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Der deutsche Westen vom Feinde frei.

Unsere Siegesbeute bei Mülhausen. Die Engländer vor Daressalam. Belgische Weiber im Hinterhalt.

Daß die Franzosen mit außerordentlich starken Ukräften den Vormarsch., nach Mülhausen unter- --------- -$te wollten mit aller

wor-

und die

Streitkräften den _ nommen hatten, steht jetzt fest. S . , Gewalt einen Durchbruch auf deutsches Gebiet versuchen, der von unseren braven Truppen aber abgeschlagen den ist. Der deutsche Boden ist vom Feinde frei ur. zu erwartenden großen Kämpfe der noch im Aufmarsch befindlichen beiden Armeen werden sich auf feindlichem Boden abspielen. Ueber die von unseren Truppen bei den letzten Gefechten gemachte Kriegsbeute wird be­

richtet:

WTB. Berlin, 12. August. Bet Mülhausen t. Elf.

haben die deutschen Truppen 10 französische Offiziere und 513 Mann gefangen genommen, außerdem fielen ihnen 10 Geschütze und eine große Anzahl Gewehre in die Hände. Der -entsche Boden ist von dem Feind ge­

säubert.

WTB. Berlin, 12. August. Bei Lagarde sind den Deutschen über 1000 unverwnndete Kriegsgefangene in die Hände gefallen, das ist über ein Sechstel der betei­ligten französischen Truppen.

Die Engländer vor Deutsch-Ostafrika.

WTB. Berlin, 12. August. Englische Zeitungen

bringen die Nachricht, daß die Engländer den Hafen von Daressalam angegriffen haben und den dortigen Funken-

Telegraphentnrm zerstörten.

Feindseigkeiten der Russen vor dem Kriegsausbruch.

WTB. Berlin, 13. AvMt. Der Dampfer Prinz Eitel Friedrich der Zeiten Dampfer-Kompagnie Stettin, der am MJliU St. Petersburg verließ, mit Ladung für Sirttin und etwa 40 Passagieren, ist am 31. Juli früh, also vor der Kriegserklärung, von russischen Kreuzer« angehalten und nach Reval gebracht worden. Die Passa­giere wurden zwangsweise über Helstngfors-Torma ab- geschoben.

Die belgischen Weiber im Hinterhalt.

WTB. Kopenhagen, 13. August. Ans Herbesthal eingetroffenen Nachrichten zufolge haben die in den Lütticher Waffenfabriken beschäftigten Frauen ans den Häusern kochendes Wasser auf die Straßen gegossen, welche die deutschen Truppen passierten.

Mülhausen und Lüttich in der Wertung des Großen Generalstabes.

Die Schlacht bet Mülhausen wird nicht nur im ganzen deutschen Volke, sondern auch bei unserer ober­sten Heeresleitung als ein voller Erfolg von großer Tragweite gewertet. Wie Oberst Brose in einer , Be- prechung mit Vertretern der Berliner Presse ausfuhrte, ist dieser Schlag gegen die Franzosen deshalb so bedeu­tungsvoll, weil wir uns noch im Stadium der Mobil­machung befinden. Das haben wir selbst 1870 nicht fertiggebracht. Lüttich ist ohne die gehörige Artillerie­vorbereitung gefallen und ist fest in unserer Hand. Der PariserMatin" schrieb am 1. August, daß Deutschland mindestens 10 Tage zu seiner Mobilmachung gebrauche und fügte prahlerisch hinzu, Frankreich ebenfalls. Kein Mensch in Paris hat wohl daran gedacht, daß während dieser Mobilmachungstage so wuchtige Schläge geführt werden könnten wie die Erstürmung von Lüttich und die Niederlage der Franzosen bei Mülhausen. Dabei han­delt es sich um keine Augenblickserfolge, sondern um Errungenschaften und Taten von wohlüberlegter Be­deutung. Man möchte glauben, daß die Franzosen die Erstürmung von Lüttich, die sie dem französischen Publi­kum kaum länger verschweigen können, wettmachen wollten durch den Vormarsch auf Mülhausen. Wenn das wirklich die Absicht war, so ist die Ausführung die­ses Planes gründlich mißlungen. So schnell und mit so durchschlagendem Erfolge haben selbst 1870 unsere bra­ven Truppen nicht gearbeitet. Das Vaterland darf auf diese Kämpfe stolz sein, die sich der Taten ihrer Väter würdig erweisen und die einst die Geschichte mit gol­denem Lorbeer schmücken wird. Auch im Osten hat noch kein russischer Soldat ungestraft deutschen Boden be­treten. Vertrauensvoll darf das Vaterland nach solchem Anfang den kommeiden größeren Kämpfen entgegen­sehen.

Der Kaiser ehrt den scheidenden österreichischen Botschafter.

WTB. Berlin, 12. August. Der Kaiser hat dem »sterreichisch-nngarischen Botschafter Grafen Szcögieny die Brillanten zum Schwarzen Adlerorden verliehen.

Die Türkei für alle Fälle gerüstet.

WTB. Konstantinopel, 13. August. Der Kriegsmini­ster bringt im Tagesbefehl einen Erlaß des Sultans an

13)

Litt 2Hetfteru>erf.

Roman von Paul Beye.

Nachdruck verboten.

Die junge Dame verzog verächtlich den Mund.Ge­schmackssache! Ich meine, sie muß ihren Mann verhext haben, denn sonst ließe sich seine tolle Leidenschaft für diese Frau nicht erklären. Sie ist eine ganz unerträg­liche, eingebildete Person. Gargiulo als Offizier hätte ja ganz andere Partien machen können! Diese Heirat war doch eine Mißheirat."

Signor Gargiulo war ein feiner, liebenswürdiger Mann," warf Tante Laura ein.Ich habe ihn nämlich vor seiner Verheiratung öfters im Hause des Advokaten Bondi, Teresas Vater, gesehen und er hat mir immer sehr gut gefallen."

. Frank warf einen raschen Blick auf das Mädchen, das vor Aerger errötete.Sieh, sieh" dachte er utan nicht alles erfährt. Fräulein Teresa ich ~ hatte sich ihrerseits auf den '^1 Hoffnungen gemacht, die er ent- bu'hleritt"^ '^r GE auf ihre bevorzugte Neben- geinte er mit gespielter Gleichgültigkeit. Signorina " ^ 0 0 m Fhrem elterlichen Hause verkehrt,

r entgegnete sie, ebenfalls anscheinend gleichgültig.Dazumal lebte noch seine Mutter hier in Neapel und er verbrachte seinen Urlaub regelmäßig bei ihr. ^>ignore Eecilia Gargiulo gehörte einer geachteten neapolitanischen Familie an, mit der meine E«Ä von Alters her bekannt waren. Als sie dann starb und ihr heiratete, brachen wir den Umgang selbstverständlich ab. Der Abstand zwischen den Lupi- schen Kreisen und den unseren ist doch am Ende gar zu groß", setzte die junge Dame hochmütig hinzu.

Aber Du M HM Mt CoyeLtta Gargiulo -usgWMey

die Armee zur Kenntnis, daß durch die während der ersten Mobilmachung bet der Armee Eingestellten das nächste Bedürfnis der Armee gedeckt ist, sodaß die un- ausgebildeten älteren Jahrgänge mit Rücksicht auf die notwendigenErntearbeiten wieder zu entlassen sind. Die Türkei wünscht weiter Frieden zu halten, ist aber in jedem Falle bereit, ihre Grenzen und ihr Recht zu schützen.

Spanien wahrt völlige Neutralität.

Die spanische Regierung tritt durch eine Veröffent­lichung in ihrem Amtsblatt energisch allen Gerüchten entgegen, die darüber im Umlauf sind, daß Spanien sich in einem geheimen Vertrag Frankreich gegenüber ver­pflichtet habe, 100 000 Mann nach Marokko zu senden, damit die dort stehenden französischen Streitkräfte zu ei­ner Verwendung auf dem Festlande frei würden. An allen diesen Gerüchten, so wird ausdrücklich sestgestellt, ist kein wahres Wort, Spanien hätte allen Grund, Frank­reich gegenüber eine strenge Zurückhaltung zu zeigen.

DieAugsburg" unversehrt.

DieNordd. Allgem. Ztg." entnimmt denKieler Neuesten Nachrichten" mit Eraubnis des Reichsmarine- amts folgendes: An einigen Kieler Geschäftshäusern wurden von unberufener Seite dieser Tage Depeschen angeschlagen, daß die KriegsschiffeMagdeburg" und ^Augsburg" beschädigt seien. Von amtlicher Seite sind wir ermächtigt worden, festzustellen, daßMagdeburg" undAugsburg" unversehrt sind.

Wie die Amphion sank.

Die Daily News vom Sonnabend den 8. August bringt Einzelheiten über den Untergang des englischen kleinen Kreuzers Amphion. Nach Aussage eines Ma­trosen explodierte die Mine, die das Schiff vernichten sollte, 30 Meilen von Aldeburgh entfernt. In weniger als 20 Miunten sank der Krenzer. Die Torpedoboots- zerstörer, die das Schiff begleiteten, eilten sofort herbei und nahmen dieUeberlebenoen auf. DieÄmphion war bekanntlich auf eine von unserem Bäderöampfer Königin Luise gelegte Mine gelaufen.

Ein Lob den deutschen Trnppeu.

Frauen und Kinder, die aus Lüttich in Maastricht eintrafen, loben die Haltung der deutschen Truppen. Wenn die Einwohner sich freundlich und ruhig verhalten, kommen ihnen die deutschen Soldaten ebenfalls ent­gegen. Manche Soldatei geben den Kindern Schokolade, den Männern Zigarren, Zigaretten und Kognak. Um dem verleumderischen Vorwurf zu begegnen, daß sie ver­giftete Schokolade verteilen, brechen sie zuerst ein Stück­chen ab und essen es selbst. Die deutschen Posten waren den Frauen gegenüber sehr freundlich. In Vife wurden sie sogar zum Roten Kreuz geführt, wo man große Kannen mit Milch den Frauen nnd Kindern gab.

Was belgische Blätter erzählen.

Belgische Blätter veröffentlichen Telegramme zwi­schen dem Präsidenten der französischen Kammer De- chanel und dem Präsidenten der belgischen Kammer. In ihnen werden die Belgier als Verteidiger der europäi­schen Unabhängigkeit und als Vorkämpfer der Ehre be­zeichnet. Weiter geben die Blätter offen die Bildung eines Franktireurkorps für den Guerillakrieg zu.

Die finnische Bevölkerung gegen Rußland.

Von Deutschen, die Sonntag abend aus Finnland über Lapland und Schweden in Berlin angekommen sind, wird berichtet, daß die Stimmung der finnischen Bevölkerung einmütig gegen Rußland gerichtet ist. In Helsingfors werden jeden Abend um 9 Uhr die Lichter gelöscht, nicht nur auf den Straßen, sondern auch in den Häusern. Kein Mensch darf die Straße des Nachts be­treten. Die Russen sind gegen die Finnen so mißtrauisch, daß sie nicht einen einzigen Finnen zu den Waffen ge­zogen haben. Die Leute stehen alle arbeitslos umher.

Die Lage in Russisch-Polen.

Aus Warschau wird den polnischen Blättern in Lemberg gemeldet, daß nicht nur in einigen Städten, sondern überall die Gefängnisse von den abziehenden Russen geöffnet und die Verbrecher freigelassen wurden. Auf diese Weise hat auch der bekannte Pater Masoch, der Hauptheld der Czenstochauer Mordaffäre, seine Frei­heit erlangt, ebenso wie die Anführer zahlreicher be­rüchtigter russischer Banditenscharen in Polen. Um die Polen zu ködern, hat der Generalgouverneur von War­schau, Zjelinski, vor seinem Abzug die Nachricht ver­breitet, er sei vom Zaren ermächtigt worden, den Po­len zu garantieren, daß sie nach dem Kriege weitgehende Autonomie erhalten würden. Die polnische Bevölkerung bringt aber diesen Versicherungen das größte Miß­trauen entgegen. In Czernowitz erschien dieser Tage

in die Schule gegangen, Teresia," bemerkte Tante Laura, doch das Mädchen würdigte sie keiner Antwort.

Frank überlegte inzwischen, wie er es wohl anfan­gen könne, um sich möglichst schnell von den beiden Damen loszumachen. Der Zufall hatte ihn ganz un- erwarteterweise auch jetzt wieder Material für seine Narforschungen finden lassen, und er brannte vor Neu­gier, es auszunutzeu. Seine Tante wollte ihn durchaus zu einer Korsofahrt auf der Riviera di Chiaia in Gesellschaft Teresas veranlassen, aber er schützte die Not­wendigkeit, wichtige Briefe schreiben zu müssen, vor und empfahl sich bald nach dem Mittagessen, sehr zum Miß­fallen der Signorina Teresa.

Hoffentlich habe ich ein andermal Zeit, mir von den Damen Neapels Schönheiten zeigen zu lassen," sagte er beim Abschied, Teresas Hand, die sie ihm nur wie widerstrebend überließ, eine Weile länger als not­wendig in der seinen haltend. So wenig sympathisch ihm das Fräulein auch war, so wollte er es doch nicht mit ihr verderben. Man konnte nicht wissen, ob ihre Freundschaft ihm nicht noch von Nutzen sein würde. Teresa erwies sich denn auch keineswegs als unversöhn­lich, wie er an dem Druck ihrer Hand merkte.

Auf Wiedersehen, Signor," sagte sie mit bedeu­tungsvollem Aufschlag ihrer dunklen Augen.

Auf baldiges Wiedersehen," entgegnete er, den Blick zurückgebenö.

Am vierten Finger der Hand, die er in der seinen hielt, glänzte der Ring, den er als gestohlen bezeichnet hatte.Wenn der Ring nicht aus dem Laden des Lupi stammt," dachte erso will ich nicht Robinson heißen."

5. Kapitel.

Frank Robinson hatte ursprünglich, nachdem er mit der Nichte des Mommino Bozzari gesprochen, an diesem Tage noch nicht den Laden des Antiquitätenhändlers aulluchen wollen, aber die Mitteilungen, welche er von

eine ganze Schwadron russischer Kosaken in voller Ausrüstung und ergab sich den österreichischen Behör­den. Sie wurden entwaffnet und kriegsgefangen ge­halten.

Ein russischer Spionageagent verhaftet.

Nach Meldungen aus Stockholm wurde dort der berüchtigte russische Spionageagent Hamper verhaftet. Dieser wohnte seit einigen Tagen unter dem Namen Mety in einem Stockholmer Hotel, wo ihn ein Gast erkannte, der den kommandierenden Admiral in Kennt­nis setzte. Der Admiral entsandte eine Patrouille, die Hamper verhaftete und mit ihm eine in seiner Beglei­tung befindliche englische Dame, bei der Diamanten im Werte von vielen Tausenden Mark gefunden wurden. Hamper war früher Leiter des russischen Spionagebüros in Kopenhagen, das seine Verbindungen über ganz Skandinavien, besonders über Schweden, ausgedehnt hatte.

150 Generale als Kriegsfreiwillige

In Berlin haben sich nicht weniger als 150 inaktive Generale als Kriegsfreiwillige gemeldet. Darunter sind selbstverständlich nicht diejenigen verabschiedeten oder zur Disposition gestellten Generale, die auf Grund der Mobilmachung dienstliche Verwendung gefunden haben, mit eingerechnet. Sondern diese 150 Generale haben ge­beten, in Reih und Glied, ohne Rang und Charge, mit ins Feld ziehen zu dürfen! Die Gesamtzahl der Kriegsfreiwilligen beträgt nach derVoss. Ztg." bereits 1300 000 Mann. Für die freiwillige Krankenpflege im Kriege haben sich 32 000 Personen angemeldet.

An die künftigen Ritter des Eisernen Kreuzes.

DasMilitürwochenblatt" richtet folgende Kund­gebung an die künftigen Ritter des Eisernen Kreuzes: Den künftigen neuen Rittern des Eisernen Kreuzes rufen wir Alten ein herzliches Willkommen zu. Unsere Reihen sind schon stark gelichtet. Wir bedürfen zahl­reichen Nachschubs, damit das Kreuz auch für die künf­tigen Geschlechter bleibe, was bisher für euch sein An­blick gewesen und nun die Hoffnung, es zu erwerben, ist: ein mächtiger Antrieb zum Wetteifer in selbstver- leuguender Hingebung an König nnd Vaterland, ein Hebel der Willenskraft, die freudig ihr alles einsetzt im Heere angesichts des Feindes, ein Sporn zn frischer, mu­tiger Tat. Seid uns gegrüßt alle, die ihr aus dem jetzt beginenden blutigen Ringen geschmückt mit dem Eiser­nen Kreuz heimkehrt! Und Ehre denen, die mit berech­tigtem Anspruch auf das Kreuz den Heldentod starben.

Einer der ältesten Ritter des Eisernen Kreuzes im Namen aller.

Sie erste Sriegslal der Engländer war, daß sie Deutschland möglichst vom Verkehre den außereuropäischen Erdteilen abschnitten. Das war ein unblutiges, für uns aber doch sehr nachteiliges Un­ternehmen, das nur geringe Mühe verursachte. Denn England beherrscht nicht nur die Meere, sondern auch die überseeischen Kabel. Die großen Kabellinien, die Western nach Amerika, die Eastern durch das Mittel­ländische Meer nach Asien, befinden sich in englischem Besitz. Nur die Northern, von Kopenhagen durch L-i- birien nach Ostasien, wird von Dänen, Deutschen und Russen ohne Beteiligung englischen Kapitals betrieben. In ausschließlich deutschem Besitze befand sich bisher nur das Kabel EmdenVigoTeneriffaPernambuco, Es wurde gleich am ersten Tage des Kriegszustandes mit England durchschnitten, sodaß wir keine direkten Nachrichten mehr nach Südamerika und von da aus dem Landwege nach Nordamerika drahten können. Für die aus neutralen Ländern, Holland, Dänemark, Nor­wegen, Italien nach Westen gehenden Linien ist ent­weder in England oder in englischen Besitzungen (Mal- ta, Gibraltar) eine Zensur eingerichtet, die keine deut­schen Nachrichten, auch nicht einmal amtliche Telegramme durchläßt.

Da die internationale Funkentelegraphie noch m den Anfängen ihrer Verwendung für den privaten Ver­kehr steckt und die deutschen Funkenstationen gegenwär­tig ausschließlich für militärische Zwecke gebraucht wer­den, so hat England den ganzen überseeischen tele­graphischen Nachrichtendienst für die Zeiturm in der Hand. Bei der bekannten, sich auch über die Rechte der Neutralen hinwegsetzenden Rücksichtslosigkeit des Eng­länders, ist die Folge von alleüem, daß das überseeische Ausland, insbesondere Amerika, über die letzten diplo­matischen Vorgänge vor Kriegsausbruch und über die Kriegsereignisse nur das erfährt, was zur größeren Ehre unserer Feinde dient und uns als die freventlichen Urheber des Weltkrieges und als die im Kampfe Unter­liegenden erscheinen läßt. Auf dem Umwege über neu­trale Länder erfahren wir, daß nach den Depeschen der AgeNtUreN Reuter tiNd Havas Lüttich heute noch in den Händett der siegreichen Belgier ist, daß die deutschen Soldaten verlumpt sind und Hunger leiden, daß die El- sässer Ehrenpforten für die einziehendeN Franzosen bauen, 500 000 Engländer den Norden Frankreichs über- Theresa Bondi erhalten, veranlaßten ihn doch, seine Bort- haben zu ändern. Er kam sich dabei selbst wie ein Jagdhund vor, der nicht zu halten ist, wenn er eine Spur des verfolgten Wildes gefunden hat. Nur berichte es ihn besser, bet Lupi vorerst nicht in seiner wahren Gestalt aufzutreten, es war doch immerhin möglich, dar dessen Nachbarn ihn am Vormittag gesehen und mög­licherweise jetzt wieder erkennen möchten, was ihm nicht wünschenswert erschien, sofern sie es dem Antiquitäten­händler erzählten. Mit Hilfe seiner rötlichblonden Perücke, eines goldenen Kneifers und eines Hellen, karierten Anzuges verwandelte er sich in seinem Gast- Hof rasch in einen reisenden Engländer voll jener Art, die man in der Strada nuova Capodimonte häufig genug sah und deren Erscheinen daher keinerlei Aufmerk­samkeit erregen konnte und begab sich dann nach dem Antiquitätenladen.

An einem Fenster des Hauses sah er einen Frauen- kopf über eine Näharbeit gebeugt. Wenn dies Gar- giulos Gattin Concetta war, so mußte er anerkennen, daß der Ruf ihrer Schönheit nicht trog. Noch nie meinte er gleich vollendete klassische Züge gesehen zu haben. Die tiefe Schwermut, die aus dem marmorweißen Ant­litz sprach, tat seinem Reiz keinen Abbruch, sie gab ihm vielmehr jenen seelischen Ausdruck, der ihm früher wahrscheinlich gefehlt hatte.

Frank fand den alten Lupi im Laden beschäftigt, ein paar sizilianische Krippenfigürchen mit Pinsel uno schmalen Bürstchen vom Staub zu befreien. Bei dem Eintritt des Fremden unterbrach er sich in seiner Tätig­keit und fragte den Herrn nach nach seinem Begehr.

Ich würde unter Umständen Tonarbeiten aus dem 15. Jahrhundert kaufen," sagte Frank. Wenn sie etwas dergleichen haben, so möchte ich es wohl sehen.

(Fortsetzung folgt.)