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rreuzer zu rund 649,000 To. tust 10 Mrotzkampfschiffeu, so daß sich die Zahl der jetzt >verfügbareti englischen Grotz- kampfschiffe im ganzen auf.'33 stellen würde. Außerdem sind 67 geschützte Kreuzer f (340,000 To.), 250 Torpedo- bootszerstörer, 30 Hochseetorpedoboote und 75 Urtter- seeboote vorhanden. Die russische Ostseeflotte zählt, wenn die vier neuen Grotzkampffchisfe wirklich kampf­bereit sind, im ganzen 8 Linienschiffe mit rund 160,000 To. Weiter sind 6 Panzerkreuzer (65,300 To.) vorhan­den — die 4 Riesenkreuzer sollen erst 1916 fertig wer­den — sowie 6 geschützte ‘ Kreuzer (36,400 To.) In Frankreich sind jetzt im ganzen 22 Linienschiffe mit 358,000 To. als kampffähig anzusehen, darunter nur 4 Grotzkampfschiffe. Die 6 Schiffe der „Danton"-Klasse kann man als Vordreadnoughts bezeichnen, da sie einen Wasserverdrang von über 18,000 To. aufweisen, aber nur je 34,5 Zentimeter-Kanonen führen. Weiter sind 19 Panzerkreuzer (200,600 To.) vorhanden, 8 geschützte Kreuzer mit rund 50,000 To., 84 Torpedobootszerstörer, 14 Hochseetorpedoboote, 145 Torpedoboote 1. Klasse und 55 Unterseeboote. Das Unterseeboots- und Torpedo- bvotsmaterial ist zum weitaus größten Teile in den nördlichen Häfen stationiert.

Spione in Oberschlesien i erschossen.

Wie der „Oberschlesische Kurier" meldet, wurden im Kreise Beuthen zwei Personen festgenommen, denen man unanfechtbar nachweisen konnte, daß sie zugunsten Rußlands Spionage trieben. Es waren dies der pol­nische Agitator Smuda aus Lipine und der Fleischer­meister Prochatzki aus Brzosowitz. Smuda stammt gleichfalls aus Brzosowitz, war früher Polizeibeamter M Scharley, ist aber sehr heruntergekommen. Er wurde am Montag in Beuthen am Boulevard erwischt, als er in der Kleidung eines Ordensgeistlichen spionierte. Er wurde von einer Frau aus Lipine erkannt, die einen berittenen Gendarmen herbeirief und den Baterlands- verräter, der ruhig auf der Straße ging und sich sogar von den Leuten die Hand küssen ließ, festnahm. Das Volk stürzte sofort hinzu, riß dem Spion das Ehren­kleid herunter, schlug mit Fäussten und Stöcken nach ihm und wollte ihn lynchen. Das Militär schützte den Ehr­losen vor weiteren Tätlichkeiten. Beide Spione wurden am Dienstag erschossen. Die Frau des Kapitäns Iwa- now. Gattin des Obersten der Grenzwache zu Modrze- ow-Sosnowice, wurde in Kattowitz am 3. August eben­falls wegen Spionage standrechtlich erschossen.

Die AeulralM Italiens.

Es ist daraus hingewiesen, wie schwierig die Lage Italiens ist, dessen maritime Kräfte viel zu schwach sind, um das Land gegen die vereinigte französisch-englische Mittelmeerflotte wirksam zu schützen. Daß man in Ita­lien selbst das Gefühl hat, sich in einer schmerzlichen Zwangslage zu befinden, zeigen einige Presse­äußerungen:

Der offiziöse Popolo Romano schreibt: „Englands Kriegserklärung rechtfertigt die Neutralität Italiens. Andernfalls hätten zwar Deutschland und Oesterreich- Ungarn ibre Flotten in italienischen Schutzhäfen bergen können, für Italien wäre aber ein Krieg mit England katastrophal gewesen, da an seinen langgestreckten Küsten die blühendsten Städte liegen."

Das Blatt Vita meint, daß die Minister Italiens von der unerbittlichen Notwendigkeit zur Neutralität gezwungen würden und tiefen Schmerz darüber empfän­den, nach 30jährigem Bündnis nun sich abseits halten zu müssen.

Die Situation, in der sich Italien heute befindet, erinnert uns an 1870. Die „Münchner Neuesten Nach­richten" brachten damals folgende Meldung: England hat in höflichster und achtungsvollster Weise Italien zum Schutze seiner Neutralität eine Flottenabteilung ange- boten. (Das heißt mit anderen Worten: England wird mit seiner Flotte zu verhindern wissen, daß Italien die Neutralität verletze.)

Heute braucht zwar England Italien keinen Flot- tenschutz anzubieten, aber die kriegspolizeiliche Ueber- wachung des Mittelmeeres kann England im Verein mit Frankreich leider immer noch ausüben, und legt damit unseren Verbündeten lahm. Nimmt der Krieg den Ausgang, den wir erwarten, wird es eine der wesentlichsten Aufgaben des Friedensschlusses sein, hier Wandel zu schaffen.

Es sei auch darauf hingewiesen, daß bei der Würdi­gung der Haltung Italiens vor allem ein Gesichtspunkt festgehalten werden muß. Ihn hat Fürst Bülow in sei­ner „Deutschen Politik" rrenend umschrieben und daran erinnert, daß er auch für Bismarck maßgebend war. Bülow schreibt:

„Auch wenn Italien nicht in allen Situationen bis zu den letzten Konsequenzen mit uns und Oesterreich und wir und Oesterreich nicht in allen Verwicklungen des weltpolitischen Getriebes mit Italien gehen können, so würde doch jede der drei Mächte durch den Bestand des Bündnilles verhindert sein, dem Gegner der anderen zur Seite zu treten. Das hatte Fürst Bismarck im Auge, wenn er einmal äußerte, es genüge ihm, daß ein ita­lienischer Korporal mit der italienischen Fahne und ei­nem Trommler neben sich die Front gegen Westen, d. h. gegen Frankreich, und nicht gegen Osten, d. h. gegen Oesterreich nehme. Alles weitere wird davon abhängen, wie eine eventuelle Konfliktsfrage in Europa gestellt, mit welchem Nachdruck sie militärisch von uns vertreten und mit welchem Erfolg sie militärisch und diplomatisch durchgeführt wird."

Da die bewaffnete Neutralität Italiens die Rolle jenes italienischen Korporals und Trommlers zu spielen vermag, braucht sie die deutsche Zuversicht nicht zu be­einträchtigen. Letztere beruht auf dem Bewußtsein dtt eignen Stärke und auf der Einigkeit des ganzen Bolkes, die der Verlauf und das Ergebnis der ewig denkwürdi- ßtn Reichstagssitzung vom 4. August auf das erhebendste yervortretcn ließen.

Kleine docfirldife»

Bon einem belgischen Zollwächter erschollen wurde tx der Nähe von Eupen ein deutscher Posten. Der Täter wurde verhaftet.

Haarschneiden »«sonst! Nämlich für die Kitwer *m Vätern, die ins Feld gezogen sind. Ein Barbier in der Zimmerstratze zu Berlin, der auch helfen will, p»m er helfen kann, kündet es an seiner Ladentür durch ein Plakat an. — Wenn jeder tut, was in seiner Kraft *eW, wie sollte es da fehlen!

N« dem Mangel an kleiner barer Münze zu be- yeanen, hat der Magistrat in Avenstein Gutscheine zu t M, 50 Pf., 10 Pf. und 5 Pf. mit Unterschrift je zweier MagtüratSmitglieder herauSgegeben Sie werden in den Gxfrüsten in Zahlung genommen und bei der Stadthcruptvrllk in bares Geld eingetauscht.

Vermischtes.

Deutscher Dichter als Kriegsfreiwilliger. Wie aus Hamburg gemeldet wird, hat sich der bekannte Lyriker Richard Dehmel, der beste Freund Liliencrons, für den Kriegsdienst freiwillig gemeldet. Dehmel ist bekanntlich im vorigen Jahre fünfzig Jahre alt geworden. Im Anschluß daran sei ferner mitgeteilt, daß der Bremer Dichter Rudolf Alexander Schröder, ebenfalls einer un­serer Besten, sich bei der Matrosen-Artillerie gestellt hat. Hofmannsthal tut Dienst als österreichischer Offi­zier, der durch feine Schillerromane bekannte Walter v. Molo gleichfalls. Walter Bloem, der Verfasser der Kriegsromane über den Krieg von 1870/71, ist auch zu den Fahnen geeilt. Er führt als Hauptmann der Re­serve eine aktive Kompagnie des 12. Grenadier-Regi­ments aus Frankfurt a. O.

Die verstummte belgische Siegesglocke. Die größte und berühmteste Glocke des alten Genter Rathanstur- mes, die nach dem Erbauer des Stadthauses und des Justizpalastes „Roelandt" genannt wird, ist verstummt: ein 55 Zentimeter langer Sprung an einer ihrer Sei­ten hat sie plötzlich zum Schweigen gebracht. Matt nimmt an, daß die durch die große Hitze der letzten Wochen ausgedehnete Metallmasse dem Anprall eines neuen Klöppels, den man vor kurzem anbringen mußte, nicht standhalten konnte. Sachverständige untersuchen jetzt die Glocke, um festzustellen, ob sie sich noch einmal wird reparieren lassen, oder ob sie umgegossen werden muß. Die Glocke stammt aus dem Jahre 1314, mußte aber im Jahre 1659 umgegossen werden; sie weist in flämischer Sprache eine berühmte Inschrift auf; diese Inschrift lautet: „Mein Name ist Roelandt: wenn ich dumpf anschlagend läute, ist ein Feuer ausgebrochen; läute ich festlich mit Hellem Klang, gibt es einen Sieg in Flandern. . . ." Da die Glocke einstweilen nicht mehr „festlich mit Hellem Klänge" läuten kann, glauben die Genter, daß für Flandern böse Zeiten kommen. . .

Das Hauptquartier des Kaisers. Nach dem Artikel 63 der Verfassung des Deutschen Reiches bildet die ge­samte Landmacht des Reiches ein „einheitliches Heer, welches in Krieg und Frieden unter dem Befehl des Kaisers steht." Schon im Frieden ist seit dem Jahre 1888 ein Teil des „Militärischen Gefolges" als „Haupt­quartier Seiner Majestät des Kaisers und Königs" or­ganisiert. Es besteht aus dem „Vortragenden General­adjutanten", zurzeit General der Infanterie Freiherr von Lyncker, der zugleich Chef des Militär-Kabinetts ist, dem „Diensttuenden Generaladjutanten und Kom­mandanten des Hauptquartiers", zurzeit General-Oberst von Plessen, den „Diensttuenden Generalen a la sutte", zurzeit nur Generalleutnant von Gontard, und den „Diensttuenden Flügeladjutanten", die acht an der Zahl sind und sich im Dienst regelmäßig, je zwei und zwei, ablösen: es sind zurzeit der Oberst von Mutius, die Oberstleutnants von Estorff und von Hahnke, die Ma­jore von Kleist, von Caprivi, Graf von Moltke und von Hirfchfeld und der Korvetten-Kapitän Freiherr von Paleske von der Kaiserlichen Marine. Natürlich erfährt das Kaiserliche Hauptquartier im Kriegsfalle eine er­hebliche Verstärkung durch Offiziere, Verwaltungsbe­amte und die zum Sicherheitsdienst bestimmten Mann­schaften, Stabswachen, Leibgendarmen usw.

DieAbschlachtung Deulscher in Antwerpen.

Die „Leipz. N. N." veröffentlichen den Bericht eines Augenzeugen, aus dem hervorgeht, in welch hunösge- merner Weise man friedliche deut che Staatsangehörige in den Straßen Antwerpens abge chlachtet hat, wie die Hyänen Antwerpens wehrlose deut'che Frauen und Kin­der hingemordet haben. Der Gewährsmann des Blattes erzählt:

Es war in der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch gegen 3)4 Uhr früh, als ich durch großen Lärm und Pol­iern aus dem Schlafe geweckt wurde. Ich sah aus dem Fenster und bemerkte auf der Straße eine große Men­schenmenge, die joblend und schreiend, mit erhobenen Stöcken und Revolvern gegen alles, was deutsch war, anstürmren. Einzelne Trupps verwegener Gesellen drang in die Häuser der Deutschen ein, sprengte die Haustüren und stürmte die Treppen hinauf. Die Türen der Wohnungen wurden ebenfalls erbrochen. Und nun hausten die blindwütigen Unmenschen wie die Bestien. Frauen und Kinder, sogar Wöchnerinnen, wurden an den Haaren aus den Betten gerissen, in rohester Welse mit Stöcken geschlagen und die Treppen hinunter gejagt.

Ich flüchtete in wilder Hast, um wenigstens mein nacktes Leben zu retten. Einen Koffer mit 400 Gulden ersparten Geldes mußte ich zurücklassen. Unten auf der Straße sah ich nun, wie ein Mann mit seiner Frau und leinen beiden Kindern, alle nur in der notdürftigsten Bekleidung, zu fliehen suchten. Sofort scharte sich um sie eine große Menge Belgier, die in drohender Haltung, mit Stöcken, Mesiern und Revolvern bewaffnet, auf sie eindrangen. Ich eilte dem Manne zu Hilfe und nahm ihm die beiden Kinder ab. Kaum harte ich biete auf dem Arm, da sah ich, wie ein Belgier unter dem lauten Ge­johle und frenetischen Beifall der anderen auf die arme Frau, die schon halb ohnmächtig in den Armen ihres Mannes lag, losstürzte und sie mit einem Messerstich tötete. Ich ließ die Kinder einen Moment los, um dem unglücklichen Manne, der an vielen stellen blutete, zu Hilfe zu kommen. Dieser war jedoch im Gedränge schon verschwunden. Als ich mich wieder den Kindern zu- wendete, waren diese ebenfalls durch Messerstiche er­mordet. Jetzt suchte ich mein eigenes Leben in --icher- bett xu bringen Etwa 50 schritte weiter in berielben Strafe? sah ich wie aus dem vierten Stockwerk eines Hauses zwei Kinder im Alter von etwa 3 und 6 Jahren aus dem Fenster geworfen wurden und unten mit zer­schmetterten Gliedern liege« bUeben. Unterdessen trie­ben die Belgier, nach meiner Schätzung etwa 3000 bis 4000 an der Zahl, die Teutschen unter den schlimmsten Mißhandlungen in der Straße vor sich her. Unter das wilde Gejohle mischten sich wiederholt Revolverschüste. Ich weiß nicht, was aus meinen L^ndsleuten geworben ist Ich bemerkte nur, wie die entfesselte Menge auch d e Läden und großen Warenhäuser der Deutschen stürmte und sie teilweise in Brand steckte. An vielen Fenster­läden sah ich die Flammen auf die Straße schlagen. Aus der Menge wurden Rufe wie „Nieder mit den Zeppe- li«eu", „Nieder mit den deutsche« Hunden „Tod den dentschen Lumpen" laut. Emzelne rissen oas Pflaster U und warfen mit den Steinen auf die Deutschen andere rissen eiserne Gitter los und schlugen damit auf nC ^sin großes deutsches Geschäftshaus wurde völlig ausgeplündert. An den Plünderungen beteiligten sich vornehmlich auch viele Frauen. Und bei alledem ver­hielt stch die Ptüizet vollkommen passiv. (^anz in mei­ner Nähe stand ein Polizeibeamter, der den Vorgängen den Rücken kehrte, ja, eher eme vergnügte Miene zeigte, als die Absich: ^undgab, einzugrerfen. Unter vielen Mißhandlungen und Schlägen gelangte ich endlich an ha ßötsv wo ich am Ufer ein unbemanntes Segelboot

erblickte. Mit drei anderen verfolgten Deutschen schwang ich mich in dieses. Nur diesem glücklichen Zufall ist es zu verdanken, daß wir mit dem Leben und ohne schwere Verletzungen davonkamen. Draußen vor dem Hafen wurden wir von einem Schiff, das unter holländischer Flagge fuhr, ausgenommen. In Rotterdam gingen wir wieder an Land und fuhren dann mit einem holländt- scheu Kohlen schiff den Rhein aufwärts bis Wesel. Dort stellte ich mich als Kriegsfreiwilliger, um in den Rei­hen unserer deutschen Krieger das unverschuldet ver­gossene Blut an unseren deutschen Lanbsleuten doppelt und dreifach, jedoch im ehrlichen Kampf, Waffe gegen Waffe, zu rächen. Das Wchgeschrei der mißhandelten Frauen und Kinder werde ich im Leben nicht vergessen können. Es war einfach fürchterlich!"

Soweit der Gewährsmann. Uns aber, denen bet solchen grauenhaften Szenen, die der Verstand kaum glauben möchte, das Blut erstarrt, dämmert jetzt eine Ahnung davon auf, wie dieser Krieg von Seiten des Feindes geführt werden wird, der ihn damit beginnt, daß er Frauen und Kinder abschlachtet und deutsche Soldaten aus dem Hinterhalt abschießt. Gegen solche blutgierigen Bestien im Osten wie im Westen, gegen die uns nichts als unser Heer in Waffen schützt, kann und darf es nur eine Losung geben, die, die wir schon einmal in bitterernster Stunde gehört haben: Pardon wird nicht gegeben! Mit solchen Hyänen muß kurzer Prozeß gemacht werden. Der Name des belgischen Vol­kes aber ist auf alle Zeiten durch diese Mordbrennereien unter den Augen der Polizei besudelt, wie die wüsten Brutalitäten gegen die Deutschen in Paris den Begriff der französischen Kultur zur Farce machen.

wie öle Helgoländer ihre 3nfel verliehen.

Von einem Helgoländer wird dem „Hamburger Fremdenblatt" geschrieben: Auch auf dem kleinen Eiland in der Nordsee spürte man während der letzten Woche die politische Krisis in allen Einzelheiten. Als sich die Lage zuspitzte, verließen die Badegäste in Scharen Helgoland, und die Bewohner mußten sich darein fügen, ihre Heimstätten am Sonnabendmorgen zu verlassen. Wie kam das alles? Freitag nachmittag war's, da ein Dünenboot die Nachricht brächte, daß der Kriegszustand in Deutschland verhängt worden ist. Es dauerte nicht lange, und die großen roten Plakate bewiesen die Tat. sache, die sich vorher mit Windeseile herumgesprochen hatte. Die Plakate des Kommandanten verfügten die Abreise sämtlicher Fremden binnen 24 Stunden, den Schluß der Wirtschaften um 9 Uhr usw. Die um 6 Uhr avmhrcnde „Cobra" ist überfüllt. Sie hat die letzten Badegäste an Bord. Durch die Straßen eilt der Aus­rufer: „Alles hat sich zur Abfahrt bereit zu halten!" Die Botschaft wird mit Ernst ausgenommen, und der Ernst verleiht der Insel eine bange Stille, wenn auch hier und da der eine oder der andere glaubte, sich noch an Hoffnungen klammern zu können. Die Läden sind geschlossen. In den Häusern brennt das Licht bis tief in die Nacht hinein, hinter den Fenstern wird gekramt und gepackt.

So kommt der Sonnabend heran. Auf der Reede liegen die Dampfer „Bubendey" und „Königin Luise". Plötzlich fährt die „Königin Luise" mit beschleunigter Fahrt leer ab. Koffer auf Koffer wird zur Brücke ge­bracht, an der ein Helgoländer Fahrzeug ladend zur Ab­fahrt sich rüstet. Von 10 Uhr ab nimmt „Bubendey" seine Fremden - Passagiere auf. Alle Angestellten, Dienstmädchen kommen schwer beladen mit ihrer Habe zur Brücke, manche Helgoländer Familie fährt mit fort, um sich in Sicherheit zu bringen. Um 12 Uhr fährt der „Bubendey" fort. Durch die stille See furchen einige Torpedoboote in eiliger Fahrt sich die Straße. Auf der Insel spielen im Grünen wie sonst die Kinder. Die Spannung läßt die Menschen fiebern. Der Mittag ver­streicht ohne Nachricht, der Nachmittag bringt nichts Neues,- in Gruppen stehen die Frauen beieinander, die Männer gehen zur Brücke, wo die letzten Depeschen an­geschlagen werden. Um 6 Uhr soll die Entscheidung kommen. Es ist gegen 6 Uhr. Plötzlich eilen die Post­beamten zur Post. Die Entscheidung naht! Das Tele­gramm am Eingänge bringt die „Mobilmachung!" Und man hört keinen Ausbruch der Klage. Ernst und still geht man nach Hause und erträgt das Unvermeidliche. Durch die Straßen tönen die Alarutsignale der Marine, bald wird verkündet, die meisten der Inselbewohner haben sich zur sofortigen Abfahrt bereit zu halten und nach unten zu gehen. Das Oberland beginnt, dann soll das Unterland folgen. Ein Anschlag des Kommandan­ten gibt die letzten Verhaltungsinaßregeln.

Mir Säcken und Kisten, Koffern und Kasten, die Säuglinge und kleinen Kinder auf den Armen, die größeren Kinder mit Paketen in den Händen zur Seite, geht alles zur Brücke. Und wieder ist kein Klagen in den Reihen. Der Blick sucht die Ferne, aus der die Dam­pfer kommen sollen. Es wirb 9 Uhr, nichts ist zu sehen auf der See. Frauen und Kitider werden in das Kur­haus gebracht, stumm sitzen sie zusammen. Alte Frauen, die nie die Insel verlassen haben, in stiller Resignation, junge Frauen mit ihren Kindern. Da und dort bleibt Ptann mtd Vater zurück als Soldat oder Handwerker. Um 10K Uhr wird der Befehl gegeben, wieder in die Häuser zu gehen, gegen Morgen sich fertig zu halten; die meisten geben, für kurze Zeit nur; denn um 4 Uhr kommt der Befehl: 4^ Uhr wird eingebootet.

Zuerst zehn Kranke auf Babreu, von der Besatzung der „Rugia" getragen; dann beginnt das Einbooten. In Stille geht alles vor sich; die „Cobra" wird als Ten- der benutzt für die größere „Rugia". Stumm kämpfen die, die fort müssen, ihren Schüler- und chre Sorge nie.

'eimat. Und da-

der um den zeitweiligen Verlust der He bei weiß niemand, wohin es eigentlich t darüber bekannt gegeben. „Es wird für Euch gesorgt werden, wenn Ihr drüben seid," lautete die Antwort.

geht; nichts ist

Um 8% Uhr lichtet die „Cobra" bte Anker, sendet

M't drei Tönen ihrer Ta,npfpfeife die letzten Grüße hmüber Mr trauten Insel. Um 8% Uhr folgt die „Rn- am , fahrt im weiten Bogen um die Nordspitze der Insel herum Ba d verschwindet die Insel in diesiger Üust. Um 1 Uhr ist Cuxhaven erreicht, um 8 Uhr legt die „Rugra an der Lt.-Pauli-Landungsbrücke fest.

Am Montag sind die Helgoländer an den LandungS- drücken abgesetzt worden. Da man so schnell die Unters bringung der Leute nicht durchführen konnte, lagen«, Männer und Frauen, Knaben und Mädchen in allen ^^salterm 'ogar Säuglinge auf den Brücken und harrten Dinge, die da kommen sollten. Die niarfax- ten Lchlftergestalten mtt dem eigenartig gestutzten Spitz. Hart pendeln im ruhigen Schritt auf und ab. Alte ter wehk agen darüber, daß sie alles haben im Stich lassen müssen; nur die Jugend kennt keine Sorgen, bte Ätzens ^nd Deerns springen vergnügt um&r plünbem bie Obstkarren. Um 11 Uhr ruft einer der Alt«, die Bevölkerung zusammen und macht bekannt, nunmehr bte Unterbringung der Familien vor sich geA soll. 1M0 Personen sollen mit Daniptern nach den Ab immer Auswaniererhallen aebrac/ und dort drei Tage vrrpflxgt Wöben, bis Privatquartier beschafft Ht