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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^H^ für den Kreis Hersfeld Sersselder WW Kreirblatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschluh Nr. 8

Nr. 163. Mittwoch, den 15. Juli "" 1914.

Bus der Heimat.

* Die tödlichen Unfälle in der Provinz Hessen-Nassau. Rund 21 Prozent der männlichen Verunglückten stammen aus der Land- und Forst­wirtschaft, 18 Prozent beträgt der Anteil des Bergbau- und Hüttenwesens, auf die Industrie kommen 82 Prozent und auf den Handel und Verkehr 13 Prozent. Die einzelnen Provinzen weisen wiederum recht verschiedene Verhältniszahlen auf. Es kamen auf 100000 Lebende in Hessen-Nassan im Jahre 1912 27,48 tödlich Ver­unglückte im Alter bis zu 15 Jahren (im Staate 31,44); Verunglückte im Alter von über 15 Jahren wurden gezählt auf 100 000 Lebende 32,79 (im Staate 45,49). Die Provinz Hessen-Nassau steht also günstig da, weil sie in beiden Fällen hinter dem Staatsdurchschnitt zurückbleibt. Hinsichtlich der Zahl der tödlichen Unfälle überhaupt stand Hessen-Nassau im Jahre 1912 mit 704 tödlich verunglückten Personen (darunter 207 Jugendliche) unter den preußischen Provinzen an vorletzter Stelle. Unter den tödlich Verunglückten des Jahres 1912 in der Provinz Hessen-Nassau befanden sich, soweit die soziale Stellung in Betracht kommt, 81 Selbständige, 34 öffentliche Beamte, 6 Privatbeamte, 174 Gehilfen, Gesellen, Lehrlinge, Fabrikarbeiter usw., 96 Tagearbeiter, 18 Dienstboten, 4 Personen des stehenden Heeres und der Kriegsflotte, 28 Rentner und Pensionäre und 59 sonstige Personen. Nach der Unfallstatistik für das Jahr 1913 verunglückten in den Stadtkreisen der Provinz Hessen-Nassau tödlich: in Frankfurt a. M. 162 Personen, Cassel 48, Wiesbaden 17 und Hanau 18 Personen.

* (Die Bautätigkeit in Hessen-Nassau.) DerBaumaterialien-Markt", in Leipzig, berichtet über die Bautätigkeit im Juni in Hessen-Nassau: In der Stadt Eschwege ist die Bautätigkeit gleich Null gewesen, auf dem Lande war sie gut. Eine Besserung in der Stadt steht noch bevor. Dasselbe ist von Frank­furt a. M., Fulda, Hanau, Marburg, Wiesbaden und schließlich auch von Cassel zu sagen. Vollständig da­nieder lag der Baumarkt in Hanau, hier auch auf dem Lande, weil die vermeintliche gute Ernte des vergangenen Jahres sich qualitativ geringer erwies, als vermutet war, und weil daher auch der Erlös hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Die Entwickelung der privaten Bautätigkeit in Hessen- Nassau hängt ebenso wie in anderen Bezirken einzig und allein von der Bessergestaltung der Hypotheken- verhältnisse ab. Solange diese noch ungünstig sind, wird der Baumarkt keine Anregung erfahren.

* (Vorsicht beim Telephonieren.) In Sömmerda in Thüringen benutzte dieser Tage ein Buchhalter während eines Gewitters das Telephon. Plötzlich schlug der Blitz in die Leitung und verletzte den Unvorsichtigen. Der linke Arm wurde ihm ge­lähmt, auch verlor er das Gehör auf dem linkenAhr. Der Fall lehrt wieder eindringlich, daß man während eines Gewitters wegen der damit verbundenen Lebens­gefahr niemals den Fernsprecherbenutzen soll. Obgleich wiederholt darauf hingewiesen ist, erfolgen noch immer während der Gewitter Anruf der Fernsprechteilnehmer, die selbstverständlich vom Amt keine Beantwortung finden können und dürfen.

- h- Hersfeld, 14. Juli. Wenn in den Vorjahren der Knüllklub den Ruf ergehen ließFrisch auf zum E i s e n b e r g", fand er bei allen Wanderfreunden freudigen Anklang. Waren es doch bei der Grund­steinlegung und der Einweihung Tausende, die froh­gemut hinaufzogen. Wie bereits vielfach bekannt sein wird, ist auch in diesem Jahre eine festliche Ver­anstaltung, und zwar auf den 19. Juli, vorgesehen, womit einem vielfach, namentlich auch in Hersfeld geäußerten Wunsche entsprochen wird. Gewiß in der Regel wandern die meisten wohl lieber auf stillen Pfaden in kleiner Gesellschaft und erfreuen sich an der Natur, indessen mitunter auch macht sich der Wunsch geltend, an einem gemeinsamen Treffpunkt sich mit Gleichgesinnten aus dem ganzen Gebiet der heimatlichen Berge zu treffen, alte Bekannte zu be­grüßen und neue Bekanntschaften anzuknüpfen. Und anscheinend hat der Knüllklub in diesem Jahre noch besondere Veranstaltungen zur Förderung des ge­selligen Zusammenhangs unter seinen Mitgliedern und Freunden getroffen. Dem Vernehmen nach sind Glücksrad, eine Kaffee- und Kuchenbude und dergl. vorgesehen. In der zur Weinstube hergerichteten Hchutzhütte werden, wie wir hören, sangesfrohe Freunde aus der Schwalm Frohsinn verbreiten. Nicht zu vergessen, daß eine Musikkapelle für Unterhaltung orgen wird. Wenn die Mitwirkenden hoffen, mit lyren Einnahmen zum Abtrag der Bauschulden bei- rragen zu können, glauben sie auf Unterstützung aller oer rechnen zu können, die ihre Freude daran haben, oaß unser heimatliches Bergland durch einen so hervorragenden Bau, wie der Eisenbergturm ist,

bereichert worden ist, der alljährlich Tausenden die Freuden reinsten Naturgenusses bietet. Drum laßt uns Hersfelder gern den Ruf unterstützen:Frisch auf zum Eisenberg".

* Die JagdzeitungHubertus" berichtet über eine für Jäger wichtige prinzipielle Gerichts­entscheidung: Ein Jäger war angezeigt worden, weil er beim Betreten eines Gasthauses sein Gewehr nicht entladen hatte. Das Gericht entzog dem Jäger den Jagdschein auf die Dauer von 3 Jahren. Sämt­liche Berufsinstanzen wiesen die Berufung des Ver­urteilten zurück.

) :( Hersfeld, 14. Juli. Die Leiche des am Freitag abend beim Baden ertrunkenen Kaufmanns Arno Müller, nach welcher die ganzen Tage ununter­brochen gesucht worden ist, wurde heute vormittag in der Nähe von Friedlos aufgefunden und ge­borgen.

- n- Heringen a. d. W., 13. Juli. (Vermißt und w i e d e r e i n g e f u n d e n.) Vor einigen Tagen ent­fernte sich der 9jährige Schüler Schäfer aus Furcht vor Strafen aus der elterlichen Wohnung und blieb, nachdem er vorher schon mehrere Nächte nicht zu Hause geschlafen hatte, vier Tage unentdeckt von Hause fort. Nunmehr wurde der jugendliche Aus­reißer in S p r i n g e n bei Dorndorf aufgegriffen und seinen Eltern wieder zugeführt.

Fulda, 11. Juli. Unter der Anklage das Ver­mögen eines anderen durch Vorspiegelung falscher Tatsachen geschädigt zu haben, hatte sich vor der hiesigen Strafkammer der Agent Heinrich Weppler, geboren 1863 zu Sorga, nebst einigen anderen Komplizen zu verantworten. Weppler sowohl wie die übrigen Angeklagten sind bereits mehrmals vor­bestraft, darunter auch mit Betrug. Die Angeklagten haben im Frühjahr 1913 in Fulda und Umgegend einer ganzen Anzahl Leuten, die Geld suchten, eine Prüfungsgebühr in Höhe von 2050 Mark sowie Wechsel von 2501500 Mark abgenommen. Unter den auf diese Weise Geschädigten finden sich solche mit 5000,10000 und sogar 15000 Mark. Zu der Verhandlung, die an einem Tage nicht zu Ende geführt werden konnte, waren zahlreiche Zeugen geladen. In seiner Anklagerede hob der erste Staatsanwalt hervor, daß das Tun und Treiben der Angeklagten ein ganz gemeingefährliches wäre, daß die Verhandlung aber auch wieder die Wahrheit des alten volkstümlichen Wortes, daß die Dummen nicht alle werden, bezeuge. Das Urteil gegen Weppler lautete auf ein Jahr und drei Monate Gefängnis.

Fulda, 13. Juli. Anläßlich des gestrigen Fahnen- weihfestes des Kriegervereins Lütter (Rhön- kam es gegen abend auf dem Festplatz zwischen mehreren jungen Leuten zu einem heftigen Wortwechsel, der einige Zeit später außerhalb des Festplatzes einen traurigen Abschluß fand. Der etwa 23jährige Ar­beiter W. Böhm von Schmalnau brach im Verlaufe des Streites plötzlich von einer Kugel getroffen blut­überströmt zusammen und gab innerhalb einer halben Stunde seinen Geist auf. Der etwa 22jährige Schmiede- aeselle Hartmann und der 19jährige Arbeiter Müller, beide von Eichenzell, die bei dem ersten heftigen Wort- aefecht mit Böhme die Hauptrolle gespielt haben sollen, wurden verhaftet. Vor dem Untersuchungsrichter gestand Hartmann ein, der Täter gewesen zu sein. Den Revolver, aus dem er den tödlichen Schuß abge­geben, will er kurz nach der Tat weggeworfen haben.

Bacha, 13. Juli. Kommenden Sonnabend vor­mittag wird hier die Gewerbe-, Industrie und Land- wirtschafts-Ausstellung durch Se. Königliche Hoheit den Großherzog von Sachsen-Weimar in Gegenwart zahlreicher Vertreter der Regierung, der Behörden und Korporationen, eröffnet. In der nahezu 3000 Quadratmeter großen Ausstellungshalle zeigen 200 Aussteller aller Branchen ihre Erzeugniffe. Die land­wirtschaftliche Ausstellung wird ebenfalls reichlich be­schickt, ist doch die Zahl 150 schon überschritten. Zu Prämiierungszwecken stehen autzer den vom Staat, dem Bezirksausschuß und der Stadt Vacha gestifteten Medaillen noch zahlreiche Ehrenpreise zur Verfügung. Auf dem Ausstellungsplatze finden, abgesehen von den Konzerten der gesamten Regimentskapelle der Fuldaer Artillerie, täglich Konzerte rn dem 1200 Quadratm. großen Hauptrestaurant statt, außerdem werden tm Vergnügungsparke Schaubuden Karussells usw. für Unterhaltung sorgen. Em Besuch der Ausstellung wird für jedermann interessant und lehrreich sein.

Cassel, 13. Juli. In der Nacht zum Montag wurde auf dem Bahnhof Wabern der von einem Kriegerfest heimkehrende Schneidermeister Ahlheim aus Felsberg, als er auf den schon fahrenden Zug nach Cassel aufspringen wollte, überfahren und getötet.

Göttiugeu, 13. Juli. Referendar a. D. T. mußte, weil er einem Schutzmann seinen Namen nicht nennen

wollte,mit". Auch auf der Wache weicherte er sich und sollte schon in die Zelle,- erst da gab er seine Personalien an. Nachdem er zu einem Schutzmanne gesagt hatte:Wenn Sie betrunken sind, können Sie kein Protokoll anfnehmen," fp nette er einem anderen Schutzmanne ins Gesicht. Das Schöffengericht sah in beiden Beleidigungen eine einzige Handlung und er­kannte auf 200 Mk. Geldstrafe. T. legte Berufung ein und erreichte damit, daß zwei Handlungen an­genommen wurden. Die wörtliche Beleidigung kostete 50 Mk., die tätliche 150 Mk., beide zusammen also auch 200 Mk. Geldstrafe.

Göttingen, 13. Juli. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich Freitag abend auf der Chaussee zwischen Ellershausen und Grvne. Die Frau des Rentiers H., Groner Chaussee wohnhaft, hatte mit einer befreundeten Familie Kirschen an der Vahnstrecke gekauft. Bei der Heimfahrt sprang die Frau ohne ersichtlichen Grund von dem in voller Fahrt befindlichen Wagen und blieb bewußtlos auf der Chaussee liegen. Der sofort herbeigerufene Arzt ordnete die sofortige Ueberführung der Verunglückten zur Klinik an, wo ein Schädelbruch konstatiert wurde.

Frankfurt a. M., 13. Juli. Nachmittag trat ein schweres Unwetter mit Hagel in der Größe von Taubeneiern auf. Die Waffermassen drangen in den tiefgelegenen Stadtteilen in die Läden ein und richteten bedeutenden Schaden an. Durch die offenstehenöen Fenster ist der Regen in die Wohnungen eingedruugen. Zahlreiche Decken wurden durchweicht und mehrere Personen leicht verletzt. Wie weiter gemeldet wird, flüchtete der Poltzeiwachtmeister Scheid mit seinen Kindern bei dem Unwetter in ein Gartenhäuschen. Der Blitz schlug in einen Birnbaum und sprang in das Gartenhäuschen über. Dabei wurden der 14jährige Sohn und die 12jährige Tochter des Polizeiwacht­meisters getötet. Er selbst wurde bewußtlos, erholte sich jedoch bald wieder.

Meiningen, 13. Juli. In Oberliud sind vermutlich durch den Genuß verdorbenen Fleisches 200 Personen schwer erkrankt. Eine Person ist gestorben, mehrere scheinen lebensgefährlich erkrankt.

Wiesbaden, 12. Juli. Im benachbarten Bterstaöt ist der 24 Jahre alte Kaufmann Kuno Felsch mit dem Automobil 1 D 3728 und 15 000 Mk., die er bei einer hiesigen Firma als Geschäftsanteil einzahlen sollte, geflüchtet. In seiner Begleitung befindet sich der 23 Jahre alte Chauffeur Ludwig Schwarz. Die Flücht­linge haben sich wahrscheinlich nach Frankreich oder Belgien gewandt.

Marburg, 13. Juli. In dem Dorfe Steinberg, Kreis Siebentens, brächte heute ein Landwirt dem Feldhüter des Ortes eine Schußwunde bei und ver­letzte sich hierauf aus Furcht vor Strafe selbst schwer durch einen Schuß in den Kopf. Er wurde in die Klinik nach Marburg übergeführt, wo er bald darauf starb.

Koburg, 13. Juli. Im koburgischen Dorfe Hassen- berg, wo erst vor kurzem eine Schlägerei zwischen Arbeitern, die am Steinachtalbahnbau beschäftigt sind, stattgefunden hat und wobei es mehrere Schwerver­letzte gab, kam es in einer Wirtschaft in der Nacht zum Sonnabend wieder zu einer wüsten Szene zwischen Kroaten und Italienern. Erstere stachen mit oen Messern wild um sich, wobei der italienische Schacht­meister Durastante, der beschwichtigend dazwischentrat, durch einen Stich ins Herz getötet, sein Bruder und ein anderer Arbeiter schwer verletzt wurden. Die Parteien schlugen mit Stühlen und Biergläsern wüst aufeinander los. Die Gäste und der Wirt mußten flüchten. Die Kroaten flohen dann und konnten noch nicht ergriffen werden.

Halle, 13. Juli. In der Nacht zum Sonntag brach in der Kühnschen Automobilwerkstätte in dcrRiemeyer- straße Feuer aus. Der Feuerwehr gelang es nach harter Arbeit, das Feuer, das sich infolge des Funken­fluges und der Benzinexplosionen auf die Nachbar- grundstücke auszudehnen drohte, auf seinen Herd zu beschränken. 20 Automobile sind verbrannt. Der beträchtliche Schaden ist durch Versicherung gedeckt.

Dessau, 13. Juli. Beim Baden in der Mulde ertranken im nahen Priwau zwei elfjährige Knaben, deren Leichen bisher noch nicht geborgen werden konnten.

Friedberg, 13. Juli. Der 76jährige Rentner Johannes Böckel warf sich gestern auf der Strecke Hungen-Friedberg auf die Schienen und ließ sich von einem Personenzuge überfahren, der ihn zermalmte. Man nimmt an, daß er den Tod aus Gram über das kürzlich erfolgte Hinscheiden seiner Frau gesucht hat.

Wetterausfichten für Mittwoch den 15. Juli.

Wolkig bis auf Gewitter, trocken, warm, schwache westliche Winde.