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5 Milliarden angefordert. 1

^ Berlin, 4. August. Dem Reichstage ist eine Vor­lage zugegangen, nach der die Etatsfeststellung für 1914 für das Reich dahin ergänzt wird, daß der Reichskanzler ermächtigt wird, zwecks Bestreitung einmaliger Aus­gaben fünf Milliarden flüssig z« machen.

Der französische Gesandte in München.

»-*• München, 4. August. Dem hiesigen französischen Gesandten sind gestern abend 6 Uhr die Pässe zngcstcllt worden.

Der Fährverkehr nach Dänemark unterbrochen.

o-* Kopenhagen, 4. August. Wie Rotzaus Bureau meldet, ist der Fährverkehr zwischen Warnemünde- Gjedser eingestellt worden.

Die Deutschen in Amerika.

»-h Nenyork, 4. August. Die deutschen Reservisten veranstalteten gestern in den Straßen patriotische Kund­gebungen.

Der Botschafter in Petersburg auf der Heimreise.

w> Stockholm, 4. August. Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pourtales ist mit dem Personal der Botschaft gestern mittag auf einem Dampfer hier cin- getroffen. Er hat alsbald seine Reise über Trelleborg fortgesetzt.

Anszng deutscher Reservisten ans Böhmen.

»^ Prag, 4. August. Bei dem gestern nachmittag erfolgten Abzng der reichsdeutschen Reservisten ans Prag kam es zu großen Sympathiekundgebirngen für die Deutschen.

Keine deutschen Truppen in Holland.

»* Haag, 4. August. Von amtlicher Seite wird die Meldung, deutsche Truppen hätten einen Eingriff in Holländisch-Limbnrg gemacht, dementiert.

8-6» Amsterdam, 4. August. Hier wird die Meldung von dem Erntreffen deutscher Truppen amtlich demen­tiert.

Die russische Hafenstadt Libau, die unser kleiner Kreuzer „Augsburg" am Sonntag beschossen hat, ist die bedeutendste Handelsstadt Kur­lands. Sie liegt am Ausflusse des Libauschen Sees in die Ostsee und ist Endpunkt der Eisenbahnlinie Romny- Libau und der Haseupother Zufuhrbahn. Der Hafen ist eisfrei und mit zwei Leuchttürmen ausgestattet, die von den russischen Behörden vor vier Tagen gelöscht wurden. Er besteht aus einem auf 7 Meter' vertieften guten Handelshafen und dem räumlich größeren Kriegshafen. Dieser wurde 1893 angelegt und erst kürzlich vollendet. Die Bevölkerung der gegen 70 000 Seelen zählenden Stadt ist größtenteils deutscher Nationalität.

Der kleine geschützte Kreuzer „Augsburg" wurde am 10. Juli 1909 in Kiel vom Stapel gelassen und im Herbst 1910 in Dienst gestellt. Er hat eine Was­serverdrängung von 4350 T., bei einer Maschinenkraft von 20 000—27 400 Pferdestärken mit Turbinenantrieb. Der Kreuzer besitzt 4 Schrauben, hat eine Länge von 130 Meter, eine Breite von 14 Meter und einen Tiefgang von 5 Meter. Die Bedienung besteht im Frieden aus 10 Seeoffizieren, 4 Marine-Ingenieuren, 1 Sanitäts­offizier, 2 Fähnrichen z. S., 1 Zahlmeister, 13 Deckoffi­zieren und 330 Unteroffizieren und Mannschaften, ins­gesamt 370 Köpfen. Die Schnelligkeit des Kreuzers be­trägt 26,3—27,2 Seemeilen (eine Seemeile gleich 1852 Meter). Die Armierung besteht aus 12 Schnellade- kanonen mit 10,5 Zentimeter Kaliber, bei einer Rohr- länge von 7,60 Meter. Außerdem hat die „Augsburg" zwei seitliche 45kalibrige Torpedos. An Kohlenvorrat faßt das Schiff 900 T.

Unwahr sind die Meldungen über Gefangennahme von 20 000 Serben durch die Oesterreich« mit dem Kronprinzen Alexander von Ser­bien nach Erkundigung an zuständiger Stelle.

Ein französisches Konzentrationsministerinm.

Wie der „Vossischen Zeitung" über Brüssel gemel­det wird, hat das Ministerium Viviant sich zu einem Konzentrationskabinett umgewandelt. Viviani behielt den Vorsitz. Minister des Aeußeren wurde Delcassee, das Kriegsportefeuille erhielt General Castelnau. Ri- bot übernahm die Finanzen, Clemenceau das Innere. Zum Generalissimus der Armee wurde General Pau ernannt.

Italiens Bündnispflicht.

. , Der „Berliner Lokalanzeiger" schreibt: Daß Italien feiner Bündnispflicht als Mitglied des Dreibundes treu Nachkomme« wird, wird hier nach den wiederholten loyalen Erklärungen seiner Regierung als völlig zweifelsfrei angesehen. Nachdem Frankreich seine Armee nnd Flotte inzwischen total mobilisiert hat, muß nun mit der gleichen Maßnahme Italiens gerechnet werden.

Rnssische „Unhöflichkeit".

Das allen Begriffen internationaler Völkersitte Sohn sprechende Verhalten Rußlands gegenüber Deutsch­land hat in unserem Volke gerechteste Empörung her­vorgerufen. Mit tiefer Entrüstung bat uns das doppel­züngige Beginnen des Zaren erfüllt, der das Uner­hörteste zur Tat werden ließ, indem er sich nicht scheute, in scheinbarer Friedfertigkeit unserm Kaiser das Mitt­leramt zwischen Oesterreich und Rußland zu übertragen und fast in derselben Stunde das russische Heer gegen Deutschland mobil machte. Dieser echt moskowitischen Hinterhältigkeit reiht sich würdig an, was man sich in Petersburg unserm deutschen Botschafter zu bieten er­dreistete. Die russische Regierung konnte sich zu dem deutschen Ultimatum zweifelsohne stellen, wie es ihr beliebte. Sie konnte sich ihm gegenüber in Schweigen hüllen. Das war ihr gutes Recht. Keine Antwort ist schließlich auch eine Antwort, und eine deutliche dazu. Aber dem Botschafter des Deutschen Kaisers, ehe noch die diplomatischen Beziehungen abgebrochen sind und ehe der Krieg eröffnet ist, den drahtlichen Verkehr mit seiner Regierung abzuschneiden, daß verstößt wahrhaf­tig wider Treu und Glauben. Es ist eine internationale Unhöflichkeit ohnegleichen, auf gut deutsch gesagt, eine unverfälschte russische Unverschämtheit.

Ruutäuieu mobilisiert.

Berlin, 3. August. Die Mobilisierung Rumäniens steht unmittelbar bevor. Der „Berliner Lokalanzeiger" fügt hinzu, daß diese Maßnahme des Douankönigreiches lediglich defensiven Charakter trage und keine Spitze gegen Oesterreich-Ungarn «nd seine Alliierte« hat.

Ein russischer Aeroplan von den Oesterreichern heruuter- geholt.

Wien, 4. August. Die Neue Freie Treffe mel­det: An der österreichisch-russischen Grenze bei Löweu- berg ist ein rusiischer Aeroplan mit einem Offizier als Führer und änem Begleitoffizier heruntergeschoffen warben. Die beiden russischen Offiziere, die bet dem

Verletzungen erlitten hatten, wurden gefangen geuomme«.

Heimreise vo« Amerikanern aus Europa.

4. August. Das Repräsentaute«- «n^Europa SjuJgTC*^ L»r Heimkehr von Amerika««»

Der lleichslag versammelt.

Der Reichstag hat sich am Dienstag zu einer Sitzung versammelt. Die Fraktivusführer, auch die Führer der Soztaldemokraten, sind für Montag mittag zum Reichs­kanzler zu einer Besprechung geladen worden. Um 4 Uhr versammelten sich die hervorragendsten Persönlich­keiten aus allen parlamentarischen Fraktionen im Reichstage zu einer Besprechung über die vorliegenden Entwürfe. Die Sozialdemokraten haben, wie verlautet, den Krediten zngestimmt. Von der Rechten dürfte dem Vernehmen nach der Antrag gestellt werden, das bis­herige Präsidium, das sich nur aus Mitgliedern der Linken zusammensetzt, durch Zuruf zu wählen. Vermut­lich wird nach der Wiederwahl des Präsidenten sofort der Reichskanzler das Wort zu einer Rede über die auswärtige Lage nehmen, worauf der Präsident Dr. Kaempf mit einer kurzen Ansprache erwidern wird. Dann wird sofort für zrvei oder drei Stunden später eine neue Sitzung anberaumt werden. Auf der Tagesord­nung stehen alle von der Regierung jetzt eingebrachten Gesetzentwürfe. Wahrscheinlich werden alle drei Lesun- gen gleichzeitig stattfinden, sodaß schon Dienstag abend die Entwürfe Gesetz werden können.

Die Thronrede des Kaisers.

Seine Majestät der Kaiser eröffnete Dienstag mit- 1 Uhr im Weißen Saale des Königlichen Schlosses

tag . .. _ . _____„ , __________

die außerordentliche Session des Reichstages mit folgen­der Thronrede:

Geehrte Herren! In schicksalsschwerer Stunde habe ich die gewählten Vertreter des deutschen Volkes um

mich versammelt. Fast ein halbes Jahrhundert lang konnten wir auf dem Wege des Friedens verharren. Versuche, Dcntschland kriegerische Neigungen anzndich- ten und seine Stellung in der Welt emzuengen, haben unseres Volkes Geduld auf eine harte Probe gestellt. Unbeirrbar hat die deutsche Regierung auch unter herausfordernden Umständen die Entwicklung aller sei­ner geistigen nnd wirtschaftlichen Kräfte als höchstes Ziel verfolgt. Die Welt ist Zeuge gewesen, wie uner­müdlich wir in dem Dränge und den Wirren der letzten Jahre in erster, leitender Stelle standen, um den Völ­kern Enropas einen Krieg mit den Großmächten zu er­sparen. Eine schwere Gefahr, die durch die Ereignisse am Balkan heraufbeschworen, war schon überwunden. Da tat sich mit der Ermordung meines Freundes, des Erzherzogs Franz Ferdinand, ein Abgrund anf. Mein hoher Verbündeter, der Kaiser und König Franz Josef, war gezwungen, zn den Waffen zu greifen, um die Sicherheit seines Reiches gegenüber gefährlichen Um­trieben eines Nachbarstaates zn verteidigen. Bei der Verfolgung ihrer berechtigten Interesse» ist der ver­bündeten Monarchie das russische Reich in den Weg getreten. An die Seite Oesterreich-Ungarns ruft uns nicht nur unsere Bündnispflicht, uns fällt zugleich die 8 «echte Aufgabe zu, mit der alten Kulturgemeinschaft er beiden Reiche unsere eigene Stellung gegen den An­sturm feindlicher Kräfte zu sicher«.

Mit schwerem Herzen habe ich meine Armee gegen einen Nachbar mobilisiert, mit dem sie in vielfachen Schlachte« gemeinsam gefochten hat. Mit anfrichtigem Leid sehe ich eine von Deutschland trenbewährte Frennd- schaft zerbrechen. Die Kaiserlich rnssische Regierung hat sich, dem Drängen eines unersättlichen Nationalismus nachgebend, für einen Staat eingesetzt, der durch Be- günstignng verbrecherischer Anschläge das Unheil dieses Krieges verursachte. Daß sich auch Frankreich auf die Seite unserer Gegner gestellt hat, konnte uns nicht überraschen. Zu oft sind unsere Bemühungen, mit der französischen Republik zu freundschaftlichen Beziehungen zn kommen, auf alte Hoffnungen und alten Groll ge­stoßen.

Meine Herren! Was menschliche Einsicht und Kraft vermag, um ein Volk für die letzten Entscheidungen zu bewaffnen, das ist durch ihre patriotische Hilfe getan. Die Feindseligkeit, die in Ost und West seit langer Zeit um sich gegriffen hat, ist nnn zn hellen Flamme» auf­gelodert. Die gegenwärtige Lage geht nicht ans vorüber­gehenden Jnteresienkonflikten oder diplomatischen Kon­stellationen hervor, sie ist das Ergebnis eines seit langen Jahren tätigen Uebelwollens gegen Macht und Größe des Dentschen Reiches. Uns treibt nicht Eroberungs- lnst, uns beseelt der unbeugsame Wille, den Platz zu bewahren, auf den Gott uns gestellt hat für alle kommen­den Geschlechter.

Aus den Schriftstücken, die Ihnen zugegangen sind, haben Sie ersehen, wie Meine Regiernng und vor allem Mein Kanzler bis zum letzten Augenblick bemüht waren, das Aeutzerste abzuwehren. In aufgedrungener Not­wehr, mit reinem Gewissen nnd reiner Hand ergreifen wir das Schwert. An die Völker nnd Stämme des Deut­schen Reiches ergeht Mein Ruf: Mit gesamter Kraft in brüderlichem Zusammengehen mit unserem Bundesge­nossen zn verteidigen, was wir in friedlicher Arbeit ge­schaffen haben, nach dem Beispiel unserer Väter fest und getreu, ernst nnd ritterlich, demütig vor Gott und kam- pfesfroh vor den Feinden. So vertranen wir der ewigen Allmacht, die unsere Abwehr stärken nnd zn gutem Ende

leiten wolle.

Auf Sie, meine geehrte Herren, blickt heute, um seine Fürsten und seine Führer geschart, das ganze deut­sche Volk. Fassen Sie Ihre Entschlüsie einmütig und schnell, das ist Mein innigster Wunsch.

Der Reichstagseröffnung gingen Gottesdienste im Dom und der Hedrviaskirche voraus. Kurz vor 12 Uhr begaben sich der Kaiser, welcher über der feldgrauen Generalsuniform das Band des Schwarzen Adlerordens trug, und die Kaiserin mit Gefolge zu Fuß nach dem Dom hinüber und nahmen an dem Gottesdienste teil.

welcher über der feldgrauen

Gotlesdiensl am berlinerSismarckdenkmal.

„Jetzt geht in die Kirche, kniet nieder vor Gott und bittet ihn um Hilfe für unser braves Heer!" Das waren die letzten Worte, das war der letzte Wunsch unseres Kaisers, als er am Freitag vor sein Volk trat, das sich vieltausendköpfig vor dem Schloß vermmmelt hatte, um ihn nach feiner Ankunft zu begrüßen. Die freie Gottes­natur war am Sonntag vormittag die Kirche, in der das Volk um Hilfe für unser braves Heer flehte. Die große Freitreppe des Reichstagsgebaudes ersetzte den Altar, die Kapelle des Garde-Füsilier-Regiments, die auf dem Platze hinter dem Bismarckdenkmal Aufstellung genom­men hatte, die Orgel. In weitem Umkreise standen die Andächtigen Kopf an Kopf, Schulter an Schulter, Män­ner und Frauen, groß und «em, arm und reich. Die Menge erstreckte sich vom Reichstagsgebaude bis zur Siegessäule, vom Tiergarten bis zur Roonstraße. Die Treppe zum Reichstag, zum Bismarckdenkmal, zur Siegessäule, die Sockel und Mauervorsprünge der Ge­bärde und Denkmäler waren dicht besetzt und von vielen mit Mühe erklettert worden. Ueber dieser gewaltigen Menge der klare, blaue Himmel, von dem Die Sonne ihre hellen, warmen, lachenden Strahlen hernieder sandte. Gleichsam als Botschaft, ja Gott ist mit dem Ge- rechten, Mtt ist mit euch!

War schort vor Beginn des eigentlichen Gottesdien- stes fast kein lautes Wort zu hören, so verbreitete sich, als Hofprediger Liz. Dochring die Freitreppe des Reichs­tagsgebäudes emporstieg und auf der obersten Stufe, weithin sicht- und hörbar, sein Wort vernehmen ließ, eine weihevolle Stille. Als Einleitung spielte die Ka­pelle das Niederlüriötsche Daukgebet, das ehrfurchtsvoll mitgefungen wurde. Dann sprach der Prediger, packend, ergreifend, er sprach aus dem Herzen zu den Herzen, er sprach mit einer Träne im Auge zu den andächtig Lauschenden, von denen vielen die Tränen in Strömen floffen. Nicht nur die Frauen weinten, nein, auch Männer. Seiner Predigt hatte der Geistliche das Ka­pitel der Offenbarung Johannes, Vers 10, zugrunde gelegt, die da lautet: „Fürchte dich vor keinem, das du leiden wirst. Sei getreu bis an deu Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben."

Deutsche Männer nnd Frauen, so führte er etwa aus, was wollen wir hier? Demonstrieren für den Krieg? Nein! Was hat uns zusammengeführt, Bangig­keit vor den letzten Nachrichten? Dreimal nein! Wir wollen, daß der Geist des Mannes, hinter dessen Rücken wir uns versammelt haben, un^ in dieser schweren Stunde beseelt. Der Mann, der ein Christ und ein Kämpfer zugleich war, er soll seine Hand erheben vor uns und soll sprechen mit jenem alten Prophetenwort: „Deutsches Volk, fürchte dich vor keinem, das du leiden wirft." Die Tatsache wollen wir Männer und Frauen uns nicht verschleiern, wir stehen vor dem Leiden. Aber ist das etwas Niederschmetterndes? Sind nicht die größten Güter, die wir auf der Welt kennen, geboren aus der Not des Lebens heraus? Wohlan denn, die mögen einmarschieren über unsere Ostgrenze. Aber wir fragen etwas in dieser Stunde. Zu dieser Frage zwingt uns das Stück heilig Land, auf dem wir stehen, zwingt uns unser deutsches Vaterland, das uns unsere Väter mit Blut geschaffen haben.

Wir fragen die Nachbarn im Osten und Westen: „Warum ließet ihr uns nicht in Frieden, warum ließet ihr uns nicht genießen, was wir erworben haben? Wenn ihr uns aber reizt, wenn ihr uns, die wir nicht hab­gierig sind, etwas nehmen wollt so verteidigen wir jedes Fleckchen Erde bis zuletzt." Ist es in diesem weihe­vollen Augenblick nicht, als stiegen die Helden der Frei­heitskriege herab zur Erde? Hören wir nicht ihr Rufen, wie es einst unsere Väter vernommen haben? Wohlan, deutsche Männer und Frauen, wenn die zu uns reden, so dürfen wir ihnen unsere Antwort nicht schuldig blei­ben. Mit Bismarck rufen wir ihnen zu: „Wir Deutsche fürchten Gott und sonst nichts in der Welt/ Fürchte dich vor keinem, das du leiben wirst!" Ja, manches Mutter­herz, das seinen Sohn ins Feld ziehen sieht, manche Herzen junger Frauen und Bräute, die ihren Mann, ihren Bräutigam lassen müssen, empfinden bitteren Schmerz. Aber alle mögen sich in dieser schweren Stunde sagen: Jetzt redet Gott mit dir. Jetzt spricht das Vater­land. Was bist bu zu opfern fähig? Nur Worte oder auch Taten? Gebt ihn hin, reißt ihn vom Herzen, legt ein Opfer auf den Altar des Vaterlandes. Schickt nicht auch unsere Landesmutter sechs Söhne ins Feld! Und sehr, vielleicht am meisten, hat auch unser Kaiser ge­litten, unser Landesvater, der stets den Frieden gewollt. Jetzt aber, wo er seine Söhne ruft, da ruhe aller Streit und Fehde. Alle, die sich mit Worten bekämpft haben, reichen sich die Hände und folgen unserm König. Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern. In keiner Not uns trennen. Das sei der Schwur, das Gelöbnis dieser Stunde. Die Treue steht zuerst, zuletzt im Himmel und auf Erden. Wer ganz die Seele eingesetzt, dem muß die Krone werden. Sein ober Nichtsein, das ist hier die Frage.

Nach einem Gebet des Predigers sprach dann die ganze Menge gesenkten Hauptes das „Vateruttser".

Kleine üadirldifeifr

Der Krieg nnd die Bugra. Der russische General­kommissar und der Delegierte der französischen Regie­rung haben unter dem Druck der Ereignisse die Staats­paläste Rußlands und Frankreichs auf der Buchgewerb- lichen Weltausstellung in Leipzig schließen und die Lan­desfahnen einziehen lassen. Der Kommissar Englands ist ihrem Beispiel gefolgt.

Lobenswerter Opfermut. Die Lederfabrik Freuden- berg bet Weinbeim in Baden hat für die Familien der eingezogenen Reservisten jeden Tag 1000 Mark zur Ver­fügung gestellt. 3000 Arbeiter und die Beamten der Firma haben beschlossen, die verheirateten 10, die ledigen ISJProaent ihres Lohnes für die Familien der einge- rückten Reservisten avzugeben.

Zwei tödliche Automobilunfälle ereigneten sich Montag nachmittag in Berlin. In der Lortzingstraße wurde Die vier Jahre alte Tochter Emma eines Gast­wirts von einer Autvmobtldroschke totgefahren, und an Ar zweiten Stelle geriet eine Telephonistin unter die Räder eines Automobils. Auch sie wurde so schwer verletzt, daß sie bald darauf starb. Die Schuldfrage ist in beiden Fallen noch nicht aufgeklärt.

bekomme« ist einem Kolonialwarenhändler in Lichterfelde bei Berlin der Notenwucher. Er verlangte von einer Frau die Bezahlung ihrer Einkäufe in Gold. Als die Frau erklärte, nichts anderes als einen Hundert­markschein zu haben, war er mit der Bezahlung nur dann einverstanden, wenn er zehn Mark Zinsen dfür bekame. Die ^rau ließ sich auch einschüchtern und be­zahlte 10 Mark über den Betrag ihres Einkaufs Auf Mitteilung des Borfalles bei der'Polizei wurde der Laden polizeilich geschlossen.

ließ sich auch einschüchtern und be> -den Betrag ihres Einkaufs. Au

Vermischtes.

1800 Nottrauungen in Groß-Berlin. Eine Umfrage bei den Standesämtern der Städte und Landgemeinden Grotz-Berltns hat ergeben, daß am Sonnabend und Sonntag sMatzungsweise rund 1800 Nottrauungen voll- zogen worden sind. Die 20 Standesämter der Stadt Berlin hatten durchschnittlich je 50 Nottrauungen vor- junehmen; in den bevölkerten Äußenstadtteilen waren es mehr, in den Jnnenstadtteilen etwas weniger sodaß auf Berlin allein rund 1000 Nottrauungen entfallen Auch in, den Vororten walteten die Standesämter ihres Amtes. Am zahlreichsten waren auch hier die illot- traungen in den (gemeinben mit großer Arbeiter und Jndustriebevölkerung und mit Gar,üsonem verhältnis­mäßig am wenigsten Kriegstrauungen wurden in den Villenvororten des Südwestens vollzoaen ben meisten Standesämtern mußten schon am Sonnabend die Geschäftsstunden bedeutend erweitert werden. Das Wilmersdorfer Standesamt vollzog z. B. am Sonnabend bis 10 Uhr abends Nottrauungen, und am letzten Sonntag waren um 9 Uhr vormittags bereits 50 Paare lieber zur Stelle. Am rührendsten gestalteten sich die Kriegstrauungen in den Krankenhäusern und i!itöch- nermnenheimen, wo die Bräute der zum Felddienst Einberusenen darniederlagen. Zumeist wirkten Aerzce ha ^^n^Ws-E'^A öer Nottrauungen bürste «lAnJ^lU^w611 Mobilmachungstagen natürlich noch «khMtch exhöhm.