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Hersfelder Tageblatt

für den Kreis Hersfeld

Willst

Amtlicher Anzeiger ^^

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

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Sernsprech-klnschluh Nr. 8

Nr. 165.

Freitag, den 17. Juli

1914.

Hus der Heimat.

* Schlafwagen dritter Klasse will die Eisenbahnverwaltung nach einer Erklärung des Ministers der öffentlichen Arbeiten bekanntlich erst einstellen, wenn ein Bedürfnis für regelmäßig während des ganzen Fahrplans verkehrende Schlafwagenzüge vorhanden ist. Dies war bisher nicht der Fall, dürfte aber in absehbarer Zeit eintreffen. Als erste Linie, die für die Einrichtung von fahrplanmäßigen Schlaf­wagenzügen in Betracht kommt, kann die Verbindung zwischen Berlin und dem rheinisch-westfälischen In­dustriegebiet angesehen werden. Die ersten Schlaf­wagenzüge dritter Klasse werden also zwischen Berlin und Cöln verkehren. Es ist nicht anzunehmen, daß derartige Züge schon am 1. Mai nächsten Jahres ein­gerichtet werden. Dagegen befaßt sich die Eisenbahn­verwaltung inzwischen mit dieser neuen Aufgabe. Es sind schon Modelle für den Bau von Schlafwagen dritter Klasse in der Ausführung begriffen. Sie haben den Zweck, Fragen über die Anordnung der Plätze und die Ausstattung zu klären.

* (Das Kriegervereinswesen in Preuße n.) Der Vorstand des preußischen Landes- Kriegerverbandes hat soeben den achten Geschäftsbe­richt, der die Geschäftsjahre 1912 und 1913 umfaßt, herausgegeben. Es gehörten dem Landesverbände an ; Am 1. Januar 1909: 492 Verbände mit 16 092 Ver­einen nnd 1416 044 Mitgliedern: am 1. April 1914: 509 Verbände mit 18 590 Vereinen und 1656 479 Mit­gliedern hierunter befinden sich 173 785 Veteranen. Das Vermögen des Verbandes und der Krieger- Stiftung Wilhelm 11. hat sich in der Etatsperiode 1912/13 um 205161,42 Mk. erhöht. Die Vereine des Landes­verbandes hatten im Jahre 1913 "ein Vermögen an Kapital, Grundbesitz und Inventar von 26,4 Millionen Mark und gaben 2,47 Millionen Mark für Wohlfahrts­pflege aus. Die anläßlich des Regierungsjubiläums des Kaisers gesammelte und dem preußischen Landes- Kriegerverbande zur Verfügung gestellte Spende von 12000 Mk. wurde mit allerhöchster Genehmigung an 395 Kriegsveteranen in Beträgen von je 30 Mk. ver­teilt, für Witwenuntersttttzungen wurden in den beiden Berichtsjahren in 528 Fällen 7709 Mk. ausgegeben. Der bisherige Präsident, Generaloberst und General­adjutant v. Lindequist hat am 21. Januar 1914 sein Amt niedergelegt. Am gleichen Tage wurde der General der Infanterie z. D. von Ploetz zum Präsi- denten des Landesverbandes gewählt. Geschäfts- führender Vorsitzender ist Prof. Dr. Westphal, Ge­heimer Regierungsrat, Major d. L. a. D.

):( Hersfeld, 16. Juli. (Von den diesjährigen Nennen.) Einem interessierten Beobachter wird es nicht entgehen, wie in den frühen Morgen- und späten Abendstunden die Pferde auf den Eichhofwiesen ihre tägliche Galopparbeit von hiesigen und auswärtigen Offizieren erhalten, um am 26. d. Mts. den hohen Anforderungen zu genügen. Auch mit der Fertig­stellung der Bahn ist man eifrig an der Arbeit. Das Ebnen und Planieren derselben, das Herrichten und Aufstellen der Hindernisse, der Bau der Tribünen und andere Einrichtungen erfordern große Arbeit unö Umsicht. Gegen 25 geschmackvolle kostbare Silber­preise, die den Siegern eine dauernde Erinnerung an den schönen Tag bleiben sollen, werden in den nächsten Tagen in der Westphalschen Buchhandlung ausgestellt. Mit Aufwendung großer Kosten und Mühe ist es dem Verein gelungen, das Trompeterkorps des Husaren-Regiments Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg Nr. 14 aus Cassel alsRennplatz- musik für den 26. ö. Mts. zu gewinnen. Es sollte sich niemand den Genuß der hier schon lange nicht mehr gehörten Kavalleriemusik entgehen lassen, zumal der Ruf der Husarenkapelle ein vorzüglicher ist. Daß wir es bei den Rennen mit starken Feldern zu tun haben werden, geht schon aus dem einen Beispiel hervor, daß zum Chargenpferdrennen allein 10 Herren vom Jäger-Regt. z. Pferde Nr. 6 aus Erfurt ge= nannt haben.

8 Hersfeld, 16. Juli. In Ziegenhain fand dieser Tage eine Ausstellung des Hessischen Bienen­züchtervereins und in Verbindung damit die 39. Wander-Versammlung statt. Die Wander-Ver- sammlung wurde durch den Vorsitzenden, Herrn Lehrer Kimpel-Cassel eröffnet. Er begrüßte zunächst den Vertreter der Stadt Ziegenhain, Herrn Bürger- merster Kleine, und dankte allen, die an den großen -Vorbereitungen zu der Jmkerausstellung beigetragen paven. Seine eindrucksvolle Rede endete mit einem poch auf die Stadt Ziegenhain. Herr Bürgermeister Kleine begrüßte die zahlreichen Gäste und wünschte der Versammlung und Ausstellung besten Verlauf. Ferner begrüßte der Vorsitzende des Ziegenhainer Zwergvereins, Herr Knaufi, die Erschienenen. Nach- mrttags begann die weitere Tagung. Besonders

wurde hervorgehoben, daß das Heil nur im Zusammen­schluß aller Imker liegt uud nur durch vereinte Kraft das hohe ideale Ziel zu erreichen sei. Wetter wurde über die volkswirtschaftliche Bedeutung der Bienen­zucht, den großen Einfluß derselben auf die landwirt­schaftlichen Betriebe und über die gesundheitliche Be­deutung des Honigs gesprochen. Dann erstreckten sich die Verhandlungen noch auf Haftpflicht, vergällten Zucker und Honigmarkt. Nun schritt man zum letzten Punkt der Tagesordnung, die Vorstandswahl. Der seitherige Vorstand wurde wiedergewählt. Abends versammelten sich die Imker und ihre Freunde zu einem Kommers.

-n- Wölfershansen a. d. W., 15. Juli. Molken- bruch, Blitz- und Hagelschlag.) Nach einer fast unerträglich gewordenen Hitze entluden sich gestern nachmittag im Werratale mehrere Gewitter, die mit einer Heftigkeit auftraten, wie wir sie seit Jahren hier nicht erlebt haben. Das Wetter zog schnell auf; nach wenigen krachenden Donnerschlägen und Blitzen setzte kurz uach 4 Uhr starker Regen ein, der bald in Hagel überging. Die Hagelkörner hatten Erbsen- grötze und verrichteten auf den Feldern einen unbe­rechenbaren Schaden. Unterdessen schlug der Blitz in die Scheune des Landwirts Heinrich Möller n., und das entstandene Feuer äscherte bald trotz sofortiger Hilfe hiesiger und auswärtiger Feuerwehren zwei Scheunen und Stallungen ein. Auch der Dachstuhl der Kirche hatte Feuer gefangen; doch konnte dieselbe vor dem weiteren Vordringen des Feuers geschützt werden. Großer Schaden wurde auch durch den nieder- gegangenen Wolkenbruch verursacht. Die Straßen und Wege in Wölfershausen und im nahen Lengers standen bald bis zu Va m unter Wasser. Auch der Eisenbahndamm war an mancher Stelle unterspült, so daß infolge eines kleinen Dammrutsches die Strecke von Zügen nur in langsamem Tempo passiert werden konnte. Die Grüben waren nicht imstande, die un­geheueren Regenmengen aufzunehmen. Von den Höhen herab kam das Wasser in wahren Sturzbächen herabgeflossen und füllte die Keller und sperrte die Zugänge zu den Häusern. Der Gesamtschaden ist enorm.

Niederaula, 15. Juli. In dem benachbarten Mengshausen wurde heute abend 127 Uhr der Land­wirt Karl Schenk während eines Gewitters vom Blitz getroffen und erschlagen. Er trug eine eiserne Hacke auf der Schulter, in welche der Blitz fuhr. Seine Magd, die nur wenige Schritte von ihm entfernt war, erlitt keinerlei Schaden.

Breitenbach am Herzberg, 13. Juli. Heute ist mit der Herrichtung des Oberbaues an der Bahnlinie sNiederaulaj-Niederjossa-Grebenau begonnen worden. Die Ausführung wurde in diesen Tagen durch die Königliche Bahnbauabteilung Alsfeld dem Bahnbau­unternehmer Deist in Hersfeld übertragen. Die neue Bahn soll am 1. Oktober eröffnet werden.

Gerstungen, 15. Juli. Der Fischreichtum der Werra hat in den letzten Jahren dank den Bestrebungen der Fischereiberechtigten wieder in ganz bedeutendem Maße zugenommen, und zwar durch Einsetzung ge­waltiger Mengen von Jungfischen. Besonders reich ist die Werra neuerdings an Aalen und Hechten. Auch der Lachsfaug hat schon in der Werra recht gute Fortschritte gemacht.

§ Fulda, 15. Juli. Der Schützenverein 1834 Fulda feiert am 18., 19. und 20. Juli das Fest seines 80jahrcgen Bestehens. Die Nachbarvereine des Jubelvereins haben bereits ihre Beteiligung zugesagt. Der außer­ordentliche reiche Gabentempel weist 46 Ehrenpreye auf u. a. von Se. Durchlaucht dem Fürsten von Psenburg und Büdingen zu Wächtersbach, von Se. Hoheit dem Landgrafen von Hegen, von der Lstadt Fulda, vom Herrn Oberregierungsrat Springorum- Wiesbaden und von vielen angesehenen Bürgern der Stadt Fulda. Die fremden Schützen werden also alle Aussicht haben, einen Preis als Andenken an die gastfreundliche Stadt mitzunehmen. Sie rüstet sich, ihre Gäste würdig zu empfangen.

Aus der Rhön, 15. Juli. In der Betgenbergerschen Gastwirtschaft zu Unterelba bei Dermbach gerieten am vergangenen Freitag der Reisende Lorey aus Cöln, der sich besuchsweise tn seinem Heimatsorte Unterelba aufhielt, und ein angeblicher Student in Streitigkeiten, die schließlich tn Tätlichkeiten ausarteten. Hierbei brächte der angebliche Akademiker seinem Gegner mit einem Dolche mehrere Stiche in den Unterleib bei. An den Folgen dieser Verletzungen ist Lorey gestern im Krankenhause zu Dermbach gestorben.

Marburg, 15. Juli. In die hiesige Klinik wurden an den Folgen einer Bluttat zwei Männer aus Stein- perf eingeliefert, wovon der eine, namens Jakob Lenz inzwischen gestorben ist Die Tat hat sich wie folgt zugetragen. Als der Taxator der Schweineversicherungs­

gesellschaft, der 66jährige Flurschütz Theis, benH'Hof des Lenz betrat, um ein diesem verendetes Schwein zu besichtigen, machte Lenz ihm Borwürfe, das Schwein sei nicht hoch genug versichert gewesen. Gleichzeitig zog er einen Revolver uni) schoß Theis eine Kugel in den Leib. Dann lief er in den Keller, wo er sich selbst die tödliche Wunde beibrachte. Bei Theis, der in der hiesigen Klinik operiert wurde, hat mau die Kugel in der Bauchhöhle gefunden. Man hofft, den alten Mann am Leben zu erhalten.

Göttingen, 13. Juli. Der frühere Schneider und Gärtner Heinrich Stemme versetzte dem Maler Georg Ernst in einem Streit einen gefährlichen Stich in den Unterleib. Der Schwerverletzte starb in der Klinik.

Jena, 15. Juli. Leutnant von A., der IV2 Jahre bei der 9. Kompagnie des hiesigen Infanterieregiments diente, hat sich iu vergangener Nacht im Kasino in einem Anfall geistiger Depression erschossen.

Wächtersbach bei Gelnhausen, 14. Juli. Ein Un­wetter hat hier stark gewütet. Die niedergegangenen Wassermassen waren derart stark, daß das Wasser fußhoch in den Straßen stand. In Gaubüttelbrunn (Unterfranfcu) fuhren die beiden Dienstmädchen der Witwe Bergholz und die Landwirtsfrau Kemmer auf einem Wagen nach Hause. Der Blitz schlug in den Wagen, tötete das eine der beiden Dienstmädchen und betäubte das andere Mädchen und die Frau Kemmer.

Erfurt, 14. Juli. Hier hat sich der Jäger Pege- nau vom Regiment Jäger zu Pferde Nr. 6 mit einer Pistole erschossen. Die Ursache scheint Furcht vor Strafe gewesen zu sein.

Die Zeit der Gewitter.

Die zunehmende Wärme in der jetzigen Jahres­zeit bewirkt auch das häufige Auftreten der Gewitter, und zwar der sogenannten Wärmegewitter, die wir von den auch im Winter bei Sturm vorkommenden Wirbelgewittern unterscheiden müssen. Bei einem Wärmegewitter ist die gewaltige Menge des Wasser­dampfes, der infolge der Sonnenwirkung von der Oberfläche der Gewässer aufgestiegen ist, die Ursache der Entstehung von Elektrizität in der Luft,' denn jedes Wasserdampfteilchen ebenso wie jedes Feuchtig­keitströpfchen (als Dunst, Nebel, Wolkenelement) reibt sich an der trockenen Luft, am Staube, au der Erd­oberfläche usw., so daß es ein Elektrizitätsträger wird. In den Wolken, die beim Gewitter tief schweben, aber zugleich in große Höhen emporreichen, also von großerMächtigkeit" und außerdem sehr dicht sind ldaher die Dunkelheit, die sie verbreiten), vereinigen sich die zerstreuten Elektrizitätsmengen, und die elek­trische Spannung wird außerordentlich gesteigert, so daß es schließlich zwischen zwei Wolken oder zwischen einer Wolke und der Erde zu einer Entladung summt. Dies ist der mit dem Knall oder Donner uerbunbene Blitz.

Um der Gefahr, die dem Blitzschlag althaftet, zu eutgehen, vermeide man es, bei einem Gewitter ben höchsten Punkt auf einer baumlosen Ebene, vor allem aber auf einer kahlen Bergkuppe zu bilden. ^Anderer­seits hüte man sich auch, sich in die Nähe einzelstehender Bäulne zu begeben. Die Baum-Art macht übrigens dabei einen Unterschied gemäß dem bekannten Verse: Von den Eichen sollst du weichen, von den Fichten sollst du flüchten, doch die Buchen sollst du suchen." Daß die letzteren unschädlicher sind, liegt wohl haupt­sächlich an ihrem Wuchs, der mit den weit und flach ausgebreiteten Zweigen nicht solche Anziehung auf die Elektrizität der Wolken ausübt, wie die spitz nach oben auslaufenden Fichten oder Rottannen mit den bogenförmig nach unten gerichteten Zweigen. Doch mögen auch das Holz und der Saftgehalt die elektrische Leitungsfähigkeit mitbestimmen.

Beim Aufenthalt in Gebäuden während eines Gewitters verhindere man Zugluft und halte auch besser die Fenster geschlossen, da die Luft im Innern, von menschlichen Ausdünstungen usw. erfüllt, den Blitz leiten könnte. Das Glas der Fenster isoliert. Ferner bleibe man von metallenen Röhrenleitungen und dergl. fern. Wer auf dem Hause, am Schorn­stein usw. einen Blitzableiter besitzt, sorge dafür, daß bejonders die Ableitung desselben, die aus dem gut leitenden Kupfer hergestellt sein soll, sich in tadellosem Zustande befindet lalle paar Jahre mindestens muß sie auf ihre Leitungsfähigkeit geprüft werden!), da lonst der Blitz unter Umständen an einer schadhaften Stelle von ihr abspringt und in das zu schützende Objekt eindringt, indem er sich dort einen besseren Leitungsweg sucht und Schaden anrichtet.

Wetteraussichten für Freitag den 17. Juli.

Wechselnd bewölkt, strichweise leichte Regen, keine Temperaturänderung, westliche Winde.