Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^j^, für den Kreis Hersfeld Meiner WW Wlitt
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Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage” "^^^z^^ernsprech- Nr. 8
Nr. 1«8. ” 1914.
Bus der Helmute
17. Kreisturnfest in Göttingen.
-hr- Hersfeld, 20. Juli.
Es schien, als ob der Himmel kein Einsehen haben wollte, als im Laufe des Sonnabend nachmittag die Turner aus allen Gegenden des 7. Kreises in Göttingen eintrafen, denn der Himmel hatte sich bewölkt und ein leichter Regen ging hernieder, doch frohen Mutes eilten die Turner unter Musikbegleitung nach ihren Quartieren, überall wurden ihnen freudige Willkommensgrüße entboten. Die Stadt prangte in reichem Flaggen- und Guirlandenschmuck, Hunderte von Willkommensgrüßen hießen die Turner willkommen. Um 6 Uhr rückte die gesamte Eschweger Turnerschaft, mehrere 100 Mann stark, unter klingendem Spiel in die Feststadt ein, ihr war der ehrenvolle Auftrag zuteil, das Kreisbanner von Eschwege, wo das letzte Kreisturnfest stattgefunden hatte, nach der Feststadt zu überbringen. Bald nach 6 Uhr langten die Eschweger auf dem Marktplatz an. Hierselbst hatte sich eine große Menschenmenge, festlich gestimmt, eingefunden. Mit kernigen zündenden Worten übergab der Gauvertreter, Herr Engelhardt-Eschwege, das Kreisbanner dem Vorsitzenden der Göttinger Turnerschaft, Herrn Geheimrat Professor Dr. Kühl, mit der Bitte, es in treuer Obhut zu bewahren. Herr Dr. Kühl übernahm sodann das Banner mit dem Gelöbnis, demselben in Göttingen eine würdige Stätte zu bereiten. Nach diesem weihevollen Akt fanden ernster Arbeit gewidmete Sitzungen des Kreisturnrats und der Kampfrichter statt.
An diese Sitzungen schloß sich abends um 8 Uhr die Begrüßungsfeier und Uebergabe der Festleitung an den Kreisturnrat an. Verschiedene Ansprachen von Seiten des Herrn Geheimen Konsistorialrats Pros. Dr. Kühl und Herrn Realschuldirektors Pros, von Hanxleden, sowie eines alten grauen 76jährigen Turnerveteranen, wechselten mit turnerischen Vorführungen, plastischen Gruppen u. Säbelfechten, Gesangsvorträgen der vereinigten Sängerriegen und Konzertvorträgen ab, sodaß die Stunden sehr schnell vergingen.
Am Sonntag früh, als der Weckruf beendet war, traten etwa 260 Wettturner zum Zwölfkampf an. Infolge der neuen Einrichtung (nach dem Muster des Deutschen Turnfestes in Leipzig) wickelte sich das Wettturnen rasch ab, 'odaß gegen V2I2 Uhr schon mit den Musterriegen sowie Spielriegen begonnen werden konnte. Ein erfreuliches Zeichen war es diesmal, daß 58 Musterriegen gemeldet waren.
Nach der kurzen Mittagspause ordnete sich gegen l/22 Uhr der Festzug, der sich um 1/28 Uhr in Bewegung setzte. Es war ein großartiger Festzug, wie er bei den letzten Kreisturnfesten nicht geboten wurde. Namentlich ist hierbei zu bemerken, daß die auswärtigen Turner in doppelter Anzahl eingetroffen waren. Ueber 200 Fahnen sowie mehrere Regimentskapellen waren im Zuge vertreten, bei dem Einmarsch desselben auf den Festplatz wollte er gar kein Ende nehmen. Hier angekommen hielt ebenfalls wieder der Vorsitzende der Göttinger Turnerschaft, Herr Geh. Konsistorialrat Professor Dr. Kühl, die Festrede. Am Schlüsse derselben verlas er ein Telegramm Sr. Majestät des Kaisers und ein solches von Turnvater Götz, was die taufenden von Turnern mit jubelnden „Gut Heil"-Rufen begrüßten. Es fanden alsdann die allgemeinen Freiübungen statt, an denen sich über 1100 Turner beteiligten. Diese Uebungen boten ein prächtiges Bild, welches noch besonders dadurch verschönt wurde, daß diesmal bei dem Aufmarsch sämtliche Fahnen vorausgetragen wurden. Der Rest des Tages wurde noch mit Gauvorführungen, Musterriegen und Spielen sowie Konzert ausgefüllt. Die am Abend von feiten der Göttinger Turnerschaft gestellten Pyramiden sowie Fackelschwingen fanden großen Beifall. Am heutigen Montag findet nun die Fort- fetzung im Wetturnen (Sechskampf) statt, wozu ungefähr 280 Turner angemeldet sind, ferner wird auch heute das Wettschwimmen abgehalten. Alles in allem genommen, kann sich das 17. Kreisturnfest den früheren in jeder Beziehung würdig zur Seite stellen und mancher Turner wird viel gesehen und viel gelernt haben. — Der Vorstand des Turnvereins Hersfelö veranstaltet morgen, Dienstag abend eine Siegesfeier für die Wettturner von Rotenburg und Göttingen. Unter klingendem Spiel werden dieselben morgen abend um ^O Uhr vom Bahnhof nach der Turnhalle geleitet. — „Gut Heil!"
.. »(Sonnenfinsternis.) Eine totale Sonnen- nnsternis, die am 21. August zu beobachten ist, wird zwar in ihrer Totalität nur auf einem kleinen Teil der Erde sichtbar sein, der vom nördlichen Grönland, über die Mitte der skandinavischen Halbinsel, über ^üdrußlanö nach der Westküste von Indien verläuft. In Deutschland wird sie nur zu Dreiviertel bis Neunzehnzwanzigstel wahrnehmbar sein. Am größten
ist der Prozentsatz der Sichtbarkeit in Königsberg; er beträgt dort 95 Prozent. Die Sonnenfinsternis dauert dort von 12.16 bis 2.37 Uhr. In Frankfurt beträgt die Sichtbarkeit 73 Prozent und die Dauer von 12.10 bis 2.35 Uhr. Ungefähr um dieselbe Zeit und in gleichem Umfange wird sich das astronomische Schauspiel auch hier beobachten lassen.
* (D e u t s ch e E i s e n b a h n e i n n a h m e n im Juni 1914.) Die Verkehrseinnahmen der deutschen Haupt- und vollspurigen Nebenbahnen im Juni 1914 nach der vom Rcichseisenbahnamt aufgestellten Uebersicht betrugen im Personenverkehr 103 390 000 Mk., gegen das Vorjahr mehr 12179 998 Mk. oder 12,28 Prozent auf einen Kilometer; im Güterverkehr 177 397 743 Mk., gegen das Vorjahr mehr 1020814 Mk., oder 0,46 Prozent auf einen Kilometer.
»Die Einweihung der Edertalsperre, zu der der Kaiser sein Erscheinen zugesagt hat, findet nunmehr bestimmt am 25. August statt.
* (G 0 l d e n e R e g e l n f ü r d e n O b st g e n u tz.) Sorge dafür, daß Obst von dir und den Deinigen täglich regelmäßig gegessen wird. Obst ist eine gesunde Speise. Esse nur genügend ausgereiftes Obst. Reinige die Früchte vor dem Verspeisen. Schäle die Früchte nur, wenn dies wirklich notwendig ist. Werfe Schalen und Kerne nicht auf die Straße. Trinke kein Wasser unmittelbar nach dem Genuß oder gar zwischen demselben. Halte Maß auch im Obstgenuß. Im Uebermaß genossen, wird auch die bekömmlichste Speise zum Gift für deinen Körper. Suche Ersatz in reinen, zubereiteten Obsterzeugnissen, wenn es dir in obstarmen Jahren nicht möglich ist, frische Früchte zu genießen.
-l- Hersfeld, 20. Juli. -;W a l d f e st des Lie de r- kranzes.) Begünstigt vom herrlichsten Sommerwetter feierte gestern nachmittag der Gesangverein Liederkranz sein diesjähriges Waldfest auf dem Tanzplatz des Tageberges. Ausmarsch mit Musik zum Festplatz, dort Männerchöre, Konzert, Tanz und Kinderbelustigung, dazu ein überaus zahlreiches Publikum und vorzügliche Bewirtung: alles dies erzeugte bald die fröhlichste Stimmung. In kurzer, aber markiger und warm empfundener Ansprache feierte Herr Lohr- mann den deutschen Wald und dankte dem Verein für die wohlgelungene Veranstaltung. Der Verein antwortete mit einem Hoch auf den Redner. Bei beginnender Dunkelheit marschierte die frohe Festschar im Lampionzuge zurück zur Stadt. Eine kleine Nachfeier im Vereinslokal bildete den Schluß des schön verlaufenen Festtages.
):( Hersfeld, 20. Juli. Am gestrigen Sonntage wurden im ganzen Deutschen Reiche alle unterwegs befindlichen Aut 0 m 0 bile und Motorräder einer besonderen Kontrolle unterzogen. Es wurden hierbei die Führerscheine, Zulassungsscheine, Erkennungszeichen und dergl. geprüft. Auch in den hiesigen Straßen wurde die Kontrolle durch die Polizei ausgeübt, die jedes durchfahrende Auto anhielt.
):( Hersfeld, 20. Juli. Der Einladung des Knüll- klubs folgend waren gestern auf dem herrlich gelegenen Eisenberg die Wanderscharen aus allen Richtungen zahlreich zusammen geströmt, um bei günstigerWitterung das diesjährige E t s e n b e r g f e st zu begehen. Em munteres Leben und Trerben entwickelte sich auf dem großen Platze des Berges, und bei den heiteren Klängen der Musikkapelle drängte sich das Publikum um dre Würfelbude und das Glücksrad, um möglichst viel von den schönen Gewinnen mit nach Hause zu nehmen. Hiesige Damen sowie Damen aus Niederaula und anderen Orten hatten sich in den Dienst der guten Sache gestellt und versahen mit dankenswertem Eifer ihr Amt in den Buden. Aber auch die Herren des Knüllklubs aus Hersfeld waren nach Kräften bemüht, der Kasse einen möglichst hohen Reingewinn zu sichern. Kaffeebude, Wirtschaftszelte und eine Wern- stube sorgten in bester Wene snr das lerbliche Wohl der Gäste, so daß auch in dieser Beziehung alles recht befriedigt war. Da der Ueberschuß des Festes dem Baufonds des Eisenbergturmes zufließen sollte, so war es mit Freuden zu begrüßen, daß das Resultat des Tages ein überaus günstiges war. Nach fröhlich verlebten Stunden brachen die Wanderfreunde auf, um vollbefriedigt nach allen Richtungen hin auseinanderzugehen.
8 Hersfeld, 20. Juli. Ueber den morgen hier eintreffenden Zirkus Barum lesen wir in einer auswärtigen Zeitung: Die Eröffnungsvorstellung des Zirkus Barum, der die herzogliche Familie bei- wohnte, brächte ein ausverkauftes „Haus". Welche Menschenmassen ein solches Riesenzelt beherbergen kann, zeigte sich deutlich nach Schluß der Vorstellung, als die Besucher des Zirkus in ihr Heim zurückkehrten. Daß dies glatt abging, ist fast ein Wunder; denn die Straßen waren um 11 Uhr in tiefe Finsternis gehüllt, nur wenige Laternen erleuchteten spärlich den Weg. — Den Zirkus selbst werden wohl sämtliche Besucher
bifV&vbi^ verlassen haben. Die Direktion hat gehalten, maüHk Zi ihrer Reklame versprochen hat; die Darbietungen sind st^^mnnigfacher Art, daß das Interesse stets von nenekw'^fesselt wird. Die verschiedenen Künstlertruppen, die Etz^esen und Araber, die indischen Fakire, die Jockeys Wt^n Hervorragendes. Für Heiterkeit sorgten die Eloibns, Zne dressierte Gänseherde und ein Bärendressurakt. Auch sonst ist große Mannigfaltigkeit in der Tierdressur vorhanden. Ein stattlicher Elefant, Kamele, Dromedare, Eisbären und Löwen folgen willig den Anordnungen ihrer Herren. Die Vorführung der Eisbären und Berberlöwen durch Herrn und Frau Direktor Kreißer war gauz besonders anziehend. Ein Besuch des Zirkus Barum kann warm empfohlen werden. Niemand wird's gereuen.
Homberg (Hessen), 19. Juli. Ein schwerer Unglücksfall mit tödlichem Ansaange hat sich in einem Steinbruche bei dem benachbarten Dorfe Appenrvd zuae- tragen. Der Fuhrmann Fleischhauer, welcher im Dienste eines Landwirts stand, war damit beschäftigt, im Steinbruche Steine aufzuladen; dabei hatte er sich zu nahe an eine überhängende Wand gestellt. Plötzlich rollte von dieser ein schwerer Stein herunter und traf Fleischhauer mit solcher Wucht auf den Kopf, daß die Schädeldecke zertrümmert wurde und der Tod auf der Stelle eintrat.
Nordhause», 20. Juli. Infolge Versagens der Steuerung fuhr ein Automobil bei Benneckenstein gegen einen Baum. Die 5 Insassen wurden auf die Straße geschleudert. Sie blieben 3 Stunden liegen, bis ein Zufall Einwohner von Benneckenstein an die Unfallstelle führte. Der Gbautfeur war auf der Stelle toi. Ein Insasse hurU eine Gehirnerschütterung, die übrigen sonstige schwere Verletzungen davongetragen.
Heiligenstadt, 18. Juli. Auf dem Ratsgut Herbigs- hagen bei Duderstadt hat heute Nacht ein 60iähriger Knecht einen gleichalterigen Mitknecht, der ihn im Schlafe neckte, mit einer Hacke erschlagen.
Corbach, 17. Juli. Ein schrecklicher Unfall ereignete sich im benachbarten Orte Flechtdorf. Der aus der Tenne der Scheune stehende Heuwagen des Gastwirts Emde wurde etwas vorgeschoben. Dabei stieß man an ein in der Ecke stehendes großes Jauchefaß. Dasselbe fiel um und traf mit seiner oberen Kante das 6jährige Töchterchen des Mannes derart heftig auf den Kopf, daß es alsbald verstarb.
Detmold, 17. Juli. Bei einem am Mittwoch abend über dem Truppenübungsplätze Senne niedergegangenen heftigen Gewitter schlug der Blitz in eine Gruppe Soldaten. Drei Musketiere lagen sofort ant Boden. Während einer sich sofort wieder erholte, sind die Verletzungen der beiden anderen schwerer Natur, sodaß man für ihr Leben fürchtet. Nach einer neueren Nachricht hofft man indes, beide am Leben erhalten zu können.
Büdingen, 17. Juli. Näher und näher rückt die Woche (25. Juli bis 2. August), in der die „Büdinger Schützengesellschaft" durch Festzug, Festspiel und Preisschießen eine Feier begeht, die im weiten Deutschen Reich zu den überaus seltenen gehört: die Jubelfeier ihres 800jährigen Bestehens. In unermüdlicher Arbeit sind alle Ausschüsse seit Monaten tätig, das Fest in allen Teilen zu einem großartigen zu gestalten und einen erhebenden Verlauf sicher zu stellen. Und so wird es keinen Besucher, keinen Schützen gereuen, der Einladung der Jubilarin Folge geleistet zu haben.
Erfurt, 18. Juli. Ein gräßlicher Unfall ereignete sich auf dem hiesigen Bahnhöfe. Der 21jährige Hilfsarbeiter Erich Diemann von hier lehnte sich aus einer fahrenden Lokomotive heraus, wobei er den Kopf nach hinten drehte. In diesem Augenblick wurde er von einem abgestoßenen Güterwagen gestreift, der in entgegengesetzter Richtung fuhr. Der Wagen zerdrückte dem jungen Mann den Kopf, sodaß er auf der Stelle tot war.
Wiesbaden, 17. Juli. In den Wiesbadener Blättern erschien dieser Tage eine Meldung, nach der man den Lumpensammler und Althändler Karl Bleß im Walde in bereits unkenntlichem Zustande aufgefunden habe. Die Leiche wurde zur Beerdigung freigegeben. Nachdem die Leiche bestattet war, erschien der totgesagte Bleß wieder auf der Bildfläche und erhob lauten Protest gegen seine „Bestattung". Man weiß jetzt nicht, wer der Tote war.
Fröndenberg (Sauerland), 19. Juli. Beim Absturz von einem Wagen schlug der Fabrikarbeiter Deistung mit dem Kopfe so heftig gegen eines der Räder, daß er in wenigen Stunden seinen Geist aufgab. Der Verunglückte hinterläßt seine Frau und mehrere Kinder.
Wetteranssichteu für Dienstag den 21. Juli?
Wolkig, zeitweise Regen, kühler, südwestliche Winde.