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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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für den Kreis Hersfeld

Äreisölatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

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§ernsprech-5tnschlutz Nr. 8

Nr. 181.

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

An Deutschlands Frauen!

In schwerer Zeit, wo taufende und abertausende deutscher Frauen und Mädchen ihre Männer, ihre Söhne und Brüder hinausziehen lassen müssen, um den Feind vom Boden des deutschen Vaterlandes fern zu halten, um Ehre und Ansehen des deutschen Namens in der Welt zu wahren, wenden wir uns an alle deutschen Frauen und Mädchen mit der Bitte, uns helfend zur Seite zu stehen und ihr Scherslein auf dem Altare des Vaterlandes zu opfern. Wenn draußen Mannesmut und Vaterlandsliebe im Kampf für Kaiser unb Reich Leben und Gesundheit zum Opfer bringen, wenn nament­lich auch unsere wackeren Blaujacken im harten Kampfe stehen, dann wollen wir im Innern das heilige Feuer stiller segenbringender Liebe ansachen, um Hilfe bringen zu können, um die schweren Wunden zu heilen, die der Krieg in ungeahntem Maße schlagen wird. Tausende deutscher Frauen haben für diesen Zweck in Friedens- zeiten gespart für die Zeiten der Not, taufende aber haben abseits gestanden und unseren früheren Mahnruf unbeachtet verklingen lassen. Wenn wir uns heute des­halb noch einmal an die deutschen Frauen um Hülfe wenden, so wird dieser Ruf sicherlich nicht ungehört ver­hallen. Alle deutschen Frauen, Mütter und Schwestern bitten wir: Gebr Euer Scherslein für unser Lazarett! Helft uns Linderung zu bringen in den Stunden der Dlot I Und Ihr Deutschen Frauen, die Ihr in opfervoller Bereitschaft Euer ganzes Ich zur Pflege der Verwundeten und Kranken geben wollt, kommt und helft die Wunden heilen. Wer immer ein Scherslein bringen will, über- gebe es den in der Stadt eröffneten Sammelstellen des Flottenbundes. Wer immer selbst mit Hand an­legen und als Pflegerin in dieser schweren Zeit bent Vaterlande seine Dienste widmen will, melde sich bei dem unterzeichneten Ausschuß.

Der geschäftsführende Ausschuß des Flottenbundes Deutscher Frauen e. V. in Leipzig.

Bus der Heimat«

ist Hersfeld, 4. August. Der Vaterlä nd i sch e Frauen-Verein dankt für die in opferwilligster Weise zur Verfügung gestellten Gaben zur Labung durchfahrender Truppen. Die Transporte werden noch 810 Tage dauern. Wir haben am Bahnhof beiFrauKnieseeineSammelstelleeingerichtet, und bitten heute sowie in den nächsten Tagen- waren und Getränke da abzugeben. Wer vielleicht täglich etwas beisteuern möchte, wird gebeten das an der Sammelstelle anzumelden.

§ Hersfeld, 4. August. Der Vorstand des Vater­ländischen Frauen-Vereins spricht allen Frauen und jungen Mädchen, welche sich zur Hilfeleistung in dem zu errichtenden Reservelazarett erboten haben, den verbindlichsten Dank für ihre Bereit­willigkeit aus. Da in erster Linie geschulte Helferinnen zur Pflege benötigt werden, und ein besonderer Kursus zur Ausbildung von Pflegerinnen nicht mehr einge­richtet werden kann, so bittet der Vorstand des Vaterländischen Frauenvereins, von Meldungen ab- zusehen. Er hat alles Erforderliche zur Erfüllung der von ihm übernommenen Pflichten vorbereitet und wird sich, wenn höhere Anforderungen gestellt werden, im Vertrauen auf die vaterländische Ge­sinnung unserer Frauen und jungen Mädchen mit einem Aufruf an sie wenden.

):( Hersfeld, 4. August. Wir werden gebeten da­rauf aufmerksam zu machen, daß Milch vor wie nach mit den Militär-Lokalzügen befördert wird, gerade so wie zuvor mit den Personenzügen.

8 Hersfeld, 4. August. Während der Beförderung der Truppen aus ihren Standorten in das Auf- marschgebiet findet eine Ausgabe von Post - düngen an diese nicht statt. Es empfiehlt sich mcht, alsbald, nachdem die Truppen ihren in S-ndung-n an Personen schönhcl?»^?' ^.W't «Aug» st) In prangender im Garten*»^ ^- die Erde. Buntfarbig blüht es Blicke nipnhan6^ der Wiese, und wohin wir unsere Da leiÄ?!?«^MEUt uns die Pracht des Sommers, unserer ^einÄÄW tm Glanz der Sonne die größte unserer einheimisch gewordenen Blumen, die mächtige

Mittwoch, den 5 August

Sonnenblume, Hortensien und Levkojen vereinen sich mit Dahlien und Astern, so daß die Beete in allen Farben prangen. An den Fenstern blüht noch immer die dankbare Pelargonie und die herrliche Fuchsie und auf dem Balkon schlingen sich neben dem wilden Wein Winden und Kapuzinerkresse um die Einfassungen. Auf den Feldern draußen aber ertönt Sensenklang, der Landmann ist eifrig dabei, die reifen Saaten in seine Scheuern zu führen. Deshalb wünscht er sich den August auch trocken und sonnig, was in den alten Bauernregeln mehrfach zum Ausdruck kommt. So heißt es:

Der August muß Hitze haben,

Sonst wird der Früchte Zahl und Güte begraben.

Dagegen

Im August viel Regen Ist dem Wein kein Segen.

Die Menschen, die es sich leisten können, fühlen sich wohl in ihrer Sommerfrische. Der See ladet zum Bade. Wem die Hochgebirge mit ihrer wilden Schön­heit Zufluchtsort geworden sind, der vergißt in der großartigen Natur mit ihrer erhabenen Schönheit alle kleinlichen Sorgen und Mühen, und wer ein stilles, weltfernes Dörfchen zum Ferienaufenthalt ge­wählt hat, dessen friedliche Ruhe wird durch nichts gestört. Wer sich aber eine Sommerfrische nicht leisten konnte, dem bieten kürzere Ausflüge und Landpartien einen Ersatz. So bringt der August nicht nur Ver­gnügen, sondern auch eine Kräftigung unserer Nerven und neue Arbeitskraft. Ganz ohne Fehler ist auch dieser Monat nicht,' denn Gewitter und Regengüsse sind nichts Seltenes. Daß er das Ende der Ferien bringt, ist manchen kleinen Faulpelzen auch nicht recht, aber die verständigen Kinder denten, daß die Arbeit nach den Wochen der Ruhe und Erholung doppelt gut schmeckt, und der Vater geht mit ähnlichen Gefühlen wieder an sein Tagewerk.

):( Hersfeld, 4. August. Infolge der Mobilmachung muß auch aus unserer Druckerei der größte Teil des Personals zu den Fahnen eilen, um dem Rufe des Vaterlandes Folge zu leisten. Es ist daher möglich, daß in der Herstellung der Zeitung manchmal eine Störung eintreten wird, da wir das fehlende Personal noch nicht ergänzen konnten. In diesen Fällen bitten wir unsere verehrten Leser um gest. Nachsicht.

Gersfeld, 3. August. Das Unwetter, das in der letzten Woche das Amt Geisa heimsuchte, hat nach amtlichen Feststellungen einen Schaden von annähernd 200 000 Mark verursacht. Hiervon entfällt auf die kleine Gemeinde Motzlar ein Betrag von etwa 70 000 Mark. Um ähnlichen Katastrophen in Zukunft vorzu- beugen, stellte eine in Geisa stattgefundene behördliche Konferenz die Anlage einer Talsperre für den Kohl­bach in sichere Aussicht.

Naumburg, 1. August. Der Redakteur Blechschmidt vom Zeitzer Volksboten war wegen Beleidigung der Zeitzer Stadtverordneten vom Schöffengericht zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Die hiesige Straf­kammer wandelte heute diese Strafe in 3 Monate Gefängnis um.

Neukirchen (KreisHünfeld), 1. August. Auf seinem Schloß Hohenwerda starb heute im Alter von 34 Jahren Herr Freiherr von Kleydorff. Ein Darmleiden, von dem er in Würzburg vergebens Heilung suchte, machte seinem Leben ein frühzeitiges Ende. Der Verstorbene erfreute sich in der ganzen Umgegend wegen seines liebenswürdigen Wesens großen Ansehens und all­gemeiner Beliebtheit.______________________________ WniiiÄ OW» Smllelt

Der Landwirtschaftsminister hat durch einen be­sonderen Erlaß die provinziellen Aufsichtsbehörden für die Hypothekenbanken ersucht, diese dazu anzuregen, daß sie die Verbreitung der Tilgungshypothek beim städtischen Grundbesitz nach Kräften fördern. Von den Ausführungen des Erlaffes sind namentlich folgende bemerkenswert: , t

Die Schwierigkeiten, in die der städtische Hausbesitz während der beiden letzten Jahre infolge der allge­meinen Hypothekennot geraten war, haben wieder die Aufmerksamkeit auf die Bestrebungen zur Förderung der unkündbaren erststelligen Tilgungshypothek in den Städten gelenkt. Der Wert dieser Hypothekenform besteht in erster Linie darin, daß der Hausbesitzer auch bei einer länger dauernden Versteifung des Geld­marktes im ruhigen Besitze des Hypothekendarlehns bleibt, und daß er sich zweitstelligen Grundkredit innerhalb angemessener Grenzen leichter verschaffen kann, als es ihm namentlich zu geldknappen Zeiten im Anschluß an eine gewöhnliche Zinshypothek möglich sein wird. Denn die Unkündbarkeit der erststelligen Hypothek verhütet im allgemeinen, daß di. Ansprüche des Gläubigers der zweitstelligen Hypothek durch die Einleitung einer Zwangsversteigerung über das

1914.

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Manögrundstück aus Anlaß der Kündigung der Vor- hypothek gefährdet werden. Ferner kann diesem Gläubiger eine besondere Sicherstellung dadurch ge- boten werden, daß sich der Hausbesitzer ihm gegenüber gemäß § 1179 BGB. durch Eintragung einer Vormerkung im Grundbuche verpflichtet, den getilgten Teil der Vorhypothek löschen zu lassen, sobald er die Verfügung über ihn erlangt hat. Ein solches Verfahren hat ein allmähliches Nachrücken der zweiten Hypothek zur Folge und bewirkt eine fortgesetzte Verbesserung ihrer Sicherheit.

Gleichzeitig dient die Tilgungshypothek zur Durch­führung einer gewissen allmählichen Schuldabbürdung. Während beim ändlichen Grundbesitze die Bedeutung dieser Eigenschaft der Tilgungshypothek schon lange anerkannt ist, s nd die städtischen Hausbesitzer einer regelmäßigen Hypothekentilgung im allgemeinen noch abgeneigt. Die Abneigung hat ihre Ursache in dem Streben der Hausbesitzer nach einer Steigerung der Bodenrente, die eine möglichste Verringerung der Jahresleistungen für die Hypothekenschulden erfordert. Ferner wird sie unterstützt durch die Annahme, daß der Bodenwert bei städtischen Hausgrundstücken ständig wachse. Aus diesem Grunde hält man Rücklagen oder Abschreibungen nicht für notwendig, vielmehr rechnet man mit einem selbsttätigen Ausgleich des Sinkens des Hauswertes durch ein mindestens entsprechendes Steigen des Bodenwertes. Die Erscheinungen bei der jüngsten Stockung im städtischen Grundstücks- und Beleihungswesen haben die Ansicht von dem ewigen Steigen der Bodenrente von neuem widerlegt. Sie haben auch für den städtischen Hausbesitz die Not­wendigkeit erwiesen, auf^tne allmähliche Minderung der Hypothekenschulden Bedacht zu nehmen, damit ein angemessenes Verhältnis zwischen der Belastung des Hausgrundstücks und feinem Boden- und Banwert fortdauernd gewahrt wird.

Diese Erfahrungen und die Schwierigkeiten, die während der vergangenen Wirtschaftsstockung sogar bei der Beschaffung oder Erneuerung erststelliger Hypotheken hervorgetreten sind, haben in den Kreisen der städtischen Hausbesitzer die Erkenntnis gefördert, daß die Vorteile der Tilgungshypothek, namentlich bei ihrer Unkündbarkeit, die Erschwerungen weit auf­wiegen, die in der Uebergangszeit mit der Aufbringung der Tilgungsbeiträge verbunden sind. Deshalb erscheint der jetzige Zeitpunkt besonders geeignet, das Tilgungs­wesen im städtischen Grundkredtt durch allgemein wirkende Maßnahmen zu fördern.

Schwarzer Nachtschatten.

Die Zeit ist wieder da, in der die Beeren des schwarzen Nachtschattens zu reifen beginnen. Es seien daher alle Eltern und sonstige Personen, denen die Beaufsichtigung von Kindern obliegt, dringend darauf aufmerksam gemacht, bei Spaztergängen, Aus­flügen, beim Herumstreifen in Wald und Feld ein wachsames Auge zu haben, daß die Kinder nicht diese gefährlichen Giftbeeren pflücken und essen. Der schwarze Nachtschatten, der mit der nützlichen Kartoffel zu der Familie Solanum gehört, findet sich ziemlich überall, in Gärten sowohl wie an Waldrändern, an Wegen und Hecken und gedeiht auf fruchtbarem Lande wie auf Schutthaufen. Er erreicht zuweilen eine Höhe von 80 Zentimeter, verzweigt sich vielfach wie die ihm nahe verwandte Kartoffel, hat ein dunkelgrünes Laub, das wie der Stengel mit einwärts gekrümmten Haaren besetzt ist, und hat kurzgestielte Blätter, die keilig in den Stiel verschmälert und am Rande buchtig gezähnt sind.

Die Blüten erinnern, wenn sie auch kleiner sind, stark an die der Kartoffel, sind weiß, trichterig, mit fünf ausgebreiteten Zipfeln und haben fünf Staub­blätter, die sich mit ihren großen gelben Staubbeuteln zu einem Kegel um das Fruchtblatt ordnen. Die Pflanze fällt den Kindern durch ihre den Heidelbeeren ähnlichen blauschwarzen Beeren in die Augen und wird von ihnen leicht auch für eßbar gehalten. Es genügt aber schon der Genuß von 10 bis 15 solcher Beeren, um eine schwere Erkrankung, ja auch den Tod herbeizuführen. Man sollte daher den schwarzen Nachtschatten im Garten schonunglos vertilgen, vor allem jedoch die Kinder vor dem Genusse seiner schönen und verlockenden, aber heimtückischen Giftbeeren warnen und streng behüten.

Eingesandt.

Wie man hört, soll der Laib Brot um 10 Pfg. im Preise aufschlagen. Ist das wohl nötig? Jetzt wo wir vor und zum Teil schon in der Ernte sind? In dieser schweren Zeit, wo die Familienväter und Er­nährer für das deutsche Vaterland kämpfen, um den Sieg zu erringen, wo Frau unb Kinder und zahl­reiche Geschäfte wenig oder gar keinen Verdienst haben, da sollten auch die Bäcker mit etwas weniger Verdienst zufrieden fein. Das ist auch dem Vaterland ein Dienst geleistet!