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Kaiser und Kronprinz

Tradition im

ölten haben, wie sie am Mittwoch 'er und dem Kron-

Jn schicksalsschwerer Stunde.

Der Empfang des Kronprinzen vorn Kaiser und die mehrstündige Unterredung, die der Monarch mrt dem Thronfolger im Neuen Palais hatte, galten der Mög­lichkeit, daß die von der deutschen auswärtigen Posittk werden muß, so besteht die Annahme, haß eine Beför­derung des Kronprinzen vorgesehen ist, damit er bei eventuellem Kriegsausbruche als Reprgsentant an Ne Spitze eines der großen Heereskörper gestellt werden kann. Da der Kronprinz nach Beendigung seines Dien­stes als Regimentsführer unter der Anleitung des Ge­neralstabschefs strategische und taktische Kriegswissen­schaften studiert hat, so ist er in die Kenntnisse der obe­ren Heeresleitung eingeführt, und unter Beratung des Generalstabes der Armee wird der Thronerbe das Amt übernehmen müssen, das ihm nach der Tradition im Hohenzollernhause zukommt.

Der jüngste Empfang des Erzhe Josef vom Kaiser von Oesterreich in chen Angelegenheit gegolten haben, w im Neuen Palais zwischen dem Kaiß prinzen verhandelt und erledigt worden ist. Zwei junge und fast gleichaltrige Thronerben aus dem Habsburger und Hohenzollerngeschlecht, denen einst die Sorge um zwei große verbündete Stachen anvertraut sein wird, werden jetzt auf die schwere Verantwortung hingewie­sen, die sich mit ihrer nahen Stellung zur Krone verbin­det, und durch die deutschen und österreichisch-ungari­schen Lande dringt in schicksalsschwerer Stunde das Ge­bet, daß sich der Geist großer Ahnen auf die königlichen Enkel vererbt haben möge, damit sie ihren treuen Völ­kern Vorbilder an Heldenmut und Tugend seien.

Nach zwei Fronten hat Oesterreich-Ungarn, nach zwei Fronten das deutsche Reich zu kämpfen, wenn ein Weltbrand nicht mehr abgewendet werden kann. Wie Kaiser Franz Josef an die Spitze einer Armee treten wird, um sie zum Siege zu geleiten, so wird auch Kai­ser Wilhelm sich in das Hauptquartier begeben, um un­ter Beratung seines hohen Generalstabes selbst die Füh­rung zu übernehmen. Ob in Ost oder West, das ist kaum bestimmt, weil noch immer mit der Abwendung eines Massenkrieges gerechnet wird. Wie dem Kaiser, so wür­den auch dem Kronprinzen die Herzen entgegenjubeln, wenn er als Heerführer erschiene. Der Geist der Trup­pen ist es, der den Sieg verleiht, und der Mut unserer Heere wird zur Begeisterung wachsen, wenn sie an ihrer Spitze die Enkel der Sieger von 1870, Kaiser Wilhelm des Ersten undunseres Fritz", sehen.

was wird ein europäischer Krieg kosten.

Prophezeiung eines Nobelpreisträgers.

Prof. Dr. Charles Richet, der bekannte Friedens­freund und Nobelpreisträger, hat, wie der Korrespon­denzHeer und Politik" aus militärischen Kreisen ge­schrieben wird, in Vorahnung, daß die serbische Frage einmal den Anlaß zu einer Auseinandersetzung zwischen den Dreibunds- und Dreiverbandsmächten abgeben würde, eine überaus interessante Berechnung aufgestellt, was ein solcher europäischer Krieg kosten würde. Seiner in denDokumenten des Fortschritts" enthaltenen Ab­handlung kommt im Augenblick, da Mars die Stunde regiert, erhöhte Bedeutung zu.

Entzündet die Fackel des Weltkrieges Europa, so muß man damit rechnen, daß die in den internationalen Krieg verwickelten Großmächte gezwungenermaßen kaum weniger als 20 Millionen Soldaten zu mobili­sieren hätten, von denen mindestens 10 Millionen auf die Schlachtfelder geworfen werden. Diese ungeheuren Truppenmassen erfordern hinsichtlich des Transportes, der Bewaffnung, der Ausrüstung, der Munition und Berproviantierung sowie im Hinblick auf die Zerstörung von Städten und Dörfern Tagesausgaben, die eine für die Gesamtheit der Truppen der Großmächte eine schwin­delnde Höhe erreichen. Prof. Richet kommt nämlich auf die Summe von 216% Millionen Mark täglicher Kosten, die er aus folgender Zusammenstellung ableitet:

Ernährung der Truppen (bei Annahme, daß die Lebensmittelpretse nicht sofort erhöht werden) 50 Mil­lionen Mark, Verpflegung der Pferde 4 Millionen X Sold 17 Millionen X Entlohnung der Arsenals- und Hafenarbeiter bet 4 pro Tag 4 Millionen X Mobili­sierung 8 Millionen X Transport der Lebensmittel­ausrüstung, Waffen 16 Millionen X Munition der In­fanterie (10 Patronenkartons pro Mann und Tag) 16 Millionen X der Artillerie (10 Schüsse per Geschütz und Tag) 5 Millionen X der Schiffsartillerie (2 Schüsse per Geschütz und Tag) 1% Millionen X Heeresausrüstung, auf 10 Tage verteilt, 16 Millionen X Sanitätswesen (500 000 Verwundete oder Kranke a 4 A pro Tag) 2 Millionen X Schiffsbewegungen (6 Stunden Fahrt pro

(Eilt Meisterwerk.

Roman von Paul Beye.

1) (Nachdruck verboten.)

1. Kapitel.

In dem Laden des alten Cesco Lupi in der Strada nuova di Capodimonte, jener seltsamsten aller Stra­ßen Neapels, die auf dem Ponte della Sanita kühn über die tief gelegenen Häuser des dortigen Stadtteils hinwegsetzt, mußte sich etwas ganz Besonderes ereignet haben. Schon vom Morgen an hatten die Nachbarn ge­hört, wie der Lupi mit seinem Schwiegersohn und so- üar mit seiner Tochter, seiner abgöttisch geliebten Con- 'ür die er sonst immer nur zärtliche Worte hatte, dann waren im Laufe des Tages wohl ein ^^5Dutzend Engländer, bald einzeln, bald alle zu- ihm gekommen, um mit ihm zu unterhan- späten Abend hatte es noch ein- Kvekm??? ^s^takel in dem Hause gegeben einen M der Strada nuova di Capo- ltIebL Und das wollte viel sagen, p^J'hh 1C l! M^ uüt ihrem bunten Gemisch von »ÄÄn»Ä pel* Stuten Fremderer"^ tm ^"^" übrigen Nea- pcr. <venn ein fremder sie zum erstenmal Dufftertp sn Ä ^S\'s?» « ä䮫J schehen, Revolution ausgebrochen oder einer ermordet sein, aber wenn er dann verwundert fragte warum «Ä^ ttW ehtfdjrttte, so erwiderte man ihm, daß E ^nz still und friedlich wären. Nicht einmal zwei Weiber hatten sich gezankt. Was wolle er nur? Danach kann man sich vorstellen, wie arg der Spektakel im Hause des Lupi gewesen sein mußte, weil er seine Nachbarn in solche Aufregung versetzte.

Tag) 2 Millionen X Minderertrag 6er Steuern (25 Prozent) 40 Milliönen A und 35 Millionen für Hilfe­leistung an die Mittellosen, Requisitionen, Schaden an Städten und Dörfern, Brücken usw. Bei dieser Zusam­menstellung ist jedoch nicht eine etwaige Preissteigerung bei Ausbruch der Feindseligkeiten berücksichtigt. Nimmt man ferner an, daß auf eine Periode von 30 Tagen ein Drittel des Kriegsmaterials in Heer und Flotte zer­stört wird, so kommen noch 20 bis 30 Millionen A täg­lichen Verlustes hinzu.

Man greift also eher noch zu niedrig, wenn man die Verluste am europäischen Volksvermögen auf gut 250 Millionen A pro Tag veranschlagt, die Verluste an Menschenleben und sonstigen Schrecknisse eines euro­päischen Weltkrieges nicht gerechnet.

Politische Rundschau.

Oberbürgermeister Wermuth über die finanzielle Kriegsbereitschaft Deutschlands. Gelegentlich einer im Berliner RatHause stattgehabten Unterredung des Ober­bürgermeisters Wermuth mit Vertretern der Presse über die übertriebenen Nachrichten von einer» Ansturm auf die Berliner Sparkassen aus Kriegsfurcht kam der ehe­malige Staatssekretär des Reichsschatzamtes auch auf die finanzielle Bereitschaft Deutschlands für den Kriegsfall zu sprechen und sagte wörtlich:Deutschlands finanzielle Bereitschaft für den alleräußersten Fall steht über allem Zweifel!"

Die bayerische Abgeordnetenkammer zu der politi­schen Lage. Bei der Eröffnung der Mittwoch-Sitzung der bayerischen Abgeordnetenkammer hielt der Präsident Dr. von Orterer eine Ansprache an das Haus, in der er auf den Ernst der politischen Lage himvies und auf die Gefahr aufmerksam machte, daß die Kriegsflammen auch auf das Deutsche Reich herüberschlagen könnten. Unter diesen Umständen richtete er an das Haus das Ersuchen, die Verhandlungen des Landtags zu beschleu­nigen, damit sie möglichst bald ihr Ende erreichen. Sollte sich jedoch in der politischen Lage etwas wesentlich Neues ereignen, so werde man sich neuerdings verständigen und wohl and) eine Erklärung der Staatsregierung zu erwarten haben.

Die holländischen Offiziere in Durazzo kündigen. DerAgenzia Stefani" wird aus Durazzo gemeldet: Die Offiziere der holländischen Mission begaben sich zum Fürsten, um ihm die Unmöglichkeit auseinanderzusetzen, ihr Mandat zu erfüllen. Der Fürst behielt sich seine Ent­scheidung vor. Es geht das Gerücht, daß die holländischen Offiziere ihr Entlassungsgesuch der Kontrollkommission überreicht Haben.

Die französischen Stiefel find da. Die vom franzö­sischen Senat und der Kammer ernannte Uuterkommis- sion zur Einleitung einer Untersuchung über den Zu­stand des Kriegsmaterials hat sich vertagt. Ihre Un­tersuchung hat erwiesen, daß die Verhältnisse, nament­lich was die Artillerie und die Vorräte an Lebensmit­teln und an Schuhen anbelangt, die kürzlich geäußerten Besorgnisse nicht rechtfertigen.

Kleine nadirldife»

Landung eines französischen Flugzeuges im Saar­gebiet. Bei Wiebelskirchen ging am Dienstag ein Dop­peldecker mit einem französischen Zivilslieger nieder, der sich angeblich auf der Rückreise von der österreichischen Grenze nach Frankreich befand. Die Durchsuchung des Flugapparates förderte nichts Verdächtiges zutage, eben­so ist es nicht erwiesen, daß, wie ein Gerücht behauptete, ein zweiter Insasse des Flugzeuges sofort nach der Lan­dung geflohen sei. Der Flieger bleibt solange unter Bewachung, bis aus dem von ihm angegebenen Auf­stiegsort eine Bestätigung seiner Angaben eingetrof- fen ist.

Zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt. Die wegen Ermordung ihres fünfjährigen unehelichen Knaben vom Schwurgericht Ämberg zum Tode verur­teilte Alteisenhändlerstochter Metzner wurde vom König zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt.

Um dreißig Pfennige erstochen. In München er­stach der 17jährige Lehrling Kugler seinen Kameraden, den 16jährigen Lehrling Hunderer, der ihm 30 Pfennig schuldete und diese Summe nicht sofort bezahlen wollte. Hunderer ist auf dem Wege ins Spital seinen Ver­letzungen erlegen.

Selbstmord aus Furcht vor dem Kriege. In Wün- schendors in Böhmen hat sich der 26jährige Bäckermeister Fengler das Leben genommen. Als er die Einbe­rufungsorder erhielt, ging er auf den Boden des Hauses und erhängte sich. Fengler ist Vater von drei Kindern.

Gericht und Recht«

Fünf Wochen Gefängnis wegen Tierquälerei. Eine exemplarische Strafe verhängte das Spanüauer Schöf­fengericht gegen einen Fuhrmann, der sein Pferd schwer mißhandelt hatte. Er war mit einem Einspänner mit

Es hängt mit dem berühmten Kunstwerk, dem Luca della Robbia, zusammen," sagte der kleine ver­wachsene Mommino, der eine Wechselstube hatte und bei dem man auch im Lotto setzen konnte. Er äußerte das so geheimnisvoll, daß man gleich merkte, der Mom­mino wußte mehr von der Sache, als er sagen wollte.

Mit dem Luca della Robbia?" wiederholte ein anderer.Wie könnte das wohl sein? Warum sollte sich der Cesco mit seinen Kindern des Luca della Rob- bta wegen zanken?"

Auch die Uebrigen vermochten das nicht einzusehen, aber trotzdem waren sie überzeugt, daß der Mommino recht hatte. Es ließ sich ja nicht leugnen, daß im Lupi- schen Hause irgend etwas anders war als sonst, seit der alte Antiquitätenhändler den Fries des berühmten Bildhauers und Schöpfers herrlichster Werke in gla­siertem Ton besaß. Die frühere Einigkeit zwischen Schwiegersohn, Tochter und Schwiegervater fehlte. Und bann war es auch auffallend, daß noch niemand, außer den Engländern, die in den Laden kamen, und die nichts darüber plauderten, den Fries gesehen hatte. Sonst pflegte der Cesco doch mit seinen kostbaren Er­werbungen zu renommieren und sie jedem zu zeigen, gleichviel, ob er Lust hatte, sie zu sehen, oder nicht, aber diesmal versteckte er seinen Schatz so eifersüchtig, als ob er fürchtete, daß er vom Beschauen verdorben würde. Wenn die Concetta nicht ihrer Freundin, der Nannina Duomi, davon erzählt hätte, würde man über­haupt nichts von seinem Vorhandensein wissen.

Am Nachmittag hat der Cesco eigenhändig eine lange flache Kiste fortgetragen," berichtete wichtig ein junger Mensch, der eigentlich Orangenverkäufer war, aber gelegentlich dem Antiquitätenhändler beim Auf­räumen seines Ladens half.Da hätte der Fries recht gut darin sein können. Und er ging auch mit der Kiste nach der Hafengegend zu. Warum hat der Cesco sie

sechs Personen auf dem Wege nach Spandau. Das Pferl war des sandigen Weges wegen bald am Ende seiner Kräfte, sodaß die Fahrgäste ausstiegen. Der Angeklagte Hatte schon vorher sinnlos auf das Pferd losgeschlagen. Jetzt ritz er vor Wut eine junge, am Wege stehende Kiefer Heraus und schlug damit unbarmherzig auf das Tier los. Ein Schlächtermeister und dessen Geselle brach­ten den Vorfall zur Anzeige. Das Gericht erkannte aus fünf Wochen Gefängnis.

Sie Zeppeline bei einer Mobilmachung.

Kein geringerer als Dr. Eckener, gewiß einer der ersten Autoritäten auf dem Gebiete der Luftfahrt, hai sich vor einiger Zeit in sehr bemerkenswerter Weise über die Bedeutung der Zeppelin-Luftschiffe bei einer Mobilmachung geäußert. Aus den klaren Ausführungen des hervorragenden Fachmannes kann man sich ein voll­kommenes Bild von der Tätigkeit derZeppeline" bei Ausbruch eines Krieges machen, und man versteht, warum alle anderen Militärmächte sich unter größten Anstrengungen bemühen, ein den Zeppelinen gleich­wertiges Starrluftfchifs zu erbauen.

Dr. Eckener führte aus, daß bei einer Mobilmachung die Zeppeline infolge chrer langen Fahrdauer unö ihrer gewaltigen Tragfähigkeit sowie der Möglichkeit, mit drahtlosen Apparaten ausgerüstet zu werden, sehr schnell bis tief in das feindliche Land eindringen und den Trup- penaufmarsch auf schnellstem Wege unserer Heeresober­leitung melden können. Es würde sich höchstens darum handeln, die von den Franzosen als einzige Luftwaffe gerühmten Flugzeuge abzuwehren. Hier ist es bedeut­sam, was dieser hervorragende Fachmann über die Be­deutung der Flugzeuge gegenüber den Zeppelinen sagt.

Dr. Eckener erklärte, daß die Hoffnung der französi­schen Militärbehörden allein darum nur auf den Flug­zeugen beruhe, weil sie kein wirkliches brauchbares Miu- tärluftschiff mit den Leistungen der Zeppeline aufzuwei- sen haben. Die Zeppeline Haben heute bereits die Ge­schwindigkeit der Flugzeuge übertroffen. Fernerhin sind sie jetzt von atmosphärischen Einflüssen, von stürmischen Winden und böigem Wetter ebenso unabhängrg wie von den Sonnenböen an heißen Sommertagen, an denen bekanntlich die Flieger vor Einbruch des Abends nicht aufsteigen. Hierin übertreffen die Flugzeuge die Zep­peline um ein bedeutendes. Auch eine Verfolgung der Zeppelin oder ihre Vernichtung durch Flugzeuge ist nur in ungewöhnlichen Fällen möglich. Das Luftschiff hat nämlich eine viel größere Steigfähigkeit als die Flug­zeuge und übertrifft sie darin um mehrere Minutenme- ter. Bet einer Begegnung eines Zeppelins mit einem Flugzeug kann also der Zeppelin viel schneller aufstei- gen und über das Flugzeug gelangen, und es dadurch durch Bombenwürfe vernichten. Nach den Angaben Dr. Eckeners kann durch einen Zeppelin eine Anzahl von 30 Flugzeugen vernichtet werden, bevor ein Flugzeug im Stande ist, einen Zeppelin zu zerstören. Der Zeppe­lin kann sich demgemäß im Kampf gegen eine große Flugzeugflottille noch vorzüglich behaupten und als Steuer ficworneBen.

Diese Ausführungen Dr. Eckeners zeigen zur Ge­nüge, worin der Wert der Luftfahrzeuge besteht. Na­türlich hat das Flugzeug auch feine gewaltige Bedeu­tung. Dagegen mangeln aber den französischen Luft­schiffen ebenso strategische Werte wie den alten und langsamen Kriegsschiffen. Ein Luftschiff, das 13 bis 14 Meter in der Sekunde fährt, hat für den Krieg nur sehr geringe Bedeutung.

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Vermischtes.

Ein reuiger Selbstmörder. An einem der letzten Tage sah man in Cuxhaven morgens bei der Kugelbake einen Mann ins Wasser springen, der in die See hinaus trieb, bevor man ihm Rettung bringen konnte. Man fand am Strande zurückgelassene Kleidungsstücke des Selbstmörders mit Angaben über seine Personalien. Da angenommen werden mußte, daß er ertrunken war, wurde er amtlich alstot" erklärt. Dem Lebensmüden war aber in den Fluten wieder die Lust zum Leben ge­kommen, und er suchte sich, mit der Strömung seewärts treibend, über Wasser zu Halten. Nach etwa 40 Minuten wurde er in völlig erschöpftem Zustande von einem Krab- benfischerkutter gerettet und an Bord von dem gut­mütigen Krabbenfischer arrfs beste verpflegt. Am näch­sten Tage wurde er in Cuxhaven an Land gebracht und den Behörden zugeführt, die ihn wieder in die Liste der Lebenden eintrugen.

Einbrecherjagd eines Vaters auf seinen Sohn. Der seltene Fall, daß ein Vater mit scharf geladenem Revol­ver den eigenen Sohn wegen Einbruchs verfolgt, hat sich in Nauen bei Berlin zugetragen. Der neunzehnjäh­rige Hermann G., der erst kürzlich eine Gefängnisstrafe, die er wegen Diebstahls erhalten, verbüßt hatte, und dem das Betreten der elterlichen Wohnung untersagt worden war, drang in das Arbeitszimmer seines Va­ters ein, erbrach ein Spind und stahl daraus eine Geld-

mich nicht tragen lassen," meinte der Cirillo, denn so hieß der Bursche, nachdenklich.Er liebt es doch sonst nicht, sich anzustrengen."

Weißt Du denn nicht, was die Engländer bet dem Alten wollten?" erkundigte man sich.

Den Luca della Robbia wollten sie kaufen na­türlich," entgegnete der Cirillo in einem Ton, als ob er nicht begriffe, daß jemand hieran zweifeln könnte. Und ein Heidengeld wars, das sie dem Lupi dafür boten ich hörte Summen nennen, wie 80 000 und 100 000 Lire, aber dem Lupi schien das immer noch nicht genug zu sein."

100 000 Lire!" wiederholte der Wechsler schier an­dächtig.100 000 Lire nicht genug!" Er schüttelte den für die kleine verschrumpelte Figur viel zu großen Kopf und lachte auf eine eigentümlich boshafte Art.

Und wieder dachten die Umstehenden angesichts dieses Lächelns, der Mommino wisse mehr von der Sache, als er sagen wolle.

Wenn man nur wüßte, wo der Cesco Lupi den Luca della Robbio her hat!" meinte einer.Er muß ihn doch gekauft haben, aber so reich ist der Cesco doch nicht, um solche Preise zu bezahlen."

Nein, so reich war er nicht darüber waren alle einig. Der Lupi betrieb sein Antiquitätengeschäft schon mehr als dreißig Jahre hier in dem nämlichen Hause und es ging ja auch recht flott, denn die Frenrden kauf­ten nirgends lieber als bei dem mürrischen Alten Mo­saiken, alte Schmucksachen, Bilder aus vergangenen Jahrhunderten und plastische Werke, sowie verblichene Stickereien, golddurchwirkte Stoffe und Spitzen, aber ein Vermögen wie das, von dem der Cirillo redete, konnte der Lupi sich doch nicht erspart haben.

(Fortsetzung folgt).