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Ernste Sorgen Frankreichs.

Die Schwindsucht in -er französischen Armee.

Die Enthüllungen des Jnspektionsarztes der fran­zösischen Armee über den Gemnoheltszustanö der Rekru­ten und der ausgebildeten Mannschaften im Heere haben begreiflicherweise eine große Bestürzung in Frankreich hervorgerufen. Troufsaint behauptete auf dem Lyoner Konareß für allgemeine Hygiene, daß 65 Prozent der unter die Fahnen berufenen jungen Leute in höherem oder geringeren Grade tuberkulös. seien. Der an her­vorragender Stelle stehende französische Arzt wartet mit so genauen Zahlen auf, daß man gezwungen mird, ftc eingehender zu betrachten. Er agt auf Grund seiner Aufstellungen, daß bereits im Jahre 1910 von 5214 zu- rü&ftellten Dienstpflichtigen 4314 tuberkulös gewesen seien, und das Verhältnis habe sich eher verschlechtert als verbessert. Versteckenspielen helfe nichts, vielmehr müsse die bessernde Hand so schleunig als möglich an die be­stehenden Zustände gelegt werden. Vor allen Dingen vrlangt der Juspektionsrat der französischen Armee, daß die für diensttauglich erklärten Leute, bei denen Tuber­kulose in den Anfangsstadien festgestellt sei, von an­strengenden Dienstleistungen befreit werden. Die an­gestrengten Märsche bei glühender Hitze müßten natür­lich höchst schädlich auf den allgemeinen Gefundheitszu- stand einwirken. Die Besorgnis Troussaints ist so groß, daß er die Einrichtung neu Zivilsanatorien neben den Mtlitärsanatorien verlangt, weil diese den an sie ge-

Mtlitärsanatorien verlangt, weil diese den an sie ge­stellten Aufgaben nicht gerecht werden können.

Grau in grau erscheint diese Ausmalung der Ge­sundheitszustände im Heereswesen unseres westlichen Nachbars, aber die deutschen Militärärzte, die im Laufe des verflossenen Winters ihr Augenmerk den Berichten über die im französischen Heere grassierenden Krank­heiten zuwandten, sind nicht besonders überrascht. Mehr als eilt Drittel des gesamten französischen Heeresstandes war allein im Monat Januar von Krankheiten der ver­schiedensten Art befallen. Von diesem ungewöhnlichen Krankenstände war man in Frankreich natürlich auf das peinlichste berührt, und hohe Militärpersonen glaubten das Land nur 6urd) die Behauptung beruhigen zu kön­nen, daß die Verhältnisse in Deutschland um nichts bes­ser seien. Kriegsminister v. Falkenhayn benutzte indes sein erstes Auftreten im Reichstage zu der Feststellung, die Gesundheitszustände im deutschen Heere während des verflossenen Winters seien so ausgezeichnet ge­wesen, daß selbst im Vergleiche mit früheren Jahren noch eine Besserung vorhanden war. Welches ist nun der Grund des schlechten Gesundheitszustandes in der französischen Armee in gewöhnlichen Zeiten und der enormen Verschlimmerung nach Einstellung der Zwan­zigjährigen? Natürlich ist dafür nicht eine einzige Ur­sache verantwortlich zn machen, sondern eine ganze Reche zusammenwirkender Bedingungen kommt in Betracht, deren Natur und Verkettung aber noch keineswegs

lückenlos festgestellt ist. „ „

Schort unter den gewöhnlichen Verhältnissen sind die Ansteckungskrankhetten un französischen Heere viel häufiger als im deutschen. Der Typhus kommt dort etwa fünfmal so viel vor als bei uns. Die Brustfell- entzündung und der akute Gelenkrheumatismus sind im französischen Heere ungefähr doppelt, die Diphteritis etwa dreimal so verbreitet als im deutschen Heere. Daß die Tuberkulose indes einen Grad angenommen hat, wie ihn der Jnspektionsarzt der französischen Armee schildert, war in deutschen militärärztlichen Kreisen bis­her kaum bekannt. Diese Krankheit entwickelt sich nicht erst während der Dienstzeit, sondern sie ist bei den Be­troffenen doch schon in einem gewissen Grade vorhan­den, wenn die Rekruten eingestellt werden. Es muß Wunder nehmen, daß überhaupt eine Aushebung von Leuten mit schwachen Lungenflügeln erfolgt, denn es ist selbstverständlich, daß sich die Tuberkulose in den Massenquartieren und unter den schweren körperlichen Anstrengungen schnell ausdehnen muß. Auch aus den Enthüllungen über die Tuberkulose im französischen Heere geht hervor, daß entschieden zu viel Leute ein­gestellt werden, die den Voraussetzungen für einen tüch­tigen und leistungsfähigen Soldaten nicht entsprechen. Wenn tatsächlich 65 Prozent der unter die französischen Fahnen berufenen jungen Leute in höherem oder ge­ringeren Grade tuberkulös sind, wie der Jnspektions­arzt öffentlich erklärt, so muß die Krankheit doch schon stark im Volke liegen.

Die Enthüllungen Troussaints auf dem Lyoner Kongreß bedeuten natürlich Wasser auf die Mühlen aller, die gegen Uebertreibung der militärischen Leistun­gen in Frankreich auftreten. Da der neue Obmann des Heeresausschusses, General Pödoya, erklärt hat, der dreijährige Militärdienst übersteige weitaus die Hilfs­mittel und Kräfte, über die eine Nation von kaum 40 Millionen verfüge, so wird das nicht ohne Einfluß auf die ferneren inneren Kämpfe in Frankreich sein. Die Befürchtungen des Generals Pädova, daß die Kraft­anstrengungen, die man dem französischen Volke auf­erlegt habe, die Landwirtschaft und die Industrie immer

Die «echte Wa^L

Roman von Helene Merkel.

26) (Nachdruck verboten.)

Fräulein Jolanthe rückte daraus ganz dicht an Elses Seite, legte einen Arm um ihre Schulter und sagte sehr einschmeichelnd und überzeugend mit ihrer überaus sympathischen Stimme:

„Du Hast's, glaube ich, gleich im Anfang ein wenig versehen, Herzchen! Man darf gar nicht erst die Lau­nen und den Eigenwillen des zukünftigen Herrn und Gebieters aufkommen lassen und niemals die leiden­schaftlich Liebende und Gefügige herauskehren, sonst ist man von vornherein rettungslos verloren!"

Die junge Braut wie ihre Mutter fanden diese An- schauung natürlich einzig richtig, und wenn Günther vielleicht noch im Stillen geglaubt hatte, daß Elfe in den nachiten Tagen ihre Schuld ihm gegenüber einsehen 45? ^E^ leisten würde, so war es jetzt vorauszusagen, daß dies eine völlig ver- gebliche Hvssimng war. Fräulein Roland war eine empfangliche^Schülerin für derartige Belehrungen, die tet' öfC1 m ^ int Keime zu ersticken geeig-

Der April hatte angefangen. Sonnenschein und Regenschauer jagten einander förmlich und lockten im Verein Mit einer weichen, milden Lust von Tag zu Tag das junge Grün in immer reicherer Menge an Strauch und Baum hervor. Die Mandelbäume blühten und ebenso standen Krokus und Hyazinthen schon in voller

Von dem Notenheft ihrer kleinen Schülerin, die sie unterrichtete, hinweg blickte Magdalene flüchtig hinaus durch das Fenster. War das ein Wetter heute! Schon am Morgen hatte es sich von der tollsten, launischsten Seite gezeigt und jetzt, da sie bereits den NaHmittags-

mehr der notwendigen Arbeitskräfte beraube, werden sich in Frankreich sicher von Jahr zu Jahr stärker be­wahrheiten müssen.

Mhilisten-verhaslungen in Frankreich.

Höllenmaschinen gegen den Zaren.

Kaum ist der in Serajewo Hingemoröete Erzherzog Franz Ferdinand der Gruft übergeben, da kommt aus Paris die Meldung, daß in Beaumont sur Oise, etwa fünfzig Kilometer nördlich der französischen Hauptstadt, zwei Höllenmaschinen entdeckt wurden, die nach dem Geständnis eines verhafteten Russen zu einem Attentat gegen den Zaren verwendet werden sollten. Die Bom­ben waren von solcher Stärke, daß sie genügt hätten, einen ganzen Hofzug in die Luft zu sprengen. Wenn sich der gefangene Attentäter auch den Ort zu nennen weigerte, wo das Attentat ausgeführt werden sollte, so ging doch aus der Untersuchung bereits hervor, daß die Höllenmaschinen zu Schiff nach Rußland gebracht wer­den sollten. Erst vor einigen Wochen, als der Zar sich aus Livadia nach Petersburg zurückbegeben wollte, ent­ging er kaum einem Anschlag auf sein Leben. Gewöhn­lich fährt Kaiser Nikolaus auf einem zweiten Zuge hin- ter einem Vorzüge, der das Bahngebiet sichern muß. Die Attentäter hatten hiermit gerechnet und legten die Bomben, die auch zur Explosion kamen, vor den letzten der zur Entgleisung gebracht wurde. Der Zar be- stch diesmal indes im ersten Zuge und dampfte unversehrt schnell davon. Als die Zarin jüngst die Nach­richt von der Ermordung des Erzherzogs Franz Fer­dinand und seiner Gattin empfing, brach sie in lautes Weinen aus. Es besteht die Annahme, daß die Erkran­kung der Zarin durch ständige Attentatsbefürchtungen hervorgerufen werde. Die Nerven der Gattin Nikolaus des Zweiten sollen durch die Anschläge, die bereits auf ihren Gemahl und verschiedene Großfürsten gemacht wurden, derartig überreizt sein, daß sie vor allen Auf­regungen behütet werden muß. Gewiß wird man ihr die Entdeckung der Höllenmaschinen zu verbergen su­chen, die zur Sprengung des Hofzuges benutzt werden sollten, aber es wird sich schwerlich durchführen lasten. Somit können neue Beunruhigungen in das Leben der Zarin getragen werden.

Nach der Niederstreckung des Erzherzogs Franz Ferdinand wurden in Rußland verschiedene Stimmen laut, die die Tat menschlich erklären und namentlich die Serben in Schutz nehmen wollten. Die Entdeckung des geplanten Attentats gegen das Leben des Zaren wird den russischen Serbenfreunden zu Gemüte führen, daß eine Tat, wie sie sich in Serajewo vollzog, auch im russi­schen Reiche wiederholt werden kann. So groß auch der Abscheu des Zaren gegen die feige Mordtat war, so gering erwies sich doch im allgemeinen die Mißbilligung des Ereignisses in panslawistischen Kreisen. Man hätte in Rußland wahrlich Anlaß, darüber nachzudenken, zu welchen Verirrungcn eine unablässig leidenschaftliche Hetze, wie sie in Serbien gegen Oesterreich-Ungarn be­trieben wird, führen muß. Die Fäden des Serajower Attentates liefen zwar in Belgrad, die Fäden der Hetze aber an der Newa zusammen.

Politische Rundschau.

Bevorstehende militärische Beförderung des Krön, Prinzen. Wie in militärischen Kreisen verlautet, wird der militärische Informationsdienst des Kronprinzen beim Generalstab schon in den nächsten Wochen beendet werden, und der Thronfolger nach Beendigung der Kaisermanöver zum Kommandeur des ersten Garde- Regiments zu Fuß ernannt werden.

Der Reichskanzler hat sich nach Hohenfinow be- geben, wo er einige Wochen zu verweilen gedenkt. Die Leitung der Geschäfte hat Herr von Bethmann Hollweg nicht abgegeben. Er kann von seinem unweit der Reichshauptstadt gelegenen Gute zu jeder Zeit nach Berlin zurückkehren.

Neuer Präsident des reichsländischen Oberschulrats. Als Nachfolger des Geheimrats Dr. Albrecht auf dem Posten des Präsidenten des Oberschulrats von Elsatz- Lothringen ist der Stadtschulrat Dr. Ziehen in Frankfurt am Main in Aussicht genommen.

Manuschaftsvermeyrung in der Flotte. Wie der „Deutsche Kurier" erfahren haben will, wird der neue Marineetat für das Jahr 1915 eine nicht unerhebliche Mannschaftsvermehrung erfordern, die sich allerdings auf einen Zeitraum von mehreren Jahren erstrecken dürfte. Die Mannschaftsvermehrung ergibt sich aus der Notwendigkeit der Durchführung des bestehenden Flot- tengesetzes und soll zum größten Teil der Hochseeflotte zugute kommen. Ein Teil der neuen Mannschaft ist für die Bemannung von Auslandskreuzern bestimmt.

Serbische Landwirtschaft nach deutschem Muster. Zu Studienzwecken bereist eine serbische Kommission mit dem früheren serbischen Landwirtschaftsminister Pokitsch, der jetzt Professor der Landwirtschaft an der

unterricht in der B.'schen Familie ausgenommen hatte, schien es ebenfalls noch nichts weniger als Beständig­keit aufweisen zu wollen.

Während sie vorhin dem ältesten Kind, dem elf­jährigen Hans, die erste Lektion erteilt hatte, war ein alles überflutender Regenguß nur so gegen die Scheiben geschlagen, und nun, da unterdessen des Knaben Schwe­ster, die kleine Marianne, an die Reihe gekommen, lachte die Sonne wieder so golden und harmlos wie an dem schönsten, blauen Frühlingstag. Wechselvoll wie das menschliche Leben.

Die blasse Klavierlehrerin warf noch einen letzten staunenden Blick durchs Fenster und wandte sich dann wieder mit vollster Aufmerksamkeit ihrer jungen Schüle­rin zu. Mit besonderer Lust und Liebe gab sie derselben die Unterweisungen, denn es war fast ihre Lieblings­schülerin, das hübsche, überaus artige und unverkennbar musikalisch talentierte Kind.

Nach Marianne hätte sie auch noch deren jüngeres Schwesterchen Dorchen zu unterrichten gehabt, doch die­ses, das überhaupt erst seit ein paar Monaten mit dem Klavierspielen angefangen hatte, war heute erkrankt, wie der Bruder berichtete.

Aus dem Nebenzimmer hörte denn Magdalene öf­ters stärkeres Husten, das besorgte Fragen und Han­tieren der Hausfrau und dazwischen manchmal noch das Reden des vierten, allerjüngsten B.'schen Kindes, dessen Stimmchen heute, wahrscheinlich in Anbetracht der kran­ken Schwester, ganz leise und verschüchtert klang.

In dieses Gemisch verschiedenartiger Laute, mit de­nen sich noch die Töne des schülerhaften, nüchternen Klavierspiels der kleinen Marianne mischten, scholl plötzlich die Flurglocke.

_, Unmittelbar darauf wurden im Nebenzimmer feste Schritte und eine wohlklingende männliche Stimme hör­bar. Der Arzt war gekommen.

Im ersten Moment hatte Magdalene unwillkürlich

Universität Belgrad ist, Deutschland. Professor Pokitsch, der mit seinen Assistenten augenblicklich in Lauchstäöt zum Studium der dortigen Versuchsfelder weilt, erklärte, daß Serbien nach den letzten siegreichen Feldzügen die noch sehr öarniederliegenoe Landwirtschaft heben, sowie in den Gebieten gründliche Kultur bringen wolle. Bei Belgrad soll eine Versnchsmirtschaft nach Lauchstädter Muster eingerichtet werden.

Die Kämpfe in Algier. Wie aus Rabat gemeldet wird, haben die französischen Truppen vor einigen Ta­gen in der Gegend von El Borndj eiltet neuen äußerst heftigen Kampf mit den Aufständischen vom Stamme der Zaian und Schleuchs gehabt.

Rückkehr Chinas zur Monarchie? Die liberale Presse Pekings erblickt in den neuesten Maßnahmen der Regierung den Plan, die Monarchie wieder aufzurich- ten. Die Regierung besetzt alle bedeutenden Stellen im Staatsdienst mit Beamten aus der Zeit des alten Re­gimes und die Mehrzahl der Prinzen wurde mit wich­tigen Aemtern betraut. Wenn es so weiter geht, dürfte bald das amtliche China sein früheres Aussehen wieder erhalten haben.

Kleine Kladiridifen.

Die neuen Uniformen. Zu der von der Heeresver­waltung geplanten Einführung neuer Stoffe für Hosen und feldgrane Röcke wird von maßgebender Stelle mit- geteilt, daß im Interesse der Industrie eine sehr weit­gehende Tragefrist für die Stücke aus den bisherigen Stoffen festgesetzt werden wird.

Selbstmord eines Postdiebes. In Stendal wollte Dienstag abend kurz vor 7 Uhr ein Laufbursche der Fir­ma C. Tegtmeyer auf dem Postamte 1 in der Hallstratze eine größere Summe Geldes cinzahlen. Als der Bursche das Geld auf dem Zahlbrette niedergelegt hatte, griff plötzlich ein junger Mensch von hinten nach dem Gelde: er packte vier Hundertmarkscheine und ergriff darauf die Flucht. In der Post waren zu dieser Zeit viele Leute anwesend, die sofort die Verfolgung des Diebes aufnahmen. Als der Dieb gewahr wurde, daß er nicht mehr entrinnen konnte, schoß er sich bei dem Gerichtsge­fängnis mit einem Revolver in die Schläfe. Der Dieb war auf der Stelle tot. Die Person des Räubers konnte noch nicht festgestellt werden.

Eine Veleranin t. Im 82 Lebensjahre ist Frau Paula Hitzfeld in Stuttgart gestorben, die als Vor­steherin der freiwilligen Krankenpflege des Frauenver- cins Zweibrücken den Felözug 1870/71 mitgemacht hat und mit dem Veröienstkreuz ausgezeichnet wurde.

Entsetzlicher Unfall. Aus einer durchreisenden Me­nagerie brach ein Wolf aus seinem Käfig aus. Er siel ein dreijähriges Kind an und richtete es durch Bisse so schrecklich zu, daß es alsbald starb. Der Vater des Kin­des wurde beim Anblick des kleinen Opfers wahnsinnig. Der Wolf ist nach einer wilden Hetzjagd erschossen wor­den. Nach einer Meldung des B. T. sei das getötete Mädchen die Tochter des Kaufmanns Schüring. Man vermutet, daß ein Racheakt vorliegt, da noch zwei wei­tere Wölfe sich im Käfig befanden, glaubt man, daß jemand den Wolf herausgelassen habe.

Verhängnisvolle Folgen einer Wette. In einem Dorfe bei Biberach kam es zwischen jungen Leuten we­gen der Lebensgefährlichkeit der Starkstromleitung der Ueberlandzentrale zu Meinungsverschiedenheiten. Es wurde eine Wette gemacht, die Trägermasten zu erstei­gen und die Leitungsdrähte zu berühren. Dabei wurde einer der jungen Leute von dem 60 000 Volt starken Strom sofort getötet, ein anderer erlitt so schwere Brand­wunden, daß er kaum mit dem Leben davon kommen dürfte.

Wassereinbruch im Simplon-Tunnel. Der von Brigg abgegangene Personenzng wurde Dienstag früh 6^ Uhr plötzlich mitten im Tunnel aufgehalten. Eine große Wassermasse hatte die Schienen und Schwellen aufgerissen und die Tunnelsohle war um etiva 40 Zen­timeter gehoben. Die Lokomotive entgleiste. Der Post­wagen und die nachfolgenden Wagen legten sich quer gegen die Lokomotive, sodatz der Tunnel und der Wasser­abfluß gesperrt war. Unter den aus dem Schlafe ge­rissenen Reisenden entstand eine Panik. Nur unter gro­ßer Anstrengung konnten die Reisenden auf den Schul­tern von Arbeitern bis zum Südportal bet Jselle ge­tragen werden. Der Verkehr durch den Tunnel wurde eingestellt und die Züge über die Gotthardt-Bahn ge­leitet.

Ein französisches Unterseeboot gesunken. Während der Flottenübung bei den Hyerischim'sln stieß das Un* terseeboot „Calypso" mit dem TorpeüooootSzerstörer „Monsqueton", der dieses begleitete, zusammen Das Unterseeboot sank, die Besatzung wurde gerettet.

Verhaftung von Diamantenschmugglern in Nenyork. Nach Feststellungen der Zollbehörden wurden in einem Zeitraume von zwei Jahren Diamanten im Werte von einer halben Million Dollar aus Antwerpen über Mon­treal nach Nenyork geschmuggelt. Mehrere Personen sind bereits verhaftet worden.

aufgehorcht, im zweiten aber war sie jäh erschrocken zu- sammengefahren. Beim ersten Schritt, beim ersten Wort des Eintretenden wußte sie, daß es Doktor Günther war.

Und nun hörte sie ihn in seiner freundlichen, ru­higen Art mit dem kranken Kinde und seiner Mutter sprechen. So gar nichts Aufregendes und Beängstigen­des war dabei, und doch zitterte sie an allen Gliedern, doch schlug ihr das Herz bis zum Halse hinauf. Sie hörte kaum noch, was die Schülerin spielte: atemlos lauschte sie nur auf die sonore, männliche Stimme nebenan, auf diese Stimme, welche sie gleichsam hypnotisierte und in ihren Bann schlug, wie sehr sie sich mit aller Willens­kraft auch daneben wehrte. Es war nutzlos. Es war stärker als sie und es raubte ihr, der sonst doch so Wi- derstanösstarken, alle Selbstbeherrschung, sodaß sie sich angstvoll fragte: Wenn er nun auch hier eintrat, um vielleicht nach den anderen Kindern zu sehen, mußte er ihre Hilflosigkeit nicht wahrnehmen? Was dann aber — was dann?

Mit angehaltenem Atem auf jeden Laut aus dem Nebengemach lauschend, saß Magdalene da.

Alles, was der Arzt sprach, konnte sie natürlich nicht verstehen, doch soviel wurde ihr klar, daß er keine schwere Erkrankung konstatierte, vielmehr in der Lage war, die geängstigte Mutter nach Kräften zu beruhigen. Und jetzt lachte er sogar einmal herzlich auf; die kleine Patientin mußte ihm dazu Veranlassung gegeben haben. Ganz deutlich hörte Magdalene ihn dann sagen:

„In Dein Bettchen legen läßt Du Dich aber von der Mama, Dorchen! Du bist doch ein artiges Kind und wirst mit Dir alles tun lasten, was sie will, nicht wahr? Damit, wenn Ostern kommt und der Osterhase die schönen, bunten Eier bringt, Du auch welche mitsu­chen kannst. Dazu, Dorchen, mußt Du aber jetzt recht schön brav sein, damit Du bis dahin wieder gesund bist!"