ters ein, erbrach ein Spind und stahl daraus eine Geldsumme. Hierauf ergriff der Täter die Flucht. Kurz darauf erfuhr der Vater von dem Diebstahl, und er war über das Vorgehen seines Sohnes dermaßen aufgebracht, daß er einen scharf geladenen Revolver ergriff und sich an die Verfolgung des Einbrechers machte. Passanten sorgten jedoch dafür, daß der alte Vater mit der Waffe kein Unheil anrichtete. Der Dieb war inzwischen entkommen.
Opfer der Berge. Aus dem Gebiete des Watzmanu und des Kaisergebirges kommen Meldungen über die verunglückten Touristen aus Wien und München, die den Stürmen in den letzten Tagen zum Opfer gefallen. Die Wiener Touristen, die einer größeren Gefellschast angehörten. aber wegen Erschöpfung die Exkursion nicht fortsetzen sonnten, sind in einem Kamin an der Süd- spitze des Watzmann erfroren aufgefunden worden. Die Münchener Touristen, ein Herr und zwei Damen, sind bei einer Tour auf den Predigtstuhl verunglückt. Ihre Leichen fand man in der sogenannten Steinernen Rinne, die mit Neuschnee ausgefüllt war.
Folge« des Krieges in der Schweiz. Der Krieg Oesterreichs mit Serbien macht sich in der Schweiz recht unangenehm bemerkbar. Sofort nach Ausbruch der Feindseligkeiten begann an fast allen Kurorten die Rückreise der Fremden. Viele deutsche und russische Gäste und fast alle Gäste aus Oesterreich reisten sofort ab. Ein großes Hotel in Lugano hat am ersten Tage ein volles Drittel seiner Gäste verloren; und die Abreise der Gäste hält an, sodatz.die Schweiz, die in der Hauptsache auf Fremdenindustrie angewiesen ist, mit einem bedeutenden Schaden rechnen muß. Neue Gäste kommen nicht an, sodaß die Hotels jetzt schon teils bis zur Hälfte leer stehen.
Das verhängnisvolle Kopftuch. Auf eigenartige Weise verunglückte die 61jährige Frau des Maurers Zimpel in der Görlitzer Straße zu Berlin. Sie hatte sich .zur Linderung starker Kopfschmerzen ein wollenes Tuch um den Kopf gebunden. Als sie beim Bereiten des Essens Petroleum aufs Feuer goß, schlug eine Stichflamme empor und setzte das Tuch in Brand. Im Nu ergriffen die Flammen auch die übrige Kleidung der Frau, die in wenigen Sekunden einer lebenden Feuer- iäute glich. In ihrer Todesangst lief die Unglückliche die Treppe hinab, und im zweiten Stockwerk konnten Hausbewohner endlich durch Aufwerfen von Decken die flammen ersticken. Frau Zimpel hatte aber bereits am ganzen Körper furchtbare Brandwunden erlitten, sodass sie in hoffnungslosem Zustand nach dem Krankenhaus am Urban gebracht werden mußte.
Zu zwölfter Stunde
Börse am Mittwoch, . ellt wurde, haben in der
Mit der Rückkehr des russischen Botschafters am Berliner Hofe — des Herrn v. Swerbejewo aus Petersburg, die am Mittwoch früh erfolgte, ist die Entscheidung über Krieg und Frieden in die zwölfte Stunde gerückt. Die Instruktionen, die der Botschafter von dem russischen Kabinett erhalten hat, beruhen auf den Ansprüchen, die Rußland an Oesterreich-Ungarn in dessen Kampfe gegen Serben und Montenegriner stellt. Da der Vorschlag des englischen Ministers Grey zwecks Ein- bernfung einer Konferenz, die gewissermaßen als ein Schiedsgericht zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien zu walten hätte, in Wien und Berlin abgelehnt worden ist, so ist Rußland unter gewissen Bedingungen bereit, m die vom deutschen auswärtigen Amte empfohlenen Verhandlungen von Kabinett zu Kabinett einzutreten. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, dass noch eine Ber- ständigung über Aufrechterhaltung der Neutralität er- zielt wird. Optimistische Auffassungen der Lage sind je- doch nicht am Platze, da das „zu spät" im österreichisch- fts^ischen Konflikte seine bleiernen Schatten auf die verhängnisvollen Stunden wirft. Hoffnungen soll man rwar niemals sinken lassen, doch man soll auch der Wirk- ÜS^it der Dinge mit Entschlossenheit entgegenschauen. ^^Huahmen der Berliner Börse am Mittwoch, wo- elbst der Terminhandel eingestellt wurde, h. ' Slllöemeittbeit die besseren Aussichten roten v™äv- örütft, die sich an die englische Vermittlungsaktion knüpften. Rußlands militärische Vorkehrungen, die sich jetzt auch auf den Wilnaer Bezirk erstrecken, und die Truppenbewegungen an der Ostgrenze Frankreichs sind keme freundlichen Zeichen für den Frieden. Vielleicht hat man es mit Einschüchterungsversuchen zu tun, doch me;e machen auf den Dreibuno keinen Eindruck, weil
Forderung: „Lokalisierung des Krieges" unter keinen Umständen erschüttert werden kann. Will also W^ond den Weltfrieden, so muß es sich in die Neutra- 0at fugen. Ein Telegramm, das der Zar vor Ilnkunft o. Swerbejew an Kaiser Wilhelm andte, rst im Sinne der Beseitigung der „größten Kata- trophe, von der der Kontinent je heimgesucht ist", wie HA schlagend ausdrückte, beantwortet worden. Doch nicht der Zar allein entscheidet, sondern slavische drangt ihn vorwärts. Erst wenn die ersten Schlachten auf serbischem Boden geschlagen sind und Niederlagen des Serbenheeres nach Rußland gemeldet ^x^n, dürfte wilder slavischer Zorn aufsteigen und die Damme brechen.
er herabge-
Die Mobilisierung in Rußland.
«... An Berliner unterrichteten Stellen wird zugegeben, daß die Meldung von einer teilweisen russischen Mobili- sierung zu anderen Nachrichten stimmt und daß, wenn Rußland auf diesem Wege beharrt, wir um militärifwe Matzuahme« unserseits nicht herumkommen. Um eine deutsche Gesamtmobilisation brauchte es sich jedoch noch nicht zu handeln. Nach den von amtlicher Wiener Seite
Linden Meldungen gewinnen die militärischen Vorkehrungen Rntzlands, namentlich im Bezirk War- lM«,, mehr und mehr an Ausdehnung. In Berliner militärischen Kreisen erwägt man die Frage, bis zu welchem Punkte man diese Vorkehrungen ohne Gegenmaßnahmen gewähren lassen kann, ohne die Interessen Deutschlands auf das Spiel zu setzen. Für den Fall, daß Rußland seine Kampfvorbereitungen, auch wenn sie nicht den ausgesprochenen Charakter einer Mobilisation tragen, weiter ausdehnt, wird man auch auf deutscher Seite nicht «nchin können, entsprechende Sicherheitsmaß- regel« zn treffen.
Die russische Mobilisierung beschränkt sich auf die Militärbezirke von Kiew, Odessa, Moskau und Kasan. An redem Bezirke stehen vier Armeekorps in Friedens- Itarke. Durch die Mobilisation werden 16 Armeekorps anf die Stärke von 32 Armeekorps gebracht. Kasan ist der Zentralbezirk, von dem aus die Reserven für die aufammeneeaoßen werden. — Als eine be* fassen ffön^^ wird man das wohl kaum auf-
Kriegsbegeisterung in Petersburg.
seinem Nc^??Mer Korrespondent der „Times" meldet geiste?«A Petersburg zeigt sich große Be- oeutscken Rmc^§ I^tz Bor der österreichischen und Krt Qwe°Ä A^e Polizeiaufgebote aufmar- Hafen anlies"^5n Dampfschiffen, die am Dienstag SleaSie SV Wurden die Apparate für drahtlose
Die Regierung hat ein Verbot erlassen, das Kohlen- fchiffen untersagt, ihre Ladung zu löschen, da die Regierung alle Kohlen beansprucht. Jenseits der russischen Grenze herrscht die angestrengteste Tätigkeit der russischen Militärbehörden. Die ganze Eisenbahnlinie an der Grenze hat militärische Besetznng erhalten, die sogenannte neutrale Greuze und die über sie führende Brücke ist gleichfalls von russischen Truppen besetzt. Eine Reihe von der Grenze ins Innere führende Telephonlinien sind von der Post den Militärbehörden übergeben worden. Die rnssische Kriegspartei gewinnt durch ihre allnächtlichen Demonstrationen immer mehr an Boden. Von den Nationalisten nnb den Panslavisten wird eine direkt deutschfeindliche Stimmung genährt. Die Pans- lavisten fordern den Krieg auf jeden Fall. Sie sprechen jetzt offen von einer Strafexpedition, die gegen Deutschland zn führen wäre.
Militärische Vorbereitungen Frankreichs.
Aus zuverlässiger Quelle verlautet, eine Mobilisierung der französischen Armee sei bisher nicht atlge- ordnet worden. Dagegen sind sämtliche Deckungs- trnppeu an der Ostgrenze konzentriert, also insgesamt 280 000 Mann. Alle Regimenter, die sich auf den Truppenübungsplätzen befanden, sind in ihre Garnisonen zurückgekehrt. Telegraphische Befehle sind an alle Behörden ergangen, die nötigen Vorbereitungen zu treffen, falls die Ereignisse eine Mobilisierung notwendig machen sollten. In den Ostdepartements wurden von der Militärbehörde Pferde in großer Zahl requiriert. Alle Fe- stungskvmmandanten der Grenzforts haben Befehl er= halten, ihre Plätze in volle Kriegsbereitschaft zu setzen. Diese Maßnahmen sind als Präventivvorkehrungen an- zusehen, da Frankreich für alle Fälle geriistet sein muß. Die „Frankfnrter Zeitung" meldet aus Rom: Von der italienisch-französische» Grenze wird die französische Mo- bilmachnug gemeldet.
Holland trifft alle Sicherungsniaßnahnren.
Angesichts der internationalen Spannung hat die holländische Regierung bereits verschiedene Maßnahmen getroffen, die Grenze zu sichern. Der Generalstabschef ist aus Deutschland zurückberufen worden. Die zur Uebung einberufenen Reserven werden einstweilen unter den Waffen gehalten. Ein Nebergang der alten Reservejahrgänge zum Landsturm findet augenblicklich nicht statt. Sämtliche Schlepper in der Rheinmündung und im Hafen von Scheveningen sind von der Regierung mit Beschlag belegt worden. Detachements Kolonial- truppen sind zur Bewachung der Maasbrücken abgegangen. Es ist bekanntgegeben worden, daß die Brücken unter Umständen in die Licft gesprengt werden. Die Bevölkerung hat Verhaltungsmaßregeln erhalten. Das Fort Ymuiden ist mobilisiert.
Um den Sandschak Novibazar.
Von einer Seite, die mit der Auffassung der leitenden russischen Kreise gut bekannt ist, wird den „Berliner Neuesten Nachrichten" mitgeteilt: Die Russen rechnen mit der eisernen Entschlossenheit Oesterreichs, die Waffen nicht eher niederzulegen als bis zur Eroberung des Sandschaks Novibazar, bis so der trennende Keil zwischen die Serbenstaaten getrieben ist, wodurch Rußland die Aussicht genommen ist, durch ihre Vasallen zur langersehnten Adria zu gelangen. Auf diese Hoffnungen endgültig und gutwillig zu verzichten, erscheint den Pan- slawisten gleichbedeutend mit Selbstvernichtung. Solange Graf Berchtold nicht überzeugend nachzuweisen vermag, dass Oesterreich nicht beabsichtige, den territorialen Besitzstand Serbiens nicht anzutasten, müsse die Hoffnung auf Erhaltung des europäischen Friedens als äußerst gering bezeichnet werden.
Lebensmittelwttcher in Oesterreich.
Die österreichischen Statthaltereien werden einen Maximaltarif für Viktualien und sonstige Lebensmittel ausarbeiten, um ein Hirranftreiben der Preise zu verhindern. Die Befürchtung, dass infolge der stark behinderten Zufuhr nach der Großstadt die Lebensmittelmärkte für die nächste Zeit gering beschickt werden könnten, hat in Wien sowohl auf dem Errgros- als auch auf dem Detailmarkt eine gewaltige Preissteigerung der Lebensmittel hervorgerufen. Stuf allen Obst- und Gemüsemärkten kam es zu stürmischen Szenen. Der Andrang der Hausfrauen war so stark, daß die Wache zur Aufrechterhaltung der Ordnung aufgeboten werden mußte. Einzeftre Händler auf dem Markte machen sich die Aengstlichkeit des Publikums zunutze und schraubten ihre Preise zu wahnsinniger Höhe. Als ein Bauer auf dem Nafchmarkte für einen Sack von etwa 10 Kilogramm Kartoffeln fünf Kronen verlangte, steigerte sich der Un= Wille der Käuferinnen so, dass sie dem Händler die Slar= toffetn umwarfen, anf den Bauer losstürzten und ihn mißhandelten. Die Wache mußte einschretten, um den Mann an schützen.
Die Wiener in Erwartnng des Kaisers.
»-* Wien, 30. Juli. Zum zweiten Male unterbricht in diesem Jahre der Kaiser seinen Aufenthalt in Jschl, um in die Residenz zurückzukehren. Die Kunde von der Ankunft des Monarchen rief in der Stadt ungeheuren Jubel hervor. Allenthalben wurden Vorbereitungen getroffen, die dem Herrscher Zeugnis ablegen sollen von der gleichen Liebe und dem hohen Patriotismus sowie der hinreißenden Begeisterung der Wiener Bevölkerung. Die Ankunft des Kaisers soll um 12% Uhr erfolgen.
Die serbischen Winkelzttge.
Die Südslavische Korrespondenz meldet aus Saloniki: Am Sonntag traf mit der Bahn ein serbischer Of- güer mit seiner Frau ein, der sich im Hotel als Major ujakovic ausgab und am Montag nach Odessa weiter- reiste. Von Personen, welche diesen serbischen Offizier von früherher kannten und die ihn auch während feines Aufenthaltes in Saloniki angesprochen hatten, wurde in unzweifelhafter Weise festgestellt, daß der angebliche Bnjakovic mit dem Major Bojo Tankovic identlsch ist, dessen sofortige Verhaftung die österreichisch-ungarische Note von Serbien forderte und mit Bezug auf den die serbische Regierung in ihrer Antwortnote erklärte, daß sie noch am Abend des Tages, an dem ihr die Note zugestellt wurde, seine Verhaftung verfügt habe.
Panik an der französischen Ostgrenze.
Die Pariser Blätter veröffentlichen Berichte über die Zustände an der französischen Ostgrenze, aus denen hervorgeht, daß die gesamte Bevölkerung von heilloser Panik ergriffen ist. Einen besonders kritischen Tag hatte am Mittwoch Nancy durckzumachen. Von früher Morgenstunde an drängte sich eine zahlreiche Menschenmenge an den Eingängen der Banken und verlangten stürmisch die Auszahlung der deponierten Gelder. Es mußte ein strenger Ueberwachungsdienst eingerichtet werden, da die Menge förmlich die Schalter zu stürmen drohte. Es war fast unmöglich, in Nancy noch irgendwo Metallgeld in Gold oder Silber zu erhalten. Bon der gleichen Panik waren sogar die Post- und Schalterangestellten in den Bahnhöfen erfasst, die sich weigerten, französische Banknoten anzunehmen. Alle diejenigen, die abreisen mußten, mußten sich zur Filiale der Bank von Frankreich begeben, um dort ihre Banknoten um- zuwechseln. Der Handel stockte in Nancy fast vollkom-
erschienen, die stundenlang auf ihre Bewrderung warteten. Die Geldkalamität, besonders in Nancy, rvar zeit- weilig so groß geworden, daß der Magistrat mit dem Gedanken umging, städtische Bons von 2, 8 und 6 Franks auszugeberr, um einem dringenden Bedürfnis entgegenzukommen. _ ,
Wie dem Berliner Lokalanzeiger von Deutschen, die am Mittwoch nach Berlin zurückgekehrt sind, mitgeteilt wird, verlassen zahlreiche Deutsche mit Frau und Kind die französische Hauptstadt. Dortige deutsche Kreise vertreten den Standpunkt, daß diejenigen Deutschen, die über Barmittel verfügen nnd abkömmlich sind, gut daran tun, Paris zu verlassen. Dasselbe Blatt will weiter erfahren haben, daß alle Bahnstationen im Osten Frankreichs von Militär wimmeln.
Das vorsichtige England.
»-so London, 30. Juli. Amtlich wird gemeldet, daß die Militärbehörde keiue Maßnahme« getroffen habe, die den Charakter einer Mobilisation tragen. Die Befehle, die gestern ergingen, seien lediglich vorsichtshalber erfolgt. Die Maßnahmen in der Marine seien ebenfalls Vorsichtsmaßregeln. Es sei keilte Mobilisation ange-- ordnet worden.
Die Börsen.
a-^ Berlin, 30. Juli. Der Verkehr an der Berliner Börse findet gemäß oem gestrigen Beschluß des Börsen- vvrstalldes dergestalt statt, daß der Ultimoüaudel einge- stellt bleibt und mir am Kassamarkt gehandelt wird. Am Getreidemarkte findet das Geschäft wie gewöhnlich statt.
»-* Rom, 30. Juli. Die Börsen von Rom und Mailand haben das Termingeschäft eingestellt.
»«»> Petersburg, 30. Juli. Die Börse bleibt am Donnerstag, Freitag und Sonnabend geschlossen. Wenn die Umstände es erlauben, wird sie früher wieder geöffnet werben.
Weitere Kriegsnachrichten.
Nach der „Deutsch. Tgztg." soll es bei Foca an der bosnisch-serbischen Grenze den Oesterreicher», die von zwei serbischen Divisionen «»gegriffen wurden, gelungen sein, die Serben zu werfen. Die Serben hatten achthundert, die Oesterreicher zweihundert Tote. — Wie dem „B. T." gemeldet wird, seien in Budapest Gerüchte im Umlauf, denen zufolge nach der Beschießung durch die Donaumonitore Belgrad von den österreichisch-un- garischen Truppe« fast ohne Widerstand zu “ nommen worden sei. Auch die „Bossische Zeitung" bringt solche Meldungen. Auf die Siegesnachrichteu hin habe in Budapest ««geheurer Jubel geherrscht. Tau- se«de hätten einen Fackelzug veranstaltet, seien mit Musik über den Ring gezogen und hätten Hochrufe auf den König und seine Bundesgenossen ausgebracht.
finden ge-
«-» Semlin, 30. Juli. (B. Z.) Seit Mitternacht wird das bet Belgrad gelegene serbische Militärlager von Branika beschossen. Vom serbischen Ufer sind nur vereinzelte Gewehrschüsse an hören. Belgrad liegt im tiefste» Dunkel. Das Gewehrfener verstärkte sich am Morgen. Um 4 Uhr morgens wurde der österreichische Schlepper „Attotmany" mit einem großen Boot im Schlepptau auf serbischer Seite in ein mörderisches Feuer genommen. Das Schiff geriet in Brand, jedoch gelang es, das Feuer bald zu lösche». Das Schiff kehrte nach dem österreichischen Ufer zurück. Von den fünf Mann der Besatznng wurde» zwei getötet »»d einet verwundet. Das Manöver des Dampfers hatte den Zweck, den Beweis zu erbringe», daß die Belgrader Festnng nicht geränmt ist, sondern zahlreiche Verteidiger hat.
, „*=* Wien, 30. Juli. (B. Z.) Nach einer hier einge- troffmten Meldung hat au der serbische» Grenze bei Botschar ein für die Oesterreicher erfolgreicher Kampf stattgefnnden. 600 Serben wurde» getötet »nd 2000 ae« fangen genommen.^ österreichischer Seite sollen 200
Das Bombardement von Belgrad.
Die serbische Gesandtschaft in Paris stellt der Telc. graphen-Union folgendes aus Misch kommendes Telegramm vom Mittwoch 10 Uhr vormittags znr Verfügung: Wahrend der Nacht ist Belgrad bombardiert worden Mehrere Geschosse sind in verschiedene Stadt- viertel der Stadt gefallen und haben schweren Schaden angerichtet. Geschosse fielen unter anderem anf das Ge- bau-e der französisch-serbischen Bank und ans das des Bankiers Andrejewitsch. Der Bankier gleichen Namens wurde verletzt und legte bei der dentschen Gesandtschaft Protest gegen die Beschieß»«» seines Gebändes ein' rvUd bei Wichnitza, 5 Km. unterhalb Belgrad, fortgesetzt. Bei den letzten am Ufer der ltattgehabten Kämpfen ist ein Brückenpseiler der ^W bie Save führenden Brücke zerstört worden. Die Verbindungen sind vollkommen unterbrochen.
Die Krise aus dem Höhepunkt.
Nach einer Meldnug der Frankfurter Zeitung aus Pctersbnrg wird die Lage als hoch kritisch bezeichnet Man erwartet stündlich entscheidende Schritte
w. Petersburg, 30. Juli. Die Kanonade vor Belgrad hat hier große Aufregung verursacht. Man ist nunmehr »eben Augenblick auf das Erscheinen eines Mobilisationsmanifestes gefaßt. Wie verlautet, betrachtet die russische Regierung das erste organisierte Vorgehen der österreichisch-ungarischen Heere als Kriegsfall
Besprechnngen int Neuen Palais.
»e* Berlin, 30. Juli. Gestern abend fand im Neuen Palais eine Konferenz statt, an der der Neichskanzle? von Bethmann-Hollweg, Staatssekretär von Jagow.
i Falkenhayn, der Staatssekretär des
Kriegsminister von Falkenhayn, der StaatssekrEr des Reichsmarineamts von Tirpitz, der Chef des General- stabes von Moltke nnd des Admiralstabes der Kabi- nettschef General der Infanterie Freiherr von Lyncker, ferner der Chef des kaiserlichen Hauptquartiers Gene, raloberst von Messen und mehrere Herren des ReÄ marineamts teilnahmen. Die Konferenz währte bis in die spaten Nachtstunden. Gestern nachmittagwar ^^n^ Heinrich im Neuen Palais bei dem Kaiser eingetroffen. ... ** Dassel, 30. Juli. Prinz Joachim von Preußen unHofort Ägereis!!^ ttß* Potsdam berufen worden
** neuestes vom Cage.
Militärische Nachtübung j« Straßburg
o-$ Straßburg, 30. Juli. Die ^traübirrner schreibt, dass in der Nacht vom 30. zum 81 ^nit ü!e swun ^traühnrn1 nnfHin^nC ^^h^ng in der Uttigebung von Straßburg stattfinden werde. Die Einwohnerschaft brauche sich also durch den in der Nacht ertönenden Ka- nonendonner mcht zu beunruhigen. ertonenoen Ka
Opfer der Krise.
Potsdaut, 80. Juli. Der Bankier «itnpn Nieder, Inhaber des Bankhauses M. J. Bieb^: in^Pots- dam, und seine Ehefrau wurden heute nackt in einem Berliner Hotel vergiftet aufgefunden. Die Ursache des sollen Verluste durch die Kriegs» wirren i» Höhe von 250 000 Mark sein. Das Ehepaar