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einen, die Angebote der anderen Seite sind, weiß außer den beteiligten Staatsmännern die Oeffentlichkeit nicht. In einem Telegramm des Wiener Korrespondenten der „Frkf. Ztg." ist angedeutet worden, um was es sich han- ocln könnte. Die Garantie Oesterreichs für den serbi­schen Territorialbestand sei Rußland nicht genügend, es verlange auch Garantien dafür, daß Oesterreich kein Protektorat über Serbien erstrebe. Es hat in dieser ent- scheidungsvollen Stunde wenig Wert, über den Wert dieser Ansprüche auf der einen wie auf der anderen Seite zu streiten. Nur so viel wird man auch jetzt wieder sagen müssen, daß Rußlands Machtstreben, sein für die schwachen Staaten so gefährlicher Drang sich auszudeh- uen und die Jntrigen der aus diesem Streben ent­sprungenen Politik die Quelle der Unruhe Europas sind. Der Chan.vinismus der französischen Revanchepolitiker wäre ausgestorben, hätte sich ihm nicht Rußland als Stütze geboten. England hat sich noch nicht entschieden, und es ist schwer zu glauben, daß diese Hüterin der Frei­heit dem Friedensstörer an die Seite treten sollte, der doch Englands Weltstellung im Grunde ebenso bedroht wie die Existenz der mitteleuropäischen Völker. Sollte seine Regierung verblendet genug sein, einen solchen Entschluß zu fassen, so wird Deutschland auch das nicht fürchten. Das Gebot der Stunde ist, seine Pflicht zu tun mit aller Kraft und Energie. Es gilt einen Kampf, wie ihn das deutsche Volk noch nicht zu bestehen hatte, einen Kampf um unsere Existenz und um die Möglich­keit. ruhig und in Frieden für die Entwickelung unserer nationalen Wohlfahrt und unserer nationalen Kultur zu arbeiten.

Scharfe Worte an Rußland.

Der „Berliner Lokal-Anzeiger" schreibt: Wir sind in der Lage, mitteilen zu können, daß der Zar von Rußland an Kaiser Wilhelm ein Telegramm gesandt hatte, welches die ausdrückliche Bitte enthielt, Kaiser Wil­helm möge eine Vermittlungsaktion unternehme«. Kai­ser Wilhelm hatte dem Wunsche auch entsprochen. Trotz­dem man schon damals unter dem Eindrücke stand, daß die Gesinnung Rußlands durchaus nicht friedlich war. Dank der Bemühungen Greys hat diese Vermittlungs­aktion noch in der letzten Nacht eine neue Formel ge­funden, die trotz der auffallend unruhigen Haltung Aus­sicht auf Erfolg hatte. Unter diesen Umständen muß die totale Mobilisierung von Heer und Flotte Rußlands als eine Herausforderung ernster Form angesehen werden. Gerüchte von dieser drohenden Haltung Rußlands waren bereits in den letzten Tagen zu Ohren Kaiser Wilhelms gelangt und es war ein besonderer Vertrauensbeweis in die Loyalität des Kaisers Nikolaus, daß Kaiser Wil­helm das ihm übertragene Vermittlungsamt nicht sofort niederlegte. Dies Vertrauen unseres Kaisers ist von russischer Seite in schmählicher Weise betrogen worden und die ganze Wucht der Verantwortung fällt auf das Verhalten der russischen Krone, welches jeder Loyalität ins Gesicht schlägt, selbst zurück. Kaiser Wilhelm hat bisher gezeigt, daß er ein Friedensfürst ist, nun soll Rußland auch erfahren, daß dieser Abkomme Friedrichs des Großen ein Kriegsfürst sein wird.

Die neutralen Staaten.

Die Königin der Niederlande hat Freitag mittag 1% Uhr durch Erlaß die allgemeine Mobilmachung be­fohlen. — Der Schweizer Bundesrat beschloß, die ganze Armee, den Auszug, die Landwehr und den Landsturm auf Pikett zu stellen, sowie den Landsturm in den Grenz­gebieten aufzubieten. Zugleich wird ein Ausfuhrverbot für Pferde, Automobile, Getreide und zahlreiche Artikel erlassen. (Der militärische Ausdruck „auf Pikett stellen" heißt soviel wie für sofortige Verwendung bereithalten.)

e-^ Aus Kopenhagen meldet der Draht: Die belgische Regierung beschloß, in dem Kriege zwischen Oesterreich und Serbien völlige Neutralität zu be­wahren.

s-r- Aus Brüssel wird gemeldet: Die belgische Regierung hat die Mobilisation augeordnet.

Die Stimmung in England.

o-* Im englischen Unterhause erklärte Asguith, der mit Beifall empfangen wurde, er werde mit Rücksicht auf die Dinge in Rußland und Deutschland bis Montag keine weiteren Fragen über die Lage beantworten.

Der Reichskanzler an die Berliner.

^ In der Nacht zum Sonnabend nach Mitternacht versammelte sich in Berlin eine große Menschenmenge vor dem Reichskanzlerpalais. Der Reichskanzler er­schien am Fenster und hielt folgende Ansprache:

, In ernster Stunde sind Sie, um Ihren vaterländi­schen Empfindnngen Ausdruck zu geben, vor das Haus Bismarcks gekommen, Bismarcks, -er uns mit Kaiser Wilhelm dem Großen nnd dem Feldmarschall Moltke das Deutsche Reich geschmiedet hat. Wir wollen in dem Reiche, das wir in 44 Friedensjahren ausgebaut haben, auch ferner in Frieden leben. Das ganze Wirken nn- seres Kaisers war der Erhaltung des Friedens gewidmet. Bis in die letzten Stunden hinein hat er für den Frieden Europas gewirkt nnd er wirkt noch für ihn. Sollte aber das Bemühen vergeblich sein und uns das Schwert in die Hand gezwungen werden, so werden wir ins Feld ziehen mit gutem Gewissen und dem Bewußtsein, daß nicht wir den Krieg gewollt haben. Wir werden danir den Kampf um die Existenz und die nationale Ehre un­ter Einsetzung des letzten Blutstropfens führen. Im Ernst der Stunde erinnere ich Sie an das Wort, das einst Prinz Friedrich Carl den Brandenburgern znrief: Laßt Enre Herze» schlagen zu Gott und Eure Fäuste auf die Feinde.

Vom Kaiserhofe.

o-* Der Kaiser machte Sonnabend vormittag eine Automobilfahrt nach Schloß Bellevue und unternahm später einen Ausritt durch den Tiergarten. — Im Dom fand heute vormittag eine große Gebetsstunde statt.

a^- Laut Berl. Lokalanz. hat die Kaiserliche Familie gestern abend im Schlosse das Heilige Abendmahl ge­nommen.

Begeisterung in Bayern.

»■* Aus München meldet der Draht: Freitag abend 11 Uhr brächte eine große Menschenmenge dem König begeisterte Ovationen dar. Der König hielt eine An­sprache und flehte den reichsten Segen anf die Waffen seiner Armee herab.

Das begeisterte Wien.

o-* Nach dem Bekanntwerden der allgemeinen Mo­bilmachung fanden am Freitag in Wien große begei­sterte Kundgebungen statt.

Oesterreichischer Soldatenmnt.

*** Zwei österreichische Grenzjäger haben am Frei- mg unter feindlichem Kugelregen die hoch ««geschwollene ^ua^dn^schwommen und eine serbische Telegrapheu-

Die Börsen. rm^^. ^^ Londoner Baumwollbörse schloß am Sonn-

Uhr. Bis Dienstag findet keine Sitzung iran. Die Kassabörse bleibt bis Montag geschlossen.

Ar-AÄ Berlin wird gemeldet: Die Reichsbank hat den Diskont vos 5 auf 6 Kurz. und den LombardzinS­

fuß von ß auf 7 Proz. erhöht — Die Bank von England hat den Diskont von 8 auf 10 Proz. erhöht.

Weitere Telegramme.

w= Der studentische Ausschuß der Universität Bres- lau hat ein Ergebenheitstelegramm an den Kaiser ge­richtet, in dem es heißt, daß die Breslauer Studenten von demselben Geiste beseelt sind wie ihre Kommilito- neu aus der Zeit der Befreiungskriege.

Die türkische Flotte bei Friedeusübungen.

Den türkischen Blättern zufolge wird die tür­kische Torpeöoflottille unter dem Kommando des Ad­mirals Lumgus-Pascha zu Hochseemanövern in den Archipel auslaufen.

Set Munitionsverbrauch im Kriege.

Die Kriege der Gegenwart stellen hinsichtlich des Verbrauchs an Gewehr- und Geschützmunition an alle Heeresverwaltungen die denkbar größten Anforderun­gen. Gegenüber früheren >r liegen ist eine nnzweifet- hafte Steigerung des Munitionsverbrauches zu kousta- tieren, die natürlich in den gewaltigen Fortschritten der modernen 'Waffen begründet liegt.

Seit dem russisch-japanischen Krieg hat mau, wie der Korrespondenz „Heer und Politik" aus militärischen Kreisen geschrieben wird, genauere Anhaltspuukte für den Munitionsverbrauch in einem modernen Krieg. Das russische Generalstabswerk über den mandschurischen Feldzug von 1904/05 enthält darüber authentische An­gaben, die im gegenwärtigen Augenblick erhöhtes In­teresse beanspruchen dürfen. Es erhellt daraus, daß die russische Infanterie in der Schlacht bet Liauyang 170, in der Schlacht bei Schaho 195 und bei Mukden 196 Patro­nen auf den Kopf benötigte. Dabei ist aber zu berück­sichtigen, daß diese Zahlen nur den Durchschuittsver- brauch darstellen. Für besonders exponierte Regimenter, die durch ihr Feuer die Verteidigung am stärksten durch- zuführen hatten, stellte er sich wesentlich höher. Es ist für solche Truppenteile sogar ein täglicher Patronenver- branch von 400 Patronen pro Gewehr zu verzeichnen gewesen. Die entsprechenden japanischen Ziffern sind leider nicht bekannt, sodaß man, um vergleichsweise Fest­stellungen zu ermöglichen, auf die Verhältnisse im deutsch-französischen Krieg zurückzugreifen genötigt ist.

Für den Feldzug 1870 hat man einen Durchschnitts- verbranch von 56 Patronen für jedes Gewehr ausgerech­net, während der Höchstverbrauch au einem Schlachttage mit 200 Patronen erreicht wurde. Man ersieht also, daß der Munitionsverbrauch der Infanterie in einem Kriege der Gegenwart sich um das Doppelte und Dreifache ge­steigert hat. Ja, die letzten Balkankriege lassen sogar noch den Schluß zu, daß inzwischen noch ein weiteres Zunehmen des Munitionsverbrauchs eingetreten ist. Die Fachschriftsteller haben auf Grund der Erfahrungen in diesen Kriegen den Durchschnittsverbrauch auf 250 Pa­tronen für jeden einzelnen Infanteristen errechnet, eine Ziffer, der die Muitivnsausrüstung der deutschen In­fanterie in mehr als ausreichendem Matze entspricht.

Aehnlich liegen die Verhältnisse bei der Feldartil­lerie, auch hier ein außerordentlich beträchtlicher Mnni- tionsaufwand, der die früheren Verhältnisse wett hinter sich läßt. Während noch bei St. Privat 53 und bei Se- dan 37 Schuß als durchschnittlicher Munitionsverbrauch der Feldartillerie und nur ganz selten einzelne Geschütze die Höchstgrenze mit 200 Schuß erreichten, gilt heute diese Zahl allgemein als Durchschnittsverbrauch. Der Munitionsverbrauch der Artillerie hat seit den Tagen des russisch-japanischen Krieges große Fortschritte ge­macht, denn noch in der Schlacht am Schaho kam man auf 130 Schutz, bei Liauyang auf 240 Schutz. Nur für yte leichten Feldhaubitzen ermäßigt sich wegen des grö­ßeren Kalibers die Schußzahl entsprechend.

Wissenschaft Kunst und hiteratur« 4129 Universitätsstndentinnen in Deutschland. Die Zahl der an den 21 Universitäten des Reiches einge­schriebenen Frauen ist diesen Sommer von 3436 im Vor­jahr auf 4129 gestiegen. Die Jahressteigerung von 693 ist höher als die der letzten Jahre und übersteigt auch die Zunahme der männlichen Studierenden, die sich nur auf 300 beläuft. Die Einzelziffern sind: Philosophie, Philologie oder Geschichte 2124 gegen 1791 im Vorjahr, Mathematik und Naturwissenschaften 761 gegen 659, Me­dizin 974 gegen 790, Zahnheilkunde 51 gegen 26, Ka- meralia und Landwirtschaft 132 gegen 100, Rechts­wissenschaft 57 gegen 49, evangelische Theologie 16 gegen 12 und Pharmazie 14 gegen 9. An den preußischen Hoch- fchulen studieren diesen Sommer 2505 Frauen — 60.6 Prozent ihrer Gesamtzahl, während von den Männern nur etwa 50 Prozent in Preußen eingeschrieben sind. In Berlin studieren 842 Frauen oder ein Fünftel der Gesamtzahl, in München 470, Bonn 398, Freiburg 316, Heidelberg 266, Göttingen 220, Münster 226, Marburg 217, Leipzig 200, Breslau 193, Königsberg 129, Jena 111, Halle 101, Kiel 100, Greifswald 79, Tübingen 78, Straßburg 59, Erlangen 33, Gießen 32, Würzbnrg 40, Rostock 19. Außerordentliche Hörerinnen sind es diesen Sommer 985, insgesamt demnach 5114 Frauen, die Unt- versitätsvorlesungen besuchen.

Volkswirtschaftliches»

Die Verwendung ausländischer Arbeiter. Im Reichstag ist mehrfach, wie der „Jnf." geschrieben wird, so z. B. bei den letzten Debatten über die Arbeitslosen- frage, die starke Verwendung ausländischer Arbeiter gerügt worden. Die darüber seitens des statistischen Landesamtes angestellten Ermittelungen haben folgende Ergebnisse geliefert: Die größte Anzahl Eingewander­ter, bezw. herbeigeholter ausländischer Arbeiter stellt Oesterreich-Ungarn mit der Zahl 357 550 nach dem Stand vom Jahre 1911. Es folgt an zweiter Stelle Rußland mit 204 532, an dritter Stelle die Niederlande mit 115 735, an letzter Stelle Belgien mit 7 732 Köpfen. Insgesamt ergibt die Zahl der ausländischen Arbeiter nach den letzten Erhebungen, die immerhin beträchtliche Höhe von 820 831. Dies bedeutet eine Steigerung der zunehmenden Beschäftigung ausländischer Arbeiter in Deutschland seit den letzten sechs Jahren um rund 400 000 Köpfe. Diese statistischen Erhebungen haben auf den Landratsämtern zur Anlegung von Listen geführt, die seit einigen Jahren dem statistischen Landesamt zur weiteren Verwendung übersandt werden. Gleichzeitig nimmt auch die deutsche Arbeiterzentrale, die auslän­dische Ausweiskarten ausstellt, regelmäßige statistische Untersuchungen über die Zahl der ausländischen Ar­beiter vor.

Vermischtes.

Das dreifache Touristenunglück im Wilden Kaiser, bei dem, wie berichtet, die Münchener Touristen Martin Sixt, Luise Holzinger und Rosa Leinfelder durch Er­frieren den Tod gefunden haben, stellt sich als eine wahr­haft erschütternde Tragödie dar. Mittwoch früh ^8 Uhr stieß die Bergungs-Expeditcon in der Steinernen Rinne aus die drei Leichen. Six wies starke Verletzungen und Hautabschürfungen auf und lag durch das Seil M Suffe

Holzinger verbunden, etwa 15 Meter von dieser enb fernt, mit dem Gesicht auf dem Boden. Slach Ausfag« der Führer darf man bestimmt annehmen, daß Luise Holzinger als letzte von den Dreien starb und versuchte, das Seil, das sie an Sixt kettete, zu lösen. Als ihr dies infolge ihrer erfrorenen Hände nicht gelang, schleppte die von Todesangst Gequälte den toten Körper hinter sich her, was deutlich aus. den vorhandenen Schneespuren hervorging. Als sie ihre Kräfte verließen, sank sie in den Schnee und erwartete angesichts der Leiche Stxts den Tod. Wäre sie von der Leiche Sixts bezw. vom Seil losgekommen, so Hütte sie nach Ansicht der Führer jedenfalls die nahe ©riefeltet Alm oder das Stripsen- tochhaus erreicht, um so mehr, als die Bergführer am Abend des Unglückstages bis in die späte Nacht hinein in der Steinernen Rinne suchten und Signale gaben. Die Leiche der Rosa Leinfelder lag etwa 300 Meter ober­halb der beiden anderen, beim Ausstieg aus dem Predigt- stuhl. Sie trug das Seil um den Leib und scheint als erste den Tod gesunden zu haben. Die Bergung der drei Toten gestaltete sich sehr mühevoll. Sie mußten, in Säcke verschnürt, abwechselnd von den Führern auf das Stripsenjoch Htuaufgetragen werden. Von dort brächte man sie mit Schlitten nach Hinterbärenbad, wo ein Mulisuhrwerk zum Transport nach Kufstein bereit» stand.

Das Brot des Soldaten im Kriege. Jedes Heer führt im Kriege sogenannte Kriegsbeute mit sich, die einen Be­standteil der eisernen Dtattvn bilden, dazu bestimmt, im Notfälle auf dem Marsche genossen zu werden. In der „Revue de la Soctete -'Hygiene" findet sich eine inte­ressante Zusammenstellung über „Inhalt", Aussehen uud Verpackung der Kriegsbrote bei den einzelnen Staaten. Der deutsche Soldat bekommt als Kriegsbrot einen Zwieback, dem 100 Gramm Mehlteig und 1() Gramm ge­lochter Reis und Salz beigemifcht sind. In den Mehlteig werden außerdem, um den Wohlgeschmack und den Nähr­wert zu erhöhen, Zucker und Eier gerührt, und zumr kommen 500 Eier auf 100 Kilogramm Mehl. Kartoffel­mehl endlich soll das Altbackenwerden verzögern, und Kümmel gibt dem Ganzen die nötige Würze. Die öster­reichisch-ungarischen Soldaten tragen ihre eiserne Ra­tion an Brot in Baumwollsäckchen verpackt. Es ist würfel- förmig und besteht aus Getreidemehl, Kartoffelmehl, Eiern, Vollmilch, Salz, Zimmt, Gewürznelken und Hefe. In Frankreich bekommt der Soldat als eiserne Ration zehli Brote, von denen jedes 70 Millimeter lang, 65 breit und 25 Millimeter dick ist. Jedenfalls sind sie weniger schmackhaft und nahrhaft als die österreichischen Brote, denn das Brot ist nur aus Mehl, Hefe und Wasser her­gestellt. Das Kriegsbrot der Italiener und Rumänen ist dem französischen sehr ähnlich. Nur ist es etwas dunkler und weist eine gleichmäßig glatte Rinde auf. Der Schweizer Soldat führt sein Kriegsbrot in Papp- schächtelchen mit sich. In jedem dieser kleinen Pakete be­finden sich fünf Stück, die zusammen nur 250 Gramm wiegen. Das Helle Kriegsbrot der Engländer ist in ver­löteten Weißblechbttchsen gut aufgehoben. Die Belgier geben ihren Soldaten ein Krieqsbrvt. das aus Mehl, Zucker und Eiern hergestellt ist und vierzig Durch­löcherungen zeigt. Durchlöchert ist auch das türkische Kriegsbrot, das zu runden Scheiberc von 150 Millimeter Durchmesser geformt ist und eine sehr dicke, braune Rinde besitzt.

Eine aufregende Szene spielte sich nachts in Neu- kölln ab. Dort versuchte sich in einem Schanklokal ein junger Mann vor den Augen der übrigen Gäste zu er­schießen, verletzte sich auch so schwer, daß er in sehr be­denklichem Zustande nach dem Krankenhaus in Buckow gebracht werden mußte. Der Gast betrat aeaen 1 Uhr die Wirtschaft. ES fiel den anderen Besuchern gleich auf, daß der junge Mann sehr aufgeregt war. Nach­dem er eine Weile vor dem vollen Glas Bier gesessen

»leerte er es plötzlich mit einem Zug, sprang zu- auf, riß einen Revolver aus der Tasche und drückte ihn gegen die rechte Kopfseite gerichtet ab. Die Kugel traf ihn in die Schläfe und bewirkte, daß er sofort zu- sammenbrach und die Besinnung verlor. Im Kranken­haus stellte man fest, daß es sich um einen 25 Jahre alten Kaufmann Viktor Zboron aus Magdeburg- Sermesleben handelt. Der Lebensmüde hat auf einem ettel an seine Eltern Abschied von diesen genommen und darauf mitgeteilt, daß größte Not ihn zu dem ver- hangnlsvollen Schritt getrieben habe.

Der älteste Zahlmeister. Seinen 90. Geburtstag beging jüngst der in allen Kreisen der Bürgerschaft sehr geschätzte Rechnungsrat Joseph Schörnich, der die drei Feldzüge mrtgemacht hat und dann lange Oberzahl- melster des KUrassier-Negiments voll Briefen Nr. 4 in Münster war. Er ist der älteste Zahlmeister der gesam­ten preußischen Armee.

Das größte Dorf Deutschlands. 87 000 Einwohner j^tz- das Dorf Sleglitz vor den Torerc Berlins. Es ist bei weitem die größte Dorfgenieinde des Reiches und zeigt bereits einen rein städtischen Charakter. Trotz- dem ist es diesem Riesendorfe noch nicht gelungen, die Stadtrechte zu erlangen, da man durch das Ausschcii>en von Steglitz den Landkreis Teltow, zu bem Sleglitz ge- hört, zu schädigen fürchtete. Die Sache ist aber für Steg- litz jetzt aussichtsreicher geworden, da die Regierung sich bereits grundsätzlich mit der Erhebung des Dorfes Steglitz zur Stadt einverstanden erklärt bat, falls Steg- litz sich in gütlicher Weise mit dem Kreise Teltow einigt.

Der diplomatische Vater. In der „Müncherr-AuaS- burger Abendzeitung" erzählt ein Leser folgende» Hüchche Geschichtchen: In dem Dorfe Sinnig a. D. war unlängst Taufe. Der „Gevattermaun" will uns im Vor- übergehen voller Stolz den „Jüiwsteu" zeigerr. Das verhüllende Tanfluch geht in die Höhe. Em Kindskopf wird sichtbar, und um ihn herum stehen tu großen Lei­tern die Worte: „Der LandeSvaler dem ltmger' Bür- ger. ... Der Herr Papa halte das Tuch von der

Mordanschlag aus Jautes.

Jaures seinen schweren Verletzungen erlegen.

Aus Paris meldet der Draht: «r»^^)--^bitag abend gab ein unbekannter Mann in estrem Cafee mehrere Revolverschüsse auf den ftuuAöfi» ftben ^vz-alisteuführer Jaures ab, der schwer verletzt ^leaen 3™*^ ^lt bereits seinen schweren Vertr-nutzM!

Ein späteres Telegramm besagt: Jaures mit einigen Freunden im Cafee in der Nähe einer RUche aetolaüen und von einem Vorhang »b- ßC,CylUllCtt WUT* ^^^1^^ Ctf(f|iCit hinter eine Hand und feuerte. Der von den Kugeln in^ Täwr 6mirtri^ i^nk sofort zusammen. De» würbe uertwftet* weigerte sjm. feine ^Ber S«^^^ fand b?i ihm^zwet RevolvL Kr^müi^ baß er ein ehemaliger Tu-

nner Schüler ist. Die Behörden und auch Acr-cte trafen sofort nach dem Attentat an dem Tatort ein die Aerzte konnten aber nur den Tod Jaures konstatiere» Die ÄÄ eine Persom die in derV/ber ®£ ^^ßfeüen hatte. Auf den Straßen herrschte ungeheW»