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** DeS Kaisers Nordlandfahrt. Der Kaiser trifft Montag nachmsttag in Kiel ein und wird sofort seine Nordlandreise antreten. — Dem Hofbericht zufolge hat der Kaiser den geplanten Besuch in Coburg und die Besichtigung der restaurierten Beste infolge anderweiter Reiseanordnungen abgesagt.

Schneeschmelze in Tirol. Wie dem „L.-A." aus Innsbruck gemeldet wird, trat infolge der großen Hitze eine rapide Schneeschmelze auf den Bergen ein. Die Flüsse haben deshalb einen hohen Stand erreicht.

Tod unter Trümmern. Durch einen Mauereinsturz auf einem Neubau in Pamal wurden nach Meldung aus Gent drei Arbeiter tödlich verletzt. Durch einen ähn­lichen Unfall in St. Ghislain bei Mons wurden vier Arbeiter durch ein einstürzendes Gebäude schwer verletzt.

«-* Militärischer Gewaltstreich in China. Viele Soldaten, die an der Plünderung Kalgans beteiligt waren, flohen nach der Mongolei. Zweihundert, deren Beteiligung nicht einwandfrei festgestellt werben konnte, wurden zwei Monate Löhnung und freie Heimfahrt ver­sprochen. Hinter Kalgan ließ man sie aussteigen und dann von fremden Soldaten auf sie feuern. Hundert- zwanzig Soldaten wurden getötet, die anderen ent­kamen.

t-* Tod eines angeblichen französischen Thronprä­tendenten. In Montpellier starb am Sonnabend Jean de Bourbon, ein Sohn des Uhrmachers Naundorf, des angeblichen Sohnes Ludwigs 16., im Alter von 42 Jahren.

w Streikbewegung der Bergarbeiter in Frankreich. Der Ausstand der Bergarbeiter im Loiregebiet und im Departement Herault gewinnt an Ausdehnung. Der Ministerpräsident versprach einer Abordnung der Berg­arbeiter die Festsetzung des Ruhegehalts von durch­schnittlich 700 Francs.

w= Großer Mühlenbrand. Die 400 Jahre alte, große, in Stein erbaute Miehesche Mühle in Embeck ist Sonnabend früh völlig niedergebrannt. Verbrannt sind fünfhundert Sack Mehl und große Vorräte. Der Scha­den wird auf 200 000 Mark geschätzt. Die Entstehungs­ursache ist unbekannt.

m= Unglück auf einer Feldbahn. Im Walde bei Nizza entgleiste ein Feldbahnwaggon, der zur Beför- - )erung von Munition diente. Ein Artillerist wurde ge- : Met, ächt mehr oder minder schwer verletzt.

b* Der Zar begrüßt das englische Geschwader. Der i Zar unternahm am Freitag mit seinen beiden ältesten rochiern und den Ministern des Hofes und der Marine : ron Kronstadt aus eine Fahrt nach der Ostsee. Er traf wrmittags mit dem englischen Geschwader zusammen, legrützte es durch Flaggensignale und kehrte später nach ßeterhof zurück.

Unwetter in Nürnberg. Freitag abend zwischen 7 and 8 Uhr ging über Nürnberg und Umgebung ein ürchtbares Unwetter nieder. Der angerichtete Schaden dürfte seiner Größe wegen vorläufig nicht abzusehen sein, die meisten öffentlichen Anlagen sowie die Felder der Umgebung sind durch den Hagelschlag völlig ver­wüstet worden. Stellenweise haben die Waffermassen das Straßenpflaster aufgerissen.

»■* Furchtbares Unwetter i« Italien. Ein furcht­bares Gewitter entlud sich am Freitag über Mailand. Durch Blitzschlag wurden in der Umgebung fünf Per­sonen getötet.

9-* Bergrutsch infolge von Regengüssen. Durch die in der letzten Zeit niedergegangenen Regengüsse erfolgte nahe bei Bingen ein Bergsturz. Das Gleis der Strecke Loblenz-Bingerbrück wurde durch Geröllmassen ver­schüttet.

ob* Ernennung zu preußischen Staatsministern. £er Kaiser hat den Staatssekretär des Reichsschatzamtes Kühn und den Staatssekretär des Auswärtigen Amtes von Jagow zu Staatsministern und Mitgliedern des preußischen Staatsministeriums ernannt.

„ Großer Hafenarbeiterstreik. Ein Streik, der große Ausdehnung anzunehmen droht, ist Freitag nachmittag plötzlich im Arsenal von Woolwich ausgebrochen. Ein Arbeiter war wegen Insubordination entlasten worden, worauf sich 600 Arbeiter mit ihm solidarisch erklärten und die Arbeit niederlegten. Man befürchtet, daß der Streik auf die übrigen 10 000 im Hafen arbeitenden Per­sonen übergreifen wird.

_ Tödlicher Fliegerabsturz. Der Fliegerleutnant Zvandaw ist in Amsterdam aus einer Höhe von 30 Metern abgestürzt und den dabei erlittenen Verletzun­gen erlegen.

Eine Begleitflotte für Poincaree. Eine Division, ^.Eitehend aus den Panzerkreuzern „France", „Jeanne ^rc und einer TorpeoobootsslottiÜe, wird am 6., Juli gebildet werden, um den Präsidenten bei seiner ^^"EEehr von Rußland und den skandinavischen Ländern Poincaree wird sich an Bord des neuen einschiffen. Die Abfahrt von Cher- lourg erfolgt am 15. Juli um 7 Uhr morgens.

Serichf und Recht« urteil??V^f^l§ verurteilt. Das Reichsgericht ver- Hausse wegen versuchten Ver- unlitari'cher Geheimnisse äu bret Jahren Gefäng- LKL-ܰi,L b^Axä «L.» ®ä »»Körungen, um geheime Schriftstücke zu entwenden mittels LCm ^uzofischen Nachrichtenbüro zu über- tineSS Sf*0^98961^* i« Toulon hat den 3Ra= lmms-^-^Elley, der wegen Handels mit Krankhettsur- Lu^erteilungen, wegen Handels mit Waren aus dem

?/6en Unterschlagung von Geldern des ^p^a!« angeklagt war, zu zwei Jahren Gefängnis, ÄiJ mmN'^ns der zuÄr-cht -mg-z-ge-

. Vermischtes.

I an h^ VerfolgUllgswahusi«« einer ganzen Familie. | Famm? "kl?/? französischen Gemeinde Gauge lebt eine desi^"ä',beitehend aus dem 50 Jahre alten Vater und i vera^nE^En im Alter von 28, 26 und 18 Jahren. Am Bnet ?ä L! Sonntag erhielt der jüngste Sohn emen * Furcht ^^" Er mit dem Tode bedroht wurde. Aus " 8^?™?°* emem Attentat verlor der Unglückliche den ficß'^L^ Swt seitdem fortwährend ein Geheul von -t D-EE. ^nkheit übertrug sich auch auf, die ,anderen leme^mn^^L^Eder und das ganze Haus ist isttdem in I lett5^Ä5E Holle verwandelt. Sämtliche mer Personen | ^^n an Verfolgungswahnsinn. Die Gegenwart von k KEnöarmen, die Lag und Nacht bei den Wahnsinnigen | °^eu, vermag keine Aenderung herbeizunchren.

^Ungetreuer Geschäftsführer. Seit mehreren Tagen 1^ Berlin der Direktor und Geschäftsführer der kg^^?unischen Exportgeselltchast, der 31 Jahre alte I d-v >euerreich stammende Kaufmann Bernhard Sieler, i rnlH^1 in der Bismarckstraße eine größere Wohnung ^"^ hatte, zusammen mit seiner 22 Jahre alten Frau I ^nntEh Es hat sich nunmehr herausgestellt, daß Vieler s h»«R. Hlmerlasiung einer großen Schuldenlast mit sei- : »Er .yrau geflohen ist Auperdem wurde ermittelt, daß ?Er Betrüger Wechsel in beträchtlicher Höhe gefälscht sabe. Ueber die deutsch-rusiische Exportgetellschast ist in-

Tod in den Wellen. Auf der Themse ereignete sich gestern ein erschütternder Vorfall. Ein Vergnttgungs- dampfer kehrte von Hapton Court zurück, als in der Nähe der Battersea-Brücke ein junger Mann, ein Neffe des verstorbenen Unterhausmitgliedes für Oxford, An- son, über Bord fiel. Ein anderer junger Mann sprang ihm nach, um ihn zu retten. Beide ertranken. Ein drit­ter Herr, der Sohn des Londoner russischen Botschafters, der fernem Freund ins Wasser nachsprang, wurde le­bend aber äußerst erschöpft gerettet.

Der deutsche Schuelltelegraph... der beste der Welt. Aus technischen Kreisen wird uns geschrieben: Die deutsche Technik kann mit Stolz einen neuen Triumph verzeichnen. Die Reichspostverwaltung ist dazu übergegangen, anstelle der ausländischen Mascht- nentelegraphensysteme zur weitgehenden Ausnutzung » r ßeihutgen ein rein deutsches System einzuführen, das sich allen anderen überlegen gezeigt hat. Es ist dies der Schnelltelegraph von Siemens u. Halske, der bereits beim Haupttelegraphenamt in Berlin auf den Leitungen nach Frankfurt a. M., Breslau, Düsseldorf, straßburg und Königsberg i. Pr. zur Anwendung kommt. Bisher galt als bester Schnelltelegraph der Murray-Apparat. Dieser vermochte 500- 600 Zeichen in der Minute zu übermitteln, damit war seine Lei­stungsfähigkeit erschöpft. Nicht so beim deutschen Ap­parat. Der Schnelltelegraph von Siemens u. Halske ist imstande, annähernd 1000 Zeichen in der Minute zu übermitteln. Das bedeutet eine Höchstleistung von 140 Wörtern in der Minute, da man bei der deutschen Sprache im Durchschnitt auf ein Wort 7 Zeichen rech­nen kann. Benutzt man jedoch noch die Gegensprech- schaltung, wie dies bei weitgehendster Ausnutzung der Leitung immer geschieht, so kann die Leistung noch auf das Doppelte gesteigert werden. Nebenbei besitzt der deutsche Apparat den Vorzug einfacher Bedienung und hoher Betriebssicherheit. Nach alledem muß _____ deutschen Apparat das Zeugnis ausstellen, daß seine hervorragenden Eigenschaften ihn berufen erscheinen las­sen, mit der Zeit alle übrigen ausländischen Systeme der Schnelltelegraphie aus dem Betriebe der deutschen Post zu verdrängen.

Die Kieler Eindrücke der englische« Seeleute. Ein Offizier vom Stäbe des Admirals Sir George Warren- der sendet den Kieler Neuesten Nachrichten im Einver­nehmen mit dem Admiral ein Schreiben über den Auf­enthalt des englischen Geschwaders in Kiel, worin es heißt: „Wir alle waren von der herrlichen Einfahrt in den Kieler Hafen ganz entzückt. Das schöne Aussehen der deutschen Schiffe, die in der lieblichen Förde fest­gemacht hatten, erfreuten das Auge jedes wahren See­mannes. Der Empfang, der uns bereitet wurde, als wir die Förde binaujbanwfi Disziplin der deutschen M _ ■ „

Festlichkeiten, die für uns veranstaltet wurden, haben

man dem

ten, zeigte die ausgezeichnete Marine. Die Empfänge und

uns genußreiche Stunden bereitet und manchem Gele­genheit geboten, dauernde Freundschaften zu schließen. Wir alle verlassen die Förde in dem schönen Bewußt­sein, herrliche Tage verlebt zu haben, und mit der Hoff­nung, noch einmal nach Kiel zurückkehren zu dürfen. Auch hegen wir die Hoffnung, daß schon in nächster Zu­kunft deutsche Schiffe einen Besuch in England machen werden, damit die Freundschaften, zu denen in Kiel der Grund gelegt wurde, weiter entwickelt werden können."

Die Prophetin des Mordes von Serajewo. Die Ermordung des österreichischen Thronfolgers und sei­ner Gemahlin in Serajewo kam der ganzen Welt wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Eine nur hat vorher darum gewußt: die französische Prophetin und Astro- login Frau von Thebes. Wie man weiß, läßt sie all­jährlich im Dezember ihre Weissagungen auf das fol­gende Jahr erscheinen, und wer die letzten Bände dieser Weissagungen durchsieht, findet darin wirklich die Kata­strophe im österreichischen Herrscherhause vorausgesagt. In den Weissagungen auf das Jahr 1913 liest man nämlich über das österreichische Kaiserhaus: „Der Fürst, der auf den Thron wartet, wird nicht herrschen, und an seiner Stelle wird ein Jüngling herrschen, der ge­genwärtig nicht daran denkt, zur Regierung zu gelan­gen." In dem folgenden Jahre dieies Weissagungs- kalenders, der vor etwas über einem halben Jahre er­schienen ist, findet sich ein erneuter Hinweis auf den Mord: „Was das vor einem Jahre vorausgesagte Drama im Kaiserhause anbetrifft, so wird es sich ereignen, nie­mand vermag das Schicksal aufzuhalten..."

Ei« gutes Gewissen. Erster Stromer: „Da kommt 'n Schutzmann: wollen wir hier in die Seitengasse ver­schwinden?" — Zweiter Stromer: „Ick nich! Ick hab 'n gutes Gewissen ... ick bin erst heute aus rm Ge­fängnis entlassen worden!" ,

Aus der „Jugend". Marie, mein Mädchen, hat mir gekündigt, mit der Motivierung, daß man heutzutage aar nicht genug lernen könne. Vollständig perplex ob dieses Ereignisses mache ich die geistreiche Einwendung: ^ e müßen doch zugeben, d^ sich Ihr Gesichtskreis in d^n zwei Jahren bei mir bedeutend vergrößert hat!" Darob Marie weinerlich: „Na, gnäd'ge Frau, satt zu essen habe ich zu Hause auch gekriegt.

Sie Zustände in Albanien.

Aus Durazzo wird ^melbet:^ ver­zweifelten Lage reist die Fürstin mit ihren Kindern zur der letzten Zeit mehrfach aufgetaucht, ohne daß ne da- mahrä wurden. Wie an unterrichteten Stellen mitgeteilt wird, verdient die angegebene Nachrichtwenig Glauben. Vielmehr bestätigt es sich, daß der »yorft 6t» auf weiteres fest eutschlosten i^aufsewem ihm von Europa übertragenen.Wüten auszuhalte«.

S^eiHncr DDlitifdKTi Ereilen $ält wnn nocy wie vor an der Hoffnung fest, daß Es dem 'stürsten gelingen werde, trotz allem der jetzigen Schwierigkeiten Herr zu

"Erden- $nnmo 4 In der vergangenen Nacht kam es zu erneuten Plünderungen und.Erzenen. Dies­mal waren Kostowoleute die ^vgrelter. Tie ange­griffenen Zigeuner und Kuzowallachen fliehen. Major Lluos hat die Verteidigung von Valona. Er hat 1000 Mann wohldisziplinierter Truppen und außerdem Ge-

Aus^Turazzo wird geineldett Ismael Kemal habe dem Fürsten davon abgermen, Balona wetter M ver- teidiaen da der Widerstand vergeblich fein werde.

4 3ult Eüaö Pascha reist heme nach

^o^Sten, 4. Juli. Der albanische Ministerpräsident Turkhan Pascha ist gestern abend hier eingetroffen.

Turkhau Pascha über die Lage.

In diplomalischen Kreisen, Roms wird behauptet, Turkhan Pascha habe dem Minister des Aeutzeren di 8n GttUia^erkMrt, Fittst Wilhelm habe kein Geld und keine Ioldate«. Italien ur^ Oesterreich müßten daher dem Fürsten mindestens 8 Mülionen Franken sowie ein Silsskorps von 10 000 Mann bewilligen. Giuliano Halle Turkhan Paicha erklärt, wenn es ihm gelänge, die anderen Mächte zu der Idee einer inter- rrgttonalen Besetzung Albaniens zu bewegen, so werde

Italien nicht abseits stehen. Von einer Einmischunp der beiden erwähnten Mächte könne aber keine Rede sein

Zwisttgkeiten nutet den Aufständischen.

Nach in Durazzo eingetroffenen Meldungen ist es im Lager der AufständWen zwischen den verschiedenen Stämmen zu großen Meinungsdifferenzen gekommen, die schließlich zu einer gegenseitigen Bekämpfung führ­ten, wobei zahlreiche Aufständische getötet wurden und ein Teil von ihnen in ihre Dörfer zurückkehrten. — Prenk Bib Doda und mehrere andere albanische Führer haben dem Fürsten neuerdings ihre Dienste angeboten, verlangen jedoch größere Summen Geldes, um ihre Leute bezahlen zu können.

Wien in Iraner.

Die Kinder des Erzherzogs Franz Ferdinand find Freitag nachmittag in Begleitung der Gräfin Henriette Chotek aus Chlumetz in Wien eingetroffen und haben sich abends in die Hofburgpfarrkirche begeben, um an den Särgen ihrer so jäh entrissenen Eltern Gebete zu verrichten. An den Sarkophagen spielten sich herzzer­reißende Szenen ab. — Kaiser Wilhelm hätte den Botschafter v. Tschirschky mit seiner Vertretung bei der Trauerfeier für den verstorbenen Erzherzog und Gemahlin beauftragt, der an der Bahre zwei Kränze des Kaisers aus Orchideen, weißen Rosen, Maiglöckchen, Lorbeer und Palmen mit weißen Schleifen und großem „W" mit der Kaiserkrone, sowie Kränze des Kronprin- zenpaares, des Prinzenpaares Heinrich, des Großher- zogs von Baden, des Grotzherzogspaares von Mecklen­burg-Schwerin, des Herzogspaares von Koburg und vom lUaneiireghnent Prinz August von Württemberg, Posensches Nr. 10, niederlegte. — Im Anschluß an die scroenfeindlichen Demonstrationen kam es altch zu Kundgebungen vor der deutschen Botschast. Die Menge sang dort die „Wacht am Rhein" und rief: „H o ch K a i - ser Wilhelm, unser erlauchter Verbündeter, nieder mit Serbien. Die rasch herbeigeeilte Wache zerstreute die Demonstranten.

o-* Wiu, 4. Juli. Für die letzte Fahrt des Erzher­zogs Franz Ferdinand und seiner Gemahlin zum West­bahnhofe bildeten auf Befehl des Kaisers die Truppen der Wiener Garnison auf dem ganzen Wege Spalter. Auch viele Vereine hatten mit umflorten Fahnen auf den Straßen, die der Trauerzug passierte, Aufstellung genommen. Ueberall hinter dem Militär vom Vurator bis zum Westbahnhof stand eine zahlreiche Menschen­menge. Gegen K11 Uhr erreichte die Spitze des Zuges den Bahnhof. Dort hatten sich die hier anwesenden Erz­herzöge eingefunden. Außerdem war die gesamte Ge­neralität mit dem .Kriegsminister an der Spitze er­schienen. Um 10 Uhr 50 Minuten fuhr der Hofzug aus der Halle. Der Erzherzog Thronfolger wurde sowohl auf der Hin- wie auch auf der Rückfahrt lebhaft be­grüßt.

Ueberführung der Leichen nach Artstette«.

Aus Groß-Pöchlarn wird gemeldet: Die Särge des Erzherzogsvaares wurden unter strömendem Re­gen aus dem Waggon gehoben und in der Wartehalle aufgebahrt. Offiziere des Ulanen-Regiments Franz Ferdinand hielten die Ehrenwache. Nach neuerlicher Einsegnung wurden die Särge um 3% Uhr früh auf den Galaleichenwagen gehoben, der sich durch das dichte Spa­lier der Bevölkerung, die in stummer Ergrissenheit die Verblichenen begrüßte, nach dem Donauufer in Bewe­gung setzte. Der Trauerzug langte dort um 4 Uhr an. Der Leichenwagen wurde auf die Rollfähre geschoben, die langsam über die Donau setzte. Dann wurde vom jenseitigen Ufer der dreieinhalb Kilometer lange Weg zum Schlosse Artstetten fortgesetzt, wo er um 5 Uhr an- langte. Die Särge wurden in der Schloßkirche aufge­bahrt. Priester und Nonnen hielten abwechselnd Bet­stunden ab. Um 8 und 9N Uhr trafen zwei Hofsorrder- züge mit Trauergästen ein, darunter Erzherzog Carl Franz Josef mit Gemahlin und die Kinder der Ermor­deten.

Poschlar, 4. Juli. Der Sonderzug mit den Leichen des Erzherzog t Franz Ferdinand und seiner Gemahlin ist um VA Urr nachts hier eingetroffen. Um 2 Uhr 30 Minuten frü j wurde die Fahrt nach Artstetten fort­gesetzt.

o-* Wien, 4. Juli. Für die letzte Fahrt des Erzher­zuges versuchte eine große Menschenmenge zur serbi­schen Gesandtschaft zu gelangen und demonstrierte in der Umgebung der Gesoadtschast.

Belgrad, 4. Juli. Anläßlich der Trauerfeierlich­keiten in Wien bringt die „Samouprava" einen Artikel, der das Mitgefühl für die Völker der Nachbarmonarchie und ihren Herrscher zum Ausdruck bringt mit dem Wunsche, daß der Kaiser wieder die Kraft finde, den furchtbaren Schicksalsschlag zu ertragen.

Der Kaiser an die österreichische Marine.

Kaiser Wilhelm hat an den Admiral der österrei­chisch-ungarischen Marine Haus in Pola folgendes Tele. gramm von Kiel aus gerichtet: Nehmen Sie als Ber- tretet der königlichen und kaiserlichen Marine den Aus­druck meines ganz besonderen Beileids entgegen anläß­lich des jähen Hinscheidens Ihres Erzherzog-Admirals. Ich weiß, wie fein Herz für die Flotte schlug und wie er für sie gewirkt hat. Ich habe aber auch die Zuversicht, daß sein Geist weiterleben wirb in den Of­fizieren und Mannschaften der österreichisch-ungarischen Marine. Mit mir trauert meine Flotte, in deren Mitte ich mich befinde und die morgen einen Trauersalut feuern soll für den fürstlichen Admiral, der auch ihr Freund war.

Auf dieses Beileidstelegramm ist folgendes Ant­worttelegramm eingegangen: Niedergeschmettert von der Tragik des Schicksals sind uns die gnädigen warmen Worte der Teilnahme, die Eure Majestät an mich zu richten die Gnade hatten, ein wahrer Trost und ein Ansporn zu weiterer Arbeit. Genehmigen Eure Majestät meinen und der kaiserlich-königlichen Marine tief ergebenen Dank und die Bitte, anzubefehlen, daß Eurer Majestät mittrauernder deutscher Flotte unser In­nigster kameradschaftlicher Dank bekanntgegeben werde.

Ein weiteres Opfer des Attentats.

Wiener Blätter melden aus Serajewo, daß der Flüaeladjutant des Landeschefs, Oberstleutnant Me- rizzi, der bet dem Bombenattentat verwundet wurde, im Sterben liege. Infolge Infektion der Wunde sei Starrkrampf eingetreten.

ßandel und Verkehr«

Die Ergebnisse der Schweinezählung. Nachdem vor em paar Jahren ungünstige ErnteverhälMisie eine Ab- nähme der Schweinebestände zur Folge gehabt hatten, ist seit Jahresfrist eine kräftige Bermemmng eingetreten, deren Wirkung sich in dem Herabgehen der Schweine­preise zeigt. Die vorläufigen Ergebnisse der Schweine- zahlung vom 2. Juni dieses Jahres ergeben, daß in Preußen innerhalb Jahresfrist die Schweinebestände um 15,85 Prozent gestiegen sind. Am 2. Juni ISIS wurden 15/19 Millionen Stück gezählt, ein Jahr später sind es 17,94 Millionen. Das Mehr beträgt bald MilliLULL. genau sind es 2,454,708 Stück.