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Der Süegszustand.

Die Voraussetzungen des Kriegszustandes sind in dem Artikel 68 der Reichsverfassung festgelegt. Dieser hat folgenden Wortlaut:

Der Kaiser kann, wenn die öffentliche Sicherheit im Bundesgebiete bedroht ist, einen jeden Teil des- fclb in Kriegszu stand erklären. Bis zmn Erlaß eines die Voraussetzungen, die Form der Verkündi­gung und die Wirkungen einer solchen Erklärung regelnden Reichsgesetzes gelten dafür, die Vorschrif­ten des preußischen Gesetzes vorn 4. Juni 1851 *

Das Recht zur Erklärung des Kriegszustandes steht dem Kaiser zu. Die Wirkungen der Verhängung des

iser zu. Die Wirkungen der Verhängung Kriegszustandes sind nach Laband die folgenden: Mit der Bekanntmachung der Erklärung des Kriegszustandes acht die vollziehende Gewalt an die Militärbefehlshaber über. Die Zivilverwaltungs- und Gemeindebehörden haben den Anordnungen und Aufträgen der Militär- befehlsbaber Folge zu leisten. Dadurch werden alle Zivilbeohrden des Staates und alle Gemeindebehörden zu liruerbehörden und Vollzugsorganen der Militär­kon,Mandanten gemacht: die Anordnungen der letzteren sind auszuführen ohne Rücksicht und ohne Prüfung, ob dieselben nach den Gesetzen zulässig sind: die unbedingte Gehorsamspflicht der Zivilbehörden entbindet dieselben andererseits von jeder Verantwortlichkeit für die Gesetz­mäßigkeit der Maßregeln. Die Militärbefehlshaber tra­gen dieselbe für alle von ihnen ausgehenden Anordnun­gen persönlich.

Die Militärpersonen stehen während des Belagerungszustandes unter den Gesetzen, welche für den Kriegszustand erteilt sind: und der Befehlshaber der Besatzung hat über sämtliche dazu gehörenden Militär- personen die höhere Gerichtsbarkeit. Gewisse strafbare Handlungen sind mit härterer Strafe bedroht, wenn sie in einem in Kriegszustand erklärten Orte oder Distrikte verübt werden. Es kann ferner zur Anordnung von Kriegsgerichten geschritten werden: die darüber getrof- senen Bestimmungen müssen aber ausdrücklich in ine Be­kanntmachung über die Erklärung des Kriegszustandes ausgenommen oder in einer besonderen, unter der näm­lichen Form bekannt zu machenden Verordnung ver­kündet werden. Auf Bayern finden diese Bestimmungen keine Anwendung. Durch besonderes Reichsgesetz vom 30. Mai 1892 sind besondere Bestimmungen über die Vorbereitung des Kriegszustandes in Elsaß-Lothringen

ergangen.

Ueber die Form der Verkündigung des Kriegszu­standes bestimmt der § 3 des geltenden preußischen Ge­setzes von 1851:

Die Erklärung des Kriegszustandes ist bei Trommelschlag und Trompetenschall zu verkünden und autzeroem durch Mitteilung an die Gemeinde­behörden, durch Anschlag auf öffentlichen Plätzen und ohne Verzug zur allgemeinen Kenntnis zu bringen. Die Aufhebung des Kriegszustandes wird durch Anzeige an die Gemeindebehörden und durch die öffentlichen Blätter zur allgemeinen Kennt­nis gebracht."

Zu den Wirkungen ist noch zu bemerken, daß die Erklärung des Kriegszustandes die Einführung einer vorübergehenden Militärdiktatur bedeutet. Damit sind zugleich die Bestimmung des Artikels 36 der preußischen Verfassung und die entsprechenden Bestimmungen an­derer Landesverfassungen außer Kraft gesetzt, wonach die bewaffnete Macht zur Unterdrückung innerer Un­ruhen und zur Ausführung der Gesetze nur in den vom Gesetz bestimmten Fällen und Formeln und auf Regut- sitton der Zivilbehörden verwendet werden darf.

Einzug des Kaisers in Berlin.

Noch in den ersten Mittagstunden am Freitag zeigte die Via triumphalis in Berlin, die so viele preußische und deutsche Glanztage gesehen hat, ihr gewöhnliches Antlitz. Nicht viel mehr Verkehr herrschte als an ge­wöhnlichen Tagen. Allmählich wurde es lebhafter. Die Extrablätter tauchten auf, sie wurden den Austrägern aus den Händen gerissen. Wie aus der Erde gezau­bert, schwoll nun die Menge plötzlich an. Von überall­her laufen Menschen herbei, und es bilden sich Gruppen, die bald anwachsen. Alles ist plötzlich aus dem Gleich­gewicht, die immerhin ruhige Stimmung von vorher ist verflogen, man zweifelt nicht mehr an dem vollen Ernst der Situation, steht schon mitten drin in den Din­gen. Aber niemand ist bestürzt, niemand verliert die Haltung, man sieht dem Kommenden mit Würde und Stolz entgegen. Nun tauchen Schutzmannshelme auf. Ein Hofauto wird mit Hurrarufen begrüßt, ebenso Of­fiziere des Generalstabes, die vorbeifahren. Die Menge ist froh bewegt. Alles erwartet mit Spannung die An­kunft des Kaisers.

Gegen M3 Uhr ging eine ungeheure Bewegung durch die Massen, die in musterhafter Ordnung den süd­

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Ein Meisterwerk.

Roman von Paul Beye.

(Nachdruck verboten.)

Der, an den diese Worte gerichtet waren, nickte.Du brauchst mir das alles nicht nochmals zu wiederholen," sprach er leise.Habs oft genug von Dir heute gehört und wenns auch nicht gewesen wäre ich kenne Dich ohnedies. Daß Du kein Gewissen hast, weiß ich längst."

Pah!" machte Lupi.Spare Dir die großen Worte. Ich kenne Dich auch. Erst alles nehmen nehmen genießen, aber wenns dazu kommt, seine Schulden ab- zutragen, dann mag man sich die weißen Hände nicht schmutzig machen. Undankbarkeit, sag' ich nichts als Undankbarkeit."

nicht meine Schulden abgetragen?" fragte bEr.Habe ichs nicht getan? Und wenn ich

^ ^^^' Agnello auch von allem, was m SJ meinem Leben verdiene, den Zehnten gebe, Alm^K ima»^^ne Hände doch nicht wieder weiß. Also was willst Du eigentlich?"

sein Sei '^iFr'J^^ Alte.Das Bewutzt-

S.J, SLA abends mein Haupt zum Schla- Sanf 9^ «>as die gute Madonna von Seit /v cn° anbetrifft, so wird sie schon ein Einsehen

^Jch wünschte, ich hätte solch ein robustes Gewissen wie Du," murmelte Gargiulo.

_ ^hnte Lupi.Denn sonst mpm^ S ?^ besagt habe, Anselmo. Dabei bleibts. Ich dulde keine Undankbarkeit ich" der Rest des Satzes blieb ungesprochen, denn eben trat Con- cetta mit der Flasche Wein ein.

Ihr Vater nahm sie, nickte ihr zu und humpelte auf feinen niedergetretenen Pantoffeln, ohne den Schwieger­sohn noch eines Blickes zu würdigen, davon.

lichen Bürgersteig und die Mittelpromenade der Linden besetzt hielten. Es war wie ein verhaltener Atemzug, dann setzte ein überwältigendes Hurra ein, daß sich wie eine ungeheure Meereswoge fortpflanzte. Man stürzte auf den Fahrdamm, und aus tausend und abertausend Kehlen brausten die Hochrufe.

Kein Hupensignal hatte des Kassers Ankunft ange- kündigt. Der Kaiser fuhr mit äp MMerin zusammen im ersten Auto in der Uniform Mcrde du Corps. Der Herrscher war ersichtlich von Mem Ernst erfüllt. Er nahm die Hand nicht von öM goldschimmernden Helm, und die Kaiserin verneigte sich unausgesetzt, wäh­rend sie durch das Menschenspalier fuhren. Auch den Söhnen des Kaisers, die freudig ergriffen schienen, wurden herzliche Ovationen dargebracht. Es war ein herrlicher und ergreifender Anblick das deutsche Kai­serpaar mit seinen wehrhaften Söhnen, umbraust von dem Jubel seines treuen und vertrauenden Volkes.

In einem dem kaiserlichen Auto folgenden zweiten Kraftwagen fuhr der Kronprinz in Berlin ein. An der Seite die Kronprinzessin, das älteste Söhnchen zwischen sich und seiner Gattin, wurde auch der Thronfolger mit ungeheurer Begeisterung von der Volksmenge begriißt. Mit freundlichem Lächeln auf dem gebräunten ®cfimi dankte der Kaisersohn, grüßte und winkte dauernd, so daß die Kundgebungen der Menge immer mehr an- schwollen. Prinz Adalbert folgte in einem dritten Hof­automobil seinem Vater nach der Reichshauptstadt. Man gewann allgemein den Eindruck, daß die Ankunft des Kaisers in Berlin den Empfindungen der Bevölkerung entsprach, und so war der Ausbruch der begeisterten Be­grüßung überall stürmisch und herzlich.

Der Kaiser spricht zum Volk.

Vor dem Königlichen Schloß in Berlin hatten sich nach der Rückkehr des Kaisers Tausende von Menschen eingefunden und brachten stürmische Hurrarufe aus. Wenige Minuten vor 6 Uhr erschien der Kaiser mit den Königlichen Prinzen auf dem Balkon des Schlosses und hielt folgende Ansprache an die Menge:

Eine schwere Stunde ist heute über Deutschland her­eingebrochen. Neider überall zwingen nns znr gerechten Verteidigung. Man drückt uns das Schwert in die Hand. Ich hoffe, daß wir, wenn es nicht in letzter Stnnde meinen Bemühungen noch gelingt, die Gegner zum Einsehen zu bringen und den Frieden zu erhalte», das Schwert mit Gottes Hilfe so führe« werden, daß wir es mit Ehren wieder in die Scheide stecken können. Enorme Opfer an Gut und Blut würde der Krieg von uns fordern, die Gegner aber würden erkennen, was es heißt, Deutschland zu reizen. Und nun empfehle ich Euch Gott. Geht in die Kirche, kniet nieder vor Gott und bittet ihn um Hilfe für unser braves Heer.

Hoch- und Hurrarufe und patriotische Lieder ant­worteten dem Kaiser. Als kurz darauf die Majestäten in offenem Automobil das Schloß verließen, wurden ihnen wiederum brausende Ovationen öargebracht.

Die Vermählung des Prinzen Oskar.

Gestern abend um 7 Uhr wurde im königlichen Schloß Bellevue mit Genehmigung des Kaiserpaares die Vermählung des Prinzen Oskar von Preußen mit der Gräfin Ina Marie von B a s s e w i tz standesamtlich durch den Minister des königlichen Hau­ses Grafen A. v. Eulenburg vollzogen und darauf die kirchliche Einsegnung durch den Generalsuperintendenten Händler vorgenommen. Der Feier wohnten die könig­liche Familie und die nächsten Angehörigen der Braut bei, die nunmehr den vom Kaiser verliehenen Titel einer Gräfin von Ruppin führen wird.

Politische Rundschau.

Feldmarschall v. d. Goltz wieder aktiv. Wie die Voss. Ztg." erfährt, hat sich auch Generalfeldmarschall von der Goltz zum Wiedereintritt in das Heer gemeldet. Es laufen schon seit länger als einer Woche im preußi­schen Kriegsministerium täglich Meldungen von deut­schen Freiwilligen ein.

Bevorstehende Einberufung des Reichstages. Für den Fall des Kriegsausbruches ist, wie demHannov. Cour." aus Berlin gemeldet wird, die Berufung des Reichstages auf Dienstag, den 4. August 1914, in Aus­sicht genommen. Die Eröffnung wird im Weißen Saal des Königlichen Schlosses zu Berlin um 1 Uhr nachmit­tags erfolgen. Die kaiserliche Verordnung wegen der Berufung steht noch aus.

Die Wertzuwachssteuer in Bayern. Die bayrische Kammer der Abgeordneten hat mit großer Mehrheit den von der Regierung zur Ausgleichung des Budgets eingebrachten Gesetzentwurf betreffend den Zuschlag zum Reichswertzuwachssteuergesetz abgelehnt.

Die Aufstandsbewegnng im südlichen und westlichen Mazedonien (Neuserbien) scheint immer stärker um sich zu greifen. Aus Jpek, Plawa, Djakowo werden blutige

Was hat der Vater zu Dir gesprochen, Anselmo?" fragte Concetta, nachdem sie sich wieder zu Bett gelegt hatte.

Gargiulo machte eine abwehrende Bewegung und schwieg. Aber dann nach einer Weile brach das, was in ihm gärte, doch übermächtig hervor.Gedroht hat er mir er er hat mir gedroht!" stöhnte er.Er mir heilige Mutter Gottes er mir! Steht denn die Welt auf dem Kopf oder bin ich verrückt, daß ich nicht mehr weiß, was recht und unrecht ist?" Mit einem jammervollen Laut, der wie ein halb erstickter Aufschrei klang, verbarg er sein Haupt in den Händen.

Die junge Frau betrachtete ihn besorgt.Du mußt aber doch Vernunft annehmen, Anselmo" begann sie schüchternes ging doch nun einmal nicht anders, Du warst es dem Vater doch schuldig und"

Sag das nicht auch," schrie er auffahrend.Siehst Du nicht, daß Du mich verrückt damit machst? Was bin ich ihm denn schuldig? Wofür? Daß er ein paar tausend Lire für mich bezahlt hat, verpflichtet mich doch nicht, daß ich ihm meine Ehre, meine Seele verkaufe. Habe ich denn nicht für ihn gearbeitet? War meine Arbeit denn nicht auch etwas wert? Was?"

Nun ja," meinte Concetta beschwichtigend,gewiß, aber"

Doch unterbrach er sie heftig:Sage zu mir, Du hättest es gefordert als einen Beweis meiner Liebe für Dich, sage, daß man aus Liebe auch seiner Seele Seelig- keit verkaufen soll sage das, aber sage nicht, ich wärs dem Vater schuldig gewesen. Wenn man so etwas tut, will man doch wissen, wofür, man wills getan haben für etwas, das einem so groß und heilig ist, aber nicht für das, worin man sich nur zähneknirschend gefügt hat."

Wie Du nur so sprechen kannst, Anselmo," schmollte die runge Frau.Sind wir denn nicht glücklich ge­wesen?

Zusammenstöße zwischen den serbischen Soldaten uni den erbitterten mazedonischen Reservisten gemeldet. I« Veles, wo die ganze männliche Bevölkerung unter die Fahnen gerufen wurde, brach eine förmliche Revolution aus, die mit Maschinengewehren nidergerungen werden mußte. 40 Menschen wurden teils getötet, teils schwer verwundet. Das Militär desertiert in Massen nach Bulgarien.

Kleine ilslcii richten.

Eine nationale Tat. Angesichts der politischen Er­eignisse erachtet es der Arbeitgeberverband Her Lausitzer Tuchindustrie für seine nationale Pflicht, die Aussper­rung sofort für beendet zu erklären. Die Verbandsbe­triebe werden am Montag, den 3. August, frül) wieder eröffnet.

Denkmalsweihe in Bayreuth. Anläßlich der am Freitag vorgenommenen Enthüllung des Wittelsbacher- Brunnens in Bayreuth, die in Anwesenheit des Prinzen Alfons erfolgte, erhielt Oberbürgermeister Dr. Casset- mann den Kronenorden, mit dessen Verleihung der Adel verbunden ist. Siegfried Wagner erhielt die goldene Medaille für Kunst.

Der Doppelselbstmord des Bankiers Bieber und sei­ner Gattin dürfte in Potsdam noch ein ernstes Nach­spiel haben. Von den Passiven entfallen auf Potsdam allein über 100 000 Mark. Au ihnen sind zahlreiche kleinere Geschäftsleute beteiligt, die dabei ihre gesamten Ersparnisse verlieren.

Ein Familiendrama hat sich Freitag nachmittag im Hause Osterthor Nr. 2 zu Hildesheim ereignet. In ihrer Wohnung wurde die Witwe Nagel mit ihren zwei Töchtern im Alter von 18 und 21 Jahren und ihrem I4jährigem Sohne tot aufgefunden. Alle vier hatten sich durch Gas vergiftet und, um die volle Wirkung zu er­zielen, noch Morphium iu Sekt genommen. Aus hinter­lassenen Briefen geht hervor, daß die Kinder beschlossen hatten, wegen eines unheilbaren Leidens der Mutter mit ihr gemeinsam in den Tod zu gehen.

Nach Erhalt der Einberufung erschossen hat sich in Berlin ein Ungar, der 29 Jahre alte Arbeiter Gabriel Cohn aus der Prenzlauer Allee. Er kam vor ungefähr einem Jahr nach Berlin, war verheiratet und Vater eines dreijährigen Kindes. Als er vom österreichisch­ungarischen Konsulat den Befehl erhielt, sich innerhalb 24 Stunden bei seinem Truppenteil zu melden, war er allein zu Hause. Die Nachricht traf ihn so schwer, daß er zum Revolver griff, und sich eine Kugel in die rechte Schläfe jagte. Als man ihn auffand, war er schon tot.

Die Toten der Zeche Adolf von Hansemann. In Mengede bei Dortmund fand Freitag vormittag uni nachmittag die Bestattung der bei dem Grubenunglück auf der Zeche Adolf von Hanfemann verunglückten drei­zehn Knappen statt.

Die Cholera in Rußland. Infolge der Ausbreitung der asiatischen Cholera im Gouvernement Podolien, wo die ungarische, rumänische und russische Grenze zu- fämmenstößt, hat die Statthalterei eine familiäre Re­vision der aus den verseuchten Gebieten ankommenden Reisenden und ihres Reisegepäcks verfügt.

W £066 M AM.

Deutsches Ultimatum an Rußland. Anfrage an Frank­reich.

o-^ Berlin, 1. August. DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Nachdem die auf Wunfch des Zaren selbst unternommene Vermittelungsarbeit von-^der rus- sischen Regierung durch die allgemeine Mobilmachung der russische« Armee und Marine gestört worden ist, hat die Regierung Sr. Majestät des Kaisers gestern in Petersburg wissen lassen, daß die deutsche Mobilmachung in Aussicht steht, falls Rußland nicht binnen zwölf Stunden die Kriegsvorbereitungen einstellt und hierüber bestimmte Erklärungen abgibt. Gleichzeitig ist an die französische Regierung eine Anfrage über ihre Haltung im Falle eines deutsch - russischen Krieges gerichtet worden.

Man wird hierorts ermessen, wie groß der Ernst der Stunde und wie gering die Wahrscheinlichkeit ist, daß noch in zwölfter Stunde eine Vermittlung zwischen Wien und Petersburg gelingt. Ganz unmöglich ist es ja nicht, daß selbst die volle Mobilisierung Rußlands ein Bluff wäre und daß es sich damit begnügen würde, von Oesterreich die territoriale Integrität Serbiens zuge­standen zu erhalten, wenn es den ganzen Ernst Deutsch­lands erkennt. Aber der Raum, der ihm zur Umkehr bleibt, ist außerordentlich schmal und die Wahrschein­lichkeit, daß es eine so ungeheuer schwerwiegende Maß­regel nur als Demonstration anwenden sollte, ist sehr gering. Der russischen Mobilmachung wird die deutsche auf dem Fuße folgen, und dann wird sich binnen kür­zester Zeit das Schicksal Europas entscheiden. Noch ver­handeln die Kabinette. Welches die Forderungen der

Nein!" rief er,und tausendmal nein! Du magst glücklich gewesen sein ich nicht. Für mich wars eine Hölle, die ich nur ertragen habe, weil ich nicht von Dir los konnte."

Aber wir Habens doch so schön und behaglich ge­habt," warf sie ein.

Doch er antwortete ihr nicht mehr. Was nützte es, ihr auseinandersetzen zu wollen, was er gelitten hatte in den drei Jahren seiner Ehe! Sie verstand ihn ja doch nicht.

Ach, daß er die Frau nie gesehen hätte, von der er nicht loskam, seit der Stunde, da er auf den Rat seiner Freunde in des Lupi Haus kam, um gegen Wucher­zinsen ein paar tausend Lire zur Bezahlung einer Ehren­schuld zu borgen! Statt des Vaters hatte er die Tochter getroffen und als er dann, nachdem er eine Stunde ver­geblich auf jenen gewartet, fortgegangen war, da hatte auch sie ihr Herz an ihn verloren gehabt, wie er das seine an sie. Der alte Lupi hatte ihm dann später selbst die Hand seiner Tochter angetragen, aber seine Einwilligung in die Heirat an die Bedingung geknüpft, daß er, An­selmo Gargiulo, in das Geschäft seines Schwiegervaters eintrat und mit seiner Frau bei ihm wohnte. In fciu^ blinden Leidenschaft für das Mädchen war er, wenn anal widerwillig, darauf eingegangen. Wenn er hätte wählen können, so würde er tausendmal lieber sich eine wenn auch noch so bescheidene Stellung gesucht haben, dre es ihm ermöglichte, seine Frau selbst zu ernähren urw seine Schulden allmählich abzutragen. Aber dann hatte er auf Concetta verzichten müssen, denn Lupi hätte ihm unter diesen Umständen nie seine Tochter gegeben unv trotz ihrer heiß entflammten Liebe zu ihm, würde auw sie nicht die Seine geworden sein, wenn sie vor die Not­wendigkeit gestellt worden wäre, ein einfaches arbeit­sames Leben mit ihm zu führen.

(Fortsetzung folgt.)