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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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für den Kreis Hersfeld

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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 189. Freitag, den 14 August 1914.

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

Bus der Heimat.

* (Die Behandlung von Pvstausträgen.) Nachdem der Bundesrat durch Bekanntmachung vom 6. August die Wechselprotestfrist um 30 Tage verlängert hat, ist die Postordnung vom 20. März 1900 dahin geändert worden, daß bei Postaufträgen zur Geld­einziehung und zur Akzepteinholung, die ohne Rücksicht auf die verlängerte Protestfrist sogleich protestiert werden sollen, auf der Rückseite des Postauftrags­formulars statt des VermerksSofort zum Protest" der VermerkSofort zum Protest ohne Rücksicht auf die verlängerte Protestfrist" niederzuschreiben ist. Postaufträge, die nur den VermerkSofort zum Protest" tragen, werden wie Postaufträge ohne diesen Vermerk behandelt werden. Postprotestaufträge werden, wenn bei der ersten Vorzeigung die Zahlung nicht ausdrücklich verweigert wird und der Protest auch nicht aus anderen Gründen nach der ersten Vorzeigung zu erheben ist, nicht am zweiten, sondern erst am zwei­unddreißigsten Werktage nach dem Zahlungstage des Wechsels nochmals zur Zahlung vorgezeigt werden. Wünscht der Auftraggeber die sofortige Protestierung, so ist der Vermerkohne Protestfrist" niederzuschreiben.

* (SchonetdiePferde.) Die für den Erwerb übrig gebliebenen Pferde haben jetzt besonders viel Arbeit zu leisten! Dazu kommt die große Hitze. Man kann den armen Tieren die Arbeit erleichtern, wenn man bergauf im Schritt fährt, bergab das Fuhrwerk gut bremst, beim Aufenthalt die Tiere möglichst in den Schatten stellt, ein Gefäß zum Tränen mituimmt, um die durstigen Tiere während der Arbeit mal zu erfrischen. Jedermann achte darauf, daß die Tiere nicht unnötig gequält werden. Wie oft wird vergessen, die Bremse zu lösen. Schonet die Pferde, damit sie leistungsfähig bleiben.

§ Hersfeld, 13. August. Vom 11. Mobilmachungs­tage an 12. August d. Js. darf Reisegepäck wieder angenommen und mit allen Militärlokalzügen be­fördert werden. Ferner werden vom gleichen Tage an bis auf weiteres sämtliche Militärlokalzüge zur Beförderung von Lebensmitteln, wie Getreide, Mehl, Salz, Kartoffeln, Fleisch, Wurstwaren, Brot, Eier, Butter, Käse, Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst usw. frei­gegeben. Auch darf Vieh mit diesen Zügen befördert werden. Die Freigabe erstreckt sich zunächst nur auf Transporte innerhalb des Eisenbahndirektionsbezirks Frankfurt (Main). Ob und inwieweit demnächst auch Lebensmittel- und Viehsendungen nach Bahnhöfen anderer Bezirke angenommen werden, wird rechtzeitig bekannt gemacht. Soweit solche Sendungen von anderen Bezirken eintreffen, sind sie weiter zu leiten. Ein Anspruch auf Beförderung besteht ledoch nicht,' sie erfolgt nur insoweit, als dieZüge nicht durch militärische Transporte bereits vollbelastet sind.

)ü Hersfeld, 18. August. Der Regierungspräsident von Bernstorff erläßt folgende Bekanntmachung: Vom 8. August an findet eine Verschiebung in der Statio­nierung der Luftschiffe statt. Aus diesem Anlaß weise lch darauf hin, daß Luftschiffe vom Zeppelin-Typ unter keinen Umständen beschossen werden dürfen. Alle Behörden wollen für sofortige weitgehendste Ver­breitung dieser Anordnung sorgen.

):( Hersfeld, 13. Aug. Auf den im amtlichen Teil unserer heutigen Nummer abgedruckten Aufruf an ehemalige Offiziere und Unteroffiziere des Frie­dens- und Beurlaubtenstandes im Bereich des 11, Armeekorps machen wir noch besonders aufmerksam.

_ Burghann, 12. August. Dem Kreiswegearbeiter Friedrich Eigenbrod dahier, ist das allgemeine Ehren­zeichen in Bronze Allerhöchst verliehen worden.

Fulda, 9. August. Fünf Söhne des Herrn Kürschner­meisters Jos. Hammel hier haben sich zur deutschen Kriegsfahne gestellt. Aus der Nähe von Weyhers (Rhön) brächte ein Vater seine sieben Söhne als Kriegsteilnehmer nach Fulda und stellte außerdem lechs Pferde zur Verfügung.

Fulda, 12. August. Reichstagsabgeordneter Müller- Fulda stellte der Stadt 3000 Mark zur Unterstützung der Frauen und Kinder einberufener Wehrmänner zur Verfügung.

Fulda, 12. August. Die engere Familie des aus Polen stammenden städtischen Beamten K., der zwölf Geschwister hat, hat in den letzten Tagen 30 Soldaten gestellt.

Alleudorf a. W., 12. August. Der hiesige Turn- und Feuerwehr-Verein hat den Beschluß gefaßt, 300

Mk. und zwar 150 für die Unterstützung der Hinter­bliebenen der hiesigen Kriegsteilnehmer und 150 Mk. für die Pflege der Verwundeten zu stiften. Der hiesige Knobelklub, dem nur 6 Mitglieder angehören, hat beschlossen, dem hiesigen Vaterländischen Frauen- verein 30 Mk. zur Pflege der Verwundeten zu über­weisen.

Volkmarsen, 10. Aug. Heute in der Mittagsstunde wurden die hiesigen Einwohner durch Feuerlärm erschreckt. Es bräunte das Haus des Schneidermeisters Brenke vollständig nieder. Durch das rasche Eingreifen der Mannschaften der Feuerwehr wurde das Feuer auf seinen Herd beschränkt.

Hettstedt, (Harz), 11. August. Beim Pflücken von Brombeeren am Ufer des Kunstteiches bei Lengefeld fiel die Frau des Invaliden Glocke mit ihren drei Kindern ins Wasser. Während zwei Kinder sich retten konnten, ertranken die Mutter und das älteste Mädchen. Die Söhne des Invaliden sind mit in den Krieg gezogen.

Hamburg, 11. August. Der 72jährige Trompeter Voigt, der in den Kriegen 1864, 1866 und 1870/71 30 Schachten mitmachte, ist auf seinen Wunsch zur Teil­nahme an dem jetzigen Kriege zugelassen und bei der ersten Ersatzbatterie des Feldartillerieregiments Nr. 45 in Bahrenfeld eingestellt worden.

Sie erste Probe.

Die erste Probe haben wir bestanden, glänzend bestanden. Die von drei Seiten gegen uns anstürmende Gefahr hat unser Volk nicht einen Augenblick zu er­schrecken vermocht, sondern nur das fast unerhörte Wunder vollbracht, daß inmitten unseres Volkes selbst in einem Augenblick alle trennenden Schranken fielen. Wie oft hat man sich selbst in Stunden hoher vater­ländischer Erhebung fragen müssen, wo und wer ist dieses deutsche Volk, in dessen Namen man so gern in tönenden Worten spricht? Ist es nicht so tausend­fach zerrissen und zerklüftet, daß es sich in keinem einzigen Gedanken, keiner einzigen Empfindung, keinem einzigen Entschlüsse wirklich einmütig zu- sammenfindet. Dieses Volk der Dichter und Denker, das heißt der Träumer und Doktrinäre! Und nun haben mirs erlebt, staunend und gerührt, erhoben und entzückt, daß das ganze deutsche Land, dieses Land unserer Liebe und unserer Schmerzen, aufflamte in einmütigem Zorn, einmütiger Begeisterung, ein­mütigem Entschluß auch die schwersten Opfer freudig auf sich zu nehmen und einmütigem Vertrauen in die Kraft seines reinen und scharfen Schwertes. Unsere gegenwärtige Stimmung hat in der Tat mit dem Mute der Verzweiflung so wenig zu tun wie mit einem leichtfertigen Ueberlegenheitsgefühl, das vor dem furchtbaren Ernst der Tatsachen ohne dies nicht lange Stand halten könnte,' ihre tiefste Wurzel ist vielmehr die Ueberzeugung, daß wir Stand halten und schließlich siegen werden, weil wir Stand halten und siegen müssen. Wir stehen unter einem furcht­baren Zwange. Aber eben darin, daß dieser furcht­bare Zwang nichts Niederdrückendes nichts Zermal­mendes für uns hat, offenbart es sich uns, daß Gott in dieser heiligen Not ist, die das äußerste von uns fordert, und aber auch zum äußersten befähigt. In einer anderen Zeit, wo es wie Sturmwind durch die deutschen Lande brauste, hat eineeiserne Lerche" ge­sungen :

Der Friede nicht, der Sturm trägt uns nach oben, Die höchsten Freuden sind auf dunklem Grunde Gleich wie des Aethers Sterne eingewoben.

Nun hat auch unser Heer, hat auch unsere junge Flotte die erste Probe glänzend bestanden und, wenn wie es scheint, draußen in der Welt, der feindlichen und der neutralen, natürlich wieder allerhand Lugen gesponnen und Märchen erzählt: werden, so wissen wir genug, um in unserem felsenfesten Vertrauen, in derHellen Zuversicht",zu der sich des Reiches Kanzler in der ewig denkwürdigen ReichstagSfitzung vom 4. August bekannt hat, aufs neue befestigt zu fühlen. Die 34000 gefangenen Belgier von Luttich sie haben es ja nicht anders gewollt für die wir heute schon geeignete Quartiere ausfindig machen müssen sind ja ein unwiderleglicher Beweis dafür, daß die Einnahme der belgischen Festung nicht eine mehr oder minder zufällig geglückte Episode, sondern eine Waffentat im größten glänzendsten Stile war Aber wir müssen und wollen uns darauf gefaßt machen, daß auch andere Stunden kommen werden und kommen müssen, Stunden nicht der Verzagtheit, da sei Gott vor, aber der Sorge und des Schmerzes, Stunden in denen des Vaterlands heilige Not mit dem Hunderttausendfachen Leide der Daheimgebliebenen zentnerschwer auf unseren Seelen lastet, Stunden, wo wir unsere Söhne und Brüder draußen beneiden werden um das schönere und leichtere Los, das ihnen im

Tode fürs Vaterland gefallen ist. Auch diese schwerere und schwerste Probe muß unser Volk noch bestehen und es wird sie bestehen, Kraft des Geistes, der es heute feurig durchloht, und mit der freudigen Ge­wißheit erfüllt, daß hier unten ewige Arme walten und daß Gott mit uns ist.

Was gehört zu einem guten Quartier?

1. Eine gute Kost. Hausmannskost, aber sorgfältig gekocht und nicht zu scharf gewürzt oder gesalzen, auch nicht zu fett, denn das alles macht durstig. Auch das Getränk gut, aber mit Maß: in der Hitze am besten Frucht- oder Zitronensaft mit Wasser und Zucker. Zum Frühstück Kakao und Butterbrot, das hält am besten vor.

2. Ein gutes Bett, sauber und nicht zu warm, in gut gelüfteter Stube.

3. Wasser genug zum Waschen. Der Soldat sollte die größte Waschschüssel im Hause bekommen, er wird sich gern vor dem Essen tüchtig waschen. Und vor dem Bettgehen ein warmes Fußwasser: wo mans hat, auch ein ganzes Bad.

4. Platz zum Arbeiten und zum Ausruhen. Gib ihm einen guten Holztisch am hellen Fenster zum Putzen seiner Sachen und wenn er fertig ist und ein Stündchen übrig bleibt, soll er sich ins Sofaeck setzen oder aufs Bett legen, er wirds brauchen können. Auch abends sorg ihm für frühzeitige Ruhe.

5. Etwas zum Mitnehmen. In den Brotbeutel kommt ein gutes Stück Bvvt mit Käse oder kaltem Fleisch; in die Feldflasche am besten leichter schwarzer Tee oder Kaffee mit Zucker, kein Alkohol. Dagegen wird Dein Gast eine gute Zhgarre nicht verschmähen, für die Bahnfahrt if£ ihm auch eine neue Zeitung und sonst Brauchbares zum Lesen willkommen.

6. Alles pünktlich zur Zeit! Was hilft das statt­lichste Nachtessen, wenn der Quartiergast zum Appell fort muß, oder das beste Frühstück, wenn man sich den Hals daran verbrennt, weil es zu spät fertig wurde.

7. Nimm ihn auf im eigeuen Haus, wenn es irgend sein kann, und weise ihn nicht an einen von dir be­zahlten Quartierwirt. Laß den Landwehrmann, der auch für dich Weib und Kind dahinten läßt und ins Feuer geht, etwas spüren vom Dank des Vaterlandes, laß ihm bei deinen Kindern am Tisch sitzen und bei deinem Abendsegen zugegen sein. Schreib dir auch Name« und Regiment auf, damit du ihm einmal einen Gruß ins Feld schicken kannst. Er kommt viel­leicht nicht dazu, dir wieder zu schreibe«, aber er ver­gißt es nicht in den Entbehrungen des Feldzuges: Das war ein gutes Quartier!"

Sie brachen den heiligen Frieden!

Sie brachen den heiligen Frieden, Die Reiche von Ost und West!

Sie haben durch Ränkeschmieden

Das Schwert in die Hand uns gepreßt.

Wir waren bet friedlichem Schaffen, Verrichteten erst unsre Pflicht,

Da klirrten die feindlichen Waffen, Hob drohend der Krieg sein Gesicht!

Die Brandfackel niederzuhalten, Zu löschen des Hasses Erglühn, Wir strebten's in langmütgent Walten Vergeblich war unser Bemüh'n.

Wohlan! Nun die Würfel gefallen, Sei Kampf unser Losungswort!

Die siegreichen Fahnen laßt wallen, Das Schlachtfeld sei jetzt unser Ort.

Für unseren Kaiser da stehen

Wir alle mit Gut und mit Blut, Für's Vaterland freudig wir gehen Zum Kampf in den Tod voller Mut!

Gott mög' uns verhelfen zum Siege, Zum Ruhm für das deutsche Schwert!

Laßt beten uns beten im Kriege, Daß gnädig der Herr uns erhört.

E. C.

Wetteraussichten für Freiiag den 14. August.

Ziemlich heiter, trocken, warm, nordöstliche Winde.