürsorge hat bereits 12114 Millionen ergeben. Davon entfallen u. a. anf Berlin nnd Vororte 4,9 Mill., Hamburg 4,25 Mill., Bremen 2,75 Mill., Frankfurt a. M. 3,87 Mill., München 8,86 Mill., Breslan 2,51 Mill., Köln 3,78 Mill., Eisen 5 Mill., außerdem auf die thüringischen Staaten 7 Mill., auf das Königreich Sachsen 12 Mill., davon auf Leipzig 5,50 nnd auf Dresden 3,75 Mill.
Was die Franzosen erzählen.
Aus ihrem Leserkreise wird der „Frkf. Ztg." eine Reihe von Aeußerungen mitgeteilt, die in Frankfurt für kurze Zeit untergebrachten französischen Gefangenen getan haben: „Wir haben die Teutschen nur gesehen, wenn
waren
sie im Laufschritt auf uns zukamen. Unsere Toten hatten fast nur Kopf- und Brustwunden. Bei Mülhausen die Deutschen uns einmal auf 50 Meter näheren und scyoffen alles über den Haufen. Unser
gekommen und scyoffen alles über den Haufen. Unser Leutnant sagte: Wo stecken sie nur? Auch er sah trotz des Feldstechers nichts — alles war grau. Die Erde und die feldgrauen Uniformen sahen sich ähnlich, wie
ein Ei dem anderen. Wir haben unsere alten Exerzier- uniformen behalten und mit diesen sind wir aus Belfort ausgerückt, weil nichts anderes da war!"
Die Ukrainer gegen Rußland.
Privatmeldungen aus Czernowitz zufolge ist dort am 3. August eine ganze Kompagnie ukrainischer Kosaken eingetroffen. Sie kamen in voller Ausrüstung mit ihren Pferden an. Die Deserteure erzählen, daß in allen Grenzstädten der russischen Ukraine Proklamationen an das ukrainische Volk erlassen worden sind. Die ukrainische revolutionäre Partei fordert in dieser Proklamation das ganze ukrainische Volk zu einem Aufstand gegen Rußland auf, um so die Ukraine vom russischen Joch zu befreien. — Die Ukrainer sind die Bewohner der russischen Landschaft zu beiden Seiten des Dnjepr.
Die Sympathien Schwedens.
Die Kommentare der schwedischen Presse zu der glorreichen Eröffnung des deutschen Krieges zeugen von lebhafter Sympathie. Eines der führenden schwedischen Blätter nennt die Eroberung von Lüttich eine in der Kriegsgeschichte fast beispiellose Waffentat und vergleicht den ruhigen und sachgemäßen offiziellen Bericht der deutschen Heeresleitung mit den „geschwollenen" Darstellungen der französischen, belgischen und besonders auch der englischen Presse. Das Blatt sagt wörtlich: „Die Deutschen handeln nicht nur wie Helden, sie reden auch wie
Helden!"
Warschau von den Rusien geräumt?
Nowa Reforma in Krakau veröffentlicht einen Artikel aus Warschau, in dem es heißt: „Wie es heute in Warschau aussteht, kann sich niemand vorstellen: die Russen find fort. Es klingt wie ein Traum. Noch vor einigen Tagen erhielt man, wenn jemand dies anzu- deuten wagte, allgemein die Antwort: „Wahnsinn! Phantasie!" Und doch sind die Russen heute fort, einfach geflüchtet, nach solchen Mengen vergossenen Blutes, nach 50 Jahren schrecklichster Grausamkeiten. Noch in den letzten Tagen wurden Nacht für Nacht neun oder mehr Häftlinge in den Zellen gefoltert. Vor etlichen Wochen noch hatten wir eine förmliche Jagd auf die Schuljugend, die akademische Jugend, die Pfadfinder und die Schützen. Heute ist dies alles vorbei. Es gibt keine Beamten mehr, die die Aufgabe haben, Banditen zu organisieren. Heute kann man endlich sich auf die Straße hinauswagen. Jetzt können der einzelne und alle zusammen die Larve abwerfen, und ein jeder kann zeigen, wer und was er ist."
ic
Die Wirkung der Seeminen,
die in diesem Weltkriege bereits vor Libau und vor der Themsemündung von uns mit Erfolg angewandt wurden, sind, wie man der Kreuzzeitung schreibt, ganz besonders im letzten russisch-japanischen Kriege hervorgetreten, und man kann wohl behaupten, daß ihnen ein gewisser Anteil an dem schließlichen Ausgange dieses Seekrieges zukommt. So ist nachgeunesen, daß nicht weniger als 24 Schiffe, darunter zahlreiche Llmenfthlfst, durch Minen erheblich verletzt und zum Sinken gebracht wurden. So wurde das russische Linienschiff »Petro- pawlowsk" (11400 Tonnen), das Flaggschiff des Admirals Makaroff, in zwei Minuten vor Port Arthur durch Explosion von Minen auf Grund gesetzt. Das Linienschiff „Sewastopol" wurde zweimal nn Kriege durch Minen havariert und gefechtsunfähig gemacht. Auf japanischer Seite ßina das Linienschiff „Hatiuse (15 000 Tonnen) durch Minen verloren, ebenw das Linienschiff „Nashima", die japanischen Küstenpanzer „Hei-Yen" und „Sai-Yen", sowie der japanische Kreuzer „Kakasago" vor Port Arthur. Von kleineren Schiffen wurden zwei japanische Torpedoboote, ein japanischer Kleiner Kreuzer, ein japanisches Kanonenboot und ie ein russisches Kanonenboot versenkt, und weiter wurde eine Reihe von Kreuzern und Kanonenbooten durch Minen gefechtsunfähig. Die Verankerung der Nrinen reichte im ostasiatischen Kriege nicht aus, um ein Treiben und Losreißen zu verhindern. Es entstand damals eine Gefahr für die gesamte Schiffahrt, die nur allmählich durch planmäßiges Abstichen beseitigt werden konnte. Im letzten italienisch-türkischen Kriege find verankerte Treibminen verwandt worden. Namentlich bei der Tardanellenverteidigung haben Minen eine Rolle
Linienschiff „Nashima", Hei-Yen" und „Sai-Yen
gespielt.
Verlängerung des Moratoriums in Oesterreich.
WTB. Wien, 14. August. Die „Wiener Zeitung" veröffentlicht eine Kaiserliche Verordnung, durch welche das vierzehntägige Moratorium für privatrechtluhe Forderungen bis zum 30. September verlängert wird.
Ein österreichischer Kreuzer an der adriatischen Küste ges«nke«.
WTB. Trieft, 14. August. Der Dampfer „Baron Gautsch", der gestern mittag Lusfin Grande am Adria- tischc« Meer aus dem Wege nach Trieft verließ, ist auf dieser Fahrt gesunken. Bis gegen Abend wurden 180 Passagiere gerettet. 20 Leichen find geborgen. Ueber die Ursache des Unterganges ist noch nichts besannt.
Politische Rundschau.
Ein «euer Erzbischof von Posen. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" r Staatsregierung beschloß, die i _____ _____ bischofs Stablewskt bestehende Sedisvakanz im Erzbistum Posen-MLsey -u beenden, Dir Verhandlungen
Mit dem Päpstlichen Stuhle führten zu einem Einverständnis darüber, daß der bisherige Weihbischof von Posen, Dr. Likowski, zum Erzbischof von Posen-Gnesen ernannt werden soll. Die Ernennung ist noch nicht erfolgt, steht aber bevor.
Aus der letzten Reichstagsrede des Mjährigen Grafen Moltke (10. 3. 91): „Die vornehmsten Reisenden sind die Truppen, welche zur Verteidigung des Vaterlandes an die Grenze geschickt werden". — Das Wort hat jetzt seine volle Geltung erlangt.
Kleine Oachridifea
Ein Kaisergruß auf der Feldpostkarte. In Tempel- hos stattete das Kaiserpaar einem durchfahrenden Jägerbataillon einen Besuch ab. Für jeden fast wußte er ein freundliches Wort und manchem klopfte er auf die Schulter. Und als einer beim Herantreten des Kaisers seine Postkarten verstecken wollte, da nahm sie ihm der Monarch aus der Hand und schrieb folgende Worte darauf: „Ruhig abkommen und auf Gott vertrauen! Wilhelm I. R." Diese Feldpostkarte wird in der Familie des Jägers in hohen Ehren gehalten werden.
Greueltat der Belgier. Ein schwer verwundeter deutscher Soldat ist in Aachen eingetroffen, den man in Belgien in ein Haus gebracht hatte, an dem die Bewohner die Rote-Kreuz-Fahne aufgesteckt hatten. Der Hilflose wurde dann aus dem ersten Stockwerk auf die Straße geschleudert.
Verzweiflungstat eines Ausgewiesenen. Der aus Antwerpen ausgewiesene Diamantenschleifer Mohring in Leipzig, dessen Frau in Antwerpen im Krankenhause liegt, stürzte sich, als er von den Ausschreitungen des Pöbels und von dem Schicksal seiner Frau erfuhr, aus dem Fenster. Er wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. _
Russische Spione abgefatzt und erschossen. Der Kommandant in Leipzig teilt mit, daß dort während der letzten Nächte mehrere russische Spione verhaftet wor- deil sind, die sich auf den Dächern in die Anschluß- leitungen nach dem Bezirkskommando und dem Gar- nisonkvmmando eingeschaltet hatten. Die Spione wurden kriegsgerichtlich zum Tode verurteilt und erschoßen.
Deutschfreundliche Japaner. Infolge eines Aufrufs des Berliner Lokalanzeigers, um der durch den Weltkrieg über unser Vaterland hereingebrochenen Not zu steuern, erhielt die SammelfteHe von der japanischen Kolonie 1000 Mark mit einem Schreiben, in dem die Japaner betonen, daß sie damit ihrer lieben und tapferen Freunde und deren Angehörigen gedenken wollen.
Ein vielleicht einzig dastehendes Vorkommnis dürfte es sein, daß ein ganzer Kriegerverein ins Feld rückt. Sämtliche Mitglieder des Vereins ehemaliger 165er in Quedlinburg sind zur Fahne einberufen worden und haben diesem Rufe bereits Folge geleistet.
Eine russische Fürstin verschwunden. Seit etwa 14 Tagen ist die verwitwete 25jährige Fürstin Katharina von Bariatinsky aus Petersburg aus der von ihr bewohnten Villa am Sta/nbergersee spurlos verschwunden. Zugleich ihr russischer Küchenchef,die beiden französischen Kammerdiener und ihre Kammerjunafer. Die Fürstin, die äußerst verschwenderftch lebte, hinterließ eine große Anzahl von Schulden bei Staruberger und Münchener Geschäftsleuten.
Ein 72jähriger Trompeter. Der c2jahrige Trompeter Voigt in Hamburg, der in den Kriegen von 1864, 1866 und 1870/71 30 Schlachten mitmachte, ist auf seinen Wunsch zur Teilnahme an dem jetzigen Kri^e zugelassen und bei der ersten Ersatzbatterie des Feldartil- lerie-Regiments 45 in Bahrenfeld eingestellt worden.
Vermischtes.
Der zweite Vers. Ein Mitarbeiter schreibt der «Magdeb. Ztg": Mit einem befreundeten Amerikaner gehe ich dieser Tage die Berliner Charlvtteustraße entlang, als eine Abteilung von Reservisten, den Papp- karton — das einzige übrigens, was an Knien von Pappe ist — in der Hand tragend, kräftigen Schritts, in der Richtung nach den Linden zu heranmarülftert. Die tapferen Männer intonieren die „Wacht am Rhein , und och erste Strophe des begeisterten Liedes schallt markig durch die Straße. Und nun geht es weiter: „Durch Hnndert- t au send zuckt es schnell usw." „Die können ja auch die zweite Strophe!" meint mein Begleiter etwas erstaunt, und spielt dabei auf die bekannte Tatsache an, daß viele Leute gerade von den bekanntesten Volksliedern gewöhnlich nur die erste Strophe auswendig wißen. „Man beleidigt eigentlich einen Deutschen, wenn man ihm zu- traut, daß er die ganze „Wacht am Rhein" nicht auswendig kann." meinte ich. »Das, was ich in der letzten Woche in Berlin gesehen habe " ,agte der Amerlkaiier, „gehört zu den stärksten Eindrücken nieines Lebens. Ich bewundere die Deutschen aufrichtig, die zweite Strophe der „Wacht am Rhein" ist aber mcht mehr zeitgemäß." Wieso?" „Sie muß beginnen: „Durch Millionen surft
es schnell." .
Wie die Russen vorbeischießen. Der Kaufmann Otto Pisly in Friedrichsbos, unmittelbar an der ruist- schen Grenze, stellt der „Allensteiner Zeitung" folgende Schilderung zur Verfügung. "Auf einem Auftlarungs- ritt von Friedrichshof aus mußte ein Leutnant mit seiner Patrouille jenseits der Grenze hinter Myscenmiecz infolge einer abgebrochenen Brücke einen kleinen Fluß passieren. Nach DuÄschreituny des Flusses kam eine Salve, die von mindestens 35 feindlichen Dragonern auf eine Entfernung von etwa 50 Schritten abgegeben worden war. Das Pferd des Offiziers stürzte getroffen unter ihm zusammen. Der Offizier selbst riß sich aus dem Sattel und lief der zurücketlenden Patrouille zu Fuß nach Jm fre en Gelände, in dem er etwa 500 Meter laufen mußte, wurde auf ihn ein.starkes Feuer unterhalten — aber nicht ein Schuß traf. Der brave O fizier wurde von seinen Leuten in Empfang genommen und zwischen zwei Pferden sich haltend bis zu seiner Truppe herangebracht. Die Russen schössen , nunmehr auf unsere stehenden Truppen, die kaltblütig lächelnd die vergebliche Schießerei beobachteten.
Hinter den Kulissen der Triple-Entente. Eine aus Paris geflüchtete junge Deutsche, die bei den Kindern eines französischen Generalstabsobersten Erzieherin war, hat an ihre Berliner Angehörigen aus St. Ludwig im Elsaß einen Brief gerichtet, der dem »Tageblatt" zur Verfügung gestellt worden ist; darin heißt es: Unser Oberst war schon vor vierzehn Tagen mit mehreren anderen höheren französischen Offizieren nach England gereist um, wie er später bet einem Familiendiner wiederholt erzählte, wichtige Vereinbarungen für den Fall eineTbeut A Krieges zu treffen. Erst jetzt ist es mir begreiflich, weshalb der Oberst mich bat, mit ihm nur noch deutsch zu sprechen. Als am Samstag abend die deutsche Mobilmachung von den Camelots ausgerufen wurde, meinte mein Herr wörtlich: „Der Krieg mit Rußland und Frankreich ist für Deutschland nicht das Schlimmste; die Ueberraschung kommt nach!"
berichtet: Die Königliche ^eht weiß ick, was er damit sagen wollte. Ich kann
seit dem Tode des Erz- gerade nicht behaupten, daß der Krieg gegen Deutschland
....... mit großer Begeisterung ausgenommen wurde, und selbst unser Oberst, der sich nicht genug in Deutschen-
fresseret tun konnte, war recht still, als er vor der vollen« deten Tatsache stand. Seine Frau weinte immerfort; sie kann gar nicht begreifen, was Frankreich Deutschland eigentlich getan habe, daß die „PrussienS" ihm den Krieg erklärt haben. Soviel ich beobachten konnte, ist auch weder die Geschäftswelt noch die Arbeiterschaft für den Krieg, ja sie verwünscht ihn vielmehr. Der Schwiegervater meines Obersten behauptete sogar bei Tisch, seines Erachtens habe sich Frankreich eine böse Suppe eingebrockt. Es handle sich nur um eine Kriegscliaue, an deren Spitze mehrere Generale ständen und die auch den eitlen Präsidenten Poincaree für sich gewonnen habe. Einzelne Blätter brachten lange Hohnartikel auf Deutschland, und der bekannte „Hansi" hat in einem Boulevardblatt eine Zeichnung veröffentlicht, in der Deutschland eine verängstigte Maus und Frankreich, Rußland und England die Katze spielen.
Die Sümpfe um Lüttich
Bericht eines Mitkämpfers.
Dem Brief eines Mitkämpfers um Lüttich entnimmt die „Köln. Zeitung" folgendes:
Dienstag, 4. August. Morgens früh durch den Aachener Wald, er ist herrlich! Gegen 11K Uhr überschreiten wir die belgische Grenze, die Bevölkerung winkt mit deutschen Fahnen und stellt Wasser vor die Türen. Weiter geht's, wir sind totmüde, aber der Feind soll in der Nähe sein. Stunden um Stunden verstreichen. Tausende von Soldaten sind im Marsch nach Belgien hinein. Man sieht an der Straße verendete Pferde liegen, Automobile mit Verwundeten sausen vorbei, die ersten Anzeichen des Krieges. Es gilt, noch rechtzeitig die Maasbrücke zu erreichen. Vergebens! Kurz ehe wir Vtsö erreichen, sliegt die Brücke auf. Jetzt beginnt der eigentliche Kampf. Schlimmer als die Soldaten sind die Zivilisten, die hinterrücks aus den Häusern schießen. Unsere Retter, vor denen die Bevölkerung eine Heidenangst hat, weil die Kerle wie die Teufel drauf losgehen, haben auf die Art sechs Leute verloren. Das andere Ufer der Maas ist vom Feind besetzt und ein heftiges Gewehrfeuer wütet bis zum Abend. Am Abend wird ein feindlicher Flieger von unserer Artillerie heruntergeholt. Unser Essen ist vorzüglich, da wir aus den verlassenen Häusern alles herausholen. Nachdem ich mit zwei Kameraden die noch vorhandenen Kühe gemolken hatte, ging es ins Biwak.
Mittwoch, 5. August. Um Uhr heraus, da unsere Artillerie ein Dorf auf dem andern Ufer beschießen will. ES ist sehr kalt, überhaupt haben wir viel unter dem Regen und der Kälte zu leiben. Am Nachmittag ziehen wir nach X. Fortgesetzt wirb an Be- Hilfsfähren gearbeitet, um die Maas zu überschreiten. Mit einem Damenfahrrad sause ich umher, es ist funkel- nagelneu. Als wir übergesetzt sind, fällt plötzlich aus einem Hause ein Schuß. Wir erwidern das Feuer. Da e weinend eine Frau aus dem Hause und zeigt ihre Gebärden, daß sie von nichts weiß. Ein Offizier dringt mit mir unb ein paar Leuten in das Haus, ohne etwas zu finden. Erst als kurz darauf wieder und zwar aus dem Nebenhaus geschossen wird, werden fünf Zivilisten im Kampf erschossen. Wir haben keinen Verwundeten. Am Abend mußten wieder eine Menge von Zivilisten standrechtlich erschossen werden, aber ich kann zur Ehre des deutschen Heeres behaupten, daß keine Fraü, kein Mädchen und kein einziges Kind berührt worden sind bis zur Stunde, wo ich dies schreibe, ebensowenig das Eigentum eines Belgiers, der sich uns gegenüber nicht feindlich gezeigt hätte. Gegen die andern müssen wir rücksichtslos Vorgehen, denn es gibt lktchts Unhetmücheres als hinterrücks Überfällen zu werden. Am Abend konnte ich mich an der Maas zum ersten Male wieder waschen, welche Wohltat. Hier am Ufer pfiffen zum ersten Male Schrapnellhinein über uns weg, ohne jedoch Schaden anzurichten. Mein Haupt- mann fragt mich, ob ich ihn auf einer gefährlichen Tour begleiten will. Natürlich stimme ich freudig zu. Nach Atibruch der Dunkelheit setzen wir über den Fluß und ziehen mit einer Truppenkolonne los. 2 bis 2^ Stunden dauert der Marsch, wie ich jetzt weiß, um Lüttich zu überrumpeln. Ganz in die Nähe der Stadt sind wir gekommen, es ist 12^ Uhr.
Die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag den 6. August beginnt, ich werde sie wohl jn meinem Leben nicht vergessen. Während wir noch im Dorfe stehen, schlagen plötzlich feindliche Schrapnells ein. Die met- sten gehen zu weit, nur eillige tun ihre furchtbare Arbeit. Ich will Euch nicht schilderrt, rvas ich alles sah. Ich dachte mir im Feuer: Du kannst hier getroffen werden und da, nnd so bin ich immer bei meinem Hauptmann gewesen. Als es hieß: „Leute vor"! um Hurdernisse zu zerstören, und der Hauptmann mich neben
er: „Gut! Bleiben Sie nur immer vorn!" Plötzlich bekamell wir von einem Blisch von rechts ein lebhaftes Feuer. Hinwerfen und das Feuer errvidern, war das Werk eines Augenblicks. Dann ging es mit aufgepflanztem Seitengewehr und Hurra zürn Sturm die Anhöhe hinan. Mein Vorder- oder richtiger Nebenmann fiel und ritz mich mit, ich wieder auf und vorwärts, aber meine Leute hatte ich verloren. Wir waren nun zwischen zwei Forts, Lüttich lag zu unseren Füßen. Von den Forts konnten wir nun nicht beschossen werden. Lüttich liegt in einem Tal, und die ganze östliche Seite von der Anhöhe hatten wir besetzt ... Da ich immer mit den Offizieren vorne war, als wir langsam die Anhöhe hinavstiegen, wobei wir natürlich mehrfach Feuer erhielten, fragte mich ein Offizier nach meinem Regiment. Als ich ihn kirrz darauf bat, mich seiner Truppe anschlietzen zu dürfen, sagte er, es wäre eine Ehre für ihn, wenn ich mit ihm ginge. Als ich das später meinem Hauptmann erzählte, sagte er, das werde er mir nicht
vergessen.
So zogen wir singend in die Stadt hinein. Kein Mensch zeigte sich. Die Fenster standen offen zum großen Teil, und Kissen lagen auf den Fensterbänken usw., und mrf den Straßen waren Holzstape in Brand gesteckt. Das alles fiel mir auf, denn die Kissen waren die schönsten Gewehrauflagen. Als wir nun halb in der Stadt waren, brach auch richtig ein furchtbares Feuer aus allen Fenstern los, und wir mußten schnell zurück Auch ich bekamEinige kleine Geschoßsplitter in das Knie. Bis wir die Anhöhe wieder erreichten, waren wir unter Feuer. Hier traf ich meinen Hauptmann, der mir erfreut die Hand reichte, als er mich wiedersah. Nun lagen wir auf dem Berg abgeschnitten von jeder Verbindung nach rückwärts, so daß, als auch die feindliche Artillerie das Feuer auf uns begann, unser Führer sich ergeben mußte. Wir paar Mann wurden ohne Gewehr und Tor- ' ^u^ die Stadt in das Gesänanis gebracht. Die
- müdunNeschÄen. ^ ^WWeueri vor Ueber- ! . Freitag, den 7. August öffnete sich plötzlich un- . sere Zellentür und ein preußischer Generalstabsoffizier ' befreite uns. Er verkündete uns, daß die Stadt in beut« i schern Besitz sei, vor allem die Zitadelle. Wir sitzen seit ; gestern darin, und wenn die Belgier sie wieder haben wollen, bekommen sie ihre eigene Munition zu kosten, i denn wir haben genug davon erobert