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3ofef Chamberlein gestorben.

London, 3. Juli. Josef Chamberlain, der berühnüe englische Staatsmann, ist heute Nacht im Alter von 78 Jahren gestorben. , t ±

Joses Chamberlain war einer der bedeutendsten Staatsmänner des modernen Englands. Ursprünglich liberal und Freihändler wandte er sich später der unioni- stischen Partei zu. Er war dreimal Mayor seiner Va­terstadt Birmingham. Im Jahre 1876 wurde er zum ersten Mal für Birmingham ins Parlament gewählt. Im Jahre 1880 wurde er unter Gladstone Präsident des Handelsamtes, nach seiner Wandlung zum Unio­nismus trat er im Jahre 1895 in das konservative Kabinett als Sekretär der Kolonien ein. In dieser Zeit übte er den maßgebendsten Einfluß auf die englische Politik aus. Er war der Hauptfaktor für den südafri­kanischen Krieg, durch den er die Einverleibung der Burenrepnbliken erzwäng. Vor acht Jahren hatte er einen Schlaganfall, von dessen Folgen er sich nicht er­holte. Er schied aus der aktiven Politik aus.

Chamberlain ist vielfach als Feind Deutschlands gebrandmarkt worden. Er war eine Zeitlang der von der deutschen Presse am meisten angefeindete Staats­mann.

Joe Chamberlain vertrat im Unterhaus, von dem er aber zuletzt ständig abwesend war, Wist-Birming- ham: kein Gegenkandidat hatte dort irgendwelche Chan­cen gegen ihn, obwohl ihn die Wähler nicht mehr zu Gesicht bekamen. Er war einer der wenigen englischen Staatsmänner, die keine Universitätskarriere durchge- macht hatten, aber er hatte sich eine weite allgemeine Bil­dung erworbeu. Kein englischer Politiker der letzten Generation, nicht einmal Lloyd George, ist von seinen Gegnern so gebatzt worden. Auf der anderen Seite hat er bet den englischen Massen seinen Namen zum Symbol der Reichseinheit und der britischen Mission gemacht. Seine gelegentlichen Exkursionen auf dem Gebiet der hohen europäischen Politik waren regelmäßig unglück­lich, und er hat der Reihe nach alle europäischen Staaten mit Anspielungen verletzt, am Ende auch Deutschland (25. Oktober 1901) mit seinen Bemerkungen über den

(25. Oktobe Krieg 1870.

Sie Srienibahn und das Mental.

Die Verhandlungen, die in Belgrad zwischen den österreichisch-ungarischen Bevollmächtigten und den Ver­tretern Serbiens über die Verstaatlichung der Orient- bahn geführt worden sind, haben einen neuen Aufschub erlitten. In der Frage der Bindung der Tarife konnte eine Einigung nicht erzielt werden und die österreichi­schen Delegierten kehrten nach Wien zurück. Ein Nach­geben von beiden Seiten war bis vor wenigen Tagen noch zu erwarten, da mau in einer Reihe der wichtig­sten Punkte eine Verständigung erzielt hatte.

Da kam das Attentat von Serajewo dazwischen und plötzlich zeigte sich auf beiden Seiten eine Steifnackigkeit, die nicht gewillt scheint, dem anderen Teile auch nur die kleinste Konzession zu gewähren. Serbien bat sich bereit erklärt, in eine Bindung der Tarife zu willigen, wenn auch Oesterreich-Ungarn auf seinen Linien eine derartige Bindung zugesteben wollte. Die Oesterreicher lehnten zuerst ab und erklärten dann, sich Instruktionen aus Wien holen zu müssen. Damit ist wieder ein außerordentlich unerwünschter Aufschub geschaffen, der dadurch eine besondere Bedeutung gewinnt, daß inzwi­schen die blutigen Ereignisse von Serajewo die Bezie­hungen zwischen Serbien und Oesterreich-Ungarn der­artig verbittert haben, daß ein gedeihliches Zusammen­arbeiten der Donaumonarchie mit ihrem lüdöstlichen Nachbar auf Jahre hinaus in Frage gestellt ist.

Gerade jedoch das Orientbahnproblem, das nicht ein ausschließlich österreichisch-serbisches ist, sondern an dem ganz Europa ein brennendes Interesse hat, ist geeignet, zunächst einmal die Brücke für ein wirtschaftliches Ver­ständnis der gemeinsamen Aufgaben Oesterreichs und Serbiens im nahen Orient zu bilden. Die Schwierig­keiten zwischen Serbien und seinem mächtigen Nachbarn jenseits der Donau sind in weit höherem Grade wirt­schaftlicher Statur als politischer Art. Die österreichisch­ungarische Zollpolitik hat erst Serbien der Habsburgi­schen Monarchie, der es Jahrzehntelang ein treuer Va­sall war, entfremdet. Serbien wurde förmlich in die Arme Rußlands getrieben, und das „Heilige Zartum", das sich jahrelang gegen den Gedanken einer Unter- stützung der Belgrader Königsmörder mit Händen und Füßen gewehrt hat, nahm schließlich die Bunöesgenos- fenschaft des südslavischen Bruders gegen Oesterreich an. Mit der russischen Deckung im Rücken erstarkte das ser­bische Nationalgefühl immer mehr, und gleichzeitig der Haß gegen Oesterreich, das bisher als süöslaviiche Vor­macht gegolten und nun auf einmal als Bedrücker des Slaventums in Acht und Bann getan wurde. Die Er­eignisse von 1908, die zur endgültigen Annexion Bos­niens und der Herzegowina führten und damit Mtl-

Die rechte WaM.

Roman von HeleneMerkel.

28) (Nachdruck verboten.)

Frau Roland ließ sich durch diese Worte nicht aus der Fassung bringen: achselzuckend, im Tone leisen Be- dauerlts erwiderte sie:

„Wenn ich aufrichtig sein soll, so muß ich sagen, daß ich den früheren Disput mit Hermann ganz vergessen hatte. Die Sache ist doch auch viel zu nichtig, um so viele Worte darüber zu machen. Viel mehr fällt meiner Ansicht, was uns zu dem Schritt veranlaßte, ins Ge­wicht. Das Fräulein hatte den schwindsüchtigen Bruder zu Hause: wie groß war da die Gefahr der Ansteckung. Und dann — Elfe mochte die Döring nicht mehr!*

„?!ew, ich konnte sie nicht mehr ausstehen!* ließ sich iddt auch Elies sehr entschiedene Stimme vernehmen. „Es tarnt Dir doch auch völlig gleichgültig sein, Her­mann, bei wem ich Stunden nehme!*

Herr Mrland, der in des Doktors Zügen las, daß etwas im Werke war, hielt es an der Zeit, sich ins Mittel zu legen. Resolut ergriff er das Wort:

. ."?lc ^^ ^6 für heute abgetan sein! Heute abend darf das Jntere^ie nur ausschließlich unseren Gästen ge­widmet sein! Obemnanzrats, Tu weißt es wohl noch gar nicht, Hermann * wandie er sich in begütigendem ^one an diesen, „und schon vor drei Stunden einge- trofsen; sie machen sich nur noch gefellschastsfertig: jeden Augenblick können sie oder andere erscheinen —-

^rr Roland brach jäh ab, denn das, worauf er den Schwiegersohn noch aufmerksam machen wollte, geschah bereits.

Der Diener trat ein und meldete die Leutnants Schrader und Förster.

Im Nu war die Szene verwaiidelt. Die Damen, lte ebe« «och Mr mMgM Wö 155510 dremgeschgut

klonen serbischer Volksgenossen ein für allemal von der Vereinigung mit dem Mutterlande ausschlossen, ließen den Haß ins Grenzenlose steigen. Die beiden siegreich geführten Balkankriege brachten ein Anwachsen des ser­bischen Nationalstolzes, und wieder trat ihm Oesterreich entgegen, als es durch die Schaffung Albaniens den siegreichen Serben den Zugang zur Adria sperrte.

Nur eine weitausschauende österreichische Wirt­schaftspolitik Serbien gegenüber ist imstande, langsam wieder zur Anbahnung eines besseren Verhältnisses zwischen den beiden Nachbarstaaten zu führen. Oester­reich darf Serbien wirtschaftlich nicht ersticken lassen, ohne sich den schwersten politischen Gefahren auszusetzen.

Politische Rundschau.

Die Nordlandreise des Kaisers. Der Kaiser wird, wenn seine Wiederherstellung Fortschritte macht, am 6. Juli die Nordlandreise antreten.

Ueber die Reisepläne des Kaisers wird anderweitig gemeldet: Der Kaiser trifft am 19. Juli auf dem Thü­ringer Truppenübungsplatz Ohrdruf ein und wird von dort aus die Neubauten der Feste Koburg besuchen. — Das Kaiserpaar trifft am 17. September gegen 2 Uhr nachmittags, von Münster kommend, in Koblenz ein. An diesem Tage ist der Kaiser Gast des Oberpräsidenten von Rheinbaben. Tags darauf ist im Residenzschlosse Galadiner zu Ehren der militärischen Gäste des Kaisers.

Der Botschafter von Wangenheim in Berlin. Der deutsche Botschafter in Konstanttnopel Frhr. von Wan­genheim hat einen kurzen Urlaub angetreten, der ihn nach Berlin führt. In Berliner politischen Kreisen bringt man diesen Urlaub mit dem Abschlüsse der deutsch- türkischen Verhandlungen in Zusammenhang.

Erweiterung des ruflischen Roten Kreuzes. Im Zusammenhang mit den Rüstungen Rußlands ist es be­merkenswert, daß die Verwaltung des Roten Kreuzes beschlossen hat, den Bestand der Barmherzigen Schwe­stern noch in diesem Jahre bedeutend zu erhöhen. Die Zahl der Kurse zur Ausbildung von Roten Kreuz- Schwestern wird erhöht. In allen großen Städten des Reiches sollen neue Kurse eingerichtet werden.

Friedfertige Gesinnungen der Pforte. Die Pforte hat ihre friedfertige Gesinnung neuerdings dokumen­tiert, indem sie den griechischen Vorschlag angenommen hat, wonach den in Smnrna und Saloniki zu bildenden Kommissionen je ein Schiedsrichter beigegeben wird. Die Richter werden den neutralen Staaten Belgien. Holland oder Schweiz entnommen werden. An den Sitzungen der Kommissionen werden sie nicht teilnehmen.

Norwegische Rüstungen. Das Storthing bewilligte gestern dem Anträge des Militärkomitees gemäß einen außerordentlichen Kredit von 11,6 Millionen Kronen, davon 5,1 Millionen für die Befestigung des Chri- stianiafjords.

Wilson und Carranza. Wilson entsendet den bisher in Saltillo stationierten Konsul Sillimau aus Washing­ton zu Carranza. Nach Meldungen einiger Blätter soll Silliman persönlich auch mit Villa unterhandeln. — Die mexikanische Deputiertenkammer stimmte für eine in­nere Anleihe von 60 Dtillionen Pesetas.

Kleine nadiriditen-

Ein merkwürdiger Abschied vom Leben. Ein verhei­rateter Arbetter in Bürstedt fertigte in einer Wirtschaft sein Testament zugunsten seines Bruders an. Er ließ sämtliche Gäste als Zeugen unterschreiben, ging dann fort und ließ sich von dem Schnellzug Mannhcim-Frank- furt den Kopf abfahren. Unglückliche Eheverhältnisse brachten den Mann zu diesem Entschluß.

Einen verdienten Denkzettel erhielt zu Goldap ein 6i<jähriger Knabe, der auf ein Scheuneudach geklettert war, um ein Storchnest auszunehmen. Das Ltorchen- paar überraschte ihn dabei und bearbeitete ihn derart mit Schnabelhieben und Flügelschlägen, daß er schreiend und blutend flüchtete. Dann holten sich die wehrhaften Eltern die Jungen zurück, die der Knabe aus dem Nest auf die Straße hinuntergeworfen hatte.

Opfer des Badesports. Das Baden im Rhein hat in der letzten Zeit verschiedene Unglücksfälle zur Folge gehabt. Zehn Personen haben auf diese Weise in den letzten Tagen das Leben eingebüßt.

Ueberfall auf eine Dame. Beim Verlassen der Reichsbank in Cöln drängten sich mehrere Gauner an eine Dame heran, die in ihrem Handtäschchen 1700 .ä in bar und Lombardscheine über 100 000 ./£ bei sich führte. Die Burschen raubten den Inhalt der Tasche. Die Dame merkte den Verlust noch zeitig genug, um durch Anzeige zu verhindern, daß die Lombardscheine eingelöst wurden.

Französische Flugzeuge überfliegeu die deutsch-fran­zösische Grenze. Bei Diedenhofen haben zwei franzö­sische Flugzeuge die deutsch-französische Grenze über- flogen. Der eine Apparat ist über den Grenzort Lom- meringen geflogen: er machte eine Schwenkung und

hatten, lächelten liebenswürdig und huldvoll: Herr Ro­land schüttelte den Eintretenden kordial die Hände, und auch Günther war viel zu wohlerzogener Gesellschafts­mensch, als daß er die Pflichten vornehmen Anstandes zu vernachlässigen vermocht hätte. Mit ernsterer Miene zwar als die Gastgeber, aber in völlig tadelloser Weise begrüßte auch er die Offiziere.

Noch hatten sie alle zusammen kaum die ersten landesüblichen Phrasen gewechselt, so erschienen Ober- finanzrat Förster mit Gemahlin und Töchtern. Statt­liche Leute, die Eindruck machten, in der Tat! Er, ein langer, schlankgewachsener Mann mit echtem Juristen­gesicht,' sie, eine noch immer jugendlich schöne Frau in schwarzem, flitterbesätem Tüllkleid mit weiß unterlegten Medailloneinsätzen,' neben beiden die zwei Mädchen — herrliche, stolze Erscheinungen, ganz gleich in Empire­roben von chinierter Seide gekleidet, das blonde Haar wunderbar schick frisiert.

Frau Roland kannte sich kaum vor Glück und Stolz, daß die hochgestellte, vornehme Familie ihr die Ehre er­wiesen, zu ihrer Gesellschaft zu erscheinen. Ihre Bril­lanten blitzten und sprühten nur so bei den freudig leb­haften Bewegungen, mit denen sie die hochwillkommenen Gäste begrüßte. Außerdem wurde sie nun auch von allen Letten in Anspruch genommen. Pünktlich fluteten die übrigen gebetenen Gäste herein, und sie hatte ununter- brochen zu begrüßen, verbindlich zu lächeln und vorzu- stellen und dabei als die veranwortliche Hausfrau alles zu dirigieren.

Endlich waren die Geladenen vollzählig versammelt: plaudernd, lachend bewegten sie sich, eine bunte, vor­nehme Menge, durch die prunkvollen, in einem wahren Lichtmeer schimmernden Gesellschaftsräume der Roland- schen Villa.

Dann ieyte man sich zum Essen nieder: die mächtig lauge Tafel, an der es eingenommen wurde, bildete ge­

kehrte nach Frankreich zurück. Der zweite Appara überflog Fentsch, den Jndustrieort Veihingen und gin; bei Crusnes wieder nach Frankreich zurück.

Prinz Wilhelm, der älteste Sohn des Kronprinzen­paares, der heute acht Jahre alt wird, erhielt, wie aus Danzig gemeldet wird, als militärischen Erzieher den Leutnant v. Kühne vom 1. Leibhusarenregiment.

Das Opfer seiner Wettleidenschaft ist der Rats- registrator Klemens Engelmann in Wilsdruf gewor­den, der während der verflossenen sechs Jahre Unter­schlagungen in Höhe von 25—30 000 .F begangen hatte. Bei der Schwurgerichtsverhandlung gegen den Defrau- öanten wurde festgestellt, daß Eugelmann durch seine Wettlust auf die schiefe Ebene geraten ist. Er wurde zu zweieiuviertel Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt.

Folgenschwere Dynamitexplosion. Ein schrecklicher Unfall hat sich in Marseille zugetragen. Arbeiter stan­den im Begriff, eine Mine zu legen, um ein altes Haus zu sprengen, als eine Kiste mit 10 Klg. Dynamit vor­zeitig explodierte. Der Werkmeister und zwei Arbeiter wurden auf der Stelle getötet. Alle drei Leichen waren furchtbar verstümmelt.

Eine ungarische Ehetragödie. In Komarvaros bei Nagy-Kaniha (Komitat Zala) hat die sehr schöne Frau eines gewissen Josef Laga ihren Mann durch einen Schuß schwer verletzt. Laga sagte aus, feine Frau habe sich geweigert, ihm einen Stiefel abzuziehen. Auf sein Schelten habe sie einen Revolver aus ihrer Bluse ge­zogen und einen Schutz gegen ihn abgefeuert. Lada starb kurz nach der Vernehmung. Die Frau erklärt, sie habe in der Notwehr gehandelt. Ihr Mann sei sehr eifer­süchtig und gewalttätig gewesen und hätte sie in seiner Wut unzweifelhaft getötet, wenn sie nicht früher ge­feuert Hütte.

Große Schäden durch Raupenfraß im Bamberger Land. In den Maindörfern Oberhaid und Unterhaid wird die beste fränkische Pflaume gebaut, die alljährlich wegen ihrer Süße und Größe in Tausenden von Zent­nern nach Norddeutschland ausgeführt wird. Der Er­trag schwankt in guten Jahren zwischen 150 000 und 200 0Ö0 Mark. Heuer ist nun die Ernte durch Raupen­fraß vollständig vernichtet. Die Bauern erleiden hier­durch große Verluste.

Drei Millionen-Stiftung für Pforzheim. Der im Alter von 80 Jahren verstorbene Bankdirektor August Kayser hat der Stadt seine Liegenschaften im Werte von über drei Millionen Mark zur Errichtung einer August- Kayser-Stiftung vermacht.

15 Gebäude in Flammen. Freitag nachmittag gegen 1% Uhr brach in Kirchwärdernord bei Hamburg bei einem Gemüsebauer ein Feuer aus, das sich bei der Dürre, dem Winde und dem Wassermangel sehr schnell ausbreitete. In zwei Stunden standen 15 Gebäude in Flammen. 3 Automobilspritzen der Hamburger Feuer­wehr uud alle Spritzen der Umgegend waren tätig.

Mesierstecherei zwischen italienischen Arbeitern. Bet einem Streit zwischen italienischen Arbeitern sind in Dillingen zwei der Streitenden durch Messerstiche ge­tötet worden.

Tödlicher Unfall eines Eisenbahnassistente». Don­nerstag abends wurde ein 54 Jahre alter Eisenbahn­assistent auf der Eisenbahnstrecke nach Dorstfeld tot auf- gefunden. Er war vom Eisenbahndamm abgestürzt und hatte sich das Genick gebrochen.

Eine Hundertjährige. Die im Nürnberger Vororte Gibitzenhof bei ihrer 72jährigen Tochter und deren 76- jährigen Ehemann wohnende Maqdalene Maier voll­endet am kommenden Sonntag ihr 100. Lebensjahr. Die Hundertjährige lebt in ärmlichen Verhältnissen.

Streik im belgischen Kohlengebiete. Die Krise in der belgischen Kohlenindustrie hat einen partiellen Streik der Bergleute hervorgerufen. Infolge des schlechten Geschäftsganges hatten die Zechengesellschaften die Ar­beitslöhne im ganzen Lande um 10 Prozent herunter­gesetzt. Die Arbeiter, die in den meisten Betrieben nur 4 bis 5 Tage in der Woche beschäftigt waren, haben zum Teil die Gründe der Direktionen gelten lassen, und nun sollte der neue Tarif in Kraft treten. Aber im Borinage und in mehreren Zechen um Charleroi haben die Berg­leute einen Streik begonnen, um ihre alten Tarne wiederzuerlangen.

Großer Postdiebstahl. Auf dem Hauptpostamt in Stockholm sind auf noch nicht aufgeklärte Art Barbe­träge und Wertsendungen in Höhe von insgesamt 21000 Mark entwendet worden.

Schweres Unglück. In Revers wurde ein Auto­mobil mit vier Insassen von einem Zuge erfaßt und fortgeschleift. Die Leichen waren schauerlich verstümmelt.

Neue Freveltat der Suffragetten. Das Schloß Tyal- lymenoch bei Holiwood tn England wurde von Stimm- rechtlerinnen in Brand gesteckt und mit seinen unersetz­lichen Kunstschätzen völlig eingeäschert. Die Feuerwehr war infolge des durch die Hitze verursachten Wasserman­gels machtlos. Der Schaden beträgt etwa vierhundert- tausend Mark.

radezu ein Meisterstück moderner Tafeldekoration. Und die Unterhaltung wurde noch lebhafter und lauter, als die Sektpfropfen knallten, die Tafelmusik intonierte heitere Weisen und Frohsinn und Lebenslust herrschten, wohin man schaute.

Der Uebermütigsten eine war Else. Sie ärgerte des Verlobten fortgesetzt reserviertes Wesen. Artur in schmucker Galauniform mit dem allzeit fröhlichen Ge­sicht saß ihr schräg gegenüber. Es war zwar nichts weniger als schicklich, aber sie kokettierte mit ihm. Was Günther davon denken mochte, galt ihr schließlich gleich.

Das Essen war vorüber. Auf dem Parkett des herr­lich geschmückten, strahlend hellen Ballsaales drehten sich nach den bestrickenden Klängen der Musik die Paare. Günther fehlte nicht unter ihnen: unermüdlich tanzte er mit Elfe, mit den Fräulein Förster und anderen jungen Damen, und dabei sagte er sich unaufhörlich, daß er sich unglücklich fühlte, wie noch nie, daß er sich wie ein völlig Fremder in diesem frohen Treiben be­wegte und Gott danken wolle, wenn erst endlich alles hinter ihm liegen würde.

Und noch ein anderer befand sich unter der stolzen Menge, der, obwohl äußerlich ganz sprühende Lebens­lust, ganz makellose Schneidigkett, sich ebenfalls ziem­lich verstimmt und gesellschansmüde fühlte. Das war der Husarenleutnant Artur Schröder. Er hatte eine Tanzpause benutzt, um sich in den abseits gelegenen Wintergarten zurückzuziehen, und dort saß er nun auf einem stillen, von Palmen und anderm Blattwerk ver­borgenen Plätzchen, in tiefes Linnen versltnken. Ur­sache seiner Zerknirschung: Er hatte wieder einmal Lchulden, ganz gewaltige, vermaledeite Lchulden! Und sein Vater, der knurrige Alte, dem er dieses Geständ­nis hatte machen muffen, er würde sie zwar diesesmal noch bezahlen, es blieb ja schließlich nichts anderes übrig. (Forts, folgt).