Einzelbild herunterladen
 
  

Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^A»^ für den Kreis Hersfeld

Weiher firelshlatt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 158.

Donnerstag, den 9. Juli

1914.

Bus der Heimat.

* (Branntwein-Verkaufsverbot für Jugendliche.) In den letzten Jahren erhielten die Bezirkspolizei-Verordnungen über die Verab- folgung geistiger Getränke eine erhebliche Verschärfung. Bis dahin war den Branntweinhändlern und Gast­wirten nur verboten, Branntwein an jugendliche Personen zum Selbstgenuß zu verabfolgen. In Zu­kunft wurde jedwede Art der Verabfolgung untersagt. Selbst wenn Jugendliche den Branntwein für ihre Eltern oder Arbeitsvorgesetzte holen wollten, durfte ihnen trotz des vorgelegten Ausweises darüber kein Branntwein verabfolgt werden. Auf Andrängen seiner Kundschaft entschloß sich deshalb ein Händler zur Anfechtung der Rechtsgültigkeit der neuen Vor­schrift. Das Kammergericht erklärte die Polizeiver­ordnung aber für rechtsgültig. Auch wenn Kinder von Erwachsenen zum Holen des Branntweins aus­geschickt würden, bestehe für die Kinder immer noch die Möglichkeit des Brantweingenusses. Ebenso könnten Kinder nur vorspielen, von Erwachsenen zum Holen des Branntweins geschickt zu sein.

* Telephonieren während eines Ge­witters ist sehr gefährlich und kann zu schweren gesundheitlichen Schädigungen führen, wenn der Blitz in die betreffende Leitung fährt. Der Sprechende er­fährt dann durch den am Ohr befindlichen Hörer einen mehr oder weniger starken elektrischen Schlag, der unter Umständen zu dauernder Beeinträchtigung des Nerven­systems führen kann. Es sollte deshalb dem ein Anschluß Nachsuchenden ein solcher nicht gewährt werden, da der Nachsuchende nicht nur leichtsinnig gegen sich selbst verfährt, sondern weil er den Angerufenen zu dem gleichen Leichtsinn verleitet. Vielfach ist die Meinung verbreitet, daß das Telephonieren innerhalb eines Betriebes oder einer Wohnung während eines Ge­witters nicht schaden könne. Das trifft aber nur dann zu, wenn es sich um eine reine Hausanlage handelt, die mit dem staatlichen Telephonnetz nicht in Ver­bindung steht; ist letzteres der Fall, so ist das Tele­phonieren während eines Gewitters mit genau den­selben Gefahren verbunden, als wenn es sich um ein öffentliches Stadt- oder Ferngespräch handelt.

* (Freie Urlaubsreifen der Unteroffiziere und Mannschaften.) Den fern von der Heimat dienenden Unteroffizieren und Gemeinen können nach einer feit dem 1. April 1914 gültigen Bestim­mung im Falle der Urlaubserteilung in die Heimat oder nach dem Wohnsitz der Eltern und nächsten An­gehörigen in jedem Dienstjahre eine freie Hin- und Rückfahrt auf den Eisenbahnen innerhalb Deutschlands zum Militärfahrpreise bewilligt werden. Die Geld­mittel dazu sind durch den Reichshaushaltsetat bereit; gestellt worden. Die Kosten werden einschließlich der für die Rückreise nach einer bereits einige -Monate geltende Bestimmung grundsätzlich vor An­tritt der Reise gezahlt.

):( Hersfeld, 8. Juli. Der heutigen Nummer liegt die G e w i n n l i st e der anläßlich der Landwirt­schaftlichen Ausstellung stattgefundenen Lotterie bei.

§ Hersfeld, 8. Juli. (AufKirschenkein Bi e r trinken!) In Eichstätt die 21jährige Kochm Walburga Schägl Kirschen mit den Kernen und trank dann Bier. Sie wurde darauf von einem Ohnmachts­anfall betroffen und starb nach wenigen Stunden im Krankenhause, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben.

. -n- Wlddershansen a. d. W., 7. Juli. (Ausstellung wr Volksgesundheit und Jugendpflege.) Durch Ver­mittlung des I. O. G. T. fand am Sonnabend und Sonntag in der hiesigen Schule eine hochinteressante Wanderausstellung für Volksgesundheit und Jugend- Mege, eine Zweigausstellung derProv. sächs. Aus- Nung für Volksgesundheit und Jugendpflege ,,(Ge- 'chaftsitelle: Nordhausen a. H. statt. Dieser Wohlfahrts- ausstellung wurde allseits, bei jung und alt großes Interesse entgegengebracht, der Besuch war ein recht erfreulicher. Die Leitung und Führung durch die Ausstellung hatte Herr Lehrer Otto-Heimboldshausen übernommen. In einem überzeugenden, von herzlicher ^öe zu unserem Volke getragenen Vortrage be- ^öelte Herr Otto an der Hand des ausgestellten Materials die sachwichtigen Kapitel: Tuberkulose, ihre Machen und Bekämpfung, Boden- und Wohnungs- btüchternheitsarbeit (Antialkoholbewegung,) lickkÄ?d^"tz (Geburtenrückgang und Kindersterb- in Wort und Bild, Jugendfürsorge Wandern rc.), Volksernährung und Schutz gegen A XP Pflanzen. Eine errichtete Jugendschriften- zeigte den Besuchern eine große Auswahl PS Bücher für eine Jugendbücherei, eine Kunstaus- wie man sein Heim mit wenig Kosten wirklich künstlerisch schmücken kann.

-n- Widdershansen a. d. W., 8. Juli. (Ueber- schwemmung durch die Werra.) Infolge der starken Regenfälle der letzten Tage ist die Werra be­reits über ihre Ufer getreten und hat große Wiesen- strccken unter Wasser gesetzt und versandet. Das Werratal zwischen Widdershausen und Dankmars­hausen gleicht an manchen Stellen einem großen See. Die Werra ist noch in rapidem Steigen begriffen und führt viel mitgeschwemmtes Holz mit.

Wehrda (Kr. Hünfeld), 7. Juli. Ein wolkenbruch- artiger Regen ging heute vormittag über unseren Ort nieder. Wassermassen, wie man sie hier noch nicht gesehen hat, überfluteten Straßen und Gräben. In den niedriggelegenen Straßen drangen die Wasser­massen in Keller und Ställe ein und die Anwohner konnten stundenlang nicht aus dem Hause. Die Haune ist über die Ufer getreten und hat das ganze Wiesental unter Wasser gesetzt. In Rhina hat das Wasser alle Stege, die über den Bachfluß führen, fortgerissen. In Gärten, auf Wiesen und Feldern hat das Wasser großen Schaden angerichtet.

Cassel, 7. Juli. Nach den bis jetzj. feststehenden Reisedispositionen des Kaisers wird der Monarch in der zweiten Woche des Monats August auf Schloß Wilhelmshöhe eintreffen und von hier aus der Ein­weihung der Waldecker Talsperre beiwohnen, sowie den Truppenübungsplatz Ohrdruff in Thüringen und die Feste Koburg besuchen. Am Abend des 20. August wird sich der Kaiser von Wilhelmshöhe aus nach Mainz begeben, um die Parade über die gesamten Truppen des 18. Armeekorps abzunehmen. Am Nach­mittage des 21. August begibt sich der Kaiser zu einem mehrtägigen Besuch der Prinzlich Hessischen Herr­schaften auf Schloß Friedrichshof im Taunus, wohin sich zur gleichen Zeit die Kaiserin von Schloß Wilhelms­höhe begeben wird. Die Majestäten werden in dieser Zeit Bad Homburg v. b. Höhe, die Saalburg usw. besuchen und der Kaiser das Militärgenesungsheim in Kloster Eberbach im Rheingau besichtigen. Von Schloß Friedrichshof begeben sich die Majestäten nach Wilhelmshöhe zurück, wo sie bis zur ersten September- woche weiter Residenz nehmen, um sich dann zu den großen Paraden nach Münster und Koblenz zu begeben.

Marburg, 7. Juli. Bei wenig günstigem Wetter fand hier das Jahresfest des Kurhessischen Krieger­bundes statt. Am Sonnabend fand die 14. Abgeord­netenversammlung statt. Nach dem Geschäftsbericht umfaßte der Kurhessische Kriegerbund am Schlüsse des Jahres 1913 8 Ehrenmitglieder und 11 Einzelmit­glieder, ferner 21 Kreis-Kriegerverbände mit 808 Vereinen, die 1562 Ehrenmitglieder und 45 798 zahlende Mitglieder besaßen, zusammen 47 379 Mit­glieder, gegen 46 504 im Vorjahre. Die Zahl der Veteranen ist im Jahre 1913 von 5356 auf 5162 zu­rückgegangen. Die Zahl der im Offiziersrang stehenden Mitglieder ist von 857 auf 1008 gestiegen. Das Ver­mögen des Kurhessischen Kriegerbundes betrug am Jahresschlüsse 66 044 Mk., gegen 63 064 Mark im Vor­jahre. Die Bundesvereine hatten am Jahresschlüsse zusammen ein Vermögen an Kapitalien und Inventar in Höhe von 756 506 Mk. An Unterstützungen und für Wohlfahrtspflege aller Art haben die Vereine rm Jahve 1913 aufgebracht 46 755 Mk, gegen 42 678 Mk. im Vorjahre. An Unterstützungen an Kameraden und Witwen wurden im Jahre 1913 aus den Kasten des Kurhessischen, des Deutschen und des Landes­kriegerverbandes, sowie aus der Kriegerstiftung, dem Stockmar- und dem Notstandsfonds zusammen 22 351 Mk. aufgebracht, das sind 2734 Mk. mehr wie im Vorjahre. Die Einnahmen betrugen rund 11401 Mk., die Ausgaben 8721 Mk, Ueberichuß 2980 Mk. Als Ort der nächstjährigen Versammlung wurde Witzen- Hausen gewählt.

Eisenach, 7. Juli. Die Direktion der Thüringer Creditanstalt hatte gegen die Eröffnung des Konkurses durch das Großherzogliche Amtsgericht Beschwerde beim Landgericht erhoben und geltend gemacht, day eine Ueberschuldung der Bank nicht vorliege Nach eingehender Prüfung der Bücher der Creditanstalt wurde aber festgestellt, daß tatsächlich Uebersckuldung vorliegt und hat deshalb das Landgericht dre Be­schwerde abgewiesen. Der Konkurs der Thüringer Creditanstalt ist somit rechtskräftig.

Lobenstein (R. j. L), 7. Juli. Der in den 20er Jahren stehende Postassistent Friedrich wurde heute früh im Forstrevier Schlegel, wohin er stch heute früh 4 Uhr zur Jagd begeben hatte, erjchoffen aufgefunden. Es liegt zweiffellos ein Unglucksfall vor, doch ist noch nicht festgestellt, ob der Unfall durch eigene oder fremde Schuld herbeigesührt wurde.

Eisenach, 6. Juli. Nach amtlichen Feststellungen handelt es sich bei den Unterschlagungen des groß- Herzogl. Rechnuugsamtmanns Max Stapff in Derm- bach lediglich um Kaligelber. Man nimmt allseitig

an, daß Stapff nicht geflohen ist, sondern Selbstmord begangen hat.

Die deutschen Kaisermanöver 1914.

Es ist bereits auf die Schwierigkeiten hingewiesen worden, die durch die Vereinigung großer Truppen- massen im diesjährigen Kaisermanöver für die Ver­pflegung entstehen. Gerade dadurch aber wird das Kaisermanöver in diesem Jahre zu einer außerordent­lich lehrreichen Uebung in der Verpflegung für Gene­ra lstab und Intendantur, unter Verhältnissen, die denen des Krieges nahekommen. Zum Studium der Heeresverpflegung werden zwar alljährig Planaufgaben in größerer Zahl bearbeitet und Verwaltungsgeneral­stabsreisen unternommen, sie werden aber in ihrer Bedeutung durch die bevorstehende praktische Uebung erheblich übertroffen.

Auf eine völlig kriegsmäßig durchgeführte Ver­pflegung muß allerdings auch in diesem Katsermanöver verzichtet werden. Die Aufstellung sämtlicher Kriegs­verpflegungskolonnen würde ungeheure Kosten verur­sachen und der Bevölkerung der betreffenden Gebiete zu viel Fahrzeuge entziehen. Aus diesem Grunde muß auch die Aufstellung derEtappen-Verpflegungskolonnen unterbleiben. An sich wäre ein Manöver mit Auf­stellung aller Verpflegungs- und Munitionskolonnen sehr erwünscht, die Ausführung wird aber wohl immer an den Kosten und an der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit scheitern. Im bevorstehenden Kaiser­manöver werden immer wie schon erwähnt für die Verpflegung Verhältnisse geschaffen, die denen des Krieges möglichst nahe kommen. Die Verpflegung wird sich folgendermaßen gestalten.

Die Fußtruppen entnehmen ihren Bedarf den unmittelbar bei ihnen befindlichen Feldküchen. Diese ergänzen sich aus den Lebensmittelwagen, welche sich bei der großen Bagage befinden. Die berittenen Truppen, die nicht über Feldküchen verfügen, verpflegen sich unmittelbar aus den Lebensmittel- und Futter­wagen. Die Wiederfüllung dieser geschieht aus den Kolonnen, die den Armeekorps oder Divisionen mit kriegsmäßigen Abstäuden folgen. Auch von frei­händigem Ankauf der Verpflegungsvorräte zurWieder- füllung der Lebensmittel- und Futterwagen wird weitgehender Gebrauch gemacht werden, wie es auch im Kriege, soweit es die im Lande vorgefundenen Vorräte erlauben, der Fall sein wird. Die Ver- pslegungskolonnen ergänzen ihren Bestand aus Ver- pflegungszügen der Eisenbahn, die von der Intendantur nach Bedarf vorgezogen werden. In diesem Rahmen finden die Verpflegungsoffiziere bei den Truppen, und im Rücken der Truppen die Intendantur, durch den sich entwickelnden Pendelverkehr der Verpflegungs­kolonnen und- fahrzeuge sowie den freihändigen An­kauf von Lebensrnitteln und Futter, reichlich Ge­legenheit, für ihre Aufgaben im Kriege zu lernen. Es erhellt hieraus aber auch die dringende Notwendig­keit, auf deu Straßen des gesamten Manövergeländes, auch im Rücken der Armeen, strenge Ordnung zu halten und die Manöverleitung in der Durchführung ihrer Absichten zu unterstützen. Die den Armeen vorausgehende Heereskavallerie kauft ihren Hafer­bedarf im allgemeinen freihändig auf, für den Notfall werden ihr Lastkraftwagen-Kolonnen für den Hafer­ersatz zur Verfügung stehen, während sämtliche Truppen, wie im Kriege, für den Notfall eiserne Portionen mit sich führen.

Elettriritöt in der Landwirtschaft.

Man schreibt uns: Bei dem schnell fortschreitenden Ausbau der Ueberlandzentralen wird sich jeder Land­wirt früher oder später dazu entschließen, die elek­trische Kraft zum Antrieb von Maschinen und zur Beleuchtung in seinem Betriebe einzuführen. Nicht immer wird er sich von vornherein darüber klar sein, in welchem Umfange und in welcher Weise diese neue Hilfskraft seiner Wirtschaft in zweckmäßigster und nutzbringendster Weise dienstbar zu machen ist. Auch wenn Kostenanschläge verschiedener Jnstallations- firmen bereits vorliegen, dürfte es mitunter schwer fein, das günstigste Angebot herauszusinden, da für deren gründliche sachverständige Beurteilung in der Regel technische Kenntnisse notwendig sind.

Es sei deshalb darauf aufmerksam gemacht, daß die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft, Berlin, eine seit längerer Zeit bestehende Abteilung für Projekt­bearbeitung unterhält, die den Mitgliedern der Ge­sellschaft bei Einrichtung aller Arten maschineller oder elektrischer Anlagen mit Rat und Erfahrungen zur Seite steht. Nähere Auskunft erteilt die Deutsche Landwirtschafts - Gesellschaft, Gerätestelle, Berlin SW. 11, Deffauerstr. 14. _________ .

Wetteraussichten für Donnerstag den 9. Juli.

Wechselnd bewölkt, trocken, wärmer, westliche Winde.