Sriegsnol und wirkschaflsmattk.
Finanziell alles in Ordnung.
Bon einem volkswirtschaftlichen Mitarbeiter wird uns aus Berlin geschrieben:
Im Juliusturm zu Spandau gehen in mitternächtlicher Stunde hurtige Geister in Helm und Schwert um. Mars hält die Parade über die schimmernde Wehr, und es erhebt sich ein Kling-Klang-Gloria in den tiefen Kellergeschossen und in den Stockwerken des alten märkischen Festungsturmes zwischen Wällen und Gräben, daß dem starren Kriegsgott das Herz schier im Leibe lacht. Bis auf den letzten goldenen Fuchs ist die Truppenschar vollzählig versammelt, nicht einer fehlt, und wenn sich auf den Ruf des Kaisers die Tore öffnen, so strömen sie heraus aus den Kasematten und melden sich zur Stelle vor der Reichsbank. Der Kriegsschatz und die neue Kriegsreserve, von der rund 85 Millionen vorhanden sind, dienen der Reichsbankverwaltung als Unterlagen zur Notenausgabe. Aus den rund 200 Millionen Gold können nach Bedarf 600 Millionen Papiergeld werden, sodatz ein Mehr von rund 400 Mill. an Reichsbanknoten möglich wäre. Mit dieser Summe kann der erste Bedarf reichlich gedeckt werden.
Nach der jüngsten Ausweisung im Monat Juli war ein Goldbestand von 1357 Millionen Mark im Besitze der Zentralstelle. Der gesamte Metallvorrat, über den die Bank gebot, betrug 1691 Millionen Mark. Die Summe der Reichskassenscheine, die zum Bargeld gerechnet werden, stellte sich auf rund 65 Millionen Mark. Der Notenumlauf betrug gleichzeitig nur 1891 Millionen Mark und konnte demnach sofort um 3380 Millionen Mark vermehrt werden. Die äußerste Grenze wäre damit aber noch keineswegs erreicht. Für die Lage des deutschen Kapitals im Kriegsfalle ist es von höchster Wichtigkeit, daß die Reichsbank über die außergewöhnlich hohe Goldreserve verfügt, und angesichts der europäischen Kriegsnot können wir getrost aussprechen, daß im Deutschen Reiche gut gewirtichaftet wurde, und daß uns Lein Groschen fehlt.
" In den ersten sechs Wochen nach erfolgten Kriegsausbruch werden die Kosten für das Heer und die §lotte auf rund 1800 Millionen Mark, der Bedarf von ndustrie, Handel, Gewerbe und Landwirtschaft auf 1500 Millionen geschätzt. Dazu kommt voraussichtlich eine Summe von mindestens 6 Millionen Mark, die die Allgemeinheit aus ihren Guthaben und Sparkasseneinlagen zurückzieht und mit der Diskontierung von Wechseln und der Verpfändung von Waren und Wertpapieren flüssig macht. Es würde also in der genannten Zeit die Notwendigkeit vorhanden sein, gegen 4000 Millionen Mark an Zahlungsmitteln aufzubringen. Die schwerwiegende Gefahr eines Mangels an genügenden Geldmitteln, die von ängstlichen Leuten bereits befürchtet wurde, ist keineswegs vorhanden. Die Mitteilungen des Oberbürgermeisters Wermuth über den Sparkassen- sturm in Berlin haben die erfreuliche Gewißheit gebracht, daß wieder völlige Ruhe bei den Sparern eingetreten ist, obwohl die Kriegsgefahr sich erhöht hat. Die meisten Leute, die ihr Geld im ersten Schrecken ab- ? olten, brachten es am nächsten Tage wieder zur Spar- asse zurück. Es gibt fast so viel Einzahlungen an jedem Tage wie Auszahlungen. Die Abhebungen bei der Höhe der Einlagen, nahezu 400 Millionen Mark, waren von keiner Bedeutung. Aehnlich werden die Verhältnisse bei anderen Sparkassen im Reiche liegen.
Als Reichsschatzsekretär hat Exzellenz Wermuth, so versichert er, gesehen, daß die finanzielle Bereitschaft Deutschlands für den allerenstesten Fall die denkbar beste ist. Sie steht außer aller Frage. Nach dem Verlaufe weniger Tage werde bet uns alles finanziell in Ordnung sein. Wermuth ist ein zuverlässiger Mann, und sein tröstliches Wort wird noch weiter zur Beruhigung beitragen. Unsere wackeren Heere lassen keinen Feind hinein in das Reich, und wir halten die Stürme sicher so gut aus wie die andern. Wenn auch an den deutschen Börsen in verflossenen Tagen verlustreiche Schlachten geschlagen wurden, so wars noch keineswegs so schlimm, wie bei unseren uns bedrohenden Nachbarn in West und Ost. Der Kurssturz der französischen Rente betrug auf den ersten Kriegsalarm hin nahezu das Siebenfache der Einbuße deutscher Renten, und bei den Russen ist der Schaden noch garnicht übersehbar. Die Unfertigkeit der Alliierten und deren klar zutage tretende Schwäche bezüglich der wirtschaftlichen Widerstandskraft kann nur ermunternd auf die Mächte des Dreibundes wirken.
Md deren klar zutage tretende Schwäche be- wirtschaftlichen Widerstandskraft kann nur auf die Mächte des Dreibundes wirken.
Die Schiffahrt wird zunächst bei einem Kriegsausbrüche stocken. Schon löschen die Russen die Leuchtfeuer vor den Häfen der Ostsee und die deutschen Kauffahrteischiffe laufen schleunigst aus den russischen Handels- buchten aus, um in die heimischen Gewässer zu gelangen. Wenn der deutsche Außenhandel, der eine wertvolle Lebensbedingung des deutschen Wirtschaftskapitals enthält^ zunächst aufhört, so gibt es selbstverständlich Rückschläge, die sich namentlich auf industriellem Gebiete bemerkbar machen werden. Die deutsche Industrie hat
Ein Aleistevwerk.
Roman von Paul Beye.
(Nachdruck verboten.)
.. Dann hätte nicht seine Tochter da sein müssen, die sich die schwerste Entbehrung aufzuerlegen meinte, wenn sie nicht wöchentlich wenigstens einmal ins Theater ging und Sonntags regelmäßig mit ihrem Mann m der Casa d'Oro oder sonst einem Lokal zu finden war, m dem man die Tarantella tanzte und Gelegenheit hatte, sich von den Engländern bewundern zu lassen. Denn die Concetta war eben so eitel wie schön, und schöne Kleider und goldene Ringe besaß sie in Menge. Ja, die Concetta kostete ihrem Vater ein unsinniges Geld und ihr Gatte, der Anselmo Gargiulo, war doch
Ein armer Schlucker, der kein eigenes Geichaft hatte, sondern dem Schwiegervater nur bei dem KÄffk Wettermann hatte sich gewundert, daß des ?EEr, welche doch sicher die besten
^ LtS^^ können, den Gargiulo nahm, iffff ^,?^^r Mensch war er auch und ein vor- 2 ^pÄ^ federn als Leutnant bei dtailand oder sonstwo, dort oben Norden Italiens, gestanden, bis ihn dann seine Sorneßmß^ffS^^ abzugehen. Aber mit
^rdient man nichts und darum war auch der Gargmlo froh gewesen, als der Lupi ihn zum Schwiegersohn nahm und ihn als Gehilfen in sein Geschäft eintreten ließ. Die Heirat war auch soweit m^Eii-^o^^hEN konnte, gut ausgefallen, nur daß es bisweilen ein wenig Zank gab zwischen den iunaen Eheleuten und zwischen dem Äm0 nnö seinem Schwiegervater, aber was hatte das am Ende zu bedeuten? „Zank ist das Salz der Ehe und hält die Liebe frisch," lautete ein altes neapolitanisches Sprichwort demzufolge es an dieser Speisenwürze im Lupischen Haufe allerdings nicht mangelte.
aber alle wirtschaftlichen Krisen, die sie in den letzten zwanzig Jahren trafen, ohne nachhaltige Schädigung überstanden. Moderne Kriege können infolge der Waf- fentechnik nicht zu lange dauern. Wenn unsere Feinde sehen, was sie sich angerichtet haben, so werden sie zum Frieden zu kommen suchen. Doch wir müssen verlangen, daß endlich feste und erträgliche Zustände geschaffen werden, damit Handel und Wandel wieder aufblühen.
Wie vollzieht sich eine Mobilmachung.
Vielfach war erwartet worden, daß die Oesterrei- cher sofort nach der Ablehnung ihrer Forderungen in Serbien einrücken und Belgrad besetzen würden. Diese allgemeine Erwartung ist enttäuscht,- zu lange schon dauerte den Ungeduldigen die Frist, die „tatenlos" verstrichen ist. Doch nur deshalb, weil sie sich von den entgegenstemmenden Schwierigkeiten ein unklares Bild machen.
Ueber die Dauer einer Mobilmachung macht man sich vielfach falsche Vorstellungen und setzt dafür zu kurze Zeit an. Von dem Tage des Mobilmachungsbefehles und der Einziehung der Reservisten bis zu dem Augenblick, da ein Korps vollkommen marschbereit ist, werden immer 3—5 Tage unter den günstigsten Verhältnissen vergehen, wenn auch alles im Frieden noch so gut vorbereitet ist. Nicht nur müssen die Reservisten aus den entferntesten Teilen des Korpsbezirks eintreffen, eingekleidet und ausgerüstet werden, sondern auch Pferde und Wagen ausgehoben, eingefahren und beladen werden. Ist das Korps mobil, so beginnt der Transport nach der Grenze in dem Aufmarschbezirk.
Legt man deutsche Verhältnisse zugrunde, so bedarf nach Lehnerts Handbuch ein Armeekorps von 24 Bataillonen, 8 Eskadrons und 24 Batterien mit allen seinen Trains und Kolonnen rund 136 Züge. Das österreichische Armeekorps ist aber, da es aus drei Divisionen besteht, erheblich stärker. Man kann deshalb seinen Bedarf auf etwa 170 Züge berechnen. Bei einer leistungsfähigen, auf starken Betrieb eingerichteten, doppelgleisigen Bahn können unter normalen Verhältnissen innerhalb 24 Stunden etwa 30 Züge mit Truppentransporten belegt werden. Zur Ablassung von 170 Zügen sind also 5% Tage erforderlich. Die Zahl der Züge könnte allerdings gesteigert werden, man würde dadurch aber an Sicherheit einbüßen. Nun kommt noch die eigentliche Fahrtöauer hinzu. Militärzüge fahren langsam. Man rechnet durchschnittlich 22% Kilometer die Stunde. Diese Leistung kann nur unter sehr günstigen Verhältnissen gesteigert werden. Die örtlichen Verhältnisse in Oesterreich-Ungarn werden dies aber schwerlich zulassen. Alles in allem wird man also von öem Erlaß des Mobilmachungsbefehles bis zum Eintreffen der letzten Kolonnen auf etwa 12 Tage durchschnittlich rechnen müssen.
Dies sind rein theoretische Untersuchungen, die aber einen allgemeinen Anhalt ergeben. Nun können allerdings die Operationen beginnen, ehe die zweite Staffel der Trains und Kolonnen angelangt ist, dies macht aber nur einen Unterschied von 1—1% Tagen aus. Günstiger liegen die Verhältnisse für die Grenzkorps, die sich schon im Frieden aus hohem Etat befinden, an Ort und Stelle stehen und keine lange Eisenbahnfahrt brauchen.
Politische Rundschau.
Die gesetzliche Regelung der Bezüge der Altpen- sionare in Preußen wird nach einer Berliner Verlautbarung nicht stattgegeben werden, obwohl sie im Landtage wiederholt gefordert wurde. Auch wenn ein entsprechender Entwurf für die Altpensionäre und Alt- Hinterbliebenen des Reichs im Reichsparlament Zustimmung finden wird, dürfte die preußische Staatsregierung nicht ihre Zustimmung zu einer entsprechenden Vorlage geben. Gegen eine solche werden vor allem finanzielle Gründe geltend gemacht. Nach Erhebungen, die über die Bezüge der Altpensionäre einschließlich der Lehrer, sowie der Althinterbliebenen angestellt wurden, würden fast 50 Millionen notwendig sein, um die Bezüge gesetzlich festzulegen. Im Reich genügt eine verhältnismäßig geringfügigere Summe, um die Regelung durchzuführen.
In der bayerischen Kammer der Abgeordneten kam es bei Beratung des Eisenbahnetats zu ernsten Auftritten als der Verkehrsminister mit Rücksicht auf die Tendenzen des Süddeutschen Eisenbahnverbandes die
»e stellte: Wollen wir die Herrschaft über das Per- und damit über den Betrieb und das Wohl und Wehe des Vaterlandes einem Dr. Süßheim und Rotz- Haupter überlassen? und dann fortfuhr: Die Angriffe dieser Herren berühren nicht einmal meine Fußsohle. Der Minister betonte, die Rechtsfrage liege ganz klar, das Streikrecht könne dem Eisenbahnpersonal nicht gewährt werden, auch dem Stratzenbahnpersonal nicht. Die Worte des Ministers fanden beim Zentrum lebhaften Beifall und riefen bei den Sozialdemokraten große Unruhe und Pfuirufe hervor.
Als der Alte in seine Stube trat, schloß er die Türen, schob die Riegel vor und öffnete dann seinen alten wurmstichigen Schreibsekretär, dem er ein schön gearbeitetes Bronzekästchen entnahm. Mit einer gewissen Andacht schüttete er den Inhalt aus, der in Banknoten und Goldgeld bestand und zählte ihn. Er betrug 85 000 Lire. Dann tat er das Geld in das Kästchen zurück, schloß es wieder in den Sekretär und hing sich den Schlüssel desselben an einem schmalen Leöerriemen um den Hals. Nachdem auch dies geschehen war, schickte er sich an, schlafen zu gehen, aber schon halb entkleidet, schien ihm noch etwas eingefallen zu sein, denn statt sich ins Bett zu legen, schob er den Riegel der nach dem Eßzimmer führenden Türe zurück, öffnete sie und schritt bis zu der Schlafstube des Gargiuloschen Ehepaares. Einen Augenblick blieb er unentschlossen davor stehen, dann riß er die Türe, ohne anzuklopfen, mit einem Ruck auf und rief „Concetta!"
Aus einem der beiden Betten, die nebeneinanderstehend fast die Breite des kleinen Raumes einnahmen, richtete sich eine weibliche Gestalt auf. „Was willst Du, Vater?" fragte eine Stimme, die sich anhörte, wie eine schöne, volle Kirchenglocke.
„Bring' mir eine Flasche Asti, Concetta," erwiderte der Alte. „Ich brauche einen Schlaftrunk nach all der Unruhe und Aufregung. Wenn man ein so gutes Geschäft gemacht hat, wie ich heute, kann man sich die Labung schon gönnen," fügte er mit einem schiefen Blick auf den Schwiegersohn hinzu, der noch in vollen Kleidern auf einem Sessel neben seinem Bett saß.
Concetta schien der erhaltene Auftrag nicht angenehm zu sein. Sie murmelte etwas, das ungefähr klang wie, der Vater könnte sich den Wein ja selbst holen, aber dann erhob sie sich doch, warf ihren Morgenrock über und huschte auf bloßen Füßen hinaus, Vater und Gatten allein zurücklasserrd.
Friede zwischen Zivil- und MilitSrmnsikern. Der seit Jahren herrschende Streit zwischen den Militärkapellen und den Zivilmusikern, der dadurch entstanden war, daß die Militärkapellen billiger sein konnten, als die aus Zivilmusikern bestehenden Orchester, dürfte endgültig beigelegt sein. Am Dienstag wurden die Tarifverträge von Vertretern beider Parteien unterzeichnet, an deren Zustandekommen seit längerer Zeit gearbeitet worden ist. Die Militärkapellen werden von jetzt ab durch Unterbieten der Preise den Zivilmusikern keine Konkurrenz mehr machen.
Die Ruhe vor dem Sturm in Durazzo. Durazzo erwartet einen verzweifelten, großen Angriff. Ueber der Stadt lagert es in drückender Spannung. Die Straßen sind bei Tag wie ausgestorben, denn alle Menschen arbeiten fieberhaft an den Schützengräben. Auf den Hügeln drohen Geschütze und Maschinengewehre, ungeheure Mengen Munition liegen verwendungsbereit. Durazzo ist eine starke Festung geworden, die wohl nur durch beispiellose Tapferkeit und mit ungeheuren Verlusten erstürmt werden kann. Aber auch die Rebellen, die auf 18 000 Mann geschätzt werden, liegen nicht untätig in ihren Stellungen. In der Stadt wird behauptet, die Geschütze seien von serbien und Griechenland geliefert, und die Rebellen würden von türkischen Offizieren geführt.
Kleine Iladirldifen,
Herzog Ernst August und Herzogin Viktoria Luise trafen Donnerstag mittag wieder in Braunschweig ein. Der Herzog hörte bald nach seiner Ankunft einen Vvr- trag des Oberbürgermeisters Retemeyer über das Rote Kreuz. Das Herzogspaar wird zunächst in Braunschweig bleiben.
Auf dem Wege zum Kriegsschauplatz tödlich verunglückt. Der Kommandant der Wiener-Neustädter Fliegerabteilung Hauptmann Miecislaus Miller, der sich im Automobil auf den Kriegsschauplatz begeben wollte, ist bei Stuhlweißenburg tödlich verunglückt. Miller zählte zu den bekanntesten Aviatikern der Armee und hatte an dem Flug Berlin-Wien teilgenommen.
Der französische Flieger Laporte freigelassen. Der auf dem Rückfluge nach Frankreich bei Saarbrücken verhaftete französische Flieger Laporte wurde nach militärischer Untersuchung freigelassen und erhielt Erlaubnis, nach Frankreich zurückzufliegen.
Bei einem Einbruch in eine Leipziger Rauchwaren- znrichterei in der Angerstraße sind nachts 4369 Stück russische Hermelinfelle im Werte von 29 000 Mark gestohlen. Auf die Wiedererlangung sind 3000 Mark Belohnung ausgesetzt. Von den Dieben fehlt noch jede Spur.
Nachlässigkeit eines Schrankenwärters und ihre Folgen. Auf dem Eisenbahnübergang bei Bentschen (Posen) wurde der verheiratete Bierkutscher Schmkör- chen aus Meseritz mit seinem Gespann vom Personen- zug überfahren und getötet. Der Schrankenwärter, der die Schranke nicht geschlossen hatte, ließ sich aus Reue darüber von einem Güterzug totfahren.
Vereitelter Anschlag auf den Orientexpreß. Auf den Orientexpretzzug wurde Mittwoch abend kurz vor der Einfahrt in den Neu-Ulmer Bahnhof ein Anschlag verübt, indem ein Bremsschuh auf die Schienen gelegt wurde. Die Maschine warf das Hindernis, das auf die Meldung des Lokomotivführers hin gefunden wurde, bei Seite, sodatz der Anschlag mißlang.
Wenn der Krieg ausbräche.
Wie antwortet die moderne Großstadt, wenn jäh das drohende Gespenst des Krieges Wirklichkeit wird, auf die ersten Zeichen des Mars? Wie verändert sich in den ersten Stunden Antlitz und Rhythmus des städtischen Lebens? Im „Journal" sucht Ludovic Naudeau dieses fremde, ungewohnte Bild zu umreißen, jene Stunden, da der erste Rausch verflogen ist, und die Arbeit, die Vorbereitung zu blutiger Arbeit beginnt. Die Schreie auf den Straßen sind verhallt die Nacht der Demonstrationen und Umzüge ist vorüber: und was nun folgt, das ist ein Morgen der großen Stille. An den Straßenecken sprechen die Menschen nur halblaut. Des friedlichen Bürgers Blick gewahrt an allen öffentlichen Gebäuden, an den Bahnhöfen, vor den Banken Wächter der öffentlichen Ordnung, die schweigend die Tore hüten.
In Paris werden sofort Soldaten der republikanischen Garde die Polizei unterstützen,- wo sonst der Verkehr flutete, stehen nun aufrecht uniformierte Gestalten, das Seitengewehr blitzend aufgepflanzt. Wird sofort der Belagerungszustand verkündet? Die es wissen, schweigen. Aber auf den Boulevards wird man die Schutzleute ihren Revolver durch das Gewehr ersetzen sehen, und jeder wird wissen, aus dem Recht ist nun das Kriegsrecht geworden. Zu den Bahnhöfen strömen dichte Menschenscharen. Es sind die ersten Reservisten, jene, die bei der Mobilmachung sofort in ihre Garnison abreisen müssen, ohne eine Einberufung abzuwarten.
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Auf dem Nachttisch neben Concettas Bett brannte eine altmodische Oellampe mit silbernem Fuß, die, gleich den meisten Gegenständen in dem Lupischen Hause aus irgend einer Auktion oder aus einer Hinterlassenschaft gekauft war und einen gewissen Kunstwert besaß. Sie brannte aber nur trübe, sodatz man die einzelnen Gegenstände in dem Raum nicht deutlich sehen konnte. Dessenungeachtet machte er auch bei dieser ungewissen Beleuchtung einen reichen und malerischen Eindruck. Die Betten waren schön geschnitzt, die Decken darauf aus Seide und mit Goldstickerei verziert, am Boden lagen orientalische Teppiche, vor den Fenstern hingen Gardinen in einer alten Spitzentechnik, welche ehedem von den neapolitanischen Landfrauen als Hausindustrie mit Meisterschaft betrieben wurde, und in der Ecke stand auf einem Wandbrett ein Madonnenbild aus Elfenbein und Ebenholz.
Der alte Lupi ließ seine Augen prüfend in dem Raum umhergleiten, dann sagte er langsam und jedes Wort scharf betonend: „Schön habt ihrs hier, sehr schön- Ich meine, daß ihr weich gebettet seid in dem warmen
Nest."
Von dem Lehnstuhl her hallte ein tiefer Seufzer.
„Manch einer möchte dankbar dafür sein," fuhr der Alte fort. „Aber wer nie gearbeitet, sondern immer nur gepratzt hat, der kennt den Wert des Geldes nicht. Ich will Dir was sagen, Anselmo — wenn mir in meinem Leben eine Untugend verhaßt gewesen ist, dann wars die der Undankbarkeit. Aber wenn Du glaubst, daß ich sie dulden werde, dann irrst Du Dich, mein Sohn. Sollte mir leid tun um die Kinder, wenn man denen einmal später auf die Frage, wo ihr Vater ist, antworten müßte; hinter den Mauern, wo die Diebe und Fälscher und Mörder sitzen. Vergiß nicht, was ich Dir gesagt habe, Anselmo, mein Sohn."
LZsrtsLtzung folgt.;