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Die MWMeise Mcatts

Der gallische Hahn und der russische Aar.

Der Präsident der französischen Republik Dampft ohne Benutzung des Nord-Ostseekanals nach dem Finni­schen Meerbusen, um zur Krönung seiner Laufbahn fest­liche Tage am Zarenhofe zu verleben. Ministerprasi- Sent Vimani wurde durch die schweren Anklagen gegen die französische Heeresverwaltung an der Wasserfahrt verhindert und reist in einigen Tagen auf dem Land­wege über Berlin, natürlich ohne hier guten Tag zu sagen, nach Petersburg. Das Krähen des gallifchen Hahnes über die schadhafte Rüstung Frankreichs ist in verflossenen Tagen auch nach Rußland hinübergedrun­gen. Angenehm wird es den russischen Aar nicht be­rührt haben, daß die Bereitschaft des Bundesgenossen an allen Ecken und Enden Mängel und Lücken aufweist. Selbst der Kriegsminister war nicht einmal in der Lage, die gegen sein Amt gerichteten Beschwerden zurückzu- weisen. Ist denn der gallische Hahn mit gelähmten Flügeln das Ideal, das den Russen bei ihren kriege­rischen Plänen vorschwebt?

Rußland ist bereit — Frankreich muß es auch sein! — so klingt es noch immer aus den jüngsten sranzösi- schen Kabinettswirren nach. Niemand aber bezweifelt, daß der Deputierte Humbert im Senate die volle Wahr­heit gesagt Hat, als er feststellen zu müssen glaubte, daß die französische Armee keine Schuhe anzuziehen habe, wenn es zum Feldzug käme. Seit dem Jahre 1903 ist kein Schuhzeug mehr für die Reserven angefertigt wor­den, und das vorhandene Schuhwerk, das jetzt seit 11 Jahren in den Magazinen liegt, ist so gut wie unbrauch­bar! Mit beispielloser Ungeniertheit wurde am Diens­tag von dem Senator Humbert über den Krieg mit Deutschland gesprochen.

In den Reden des Kriegsministers Messimy kehr­ten immer die Jahreszahlen wieder: Anfang 1917 — Ende 1917. — Mit dem Jahre 1917 muß offenbar etwas nicht in Ordnung sein, denn auch in Rußland wird fortwährend diese Zahl im Munde geführt. Der Kriegs- " i schlechten Zustände der Rüstungen

1 Panzertttrme, des Geschoßvorrates

matten an der Wand

minister sagte, die schlechten Zustände der Rüstungen -er Artillerie, der Panzertürme, des Geschoßvorrates und des Schuhwerkes seien den Verstößen der früheren Verwaltungen zuzuschreiben. Clemeneeau machte den dauernden Wechsel auf den Ministerposten dafür ver­antwortlich, daß keine Ruhe in den Aemtern der Repu­blik Herrsche. Der alte berüchtigte Ministerstürzer ver­gaß dabei ganz, daß er in erster Linie immer ein Ka­binett nach dem anderen abgesagt hat. Solange noch in Frankreich die Minister wie Sch .

beim Zauberlaternenspiel verschwinden, wird kaum Wandel eintreten. Es gibt nur ein Mittel, um aus der dauernden Krise in Frankreich herauszukommen — das klang auch am Dienstag aus den Jammerreden im Senat hervor: Verfassungsänderung! Ohne die Ver­fassungsänderung bleibt die dritte Republik keine Re­publik! Andererseits könnte aber auch die Verfassungs­änderung der Republik den Todesstoß versetzen.

Doch zunächst bewilligte der Senat einstimmig die geforderten Millionen für neues Kriegsmaterial. Wenn Poincaree aber in Petersburg die Vertrauens­frage an die russischen Minister richten wird, ob sie denn wirklich alles für einen Krieg mit Oesterreich-Un­garn und Deutschland bereit haben, so müßte die Ant­wort gewiß ähnlich wie die Klage im französischen Se­nate ausfallen. Dutzende von Kriegen hat Rußland in jedem Jahrhunderte geführt, aber bereit — im wahr­sten Sinne des Wortes bereit — ist es niemals gewesen. Roch kurz vor den Tagen der furchtbaren Niederlagen der Russen auf den Schlachtfeldern und in den Gewäs­sern Ostasiens äußerte ein bekannter russischer Diplo­mat: Wozu gebrauchen wir eine lückenlose Rüstung? Wir sind unendlich viele Menschen, daß es uns aus ei­nige tausend mehr oder weniger nicht ankommt! Die Masse muß es bringen.

Die Masse brächte es aber nicht! Und wenn jetzt der Zar auf die angebliche Bereitschaft Rußlands hinweist und Poincaree mit der Einrichtung der dreijährigen Dienstzeit und den neu bewilligten Millionen antwor­tet, so täuscht man sich gegenseitig. Weder Russen noch Franzosen können sich mit Sicherheit auf ihre Bereit­schaft verlassen. Beide Reiche haben sich gegenseitig in die Rüskvngen hineingetrieben. Die Vorgänge aber, die den gallischen Hahn in der Pariser Senatssitzung zn angstvollem Krähen brachten, sollten den russischen Aar nachdenklich machen, ob er recht daran tut, die Franzosen zu immer weiteren Opfern zu veranlassen.

Der Wechsel französischer Kriegsminister.

Zur Etatsrede Charles Humberts.

In seiner aufsehenerregenden Rede im französischen Senat hat Charles Humbert mit besonderem Nachdruck auf den Umstand hingewiesen, daß nicht zuletzt der un- gemein mangelhafte Zustand der französischen Landes­verteidigung auf den enorm starken Verbrauch der Re­

Die rechte Wahl.

Roman von HeleneMerkel.

83) (Nachdruck verboten.)

Unwillkürlich richtete sich das junge Mädchen etwas straffer auf. Dabei brach die herrliche rosa Rose, die in ihrem Gürtel stak, vom Stengel ab und rollte auf den Fußboden des Wagens.

Mit einem fast wütenden Blick streifte Frau Roland die Rose. Zugleich erhob sie sich und riß das gegenüber­liegende geschlossene Fenster auf.

„Eine unerträgliche Hitze im Wagen," bemerkte sie hierzu, „ich komme beinahe um!"

Frau Roland hatte, sofern es ihre Person betraf, n M zu viel gesagt; der Atem stockte ihr fast. Allein nicht die Luft im Wagenabteil verschuldete das, sondern E SMrm heitzwogender Erregung, die in ihrem Jn-

Um des Himmels willen, — wenn Ahnung, die sie schon heute nachmittag so schreckhaft tC' ^^ d^ sich ihr jetzt beim Anblick von Wahrheiten sollte? ^Eweisbarer aufdrängte, sich be- vm^‘pUL^ 018 tue sich ein Abgrund vor ' s^rUe tue aufgeregte, schwer atmende Frau vor sich hin.

qnnnWrhfpHpn ?si!?^besie eine Menge schreckensvoller "togilchkriten. Auf dre Tochter, ob sie noch weinte, achtete sie nicht mehr; nur die rosa Rose, die sie vorhin mit ihrem Kleid sich selbst dicht voi die Füße gefegt hatte streifte noch einigemal ihr erregter Blick.

Sie wußte, von wem die Rose stammte. Artur, der in ihrer Gunst so hoch stehende Vetter, hatte sie Else verehrt. Bei Försters heute nach dem Fünf-Uhr-Tee war es gewesen. Die älteren Herrschaften hatten noch plaudernd im Zimmer verweilt, während die jungerr gölte, unter denen sich auch Artur befand, sich ein biß­

publik an Kriegsministern zurückzuführen sei. Tatsäch­lich wechseln ja in Frankreich die Kriegsminister mit geradezu beängstigender Schnelligkeit. Bald steht ein Advokat an der Spitze der französischen Heeresverwal­tung, bald ein Börsenmakler, bald ein Militär, aber sie alle haben kaum Zeit, sich in ihr schwieriges Amt hineinzuarbeiten, denn nach wenigen Monaten oder gar Wochen ihrer Amtszeit müssen sie einem andern Platz machen. So kommt es, daß Herr Messimy, der Kriegs­minister des Kabinetts Viviani, bereits der 61. Kriegs­minister der Republik seit dem Jahre 1870 ist. Damit hat die französische Republik einen Rekord im Ver­brauch von Kriegsministern aufgestellt, wie ihn kein anderer Staat aufzuweisen hat. Interessant ist die Mit­teilung, daß nur wenige Kriegsminister die bemerkens­werte Dienstzeit von 6 Monaten aufzuweisen hatten. Nur sehr selten ist der für französische Verhältnisse ganz außerordentliche Fall eingetreten, daß ein Kriegs­minister sein Portefeuille länger als die Durchschnitts­zeit von 6 Monaten verwalten konnte. So führte der General öe Cissey die Geschäfte des Kriegsministers un­unterbrochen 2 Jahre lang, von 1871—73, ebenso lange blieb auch General Billot im Amte, von 1896 bis 1898. Der längsten Amtsdauer, die überhaupt jemals ein französischer Kriegsminister erlebte, durfte sich Herr de Freycinet erfreuen, der vom April 1888 bis zum Ja­nuar 1893 die Geschicke des französischen Heeres lenkte und die immerhin respektable Anzahl von vier Kabinet­ten überdauerte. Nur noch ein einziges Mal findet sich in der Geschichte der dritten Republik ein Fall von ähn­lich langer Amtsöauer eines Kriegsministers. General Andrö trug über vier Jahre die Verantwortlichkeit für Frankreichs Landesverteidigung. Diese vier genannten Minister, Freycinet, Anörch Billot und de Cassey haben somit die längste Amtsdauer zu verzeichnen. Auf der anderen Seite gelang es vielen französischen Kriegs­ministern nicht einmal, die Durchschnittszahl von 6 Mo­naten zu erreichen. Typisch ist dafür das Jahr 1894, in dem das Ministerhotel in der Rue Saint Dominique nicht weniger als fünf mal seinen Herrn wechselte. Aber auch die Jahre 1893, 1895, 1899, 1905 und 1906 ergaben einen recht starken Ministerverbrauch, nämlich je drei Minister im Jahr.

Politische Rundschau*

Des Kaisers Nordlandfahrt. Nach einem frühmor­gens unternommenen mehrstündigen Spaziergang hörte der Kaiser in Balestrand mit dem Gefolge einen kriegs- geschichtlichen Vortrag des Generalleutnants Freiherrn von Freytag. Am späten Nachmittag fuhr der Kaiser mit den Herren seiner Umgebung an Land und nahm den Tee im Garten des Professors Dahl.

Der König von Italien Manövergast des Kaisers. König Viktor Emanuel hat auf Einladung des Kai­sers seine Teilnahme an den Kaisermanövern zugesagt und wird als Gast des Kaisers vorn 10. bis 18. August auf Schloß Homburg wohnen.

Der Kronprinz hat, wie die „N. G. C." mitteilt, an den Verfasser der Flugschrift „Des Deutschen Reiches Schicksalsstunde", den Oberstleutnant a. D. H. Frobe- nius, aus Zoppot folgendes Telegramm gerichtet: „Habe 8hre ausgezeichnete Broschüre „Des Deutschen Reiches chicksalsstunde" mit dem größten Interesse gelesen und wünsche ihr in unserem deutschen Volke die weiteste Verbreitung. Wilhelm Kronprinz." — Die Schrift er­örtert sachlich und ohne Uebertreibung die Weltlage und kommt zu dem Schluß, daß es notwendig sei für Deutschland, sein Pulver trocken zu halten.

Wechsel im Kommando der Nordseestation. Der Chef der Nordseestation, Admiral von Heermgen, ist zur Disposition gestellt worden. Zu seinem Nachfolger wurde Vizeadmiral von Krosigk ernannt.

Die 21. Jahresversammlung des Hanptvereins Deutscher Ortskrankenkassen wurde nach viertägiger Dauer am Mittwoch in Darmstadt geschlossen. Der nächste Tagungsort ist Cassel.

Ungarns Stärke in der Finanzmirtschast. Finanz- minister Bilinski verwies im Rahmen einer auf einen oppositionellen Angriff erteilten Antwort darauf, daß die Verhältnisse des Geldmarktes und die wirtschaftliche Lage in den letzten 1% Jahren sich überall unerwartet ungünstig gestalteten. Daß die ungarische Volkswirt­schaft nicht zusammengebrochen sei, beweise deren Stärke und Widerstandskraft.

Russische Spione in Galizien. Wie die Blätter mel­den, sind in den russischen Spionageangelegenheiten in Galizien in den letzten Tagen zwei neue Festnahmen von russischen Spionen erfolgt. Insgesamt waren bis zum 1. Juli in Galizien 13 Spionageuntersuchungen eingeleitet. In allen Fällen erfolgte die Spionage im Interesse Rußlands.

Bulgarische Gewehrbestellungen in Ungarn. Das „Neue Buöapester Abendblatt" erfährt von zuverlässiger Seite, daß Bulgarien in Ungarn 80 000 Manlicherge-

chen im Garten amüsierten. Frau Roland, die sich da­rum sorgte, daß sie den Abgang des Zuges nicht ver­säumten, hatte schließlich keine Ruhe mehr gehabt; sie war aufgestanden, um Elfe an den Aufbruch zu mahnen. Unmittelbar vor der Veranda, die in den Garten hin- unterführte, blieb sie jedoch wie angewurzelt stehen, oder vielmehr, sie huschte ungesehen hinter die schwere Sam­metportiere, um die Zwei nicht zu stören, die dort vor ihren Augen abgesondert von den anderen allein stan­den. Es waren Elfe und Artur. Von ihrer leisen, an­scheinend auch durchaus nicht lebhafter; Unterhaltung vermochte die verdutzte Frau nichts zu verstehen, desto deutlicher aber fing sie die Blicke der beiden auf. Der Herzschlag wollte ihr beinahe stocke«. Was für sonder­bare, innig beredte Blicke waren denn das? Einem ver­lobten jungen Mädchen und einem Vetter, welcher jenem unbefangen, gleichgültig gegenüberstand, kamen solche wahrlich nicht zu! Und nun überreichte Artur Elfe auch noch die wundervolle Rose, und das Töchterchen nahm sie und lächelte ihm sogar noch obendrein freundlich zu.

Seitdem hatte der Gedanke an eine zwischen den beiden heimlich aufgekeimte Neigung Frau Roland förmlich verfolgt. Und dazu jetzt noch die Tränen Elses, die ihre angstvollen Befürchtungen beinahe zur unzwei­felhaften Gewißheit wandelten!

„Wer Wind säet, wird Sturm ernten!" raunte das anklagende Gewissen ihr zu. Sie erbebte ordentlich. Die ganze Schwere des inhaltsvollen Wortes kam ihr zum Bewußtsein. In diesem Augenblick bereute sie bitter, daß sie so unbedacht den jungen Leuten die häufige Gelegenheit zum Verkehr miteinander gegeben, daß sie Artur, dem liebenswürdigen, lockeren Schwerenöter, ihr Wohlwollen und in mehr als notwendiger Weise ihre Gunst bezeigt hatte. Wer war aber daran schuld? Ein­zig und allein doch Günther, der sie fort und fort er­bittert, der sie förmlich aufgereizt hatte, sich mit dem

wehre und große Mengen Munition gekauft habe. Der erste Schiffstransport ist bereits abgegangen.

Vom mexikanischen Vitrgerkrieg. Präsident Wilson hat von einem Mitglieöe des Ordens der Christlichen Brüder ein Telegramm erhalten, wonach der Direktor und Inspektor der Schule des Ordens in Zacatecas ge­tötet und 11 andere Mitglieder, sämtlich Franzosen, ge­fangen genommen worden sind. Der Orden habe sich auch an die französische Regierung um Hilfe gewandt, um die Freilassung der Gefangenen zu erwirken.

Der Verteidiger Adrianopels, Schükrt Pascha, wurde vor ein türkisches Kriegsgericht geladen.

Das französische Kriegsmaterial. Die Heereskonv- mission der Kammer hat fünf ihrer Mitglieder dazu be­stimmt, sich der Heereskommission des Senats anzu- schließen, welche mit der Erstattung eines Berichts über das Kriegsmaterial beauftragt worden ist.

Ein Generalstreik in Spanien. Wie verlautet, be­reitet die sozialistische Partei einen Generalstreik in ganz Spanien vor, der einen Tag dauern soll. Der Streik sei vornehmlich als Protest gegen den Feldzug in Marokko gedacht, solle aber auch eine Art Generalprobe für eine Mobilisierung der Arbeiter in großem Maß­stabe darstellen.

Hnorta geht. Amtlich wird mitgeteilt, daß Präsident Huerta Mittwoch nachmittag um 4 Uhr seine Abdankung unterbreitet hat.

Die Union und ihre mexikanischen Rebellen. Nach Meldungen aus Juarez hat die amerikanische Regierung alle Rebellenhäupter aufgefordert, den Feldzug einzu- stellen und die Vermittlung abzuwarten. Das Resultat ist recht zweifelhaft. Villa steht mit einer bedeutenden Truppenmacht in der Stadt Chihuahua.

Kleine Iladiridifeip

Die österreichischen Kroninsignien in Aachen. Auf den von Kaiser Wilhelm durch den deutschen Botschafter in Wien Kaiser Franz Josef übermittelten Wunsch hat dieser genehmigt, daß die für die Aachener Krönungs­ausstellung geeigneten Gegenstände aus den Sammlun­gen des Kaiserhauses für die Ausstellung in Aachen zur Verfügung gestellt werden unter der Voraussetzung, daß sie gut bewacht werden.

Wolkenbruch in der Rheinprovinz. Ueber der Stadt Viersen ging ein starker Wolkenbruch nieder, sodaß das Wasser durch die Haustüren in die Häuser drang. Viel­fach schwammen in den zur ebenen Erde gelegenen Zim- mern die Möbel umher. Eine kränkliche Frau starb vor Schreck. Der Arzt, der zu ihr wollte, mußte durchs Fen­ster steigen, weil die Tür von den Wassermassen ge­sperrt war.

Das Düsseldorfer Landgericht in Flammen. Das Landgerichtsgebäude in Düsseldorf ist fast gänzlich nie­dergebrannt. Das Feuer wütete im Dachgeschoß, wo es durch Aktenvorräte reichliche Nahrung fand. Die ge­samte Feuerwehr war an der Brandstelle tätig. Man hofft, die Sitzungssäle retten zu können.

Defrandant und drahtlose Telegraphie. Der 24= jährige Aushilfsfchreiber der Kölner Reichsbankneben­stelle in Köln-Nippes hat, wie gemeldet, die dortige Reichsbanknebenstelle mit Hilfe eines Gutscheinformu- lars, auf dem er den Namen des Direktors gefälscht hatte, um 45 000 Mark betrogen. Der junge Mann hat sich auf dem „Imperator" nach Amerika eingeschifft. Es ist durch Funkspruch dafür gesorgt, daß er in Neuyork festgenommen werden wird.

Bon einem Eisenblock erschlagen wurde in der Hammerschmiede der Schwartzkopfschen Maschinenfabrik in Berlin ein 44jähriger Fabrikarbeiter. Beim Trans­port eines etwa zehn Zentner wiegenden Eifenblocks stürzte dieser um und quetschte den Arbeiter, fodast er alsbald verstarb. Er hinterläßt eine Frau und fünf Kinder.

Ein Student beim Segeln ertrunken. Die Berliner Studenten Ernst Schulz und Kurt Menöe unternahmen eine Segelpartie auf dem Seddinfee. Hierbei kenterte das Boot und beide Segler fielen ins Wasser. Schulz ertrank.

Eine Mordtat? In Mannheim fand man an der Fasaneninsel beim Waldpark die Leiche eines unbekann­ten Mannes von mittleren Jahren, der offenbar eines gewalttätigen Todes gestorben ist. Am Hinterkopf wurde eine Wunde festgestellt. Ueber die Persönlichkeit und über die Art der Verletzung ist näheres noch nicht be­kannt.

* An Kautabak erstickt. Auf seltsame Weise büßte ein Strafgefangener im Festungsgefängnis zu Torgau sein Leben ein. Er hatte trotz eines Verbots während des Reckturnens ein Stück Kautabak in den Mund gesteckt. Der Unteroffizier, der dies nicht gesehen hatte, kom­mandierte eine Uebung, bei deren Ausführung Dein Ge­fangenen Kautabak in die Luftröhre geriet, sodaß er erstickte.

Unwetter in Bayern. Seit Sonntag gehen täglich in verschiedenen Teilen Bayerns schwere Gewitter nie­der, die durch Blitzschläge und ueberschwemmungen

Neffen, mit Försters aufzuspielen, um ihr starkes Stan- öesbewußtsein, in dem er sie fortgesetzt zu kränken wagte, ihm gegenüber mit aller Macht zum Ausdruck zu Drin­gen. Im Grunde ihres Herzens als Schwiegersohn will­kommen war ihr ja der Doktor, aber er hätte sich ihr anpassen und von ihr ummodeln lassen sollen nach ihrem Geschmack. Daß ihr, der vom Schicksal und von dem eigenen Gatten so verwöhnten Frau, das nicht gelang, daß Günther sich vielmehr nach wie vor ihrem Willen, ihrer Herrschaft nicht beugte, das hatte sie so namenlos gegen ihn aufgebracht. Und von der Erbitterung, die ihr Herz erfüllte, war zuletzt auch etwas in das der Toch­ter geflossen, denn bei jeder Meinungsverschiedenheit zwischen den Verlobten hatte, sie gegen Günther Partei ergriffen, niemals Elfe zum 'Nachgeben, zum Guten zu überreden gesucht, wie oft sie es auch hätte tun können und hätte tun müssen.

„Wer Wind säet, wird Sturm ernten!" sprach aber­mals die Richterstimme in ihrem Innern, und be­wegungslos, in quälender Reue saß sie und starrte vor sich hin — immer nur vor sich hin.

Der Zug tagte indessen donnernd dahin, stark schon dunkelte der Abend, — man kam dem Ziele näher und näher.

Und da endlich richtete die sinnende, in sich zusaw- mengesunkene Frau sich wieder straffer auf, ein freierer Atemzug hob ihre Brust; endlich hatte sie die gewaltige innere Aufregung einigermaßen niedergekämpft. Ener­gisch warf sie den Kopf in den Nacken. Das sollte sie doch nicht aus der Fassung bringen! Vielleicht waren alle ihre angstvollen Befürchtungen ja auch völlig grundlos. Beobachten, abwarten wollte sie vorerst, ob die Sachlage sich wirklich in jener erschreckenden Weise zuzuspitzen drohte, wie ihre erhitzte Phantasie es ihr ausgemalt hatte.

M‘W»Ö folgtJ