Austausche« von Lichtfig«ake« beobachtet und der verdienten standrechtlichen Aburteilung znaeftihrt. An der Front an der Donau, Save und Drina hat sich nichts besonderes ereignet.
Die deutschen Luudessürsten im Felde.
Wie 1870/71 ziehen auch jetzt wieder die deutschen Fürsten mit ihren Truppen ins Feld. Wie schon gemeldet, haben die Könige von Sachsen und Bauern, die Großherzöge von Hessen, Oldenburg und Sachsen-Weimar dem Kaiser ihre Entschließung bekannt gegeben, ihre Truppen ins Feld zu geleiten. Die Herzöge Paul Friedrich und Adolf Friedr ch von Mecklenburg werden sich persönlich mit ins Feld begeben. Sie sollen dem Generalkommando des 9. Armeekorps zugeteilt werden.
Prinz Max von Baden, Generalleutnant, ist für den Feldzug dem Generalkommando des 14. Armeekorps zugeteilt, um auf seinen Wunsch die badischen Truppen ins Feld zu begleiten. Vom Meininger Fürstenhaus werden sich mehrere seiner Mitglieder am Kriege beteiligen. Es werden die Prinzen Georg und Ernst, Leutnants a la suite des Infanterieregiments Nr. 95, in der Front mitkämpfen. Sie sind beide in das Dragonerregiment Nr. 16 in Lüneburg versetzt. Ferner begleitet Prinz Ernst von Sachsen-Meiningen, ebenfalls beim Infanterieregiment Nr. 95 als a la suite geführt, dieses Regiment ins Feld.
Ferner werden zwei regierende Fürsten während des Feldzuges in aktiven Kommandostellen Verwendung finden. Der Herzog von Altenburg tritt als Kommandeur an die Spitze seines Infanterie-Regiments Nr. 153. Bemerkenswert dabei ist, daß er sich, obgleich er im Dienstgrade eines Generalleutnants steht, trotzdem unter den Befehl eines tm Dienstrange jüngeren Brigadekommandeurs stellt. Gewiß ein Zeichen selbstloser Hingabe an die große Aufgabe. In gleicher Weise wird der Fürst zu Schaumburg-Lippe sich betätigen, der zum Kommandeur des Husaren-Regiments Nr. 14 in Cassel ernannt wurde.
Weiter wird Herzog Ernst Günther von Schleswig- Holstein die holsteinischen Truppen begleiten. Fürst Karl Anton von Hohenzollern begibt sich zum Generalkommando des Gardekorps. Insbesondere sind es auch Mitglieder fürstlicher und reichsunmittelbarer Familren, die sich in großer Zahl der Heeresverwaltung zur Verfügung stellten.
Eine Nachricht wird für viele alte Afrikaner von Interesse sein. Der derzeitige Gouverneur von Sud- westafrika von Schuckmann trat als Kriegsfreiwilliger bei den 2. Garöeulanen ein.
Politische Rundschau.
Der Reichstag hat ein Reichsgesetz über Höchstpreise erlassen. Das Gesetz hat folgenden Wortlaut: §1. Für die Dauer des gegenwärtigen Krieges, können für Gegenstände des täglichen Bedarfes, insbesondere für Nahrungs- und Futtermittel aller Art, sonne für rohe Naturerzeugnisse, Heiz- und Leuchtstoffe Höchstpreise festgesetzt werden. § 2. Weigert sich trotz Aufforderung der zuständigen Behörde ein Besitzer der im § 1 genannten Gegenstände, sie zu den festgesetzten Höchstpreisen zu verkaufen, so kann die zuständige Behörde sie uberneh- men und auf Rechnung und Kosten des Besitzers zu den festgesetzten Höchstpreisen verkaufen, soweit sie nicht für dessen eigenen Bedarf nötig sind. 8 3. Die Landeszentralbehörden, oder die von ihnen bestimmten Behörden erlassen die erforderlichen Anordnungen und Ausführungsbestimmungen. 8 4. Wer die nach 8 1 festgesetzten Höchstpreise überschreitet oder den nach § 1 fest- lassenen Ausführungsbestimmunyen znwiderhandelt oder Vorräte an derartigen Gegenständen verheimlicht oder ' der zuständigen Behörde nach 8 2
der Aufforderung Ui ölMlu<lvlHv4l ^^.^ »^ -
nicht nachkommt, wird mit Geldstrafe bis zu dreitausend Mark oder im Unvermögensfalle mit Gefängnis bis zu
fechs Monaten bestraft.
Deutschlands Vorräte an Lebensmitteln. Nach fachmännischen Auslassungen darf man getrost sagen, daß in den wichtigsten Lebensrnitteln Deutschland auf ein Jahr hinaus hinreichend verproviantiert ist. Man glaubt nicht, welche kolossalen Vorräte die Speicher bergen und unserem Herrgott können wir danken, daß die diesjährige Ernte eine den Bedürfnissen entsprechende ist. Preissteigerungen bis zu 15 Prozent, können oftmals in lokalen Verhältnissen liegen und für kurze Zeit nicht zu umgehen fein. Jede höhere Preissteigerung ist aber, so schreibt ein Fachmann in der „Magd. Ztg. , als Lebensmittelwucher aufzufassen, dem die Regierung und die Städteverwaltungen auf die nachdrücklichste Weise entgegentreten müssen. Der Kamps um die Existenz des deutschen Volkes, in den wir eingetreten sind, darf unter keinen Umständen zu einer Ausbeutung der minderbemittelten Klassen durch einige wucherische Elemente Anlaß geben.
Kleine üadhrldife»
Die Hochzeitsreise anf den Kriegsschauplatz. In Zehlendorf bei Berlin wurde am Sonntag in der evangelischen Kirche ein junger Stabsarzt getraut. Nach einem in aller Stille und nur im engsten Familienkreise abgehaltenen Hochzeitsmahl trat der junge Gatte abends 10 Uhr in voller Kriegsausrüstung feine Fahrt auf den Kriegsschauplatz an, begleitet von seiner jungen Frau, die ihm als Krankenschwester folgt.
Entfernung französischer Firmenschilder. Am Casee Felsche in Leipzig, das bisher auch den Namen „Cafee franeaise" führte, wurden am Mittwoch nachmittag unter Hochrufen des Publikums die großen goldenen Lettern des Wortes „Francais" entfernt. Unmittelbar daraus wurde auf dem Gebäude unter begeistertem Jubel des Publikums eine schwarz-weiß-rote Flagge gehißt.
Verhaftung eines Wucherers. Der Bankier Paul gutinter in Dortmund wurde nach Mitteilung des Oberbürgermeisters verhaftet, weil er eingezogene Wehrleute ausgebeutet und hohe Prozente beim Geldwechseln genommen hat.
Vermischtes.
Aufruf der Königin von Bayern an die Frauen und AnnÄrane«. Die eisernen Würfel sind gefallen: es sollte Sem deutschen Volke nicht gegönnt sein, noch weiter die Segnungen des Friedens zu genießen. Nun gilt es, futsches Land und deutsche Art zu schützen gegen den Seind. Beaetstert schart sich das bayrische Volk um sei-
wteu Landesherrn, Seine Majestät König Schulter an Schulter stehen unsere Bayern offener» Reihe aller Deutschen unter der teer Majestät des Deutschen Kaisers. In «trauen blicken wir von Zuversicht und
Stolz auf unsere brave, tapfere Armee. Niemand kann ihren Angehörigen vergelten, was sie in selbstloser Htn- gabe für uns zu opfern bereit sind. Euch aber, denen es nicht vergönnt ist, mit Blut und Heben für des Vaterlandes Ehre eiuzutreten, bitte Ich innigst, nach Kräften mitzuwirken zur Linderung der Not jener Braven, welche das feindliche Geschoß oder die Beschwerdell des Krieges verwunden oder siech zu Boden werfen. So stellt euch denn, die ihr wohl alle liebe Angehörige bei der Armee wißt, in den Dienst des Roten Kreuzes, gleich Meinen Töchtern Hildegard, Helmtrude und Gundelinde. Draußen fließt Blut, herinnen fließen Tränen, am bittersten da, wo zur Sorge der Seele die Not des Leidens kommt. Auch hier muß und wird geholfen werden. Das Notwendige bereiten wir eben vor, im Anschluß und im Zeichen des Roten Kreuzes. Meine Töchter Adelgunde und Wiltrude arbeiten auf diesem Fürsorgegebiete mit. „Soldaten, die ihr ins Feld zieht, Ich, die Königin, sage euch, errere tapferen Frauen unö eure lieben Kinder sollen nicht Not leiden,- schaut voraus gegen den Feind, euren Lieben gehört nun unsere Sorge." Alle Kreisausschüsse und Zweigvereine des Bayerischen Frauenvereins vom Roten Kreuz ersuche Ich, unverzüglich auf der Grundlage der bisheriger! Vorarbeiten an die weitere Ausbildung von Pflege- kräften, Beschaffung von Leib- und Bettwäsche, Verband- und Lebensrnitteln Herauzutreten, um die Be- stünde unserer Lazarette, Pflegestätten, Genesungsheime und Sammelstellen auf möglichste Höhe zu bringen. Bayerns Frauen und Jungfrauen werden wie im Feld- zuge 1870 71 ihre vaterländische Pflicht erfüllen, das weiß ich, denn solcher Frauendieust ist gottgefällig. Schart euch um eure Königin! König, Vaterland und Armee werden es euch bauten.
Zu weit gehende Höflichkeit. Von einem Leser wird der Post aus Gardelegen geschrieben: Am ersten Mobil- ruachungstage hatte auf unserer Station der russische Hofzug der Kaiserin-Witwe von Rußland Aufenthalt. Der Zug ist den Bewohnern der Stadt bekannt, er hat hier gewöhnlich längeren Aufenthalt, wenn die hohe Dame von Calais nach Petersburg fährt. Daß man die Kaiserin-Witwe von Rußlaud passieren läßt darüber sei kein Wort gesagt, das ist deutsche Höflichkeit,- aber daß die Begleiter mit und ohne Uniform auf dem Bahnhöfe sich der Zeitungen bemächtigen wollten, das ist Unverschämtheit. Natürlich hat man ihnen die Zeitungen nicht gelassen. Daß einige der Diener des Hofzuges dem deutschen Publikum die Zunge herausstreckten, sei als Zeichen russischer Sitte und Bildung beiläufig noch erwähnt.
Der praktische Berliner. Die ersten Nachrichten von den Kriegsschauplätzen sind eingetroffeu. Dem Blick in die Zeitung folgt der Blick auf die Landkarte. Land- karten von entsprechendem Maßstabe sind jetzt unentbehrlich. Die rueinigen erweisen sich als ungenügend. Beim Ausgang trete ich, so schreibt jemand in der „Voss. Ztg.", in bett nächsten kleinen Buchladen „Bitte um eine Karte von Ostpreußen und Schlesien mit dem russischen Grenzgebiet und eine Karte des westlichen Deutschland mit dem französischen Grenzgebiet." Darauf der Buchhändler: „Aber nehmen Se doch lieber zwee jute Karten von Rußland und Frankreich. Die deutschen Karten mit's Grenzgebiet können Se doch man bloß een paar Tage brauchen, und denn brauchen Se vor die janze Länge die russische und die französische Karte. Nur immer praktisch!" Ich habe diesem Mann herzlich die Hand gedrückt. Es ist doch schön, daß die Berliner allzeit so praktisch sind. Und von heute an will ich glauben, daß richtiges Berlinisch doch das beste Deutsch ist.
„Hoch klingt das Lied vom braven Mann. Der „Post" teilt ein Leser mit: Ich halte es für meine Pflicht, einem Manne öffentliche Anerkennung zu verschaffen, der am Sonnabend nachmittag etwa sievenhundert Menschen, unter denen ich mich befand, das Leben gerettet hat. Aus der Schweiz kommend, versuchten wir am Donnerstag abend den Heimweg über Basel. Da die Grenzen hier gesperrt waren, mußten wir nach Zürich zurück, um am andern Morgen über Schaffhausen ins Heimatland zu kommmen. Die Route führt von Schaffhausen über Rottweil nach Stuttgart. Wir hatten ben ersten Tunnel bei Rottweil passiert und waren gerade in den zweiten Tunnel eingefahren, der etwa 40 Meter vom ersten entfernt ist, als der mit uns im Gespräch befindliche Schaffner bemerkte, daß der Wachtposten unserem Zuge mit roter Fahne ein Signal gab, das aber vom Zugführer überfahren sein mußte. Sofort zog der Schaffner die Notbremse, worauf im Augenblick ein Stoppen unseres Zuges erfolgte. Von der Gegenrich- tuug war auf bemfeiben Gleise bereits in den Tunnel ein anderer Zug eingefahren; aber es gelang noch, unseren mit voller Maschinenkraft fahrenden D-Zug durch das Manöver des Schaffners zum Stehen zu bringen. Das Ergebnis war, daß etwa 160 Meter von einander getrennt die beiden Züge halten konnten und so die Mitfühlenden vor dem Unglück bewahrt blieben. In unserem Abteil wurde sofort eine kleine Sammlung für den Schaffner Nr. 107 verunstaltet. Der Mann war aber so bescheiden, zu wünschen, daß von einer Sammlung im Zuge und Anerkennung seines Verdienstes Ab- stanö genommen werde, da er, wie er sich äußerte, nur seine Pflicht getan habe. Darum klinge hoch das Lied vom braven Mann, vom Schaffner 107.
Die Verwundeten auf dem Schlachtfeld.
Es ist heute die Frage von Interesse, wie die Verwundeten auf dem Schlachtfeld behandelt werden. Die moderne Kriegschirurgie ermöglicht durch ihre große Vervollkommnung selbst noch m schweren Fallen eine Rettung des Verwundeten. Daher kommt es, daß der der großen Anzahl von Verwundungen, dre rn den heutigen Massenheeren mit den. modernen Waffen vorkommen, verhältnismäßig wenig Todesfälle zu verzeichnen sind. Es kommt dazu, daß die modernen Geschosse durch ihren Bau und ihre große Durchichlagskraft den getroffenen Soldaten zwar kampfunfähig machen, bet weitem aber nicht so schwere Verwundungen hervorrufen, wie die früheren Waffen. Die Behandlung der Verwundeten ist nun folgende.
Schon lange vor Beginn einer Schlacht werden die Sanitätsmannschaften aller Art mobilisiert. Von dem großen Feldlazarett werden nach allen Richtungen Kolonnen ausgeschickt, die neben tragbaren Lazarettzelten, in denen Schwerverwundete schnell untergebracht und behandelt werden können, allerlei Verbände und Heilmittel zur Verfügung haben. Erstes Erfordernis ist schnelle Hilfe Darum wird bereits das Samariterwerk begonnen, während noch der Kampf tobt. Unerschrocken begeben sich die Sanitätsmannschaften auf das Schlacht- fett> und bringen die Verwundeten aus dem Schieß- bereich. In schweren Fällen wird sofort eingegriffen, besonders, wenn es sich darum handelt, die Wunde aseptisch zu machen und vor Brand zu bewahren. Sehr oft verbinden sich die Mannschaften mit den ihnen zur Verfügung stehenden Verbandsstoffen selbst. Am un- gefährttchsten sind Verwundungen in den weichen Knochenteilen, da hier durch ein modernes Gewehrge
schoß nur kleine, meist gut verheilende Löcher von 1« Zentimeter Durchmesser entstehen.
Durch die Erfahrungen, die unausgesetzt im Frte- den an Versuchstieren gemacht werden, gelingen aber heute auch Heilungen von sehr schweren Verwundungen. So wurden im russisch-japanischen Kriege von den an deutschen Universitäten geschulten japanischen Aerzten nachweislich eine große Anzahl schwerer Herzwunden mit glücHichem Erfolge behandelt. Am schwersten ist die Behandlung von Bauchwunden. Durch die Durchlöcherung des Darms tritt der Kot in die Bauchhöhlen und bringt oft einen tödlichen Entzündungsprozeß hervor. Es befinden sich zur Zeit in allen Heeren bereits die modernsten fahrbaren „Röntgen-Automobil-Wagen", die eine sachgemäße Behandlung der im Kriege durch Schuß oder Hieb Verwundeten allein ermöglichen. Die schnelle Feststellung des Ortes, wo die Kugel stecken geblieben ist, sowie die Art der Knochenverletzuttgen ist bekanntlich nur durch Röutgenphotographie möglich. Besonders die Zersplitterung des Knochens, die beim Schuß im Mittelknochen erfolgt, macht eine Röntgen- behandlung durchaus notwendig, wohingegen eine durchgeschlagene Kugel an der Spitze oder am Ende des Knochens den Stöntgenapparat entbehrlich erscheinen läßt. Ist die Verwundung festgestellt und keimfrei gemacht, dann erfolgt die Schienung der Knochen, die im Feldlazarett vor sich geht während die erste, schnelle Behandlung in Lazarett-Zelten erfolgt Die Schmerzen sind entgegen der landläufigen Vorstellung in vielen Fällen besonders kurz nach der Verwundung nicht groß. Das Hilfswerk des Arztes im Kriege ist ein sehr erfreuliches, da es in mehr Fällen, als man gemeinhin annimmt, Rettung des Lebens bringt.
Die Schwerter des Kaisers und der Prinzen.
Ueber die Schwerter des Kaisers und der Prinzen werben heute, wie der Korrespondenz „Heer und Politik" von militärischer Seite geschrieben wird, einige Mitteilungen von erhöhtem Interesse sein: Der Kaiser hat naturgemäß mehrere Säbel, da er abwechselnd alle Waffengattungen in der Uniform vertritt. Dagegen haben die kaiserlichen Prinzen besonders bevorzugte Schwerter, die ihnen von ihrem kaiserlichen Vater geschenkt warben sind. Sie zeichnen sich vor allen anderen dadurch aus, daß sie im Auftrag des Kaisers mit Inschriften geschmückt worden sind. So hat der Säbel des Kronprinzen die Aufschrift: „Allezeit kampfbereit für des Reiches Herrlichkeit!^ Auf dem Säbel des Prinzen Eitel Friedrich, ben er von seinem kaiserlichen Vater erhielt, steht der Wahlspruch des Prinzen: „Furchtlos und treu!" Der Degen des Prinzen Oskar ^iint Me Inschrift: „Treu und fest!" Und der Marinesäbel des Prinzen Adalbert hat sogar auf beiden Seiten ^mnnnuuje, nämlich auf der Vorderseite das Wort: „Volldampf voraus" und auf der zweite«: „Detue Kraft gehört dem Vaterlaud!" Damit hat der Kaiser wieber an alte schöne Schwertgebräuche allgeknüpft. Durch das gauze Mittelalter kann man die Beobachtung machen, baß namentlich der Deutsche sein Schwert mit guten Sprüchen schmückt. So trug Philipp der Erste, König von Kastilten, genannt der Schöne, den Vers Lukas 30, <tw. 4, auf seinem Schwerte, während die Teledaner Klinge Ferdinand des Fürsten, des Katholischen, mit Ferien des 117. Psalmes geschmückt war. Maximilian der erste aber führte als Mitglied des von König Al- vhons des Ersten von Aragonien gestifteten Ordens der Mäßigkeit auf seinem Schwerte die Buchstaben H. M. I. Äl. D., welche bedeuteten: „Halte Maß in allen Dingen!" Eine Klinge des ungarischen Königs Matthias Corviuns endlich enthält die Devise: „Pro rege, lege, grege", d. h. „Für König, Gesetz mtb Volk". In den meisten Fällen ist der Name des Eigentüiners eiuae- graben. Auf einem kolossalen alten, nur mit zwei Händen zu regierenden Schwert liest man z. B.:
„Ein Schlachtschwert bin ich genannt, Behüt den, der mich führt in der Hand, Daß ers mit Gott und Ehren wohl betracht', Ich muß sein mitten in der Schlacht."
Eine andere schöne deutsche Sitte bestand darin, den Schwertern Namen zu geben. Hier nur einige der berühmtesten: Valmung hieß das gewaltige Schwert des Helden Siegfried, der in der Nibelungensage eine so große Rolle spielte, er schmiedete es sich der Sage nach selbst in der einsamen Schmiede des tiefsten Urwaldes. Dainslaeis war der Name für das Schwert des gewaltigen Hognis, das Zwerge gefertigt haben sollten und das Wunden schlug, die niemals heilten. König Artus nannte sein Schwert Eskaliber. Karl der Große hieß sein Schwert Joyauso, während Roland ein solches besaß, welches er Durantel oder Durandart nannte und der Sage nach Marnlor spaltete, der große Cied aber, der vielgefeierte Nationalheld der Spanier, verrichtete seine Heldentaten mit seinem geliebten Tizonada- Schwert.
Die Slärkeverhöllnisse der Großmächte.
Das heuchlerischerweise seit Jahren der Welt vor- gegaukelte Bestreben Rußlands, den „Frieden zu erhalten", ist in denkbar krassester Weise enthüllt. Nachdem die Wünsche Rußlands gegen den Dreibund erreicht sind und in Europa alle Felddienstfähigen zum Austrag mit den Wassert zum Völkerkrieg sich versammeln, — dies auf Grund der verbrecherischen Bestrebungen Serbiens und des Eintretens Rußlands auf dessen Seite —, sei zunächst ein Blick auf die Laudstreitkräfte der 5 Großmächte geworfen, d. h. auf desseu Feld- unö Feld-Re- serve-Trupppen. An solcher werden ausrücken in:
Deutschland 2,754,000 Frankreich 2,486,000
Oesterreich-Ungarn Italien
1,356,000 1,224,000 Europ. Rußland u. Sibirien
3,655,000
Die Zahl der auf dem europäischen Kriegsschauplatz verwendbaren Armeekorps unb Kavalleriedivisionen beträgt bei den Armeen der Staaten in obiger Reihenfolge: 25 (11 Kav.-Div.), 16 (6), 12 (3); — 21 (8), 30 (23). Die Gesamtzahl der zum Krieg Ausgebildeten in:
Deutschland 5,252,000 (8 v. H. d. Bev.)
Frankreich 4,399,000 (11,8 v. H.)
Oesterreich-Ungarn 2,243,000 (4,3 v. H.)
Europäisch Rußland
Italien 1,854,000 (5,6 v. H.)
7,668,000 (4,2 v. H.)
Bei diesen Stärkeberechnungen sind 1 französisches Armeekorps in Afrika, 7 russische in Asien nicht berück- sichtigt. Zu dieser Zusammenstellung - 5 334 000 Deutsche, Oesterreicher, Italiener und 6141000 Fran- ^ofen, Rüsten — ist zu bemerken, daß durch den smeo Desterrelch-Ungarns gegen Serbien eine sehr betriff ließe Zahl von 5 334 000 für den Kampf der Großstaate» unter stch abzuziehen ist. Die eigentliche Kampfkraft der Armeen ist aber ein Produkt aus Zahl nnd Güte! Hof- fc« wir, daß das, was dem Dreibund an Zahl gebricht, durch Güte ersetzt wird!
Generalleutnant z. D- WLtzler.