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1888 und das aus dem Jahre 1918 veEenMcht. In dem ersten Testament vermochte Calmette nur über die Einrichtung eines Schlafzimmers und eines Speise­zimmers zu verfügen. In dem ziveiten Testament te­stiert er über ein Vermögen von 13 Millionen.

* * *

Der dritte Berhandlungstag.

Die dritte Sitzung des Prozesses gegen Frau Cail­laux wurde am Mittwoch Punkt 12 Uhr eröffnet. We­nige Minuten vorher erscheint der ehemalige Finanz­minister Caillaux im Saale, begleitet von mehreren politischen Freunden. Alle Zugänge zum Justtzpalast sind durch Barrieren gesperrt. Die Kontrolle ist außer­ordentlich scharf und Dutzende von Kriminalschutzleuten in Zivil sind in allen Seitengängen des Justizpalastes verteilt. Der Sitzungssaal ist gedrängt voll und es herrscht in ihm dieselbe schwüle Atnvosphäre, die seit Tagen über ganz Paris hängt. Als wenige Minuten nach 12 Uhr der Vorsitzende Albanel die Sitzung eröff­net, fährt ein heftiger Donuerschlag nieder, der den stolzen Bau bis in seine Grundfesten erzittern läßt. Labori, der vielgewandte Verteidiger Madame Caillaux', beugt sich lächelnd zu einem seiner Kollegen nieder und deutlich hört man ihn flüstern:Ich nehme dies Omen an."

Frau Caillaux trägt dieselbe Toilette wie in den ersten Tagen des Prozesses. Als erster erhält der Ober­staatsanwalt Herbeaux das Wort und erklärt, daß er von der Regierung ermächtigt worden ist, zu versichern, daß derartige

diplomatische Dokumente,

wie sie gestern während der Sitzung erwähnt worden seien, nicht existieren. Es sei daher ausgeschlossen, daß in dem gegenwärtigen Prozeß derartige Dokumente eine Rolle spielen können. Das sogenanntegrüne Dokument" stelle Caillaux in keiner Weise bloß, könne jedoch nicht vorgelegt werden.

Labori erklärt sich mit dieser Kundgebung für be­friedigt und konstatiert einen neuen Erfolg der Ver- I^Jnzivischen erhebt sich Prestat, der Administrator desFigaro", der der Schwiegervater Calmettes ist, um Erklärungen über die Behauptungen abzugeben, daß das Blatt in die Hände einer ausländischen Kapitalisten- ........ Ein Spekulant mit ätte allerdings vor Jahren einmal Figaro" besessen. Der Privatkläger

gruppe hätte tibergehen sollen, deutschem Namen hätte allerding

einige Anteile amFtgaro" vC^nv». r*..~......£- Chenu greift in einer weiteren Affare Caillaux noch­mals an, der sich jedoch sehr geschickt verteidigt. Er rollt nochmals die von Calmette gegen rhn intFigaro" ge­führte Kampagne auf und führt seinen Gegner sehr, ge­schickt ab. Caillaux' Antworten, die , knapp und prazcs gehalten sind, verfehlen nicht ihren Eindruck auf Richter, Geschworene und Zuschauer.

Dann nimmt die Zeugenvernehmung ihren Fort­gang. Es werden zunächst zwei Freundinnen der Frau Caillaux, Madame Chartran und eine Prinzessin mit exotischem Namen aber von Pariser Herkunft vernom­men, die angeblich Zwischenträgerdienste in dem Streit­fall verrichtet haben sollen und sich bemühten, eine Ver­söhnung zwischen Caillaux und Calmette herbeizuführen.

Ein Angestellter der Waffenhandlmig erklärte die Handhabung des Brownings den Frau Caillaux benutzt hatte, und sagte, öft schnKe Verbren­nung des Gases habe emen leichten Druck auf die Hand ausgeübt und so die Entladung erleichtert Frau Caillaux erklärte, sie habe vor dem Eintritt in das Zimmer Calmettes den Brownmg entsichert. La- beyrte, der damalige Kabinettschef Caillaux', und Del- bos, der Chefredakteur desRadial", besagen, daß Frau Caillaux an dem Tage der Tat außerordentlich niedergedrückt war. , , ....

Mehrere Zeugen sagen über hartnackige Gerüchte aus, die vor der Tat darüber verbreitet waren, daß ut= iime Briefe veröffentlicht werden sollten. Die Zeugen­vernehmung über diese Gerüchte nahm den ganzen Nach­mittag in Anspruch. Bemerkenswert war die Aussage des Abg. Prof. Painlevee, der erklärte, daß ihm der Bankier Gaston Dreyfutz, einer der Hauptaktionare des .Figaro", einen Tag vor dem Attentat gesagt habe, daß Calmette in seiner Kampagne gegen Caillaux

des

Aufsehen erregende Dinge

den

veröffentlichen werde. Painlevee erklärterer habe . Eindruck gehabt, daß es sich um die intimen Briefe handle. Zum Schluß der Verhandlung wurde der Di­rektor des Finanzministeriums, Privat-Deschanell, ver­nommen, der Zeuge gewesen war, als infolge einer Ver­ständigung zwischen Caillaux und seiner ersten Frau, der jetzigen Frau Gueydan, die von derselben entwen­deten intimen Briefe verbrannt wurden. Frau Gueydan habe damals auf die Frage, ob sie etwa eine Abschrift oder eine Photographie zurückbehalten habe, feierlich mit nein geantwortet. Es habe sich gezeigt, daß sie da­mals nicht die Wahrheit gesagt habe. Er könne nur hm- zufügen, daß er nach seiner eigenen Aufregung über die Sache sehr gut die unaufhörliche Angst begreifen könne, in der Frau Caillaux seither gelebt habe.

Um 5% Uhr wurde die Sitzung vertagt. Für die Verhandlung am Donnerstag ist das Verhör der Frau Gueydan und des ehemaligen Ministerpräsidenten Barthou in Aussicht genommen, dem die intimen Briefe von Frau Gueydan gezeigt worden waren.

Dasgrüne Dokument".

ob* Paris, 23. Juli. Trotz der im Namen der Re­gierung vom Generalstaatsanwalt abgegebenen feierli­chen Erklärung, daß das sogenannte grüne Dokument nicht existiere, halten die Caillaux feindlichen Blätter daran fest, daß dieses Schriftstück, welches auf das Vor­gehen Caillaux während der deutsch-französischen Ver­handlung betreffend Marokko ein sehr bedenkliches Licht werfe, wirklich vorhanden ist.

Für und wider Caillaux.

Ob* Paris, 23. Juli. Nach der gestrigen Prozetzver- Handlung gegen Frau Caillaux kam es in der Nacht bei einem Zusammenstoß zwischen Camelots du Roi, die mit dem Rufe:Caillaux der Mörder!" eine Kundge­bung veranstalteten, und einer Gruppe von Sozialisten und Radikalen zu einer argen Rauserei, bei der mehrere Personen nicht unerheblich verletzt wurden.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Düppelausstellung. Der Kaiser hat der Düppelaus- [teHung in Sonderburg auf ihren Antrag zwanzigtau- send Mark bewilligt.

1125 000 Francs für einen Romney. Aus Wien wird gemeldet: Ein Gemälde von Romney, das die Lady Penelope Lee Acton darstellt, ist von Lord Sanmaroc an die Kunsthändler Gebrüder Duveen für 1125 000 Fr. staust worden. Im Jahre 1793 erhielt der Künstler für dieses Porträt 3000 Francs.__

Gericht und Recht.

BeleUHa^ei6'1»? Eines Redakteurs wegen Matestitts- rirBHi !n>r$H i 5 Ferienstrafkammer des Landge- tur b2e gTmL^ den verantwortlichen Redak- reur des .Lvkwärts". Alfred Schulz, wegen Majestäts­

Vereidigung, begangen in einem Arliiei vom 8. Juni mit der UeberschriftKaiserhoch und Klassenkamps" zu 6 Wochen Gesängnis. Der Oberstaatsanwalt hatte 6 Mo­nate Gefängnis beantragt. Nur die Urteilsverkündung war öffentlich.

Verurteilung eines Rechtsanwalts. Der Rechtsan­walt Dr. Kopsch aus Roßwein hatte sich in Spekulatio­nen eingelassen, die verlustreich verliefen und die dazu führten, daß er in ganz kurzer Zeit Schulden in Höhe von 170 000 Mark machte. Um seine Gläubiger zu be­friedige», unterschlug er ihm anvertraute Gelder. Er wurde deshalb vom Landgericht in Freiburg (Sachsen) zu drei Jahren Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust verurteilt.

Vermisdites.

Der Kronprinz als Aussteller. Das sächsische Mini­sterium des Innern teilte der Leitung der Ausstellung Das deutsche Haudwerk 1915" mit, daß sich der Kron­prinz mit einigen von ihm verfertigten handwerks­mäßigen Erzeugnissen au der Ausstelluug beteiligen werde.

Eine furchtbare Bluttat ereignete sich in dem Dorfe Tüchen in der Westpriegnitz bei den Erutearbeiteu. Bei dem Mühlenbesitzer und Bäckermeister Lüdecke in Tu­chen ist seit etwa einem Jahre ein Geselle tätig, der mit dem 65 Jahre alten verheirateten Arbeiter Ferdinand Brau, der gleichfalls bei der Ernte tätig wir, in Streit geriet, in dessen Verlauf der Mülleraeselle ein Messer zog und es dem Alten in den Unterleib stieß. Der Ar- bitgeber sah diesen Borfall und eilte sofort herbei, um dem Arbeiter Brau beizusteheu. Ehe er aber dem be­trunkenen Müllergesellen das Messer aus der Hand rei­ßen konnte, erhielt er selbst einen Stich in den Unter­leib. Der Arbeiter Brau ist unter schrecklichen Qualen

gestorben. Der Mörder mürbe sofort festgenommen.

Kampf mit einem angeschossenen Eber. Ein aufre­gender Vorfall hat sich in Steinhöfel bei Fürstenwalde abgespielt. Als der Besitzer Gerhard mit seinen beiden erwachsenen Kindern aus dem Felde bei der Roggen- ernte war, brach plötzlich ein angeschossener Eber aus dem Roggen heraus und stürzte sich auf die Tochter G. Sofort eilte der Vater zu Hilfe, worauf sich u«» Tier gegen diesen wandte. Mit der Sense ging G. auf den Eber los, doch kam er zu Fall, und nun fiel das ge­reizte Tier über ihn her und bearbeitete ihn mit den Hauern. Wäre nicht in dem Moment der höchsten Ge­fahr der Sohn des G. hinzugekommen und Hütte dem Wildschwein durch einen geschickten Stich mit der Sense den Todesstoß versetzt, so wäre G. zweifellos zerfleischt worden.

des

das

Ermittelter Mörder. Der Mörder der vor einiger Zeit tot aufgefundenen Frau Blume in Magdeburg ist festgenommen. Es ist der frühere Schmied, jetzige Me­chaniker Franz Schnell. Alle seine Mitarbeiter wurden in der Blumeschen Mordangelegenheit vernommen, und einige davon hatten ausgesagt, daß Schnell mit dem Dienstmädchen der Blumeschen Familie Frieda N. ein Verhältnis angeknüpft hatte. Das ebenfalls festgenom­mene Mädchen hat dies zu Anfang bestritten. Schnell war gleich nach der Tat nach Berlin abgereist. Beim Durchsuchen seiner Wohnung wurden verschiedene Die- bes-Handwerkszeuge, besonders Dietriche und aus Diebstählen herrührende Sachen, Pfandscheine, auch Briese usw. gefunden. Aus den Briefen ergaben sich Fingerzeige für feinen Aufenthalt in Berlin. Es ge­lang ihn bald zu ermitteln und festzunehmen. Man hat bei ihm eine Summe Geldes gefunden. Schnell wurde nach Magdeburg gebracht.

Die verschwundene Braut. Das spurlose Verschwin- den der 29 Jahre alten Landwirtstochter Anna Weiß erregt gegenwärtig in Schimsheim in Hessen und Um­gegend großes Aufsehen. Frl. Weiß wollte am 16. ö. M. mit ihrem Verlobten, dem Landwirt Johann Heiß aus dem benachbarten Sprendlingen, Hochzeit feiern. Am Tage zuvor fuhr das Mädchen nach Sprendlingen, um dort die neue Wohnung einzurichten. Nach Been­digung dieser Arbeit verabschiedete es sich von seinem Bräutigam, um die Rückfahrt nach Schimsheim anzu- treten. Das Mädchen ist jedoch bisher nicht zurückge­kehrt, sondern fuhr, wie alsbald festgestellt werden konnte, in entgegengesetzter Richtung mit dem Zuge nach Bingen. Von dort ist jede weitere Spur von ihm verschwunden. Da keinerlei Ursachen für eine absicht­liche Entfernung des gesunden und durchaus normalen Mädchens vorliegen, insbesondere auch ein Selbstmord als absolut ausgeschlossen erscheint, so bleibt nur der Verdacht bestehen, daß es einem Verbrechen zum Opfer ^^^S^^mibahnerstreik in Christiania. Ein Straßen- bahuerausstand hat zu ernsten Unruhen geführt. Der Verkehr beschränkt sich nur auf eine kleine Anzahl von Wagen, die von Ingenieuren und jungen Studenten als Wagenführer bedient werden: junge Damen fungieren als Billetteure. Dienstag abend versammelte sich eine große Menschenmenge an verschiedenen Haltestellen. Die Demonstranten überschütteten die Wagen mit einem Re­gen von Steinen, zerschlugen die großen Spiegelfenster und prügelten einige Wagenführer und Billetteure durch. Die Fahrgäste flüchteten erschreckt. Die Polizeibeamten gingen gegen die Demonstranten energisch vor, und es gelang chlietzlich, die Menge zu zerstreuen. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Man befürchtet neue Unruhen. Der Vorsitzende des Munizipalrats be­müht sich jetzt, neue Verhandlungen zwischen den Strei­tenden herbeizuführen.

Die Lage in Mexiko.

Die Gefahr eines Angriffs auf Mexiko.

Wie aus Mexiko-Stadt gemeldet wird, suchten der deutsche und der englische Gesandte am Mittwoch die Vorstädte auf und legten den deutschen und englischen Staatsangehörigen nahe, angesichts der Möglichkeit eines Angriffes durch die Zapatisten in der Stadt selbst Aufenthalt zu nehmen.

Die Unsicherheit des Postverkehrs.

Nach einer Mitteilung der Reichspostverwaltung sind 50 Postsäcke bei der Beförderung von Veracruz nach Mexiko verbrannt, während eine große Anzahl anderer Postsäcke seit Wochen in der Nahe von Tegeria liegen und der Beförderung durch die mexikanischen Behörden harren. Ob sich unter den verbrannten Sacken auch deutsche befunden haben, ist noch nicht festgestellt worden.

Villa und Carbajal.

Villa erklärte gegenüber der gemeldeten Kundge­bung des Jnterimspräsiöenten Carbajal nur die bedin­gungslose Uebergabe der Hauptstadt könne Frieden bringen. ^ Endlichen Brüder.

ob* Neuyork, 23. Juli. Die Stadt Mexiko, die nach der Abreise Huertas von Truppen entblößt ist, ist in Gefahr, von der Armee Zapatas eingenommen zu wer­den, die bereits vor den Toren der Stadt steht. Der Ne- bellengeneral Carranza begibt sich nach Tampico zur Empfangnahme einer Ladung Waffen. In Washington nimmt man an, daß Villa sich der Waffen bemaÄ wird, um sie gegen jenen zu verwenden.

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Der albanische Wirrwarr.

Neue Millionen für Albanien?

Albauien soll demB. T." zufolge für die dringend­sten Bedürfnisse von Oesterreich und Italien wieder einige Millionen erhalten, ohne daß sich dadurch im übrigen die Stellung Europas gegen den Fürsten ver­ändert hätte. Das rumänische Korps soll aus 2300 Mann gebracht werden. Rumänien scheint den Fürsten immer noch halten zu wollen. Seine Freiwilligen sind straff militärisch organisiert und gut ausgerüstet. Zwölf ein­getroffene Geschütze können nicht verwendet werden, da die Verschlüsse noch fehlen.

Eine Rechtfertigung der Epiroten.

Die provisorische Regierung von Epirus läßt in Athener Blättern eine Depesche veröffentlichen, die der Präsident der provisorischen Regierung an die Inter­nationale Kontrollkommission in Albanien gerichtet hat. In dieser wird die in der auswärtigen Presse verbrei­tete Meldung entschieden als unrichtig bezeichnet, daß eine eptrottsche Armee gegen Valona marschiert sei. ES sei niemals daran gedacht worden, vorzurücken oder Valona zu besetzen. Die epirotischen Truppen hätten den Befehl, jeden Vormarsch auf albanisches Gebiet zu vermeiden. In der Depesche wird die Ernennung einer unparteiischen Untersuchungskommission verlangt, die die Wahrheit und die Verantwortlichkeit auf beiden Seiten feststellen soll.

Die Hauptführer der Rebellen

sind: Dschafer Tajar, der früher unter dem jungtürki- schen Regime militärischer Gouverneur von Jpek und später unter Torgut Pascha bet dessen albanischer Ex­pedition Oberstleutnant war, sowie Gjenach Bei, gleich­falls ein früherer Generalstabsoffizier unter Torgut Pascha, und Selimdema, ein früherer Gendarmeriekapt- tän Essad Paschas.

Die Gesandten und Schiak.

Die Ablehnung der Gesandten, in Schiak zu ver­handeln, erfolgte auf Antrag des deutschen Gesandten, der erklärte, er könnte als Vertreter seines Herrschers nicht in Schiak mit den Aufständischen verhandeln, die zudem keine genügende Garantie für Schutz und Re­spektierung der Gesandten geben könnten.

Böhmische Auswanderung nach Albanien.

Im Bezirk Pribram in Böhmen macht sich in letz­ter Zeit eine große Auswandererbewegung bemerkbar. Zahlreiche Bauern verkaufen ihre Besitzungen, um nach Albanien auszuwandern, wo sie neuen Grund durch Agenturen ankaufen. Die Regierung beschäftigt sich mit Mitteln, um die Auswanderung zu verhindern.

Die Gesandten und Schiak.

0-* Durazzo, 23. Juli. Die Vertreter der Groß­mächte erklärten sich bereit, wenn sie sich auch nicht zu den Aufständischen nach Schiak begehen würden, doch die Wünsche der Aufständischen anzuhören. Es wurde diesen anheimgestellt, ihre Wünsche schriftlich mitzutet« len. Aus bester rumänischer Quelle verlautet, daß die Entsendung einer rumänischen Jnvasionstruppe von 5000 Mann wahrscheinlich sei. (?)

~ Reuettes vorn Sage.

Im Kampf mit einem Revolverschützen.

s-r- Magdeburg, 23. Juli. Gestern erschoß ein ge­wisser Kramer einen jungen Mann im Streit. Kramer wurde verhört, aber wieder fretgelassen. Der späteren Bemühung, ihn zu verhaften, widersetzte er sich, indem er sich einschloß und blindlings auf jeden sich Nähernden schoß. Bis jetzt sind 0 Personen schwer verletzt, darunter ein Kind. Kramer -ist noch nicht verhaftet.

Unruhige Elemente.

o-* Troppau, 23. Juli. Die Kundgebung halbwüch­siger Burschen und arbeitsscheuer Elemente in Mäh- risch-Ostrau wiederholen sich allabendlich. Gest suchten Demonstranten, nach Witkowitz zu zieh den aber daran gehindert. Als Verhaftung«": men wurden, wollte die Menge die Verhafteten befreien. Eine Gendarmerieabteilung wurde mit Steinen bewvr- fen. Die Gendarmen gingen mit dem Bajonett vor und verletzten dabei einige Demonstranten.

Thronfolger Karl Franz Josef.

o-* Wien, 23. Juli. Der Kaiser

stern ver-

en, wur-

en vorgenom

o-* Wien, 23. Juli. Der Kaiser hat den Erzherzog Karl Franz Josef zum Obersten und Kommandanten des Husarenregiments Nr. 1 ernannt, dessen Inhaber der Kaiser selbst ist.

Explosion in einer Feuerwerkskörperfabrik.

w> Wien, 23. Juli. In der Fabrik für Feuerwerks­körper von Mazus in Görz ereignete sich eine furchtbare Explosion. Nach einigen Minuten stand das ganze Haus in Flammen. Der Besitzer und seine Frau konnten nur als verkohlte Leichen aus den Trümmern hervorge­zogen werden. Auch ein Arbeiter hat den Flammentod erlitten.

Zar und Präsident.

o-* Petersburg, 23. Juli. Zu Ehren Poincarees fand im großen Palais eine kaiserliche Frühstückstafel statt, an der eine große Anzahl geladener Gäste tetl- nahm. Der Kaiser trug das Band der Ehrenlegion, Poincaree das Band des Andreasordens.

Schwere Streikunruhen in Petersburg.

o-* Petersburg, 23. Juli. Der Straftenbahnverkehr ist fast gänzlich eingestellt. Im Stadtteil Wiborg zer­störten die Ausständigen die Telephonanlage und er­richteten Barrikaden. Hin und wieder wurde auf Poli­zei und Militär geschossen. doch es gelang, die Demon­stranten zu zerstreuen. An vielen Stellen der Stadt wurden die Polizei und die Truppen angegriffen und von den Gegnern gezwungen, das Feuer zu eröffnen. Bis jetzt weiß man, daß 5 Personen getötet und acht Personen verwundet worden sind. 3 Polizeibeamte wur­den schwer verletzt. Die Streikenden versuchten die Samsonbrücke in Brand zu stecken nni> das Wasserwerk zu zerstören, was ihnen aber mißlang.

Ein Erlaß an französische Offiziere.

o-* Paris, 23. Juli. Die Blätter veröffentlichen folgende Information aus Berdun: Infolge der bedeu­tenden Anzahl verdächtiger Deutscher beiderlei Ge­schlechts, die als Lehrer, Lehrerinnen, Handelsangestellte und Gouvernanten in den Diensten der Offiziere der Garnison stehen, hat der Militärgouverneur von Ver­dun folgenden Tagesbefehl erlassen: Diejenigen Offi- ziere, in deren Diensten Personen fremder Nationalität stehen, sind verpflichtet, dafür zu sorgen, daß diese iip

ordnungsmäßiger und rechtsgültiger Papiere sind. Den Offizieren der Garnison ist die größte Vor- sicht in der Wahl ihrer Angestellten zu empfehlen. In dieser Beziehung tragen die Offiziere eine große Berant- wortlichkeit. Sie sind angewiesen, dieselben scharf zu überwachen, ihnen keinerlei militärische Dokumente zu- ganglich zu machen oder sich in dienstlichen Angelegen« heften mit ihnen zu unterhalten.

Die französische Spionagefurcht.

ob* Toulon, 23. Juli. Die von den Blättern so sehr aufgebauschte Spionageaffäre der Deutschen Klara piersch, die unter dem Namen Sonya in Toulon lebte, bat sich als unbegründet herausgestellt. Infolgedessen ist die Povierkch wieder in Freiheit geletzt worden.

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