Hersfelder Tageblatt
für den Kreis Hersfeld
Hetzblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- * k»ld»« zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei DtiSlCIO^t Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-slnschluh Nr. 8
Nk. 186.
Montag, den 11. August
1914.
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.
Hus der Heimat«
* (Dringende Bitte.) Es wird nochmals dringend gebeten, bis in das kleinste Dorf hinaus davor zu warnen, auf Flieger, die sich nicht etwa durch Bombenabwerfen oder in anderer, durchaus zweifels- freier Weise als Feinde erweisen, zu schießen. Man bedenke nur, welches Unheil durch einen Treffer gegen unsere Luftfahrer in ihrer wichtigen Tätigkeit ange- richtetwerden kann. Dasselbe gilt von unseren Kraftfahrern. Wir haben keine feindlichen Kraftwagen mehr im Lande.
* Der Automobilverkehr unterliegt zurzeit durch das zum groben Unfug ausgeartete fortgesetzte Anhalten und Bedrohen der schwersten Störung. Ein höherer österreichischer Offizier, im Auto von Wien nach Berlin entsandt, wäre um ein Haar erschossen, seine Reise, die selbstverständlich wichtiger eiliger Mission galt, ist um 12 Stunden verzögert worden. Der Generalstab des Feldheeres weist nochmals nachdrücklichst darauf hin, daß kein verdächtiges oder feindliches Auto sich mehr im Lande befindet. Jedes Auto, das zurzeit fährt, befindet sich meist mit wichtigen Aufträgen im Dienste der Landesverteidigung. Die Interessen der Landesverteidigung verlangen gebieterisch, daß dem gesamten Autoverkehr keinerlei Hindernisse in irgendeiner Wc»,« und von irgendeine«. Seite mehr entgegengesetzt werden. Sämtliche Behörden werden ersucht, sofort dafür zu sorgen, daß diese Mitteilung schleunigst auch auf dem flachen Land und in den Dörfern bekannt wird.
* Die Wahrscheinlichkeit, daß feindliche Flugzeug e die Gegend von Berlin überfliegen, ist gering. Andererseits ist mit zahlreichen Uebungsflügen deutscher Flugzeuge auf und zwischen den Flugplätzen zu rechnen. Um eine Gefährdung der eigenen Flieger durch Beschießen zu verhindern, sind „W. T. B." zufolge die deutschen Flugzeuge an der oberen und unteren Seite jeder Tragfläche sowie zu beiden Seiten des Seitensteuers mit einem schwarzen Kreuz in Form des eisernen Kreuzes versehen. Die Flugzeuge werden sich tunlichst so niedrig halten, daß die Kennzeichnung von unten erkannt werden kann. Ueberfliegen der inneren Stadt Berlins sowie Nachtflüge sind für Militär- und Zivilflieger verboten. Auf Luftfahrzeuge außerhalb der inneren Stadt Berlins ist grundsätzlich nicht zu schießen.
8 Hersfeld, 8. Aug. Der Rabatt-Sparverein hatte in einer gut besuchten Versammlung einstimmig beschlossen, eine Summe vom Verein aus zu bewilligen, iowie durch freiwillige Gaben der Mitglieder diesen Betrag zu verstärken um auch an ihrem Teil mit dazu beizutragen, die eintretende Not der armen Klassen unserer Stadt, deren Ernährer ins Feld gezogen, zu lmdern. Eine zu geeigneter Zeit zusammentretene Versammlung wird weitere Schritte beschließen. Auch wird in dieser Versammlung der Wunsch ausgesprochen, daß ein Jeder nach Möglichkeit seinen Verpflichtungen rn unserer Stadt nach kommen möge, um auch wieder Anderen dadurch die Möglichkeit zu geben, ihrer Seits auch wieder bezahlen zu können. Es wurde ausdrücklich betont, daß wir Hersfelder Geschäftsleute in erster Linie unsere Wohltaten für unsere Stadt be- tätigen wollen.
):( Hersfeld, 10. August. Ein ans der Schweiz kommender Conöitor der nach Güstrow fahren wollte ist heute morgen aus dem Personenzug 9.35 in der Nähe der hiesigen Eisenbahnbrücke auS dem Zug gestürzt und tödlich verunglückt. Die Leiche wurde vorläufig in die hiesige Leichenhalle gebracht.
§ Hersfeld, Die gesamte Ober-Prima unseres Gymnasiums (mit Ausnahme von 3 für den Heeresdienst untauglich befundenen) und einige zum Examen Zugelassene Unterprimaner, insgesamt 21 Schüler, haben am Sonnabend ihr Kriegs-Abturienten-Examen bestanden und werden zu den Fahnen eilen.
. Heinebach, 6. August. Eine Kleinkinderschule hat Herr Pfarrer Eckhardt errichtet. Hiesige junge übernom $st6en freiwillig die Aufsicht über die Kleinen
^Ä^"ka (Thüringen), 6. August. Der Vorstand R^si^^krankenkaffe für das Buchdruckgewerbe in in Mi^fchloß, das Genesungsheim in Bad Berka Nulp» für die Mitglieder zu schließen und dem au slpssoi,reuz Zur Pflege Verwundeter znr Verfügung SerÄ Oas Heim liegt im Jlmtale an der Bahn a-st ranichfeld. In Frage kommen etwa 100 Betten.
Caypel, 7. August. Ein junger Mann namens Capeller, der auf Posten stehend sein Gewehr entladen wollte, durchschoß sich dabei einen Fuß. Er mußte in die Klinik gebracht werden.
Nenstadt, 7. August. Im nahen Wahlen ist ein 67 Jahre alter pensionierter Förster namenS Simon mit hinaus gegen den Feind gezogen. Aus Spccks- winkel, Niederklein, Neustadt haben sich viele Damen für den Sanitätsdienst gemeldet; viele derselben konnten jedoch nicht angenommen werden, da die Zahl der Freiwilligen ganz enorm gewachsen ist.
Arnstadt, 7. August. (Von einem Posten erschossen.) Das „Arnstädter Nachrichts- und Jntelligenzblatt" berichtet: In der Nacht zum Dienstag kehrte der 30 Jahre alte taubstumme Sohn des Gastwirts S. von Arnstadt nach Holzhausen zurück. Da S. auf den Anruf des auch hier ausgestellten Postens, den er ja nicht hören konnte, nicht stehen blieb, wurde ein Schuß abgegeben, der S. in den Unterleib traf. Auf dem Transport ist S. seinen Verletzungen erlegen.
Hanau, 8. August. Schlimme Folgen hat die Handlungsweise des Arbeiters Wilhelm Kurz und des Händlers H. Geist von hier gezeitigt, die zu früher Morgenstunde sich in der Lamboystraße herumgetrieben und allerlei Ausrufe ausgestoßen hatten. Sie rempelten Soldaten an, ebenso einen im Dienst befindlichen Unteroffizier, sodaß schließlich eine Wache mit eingreifen mußte. Der Aufforderung, mit zur Wache zu kommen, leisteten sie nicht Folge, verübten sogar Widerstand und flüchteten dann, ohne die Anrufe auf „Halt" zu beachten. Geist wurde auf der Schlucht durch einen Schuß getötet. Kurz erhielt eine Säbelverletzung.
3m Zeichen des Eisens.
Hereingebrochen ist die eiserne Zeit, die der vor hundert Jahren gleicht, dem Frühjahr des Freiheitskrieges von 1813, da der Dichter sang: Das Volk steht auf, der Sturm bricht los! Unser Kaiser hat das Zeichen des Eisens gegeben: das eiserne Kreuz von 1813 und von 1870 hat er erneuert, weil der heilige Krieg, in dem nur das Eisen gilt, wiedergekommen ist. Zweimal haben wir unter dem eisernen Zeichen des Kreuzes gesiegt. Unter ihm werden wir auch das drittemal siegen.
Eisen brauchen wir jetzt: „Senn nur Eisen kann uns retten !" Und wir haben Eisen überall: eisernen Ernst, eiserne Entschlossenheit, eisernen Willen. Das ganze deutsche Leben ist in Eisen umgewandelt. Ein Eisenring umschließt alle, das Volk in Waffen und auch das Volk daheim, das alles einsetzt, um der eisernen Zeit sich würdig zu zeigen. Des Dichters Wort aus dem ersten Eisenjahre von 1813 ist wieder Wahrheit und Wirklichkeit; das Volk ist aufgestanden, und keiner läßt die Hände feig im Schoße liegen, und wenn er sie auch nur krampfhaft ballt, als wollte er mit Eisen dreinschlagen. Eisen ist Aller Losung, auch der Greise, der Frauen und der Kriegsuntüchtigen. Der Kriegsruf läßt keinen unberührt. Ueberall Kriegsberatungen, Kriegssitzungen, Kriegsaufrufe, Kriegsopfer. So oder so will jeder in der Eisenzeit dem Vaterland sein Scherflein widmen. Keine Körperschaft will tatenlos bleiben, und überall ist es der freie Wille, der für die heilige Sache mitarbeiten möchte.
Ein 65jähriger Kriegsfreiwilliger meldet sich bei der Batterie eines Berliner Garde-Feld-Artillerie- regiments, bei der er 1870 gedient hatte. Das ist ein 8 all für viele. Ehemalige Offiziere, die wie dieser eteran zu Hause bleiben müssen, erbieten sich, Kriegsfreiwillige während der Zeit, bevor sie eingereiht werden, auf den Waffendienst vorzubereiten. Jeder, wer er auch sei, wird jetzt in ttefinnerstem Erleben inne, was der Krieg bedeutet, was es heißt, in der Zeit des Eisens zu leben. Ein Knirps ruft auf der Straße zu Berlin einem höyern Offizier zu: „Mein Vater jetzt auch mit in'n Krieg!" Der Offizier schüttelt dem Kleinen die Hand: „Das ist brav; grüß' Deinen Vater!" Die eiserne Zeit flößt auch der deutschen Frau eisernen Mut ein. Wer nicht als Krankenschwester oder Pflegerin dienen kann, sucht den Willen für das Vaterland auf andre Weise in die Tat umzu- setzen. Jeder trachtet danach, irgendwie in den Dienst des Eisens zu treten. Alte Mitglieder von Kriegervereinen, die nicht mehr ins Feld können, bilden Bürgerwehren.
Im Augenblick des Abschieds, wenn die Frage des Wiedersehens weh ans Herz sich drängt, steigt mit Recht die Träne ins Auge, auch dem, der unbeteiligt scheint und es doch nicht ist. Aber zuletzt drängt die Träne tröstend der eiserne Gedanke zurück, daß unter dem höchsten Zeichen, unter dem des Eisens, der Ehre höchste der Tod für das Vaterland bleibt. Im Zeichen des Eisens gibt es nur einen Ehrengruß, den Gruß vor den Kriegern; und wenn Trupps von denen, die eingekleidet, mit dem jetzt schönsten Ehren
kleid des Soldaten beehrt werden sollen, singend vor- überziehen, so ziehen auch die den Hut, die vielleicht kurz vorher von dem Soldatentum nichts wissen wollten. Weggeblasen hat die Zeit des Eisens die militärfeindlichen Stimmungen, die hier und dort sich zeigten. Nur wer Eisen führen kann, hat jetzt noch Wert und genießt Ehre. Alles ist jetzt echt und einfach geworden, wie das schlichte unscheinbare Kreuz von Eisen, das unser Kaiser wieder gestiftet hat. Nicht Gold und Geld mehr ehrt, sondern nur das Eisen. „Zu lange wir spielten statt mit Eisen mit Gold — zu lange wir saßen bet Büchern im Staub, mit Wangen mit blassen schon stumpf und taub: jetzt Michel zum Eisen!"
Die eiserne Zeit kennt nicht Kleinmut noch Zagen. Unter dem Zeichen des Eisens sind jetzt Millionen und aber Millionen Deutsche ein Gedanke und eine Seele, ein Herz und ein Wille. Und ein Haß: der Haß wider Russen, Franzosen und Engländer, der Haß, der das Eisen erhebt, um damit die Köpfe der Feinde ringsum zu zerschlage«. „Eisen, Eisen bricht die Not! Faßt das Eisen, faßt den Stahl, für des Menschen höchste Güter! Eisen, Eisen bricht die 9tot!"
Bismarü.
Durch dunklen Eichwald geht ein heiliges Nanschen, Die Stämme ragen steil in nächtigem Licht, Es schweigt der Wald in atemlosem Lauschen-- Der tote Herr des Sachsenwaldes spricht:
Ich bin bei euch! Denn ihr seid meine Erben, Ihr seid mein Wort, seid meine Kraft und Tat. Es lebt mein Werk und kann nur mit euch sterben, Ihr seid mein Samen, ihr seid meine Saat.
Ich bin bei euch! Und dieses sollt ihr spüren
Mit jedem Streich und Hieb aus eurer Faust: Ihr tragt mein Schwert, ihr sollt es gläubig führen, Daß es wie Blitz aus deutschem Zorne saust!
Ein Reis von neuem Lorbeer sollt ihr weben Um unserer Siegerkränze alten Ruhm, An eure Jugend ist mein Schwert gegeben, Schützt mir des Deutschen Reiches Heiligtum.
Ich bin bei euch, als ob ich bei euch stände: Jetzt fliege, deutscher Aar — die Schwingen frei! Ich heb' mit euch vor jeder Schlacht die Hände: Der Einzige, den wir fürchten, steh' uns bei!
Karl Rosner.
Eingesandt.
Liebe Mitarbeiter und Arbeiterinnen! In unserer ernsten Zeit, die unsere Nachbarn und vermeintlichen Freunde des Deutschen Reiches herauf beschworen haben, in dieser Zeit wo so viele Väter, Frau und Kinder, so viele Söhne, Eltern und Geschwister verlassen müssen, um freudig und todesmutig dem Rufe unseres erhabenen Kaisers, in den Krieg zu folgen, Folge leisten, erlaube ich mir an eure Opferwilligkeit zu appelieren. — Allenthalben in unserem lieben deutschen Vaterlande regt sich der Opfersinn, alle Herzen erweichen, freudig, mit vollen Händen, getragen von echt deutschem Geiste werden Opfer auf den Altar fürs Vaterland gelegt. — Auch wir, die wir nicht mit in den Krieg ziehen können, wollen nicht zurück stehen, sondern wollen unseren Opfersinn und deutschen Patriotis mus dadurch Ausdruck geben, daß wir uns ebenfalls bereit finden Opfer auf den Altar fürs Vaterland zu legen. — Ich appeliere daher an euch Alle, soweit ihr nicht durch den Krieg beschäftigungslos geworden sind, doch an jedem Lohntage ö^o von euerem Lohne zu opfern und zwar derartig, daß davon 2“ o für die im Felde stehenden Truppen, 2% für die Frauen und Kinder hienger L-tadt, deren Männer in den Krieg gezogen und 2% für das rote Kreuz, Verwendung finden sollen. — tretet unverzüglich zu eueren Arbeitgebern hin und erklärt, daß diese Euch am Lohntage GVo eueren Sohnes einbehalten und den Betrag dann zusammen allwöchentlich an die zuständigen Stellen abführen möchten. — Auch die Arbeiter der Dorfgemeinden möchen sich bereit finden und im gleichen Sinne ihren Opfersinn betätigen. Hier kann ja der Einzelne die 2<vo die für die, von den ins Feld gezogenen Krieger zurückgelaffenen Frauen und Kinder bestimmt sind, bei dem betreffenden Bürgermeister selbst abliefern. Dagegen wären in hiesiger Stadt die 2’o, die für die, zurück gelassenen Frauen und Kinder bestimmt, an das hiesige Bürgermeisteramt, seitens der Arbeitgeber abzuliesern. Unsere Arbeitgeber sind gewiß alle gern bereit, sich dieser Mühe zu unterziehen. - Also gebet alle euer Vaterlandsliebe und Opfersinn in vorstehender Weise Ausdruck. Mit Gott, für König und Vaterland.
Georg Wolfs, Färbmeister.