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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^^ für den Kreis Hersfeld

HmWer Kreisblatt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bet Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

i Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-Knschluh Nr. 8

Nr. 183, Donnerstag, den 6. August 1914.

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden fich aus der letzten Seite.

* Der Landsturm des 11. Armeekorps ist, wie entgegen anderslautenden Gerüchten ausdrücklich festgestellt sei, bisher nicht aufgeboten worden. Seine Aufbietung ist auch vorläufig nicht zu erwarten.

* (Ein Aufruf des Jungdeutschland- bundes.) Der Vertrauensmann des Jungdeutsch- landbundes im nördlichen Regierungsbezirk Cassel er­läßt folgenden Aufruf:Im Namen des Bundes Jungdeutschland" fordere ich alle daheim bleibenden Jungmannschaften und Jünglinge über 14 Jahre hierdurch aus, mitzuhelfen, wo immer es nötig ist, be­sonders bei der jetzt im Gange befindlichen Ernte der hilfsbedürftigen Landwirte! Bietet Euch in Gruppen unter verantwortlicher Führung eines Gruppenführers den Landwirten Eures Ortes und Kreises alsbald durch Vermittelung Eures Ortsgruppen-Vorsitzenden zur freudigen, selbstlosem und fleißigen Mitarbeit an und zeigt Euch würdig den Grundsätzen des Bundes, der allezeit eintritt für die Liebe zu König und Vater­land, für Religion, gute Sitte, Zucht und Ordnung!

* (Keine Lebensmittelnot in Deutsch­land!) Der bekannte bayrische Politiker Dr. Heim, ein Land- und volkswirtschaftlicher Sachverständiger ersten Ranges, hält Deutschland mit allen möglichen Lebensmitteln für zwanzig Monate gut versorgt.

* (Krieg und Lebensversicherungen. Wie wir demBerl. Tagebl." entnehmen, haben die meisten der in Deutschland arbeitenden Lebensver­sicherungsgesellschaften besondere Vorkehrungen dafür getroffen, daß ein Krieg sie nicht ruinieren kann. Bei Zivilpersonen wird die Gefahr der Wehrpflicht kosten­los eingeschlossen, während Berufssoldaten einen Prämienzuschlag zu zahlen haben. Auch ist von einer Reihe von Lebensversicherungsgesellschaften die Ent­schädigungssumme, die ein einzelner beanspruchen kann, festgesetzt, oder aber bei Ausbruch des Krieges werden alle, die in den Krieg gehen, gewissermaßen in eine besondere Klasse getan und von ihnen ein Zuschlag erhoben (der meist gestundet wird). Diese Extraprämien fließen in den Kriegsreservefonds. Nach Beendigung des Krieges wird der Kriegs­reservefonds im Verhältnis der versicherten Summe unter die Empfangsberechtigten, zu deren Gunsten die im Kriege und an den Wunden Gestorbenen ihre Policen ausgestellt haben, verteilt. Daraus erhellt, daß bei drohender Kriegsgefahr die Inhaber von Policen der einzelnen Versicherungszweige alle Ver­anlassung haben, die Policen auf den Umfang des Versicherungsschutzes im Kriegsfalle genau zu prüfen. Dies trifft im erhöhten Maße bei Lebensversicherungs- policen zu, zumal da einige Gesellschaften in ihren Bedingungen die Bestimmung haben, daß zur Gültig­keit der Police für einen etwaigen Kriegssterbefall die Anmeldung der Kriegsteilnahme bei der Gesellschaft während der Mobilmachung bezw. während der Ein­berufungstage erfolgen muß.

* (Zur Beachtung!) Jeder muß die amtlichen Bekanntmachungen in dieser Zeit genau studieren. Die meisten Verfügungen usw. haben für jedermann nicht nur Interesse, sondern auch Verbindlichkeit.

):( Hersfeld, 5. Aug. Gestern Abend Hatten sich zu Ehren der ins Feld Einberufenen eine größere Anzahl Hersfelder Sänger auf dem Linggplatz ver­sammelt, um unter Leitung des Herrn Fischer einige patriotische Lieder vorzutragen. Dieselben wurden von dem sehr zahlreich erschienen Publikum teilweise mitgesungen. Auch hielt Herr Lohrmann eine kernige Ansprache, welche mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf seine S. M. dem Kaiser und das Heer schloß.

Vacha, 3. August. In den beiden Schächten des Kalibergwerks Heiligenmühle müssen die Arbeiten ruhen, weil große Mengen Wasser das Bergwerk unter Wasser gesetzt haben.

Jossa Kreis Schlüchtern, 1. August. In Mittel- finn kam das 5jährige Töchterchen des Joh. Krämer dem Herdfeuer zu nahe, die Kleider fingen Feuer und das Kind erlitt erhebliche Brandwunden.

Salznnge», 3. August. Am Sonnabend stürzte ^ahre alte Kind des Malersmeisters Lux in und ertrank. Die Leiche wurde nach funden an0Cttt suchen am Rechen einer Mühle ge-

wei-8 E^EN, 2. August. Auf Schacht 5 des Kali- Donam^t ä^°N""a wurden beim Anschießen mit aerisspn" ^.^.^"smann Krämer beide Beine weg- geriffen. Er starb bald darauf.

Marburg, 4. August. (Studenten als Erntearbeiter.) Gegen hundert Studierende, darunter auch zahlreiche Damen, meldeten sich bereits zu Erntearbeiten schon vor Erscheinen des Aufrufs der akademischen Ver­mittlungsstelle. Auch die Schüler der Oberklassen der hiesigen Schulen sollen sich für Erntearbeiten zur Verfügung stellen.

Marburg, 2. August. Die Burschenschaft Germania hat für den Kriegsfall und Kriegszeit ihr Verbindungs­haus der Militärbehörde zu Lazarettzwecken zur Ver­fügung gestellt. Das Haus bietet hygienisch einwand­freie Räume für 5060 Betten. Werden auch die übrigen Korporationshäuser für diesen Zweck einge­richtet, so können in Marburg 500 Betten aufgestellt werden.

Göttingen, 2. August. In Göttinger Zeitungen erscheint ein an die Commilitonen gerichteter Aufruf, in dem es heißt: Glücklich zu preisen sind diejenigen von Euch, welche mit den Waffen in der Hand ins Feld ziehen können, um für unsere heiligsten Güter zu kämpfen. Sie werden von allen denen, die das Herz auf dem rechten Fleck haben, welche aber zurück­bleiben müssen, beneidet werden. Aber auch diese können dem Vaterlande große Dienste leisten. Soweit sie sich nicht in der Verwundeten- und Krankenpflege betätigen, werden sie dadurch von großem Nutzen sein können, daß sie sich der Landwirtschaft zur Verfügung stellen, die eines Teiles ihrer Hilfs- und Arbeitskräfte durch die Mobilmachung beraubt wird. Commilitonen! Ihr tut, wenn Ihr in dieser Weise helft, auch ein vaterländisches Werk und tragt nach Euren Kräften zur Sicherung des endgültigen Sieges bei. In dem Lesezimmer des Landwirtschaftlichen Instituts, Niko- lausbergerweg 7, ist eine Vermittlungsstelle einge­richtet. Commilitonen, die sich zur Verfügung stellen wollen, mögen sich dort melden.

Rhena (Waldeck), 3. August. In einer hiesigen Wirtschaft ließ sich gestern ein russisch-polnischer Ar­beiter zu Schmährufen gegen Deutschland hinreißen. Die Gäste richteten den Polen so übel zu, daß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte.

Bischhansen, Kreis Fritzlar, 3. Aug. Ein trauriger Unglücksfall ereignete sich heute morgen auf der Eisen­bahnbrücke in der Nähe von Nassenerfurt. Auf der­selben stand der Rottenarbeiter Burghard Thomas von hier auf Posten. Als derselbe beim Herannahen eines Militärzuges, der von Cassel kam, auf diesen seine Aufmerksamkeit gerichtet hatte, wurde er in dem­selben Zeitpunkt von einer Maschine, die aus der entgegengesetzten Richtung kam, überfahren, so daß der Tod auf der Stelle eintrat.

Hedemünden, 3. August. Hier traf die Meldung ein, daß die Familie des Rittergutspächters Aden- stedt durch aufsässig werdende russische Arbeiter be­droht sei. Zur Hilfe ging eine Gewehrabteilung des Kriegervereins von 16 Mann nach dort ab. Es wurde ermittelt, daß der russisch-polnische Aufseher in Ellerode und auf den umliegenden Gütern die Arbeiter zum Aufruhr aufgefordert hatte. Abends gegen 10 Uhr wurde der Aufseher und zwei Komplizen hier eingeliefert.__

Dar Wetter im Monat August.

Der verflossene Juli war trotz der letzten recht ungünstigen Witterung ein richtiger Sommermonat. Er brächte in seiner ersten Hälfte sehr viele schone Tage und auch sommerliche Wärme. Die Temperatur stieg vereinzelt bis auf über 35 Grad im Schatten. Wie es immer ist, wenn sehr viel Warme herrscht, so brächte auch die vergangene warme Zeit häufig Gewitter, die stellenweise recht starken N»ederschlag ergaben. Trotzdem dürfte der Monatsniederschlag hinter dem vieljährigen Niederschlagsmittel zurück­stehen. Im Gegensatz zu der Witterung der ersten beiden Monatsdrittel steht das Wetter der letzten Julitage. Der Umschwung war ebenso plötzlich rote durchgreifend. Die Temperatur stand tn der längsten Zeit weit unter dem vieljährigen Mittel.

Die Veranlassung zu diesem Wltterungsumschwung war das Festsetzen eines Tiefs über der Ostsee. Es entstand eine typische Sommerwetterlage, rote sie den regenreichen und auch kalten Sommern eigen ist. Mit dieser Aenderung in der Lu druckverterlung hat sich nunmehr auch das Gesamtbild völlig verschoben. Während bislang ein zentrales Hoch die Vorherrschaft besaß, ist zurzeit ein Tief wetterbestimmend. Für die künftige Gestaltung des Wetters handelt es sich nun um die Frage, ob der vorhandene Wettertypus auch anhält. Es ist nicht zu verkennen, daß Neigung zur Bildung beständiger Wetterlagen, wie es ine Hoch­druckwetterlagen im allgemeinen sind, nicht mehr vorhanden ist. Das Tief, das heute die Ostsee ver­lassen hat, bedeckt noch den Osten Europas. Ehe es so weit gelangt, daß von ihm eine Beeinflussung des Wetters nicht mehr zu erwarten ist, werden die ersten Tage des August vergehen. Vom Atlantischen Ozean

her ist aber schon ein nenes Tief wieder im Anzüge. Wenn dieses anch zunächst noch einen Rücken hoher» Druckes vor sich herschtebt, der als Teilhoch wirkt und daher für einige Zeit Aufheiterung bringen wird, so ist doch mit der Erhaltung eines zentralen Hoches »licht zu rechnen. Wenn ein Tief dem anderen folgt, so bleibt das Wetter selbst »»»»sicher. Einer kurzen Periode heiteren Wetters folgt alsbald wieder Regen. Ein solcher Vorgang wird sich in der ersten Hälfte des Monats August vollziehen. Die Wetterbeständigkeit wird sich erst baun einstellen können, wenn tiefer Druck auch über Osteuropa verschwunden ist. DieS dürfte aber erst dann eintreten, wenn hoher Druck auch vom Norden her sich erneut auszubreiten be- ginnt und von da ans sich ein Druckausgleich einsetzt. Alle Anzeichen spreche»» dafür, daß dies noch nicht alsvbald geschehe»» wird. Wenn nun nach alledem ein Schluß auf die Witterung im Monat August ge­zogen werde»» soll, so ist dieser dahingehend, daß die erste Hälfte noch immer wechselndes Wetter bringen, und daß Wetterbeständigkeit erst in der zweiten Monatshälfte hervortreten wird. Die Wetterbe­ständigkeit bezieht sich auf die Entwicklung kräftige»» östlichen Hochdruckes und darnit auf anhaltend heiteres und trockenes Wetter.

FeldpoMnimngen

Für Feldpostsendungen in Privatangelegenheiten an die Angehörige»» des Heeres und der Kaiserliche»» Marine gelten während des mobilen Verhältnisses nachbezeichnete Portovergünstigungen.

1. Portofrei werden befördert: a) gewöhnliche Briefe bis 511m Gewichte von 50 Gramm, b) Post­karten und c) Geldbriefe bis zum Gewichte von 50 Grarnm und mit Wertangabe bis zu 150 Mk.

2. Portoerrnäßigungen: Das Porto beträgt für a) gewöhnliche Briefe über 50 Gramm bis 250 Gramm schwer 20 Pf., b) Gelbbriefe über 50 Gramm bis 250 Gramm schwer und mit Wertangabe bis zu 150 Mk. 20 Pf., c) Geldbriefe bis 250 Gramm schwer und mit einer Wertangabe von über 150 bis 300 Mk. 20 Pf., über 300 bis 1500 Mk. 40 Pf., d) Postanweisungen über Beträge bis zu 100 Mk. an die Angehörigen des ? Feldheeres und die Besatzungen der zu den Seestreit- räften gehörigen Kriegsschiffe usw. 10 Pf. Zu den Angehörigen des Heeres zählt auch das auf den» Kriegsschauplatze in der freiwillige»» Krankenpflege zur Verwendung kvrninende Personal der deutscher» Landesvereine vom Roten Kreuz und der mit ihnen verbündeten Vereine sowie der Ritterorden Johanniter-, Malteser-, St. Georgs-Ritter, ferner diejenigen Vereine, Gesellschaften usw., die auf Grund des Gesetzes zum Schutze des Genfer Neutralitäts­zeichens vom 22. März 1902 (Reichs-Gesetzbl. 1902 Nr. 18) von den» zuständigen Kriegsmintsterium zur Unter­stützung des Kriegssanitätsdienstes durch besondere Bescheinigung zugelassen sind.

Sendungen, die rein gewerbliche Interessen der Absender oder der Empfänger betreffen, haben auf Portovergünstigung keinen Anspruch und unterliegen daher dem gewöhnlichen, tarifmäßigen Porto. Das Porto muß stets vorausbezahlt werden. Unfrankierte oder unzureichend frankierte portopflichtige Sendungen werden nicht abgesandt. Die Aufschrift der Feldpost- sendunge»» muß den VermerkFeldpostbrief" ent­halten und genau ergeben, zu welchen» Armeekorps, welcher Division, welchem Regimente, welchem Bataillon, welcher Kompagnie oder welchem sonstigen Truppenteil oder Kriegsschiffe der Empfänger gehört sowie welchem Dienstgrad und welche Dienststellung er bekleidet.

Formulare zu Feldpostkarten werden bei den Post- anstalter» sowie den amtlichen Verkaufsstellen für Post­wertzeichen an das Publikum verkauft werden. Einst­weilen können die gewöhnlichen ungestempelten Post- kartenformulare Verwendung finden. Bei denselben StellenwerdenauchFormularezuFeldpostanweisungen an die Angehörigen des Feldheeres, mit Freimarke»» zu 10 Pfg. beklebt, zum Verkauf für den Betrag der Freimarke bereitgehalten werden. Zu Postanweisungen an die Besatzungen der Kriegsschiffe sind die gewöhn- lichen Formulare zu benutzen. Einschreibsendungen in anderen als Militärdienst-Angelegenheiten, Post­aufträge, Briese mit Zustellungsurkunde und Post­nachnahmesendungen sind von der Beförderung durch die Feldpost ausgeschlossen. Privat-Bäckereien nach den» Heere roerben bis auf weiteres gegen die sonst üblichen Portosätze noch angenommen. Zur Förderung des Abgabegeschäfts ist es jedoch notwendig, daß diese Sendungen frankiert zur Post gegeben werde»».

Wetteraussichten für Donnerstag den 6. August.

Wechselnd bewölkt,Niederschläge nicht ausgeschlossen, warm, südwestliche Winde.