Schicksalsstunden Europas.
In fieberhafter Erregung harrt man in Deutschland auf das, was die nächsten Stunden bringen werden. Ist es also doch dahin gekommen, daß von den Entschlüssen von Männern, die man kaum in der Welt irgendwo kennt, von ein paar serbischen Ministern, die gestern noch irgendwo in der Dunkelheit saßen. die Lösung der Schicksalsfrage abhängt, ob der Boden der alten Mutter Erde unter dem ehernen Tritt unzähliger Bataillone erzittern, oder ob noch einmal die Antwort auf die Rätselfragen unserer Zeit hinausgeschoben werden soll? Allerdings, im letzten Sinne tragen nicht die Männer von Belgrad die Entscheidung in den Falten ihrer Toga, sondern die Berater des Zaren, des Herrschers selbst, der einst mit seinem Manifeste ten Frieden der Welt wie einen rocher de bronze stabilieren wollte. Böse Stunden der Erwartung durchleben wir. Und millionenfach empfindet man den Wunsch: Gewißheit über den Stand der Dinge, die zur Entscheidung drängen!
Wir verzeichnen zunächst die in den letzten Stunden eingegangenen, zum Teil bereits zur Kenntnis gebrachten wichtigsten Meldungen:
Die serbische Antwort.
Der serbische Ministerpräsident erschien am Sonnabend abend wenige Minuten vor 6 Uhr ans -er öster- reichisch-nngarische» Gesandtschaft in Belgrad nnd erteilte eine ungenügende Antwort auf die österreich-«nga- rische Note. Der österreich-nngarische Gesandte notifizierte ihm hierauf den Abbruch der diplomatischen Be- ziehnngen und verließ mit dem Gesandtschaftspersonal Sonnabend abend 6,30 Uhr Belgrad. Die serbische Regierung hatte schon am Sonnabend nachmittag 3 Uhr die Mobilisierung der gesamten Armee angeordnet. Der Hof, die Regierung sowie die Truppen ränmten Belgrad. Die Regierung soll nach Kragujewatz verlegt werden.
Bis Sonnabend mittag war in Belgrad jeder der Auffassung, daß die Note von Serbien angenommen werden würde. Dieser Eindruck wurde noch durch das Kommuniquee des Regierungorgans „Samouprava" verstärkt. Allgemein war eine gedrückte Stimmung bemerkbar. Gegen 2 Uhr nachmittags lief jedoch im serbischen Ministerium des Aeutzern eiue lange chiffrierte Depesche aus Petersburg eüi. Kaum war sie entziffert, ging es wie ein Lauffeuer durch die Stadt, daß Rußland sich auf serbische Seite gestellt habe. Die Folge dieser russischen Depesche war die unbefriedigende Antwortnote der serbischen Regierung, deren Inhalt noch nicht bekannt ist. Von der russischen Depesche wurde sofort dem Thronfolger Alexander Bericht erstattet, der sogleich die Mibilisiernng anordnete. Er fuhr, in seinem Automobil stehend, durch die Stadt, überall begeistert begrüßt. Es entstand eine gehobene Stimmung und die Begeisterung für den Krieg wuchs. Beim Abschied des österreichischen Gesandten erschienen alle diplomatischen Vertreter außer den russischen und französischen Diplomaten.
In Wien verlautet, daß das Telegramm, das die russische Regierung nach Belgrad richtete und das die kriegerische Haltung der serbischen Regierung hervorrief, einen großen Umfang gehabt habe. Es heißt, das Telegramm habe 2000 Worte enthalten und in ungemein scharfen Worten Serbien znm Widerstände ermutigt.
In diplomatischen Kreisen verlautet, daß Serbien die Forderungen Oesterreichs bis auf zwei angenommen habe. Die beiden abgelehnten Forderungen feien: der Tagesbefehl an die Armee, den man beim Offizierskorps nicht durchsetzen zu können geglaubt habe, sowie die Teilnahme österreichischer Beamter an der Untersuchung auf serbischem Gebiet. Es verlautet ferner, daß Verhandlungen zwischen verschiedenen Hauptstädten schweben, um den Konflikt zwischen Serbien und Oesterreich-Ungarn zu lokalisieren.
Kriegsvorbereitungen in Oesterreich.
Sämtliche Wiener Blätter stellen fest, wenn die Serben sich nicht noch im letzten Augenblick zum Besseren besinnen, sei der Krieg unabwendbar. —Wie verlautet, ist in Oesterreich die teilweise Mobilisierung an- geordnet worden. Für das Innere der Monarchie sind eine Reihe von Ausnahmebestimmungen getroffen worden. Der Landtag und der Reichsrat wurden geschlossen. Ein Eommuniquö bemerkt dazu: Wenngleich die Maßnahmen in mancher Richtung einschneidende Wirkung auf das normale bürgerliche Leben haben werden, darf im Hinblick auf die ernste Stunde doch mit Sicherheit erwartet werden, daß die schwere Verantwortung, welche zu diesem Schritte bestimmen mußte, von allen Bewohnern des gemeinsamen Vaterlandes gewürdigt wird. Die Ersatzreservisten sind vorläufig noch nicht einberufen worden. In gewissen Komitaten wird der Landsturm emberufen. Oesterreich hat acht Korps, darunter das Präger und Leitmeritzer, mobilisiert. Die Sicherung der Eisenbahnen durch Truppen wurde am Montag angeordnet. Im „Neuen Wiener Tagblatt" ruft der ehemalige Kriegsminister Frhr. v. S ch ö n a i ch der Armee, welche getragen sei von den Ueberlieferungen durch Jahrhunderte bewährter Soldaten und von Bürger- tugenden ein flammendes „Vorwärts" zu. In der treuen Hingebung, in dem festen Zusammenstehen der Bürger beider Staaten möge der Kaiser, den Frhr. v. Schönaich als Hort des Friedens preist, Trost finden für den Schmerz, den ihm dieser freventlich aufgezwungene Krieg bereite. Der Artikel schließt: Gottes Schutz geleite die Truppen und knüpfe den Sieg an ihre Fahnen! — Die „Neue Freie Presse" veröffentlicht einen Aufruf zur Unterstützung der Familien der zu den Waffen Einberufenen.
Begeisterte Stimmung in Wien.
, Die Mitteilung von der Ablehnung der Note löste n Wien ungeheure Begeisterung aus. Es kam dort wie in der Provinz zu imposanten patriotischen Kundgebun- gen. Als vor 8 Uhr die erste Nachricht über den Abbruch der diplomatischen Beziehungen bekannt wurde, ging eine lebhafte Bewegung durch die Massen. Alsbald er- schienen auch die ersten Extrablätter, die die Nachricht bestätigten. Sie wurden von einzelnen Personen aus dem Publikum verlesen und von den Umstehenden mit lautem Beifall und Hochrufen auf den Kaiser ausgenommen. Alsbald sammelten sich die Massen zu einem imposante» Manifestationszuge, der, immer neuen Zuzug erhaltend, über die Ringstraße zum Deutschmeister- Denkmal zog. Patriotische Lieder wurden gesungen und Hochrufe auf ten Kaiser, auf Kaiser Wilhelm und auf die Armee ausgebracht. Aus den Tramwaywagen, die nicht passieren konnten, wurden die Hüte geschwenkt und die Hochrufe der Menge erwidert. Beim Deutschmeister- Denkmal hielt ein Mann aus der Menge eine zündende patriotische Ansprache, die mit begeisterten Hochrufen begleitet wurde. Wiederholt wurde die Volkshymne, die am Rhein und das Prinz Eugen-Lied gesungen. M?lJ^W?teß die Menge gewähren. Auch in allen öer Stadt wurde die Nachricht mit gro- Menop^isterung ausgenommen. Ueberall, wo die würd? ,^«^uiziers oder eines Soldaten ansichtig Ruff ftn* & ihn und begrüßte ihn mit begeister- Stieg! Hoch die Armee! Auch aus den Provinzsiadten werden begeisterte Ovationen gemel-
vungen statt. Die Demonstrationen waren überaus groß. Offiziere und Soldaten, die den Graben passierten, wurden stürmisch begrüßt. Allerdings bezog sich diese Begeisterung nur auf die deutschen Stadtteile, trotzdem auch bei den Tschechen ein gewisser Enthusiasmus für den Krieg zu bemerken ist. — In B u d a p e st durchzog ein vieltausendköpfiges Publikum die Straßen unter den Rufen: Es lebe der König! Nieder mit Serbien!
Der serbische Generalissimus in Feindesland.
Der serbische Generalstabschef Putnik wurde auf der Rückreise nach Serbien am Sonnabend abend auf der Station Kehlerfelde in der Nähe von Budapest festge- nommeu. Er war ganz überrascht, da er nicht wußte, daß der Kriegszustand eingetreten war. Die Festnahme des Generals wurde selbstverständlich unter Beobachtung der dem militärischen Rang entsprechenden Formen vorgenommen. Der General wurde in die Budapester Militärkaserne geleitet und dort in aller Höflichkeit empfangen. Inzwischen wurde, da die österreichisch-ungarische Armee von viel zu ritterlicher Gesinnung erfüllt ist, die serbische Armee ihres Oberkommandanten berauben zu wollen, dem General ein Extrazug mit Salonwageu zur Reise nach seiner Heimat zur Verfügung gestellt.
Die Auffassung in Paris.
In den Erörterungen der gesamten Pariser Presse gelangt der außerordentliche Ernst der Lage lebhaft zum Ausdruck. Gleichwohl äußern manche Blätter den Gedanken, daß man, solange keine offizielle Kriegserklärung erfolgt sei, hoffen dürfe, daß die übrigen Großmächte imstande sein werden, einen Boden znr Verständigung ausfindig zu machen. Es ist übrigens sehr bezeichnend und merkwürdig, daß sich in Paris augenblicklich aller Augen auf den Deutschen Kaiser richten. Dutzendemale hört man aus den Boulevards das Wort: „Wenn Kaiser Wilhelm erst wieder in Berlin ist, wird sicherlich alles arrangiert werden. Wilhelm II. ist ein friedlicher Mann: es ist unmöglich, daß er zugibt, daß wir uns der Serben wegen mit den Deutschen schlagen." „Croix" schreibt recht interessant: Ein furchtbarer Streik wütet in Petersburg, England steht vor dem Bürgerkrieg, die französische Armee ist ohne Pferde, ohne Schuhe und ohne schwere Artillerie, in Paris befinden sich dreihunderttausend Revolutionäre. In diesem Zustand der Schwäche und angesichts des guten Rechts Oesterreich-Ungarns hat die französische Regierung nur eins zu tun: Serbien zur Mäßigung anzu- raten, anstatt es aufzuhetzen.
England als „ehrlicher Makler".
Der Generalanwalt Sir John Simon erklärte in einer Ansprache in Manchester bezüglich der europäischen Lage, man solle sich dazu entschließen, daß die Rolle, die England dabei spiele, von Anfang bis zu Ende nur die eines Vermittlers sein werde, der einzig und allein danach strebe, bessere und friedlichere Beziehungen zu fördern. — Ein der Regierung nahestehendes Blatt veröffentlicht eine interessante Note über die Stellungnahme Englands zu einem eventl. europäischen Konflikt. Danach beabsichtigt England geradeso wie auch Italien unter allen Umständen neutral zu bleiben. England ist in keiner Weise durch irgendwelche Verträge verpflichtet, an einem kontinentalen Krieg teilzunehmen, selbst wenn Frankreich und Rußland hineingezogen werden sollten. — Man hält in London für ausgeschlossen, daß tatsächlich ein bewaffneter Konflikt zwischen sämtlichen Großmächten Serbiens wegen ausbrechen würde und glaubt bestimmt, daß der Kampf lokalisiert bleiben wird.
Rußland hinter den Kulissen.
Ueber die Ursache der kriegerischen Stimmung in Belgrad wird der „Neuen freien Presse" von unterrichteter Seite mitgeteilt, die Belgrader Regierung wartete auf die Antwort aus Rußland, die am Sonnabend nachmittag um M Uhr eintraf und gelautet haben soll: „Bitte zn mobilisieren." — In der Sitzung des Kabinetts in Krasnoje Selo unter dem Vorsitz des Zaren soll Kriegsminister Suchomlinow mit großer Bestimmtheit erklärt haben, daß Rußland für alle Eventualitäten gerüstet sei und daß er für die Schlagfertigkeit der russischen Armee jede Garantie übernehme. Bei dieser Gelegenheit wird ein bisher unverbürgtes Wort des Zaren kolportiert, der angeblich gesagt haben soll: „Der Handschnh ist hingeworfen, ich hebe ihn auf." Da dieses Wort von panslawistischer Seite gemeldet wird, bleibt seine Bestätigung abzuwarten. — In Rußland ist ein Verbot ergangen, von jetzt ab bis auf ein Jahr bestimmte Nachrichten über Heer und Flotte zu veröffentlichen.
Bulgarien bleibt neutral.
Die serbische Regierung ließ in Sofia anfragen, welche Haltung Bulgarien im Konflikt mit Oesterreich- Ungarn einnehmen werde. Der bulgarische Ministerpräsident antwortete, daß Bulgarien sich neutral verhalten werde. Hierauf erwiderte Serbien mit einer Dankdepesche, Bulgarien würde für seine Neutralität entschädigt werden. Montenegro hat in Belgrad die Erklärung abgegeben, daß es anf Seiten Serbiens stehe Griechenland hat erklärt, daß es sich in den Kampf nicht einmischen wolle. — Die bulgarischen Blätter erkennen das Recht Oesterreich-Ungarns an, gegen Serbien angesichts der verbrecherischen allserbischen Propagandr und der fortgesetzten Provokationen energisch vorzu- gehen.
Geschützkampf bei Belgrad?
Budapester Blätter berichten.aus Semlin, daß in der Nähe der Stadt ein Geschützkampf im Gange zu sein scheint. Heftiger Kanonendonner ist vernehmbar, ohne daß man Grund hat, anzunehmen, daß sich die serbischen Truppen zur Wehr gesetzt haben. — Die von Semlin nach Belgrad führende Brücke ist von den österreichischen Truppen besetzt worden.
Der Sonderkorrespondent der „Daily Mail in Belgrad meldet seinem Blatte: Die miütarische Lage Serbiens ist augenblicklich äußerst schlecht, da die gesamten Truppen sich im Süden und an der albanischen Grenze befinden. Belgrad und die umliegenden Städte sind somit von jeder Verteidigung entblößt. In serbischen politischen Kreisen erklärt man, daß die österreichische Note eine Beleidigung darstelle, wie,sie in der Geschichte der Diplomatie nnerhört sei. - Wie in un errichteten Kreisen verlautet, hat der serbische Kriegsminister im Ministerrat erklärt, daß die Armee jene Bedingungen, die sich auf die Verhaftung und Bestrafung der Offiziere beziehen, in keinem Falle annehmen konnte, und daß für die Krone die Gefahr bestand, daß sich ine Armee gegen die Dynastie erhob. - Der serbische Gesandte ist mit dem Gesandtschaftspersonal, nachdem ihm am Sonnabend abend die Pässe zugestellt wurden, über Italien nach^e^^^ u(i Wie die Sonn- nnd Montags- zeitvng meldet, haben die Serbe» die Eisenbahnbrücke über die Donau zwischen Belgrad und Semlin in die
Juli. Wie die Sonn- und Montags- lben die Serben die Eisenbahnbrücke
Luft gesprengt.
100 000 Griechen für Serbien?
te# Paris, 27. Juli. (B. Z) Der Zeitung „Jour- M" wird a«K Konstaytinopel genrel^ DLk »rWische
Gesandte erklärte, daß Griechenland im Falle eines österreichisch-serbischen Krieges verpflichtet wäre, Ser, Hielt mit hunderttausend Mann zu unterstützen.
Mobilmachung in Montenegro?
Der Südslavischen Korrespondenz wird aus Cetinje gemeldet: Der Kronrat beschloß unter dem Vorsitz des Königs die allgemeine Mobilmachnng. Am Sonnabend und Sonntag fanden große Kundgebungen für ein gemeinsames Vorgehen mit Serbien statt. Die Rückkehr des Kronprinzen wird erwartet.
Italiens Bundestreue.
Die italienische Regiernng ließ am Sonntag durch den Botschafter in Wien, Herzog von Avarna, der öfter, reichisch-nngarischen Regierung die Erklärung zukom- men, daß sie in dem Konflikt zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien eine freundschaftliche Haltung ein- nehme.
Poincaree kehrt zurück.
o-# Kopenhagen, 27. Juli. Infolge eines beim hie- igen Hofe eingelaufenen drahtlosen Telegramms pas- ierte Präsident Poincaree die dänischen Gewässer, ohne n Kopenhagen gemäß des hier beabsichtigten Besuches zu landen.
o-# Paris, 27. Juli. Es heißt, daß der Ministerpräsident nnö der Minister des Sleutzern aus Kopenhagen über Kiel und Altona direkt nach Paris zurückkeh- ren werden. Kammerpräsident Dechanel hat seine Ferien unterbrochen und sich gestern abend nach Paris zu- rückbegeben.
Friedenshoffnungen.
Ein Umschwung in der allgemeinen politischen und diplomatischen Lage, das ist das Kennzeichen der letzten 24 Stunden seit dem Ausbruch des osterreichtsch-serbt- schen Konfliktes. So schreibt der Berliner Lokalanzeiger, und auf diesen Ton sind auch die Betrachtungen der anderen Morgenblätter gestimmt: Pessimisten würden geneigt fein, diese Stille als Vorläufer des zu erwartenden Sturmes anzusehen. Der Lokalanzeiger möchte im Gegenteil annehmen, daß es die Stille der fleißigen Arbeit fei, die von Land zu Land, von Kabinett zu Kabinett fleißig am Werke ist um die Lokalisierung des österreichisch-serbische» Konfliktes zu sichern. Nach demselben Blatt bringt die Petersburger Börsenzeitung die Mitteilung, Rußland werde die Vernichtung einer slavischen Macht nicht zugeben, sei aber bereit, Oesterreich in seinen berechtigten Forderungen zu stützen, wie Serbien Nachgiebigkeit anzuraten, wobei es aber nie zugeben werde, daß für das Verbrechen eines Einzelnen das ganze Serbien getroffen werde. Ebenfalls der Lokalanzeiger läßt sich ans Wien melden, ernsthafte Kreise erklärten, daß die Lokalisierung des Konfliktes durch die Erklärung Englands gesichert sei: Die Nordsee müsse vorn Kriege frei bleiben. Frankreich arbeitet mit Hochdruck in Petersburg für den Weltfrieden.
Der deutsche Botschafter in Parts Freiherr von Schoen und der interimistische Ministerpräsident Bten- venn-Martin hatten am Sonntaü eine neue Unterredung über die besten Mittel zu einer Aktion der Mächte für die Aufrechterhaltung des Friedens.
** Wien, 27. Juli. In der gestrigen Sitzung der Börsenkammer gab der Vertreter der Regierung die Erklärung ab, es sei bisher kein Anlaß, zu befürchten, daß die Lokalisiernng des Krieges nicht gelingen werde.
w> London, 27. Juli. Das Reuter-Bureau erfährt aus Kreisen, die in enger Berührung mit Wien stehen, daß die militärischen Vorbereitungen, welche Oesterreich- Ungarn treffen werde, Serbien noch Zeit zu gebe», seine Antwort einer nochmaligen Erwägung zu unterziehen.
Der Kaiser auf der Rückreise in Kiel.
o-# Kiel, 27. Juli. Der Kaiser ist heute vormittag 7 Uhr an Bord der Hohenzollern hier eingetroffen. Um 9 Uhr erfolgte die Abreise nach Berlin. Unter den sich immer wiederholenden Hurrarufen und patriotischen Gesängen des die Bahnhofshalle besetzt haltenden Publikums verließ der Zug die Halle. Die Ankunft in Berlin erfolgte um 8 Uhr nachmittags.
ob# Potsdam, 27. Juli. Die Kaiserin ist um 7,83 Uhr von Wilhelmshöhe auf Station Wildpark einge- troffen und hat sich nach dem Neuen Palais begeben. Der Kronprinz ist heute von Zoppot nach Berlin zurückgekehrt.
Kaiser Wilhelm die Hoffnung Europas.
o-# Berlin, 27. Juli. (B. Z.) Einer Petersburger Meldung zufolge hat zwischen dem Zaren und Kaiser Wilhelm ein Depeschenaustausch stattgefnnden. Man mißt dieser Tatsache in Bezug auf die Erhaltung des Friedens große Bedeutung bei. — In Petersburg verlautet, daß der König von England ein eigenhändiges Schreiben an den deutschen Kaiser gerichtet habe, in dem er ihn bittet, zugunsten des Friedens zu intervenieren.
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Kamps mit Irischen Mssenschmugglern
Ein Trupp Nationalisten, welche einen eingeschmuggelten Waffentransport nach Dublin bringen wollten, wurde von Regierungstruppen und Polizisten angehalten. Es kam zu einem Kampf, in dessen Verlauf die Soldaten mehrere Schüsse abgaben und einige Frei- willige verletzten. Die Soldaten wurden bei ihrer Ankunft in Dublin von der Volksmenge mit Steinwürfen empfangen und mußten von ihrer Waffe Gebrauch machen. Dabei wurden 5 Personen, darunter eine Frau, getötet und 40 verletzt. Die Polizei beschlagnahmte gegen 100 Gewehre, konnte jedoch ungefähr 2500 Gewehre und 170 000 Patronen die die Freiwilligen ein- schmuggeln konnten, nicht beschlagnahmen. Die Transporte waren durch Automobile in das Innere des Lan-
porte waren durch A des gebracht worden.
0-4- Dublin, 27. Juli. Auf der Metallbrücke wurde der Zusammenstoß so heftig, daß der kommandierende Offizier einer Abteilung auf die Menge feuern ließ. Vier Personen wurden dabei getötet und dreißia verwundet. Mehrere der Verwundeten erlitten schwere Ba- jonettstiche. Die Menge mißhandelte später alle nicht k”Ä"L»^^ am
Hospital sind zwei weitere Personen gestorben. Wie "gemeldet wird, haben irische Freiwillige die Telegraphenleitungen durchschnitten. y
— neuestes vom Gage»
Zwei Kinder ermordet aufgefunden.
Dreödeu, 27. Juli. Beim Mähen auf einem Kornfelde stießen Schnitter des Rittergutes in Klein- opctz auf die bereits in Verwesung übergegangenen Leichen von zwei kleinen Sintern. Es handelt sich um einen etwa ein Jahr alten Knaben und um ein etwa zwei Jahre altes Mädchen. Dem einen Kinde war der Schä- del gespalten, während der Tod des anderen Kindes anscheinend durch Erdrosselung herbeigeführt ist. Die Leichen haben an der Fundstelle, die mitten im Felde in unbewohnter Gegend liegt, schon seit 6 bis 8 Wochen gelegen. Einige Gliederteile sind verschwunden. Nach dem Befund handelt es sich vermutlich um Kinder von