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Hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^?^^ für den Kreis Hersfeld

HersWn Kkeirblatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 187

Mittwoch, den 13. August

1914.

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

Bus der Heimat«

* (Gebt Eueren Frauen Generalvoll- m a ch t.) Allen Denjenigen, die der Mobilmachungs­order Folge leisten müssen, besonders aber den Ge­schäftsleuten, ist es dringend anzuraten, ihren Ehe­frauen oder anderen Familienangehörigen für die Zeit ihrer Abwesenheit Generalvollmacht zu erteilen. Nachstehende Muster zur Generalvollmacht. Ich der Unterzeichnete .... bestelle hierdurch für die Zeit meiner Einberufung zum Heere zum Zwecke des Kriegsdienstes meine Ehefrau (ober . . .) zu meinem Generalbevollmächtigten und ermächtige sie unter Bei­legung der Befugnis zur Bestellung eines oder mehrerer Unterbevollmächtigten alle meine Angelegen­heiten zu besorgen. Dieselbe soll ermächtigt sein, jede Rechtshandlung, welche ich selbst vornehmen könnte und bei welcher Stellvertretung gesetzlich zu­gelassen ist, für mich und in meinem Namen mit rechtsverbindlicher Kraft vorzunehmen. Name Notarielle Beglaubigung der Unterschrift ist an­zuraten 1

* (Erleichterung auf Märschen bei grotzerHitze.) DasMilitär Wochenblatt" schreibt: Ein früherer Angehöriger der Niederländisch-Indischen Armee teilt uns aus seinen in langen Jahren im Atjeh-Feldzug gesammelten Erfahrungen ein vor­zügliches Mittel mit, der in Sonnenbrand und Staub marschierende Trrippe die Spannkraft nach Möglichkeit zu erhalten. Das Mittel ist überaus einfach und billig, wurde aus der Mitte der Truppe selbst heraus erdacht und auf den schwierigen Märschen in glühender Tropensonne mit großem Erfolge angewendet. Die durch Schweiß und Staub an Hals und Gesicht ge­bildete Kruste verstopft die Poren und steigert die Körpertemperatur bis zur Unerträglichkeit. Das Taschentuch wenn überhaupt vorhanden versagt bald, und da tut ein kleiner Schwamm, mit einem genügend langen Bündchen (Bindfaden) im Knopfloch befestigt, vorzügliche Dienste zum Abwischen des Ge­sichts. Der vorher bei jeder sich bietenden Gelegenheit angefeuchtete Schwamm saugt den Schweiß auf, öffnet die Poren und schafft augendlickliche Erleichterung. Der Schwamm wird auf den Kopf unter den Helm gelegt und bewirkt infolge der durch die höhere Temperatur hervorgebrachten stärkeren Verdunstung auf der Kopf­haut Kühlung und Erleichternng, erhöht und erhält die Spannkraft. Das einfache Mittel hat sich tausend­fach bewährt und würde sich sicher auch für unsere braven Trnppen als hervorragend nützlich erweisen.

8 Hersfeld, 11. August. (Freie Fahrt f ür E r n t e h i l f s a r b e i t e r.) Um die Einbringung der diesjährigen Ernte zu erleichtern, wird den Ernte- Yllfsarbeitern, und zwar sowohl den Berufsarbeitern, als auch den freiwilligen Helfern anderer Stände auf den Strecken der preußisch-hessischen Staatsbahnen freie Fahrt während der Monate August bis Oktober schließlich zur einmaligen Reise nach der Arbeits­stelle und zurück gewährt. Die Berufsarbeiter werden den Landwirten durch die öffentlichen oder gemein- nutzigen Arbeitsnachweisanstalten, die dem Verbände deutscher Arbeitsnachweise angehören, zur Verfügung gestellt. Sie erhalten von den genannten Arbeits­nachweisanstalten Ausweise, die sie an den Fahrkarten- Ichaltern abliefern. Sie bekommen dafür unentgeltlich Fahrkarten 4. Klasse und soweit die 4. Klasse nicht verkehrt, Fahrkarten 3. Klasse nach der Zielstation. Dasselbe Verfahren gilt für die Rückfahrt nach Be­endigung der Erntearbeiten. Die freiwilligen Helfer oder Helferinnen anderer Stände werden den Land- wrrten durch die unter Mitwirkung staatlicher Be­hörden ins Leben gerufeneErntehilfe" in Berlin, dre zahlreiche Zweigstellen unterhält, vermittelt. Sie erhalten von derErntehilfe" besondere dreiteilige ckuswetskarten. Der mittlere Teil enthält die An­weisung für den Erntehelfer, sowie den Stempel, oder eme sonstige Bescheinigung der Landwirtschaftskammer und einer Zweigstelle derErntehilfe." Die Abschnitte rechts u. links sind die Freifahrtausweise, der eine wr die Hinfahrt, der andere für die Rückfahrt. Diefe sUkroen nicht gegen Fahrkarten umgetauscht, sondern ,,5wtigen ohne weiteres zur freien Fahrt 3. Klasse gUd werden wie Fahrkarten bei Antritt der Fahrt »"vcyt u. bei Beendigung der Fahrt abgenommen.

uo W Hersfeld, 11. Aug. Die Firma Jean Rech - i * ^,6 , Lederfabrik, Hersfeld hat den Angehörigen der sZfMlde stehenden Krieger eine wöchentliche Unter-

ng für Frau und Kinder bewilligt. Den Erregern wurde beim Ausmarsch die Versicherung zu teil, daß für die Familie gesorgt werde.

) :( Hersfeld, 11. August. Da die Truppentrans­porte größer sind und länger dauern als der Vater­ländische Frauen-Verein angenommen hatte, so bittet derselbe wieder gütige Spenden an Brot, Wurst, Butter und Eiern baldmöglichst an die Sammelstelle im Bahnhof Hersfeld senden zu wollen. Helft Enern ausziehenden Kriegern!

Göttingen, 6. August. Unter den Liebesgaben, die am gestrigen Kriegsbettage in der Albanikirche für die zurückgebliebenen Familienangehörigen der ins Feld gerückten Truppen reichlich geopfert wurden, befand sich auch eine wertvolle goldene Uhr.

Braunschweig, 9. August. Ein liebenswürdiger Zug des Herzogs von Braunschweig. DerDeutschen Ztg." wird aus ihrem Leserkreise geschrieben:Am Tage der Mobilmachung war ein angesehener Ein­wohner unserer Stadt, welcher als Sanitätsoffizier einberufen war, genötigt, sich noch in der Abendstunde wegen dringender Angelegenheit aus unserem Land­städtchen nach der nächsten größeren Stadt zu begeben. Passende Fahrgelegenheit war nicht vorhanden, seine eigenen Pferde wie viele andere waren bereits ein­gezogen und die Zeit drängte. An der großen Land­straße liegend war der Automobilverkehr durch die Stadt an diesem Tage besonders stark. Vielleicht konnte er in einem vorüberfahrenden Auto einen Platz finden. Wartend stand er vor dem Hause. Es näherte sich ein Auto, dessen vierter Platz unbesetzt war. Auf dem Führersitz befand sich ein junger Offizier, neben ihm eine Dame. Der Herr hob den Arm, das Auto hielt. Kurz trug der Wartende sein Anliegen vor. Der Offizier winkte, einzusteigcn und das Auto setzte seinen Weg fort. In diesem Augen­blick erkannten die Umstehenden in dem Fahrer den Herzog Ernst August von Braunschweig und in der Dame seine Gemahlin, unsere Kaisertochter. Der Herzog befand sich auf dem Wege nach Berlin. Die gewinnende Freundlichkeit des Herzogs ließ überall Gefühle wärmster Zuneigung für ihn und unser Prinzeßchen zurück. Der Sanitätsoffizier ist bereits ins Feld gezogen.

Aufschrift für Feldpoftsendungen.

Die nach dem Feldheere gerichteten Postsendungen können, da die Marschquartiere der einzelnen Truppen­teile fortwährend wechseln, nicht, wie im gewöhnlichen Verkehr, auf einen vom Absender anzugebenden bestimmten Ort geleitet, sondern müssen zunächst der Feldpostanstalt zugeführt werden, die für den Truppen­teil den Postdienst wahrzunehmen hat.

Für jedes Armee-Oberkommando, jedes Armee­korps, jede Division Infanterie-, Kavallerie- oder Reservedivisiou ist je eine mobile Feldpostanstalt in Tätigkeit. Bis zu dieser Feldpostanstalt, die bei dem Stäbe mitmarschiert, werden die an die Truppen gerichteten Sendungen befördert,- von dort werden sie durch Kommandierte der einzelnenTruppenabteilungen oder Detachements abgeholt.

Hiernach können die Sendungen nur in dem Falle pünktlich an den Empfänger gelangen, wenn die Auf­schriften der Briefe usw. richtig und deutlich ergeben: welchem Armeekorps, welcher Division, welchem Regiment, welchem Bataillon, welcher Kompagnie oder welchem sonstigen Truppenteile der Empfänger angehört sowie welchen Dienstgrad und welche Dienst­stellung er bekleidet.

Dasselbe gilt sinngemäß für die Sendungen an die Angehörigen der mobilen Marine.

Sind diese Angaben auf den Briefen usw. an dre mobilen Truppen richtig und vollständig enthalten, dann können die Sendungen mit Sicherheit der zu­treffenden Felöpostanstalt zugeführt werden Eine Angabe des Bestimmungsorts in der Aufschrift ist nicht erforderlich, kann vielmehr leicht zu Ver­zögerungen bei Uebermittlung der Sendungen führen. Es ist daher zweckmäßiger, auf den Briefen usw. einen Bestimmungsort gar nicht zu vermerken, sofern der Empfänger zu den Truppen gehört, die infolge von Marschbewegungen den Standort wechseln. Wenn dagegen der Empfänger zu den Truppen einer Festungs­besatzung gehört, bei einem Ersatztruppenteile steht oder überhaupt ein festes Standquartier hat, so ist dies auf den Briefen usw. deutlich zu vermerken, außerdem ist in diesen Fällen der Bestimmungsort anzugeben.

Die Aufschriften der Briefe usw. müssen recht klar und übersichtlich sein. Besonders empfiehlt es sich, die Angaben über Armeekorps, Division, Regiment usw. oder Kriegsschiff immer an einer bestimmten Stelle, am besten unten rechts niederzuschreiben.

Die Ziffern in den Nummern der Divisionen, Regimenter usw. und der Name des Empfängers müssen recht deutlich, scharf und genügend groß ge­schrieben werden. Blasse Tinte und feine Schrift sind möglichst zu vermeiden. Nachlässige Ziffern und

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Schriftzüge, oder auch solche, die zwar dem an seine Schrift gewöhnten Absender sehr deutlich Vorkommen mögen, es aber in der Tat nicht sind, zumal wo es sich unter Hunderttausenden von Aufschriften um sofortige Entzifferung im Augenblick handelt, werben leicht die Ursache der Verzögerung oder Unanbringlich- keit der Feldpostsendungen.

Im übrigen empfiehlt es sich, auf allen Brief- sendungen nach dem Feldheer oder der mobilen Marine den Absender anzugeben. Eine Verpflichtung hierzu besteht jedoch nicht.

Das Publikum wird ersucht, im eigenen Interesse auf die obigen Punkte Rücksicht zu nehmen.

Mit Gott für Kaiser und Reich!

(Wir treten zum Beten.)

Erhör uns, Allvater! Sei Hort und Berater Den Kaisern des Friedens im dräuenden Krieg! Den heiligsten Rechten im Kampf mit dem Schlechten Gewähre als Richter der Welten den Sieg!

Die Feinde zerhämmern, bis Götter verdämmern, Das priesen die Ahnen als mannhaftes Heil. Da ward uns hinieden die Kunde vom Frieden, Vom Gotte der Liebe in Christo zuteil.!

Wir folgten der Lehre und gaben Dir Ehre! Wie haben wir Frieden und Treue gewahrt! Nun trachten zu füllen des Mordes Gesellen Für immer die treue germanische Art.

Und ob sich die Sünde dem Satan verbünde.

So halten wir ehrlich und wehrlich ihr stand. Laß nimmer als Sklaven von Wälschen und Slaven Versinken uns Deutsche in Laster und Schand!

So führ uns in Gnaden auf blutigen Pfaden, Errette die Blüte des Volkes vorm Tod! Erbarm Dich der Schmerzen viel trauriger Herzen, Tröst Mütter und Kinder in all ihrer Not!

Trotz feurigem Regen bescheer uns den Segen, Dem mühsam wir ernten vom Schoß der Natur! Von Süden bis Norden vor Brennen und Morden Behüte als Schirmherr die heimische Flur!

Laß nochmals genesen am treudeutschen Wesen Die wirre, vom Mammon verblendete Welt; Laß unsere Waffen nun endlich erschaffen Dem Frieden auf Erden ein sicheres Feld!

Zerschmettre der Lüge berghohes Gefüge, Errichtet von Neidern im Bund mit dem Mord, Auf daß sie sich beugen und büßend bezeugen: Der Herr ist der Richter, das Recht ist Sein Wort!

H e n n i n g.

Durch die Lupe.

(Ein Mahnwort an deutsche Herzen.)

Ob ehern auch die Würfel sielen, ob bitt'res Weh und herbes Leid für uns, die wir zurückgeblieben, das Herz bedrückt in dieser Zeit, ob weinend manches Elternauge der Zukunft bang' entgegen- harrt, es fordert Mut in dieser Stunde auch unsern Mut die Gegenwart. Dem Vaterland zu Schutz unb Schirme! Kein Opfer kann so heilig sein! Wahrt Väter, Mütter, Bräute alle dies Wort in Eurem Herzensschrein! Zu stolzem Ziel sind die berufen, die jetzt das Schicksal auserwählt, zu Deutschlands Schutz und Ehr' zu kämpfen mit Kräften, jung und frohgestählt. Gerecht und heilig ist die Sache, drum wollen wir mit Gut und Blut zum Kampfe gegen jene stehen, die uns in frevlem Uebermut herausgefordert vor die Schranken, sei Gott mit uns in diesem Krieg und lenke uns mit Vaterhänden durch Kämpfe zu Erfolg und Sieg. Laßt uns vor seinen Altar treten, das Herz voll tiefer Frömmigkeit und uns um seinen Segen beten in dieser schweren, harten Zeit. Er wird uns seine Hilfe spenden im Kampfe für das Vaterland, er hält auf unsrer Kinder Leben treu sorgend seine Schöpferhand. Nicht ziemt es d'rum, in bangem Zagen zu hadern mit des Schicksals Macht, nein, gläubig stolz das Haupt zu tragen vertrauend auf des Himmels Macht, und ob uns jetzt von allen Seiten die Feindestücke hart bedrängt, noch immer half dem Recht zum Siege der Herr, der über Sternen lenkt, drum mutig stolz das Haupt erhoben, das höchste sei das Vaterland, die Tränen fort um unsre Söhne, wir stehen all' in Gottes Hand!

Walter-Walter.

Wetteraussichten für Mittwoch den 12. August.

Meist heiter, bis auf Gewitter, trocken warm, schwache Luftbewegung.