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schließen. Sie mußten alles zurücklassen und nur mit 6em, was sie auf dem Leibe trugen, flüchten.

Die Bedeutung der Einnahme Lütsichs.

»-* Berlin, 8. August. Deutschlands erster Sieg wird von allen Blättern mit Jubel begrüßt. DieVoss. Ztg." schreibt: Ein dreifaches Hurra unseren deutschen Truppen. Der erste Erfolg auf dem westlichen Ope­rationsfeld, ehe noch die Mobilmachung völlig beendet ist. Eben erst hat die Militärverwaltung in" anerken­nenswerter Offenheit gemeldet, daß der kühne Hand­streich einer kleinen Truppenabteilung, in die Festung zu dringen, gescheitert sei, und sofort folgte die Nach­richt von der Einnahme des modern beseitigten Platzes, der bestimmt war, dem deutschen Heere den Weg durch Frankreich au verlegen. DieDeutsche Tageszgt." meint: Die Einnahme Lüttichs ist nicht nur ein militärischer und politischer Erfolg von Bedeutung, sondern es dürfte unter Berücksichtigung der modernen Verhältnisse der Massenheere ein ganz außergewöhnlicher Fall sein, daß bereits am sechsten Mobilmachungstage eine große Festung genommen ist. DieBerliner Neuesten Nach­richten" erklären: Der Anfang läßt sich so glücklich und glänzend wie nur möglich an. Die Menge jubelte Unter den Linden mit Recht gewaltig, als der Gencralstabs- chef von Mvltke selbst, zurückkehrend aus dem König­lichen Schloß, die Nachricht in die Menge hineinrief. Gott schenke uns einen fröhlichen Fortgang solcher Nach­richten.

Deutsche Männer und Frauen, hütet Eure Zungen!

Diesen Mahnruf richtet dasMil.-Wbl." in dieser für unser geliebtes Vaterland hochwichtigen Zeit an alle Deutschen. Wer es auch immer sei, der Truppentrans­porte sieht, mit ihnen zu tun hat (wie z. B. Männer und Frauen, die auf deu Bahnhöfen Erfrischungen verteilen), oder von solchen hört, er lege ein dreifaches Schloß vor seinen Mund. Wir Deutschen sind keine Schwätzer, in ernsten Zeiten wie heute handeln wir. Wer heute feinen Mund gegen jedermann, besonders gegen Leute, die ihrer Sprache nach Ausländer sein sönnen, hermetisch ver­schließt, wer offensichtlich übertriebene Nachrichten nicht weiterverbreitet, der leistet dem Vaterlande einen enor­men Dienst. Und dem Vaterlande dienen wollen wir doch wohl alle. Darum deutsche Landsleute: Hütet Eure Zungen!

Sprengbombenfnnde.

Der amtliche Leipziger Polizeibericht meldet: Dieser Tage sind auf den Bahngleisen in der Nähe von Eugels- dorf Blechbüchsen gefunden worden, die mit stark wir­kenden Explosivstoffen gefüllt waren. Die Büchsen waren von Weißblech und etwas größer, als die ge­bräuchlichen Konservenbüchsen. Sie sollten zweifellos durch den Anstoß vorüberfahrender Züge zur Explosion gebracht werden, um die Bahngleise und die darüber- fahrenden Wagen zu zertrümmern. Wer solche ver­dächtige Blechbüchsen oder andere Behälter in der Nähe der Eisenbahngleise und -dämme, der Briicken oder mi­litärisch wichtiger Punkte und Gebäude bemerkt, wird bringend ersucht, dies sofort dem nächsten Schutzmann oder Militärposten mitzuteilen. Man fasse derartige Büchsen oder Behälter nicht selbst an, da sonst die Büch­sen zur Explosion gebracht werden und großes Unheil angerichtet werden kaun.

Eine Mahnung zur Vorsicht.

Es muß wiederholt darauf aufmerksam gemacht werden, daß die Truppen, sowie die weiteren zuställdi- gen Stellen angewiesen worden sind, bei Anschlägen auf Eisenbahuanlagen und Kunstbauten, die auf frischer Tat Betroffenen auf der Stelle zu erschießen. Jede Person, die sich in verdächtiger Weise derartigen An­lagen nähert, setzt sich also der Gefahr aus, niederge­schossen zu werden. Ebenso ist den Anordnungen der militärischen Posten oder anderen Wachmannschaften unbedingt und sofort Folge zu leisten.

Die russische Lügenschule.

Das russische Lügengewebe, das den Ueberfall an uns verschleiern sollte, wird durch die Berichte der all­mählich aus Rußland zurückgekehrten Deutschen und Oesterreicher immer deutlicher offenbar. Gleichzeitig er­fährt man manches, wodurch sich die Ansicht bestätigt, daß im russischen Volk eher alle anderen Gefühle vor­herrschend sind, als die einer Kriegsbegeisterung. So haben beispielsweise derVossischen Zeitung" zufolge zwei Angestellte einer ungarischen Pferdehandlung, die mit Pferden aus Rußland in der Heimat eintrafen, er­zählt daß die russische Mobilmachung am 30. Juli durch Stratzenanschlag bekanntgemacht wurde. In Odessa war von einer Begeisterung nicht die Rede, alle dachten an die Greuel des russisch-japanischen Krieges. Soldaten und Gendarmen trieben das Volk mit Putsche und Kolbenstötzen zur Stellung. Die Soldaten hatten große Furcht vor dem preußischen Heer. Auch fürchtete man eme Revolution. Der Alkoholismus ist in der Armee sehr verbreitet.

Revolution in Warschau?

, Ein junger polnischer Doktor der Medizin, der in Leipzig seine Studien fortsetzte, kehrte zu Beginn des Krieges nach Warschau zurück, um sich dort zu stellen. Er hatte vorher, wie dieVoss. Ztg." berichtet, einem Leipziger Freunde auf das Bestimmteste versichert, daß in Warschau die Revolution ausbrechen würde. Um darüber Mitteilungen zukommen zu lassen, verabredete er mit seinem Leipziger Freunde folgende Chiffreschrist. Wenn sich auf der Postkarte, die er an ihn schreiben würbe, zweimal das WortGrüße" befinde, so bestehe in Warschau ein Revolutionszustand. Wenn aber auf der Karte zweimal das WortKüsse" vorkäme, so herr­sche tatsächlich in der Stadt große und militärische Re­volution. Am Mittwoch traf nun eine Postkarte des jungen Polen ein, die nach einigen belanglosen Mit­teilungen die Worte enthielt:Herzliche Grüße für Dich und Grüße für die anderen", als NachschriftKüsse Dich und Küsse Wally".

Gehl es ohne Moratorium? ?

Man schreibt derFrankfurter Zeitung": Der Welt­krieg ist entbrannt; fast ganz Europa steht in Flammen! In Deutschland sind die waffenfähigen Männer, also der größte Teil der im Erwerb Stehenden, zu den Waffen gerufen. Das Wirtschaftsleben steht fast still. Die Fabriken entlassen einen Teil ihrer Arbeiter, die kaufmännischen Kontore veröden. Kann man, darf man da die Fiktion aufrecht erhalten, daß das Geschäftsleben in feinen alten Bahnen, in denen es in Friedenszeiten gegangen, weiter wandele?

Es trifft alle Kreise. Ein Handwerker, der sein Handwerk allein oder mit einem Gesellen betrieben hat. muß mit diesem zu den Fahnen. Er darf nicht, während

muß mit diesem zu den Fah ein^r^ im Felde steht, ^A^Jstubiger seine gering er darf nicht sorg, AU. sie die Miete nicht zahlen können, von allem ent- Aom, auf die Straße müssen. Kann das seine Kampfes- cinnt ^r^,ett? Und wenn der Vermieter, milde ge- iricht Vorgehen wollte ist er dazu imstande, iiben? Hat er nicht dem Hypothekengläubiger

-crcnien zu zahlen?

m -......^ ,_., daran denken müssen, daß

Gläubiger seine geringe Habe für ein Nichts ver- ** " 7 ' : ; . jen müssen, daß Frau und Kind,

MKv. -^ y« Miete nicht zahlen können, von allem ent- ocom, auf die Stra^'' irriHfpn @rtMtt hnS fpinp KcrnivseK-

und wie es dem Handwerker und seiner Familie geht, geht es Tausenden kleiner Geschäftsleute, die allein oder mit wenig Hilfe ihrem Erwerb nachgehen Aber auch vermögende Geschäftsleute, tüchtige, im Geschäfts­leben erprobte Männer die in langjähriger Arbeit Ver­mögen von Hunderttansenden »»gesammelt, die Betriebe errichtet haben und führen die ein Stolz unserer wirt­schaftlichen Entwickelung sind, müessn sich sagen, daß das, was sie in arbeitsreichem Leben geschaffen, jetzt in Stücke geht. Ihr Gläubiger verlangt von thuen, daß sie ihre Verbindlichkeiten erfüllen, ihre Wechsel einlösen. Wo­her sollen sie aber die Mittel dazu nehmen? Ihr Schuld­ner sann nicht zahlen. Niemand beleiht das Haus, ihre Wertpapiere werden nur teilweise belieben. Sollen sie diese zu Panikknrse» verkaufen? Das Ausland, an das sie Forderungen haben, schickt kein Geld, und selbst wenn es wollte, wenn der Auslaudsschuldner sich bereit er­klären würde, seine Schulden wenigstens dadurch ver­wendbar zu machen, daß er einen Wechsel akzeptiert die Briefe ins Ausland, die der Geschäftsmann dem Auslandsschuldner zur Erledigung seiner Verbindlich­keiten schreibt, kommen zurück. Die Folge ist: seine eigenen Wechsel muß er seiner kaufmännischen Ehre halber einlösen, und seine kaufmännische Ehre, sein kauf­männisches Ansehen kosten ihn sein Vermögen und den Staat ein lebensfähiges wirtschaftliches Unternehmen.

Es ist Gefahr für unsere ganze Volkswirtschaft im Verzüge, es steht der Untergang zahlreicher Existenzen in Frage, deren Wiederaufstieg und wirtschaftliche Blüte auch nach glücklich beendetem Kriege kaum möglich ist.

Der Staat, der seine Grenzen schützt, damit Wohl­fahrt und deutsche Kultur weiter wachsen und blühen, muß auch den wirtschaftlichen Stand seiner Bürger schützen. Und deshalb geht durch weiteste Kreise der Geschäftswelt die Frage:

Wo bleibt das Moratorium?

Politische Rundschau.

Die deutsche Ernährung ist gesichert, so meldet die Bayerische Staatszeitung. Die diesjährige Ernte über- steigt den Bedarf vielleicht in reichlichem Maße. An Ge­treide verbleiben nach der Aussaat noch 2,4 Doppel­zentner pro Kopf der Bevölkerung. Die diesjährige Kartoffelernte wird die 54 Millionen Tonnen des Vor­jahres noch übersteigen und zusammen mit der Heuernte und den noch vorhandenen Futtermitteln und der vor­aussichtlich reichen Rübenernte vollkommen ausreichen.

Kleine nadirlditea

Eine Tragödie spielte sich in dem Hause Nvlleudvrf- straße 38 zu Berlin ab, wo die 24jährige Kassiererin Anna Schrickel bei ihrer Mutter wohnt. Der Bräutigam des jungen Mädchens mußte ins Feld ziehen, und an demselben Tage erhielt sie von dem Chef die Kündigung. Nun meldete sie sich zur Teilnahme an der freiwilligen Krankenpflege, wurde aber wegen ihrer körperlichen Schwäche zurückgewiesen. Ihr Schicksal nahm sich das junge Mädchen so zu Herzen, daß es sich aus dem Fen­ster auf den gepflasterten Hof hinabstürzte.

Infolge eines Mißverständnisses ist in der Nähe der Eisenbahnbrücke bei Soldin in der Neumark der Ritt­meister der Reserve Stoltz vom Wachtposten erschossen worden Stoltz befand sich in einem Automobil auf dem Wege nach Schwedt, um sich beim Train zu stellen. Als der Posten anrief, ging ö.er Revolver des Chauf­feurs, angeblich durch ein Versehen, los. Der Posten glaubte, es sei auf ihn geschossen worden, weshalb er nun seinerseits feuerte. .

Auf der Flucht erschossen. Auf der Brücke, die den Ort Bingerbrück mit dem Bahnhof verbindet, wurde ein unbekannter, etwa 35jäbriger Mann von einem Posten angehalten. Als der Unbekannte die Flucht ergreifen wollte, wurde er von dem Posten erschossen. Er soll eine größere Geldsumme bei sich geführt Haben. Es han­delt sich um einen Ausländer.

Ein 78jähriger Kriegsfreiwilliger. In Königs- wusterhausen hat sich der 78 Jahre alte frühere Bank- beamte Fritz Hoffmann aus Ncederlehne, der den Krieg 1870/71 als Feldwebel mitgemacht hat, freiwillig zur Fahne gemeldet. Seinem Wunsch, mit in den Krieg ziehen zu dürfen, konnte zwar nicht entsprochen werden, doch soll der kriegslustige Baterlandsverteidiger mit der Ausbildung von Ersatzmanuschaften betraut werden.

Vergrabene russische Gewehre. Wie derDeutschen Tageszeitung" gemeldet wird, hat ein Landwirt aus der Gegend von Stargard in Pommern auf seinem Gutshofe durch Zufall zwanzig russische Gewehre eingegraben gc= funden.

Vermischtes.

Nachdem er seine Söhne zur Fahne gebracht, selbst tödlich verunglückt. Ein erschütternder Unglücksfall hat sich auf dem Marktplatz zu Marienwerder zugetragen. Der Eigentümer Kilkowski aus Graubau hatte zwei Heerespflichtige Söhne zur Bahn gefahren und sich dort von ihnen verabschiedet. Auf der Rückfahrt ging das Pferd mit dem Wagen durch und raste die Breite Straße hinab. Am Rathause prallte das Gefährt gegen eine Anschlagsäule. Kilkowski und sein dritter Sohn, der sich ebenfalls auf dem Wagen befand, wurden mit solcher Wucht aus dem Gefährt geschleudert, daß sie blutüber­strömt und besinnungslos am der Straße liegen blieben. Der Vater Kilkowski starb nach wenigen Augenblicken, während der Sohn einen Schädelbruch, sowie mehrere Rippenbrstche erlitt und im Krankenhause mit dem Tode ringt. Der Wagen ging völlig in Trümmer, das Pferd konnte erst auf iLebendamm angehalten werden.

Ein tragisches Geschick. Der Zigarrenhandler Göld- ner aus der Christburgerstraße in Berlin, der ein Zigarrengeschäft betrieb, wurde mit unter den ersten zur Fahne einberufen. Seitdem vergeht seine Frau das Geschäft. Als sie Dienstag morgen die Wohnung ver­ließ, um den Laden aufzumachen, mußte sie ihr einziges Kind, einen fünf Jahre alten Sohn Fritz, zu Hause las- sen. Der Kleine schlief noch fest, und die Mutter glaubte, daß er wohl weiterschlafen werde, bis um 7^ Uhr die Aufwärterin komme. Kaum aber hatte sie das Haus verlassen, da erwachte der Knabe, nichte ängstlich nach der Mutter, lehnte sich dabei zum Fenster hinaus,, ver­lor das Gleichgewicht und fiel vom dritten Stock aus den gepflasterten Hof hinab, wo er tot liegen blieb. In der Prinzenstraße waren der Werkmeister Bastian und seine Frau gezwungen, beide auszugehen und ihr Pflege­kind, ein Mädchen von wer Jahren, allein zurückzu- lassen. Die Kleine sah zum Küchenfenster hinaus, lehnte sich zu weit über die Brüstung, fiel, ebenfalls aus dem dritten Stock, auf den Hof hinab und war auch w-

T General Pau, der französische Oberbefehlshaber. Die Stellung des Generalissimus des französischen Heeres ist dem General Pau übertragen worden. Gene- ralPauhat die deutschen Waffen bereits im Kriege 1870/71 kennen gelernt. Er ist ein Emarm: der rech e Arm hat ihm, infolge der schweren Verwundungen, die er in der Schlacht bet Wörtb erhalten hat, amputiert werden müßen. Als damals die Amputation vorgenom­

men werben sollte, war der Chloroformvorrat des Laza-« retts auf ein Mindestmaß zusammengeschmolzen. Der Unterleutnant Pau hörte, wie die Aerzte hierüber mit­einander sprachen und ersuchte sie, das Chloroform für die Soldaten aufAubcwahrcn. Er selbst preßte sich ein Taschentuch zwischen die Zähne und hielt auf diese Weise die grausamen Schmerzen der Operation aus. Daß er aber damals iiberhaupt vom Schlachtfelde ins Lazarett nach Nancy geschafft werden konnte, das verdankte er seiner Schwester und Bismarck. Marie Edmäe Pau, seine Schwester, machte sich auf die Suche, um den ver­wundeten Bruder auf dem Schlachtfelde von Wörth ausfindig zu machen. Es gelang ihr. Sie wandte sich baun an Bismarck mit der Bitte, den Bruder nach NancU zurückbringelt zu bürfen. Es wurde darauf deutscherseits zliuüchst die UuterACiclnutitg der Verpflich­tung verlangt, daß Unterleutnant Pau am Kriege gegen die Deutschen künftig nicht mehr teilnehmell würbe; als der Offizier sich beffen weigerte, wurde ihm die Ritck- kehr nach Nancy im Hiriblicke auf seine außerordentlich schweren Verwllndungen bedingungslos gestattet." So hat sich die delltsche .Humanität in dem damaligen Unter­leutnant selbst den Höchstkollnuandierenden für den heu­tigen Weltkrieg erhalten. Daß die schwere Operation gelang, war allerdings wider alles erwarten. Schon im Oktober konnte der Leutllant die Truppe wieder auf- suchen, zu der er in Besaucon stieß. Er machte jenen Fetdzllg der Ostarniee mit, der mit dem Uebertritte des Generals Bourbaki auf Schiveizer Boden endete, konnte sich aber zur Flucht in das neutrale Land für seinen Teil nicht entschließen und schlug sich mit einer Handvoll zusammengeraffter Soldaten durch die winterlichen Wäl­der bis nach Lyvll durch.

Der Berliner Humor und der Krieg. Trotz des Ernstes der Stunde verleugnet sich auch jetzt nicht der alte, schlagfertige Berliner Humor, dessen Eigenart ein trockener, die Situation erschöpfender Witz ist. Davon weiß derRoland von Berlin" eine hübsche Probe zu berichten. Auf einen Berliner, der dieser Tage, als der Kriegsausbruch bevor staub, friedlich Unter den Stuben seines Weges ging, stürzte sich plöoiich, aus einem Gast- Hof Heralls, ein Fremder, dem die Ereignisse offenbar den Kopf etivas verwirrt hatten, und richtete an ihn mit mwcrfcimbarcr russischer Aussprache die Frage: Wie kommt man jetzt am schnellsten nach St. Peters- bilrg?"Ja, mein lieber Herr, das überlegen wir uns auch gerade," antwortete der Berliner gemütlich und ließ den Unglücksmann verbukt stehen. Ein Kriegsgespräch, das eine Leserin derTgl. Rdsch." auf dem Bahilhof Lichterfelde-Ost hörte, teilt sie dem Blatte mit. Zwei Arbeiter, etwa 60jährig, begegnen sich.Na, August, wie geht's?"Danke, jut. Meine beeden sind schon feste dabei."Na, haste denn keene Bange?^ Nee, wem Wilhelm mit die Neese vor die Fällst sammt, kann man gleich sein Testament machen; am liebsten wirde ick mit bauen, wenn ct man meine Beelle er- lauben wirden!"

Schlachtenmut Der Deutschen einst und jetzt.

Ein Kriegervolk sind die Deutsche,i immer gewesen von den Tagell an, da der Römer Tacitus die Ger-

Ulanen um ihres heldenhaften Ungestüms willen be- wunbertc, bis zu den siegreichen Taten von 1870, bis zu den großen Tagen der Begeisterung und des ent­schlossenen Mannesmutes, die wir jetzt voller Erhebung im Herzen miterleben dürfen. Schöne Worte, aus tief­stem Erleben und Empfinden geboren, hat Gllstav Frey­tag 1870 über den in der Geschichte bewiesenen Schlach- teiimut der Deutschen gefunden; an# den frischen Ein­drücken heraus, die er selbst im Oauplquartier des Kron-- prinzen empfangen, schrieb er seiner damals begründe­ten ZeitschriftIm neuen Reich" einen Aufsatz, ' ' er die Tapferkeit der Vorfahre» und der Zeitgenossen miteinander verglich.

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In der alten Welt und im Mtttelalter bis zur Ein­richtung der großen Landsknechthaufen war die Schlacht durchaus Kampf aus nächster Nähe, hauptsächlich Ein- zelkampf, bei dem Mann gegen Mann staub, und per­sönliche Kraft, persönliche Erbitterung, Magst und Za­gen kaum aufkommen liefien. Die peinlichen Eindrücke, die der Soldat vor seinem Eintritt in die Schlacht er­hielt, waren weniger furchtbar, der Kampf selbst einer tüchtigen Rauferei nicht unähnlich. Als die Germanen zuerst die römischen Legionen ihre ganze Furchtbarkeit fühlen ließen, da erkannten die Legionäre, daß diese Meikschen Kampf und Krieg als ihr eigentliches Ele­ment betrachteten. Sie suchten sich nicht durch Leder- kEer, durch Schienen und Helme gegen Schuß unb Hieb Au schützen, sondern zogen vor der Schlacht ihre Jacken das lange Haar frei im Winde flattern. Nicht die Deckung suchten sie, sondern den Mngriff. Ihnen brauchten ihre Führer nicht wie die römischen Feldherren ihren Soldaten die Siampfftimmung durch Ihrige Ansprachen zu steigern; sie rüsteten sich zur Schlacht wie zu einem hohen Fest, strählten und salb­ten das Haar und machten ihren Schlachtenzorn noch wilder durch höhnende Rufe unb Spwtredeu, durch den eigentümlichen, dumpf dröhnenden Sang in die vorge­haltenen Schilde, deren fürchterlicher Schall den vlömern mehr als einmal den Mut raubte. Wenig gaben sie auf den vorbereitenden Heerkampf, sondern warfen sich im ungeheuren Ansturm, ihrer Größe und Körperkraft vertrauend, über die kleineren Römer, schmetterten mit Schwert, mit Keule und Axt ihre ersten Reihen nieder und wiederholten den Ansturm so lang " mern, wie der römische Offizier Mwmia Grauen kam."

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anus sagt,

das

Die großen Speerkämpfe der mittelalterlichen Rit- terzeit hatten viel Gemeinsames mit einer Rennbahn: der Krieg war ein Geschäft harter Speergesellen; der einzelne sümpfte tapfer gegen den einzelnen, aber von einer Art der Tapferkeit, wie sie moderne Kriege for­dern, war noch auf lange hin nichts zu verspüren. Doch gegen Ende dieser Geschichtsperiode trat ein neues un­erhörtes Grauen

gegen Ende dieser Geschichtsperiode trat ein neues un­erhörtes Grauen in den Krieg ein: das Krachen der Geschütze, der tückische Lauf der tingeln, der durch das ÄJ^e ^"aut, d"? Pulver, getrieben, unsichtbar in den dicksten Harnisch fuhr und den Mann tötete, ohne daß er dem Gegner ins Auge blickt, ohne daß er ihn seine Gegenwehr spüren lassen konnte.

Die ungeheure Tragweite der modernen Geschosse führte zu der Gewaltigen Ausdehnung des Schlachtfeldes, und die schwerste Vermehrung der Schlachtbedrängnis entstand aus dem Stillhalten im Feuer, das von der Truppe gefordert wird, aus den riesigen Entfernungen, die beim Angriff zu überwinden sind, bevor man dem Feind gegenubersteht. Furchtbar für die aufgeregte Phantasie und doch gar nicht zu vermeiden," sagte Frey­tag,ist jetzt das ftuildenlange Stillhalten in feindlicher Feuerwirkung mehr als einmal ließ ein tüchtiger tiommanbeur, um die betroffene Truppe zu beschäftigen, m solcher Muße zur Zerstreuung die Griffe machen, wie daheim. Geht es aber naher zum Mnfturm, so steigert jetzt das betäubende und tötende Knattern, Dröhnen und Rasseln au einer so intensiven, markerschütternden .daß früherer Lchlachtendonner dagegen wie ein Kinderlarm sit. Dennoch beginnt in dieser Zeit für den tätigen Soldaten die Befreiung von dem bange» Druck, denn er tritt selbst in emsige Arbeit."