3n der Enlscheidungsskunde.
Oesterreichs Ultimatum.
Das „Fremdenblatt" schreibt u. a.: Das Attentat von Serajewo hat uns auf die dringende Notwen- diakett hingewiesen, uns um jede« Preis Ruhe und Sicherheit zu verschaffen. Der österreichisch-ungarische Gesandte in Belgrad hat der serbischen Regierung die Forderungen bekanntgegeben, die wir an sie stellen müssen. Sie sind das Werk einer langen und sorgfältigen Erwägung und gehen über das unbedingt Notwendige nicht hinaus. So wie sie sind, müssen wir auf ihnen bestehen, denn es handelt sich darum, Minen- gänge zu zerstören, die von Serbien aus bis in das Herz unserer südslavischen Gebiete gegraben werden. Wir haben es mit einer unversöhnlichen, erbitterten feindseligen Bewegung zu tun, die sich zwar in den verschiedenartigsten Formen betätigt, aber in ihrer Ge- samtwirkung unsere Grenzbevölkerung in Erregung hält, das Vertrauen der Völker unserer Monarchie in die Aufrechterhaltung des äußeren Friedens erschüttert, den Kern von allen uns gegnerischen Bestrebungen bildet und unseren Boden mit kostbarem Blute tränkt. Würden wir all dies hinnehmen, ohne zu gründlicher Abwehr zu schreiten, so würden dieselben Agitatoren, die uns um rethorischer Wirkung willen unaufhörlich eines Mißbrauches der Gewalt anklagen, dies als Zeichen von Schwäche, Willenlosigkeit und Aengstlichkeit auslegen. Indem wir unseren Willen geltend machen, bringen wir das serbische Bohk von selbst zur Erkenntnis. Das Gefühl, daß wir es mit einem unerträglich gewordenen Zustand zu tun haben, dem ein Ende gemacht werden muß, ist in unserer Bevölkerung so mächtig. daß immer häufiger Klagen über das lauge Hinausschieben des unumgänglich Notwendigen, über Zaudern und Unentschlossenheit laut werden. Die Ungeduld und die Kritik sind begreiflich. Aber nicht im Zorn wollte die Regierung Oesterreich-Ungarns handeln, nicht ohne genaueste Prüfung aller Umstünde, nicht ohne sich voll darüber klar zu werden, welche Forderungen erhoben werden müßten. Kein Staat darf das Ansehen, das Leben der höchstgestellten Personen, seine Ruhe und sein wirtschaftliches Gedeihet! dem Fanatismus einer Bewegung ausliefern, die in letzter Linie darauf aus- geht, ihm Provinzen zu entreißen und mit allen Mitteln diesem Ziele zustrebt. Zur Erfüllung unserer Forderungen ist Serbien eine kurze Frist gesetzt worden. Wir hoffen, daß Serbien sich dem Begehren, das wir gestellt haben, innerhalb der gestellten Frist fügen wird. An unserem entschiedenen Willen, unsern Standpunkt unter allen Umständen aufrechtzuerhalten, darf es ebensowenig zweifeln wie an unserm aufrichtigen Wunsche, daß künftig ein besseres Verhältnis zwischen ihm und Oesterreich-Ungarn sich herausbilden möge.
Rußland will intervenieren.
w London, 25. Juli. Das Renterbüro meldet ans Petersburg: Der gestern abend stattgehabte Ministerrat dauerte fast vier Stunden. Man versichert, Rntzland werde unmittelbar intervenieren nnd von Oesterreich eine Berlängerungsfrist des Ultimatums verlangen, um der europäischen Diplomatie Zeit zu geben, ihren Einfluß auszuüben.
Demgegenüber schreibt die Wiener „Reichspost": Auf eine Fristerstreckung hat Serbien nicht zu rechnen, denn das Begehren Oesterreich-Ungarns ist zu selbstverständlich, als daß darüber noch lange debattiert werden könnte. Jeden Versuch zur Verzögerung muß man als einen mangelnden guten Willen auffassen. Da die Beseitigung weiterer störender und verletzender Einwirkungen auf unsere Grenzgebiete nur die Monarchie angeht, so kommt eine Bermittlungsaktion anderer Mächte garnicht mehr in Betracht.
* * *
Der österreichisch-serbische Konflikt.
In den Berliner diplomatischen Kreisen betrachtet man die durch Ueberreichung der österreichischen Note in Belgrad geschaffene Lage zwar als außerordentlich ernst, aber keineswegs als hoffnungslos.
Die Haltung Serbiens.
Bis jetzt ist man in den Berliner Kreisen noch vollkommen im Unklaren über die Aufnahme, welche die österreichische Note in Belgrad gefunden hat. Es liegen in dieser Hinsicht noch gar keine Nachrichten vor, doch deutet man die angeordnete Vertretung des auf einer Wahlagitationsreise befindlichen Ministerpräsidenten «H durch den Finanzminister als ein Anzeichen da- atz Serbien zunächst versuchen wird, der Forderung, die österreichische Note binnen 48 Stunden zu beantworten, auszuweichen.
* » * Die Aufnahme der Note in Belgrad.
Der Inhalt der Note der österreichisch-ungarischen Regierung hat in Belgrader Regierungskreisen im ersten Augenblick wie eine Bombe gewirkt und die größte Bestürzung hervorgerufen. Es fand sofort ein außer-
Die «echte Wahl.
Roman von HeleneMerkel.
41) (Nachdruck verboten.)
Magdalene tat kaum ein Auge mehr zu in diesen Nächten. Mit fieberheißer Stirn und brennenden Augen lag sie da und dachte unausgesetzt an ihn, den Still- geliebten. Eine namenlose Sehnsucht nach einem abermaligen Begegnen, nach einem Blick, einem Wort, einem flüchtigen Händedruck von ihm war in ihrem Herzen.
Stundenlang träumte sie von einem großen, überschwenglichen Glück, und dann wieder weinte sje verzweifelt vor sich hin, weil dasselbe nie, nie zur Wahrheit werden konnte.
„ _^ud über dem Träumen und Grämen bei Tag und Nacht ging die Zeit dahin. Sie reiste mit der Mutter ^^^rsrische, hoffte Ruhe, Erholung zu finden ö"?^'„r"^lofer, elender als vordem. Die ^.^»»^Ä^^chtsftunden mußten wieder ausgenommen Eden, ^ie ,ihr jetzt immer häufiger mühselige Qual, k^^h^ g^Wr^ue, wohltätig zerstreuende Ar- &MM Me' "°»'°- “
der Herbst kam. Sie hatte schon kaum etwas gehört und gesehen von Gün- späten Oktobertag, schon in abendlicher stunde, als sie etwas zeitig von den Stunden heimgekehrt war, sollte sie ihn wiedersehen. Sie spielte gerade Klavier, wie er bei ihr unerwartet vor- um sich wieder einmal nach dem Befinden der Mutter zu erkundigen. Zuletzt fragte er auch sie, ob es ihr wohlgehe, und als sie es schüchtern und dunkelrot bejahte, war er plötzlich einen Schritt näher zu ihr hingetreten und hatte, auf den geöffneten Flügel deutend, sie lächelnd in innigem Ton gefragt, ob sie ihm wie schon vor langer Zeit einmal wieder etwas vorspielen wolle?
| ordentlicher Ministerrat statt, in dem die Note eingehend besprochen wurde. Ueber das Ergebnis der Minister- zusammenkunft wirb das strengste Stillschweigen beobachtet. Auch in der Stadt selbst hat die österreichisch-ungarische Demarche die größte Sensation hervorgerufen. Fast in allen Kaffeehäusern bildeten sich Gruppen, die die augenblickliche Lage erregt besprachen und sich in heftigen Angriffen gegen Oesterreich-Ungarn ergingen. Es kam auch verschiedentlich zu erusteu Demonstrationen gegen Oesterreich-Ungarn.
Der Ministerrat in Belgrad.
Seit Freitag in früher Morgenstunde tagt unausgesetzt ein außerordentlicher Ministerrat. Ministerpräsident Pasitsch, der mit seinem Kabinettschef im Automobil auf der Wahlreise begriffen war, ist bereits wieder nach Belgrad zurückgekehrt. Das österreichische Ultimatum wird in Belgrad allgemein als unannehmbar bezeichnet. In Belgrad zweifelt niemand daran, daß Rußland Serbien gegen Oesterreich beistehen werde. Man ist sicher, daß Rußland infolge der überaus großen Schärfe der österreichischen Note einem bewaffneten Eingreifen Oesterreichs nicht untätig zusehen werde. Es wird sogar geglaubt, daß bet dem Ausbruch eines Krieges auch Italien Oesterreich sofort in Albanien ernste Schwierigkeiten bereiten werde. (?) Die Bevölkerung ist auf den Ausbruch des Krieges gefaßt.
Der Eindruck in Petersbnrg.
Das Ultimatum Oesterreichs überraschte in Petersburg dermaßen, daß die diplomatischen Kreise, deren Angehörige größtenteils in den nahegelegenen Badeorten weilen, erst in den späten Vormittagsstunden davon erfuhren. Der erste Eindruck ist der, daß der Krieg zwischen Oesterreich und Serbien unvermeidlich ist. Daneben ist man sich bewußt, daß die Weiterentwicklung hauptsächlich von der Haltung der russischen Regierung abhängt, deren Schritte daher mit der größten Spannung erwartet werden. Man hofft immerhin noch, daß Sasanow, der die Kriegspartei nicht begünstigt, alles aufbieten werde, um den Frieden zu erhalten und eine Formel zu finden, die eine Lokalisierung des Streitfalles mit Ehren ermöglicht.
Oesterreichs eiserner Wille.
Der österreichisch-ungarische Gesandte in Belgrad, Baron v. Giesl, hat von feiner Regierung die Anweisung erhalten, die serbische Regierung formell vom Ansbrnch des Kriegszustandes zn verständigen, falls sie auf ihrem ablehnenden Standpunkte verharren sollte. Diese Erklärung des österreichischen Gesandten wird Sonnabend mittag 6 Uhr, nach Ablauf der gestellten 48stündigen Frist, erfolgen. Außerdem erwartet man in Wien, daß der Kaiser
ein Kriegsmanifest an die Bevölkerung Oesterreich-Ungarns im Laufe des Sonnabend erlassen wird.
Oesterreichs Wille zum Aenßersten.
Zu der Note an Serbien fügt man an maßgebender Stelle hinzu: „Die Entscheidung liegt bei Serbien allein, denn Oesterreich wird weder Abänderungen seiner Forderungen noch eine unter welchem Vorwand immer verlangte Fristerstreckung für die Antwort zugestehen. Wenn Serbien die Note nicht in der gesteckten Frist beantwortet hat, ist der kriegerische Konflikt unvermeidlich. Auf Grund unbedingt zuverlätzlicher Mitteilungen kann versichert werden, daß man auch an höchster Stelle durchaus gewillt ist, im Notfall bis zum Aeußersten zu gehen. Eine Mobilisierung einzelner Truppenteile ist noch nicht angeordnet.
Festsetzung österreichischer Maßnahmen.
Ein unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Grafen Stürgkh abgehaltener Ministerrat hat die Maßnahmen festgesetzt, die zu treffen sind, falls die serbische Regierung die Forderungen Oesterreich-Ungarns ablehnen sollte.
Die Aufregung in Bndapest.
Die Situation wird im rumänischen Parlament für überaus ernst angesehen. In parlamentarischen Kreisen wird das Gerücht verbreitet, daß die Abberufung des Gesandten Baron von Giesl aus Belgrad unmittelbar bevorstehe. Man hält den Krieg mit Serbien für unvermeidlich.
Die Taktik Serbiens.
Der Korrespondent der „National-Zeitung" in Semlin erfährt aus gut informierter Quelle, daß die serbische Regierung solange als möglich damit zögern wird, die österreichisch-ungarische Note zu beantworten. Im alleräußersten Ernstfälle, wenn Oesterreich-Ungarn gegen Serbien mit Waffengewalt vorgehen sollte, würde Serbien sich anfangs vollkommen passiv verhalten. Man würde Belgrad, das ohnehin strategisch nicht haltbar ist, völlig ränmen und die österreichischen Truppen ohne jeden Widerstand in Serbien einmarschieren lassen. (?) Schon vor mehreren Tagen sind aus dem königlichen Palais alle dem König und den Mitgliedern der königlichen Familie gehörenden Wertsachen und Kostbarkei-
Magdalene war völlig verwirrt gewesen vor glückseliger Betroffenheit, alle Glieder hatten ihr gezittert und das Herz bis zum Halse hinaufgeschlagen, — aber sie hatte trotzdem ohne Zögern eingewilligt. Es war auch ganz gut gegangen, drei bis vier Sachen hatte sie auf sein immer erneutes Bitten hin gespielt; alles, was in ihrer Seele lebte an Wonne und Jauchzen, an Schmerz und Qual, hatte sie in die Töne gelegt und so zu ihm geredet in der Sprache der Liebe.
Er konnte es ja nicht ahnen, aber ein Vergnügen mußten ihm ihre musikalischen Darbietungen doch gewesen sein. Unverkennbar erfreut hatte er vor ihr gestanden und sie mit den warmen, seelenvollen Augen angeblickt, hatte ihre Hand in der seinen gehalten und dieselbe leise gedrückt — eine ganze lange Weile. Ach, was für unbeschreiblich selige Augenblicke das gewesen waren!
Tagelang noch hatte sie von der Erinnerung gezehrt und war umhergegangen wie eine Stillverzückte, aber um so tödlicher erschrocken war sie dann, als sie eines Tages tuscheln hörte, daß Doktor Günther sich wahrscheinlich bald wieder verloben werde mit einer anderen von den reichen jungen Damen der Stadt.
Magdalene zweifelte nicht an dem Gehörten, denn sie wußte, wie alle für ihn schwärmten, wie sie ihn der Elfe Roland seinerzeit mißgönnt hatten. Ihre Seelen- pein erreichte nun vollends den Höhepunkt, denn zu der Qual der hoffnungslosen Liebe kam noch die Angst vor dem prophezeiten neuen Ereignis. Sie horchte atemlos, wo zufällig die Rede auf den Doktor kam: sie begann, was sie noch nie getan hatte, mit ihrem Schicksal zu hadern und die vornehmen, von glücklichen Verhältnissen begünstigten Mädchen zu beneiden.
Aber das Gerückt schien vorderhand keine Bestä- tlgung finden zu sollen. Dafür kam ein anderes, be
ten nach Nisch fortgeschafft worden. — (Man ist berech. tigt, diese Mitteilungen in Zweifel zu ziehen. Red.).
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Herr von Schoen unterbricht seinen Urlaub.
Wie der Korrespondent der „National-Zeitung" in Berchtesgaden erfährt, hat Botschafter Freiherr von Schoen feine Urlaubsreife abgebrochen und ist nach Paris abgereist. Seine Anwesenheit in Paris ist infolge der österreichisch-serbischen Krise nötig.
Oesterreicher - Einberufungen in Berlin.
Wie der Kreuzzeitung von verschiedenen Seiten gemeldet wird, hat eine Reihe von in Berlin ansässigen Oesterreichern die telegraphische Aufforderung erhalten zu ihren Truppenkörpern einzurücken.
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Die Stimmung in Sofia.
Die österreichische Note wurde in Sofia mit größter Genugtuung ausgenommen. Man hat allgemein erwartet, daß die österreichische Regierung sehr energisch gegen Serbien vorgehen werde. Die Regierung wird der Monarchie versichern, daß sie in der Angelegenheit streng neutral bleibt.
Die russischen Freunde.
Die „Deutsche Tageszeitung" sagt: Das Verlangen Rußlands, die Frist des Ultimatums zu verlängern, bedeutet nichts weiter, als die Verschleppungspolitik See Zweibunöes zugunsten Serbiens anzuwenden. Es ist zugleich eine gröbliche Brüskierung Oesterreich - Ungarns. Die Folgen dieses russischen Schrittes können sehr ernst sein und man darf nur hoffen, daß er noch in letzter Stunde rückgängig gemacht werden könne.
Petersburg, 25. Juli. Das amtliche Organ veröffentlicht folgendes Kommunique:
Die kaiserliche Regierung, lebhaft besorgt durch die überraschenden Ereignisse und dnrch das an Serbien dnrch Oesterreich-Ungarn gerichtete Ultimatum, verfolgt mit Aufmerksamkeit die Entwickelung des österreichischserbischen Konfliktes, in dem Rntzland nicht indifferent bleiben kann.
In Belgrad.
Der Text der österreichisch-ungarischen Note gelangte am Donnerstag abend durch Sonderausgaben der Blätter zur allgemeinen Kenntnis. Wie verlautet, soll die aufgelöste Skupschtina für Sonntag, den 26. Juli zu einer außerordentlichen Session einberufen und die Neuwahlen auf unbestimmte Zeit vertagt werden.
Die Würfel fallen.
Wien, 25. Juli. Die „Neue Freie Presse" meldet aus Bad Jschl: Graf Berchtold wird heute nachmittag wieder hier eintreffen, um hier die Antwort der serbischen Regierung auf die vorgestern überreichte Note ab- zuwarten. Der Minister wird dem Kaiser keinen telegraphisch übermittelten Bericht vorlegen lassen, sondern sofort nach Eintreffen der Note aus Belgrad dem Kaiser mündlichen Vortrag erstatten.
Politische Rundschau.
Des Kaisers Nordlandfahrt. Vor öc m Frühstück unternahm der Kaiser am Freitag mit einigen Herren des Gefolges einen längeren Spaziergang an Land nnd wohnte mittags dem Wassersportfeste der Mannschaften der Hohenzollern und des Begleitschiffes bei. Mittags traf aus Berlin der Kurier mit Depeschen ein. Nachmittags ging der Kaiser mit Gefolge an Bord des Sie inner, um einen Ausflug nach Vik zu unternehmen, wo die angeblich aus dem zwölften Jahrhundert stammende Holzkirche eingehend besichtigt wurde.
Eine japanische Militärstndienkommission, die seit einigen Tagen in Wien weilte, ist nach Berlin abgereist.
Keine Einigung in der Ulsterfrage. Die Ulster-Konferenz ist ohne Ergebnis verlaufen. Die Verhandlungen, die im Buckingham-Palast unter Vorsitz König Georgs geführt wurden, sind abgebrochen worden nnd werden, wie es heißt, nicht wieder ausgenommen werden. Ministerpräsident Asquith bestätigte im Unterhause das Scheitern der Ulste.rkonferenz. Er gab die Erklärung ab, daß die Konferenz zu keiner Einigung darüber gelangt ist, welche Territorien von dem Homernle-Gc- ietz auszunehmen seien. Das Zusatzgesetz zur Homerule wird am Dienstag vorn Parlament beraten werden.
Kleine fladirlditea
Geständnis des Lustmörders Beständig. Der Neu- köllner Lustmörder Beständig hat, nachdem er die ganze Nacht in seiner Zelle ruhelos auf- und abgegangen war, endlich ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er erklärte, daß er die Erzählung non seinem Komplicen „Werner" nicht mehr ausrechterhalten wolle, er habe das Verbrechen allein verübt.
Eisenbalmnnfall. In Großmoyeuvre fuhr, nach Meldung aus Metz, Freitag nachmittag 12.26 Uhr eine Maschine dem Personenzug 2835 in die Flanke. Es wurden drei Personen schwer, fünf leicht verletzt. stimmteres in Umlauf: Herr Roland war zum Kom- merzienrat ernannt worden!
„Selbstverständlich, wenn man mit einem Herrn Oberfinanzrat gut Freund ist!" hieß es.
Nicht allzu lange danach kursierte ein zweites Gerücht über die Rolands in der Stadt: Fräulein Elfe, die ehemalige Braut Doktor Günthers, habe sich wieder verlobt und zwar mit ihrem Vetter, dem Husarenleutnant Artur Schrader.
Die Erörterungen über dieses neueste gesellschaftliche Ereignis wollten schier kein Ende nehmen.
Nun kehrten in der zweiten Hälfte des November auch Frau Roland und Tochter — der Kommerzienrat war schon viel früher eingetroffen — nach fast halbjähriger Abwesenheit endlich heim.
Da ging das Gerede und Kritisieren natürlich von neuem an. Und im Anschluß daran tauchte auch das Gerücht von einer ebenfalls in Aussicht stehenden zweiten Verlobung Doktor Günthers wieder auf.
Bestimmter noch als das erstemal glaubte Magdalene jetzt daran: denn nun war die Zeit des schicklichen Wartens, die er wohl hatte einhalten wollen, für ihn ja vorbei. Sobald sich Elfe Roland wieder verlobte, durfte auch er das gleiche tun.
Und in namenloser Unruhe und Qual verzehrte Magdalene sich förmlich. Jeden Tag konnte ja da» Furchtbare geschehen, das ihr gleichsam das Ende von allem denchte, das sie kaum auszudenken wagte und dessen Verwirklichung sie nicht würde ertragen können.
Denn — die Illusion dieser Liebe zerstört — was blieb ihr dann noch im Leben?
lFortsetzung folgt.)